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Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

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Donhagon
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Donhagon » 10. Oktober 2017, 17:15

Hallo,
ich vergleiche jetzt mal neue Brettspiele mit neuen Autos. Das Alte fährt noch, aber das neue Modell sieht irgendwie besser, schnittiger, moderner aus.
So ist es ein stückweit auch mit neuen Brettspielen, bekannte Mechanismen wurden verfeinert, die Optik aufpoliert und schon ist "Neu" irgendwie besser. Das ist sicher etwas ungerecht gegenüber den alten Spielen, aber nach einer gewissen Wiederholung sind die meisten Spiele ausgebrannt und eine Abwechslung kommt da gerade recht. Ich denke auch, dass der "peak boardgame ideas" noch nicht erreicht ist, es gibt noch vieles was noch nicht gemacht wurde.
Wir hatten vor einiger Zeit im Brettspielclub mal Hero Quest rausgeholt. Damals hatte man das Gefühl einer extrem dichten Atmosphäre. Doch heute waren die Figuren in ihrer Haptik billig, der Spielmechanismus monoton und der Spielspaß entsprechend niedrig.

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ulrichblum
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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon ulrichblum » 11. Oktober 2017, 11:24

Florian-SpieLama hat geschrieben:Nun ein Beispiel, welches Spiel dem Bedürfnis des Neuen sehr gut nachkommt, um die Frage von Ulrich zu beantworten.

T.I.M.E Stories und generell sich verbrauchende Spiele (Escape Room-Spiele und Legacy-Titel) kommen auf so viele Partien wie höchstens kleine Würfelspiele in meiner Sammlung. Das Grundkonzept, also das Spiel ist das gleiche. Dadurch, dass aber jede Partie etwas anderes (also neues) bringt, wie ein neues Szenario o.ä., bleibt man am Ball.
Diese Spiele sind quasi nur Konzepte in denen immer wieder neue Spiele rauskommen. Trotzdem sage ich ja: Ich habe heute T.I.M.E Stories gespielt, das Modul hat eher den Status einer Erweiterung. Hier merkt man auch, dass es genug neues bringt und sich anders anfühlt (z.B. wie eine neue Folge einer Serie), dass ich hier mein Kaufverhalten ändere. Statt komplett neue Spiele ist jede T.I.M.E Stories-Erweiterung/jeder neue Fall direkt auf meiner Einkaufsliste, obwohl ich sonst so gut wie nie Erweiterungen kaufe.
Also ich denke zumindest eine Möglichkeit ein Spiel für mehrere Partien interessant zu machen ist eine fortlaufende Story, eine Art Kampagne o.ä. mit einzubauen, dass die Spieler sich fühlen als lesen sie z.B. ein Buch und wenn man angefangen hat zu lesen, will man auch zuende lesen.


Diesen Punkt möchte ich aufnehmen. Auch mir geht es so, dass ich Legacy- und Kampagnen- Spiele tendenziell häufiger spiele als andere, da ich sie ja "durchspielen" will. Gefühlt habe ich das Spiel ja auch erst ganz gespielt, wenn ich mit der Kampagne durch bin. Ich meine auch, dass Rob Daviau (der Autor von u.a. Pandemie Legacy) in einem Interview (die Quelle finde ich leider grad nicht) sagte, dass sein Ziel war, den Spielern einen Grund zu geben die Spiele häufiger zu spielen.
Solche Spiele können also ein großer Anreiz zum wiederholten Spielen sein. Gleichzeitig wird aber teilweise bemängelt, dass sich diese Spiele "verbrauchen" und man sie dann ja nicht mehr spielen kann oder will. Gibt es hier tatsächlich ein Problem? Oder ist das Problem eher ein gefühltes im Sinne von: "Ich spiele zwar sonst kaum ein Spiel 15 mal, trotzdem ist das Wissen darum, dass es eben "nur" 15 mal gespielt werden kann beschränkend"?

