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Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Allgemeine Spiele-Themen
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timon
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Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Beitragvon timon » 6. März 2014, 15:22

Liebe Leute,

mein Name ist Thorsten Drescher, ich bin 25 Jahre alt und Student an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ich studiere im zehnten Semester Soziologie und werde im Laufe dieses Jahres meine Master-Arbeit schreiben.

Das Thema dieser Arbeit sollen "Spiele in der Pädagogik" sein. Die Fragen sind, wie, warum und welche (Brett-)Spiele verwendet werden als pädagogische Methode verwendet werden.

Mein Anliegen ist, dass ich Personen benötige, die in der pädagogischen Praxis arbeiten und als eine ihrer Methoden (Brett-)Spiele verwenden und denen ich "über die Schulter" blicken darf. Ich würde euch gerne bei eurer Arbeit begleiten, wenn es nicht stört einige Fragen stellen und erleben, wie diese Praxis eines Pädagogen/einer Pädagogin aussieht. Dazu gehören dann noch ein, zwei Interviews im Vorfeld, bzw. in der Nachbereitung, die maximal anderthalb Stunden dauern.

Wichtig ist, dass es bei dieser Arbeit nicht um eine Evaluation oder sonstige Art der Bewertung der angewendeten Methoden geht, sondern um eine genuin soziologische Fragestellung. Datenschutz gewährleiste ich gerne schriftlich. Alle Personen, Organisationen und Orte werden in der Abschlussarbeit anonymisiert.

Falls also ihr oder eure Bekannte in einem pädagogischen Feld tätig seid und die Bereitschaft habt, mir einen Einblick zu gewähren, dann freue ich mich sehr über eine Nachricht!

Auf Nachfragen antworte ich gerne hier im Forum, per persönlicher Nachricht oder E-Mail.

tdresche[at]students[punkt]uni[minus]mainz[punkt]de


PS: Bisher habe ich eine Arbeit mit dem Titel "Schulsozialarbeit an Grundschulen" verfasst, bei der ich SchulsozialarbeiterInnen bei ihrer Arbeit begleiten durfte. Falls sich jemand unsicher sein sollte, was das Ganze soll und was das Ergebnis sein soll, dem kann ich gerne eine Leseprobe zukommen lassen.

PPS: Ich hatte das Glück Sebastian Wenzel persönlich kennen zu lernen, wobei er mir dieses Forum empfahl, um Kontakt zu PädagogInnen zu schließen.

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Mixo

RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Mixo » 6. März 2014, 15:41

Die Umsetzung von Brettspielen in Schulen ist meist relativ schwer, weil du Spiele brauchst, die schnell erklärt werden können (es soll ja nicht um das Erlernen der Spielregeln gehen) UND eine Bezug zum momentanen Unterrrichtsthema haben müssen. Spielendes Lernen in der Schule hat daher zumeist nichts mit klassischen Brettspielen zu tun, sondern erfolgt eher in der Form von Planspielen, Trivia-Games ("magische Wand") oder sehr einfach "Roll-and-Move" Spielen, in denen Wiederholungsfragen eingebaut werden.

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SpieLama
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon SpieLama » 6. März 2014, 15:48

Hallo Thorsten,

unter viewtopic.php?f=22&t=2281 findest Du eine Diskussion zum Thema "Spielen in der Grundschule". Ansprechpartner für Spielpädagogik könnten außerdem sein ...

... http://www.akademieremscheid.de/fachber ... rofil.html
... http://www.spielmarkt.de/
... http://www.spielmarkt-potsdam.de/
... http://www.tpzlingen.de/
... http://www.spielen-macht-schule.de/

Grüße
Sebastian
Zuletzt geändert von SpieLama am 6. März 2014, 17:00, insgesamt 1-mal geändert.

timon
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon timon » 6. März 2014, 16:39

@Mixo
Die Schule ist sicherlich ein Tätigkeitsfeld, in dem Pädagogen tätig sind und der Unterricht ist eine Situation in der Brettspiele als Teil einer pädagogischen Methode angewandt werden können. Es gibt aber auch noch andere Bereiche, wie z.B. Kinder- und Jugendzentren, Schulsozialarbeit, Ganztagsbetreuung, aufsuchende Sozialarbeit usw., in denen die Kinder/Jugendlichen im Zentrum des Handelns stehen und nicht der Unterrichtsstoff.

