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Werden Brettspiele immer teurer?

Allgemeine Spiele-Themen
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Peterlerock
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Peterlerock » 31. Juli 2016, 13:02

Natürlich sind heutzutage die Zyklen kürzer, Spiele werden schneller billiger. Wer wartet, kauft günstiger.
Und natürlich gibt es heute viel mehr Angebote, wir profitieren von Ausbeutung (Amazon) und Selbstausbeutung (andere Onlinehändler). ;)

Aber Ich halte es halt für den völlig falschen Ansatz, Restposten-Ramschpreise, Gebrauchtmarkt- und Ebaykurse, Amazonpreise und dergleichen hinzu zu ziehen.
Wenn wir nicht "Äpfel mit Birnen" vergleichen wollen, dann zählt einzig und alleine das, was der Verlag bei der Erstveröffentlichung als UVP rausgegeben hat.

Und da würde ich im Gegensatz zu dir schon von "deutlichen Preissteigerungen" sprechen.
Schlimmer als andere Luxus- oder Konsumgüter? Keine Ahnung.
Immer noch deutlich, wenn inflationsbereinigt? Keine Ahnung, gefühlt schon.

Siehe oben:
hgzwopjp hat geschrieben:Trotzdem: ich habe den Eindruck, daß die Preise in den letzten 3-4 Jahren mehr angezogen haben als davor, aka: 30€ ist das neue 20€, und bald sind wir bei 40€. Und 60€ für Terra Mystica war damals[tm] noch eine ehrfurchterregende Ansage (war trotzdem mein billigstes Spiel, wenn man pro gespieltem Spiel rechnet), heute sieht man Preise in der Region öfter.
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Daremos
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Daremos » 1. August 2016, 21:52

Ich finde gerade bei komplexen thematischen Spielen merkt man schon einen deutschlichen Preisanstieg innerhalb der letzten paar Jahre und Monate.

Als ich mir vor zwei Jahren Descent 2. Editon (43€), Villen des Wahnsinns (43€) und Mage Knight (36€) gekauft hatte, waren das meine bis dato teuersten Brettspiele und da gab es auch nicht viel auf dem Markt, was diesen Preis noch signifikant übertroffen hätte.

Mage Knight kostet auf der selben Website, bei der ich das damals bestellt hatte, und von einem neuen Verlag herausgebracht inzwischen 73€. Imperial Assault, das sowohl von der Spielmechanik als auch von dem enthaltenen Material sehr gut mit Descent vergleichbar ist, kostet 80€. Die 2. Edition von Villen des Wahnsinns hat laut Verlagswebsite einen Preis von ca 100€ (Vergleich angegebener Preis der 1. Edition: 60€) - okay da ist jetzt eine App dabei und ich weiß nicht wie teuer die Entwicklung von soetwas ist, aber 40€ Aufpreis wären alleine damit nicht zu rechtfertigen. Descent hat die neue App gratis bekommen und bei X COM zB. kostet das gesamte Spiel mit App nur 35-40€.

Bei weiteren angekündigten Spielen von Heidelberger und auch anderen Verlagen setzt sich das fort: Sea Fall (UVP 90€), Schwungfedern (UVP 70€) usw.

Thygra
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Thygra » 2. August 2016, 12:19

Es mag ja sein, dass du Mage Knight für 36 Euro gekauft hast, aber der UVP der Pegasus-Version lautete 59,95. Du solltest keine UVPs mit real gezahlten Preisen vermischen, wenn du Vergleiche ziehst.
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Florian-SpieLama
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Florian-SpieLama » 2. August 2016, 12:21

Wenn du richtig oder ganz liest, siehst du, dass er genau das gemacht hat.

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Sascha 36

Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Sascha 36 » 2. August 2016, 12:35

Ich lese da nicht das Dameros das gemacht hat, ich habe Mage Knight genau zur gleichen Zeit gekauft und es war weit teurer als 36 Euro.
Bei Fantasy Flight sehe ich die Preisteigerung auch, bei anderen Anbietern finde ich das noch sehr moderat.
Aber ich hier denke ich mir, warum machen sie das ? Weil sie es können, weil die Leute es zahlen und jede deutsche Version war dann ja auch billiger als der Fantasy Flight Preis.
Zuletzt geändert von Sascha 36 am 2. August 2016, 13:34, insgesamt 1-mal geändert.