In eine ähnliche Kerbe schlägt die nächste Überlegung:

Im Film gibt es eindeutig Filme, die nicht dafür gemacht sind zeitlose Klassiker zu werden. Solange die Einnamen am Startwochenende stimmen, ist das Studio zufrieden. Oft sind das Filme aus dem Bereich des "Popcorn-Kinos". Man kann sich den Film gut anschauen und ist auch 2h wunderbar unterhalten, aber es ist nicht der Film an den man ein halbes Jahr später noch denkt. Das Ziel des Films war die kurzfristige Unterhaltung und nicht die nachhaltige Beschäftigung, das aufbrechen von Genre-Gesetzen oder der Versuch eines stilistischen Experiments. (Das ist in keiner Weise wertend gemeint. Gut zu unterhalten ist ein heres Ziel und alles andere als einfach).

Gibt es das auch bei Spielen? Also Spiele welche von vornherein nicht darauf angelegt sind Klassiker zu werden. Vielleicht weil sie das Rad nicht neu erfinden oder weil sie schlicht nur "gut genug" sind. Trotzdem kann man sich bei diesen Spielen für 2-3 Partien gut unterhalten. Dann darf es aber gerne wieder was anderes sein.

Und wenn es solche Spiele gibt: Glaubt ihr, dass diese Spiele bewußt so konzipiert wurden? Oder sind das eher Spiele welche zwar versuchen richtig tolle Spiele zu sein, aber aus verschiedenen Gründen daran scheitern längerfristig zu überzeugen?

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 14. Oktober 2017, 11:00

ulrichblum hat geschrieben:Gibt es das auch bei Spielen? Also Spiele welche von vornherein nicht darauf angelegt sind Klassiker zu werden. Vielleicht weil sie das Rad nicht neu erfinden oder weil sie schlicht nur "gut genug" sind. Trotzdem kann man sich bei diesen Spielen für 2-3 Partien gut unterhalten. Dann darf es aber gerne wieder was anderes sein.

Und wenn es solche Spiele gibt: Glaubt ihr, dass diese Spiele bewußt so konzipiert wurden? Oder sind das eher Spiele welche zwar versuchen richtig tolle Spiele zu sein, aber aus verschiedenen Gründen daran scheitern längerfristig zu überzeugen?

Ja, ich glaube, solche Spiele gibt es. Dabei muss man meines Erachtens differenzieren:

  • Da gibt es zum einen Lizenzspiele, zum Beispiel zu aktuellen Kinofilmen. Ich vermute stark, dass diese nicht darauf aufgelegt sind, sich dauerhaft am Markt zu etablieren, sondern sich möglichst schnell verkaufen sollen.
  • Dann gibt es Miniaturversionen von großen Brettspielen (Mibtringspiele). Diese sollen wahrscheinlich in den meisten Fällen gut unterhalten, die Marke erweitern und gleichzeitig für das große Brettspiel Werbung machen.
  • Und dann gibt es Karten- und Brettspiele, die nach relativ kurzer Zeit wieder aus dem Sortiment verschwinden. Ob diese absichtlich darauf ausgelegt sind, sich "nur" schnell zu verkaufen, weiß ich nicht. Meine Vermutung: Redakteure haben durchaus ein Gefühl dafür, welche neuen Spiele mehr oder weniger Potenzial zum Klassiker haben.

Zwar gibt es einige bekannte Faktoren, die beeinflussen, ob sich ein Spiel dauerhaft am Markt etabliert oder nicht, aber letztendlich ist es trotzdem eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Wäre es das nicht, würden alle Verlage nur noch neue Spiele veröffentlichen, die moderne Klassiker werden und sich über Jahre gut verkaufen. Reiner Knizia hat in einem Interview mit der Lego-Produktmanagerin Katharina Sasse dazu mal gesagt.