@zuspieler
Vielen Dank für die Links. Ich werde mich dort mal umsehen.

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El Grande
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon El Grande » 6. März 2014, 16:51

Es ist nur schade, dass viele Einrichtungen zwar Spiele haben, aber deren Potential nicht wirklich erkennen, sie konzeptlos einsetzen oder eher lieblos mit ihnen umgehen.
Von daher finde ich es toll, wenn sich auch der akademische Bereich damit auseinander setzt und Spiele auch mehr in den Fokus der Bildungsarbeit gerückt werden. Also weiter so!
Zuletzt geändert von El Grande am 6. März 2014, 16:51, insgesamt 1-mal geändert.

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Alexey
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Alexey » 6. März 2014, 20:15

Ich finde, dass Spiele auch ohne Verbindung zu einem (fach)thematischen Inhalt in der Schule ihre Berechtigung haben. Um Schüler im Bereich der Sozial- und Selbstkompetenz zu fördern bieten sie sich durchaus an. Kann ja auch im Rahmen von AGs angeboten werden. Je nach Schulart bieten Spiele im Unterricht auch ordentlich Konfliktpotenzial. (Stichwort Frustrationstoleranz... ;) )

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HDScurox
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon HDScurox » 6. März 2014, 21:43

Mixo hat geschrieben:Die Umsetzung von Brettspielen in Schulen ist meist relativ schwer, weil du Spiele brauchst, die schnell erklärt werden können (es soll ja nicht um das Erlernen der Spielregeln gehen) UND eine Bezug zum momentanen Unterrrichtsthema haben müssen. Spielendes Lernen in der Schule hat daher zumeist nichts mit klassischen Brettspielen zu tun, sondern erfolgt eher in der Form von Planspielen, Trivia-Games ("magische Wand") oder sehr einfach "Roll-and-Move" Spielen, in denen Wiederholungsfragen eingebaut werden.


Das ist meiner (bescheidenen Meinung nach) ne recht einseitige Ansicht. Sicherlich ist es schwierig Brettspiele in den Unterricht einzubauen, besonders wenn sie etwas komplexer sind. Den straffen Lehrplan darf man ja auch nicht ignorieren. Allerdings können Brettspiele super dazu dienen, dass das Unterrichtsthema eben nicht nur ein Thema für die Schülerinnen und Schüler (SuS) ist, sondern es zum Unterrichtsinhalt wird, es die Schüler also interessiert und greifbar macht. Gamification ist dazu das Schlagwort, welches besonders in den USA immer größeren Anklang findet - aktuell sehr auf Computerspiele bezogen.

Sehen wir von dem eigentlichen Thematischen Bezug einmal ab, sind Brettspiele super um eine Menge Kompetenzen zu fördern. Von der sozialen Interaktion bis hin zum logischen Denken und planen.
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Mixo

RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Mixo » 6. März 2014, 22:06

HDScurox hat geschrieben:
Mixo hat geschrieben:Die Umsetzung von Brettspielen in Schulen ist meist relativ schwer, weil du Spiele brauchst, die schnell erklärt werden können (es soll ja nicht um das Erlernen der Spielregeln gehen) UND eine Bezug zum momentanen Unterrrichtsthema haben müssen. Spielendes Lernen in der Schule hat daher zumeist nichts mit klassischen Brettspielen zu tun, sondern erfolgt eher in der Form von Planspielen, Trivia-Games ("magische Wand") oder sehr einfach "Roll-and-Move" Spielen, in denen Wiederholungsfragen eingebaut werden.



Sehen wir von dem eigentlichen Thematischen Bezug einmal ab, sind Brettspiele super um eine Menge Kompetenzen zu fördern. Von der sozialen Interaktion bis hin zum logischen Denken und planen.