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peer
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon peer » 2. August 2016, 12:42

Ich sehe drei Faktoren:

- Inflation
- z.T. Kleinere Auflagen und vor allem höheres Risiko; Wenn es mehr Spiele gibt, dann ist das Risiko einen Ladenhüter zu produzieren größer. Und auch das muss abgefangen werden, damit der Verlag auch mal eine Durststrecke überstehen kann ohne Pleite zu gehen.
- Besseres Material - In meiner Jugen ;-) wurden Holzteile noch auf der Schachtel beworben - selbst simple Holzscheiben. Heute sind die Standard. Ein Spiel wie Imhotep wäre vor 30 Jahren noch ein Kandidat für das "Schöne Spiel" gewesen, wegen der vielen Holzwürfel. Bei Burgen von Burgund wurde dann schon kritisiert, dass die Dicke der Pappe noch immer so ist, wie in der Alea-Anfangszeit. Papiergeld wird momentan in manchen Rezensionen besonders kritisiert (Das einzige Spiel mit Münzen, dass es in meiner Kinderzeit gab, war "Im Räuberwald") Mit anderen Worten: Spieler stellen höheren Anspruch ans Material. Und das kostet natürlich mehr. Und da sich viele andere Kosten (Gewinnmarge, Steuer, Autorenabgaben z.B.) unmittelbar oder mittelbar am Preis orientieren, springt der sogar etwas höher als durch den einfachen Mehrwert am Material (Kann mir auch vorstellen, dass ein höheres Gewicht -durch Holz statt Pappe oder gar Metallmünzen) sich niederschlägt, weiß es aber nicht).
Auch die Graphik ist aufwendiger geworden und steht mehr im Mittelpunkt und auch das will bezahlt werden. Spitzengraphiker nehmen Spitzengehälter, besonders, wenn es viel zu illustrieren gibt.
Der Trend in den letzten Jahren ging in meinen Augen mehr und mehr zum Luxusobjekt, dass mit toller Ausstattung und Graphik glänzen will - siehe z.B. Mysterium: Tolle Graphik, toll produziert. Das hätte es vor 20 Jahren in der Form nicht gegeben.

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Peterlerock
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Peterlerock » 2. August 2016, 13:03

peer hat geschrieben:Spitzengraphiker nehmen Spitzengehälter, besonders, wenn es viel zu illustrieren gibt.

Die letzte Spielbox schreibt das ungefähre Gegenteil: "Spitzengraphiker" rennen weg, wenn sie sehen, wie die Bezahlung in der Branche aussieht.

@Sascha36 / Thygra
Ich glaube, er vergleicht hier "Birnen mit Birnen" (irgendwie reduzierte Preise im selben Laden).
Mir wäre aber auch "Äpfel mit Äpfeln" (UVP) lieber, siehe oben.
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Florian-SpieLama » 2. August 2016, 13:15

Zugegebenermaßen hat er is nicht bei Mage Knight gemacht, aber bei Villen des Wahnsinns. Da habe ich mich vertan, tut mir leid.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon peer » 2. August 2016, 13:21

Peterlerock hat geschrieben:
peer hat geschrieben:Spitzengraphiker nehmen Spitzengehälter, besonders, wenn es viel zu illustrieren gibt.

Die letzte Spielbox schreibt das ungefähre Gegenteil: "Spitzengraphiker" rennen weg, wenn sie sehen, wie die Bezahlung in der Branche aussieht..


Mmh, ich meinte "Spitzengraphiker" innerhalb der Szene. Und wenn französische Comiczeichner ein Spiel illustrieren, wirds auch nicht gerade billig.
Dank King is dead weiß ich was ein Peter Dennis für ein Spiel nimmt (als Festpreis). Da muss ich als Autor erst einmal nachlegen...

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Sascha 36

Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Sascha 36 » 2. August 2016, 13:35

Birnen mit Birnen, eine Schande ist das :)

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Harry2017 » 2. August 2016, 14:43

Ich glaube ja FFG orientiert sich einfach an Cool Mini or Not - Man hat da gesehen, was für Erfolge trotz der Preise erziehlt werden können...