Reiner Knizia hat geschrieben:Gibt es ein Rezept, damit ein Spiel zu einem Klassiker wird?
Für den Erfolg spielen viele Komponenten eine Rolle. Aber selbst wenn alle Aspekte berücksichtigt werden, muss ein Spiel noch lange nicht zu einem Klassiker werden. Ich beschreibe die Spieleentwicklung immer als Kunst, eine Checkliste gibt es nicht. Spiele müssen mit der Zeit gehen, manchmal verhelfen Lizenzen zum Erfolg, kurze Regeln und ein leichter Einstieg sind wichtige Punkte. Die Gefahr ist jedoch, wenn man sich zu sehr auf ein Thema stürzt, zum Beispiel durch den Erwerb einer Lizenz, dass die Aktualität schnell nachlässt und somit auch das Interesse am Spiel verloren geht. Erfolgversprechender ist es, „abstrakte“ Spiele zu entwickeln. Die Lego-Spiele profitieren zum Beispiel von klassischen, abstrakten Materialien – den Lego-Steinen. Wir haben bei der Entwicklung auch auf Themen gesetzt, hierbei jedoch vornehmlich auf zeitlose Themenfelder, die jede Generation begeistern: Autorennen, Piratenschätze, ägyptische Pyramiden…

Und Joe Nikisch hat in der spielbox 2/2014 in einem Artikel über 6 nimmt geschrieben.
Joe Nikisch hat geschrieben:[...] Oftmals erhalten Spiele gar nicht ausreichend Gelegenheit, das Zielpublikum zu erreichen. Spiele müssen sich entwickeln können. Das ist heutzutage bei der Flut an Neuheiten noch schwieriger geworden als damals. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass ein gutes Spiel, gestern wie heute, immer eine gewisse Lebenserwartung mitbringt. [...]

Matthias Hardel erwähnt im spielbox-Editorial der Ausgabe 01/2017 einen weiteren Aspekt. Klassiker ermöglichen Neuheiten.

Matthias Hardel hat geschrieben:[...] Es gab Zeiten, da hätte mancher Verlagsleiter für ein Spiel wie Scrabble, Monopoly oder selbst Mensch ärgere Dich nicht seinen rechten Arm geopfert. Denn bei allen gelungenen und empfehlenswerten Spielen, wie man sie ein ums andere Heft in der spielbox findet, sind diese nicht das, was für die Butter auf dem Brot sorgt. Dies ist Aufgabe von Klassikern, die sich mehr oder minder von allein in jährlich sechsstelligen Mengen absetzen lassen.

Zu den o. g. Klassikern des vergangenen Jahrtausends, deren Namen bestimmt auch noch unseren Kindeskindern geläufig sein werden, haben sich inzwischen moderne Klassiker gesellt, sog. Longseller, welche all die Neuheiten der etablierten Verlage möglich manchen, an denen uns so sehr gelegen ist. Wo stünde Hans im Glück ohne Carcassonne, was wäre Amigo ohne Wizard, Bohnanza oder 6 nimmt? [...]

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 14. Oktober 2017, 13:55

Neuheiten gibt es übrigens nicht nur bei Brett-, sondern auch bei Computerspielen. Auf gamestar.de ist dazu heute ein Artikel erschienen. Im Vorspann steht: Die vielen Spiele, die heutzutage erscheinen, bereiten Entwicklern Probleme. Ist der Markt übersättigt? Den Artikel findet ihr unter http://www.gamestar.de/artikel/zu-viele ... ce=dlvr.it.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon ulrichblum » 20. Oktober 2017, 12:54

Da du ja schon auf die Neuheitenflut bei den Computerspielen verweist, möchte ich ein anderes Phänomen aus diesem Bereich ansprechen: Bei Computerspielen ist es gang und gäbe, dass erfolgreiche Titel nach einer gewißen Zeit einen Relaunch bekommen. Jedes Jahr gibt es ein neues FIFA, Alle paar Jahre kommt ein neues Civilization etc.

In den letzten Jahren kann man das vermehrt auch bei Brettspielen beobachten. Gerade erscheint die vierte Version von Twilight Imperium, Mansions of Madness erhält eine Rundumerneuerung mit App, Puerto Rico erhält eine neue Grafik und die Erweiterungen sind direkt in der Schachtel mit drin, etc.