Genau von dem thematischen Bezug habe ich aber gesprochen. Ich finde es halt schwierig, wenn immer mit wehenden Fahnen davon gesprochen wird, wie toll Brettspiele doch in Schulen sind, wenn man dann aber mal hinter die Kulissen schaut und Menschen nach dem Brettspieleinsatz fragt, reduziert sich das auf:

- ÖKOLOPOLY, schließlich ist Herr Vester ja der mit dem vernetzten Denken
- Werwölfe vom Düsterwald wegen der Gruppendynamik
- Tabu et al. weil es die letzte Stunde vor den Ferien ist
- Trivia Games (gehen immer)

JA, man kann toll im Unterricht spielen und
JA, man kann ganz toll Kompetenzen damit fördern (ehrlich gemeint)
JA, es macht auch Spaß im Unterricht zu spielen (allen Beteiligten)
Ja, man kann auch tolle AGs mit "echten" Brettspielen anbieten (habe ich an der Haupt- und Realschule meines Sohnes drei Jahre lang ehrenamtlich gemacht)

ABER ich kenne nach wie vor kein Brettspiel, dass in Schule nicht nur auf Soft Skills (oder Sozial- und Humankompetenzen) abzielt sondern auch Fachkompetenz vermittelt und dabei nicht auf das Niveau von "Roll and Move" und/oder "Lies die Fragekarte vor" zurückfällt. Bitte nicht falsch verstehen, dass KANN alles Spaß machen und zum Lernerfolg führen, aber Brettspiele, die versuchen fachliche Inhalte zu vermitteln sind zumeist eher sehr platt und tendenziell langweilig (auch für Schüler, mal abgesehen von dem Effekt der Abwechslung im Unterricht)

NB: Gamification zielt - wie du selber schreibst - im Wesentlichen auf PC-Spiele. Das ist aber eine ganz andere Welt - der PC ermöglicht es Planspiele schnell und einfach einzusetzen und da wird es für den Unterricht extrem interessant.

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HDScurox
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon HDScurox » 6. März 2014, 22:51

timon hat geschrieben:
Das Thema dieser Arbeit sollen "Spiele in der Pädagogik" sein. Die Fragen sind, wie, warum und welche (Brett-)Spiele verwendet werden als pädagogische Methode verwendet werden.


Hi, ich studiere ebenfalls an der JGU Lehramt (Sozialkunde und Philo) und wollte das zu meinem Bachelorthema machen, schade das wird wohl dann etwas schwierig.
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El Grande
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon El Grande » 6. März 2014, 23:09

Mixo hat geschrieben:
ABER ich kenne nach wie vor kein Brettspiel, dass in Schule nicht nur auf Soft Skills (oder ) abzielt sondern auch Fachkompetenz vermittelt und dabei nicht auf das Niveau von "Roll and Move" und/oder "Lies die Fragekarte vor" zurückfällt. Bitte nicht falsch verstehen, dass KANN alles Spaß machen und zum Lernerfolg führen, aber Brettspiele, die versuchen fachliche Inhalte zu vermitteln sind zumeist eher sehr platt und tendenziell langweilig (auch für Schüler, mal abgesehen von dem Effekt der Abwechslung im Unterricht)


Da würde ich dir mal spontan widersprechen, da man an Spielen durchaus etwas lernen da außerhalb des Bereichs von Sozial- und Humankompetenzen liegt. Klar sind Brettspiele die fachliche Inhalte und Wissen vermitteln Mangelware. Und mal ehrlich genau das wäre ja auch Langweilig und ginge an meiner Definition von Spiel vorbei. Ziel eines Spiels ist Spaß und nicht das Lernen. Lernen sollte dabei intuitiv (spielerisch) ablaufen.

Brettspiele können m.E. nämlich genau in die Lernbereiche vorstoßen die kognitive und andere Fähigkeiten und Kompetenzen schulen, die gefordert werden (ich sag nur "Kompetenzorientierung"), die im Regelunterricht oder Alltagsunterricht eher schwer vermittelbar sind, sei es logisches Denken, Problemlösen, räumliche Vorstellung, operationalisieren von mathematischen Problemen, Kopfrechnen, zielbezogene Kommunikation, Planen oder "echtes" Rollenspiel um nur einige zu nennen.