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Dicebattle » 2. August 2016, 23:58

Cool Mini or Not- Sachen sind schon sehr speziel. Nicht nur dass die Spiele jede Menge Miniaturen beinhalten und anderen Schnickschnack, auch die Gruppe an Spielern die dort angesprochen wird bildet wohl kaum die Mehrheit der Brettspieler. Ich glaube nicht , dass es die meisten der Verlage jetzt auch diese Art von Spielen produzieren werden.
Die Minis und der ganze Kram an Plastik ist in den meisten Spielen nur ein Gimmick und trägt nicht zu Qualität des Spiels bei(Technisch und der Mechanik gesehen), aber der Preis wird durchaus hochgeschraubt.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon sychobob » 3. August 2016, 07:07

Harry2017 hat geschrieben:Ich glaube ja FFG orientiert sich einfach an Cool Mini or Not - Man hat da gesehen, was für Erfolge trotz der Preise erziehlt werden können...

Wenn man mal den Inhalt der Kickstarter von CMoN und die Plastikqualität mit den aktuellen Erscheinungen von FFG anschaut muss man FFG eigentlich Wucher vorwerfen. Inhalte abspecken und gleichzeitig Preise erhöhen geht gar nicht. Dazu dann diese völlig überteuerten Minierweiterungen wie 14 Karten für 5€ oder die Hauptmannsets. Da wird den Kunden in kleinen Dosen das Geld aus der Tasche gezogen, damit es nicht weh tut und am Ende hat man dann 100€ für 15 Figuren ausgegeben. Teuer darf es ja ruhig sein, aber ein vernünftiges Preisleistungsverhältnis muss einfach gewährt bleiben. Positiv erwähnenswert finde ich die Spielepreise von Pegasus. Selbst beim UVP ist Mombasa beim gebotenen Material ein Preiskracher.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon toasted » 3. August 2016, 10:18

Bei Spielen mit Miniaturen liegt das Preisniveau immer recht hoch. Kann man auf der einen Seite nachvollziehen (es müssen 3D Modelle erstellt werden, etc...), auf der anderen Seite würden mich da mal die echten Kosten interessieren.

Wenn man einmalig die Modelle erstellt hat und das danach in die Massenproduktion geht wird man aufgrund des im Vergleich zu echtem Holz günstigerem Materials den größeren Gewinn einfahren. Besonders wenn es in einem Spiel eben nicht 100 verschiedene Miniaturen sondern 50 x 2 Arten von Miniaturen gibt.

Das sind jedoch nur Vermutungen. Ich kann das nicht belegen. Vielleicht kann hier mal jemand mit mehr Wissen dazu Zahlen nennen? Muss ja nicht an ein Spiel gebunden sein, einfach ein paar Werte.
Brettspiel Schnäppchen & Angebote schnell gefunden unter www.brettspiel-angebote.de

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Daremos » 3. August 2016, 11:20

Peterlerock hat geschrieben:@Sascha36 / Thygra
Ich glaube, er vergleicht hier "Birnen mit Birnen" (irgendwie reduzierte Preise im selben Laden).
Mir wäre aber auch "Äpfel mit Äpfeln" (UVP) lieber, siehe oben.


Bei den von mir angesprochenen Spielen habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass diese irgendwann billiger werden. Das ist dann der Fall, wenn die Spiele nicht gut sind und sich deswegen schlechter verkaufen, als bei Festlegung der Produktionsmenge prognostiziert war oder wenn sie in sehr viel größeren Mengen verkauft werden und deswegen die Produktionskosten mit der Zeit sinken. Ersteres sind Spiele, die ich mir im Normalfall nicht kaufe und zweiteres wären eher massentaugliche Spiele, wie zB. die zum Spiel des Jahres nominierten. Beides trifft auf die von mir bevorzugten Spiele allerdings nicht zu, deswegen finde ich hier die UVP den schlechteren Vergleich, da diese oft unrealistisch ist und die Spiele ja vom Kunden zu den Ladenpreisen gekauft werden und nicht zu den teilweise utopischen Verlagsempfehlungen.


Und um Missverständnis auszuräumen:

Die von mir gemachten Preisangaben beziehen sich bei Mage Knight auf die Preise von der gleichen vergleichsweise günstigen Website, die jeweils nicht heruntergesetzt und über Monate sehr stabil waren. Ähnlich bei Descent/Imperial Assaults.

Bei allen anderen Spielen, die ich oben verglichen habe, waren die Preisangaben durchaus jeweils die UVP vom Hersteller, da die genannten teurer gewordenen Spiele größtenteils noch nicht einmal erschienen sind und ich demzufolge auch noch keine realistischen Ladenpreise kenne.

Wenn ihrs so wollt, habe ich also sowohl Äpfel mit Äpfeln als auch Birnen mit Birnen verglichen.