Hier werden also Titel gepflegt, indem sie (teilweise stark) überarbeitet werden und so wieder "frisch" sind. Fantasy Flight fällt hier am extremsten auf. Vielleicht weil sie ohnehin eher wie ein Computerspiel-Studio arbeiten und der Vorgang der überarbeiteten Neuauflage dadurch näher liegt.

Ich sehe das etwas ambivalent. Zum einen finde ich es erst mal begrüßenswert, wenn man einen erfolgreichen Titel nach ein paar Jahren generalüberholt und ihn grafisch und mechanisch auf die Höhe der Zeit bringt. Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Twilight Imperium in der ersten Edition heute noch groß gespielt würde.
Auch können durch die Neuauflagen manchmal schlicht bessere Spiele entstehen, da einige Ecken und Kanten abgeschliffen wurden. So scheint zum Beispiel die 2. Edition von Game of Thrones Brettspiel einige unschöne Strategien aus der ersten Edition auszumerzen.

Hier beginnt dann aber auch schon das Problem: Steuern wir hier auf ein Bananaware Problem zu, bei dem Spiele "erst beim Kunden reifen"? Oder ist es eher Positiv zu werten, dass bekannte Probleme in neuen Auflagen angegangen werden?

Zusätzlich stellt sich dann natürlich die Frage, wie ich mich als Besitzer und ev. Fan der ersten Auflage verhalte. Muß ich dann die neue Edition haben? Was mache ich mit dem alten Spiel? Solange es um einzelne Spiele geht ist das Problem ja noch überschaubar. Heftiger wird es wenn ein ganzes Sammelkartenspiel neu aufgelegt und generalüberholt wird wie mit dem Game of Thrones LCG passiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mich etwas verarscht fühlen würde, wenn ich alle Erweiterungen der ersten Edition gekauft habe und diese nun aber ersetzt und nicht mehr gepflegt wird.
Ein Problem das im Rollenspiel Bereich ja alle paar Jahre auftaucht. Geht die Gruppe jetzt zur nächsten Regel-Edition mit und kauft sich de facto fast alles neu? Oder spielt man auf der alten Edition weiter und riskiert Probleme, wenn neue Leute in die Gruppe kommen?

Wie gesagt, ich sehe da durchaus Licht und Schatten. Eine Überarbeitung von Klassikern in relativ großen Abständen wie bei Twilight Imperium, welche die Spielmechaniken wieder auf die Höhe der Zeit bringen, finde ich sehr begrüßenswert.
Es sollte aber nicht darin ausarten, dass die Sorgfalt für eine erste Auflage zu wünschen übrig läßt, da man ja eine Erweiterung oder eine Neuauflage hinterherschicken kann. Dieses Problem sehe ich akut noch nicht in großem Ausmaß. Sehe aber eine zumindest kleine Gefahr in diese Richtung.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Thygra » 20. Oktober 2017, 15:00

In einer Zeit, in der sich gefühlt fast jeder nur noch für Neuheiten interessiert, suchen Verlage auch nach Möglichkeiten, Namen bekannter Spiele in Neuheitenlisten aufpoppen zu lassen. Gute Marken muss man pflegen, damit sie lange leben. Deshalb erscheint jedes Jahr etwas Neues zu Carcassonne, beispielsweise. Und auch andere Spiele erhalten oft aus diesem Grund Erweiterungen.

Ein Relaunch ist eine weitere Möglichkeit, ein Spiel wieder als Neuheit in Neuheitenlisten auftauchen zu lassen. Damit es im Gespräch bleibt.

Natürlich nutzt man einen Relaunch dann auch, um mögliche Verbesserungen vorzunehmen. Es wäre ja fahrlässig, dies nicht zu tun.