Ich komme ja aus dem Bereich der Grundschule und da bieten sich Spiele schon an um Lernplaninhalte abzudenken.
Man kann zum Beispiel nicht mehr davon ausgehen, das Kinder einen "richtigen Satz" artikulieren können oder in der Lage sind eine "ordentliche" Frage zu stellen, geschweige denn etwas zu erklären. Hierbei können Tabu oder andere Kommunikationsspiele spielerisch sprachliche Kompetenzen schulen. Auch in der Hauptschule in der ich ebenfalls unterrichte bekomme ich selten mal einen Satz, sondern oft nur Brocken oder einfache Wörter hingeworfen.

Gerade im Zeitalter der neuen Medien finde ich Gesellschaftspiele unabdingbar als Lernfeld für alles mögliche, das heute einfach nicht mehr alltäglich oder ist.

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Alexey
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Alexey » 6. März 2014, 23:12

Die Frage ist ja auch ob es sinnvoll ist, Brettspiele für den fachlichen Wissenserwerb Zweck zu entfremden. Pädagogische Pseudo-Computer"spiele" finde ich z.B. ziemlich ätzend, wohingegen eine komplexe Simulation wie "Schule als Welt" i.d.R. allen Beteiligten einen großen Lernzuwachs bringt.

An was für eine Schule denkst du denn Mixo? Ich denke es kommt auch darauf an, was man für einen Bildungsbegriff hat.

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Mixo

RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Mixo » 6. März 2014, 23:18

El Grande hat geschrieben:
Mixo hat geschrieben:
ABER ich kenne nach wie vor kein Brettspiel, dass in Schule nicht nur auf Soft Skills (oder ) abzielt sondern auch Fachkompetenz vermittelt und dabei nicht auf das Niveau von "Roll and Move" und/oder "Lies die Fragekarte vor" zurückfällt. Bitte nicht falsch verstehen, dass KANN alles Spaß machen und zum Lernerfolg führen, aber Brettspiele, die versuchen fachliche Inhalte zu vermitteln sind zumeist eher sehr platt und tendenziell langweilig (auch für Schüler, mal abgesehen von dem Effekt der Abwechslung im Unterricht)


Da würde ich dir mal spontan widersprechen, da man an Spielen durchaus etwas lernen da außerhalb des Bereichs von Sozial- und Humankompetenzen liegt. Klar sind Brettspiele die fachliche Inhalte und Wissen vermitteln Mangelware. Und mal ehrlich genau das wäre ja auch Langweilig und ginge an meiner Definition von Spiel vorbei. Ziel eines Spiels ist Spaß und nicht das Lernen. Lernen sollte dabei intuitiv (spielerisch) ablaufen.


Hm, dann gib mir doch mal ein Beispiel für ein Brettspiel im Bereich der Fachkompetenzen, dass wirklich gut funktioniert - das einzige Beispiel, dass du benennst ist Tabu - das zielt auf einen SoftSkill - Kommunikationskompetenz - ab.

Nochmal: natürlich ist es toll, wenn in Schulen spielerisch gelernt wird, da bin ich absolut deiner Meinung. Und sicher ist das im Grundschulbereich noch viel notwendiger und wichtiger als in Sek I oder II, aber mal ganz ehrlich wo, wann und wie benutzt du BRETTspiele im Unterricht? Ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren... (allerdings komme ich aus dem Berufsschulbereich, also quasi am anderen Ende der Ausbildung)


Alexey hat geschrieben:Die Frage ist ja auch ob es sinnvoll ist, Brettspiele für den fachlichen Wissenserwerb Zweck zu entfremden. Pädagogische Pseudo-Computer"spiele" finde ich z.B. ziemlich ätzend, wohingegen eine komplexe Simulation wie "Schule als Welt" i.d.R. allen Beteiligten einen großen Lernzuwachs bringt.



Im berufsbildenden Bereich (Bereich Wirtschaft) sind Planspiele (und die sind fast allen computergestützt) immens wichtig. Im Bereich Wirtschaft hast du immer das Problem, dass du simulieren musst (und das am besten spielerisch), nur leider funktionieren da Brettspiele eher schlecht, PC-Simulationen hingegen sind da exzellent und aus der Ausbildung (zum Glück) nicht mehr "wegdenkbar". In den technischen Bereichen kannst du halt an einem "Werkstück" arbeiten, in der Wirtschaft MUSST du simulieren, wenn du auf Kompetenzerwerb und nicht auf reine Faktenvermittlung abzielst. Ich rede hier also nicht von "pädagogischen Pseudocomputerspielen" (Was auch immer das ist), sondern von dem PC als einem sinnvoll eingesetzten Werkzeug, der die Wirtschaft simuliert. Es gibt sogar Planspiele. bei dem die Schüler nicht einmal mitbekommen müssen, dass die Auswertung am PC erfolgt.
Zuletzt geändert von Mixo am 6. März 2014, 23:26, insgesamt 1-mal geändert.

