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Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Allgemeine Spiele-Themen
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Günter Cornett
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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon Günter Cornett » 16. Januar 2018, 13:42

Ich denke, dass es eine Mischung aus genetischen Anlagen und erlernten Verhalten ist, die eine weitgehende aber doch nur teilweise Übereinstimmung von "weiblichen" und "männlichen" Eigenschaften mit dem jeweiligen biologischen Geschlecht gibt. Was stärker wirkt, Anlage oder Umwelt, wird man kaum sicher ermitteln können, zumal es sich um ein Zusammenwirken handelt. Deswegen ist es immer ein gut Teil Kaffeesatzleserei. Wer die völlig vermeiden will, müsste konsequenterweise die Klappe halten. ;)

Es ist bei Hundertausenden von Jahren Steinzeit historisch plausibel, dass die Genetik bei Frauen Anlagen bevorzugt, die die Versorgung von Kindern fördern und bei Männern eben die Jagd. Flexibilität ist aber auch ein Überlebensvorteil. Platt wäre es daher, davon auszugehen, dass Frauen und Männer zu dem jeweiligen "weiblichen" bzw. "männlichen" Verhalten bestimmt seien und dass diejenigen, die dem Klischee nicht entsprechen, Ausnahmen seien. Eine starke Minderheit ist sicher keine Ausnahme; etwas das häufig vorkommt, sicher nicht die Regel. Eine starre Trennung in angeborene männliche und weibliche Eigenschaften finde ich daher ebenso plump wie die völlige Negierung solcher Unterschiede.

Dass der Händler und Produzenten sich gezielt an Zielgruppen wie Mädchen, Frauen, Jungen, Männer wendet, halte ich nicht für verwunderlich. Kritisierenswert finde ich, wenn bestimmte Eigenschaften dadurch zur Norm erhoben werden. Das kann schon durch das Propagieren von Rollen-Vorbildern geschehen.
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Thygra
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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon Thygra » 16. Januar 2018, 14:56

Da interpretierst du in meine Worte "Ausnahme" und "Regel" etwas hinein, was ich so nicht gemeint habe. Tut mir leid, wenn das falsch rüber kam. Vielmehr ging es mir in meinem Disclaimer nur darum, dass ich meine Aussagen eben NICHT verallgemeinern möchte. Deshalb schrieb ich u. a. auch, das "manche" Interessen genetisch veranlagt sind, aber natürlich nicht alle. Wobei das auch noch schlecht von mir formuliert war, da fehlt noch das Wort "teilweise", "dass manche Interesse teilweise" genetisch veranlagt sind. Denn ich stimme dir zu, dass es eine Mischung aus Veranlagung und erlerntem Verhalten ist.
André Bronswijk
Thygra Spiele
(u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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Günter Cornett
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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon Günter Cornett » 16. Januar 2018, 15:10

@Thygra: Aus dem Gesamtbeitrag (ohne den letzten, imho verunglückten Satz) wird eigentlich schon deutlich, wie du das vermutlich gemeint hast, aber der Begriff Ausnahme transportiert eben doch eine etwas andere Aussage. Und nachdem mir die Ausnahme schon in Wolfgangs Beitrag unangenehm aufgefallen war, dachte ich: Jetzt schreib ich einfach mal was dazu.

Mal in Bezug auf Autos (damit auch Männer jeglichen Geschlechts verstehen, was ich meine :) ):

Die meisten Autos in der Stadt sind private PKW. Dennoch sind Busse, LKW und Taxis keine Ausnahmen.
Ausnahmen wären Städte in denen bspw. LKW die Mehrheit der Autos stellten .
Ausnahmen wären aber auch Städte, in denen es gar keine LKW gibt.
Das "Normale" ist eben Vielfalt (viele verschiedene Autos, und natürlich nicht nur Autos) mit einem Schwerpunkt (hier: PKW).
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ulrichblum
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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon ulrichblum » 16. Januar 2018, 18:24

Thygra hat geschrieben:
ulrichblum hat geschrieben:In diesem Zusammenhang interessieren mich keine Aussagen im Sinne von: Frauen sind eben so und so und Männer so und so. Ich glaube das ist alles Kaffeesatz lesen und führt zu nichts.

Lieber Ulrich,
so sehr ich dich auch schätze: Dass du von vornherein bestimmte Aussagen nicht lesen willst, halte ich für keinen guten Diskussionsstil. Auch wenn das für dich Kaffeesatz sein mag: Ich glaube durchaus daran, dass manche Interessen genetisch veranlagt sind.


Ok, das war etwas arg flapsig formuliert. Das tut mir leid. Es ging mir nicht darum, zu bezweifeln, dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern (genetische oder anerzogene) gibt. Mit dem Kaffeesatz wollte ich ausdrücken, dass es extrem schwer ist zuzuordnen welche der beobachteten Unterschiede wo einzuordnen sind. Sprich: was ist tatsächlich ein gegebener Unterschied und wo sind es (Veränderungen unterworfene) gesellschaftliche Normen oder vergleichbares, die zu den Unterschieden führen.

Mein eigentlicher Punkt war:
Gibt es jenseits des Versuches diese Unterschiede als Erklärung für die Frau/Mann Verteilung herzuziehen andere Faktoren die dabei eine Rolle Spielen könnten?

Es ist ja durchaus nachvollziehbar, dass Frauen sich mit Kinderspielen beschäftigen, da das erschaffen guter Kinderspiele (insbesondere bei der Zielgruppe unter 6 Jahren) ein genaues Wissen um die speziellen Fähigkeiten, Wünsche und Vorlieben von Kindern benötigt. Ein Wissen was meiner Beobachtung nach am leichtesten erlangt wird indem man selbst Kinder groß zieht. Die traditionelle Rollenverteilung (und die dazugehörigen Institutionen, Sozialsysteme, Normen, etc) wiederum sorgen bis heute dafür dass Frauen oft mehr Zeit mit der Kindererziehung verbringen als Männer.
Hier könnte man also eine gewisse Korrelation vermuten.