Aber: Kein Verlag wird eine Neuheit weniger sorgfältig behandeln, nur weil er die Möglichkeit hat, eventuelle Fehler bei einer Nachauflage zu korrigieren. Denn zu einer Nachauflage muss es ja erst mal kommen! Ich habe keine Statistik, aber ich schätze mal ganz grob, dass nur ca. 15-25 % aller Neuheiten überhaupt eine Zweitauflage erleben.

Würde ein Verlag nun aber ein Spiel weniger sorgfältig veröffentlichen, dann würde er riskieren, dass das Spiel vielleicht nicht gut genug ist, um überhaupt eine Zweitauflage zu erleben! So dumm kann aus meiner Sicht kein Verlag sein.
André Bronswijk
Thygra Spiele
(u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 22. Oktober 2017, 08:00

Ich bin auf der Suche nach einem anderen Thema zufällig über die Diskussion "Der Lebenszyklus eines Spieles" gestolpert. Da es thematisch passt, hier der Link: viewtopic.php?f=49&t=162230.

VolkiDU hat geschrieben:wie bei jedem anderen Gebrauchsgegenstand, so sind auch dem Lebenzyklus eines Spieles Grenzen unterworfen. Jedoch wirken verschiedene "verlängernde" Einflußgrößen auf den Lebenszyklus ein, dazu gibt es genügend Beispiele.

Klassisches Beispiel dafür sind die Siedler. Sie gibt es als Erweiterungsset für 5 bis 6 Spieler, als Kartenspiel für zwei Spieler, diversen anderen Erweiterungen sowie geschichtliche Szenarien und Themen-Sets, eine Travel-Box, als Sternenschiff und -fahrer, Abenteuer Menschheit, Candamir und und und...

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 26. Oktober 2017, 07:24

ulrichblum hat geschrieben:Gibt es das auch bei Spielen? Also Spiele welche von vornherein nicht darauf angelegt sind Klassiker zu werden. Vielleicht weil sie das Rad nicht neu erfinden oder weil sie schlicht nur "gut genug" sind. Trotzdem kann man sich bei diesen Spielen für 2-3 Partien gut unterhalten. Dann darf es aber gerne wieder was anderes sein.

Und wenn es solche Spiele gibt: Glaubt ihr, dass diese Spiele bewußt so konzipiert wurden? Oder sind das eher Spiele welche zwar versuchen richtig tolle Spiele zu sein, aber aus verschiedenen Gründen daran scheitern längerfristig zu überzeugen?

Ich habe diese Frage auf der Spiel 2017 verschiedenen Verlagsvertretern und Redakteuren gestellt. Die Antwort: Kein Verlag veröffentlicht absichtlich ein Spiel, das sich nur kurz (aber dafür gut) verkaufen soll. Die erste Ausnahme von dieser Regel sind (bestimmte) Lizenzspiele. Die zweite Ausnahme sind (bestimmte) Kickstarter-Spiele. Diese werden in der Regeln nur so oft produziert, wie sie vorbestellt wurden. Die Projektverantwortlichen haben also ein Interesse daran, dass sich diese Spiele kurz (nämlich bis zum Kampagnen-Ende) und gut verkaufen.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Mitspieler » 26. Oktober 2017, 08:45

zuspieler hat geschrieben:
ulrichblum hat geschrieben:Gibt es das auch bei Spielen? Also Spiele welche von vornherein nicht darauf angelegt sind Klassiker zu werden. Vielleicht weil sie das Rad nicht neu erfinden oder weil sie schlicht nur "gut genug" sind. Trotzdem kann man sich bei diesen Spielen für 2-3 Partien gut unterhalten. Dann darf es aber gerne wieder was anderes sein.

Und wenn es solche Spiele gibt: Glaubt ihr, dass diese Spiele bewußt so konzipiert wurden? Oder sind das eher Spiele welche zwar versuchen richtig tolle Spiele zu sein, aber aus verschiedenen Gründen daran scheitern längerfristig zu überzeugen?