Welche Miniflaws solche Vergleiche nun auch immer haben... ich denke man sieht schon sehr deutlich, dass es da preistechnisch eine nicht nur mit Inflation zu erklärende Tendenz nach oben gibt. Ich denke auch, dass das hauptsächlich eben komplexe Spiele betrifft. Bei den typischen Eurogames und den Anwärtern für (Kenner-) Spiel des Jahres hält sich das bis jetzt in Grenzen.


Was die Miniaturen angeht, würden mich die Kosten auch mal interessieren. Allerdings gab es Miniaturenspiele ja vor noch nicht allzulanger Zeit auch schon zu günstigeren Preisen. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass in Zeiten von immer vortschrittlicheren 3D-Druck-Möglichkeiten die Produktionskosten so stark ansteigen.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon SpieLama » 3. August 2016, 12:00

Daremos hat geschrieben:Was die Miniaturen angeht, würden mich die Kosten auch mal interessieren. Allerdings gab es Miniaturenspiele ja vor noch nicht allzulanger Zeit auch schon zu günstigeren Preisen. Und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass in Zeiten von immer vortschrittlicheren 3D-Druck-Möglichkeiten die Produktionskosten so stark ansteigen.

Unter http://massiveawesome.com/miniature-myth-busting/ findet ihr eine Beispielkalkulation für zwei Miniaturen.

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Peterlerock
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Peterlerock » 3. August 2016, 12:20

Die qualitativen Unterschiede bei Plastikfiguren spielen vermutlich auch eine Rolle.

Simple "Plastikfiguren", wie zB in Age of Empires III, Kemet, Mission Red Planet, etc.
Detaillierte "Miniaturen", wie zB in Blood Rage, GW-Titeln wie WQ: Silver Tower etc.

Da liegen Welten dazwischen, und das wird sich auch in den Stückkosten bemerkbar machen.
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Ralf Arnemann » 3. August 2016, 16:31

peer hat geschrieben:Spieler stellen höheren Anspruch ans Material. Und das kostet natürlich mehr.

Absolut richtig.

Ich würde sogar sagen: Spiele sind im Lauf der letzten Jahrzehnte billiger geworden!

Jedenfalls wenn man Vergleichbares vergleicht.
Und das durchschnittliche Brettspiel von heute ist eben nicht direkt vergleichbar mit dem durchschnittlichen Brettspiel von früher. Was heute normaler Ausstattungsstandard ist, war früher Luxusversion.

Als ich in den 70ern angefangen habe Brettspiele zu kaufen, da hatte ein übliches "komplexes" Spiel ein Spielbrett, einen farbigen Pöppel pro Spieler, einen Block Papiergeld und ein paar Päckchen Ereignis-/Besitz-/Ausrüstungs-Karten (meist klein und einfarbig). Und das hat dann je nach Größe 20-40 DM gekostet - also heute 30-60 Euro.
Spiele in dieser Ausstattungsqualität wären heute unverkäuflich.

Das Luxusprodukt damals waren die 3M-Bookcase-Games. Mit gutem Plastik-Material, einem stabilen Karton und ein paar Extras. Die kosteten astronomische 60 DM (heutige 90 Euro). Die wären heute netter Durchschnitt.

Wenn ich mir heute ein "schlichtes" Isle of Skye oder ein Ausstattungsmonster wie Terra Mystica - da hätten die aktuellen Preise noch vor 20 Jahren als Schnäppchen gegolten ...

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Daremos » 3. August 2016, 22:25

Ralf Arnemann hat geschrieben:
peer hat geschrieben:Spieler stellen höheren Anspruch ans Material. Und das kostet natürlich mehr.

Absolut richtig.

Ich würde sogar sagen: Spiele sind im Lauf der letzten Jahrzehnte billiger geworden!

Jedenfalls wenn man Vergleichbares vergleicht.
Und das durchschnittliche Brettspiel von heute ist eben nicht direkt vergleichbar mit dem durchschnittlichen Brettspiel von früher. Was heute normaler Ausstattungsstandard ist, war früher Luxusversion.

Als ich in den 70ern angefangen habe Brettspiele zu kaufen, da hatte ein übliches "komplexes" Spiel ein Spielbrett, einen farbigen Pöppel pro Spieler, einen Block Papiergeld und ein paar Päckchen Ereignis-/Besitz-/Ausrüstungs-Karten (meist klein und einfarbig). Und das hat dann je nach Größe 20-40 DM gekostet - also heute 30-60 Euro.
Spiele in dieser Ausstattungsqualität wären heute unverkäuflich.