Was dies aber nicht erklärt ist der auffällige Mangel an Autorinnen, welche Spiele für Erwachsene kreieren. Und ich meine damit nicht nur 8 Stündige CoSims sondern alles ab dem Roten Pöppel und aufwärts.
Gleichzeitig gibt es aber diverse männliche Autoren welche gute Kinderspiele machen. Ebenso erlebe ich das Frau/Mann Verhältnis bei den Spielern von Erwachsenenspielen als sehr viel ausgeglichener als bei den Autoren.

Und deshalb meine Frage: Gibt es dafür Gründe, welche eben nicht in, wie auch immer gearteten, Geschlechtsspezifika von Frauen begründet sind, sondern in dem Verhalten der männlichen Mehrheit in diesem Bereich? Sind wir nicht offen genug? Nehmen wir Frauen nicht Ernst? Gibt es allgemein Muster, welche Frauen eher abschrecken?

Persönlich erlebe ich die Spiele- und auch die Autoren-Szene als sehr offen und freundlich. Aber ich bin ja auch ein Mann und könnte solche Muster, falls es sie denn gibt, kaum erkennen oder würde sie schlicht nicht erleben. Genauso wie ich mir auch nur in der Theorie vorstellen kann, was man als nicht Weißer in unserer Gesellschaft so alles über sich ergehen lassen muß.

Um etwas konkreter zu werden, nehme ich mich einfach mal selbst an der Nase:
Mir selbst ist es vor einigen Jahren passiert, dass ich im Gespräch mit einer Redakteurin, die gerade die Stelle gewechselt hat, unüberlegt nachfragte, ob sie im neuen Verleg bei den Kinderspielen tätig ist. Was sie verneinte und meine Frage (zu Recht) als bedienen des Klischees kritisierte. Ich habe mich bei ihr entschuldigt und mich danach wirklich sehr über mich selbst geärgert.

Gibt es solche Situationen gehäuft? Wie ärgerlich ist das für die Frauen? Es würde mich sehr interessieren, was Autorinnen oder Redakteurinnen dazu sagen.

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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon zuspieler » 18. Januar 2018, 07:59

Es gibt übrigens nicht nur mehr Autoren als Autorinnen, sondern auch mehr männliche als weibliche Brettspiel-Blogger und -Journalisten. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Die "Übermacht" der Männer hat auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der "Spiel des Jahres"-Jury. Dort gibt es im Moment neun männliche Mitglieder und ein weibliches Mitglied. In der "Kinderspiel des Jahres"-Jury sind es dagegen zwei männliche und drei weibliche Mitglieder. Guido Heinecke hat sich dazu in einem Interview unter https://youtu.be/OdCDTAXTgcw?t=10m5s geäußert.

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Rollum
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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon Rollum » 18. Januar 2018, 20:09

Nimmt zwar den Faden der bisherigen Diskussion nicht auf, aber guckt mal über was Verrücktes ich neulich gestolpert bin: http://www.periodgame.com

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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon ulrichblum » 29. Januar 2018, 15:04

Ich bin gerade noch auf ein Video gestossen. Es geht allgemein um "Inclusive Gaming" aber es werden auch einige der Themen in dieser Diskussion aufgenommen.
Das Video (in Englisch) gibt es hier:

https://www.youtube.com/watch?v=hO9bEIR8lZc&list=PLOlRvTbmD6tLG6k13Y6oHVog-vKN6Eg_m&index=18

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Re: Thema des Monats: Gibt es Spiele (nur) für Frauen und/oder Männer?

Beitragvon zuspieler » 11. Februar 2018, 18:23

Der Deutschlandfunk hat unter der Überschrift "Gender Studies - Getrennte Spielwelten" einen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht. Darin steht unter anderem Folgendes.

Deutschlandfunk hat geschrieben:[...] Harald Euler ist Evolutionspsychologe. Als Professor an der Universität Kassel hat er sich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, welche Ursachen es hat, dass Mädchen und Jungen sich unterschiedlich verhalten und auch andere Interessen haben. Harald Euler: "Nicht alle Jungen haben eine Präferenz für technisches Spielzeug und nicht alle Mädchen wollen gerne Puppen haben. Aber: Bei dem einen Geschlecht ist eben das eine häufiger und bei dem anderen Geschlecht das andere."

Und diese statistische Verteilung sei nicht nur eine Folge von Erziehung, Kultur und Gesellschaft. Im Gegenteil: "Erstaunlicherweise gibt es einige Verhaltensmerkmale, die treten schon in den ersten Lebenstagen und –wochen auf. Das ist beispielsweise, dass kleine Mädchen mehr Interesse an Gesichtern zeigen, an Menschen zeigen, kleine Jungen eher an mechanischen Sachen, beispielsweise für ein Mobile, das über ihrem Bettchen hängt."

Die Untersuchung, die Harald Euler hier anspricht, hat der britische Psychologe Simon Baron-Cohen von der Universität Cambridge veröffentlicht. Unter Genderforschern sind seine Ergebnisse umstritten, und wie so oft werden Studien der jeweiligen Gegenseite angezweifelt. Allerdings gibt es inzwischen viele empirische Belege für die These, dass geschlechtstypische Spielzeugvorlieben nicht anerzogen sind. [...]

Den kompletten Artikel findet ihr unter http://www.deutschlandfunk.de/gender-st ... _id=409544.


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