Ich habe diese Frage auf der Spiel 2017 verschiedenen Verlagsvertretern und Redakteuren gestellt. Die Antwort: Kein Verlag veröffentlicht absichtlich ein Spiel, das sich nur kurz (aber dafür gut) verkaufen soll. Die erste Ausnahme von dieser Regel sind (bestimmte) Lizenzspiele. Die zweite Ausnahme sind (bestimmte) Kickstarter-Spiele. Diese werden in der Regeln nur so oft produziert, wie sie vorbestellt wurden. Die Projektverantwortlichen haben also ein Interesse daran, dass sich diese Spiele kurz (nämlich bis zum Kampagnen-Ende) und gut verkaufen.

Es kann m.E. ein Unterschied sein, ob ein Spiel
a) (denselben Spielern) nur für wenige Partien Spielspaß bringen kann/soll
(Ulrichs Ausgangsfrage), oder
b) ob es sich (allgemein im Handel) nur für kurze Zeit gut verkaufen kann/soll (Sebastians Gedankenweiterführung).

Für b) kann es ganz andere Gründe geben als für a).
Ein Beispiel wäre, dass ein anderer Verlag ein Spiel mit ähnlichem Prinzip veröffentlicht, das aber (spielmechanisch, regeltechnisch, thematisch, grafisch, qualitativ, preislich oder oder...) nochmal atttraktiver ist als das erste Spiel. Trotzdem kann das erste Spiel denjenigen Spielern, die nur dieses besitzen oder dessen Stil einfach mögen, auch längerfristig immer neu Freude machen. Also trifft dann b) zu, aber a) nicht.

Für a) gibt es übrigens noch den (ja z.Zt. boomenden) Sonderfall der "Einwegspiele" (Exit usw), bei denen der Grund für die Kurzlebigkeit (d.h. dass derselbe Spieler das Spiel nicht nochmal spielen wird) nicht wie bei Ulrichs anvisierten Spielen in der spielerischen Qualität des Spiels liegt, sondern daran, dass nach einmaligem Erraten der Rätsel für denselben Spieler ja "die Luft raus" ist (was die konkrete Rätselversion betrifft).
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Vielversprechende Neuheiten:
K2: Lhotse (2018) / Alubari: A Nice Cup Of Tea (2019) / Maracaibo (2019) / Back to Caylus (2019)

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon Lomopolar » 28. Oktober 2017, 22:46

Was in dem Thread glaube ich noch gar nicht angesprochen wurde (habe nicht jeden Beitrag komplett gelesen) ist das (recht neue) Phänomen des "Unboxings", was ja ziemlich im Trend ist. Der Reiz des Auspackens von neuer Ware, es selbst zu tun oder anderen dabei zuzusehen (was ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen kann, aber gut...) Auch da liegt mmn ein gewisser Anteil an diesem Run auf neue Spiele...das "haben wollen" und auspacken...

Im Großen und Ganzen hat sich aber glaube ich der Lebenszyklus fast aller Produkte verkürzt. Weil mehr auf dem Markt ist, verfliegt der Reiz halt sehr schnell.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 31. Oktober 2017, 09:54

Danke an alle, die bisher mitdiskutiert haben. In einer der kommenden spielbox-Ausgaben werde ich die Diskussion zusammenfassen und Aspekte, die nur angerissen wurden, weiter vertiefen. Sobald der Artikel erschienen ist, werde ich die Kernaussagen auch an dieser Stelle veröffentlichen. In den kommenden Tagen starten wir mit unserem nächsten Thema des Monats.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon SpieLama » 3. November 2017, 07:27

Wir diskutieren zwar schon über ein neues Thema das Monats, nämlich Tabus in Spielen, trotzdem hier noch ein Hinweis auf zwei Artikel, die die Auswirkungen der Neuheitenflut auf die Bloggerszene betrachten.

wuerfelmagier.de hat geschrieben: [...] Alle laufen los und versuchen die Rezension und Besprechung zum heißesten Spiel vor allen anderen zu veröffentlichen. „Schnell, schnell!“ ist mittlerweile auch bei den Bloggern, Podcastern und YouTubern angesagt. Ich kann mich da kaum ausnehmen. [...] Was will ich mit meinem Beitrag eigentlich bezwecken? Ich wünsche mir, dass wir alle uns ein wenig besinnen. Einfach mal ein wenig Tempo rausnehmen aus diesem Rat Race rund um „Höher, schneller, Erster!“ [...]