Das Luxusprodukt damals waren die 3M-Bookcase-Games. Mit gutem Plastik-Material, einem stabilen Karton und ein paar Extras. Die kosteten astronomische 60 DM (heutige 90 Euro). Die wären heute netter Durchschnitt.

Wenn ich mir heute ein "schlichtes" Isle of Skye oder ein Ausstattungsmonster wie Terra Mystica - da hätten die aktuellen Preise noch vor 20 Jahren als Schnäppchen gegolten ...


Ich möchte meinen, dass das heutige Standardspiel von den Produktionskosten her nicht unbedingt teurer ist als das von dir beschriebene 70er Jahre Spiel damals gekostet hat. Dank modernen 3D-Druckern, PCs mit Designsoftware etc ist der Produktionsstandard heute nunmal deutlich besser als vor 40 Jahren. Und ich als Spieler muss auch sagen, dass es mir herzlich egal ist, ob in dem Spiel extrem detaillierte Miniaturen, weniger detaillierte Miniaturen oder Marker aus Pappe verwendet werden, solange das Spiel an sich gut ist und der Preis stimmt.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Mitspieler » 3. August 2016, 23:11

@AndreasB78: Hallo :-) Ich verstehe Deine Argumente, und sehe einiges auch ähnlich (dass die hohen Preise für die meist kleinen Verlage und für die Materialqualität nötig sind), aber trotzdem finde ich Deine folgende Aussage - für sich allein betrachtet- etwas unbedacht:
AndreasB78 hat geschrieben:Mag sein, dass Spiele teurer werden. Da sie aus meiner Sicht ein Luxusgut sind, finde ich das aber auch nicht weiter schlimm. Aus meiner Sicht könnten sie sogar noch teurer werden, [...]
Das klingt fast schon etwas ignorant oder desinteressiert - etwa gegenüber Menschen (wie auch mich), für die der Preis durchaus ausschlaggebend ist, bzw die gerne spielen würden, sich aber die immer höheren Preise nicht so leicht leisten können:
Stein-Schere-Papier hat geschrieben:]...] Nur leider finde ich mich eben auch in dieser Graphik wieder (http://www.sozialpolitik-aktuell.de/einkommen-datensammlung.html) - in der roten Linie. [...]

Klar, wenn man arm ist, kann man sich halt nicht anmassen, viel "Luxus" haben zu wollen, und irgendwann hat man vielleicht auch das Glück, ein Sonderangebot zu ergattern,
aber trotzdem wollte ich diesen Aspekt, dass viele Menschen sich teure Spiele nicht mehr leisten können, einfach nochmal ins Bewußtsein lenken. Zumal zur "Zielgruppe" der Verlage ja (zumindest teilweise) gerade die Familien und jungen Leute (Studenten,..) gehören, die das Geld eben nicht im Überfluss haben.

Liebe Grüße :-)
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Sascha 36

Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Sascha 36 » 4. August 2016, 01:12

Ich kann das verstehen das das ignorant oder desinteressiert rüberkommt, war aber nicht so gemeint.
Verlage sind keine Samariter und Spiele sollen einfach ihren Preis haben, das ist meine Meinung.
In unserer Spielerunde bin ich wohl derjenige der die meisten Spiele kauft, wie lange die dann im Besitz bleiben ist eher egal. Wieviele Spiele ich besitze ist mir egal, ich will soviele besitzen das ich problemlos auch mal tauschen kann. Hierfür muss man sich schon eine Sammlung anschaffen, damit man ein gutes Tauschkontingent hat. Hat man das aber, gibt man deutlich weniger aus.
Zielgruppe der Verlage sind mit Sicherheit nicht Menschen ohne Geld, aber schau ich mir Pegasus oder Kosmos an so sehe ich da viele preiswerte Spiele die ihren Preis absolut wert sind.
Wenn ich Leute höre die jedes Fantasy Flight Spiel zur Hälfte wollen, oder im Basar fragen kommen ob man ein Viticulture inkl Tuscany nicht für 50 abgibt, dann ist das für mich einfach realitätsfremd.
Du hast Recht wenn man Arm ist kann man sich nicht anmassen viel Luxus zu haben, find ich eine kluge Einstellung und führt zu wenig Zwängen. Meine Ausgaben beschränken sich nur auf dieses Hobby, für andere Sachen gebe ich wenig Geld aus. Man muss halt wenn man wenig Geld hat Prioritäten setzen, alles kann man nicht haben.
Übrigens sag ich immer : Ich bin nicht arm, ich hab nur momentan kein Geld. :)
Zuletzt geändert von Sascha 36 am 4. August 2016, 11:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 4. August 2016, 01:39