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El Grande
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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon El Grande » 6. März 2014, 23:37

Also mathematische Fachkompetenzen findest du wohl in fast jedem Spiel. Wenn ich da mal anfange höre ich nicht mehr auf.

Kommunikationskompetenz kann man klar als Softskill definieren. Im Lehrplan der Grundschule ist es jedoch konkreter Unterrichtsinhalt des Fachs Deutsch.

Der Einsatz von Spielen im Unterricht ist natürlich schwierig, gerade als Fachlehrer. Wir haben ja GU (grundlegenden Unterricht), da kann man das schon ab und an einbauen, weil man da ja auch fächerübergreifend arbeiten kann, wobei eine AG das sicherlich sinnvoller ist.

Zur Wissensvermittlung setze ich spiele kaum ein, weil es dazu kaum Spiele gibt und ich das wie gesagt nicht sinnvoll finde.
Hier meine Liste aus einem anderen Thread, den ich aus dem Stehgreif mal eingetippt habe:

Bereich "Sprechen und Gerspräche führen":

Werwölfe
Stories (hab ich leider noch nicht probieren können, kommt aber noch)
Blackstories (ausgewählt!!!) oder eben Green-, Blue,- und andere Farben-Stories

Sekundarstufe und höher:
hier kommt zu den genannten noch "Das letzte Bankett" hinzu, bedarf aber einer Klasse die auch die etwas ausführlicheren Regeln versteht (verstehen will)

Geometrie (räumliches Denken uns so):

- Tetris Link
- Fits
- Bits
- Verrücktes Labyrinth und dessen Klone

Daten und Wahrscheinlichkeit:
- Bluff
- Heckemeck
- Sushizock
- allgemein Würfelspiele

Ich habe schön öfter eine Unterrichtssequenz zu Siedler gemacht (Wahrscheinlichkeiten mit zwei Würfeln)

Kartenspiele:
Love Letter
Wizard (fitte Kinder)
Großer Dalmuti

Andere Spiele:

Suleika
Afrikana
Zug um Zug

Sekundarstufe und höher:
Formula D
Zuletzt geändert von El Grande am 6. März 2014, 23:38, insgesamt 1-mal geändert.

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RE: Spiele in der Pädagogik

Beitragvon Alexey » 6. März 2014, 23:57

Schönes Thema.

Im Bereich der Berufsschule kenne ich mich in der Tat zu wenig aus um hier sinnvoll mitdiskutieren zu können. An den Bereich computergestützte Planspiele habe ich z.B. überhaupt nicht gedacht.
Wenn ich allerdings an den Bereich der Schlüsselqualifikationen denke könnten Spiele, die "nur" auf Softskills abzielen, durchaus zielführend und interessant sein.
Da ich mit Schülern arbeite, die Probleme im Bereich Lernen, Sprache und Sozialverhalten habe, eignen sich "herkömmliche" Spiele sehr gut, um die von Basti genannten Kompetenzen anzubahnen. Hier habe ich eher das Problem, dass ich Schüler mit "einfachen" Spielen überfordere, weil sie es z.B. nicht aushalten, wenn sie warten müssen bis sie wieder an der Reihe sind oder sie es nur schwer schaffen, eine Niederlage oder eine "+4" bei Uno weg zu stecken.
Ich lasse meine Schüler z.B. Make'n'Break, King of Tokyo, Phase 10, Uno, Ubongo, Rush Hour... spielen. Da ich sie auf das Leben nach der Schule vorbereiten möchte und sie beim Spielen meiner Meinung nach viel lernen können (keine Fachkompetenz, dafür vieles aus den anderen, gleichbedeutenden Kompetenzbereichen), ist dies für mich legitim und zudem ebenfalls "richtiger" Unterricht.