Den kompletten Artikel findet ihr unter http://wuerfelmagier.de/hoeher-schnelle ... -um-essen/. Christoph hat den Text von Dirk aufgegriffen.

brettspielbox.de hat geschrieben:[...] Neben einer extrem hohen Zahl, die es zu bewältigen gilt, wird es mit großer Sicherheit auch in den nächsten Wochen und Monaten zu einem “Wettrennen” um die erste Rezension des einen oder anderen Spiels kommen. Allerdings kann man je nach Komplexität des Spiels dann auch gut ablesen, wie ernsthaft der ein oder andere Blogger (mich eingeschlossen) das Spiel getestet bzw. ausprobiert haben muss/kann, um zu einem fundierten Urteil in relativ kurzer Zeit fähig zu sein. [...] Aber wie den gordischen Knoten dieser zunehmenden Geschwindigkeit und Intensität durchbrechen? Meines Erachtens nur durch Qualität und nicht durch schiere Masse. [...]

Den kompletten Artikel findet ihr unter http://brettspielbox.de/?p=20947#more-20947.

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Re: Thema des Monats: Brettspiele - Hauptsache neu!?

Beitragvon PeterHaag » 9. November 2017, 21:26

Thygra hat geschrieben:Aber: Kein Verlag wird eine Neuheit weniger sorgfältig behandeln, nur weil er die Möglichkeit hat, eventuelle Fehler bei einer Nachauflage zu korrigieren. Denn zu einer Nachauflage muss es ja erst mal kommen! Ich habe keine Statistik, aber ich schätze mal ganz grob, dass nur ca. 15-25 % aller Neuheiten überhaupt eine Zweitauflage erleben.

Würde ein Verlag nun aber ein Spiel weniger sorgfältig veröffentlichen, dann würde er riskieren, dass das Spiel vielleicht nicht gut genug ist, um überhaupt eine Zweitauflage zu erleben! So dumm kann aus meiner Sicht kein Verlag sein.


Tut mir leid, aber wenn ich mir die Pegasus Spiele so anschaue, habe ich das Gefühl, dass die Quote der Pegasus-Spiele die eine Neuauflage erhalten noch niedriger ausfällt. Da fehlt schon die Sorgfalt bei der Auswahl der Spiele. Da ist schon viel Vergessliches dabei. Nach dem Motto wir haben ne Lizens, Hauptsache wir können irgendein Spiel dranbasteln. Zur Not schleudern wir es bei der SO raus. Und die Spiele die was taugen, verknappen wird durch eine vorgeschobene fragwürdige Fachhändler-Aktion. Nur das geht nach hinten los. Denn warum soll sich ein im spielerischen Niemandsland wohnender Vielspieler der 500 km zur Messe und 90 km zum nächsten Premiumhändler fahren muss, ein Great Western Trail, Mombasa, Orakel von Delphi oder Noria fast ein viertel Jahr später kaufen, wenn es so viele andere tolle Neuheiten zu kaufen und zu spielen gibt. Alles kann man eh nicht ausgiebig spielen oder kaufen und schon gar nicht wenn Weihnachten vorbei (und das Weihnachtsgeld aufgezehrt) ist. Und ganz ehrlich: nach einem Viertel Jahr ist das Spiel dann echt schon wieder ausgelutscht oder die potentiellen Mitspieler sind schon zu nem anderen Spiel weitergezogen. Also verzichte ich dankend auf auf Pegasusspiele der Fachhändleraktion.

Ui das lief jetzt in ne andere Richtung :blush: , aber es musste raus nachdem ich mich heute wieder darüber ärgern musste, dass ich Noria letztlich vor Januar nicht herbekomme. :@


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