Und außerdem denke ich, dass der Markt die Geschichte mit Angebot und Nachfrage ganz gut regelt. Wären die Spiele wirklich zu teuer, würden sie nicht in der gewünschten Menge gekauft werden und müssten daher billiger werden. Ein Verlag kann nur so viel für ein Spiel verlangen, wie die Kunden bereit sind zu zahlen. Ansonsten würde er sehr schnell pleite gehen.

Gruß
Roland

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AndreasB78
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon AndreasB78 » 4. August 2016, 06:08

Mitspieler hat geschrieben:@AndreasB78: Hallo :-) Ich verstehe Deine Argumente, und sehe einiges auch ähnlich (dass die hohen Preise für die meist kleinen Verlage und für die Materialqualität nötig sind), aber trotzdem finde ich Deine folgende Aussage - für sich allein betrachtet- etwas unbedacht:


Klar, genau deshalb stand sie da ja nicht allein. Aber wenn man sie natürlich aus dem Zusammenhang reißt, dann wirkt das so.
In meinem Leben hatte ich schon unterschiedliche finanzielle Status und Spiele waren und sind nunmal Luxusgüter. Ich hätte zu keinem Zeitpunkt ein vom Material her richtig schlechtes Spiel haben wollen. Dann spare ich lieber etwas länger (wir sind ja immer noch bei Spielen, es geht ja um einen überschaubaren Zeitrahmen, bis ich mir 10 Euro mehr gespart habe und nicht um Jahre) und hole mir ein richtig tolles Spiel. Das hat nichts damit zu tun, dass ich kein Verständnis dafür hätte, wenn sich jemand darüber ärgert, der sehr wenig Geld hat.

Viele Grüße,
Andreas.

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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Ralf Arnemann » 4. August 2016, 15:54

Daremos hat geschrieben:Ich möchte meinen, dass das heutige Standardspiel von den Produktionskosten her nicht unbedingt teurer ist als das von dir beschriebene 70er Jahre Spiel damals gekostet hat. Dank modernen 3D-Druckern, PCs mit Designsoftware etc ist der Produktionsstandard heute nunmal deutlich besser als vor 40 Jahren.

Da wäre ich skeptisch.
3D-Drucker spielen in der Spiele-Herstellung bisher keine Rolle. Die PCs sind natürlich günstiger, aber dafür wird mehr Designer-Arbeit verlangt.
Billiger geworden ist wohl relativ gesehen der reine Papierdruck (also Regel und Karten). Aber Holz, Figuren, farbige Qualitätspappe etc. sind bestimmt teurer (natürlich alles inflationsbereinigt) als die schlichten Papierauführungen von damals.

Und ich als Spieler muss auch sagen, dass es mir herzlich egal ist, ob in dem Spiel extrem detaillierte Miniaturen, weniger detaillierte Miniaturen oder Marker aus Pappe verwendet werden, solange das Spiel an sich gut ist und der Preis stimmt.

Kann ich gut nachvollziehen, ist aber wohl eher die Ausnahme. Wie Rezensionen und Diskussionsbeiträge immer wieder zeigen, spielen Material und Aufmachung für viele Spieler eine große Rolle. Und deswegen gehen die Verlage ja auch in diese Richtung.
Ein schlicht und billig gemachtes Spiel ist selbst bei sehr guter Spielmechanik kaum noch zu verkaufen.

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Ralf Arnemann
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Re: Werden Brettspiele immer teurer?

Beitragvon Ralf Arnemann » 4. August 2016, 16:00

Mitspieler hat geschrieben:dass viele Menschen sich teure Spiele nicht mehr leisten können

Einzelne Beispiele mag es geben, aber ansonsten glaube ich nicht an dieses Problem.

Spielen gehört mit den billigsten Hobbies, die man überhaupt haben kann. Mit einem guten Spiel kann man viele Abende Spaß haben. Und es muß auch immer nur Einer in der Spielerrunde das Spiel auch besitzen. Da sind dann über die Jahre betrachtet auch bei sehr niedrigen Einkommen 10 Euro Spielpreis mehr oder weniger kein echtes Thema.


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