Was sich außerdem anbietet ist, dass Schüler selbst Quizfragen zum aktuellen Thema entwickeln und z.B. als Spielleiter bzw. Fragensteller agieren.

Da es im Berufsschulbereich wohl mehr auf das Vermitteln von "harten Fakten" ankommt, scheint es dort nicht so einfach zu sein, Spiele sinnvoll einzusetzen. Das Vermitteln von Fachwissen ist meiner Meinung nach aber auch nicht die Aufgabe von Spielen.

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SpieLama
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Artikel über Østerskov Efterskole

Beitragvon SpieLama » 22. Januar 2016, 00:04

Entdeckt im Magazin der Süddeutschen Zeitung, Heft 02/2016, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44095

Eine Schule in Dänemark setzt auf ein außergewöhnliches Konzept: Der gesamte Unterricht ist in Rollenspiele eingebettet. So sollen die Schüler viel mehr lernen, als auf dem Lehrplan steht.

Mehr zu dem Thema auch unter Spielen an Grundschulen. Spiele-Empfehlungen für den Unterricht findet ihr unter Empfehlungen.

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Sascha 36

Re: Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Beitragvon Sascha 36 » 22. Januar 2016, 12:49

Danke für diesen tollen Artikel, ich freu mich für die Dänen das sie ein so offenes Konzept haben in dem solche Konzepte integriert werden können. Ob so etwas jemals in deutschen Schulen möglich ist, wage ich bezweifeln.

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Re: Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Beitragvon SpieLama » 19. August 2017, 12:45

Unter http://martin-thiele.us9.list-manage1.c ... 1a33833369 findet ihr den Artikel "Geschichte spielen?! Wie Spiele bei der Geschichtsvermittlung helfen können und was dabei zu beachten ist" von Martin Thiele-Schwez. Martin schreibt unter anderem:

Martin Thiele-Schwez hat geschrieben:[...] Der Inhalt, der [durch Spiele] vermittelt werden soll, darf nicht neben oder außerhalb des Spielprinzips stehen. Überambitionierte Lehrspiele oder Serious-Games begehen den Fehler, dass sie wie ein Lehrbuch aufgebaut sind und ihre Spielprinzipien nur zur Aulockerung einstreuen. Ein gelungenes Spiel vermittelt im Prozess des Spielens. [...]

Mehr über das Spiel Wendepunkte von Martin Thiele-Schwez und Michael Geithner erfahrt ihr unter viewtopic.php?f=5&t=389966.

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Samonuske
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Re: Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Beitragvon Samonuske » 24. August 2017, 20:30

Das erinnert mich sofort wieder an die Grundschule Fallersleben und Andor die auch sehr schön gezeigt haben,wie so etwas umgesetzt werden kann.
Auch wenn dies selbst bestimmt nur eine seltene und einmalige Erfahrung gewesen ist.

https://www.facebook.com/legendenvonand ... 6588632859
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Mein BLOG über Brettspiele und andere Spielereien
https://dieblubberecke.blogspot.de/

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Re: Spiele in der Pädagogik und in Schulen

Beitragvon SpieLama » 27. Juni 2018, 08:28

Die Fachzeitschrift Pädagogik behandelt in der aktuellen Ausgabe das Thema "Spielen im Unterricht", unter anderem mit folgenden Artikeln:

  • Spielen im Unterricht - ... mehr als eine schöne Abwechslung
  • Kooperation durch Wettkampf - »Klasse-Kinder-Spiel« im inklusiven Setting
  • Mit Spielen Teambildung unterstützen - Übungen aus dem Bereich der Erlebnispädagogik
  • Brettspiele und Wirtschaft - Spiele zur Vermittlung fachlicher Zusammenhänge nutzen
  • Lernspiele im Fachunterricht und darüber hinaus - »DasWürfelglück des Schamanen«
  • Taktik-Shooter-Spiele als Unterrichtsfach - Inspirationen aus einem Projekt in Norwegen
  • Spielen in virtuellen Welten als Projekt - »Mars Tomorrow«
  • Humorvolle Spiele
Ihr könnt die Zeitschrift unter
https://www.beltz.de/fachmedien/paedago ... 62018.html. kaufen.

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