Anzeige

Definition "Brettspiel(er)"

Allgemeine Spiele-Themen
Anzeige
Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 486
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Mitspieler » 14. März 2018, 15:42

Hallo Leute,

schon oft habe ich mir etwas Mühe damit gemacht, eine "korrekte" und unmissverständliche Bezeichnung für mein Hobby und dessen Produkte zu finden.

Ich weiß nicht, wie eingehend und abschließend dies Thema eventuell schon diskutiert wurde..?
Ein bissl gestreift wurde es ja schon im Thread zum "Kulturgut Spiel"..
Wie dem auch sei -


meines Wissens gibt es keinen Begriff für den "Brettspielbereich", der diesen wirklich zutreffend definiert.



Ein paar Beispiele dafür, wie man den Bereich oder Teile davon oftmals bezeichnet
und warum die jeweilige Bezeichnung m.E. nicht ideal ist:

1.) Spiele:
Der Begriff ist natürlich der stimmigste, aber er ist derart weitumfassend, dass es oft nicht klar ist, dass man damit keine Spielsachen-an-sich, Puppenspiele, Computerspiele oder das Fangenspiel auf dem Schulhof meint. (Wobei das "reglementierte Fangenspiel" ja einigen Bereichen unseres Spielegenres schon sehr nahe kommt).
Also: Der Begriff "Spiel" ist m.E. zu ungenau.

1.1) Spieler(in) :
"Ich bin Spieler" stimmt zwar, kann aber den Fußballer genauso bezeichnen wie den glücksspielsüchtigen Spielothekbesucher.

2.) Brettspiele/boardgames:
Sicher der am häufigsten gebrauchte Begriff für unser Genre. Viele Onlineseiten (Blogs, Shops), Veranstaltungen usw tragen diese Bezeichnung im Namen. Aber der Begriff ist ja eigentlich keine korrekte Definition, zumindest, wenn wir das gesamte Genre meinen, das ja auch Karten- und Partyspiele umfasst.
Außerdem verzichten heutzutage oftmals selbst diejenigen Spiele, die vom Charakter her eigentlich ein Brett- und kein Kartenspiel sind, auf ein herkömmliches Spielbrett.
Also: "Brettspiele" beschreibt nur einen kleinen Teilbereich des "Genres".
(Und auch die Formulierung "Brett- und Kartenspiele" würde auf einige unserer Spiele (z.B. Schreibspiele, Blueprints, Yenga, Mölkky..) nicht zutreffen.)

3.) Familienspiele:
Beschreibt nur einen Teilbereich.
Ähnlich verhält es sich mit Begriffen wie "Kennerspiele", "Erwachsenenspiele" usw.
"Erwachsenenspiele" hat außerdem den Beigeschmack von nicht jugendfreien Spielen.

4.) Gesellschaftsspiele :
So wurde unser "Genre" meiner Erinnerung nach früher bezeichnet, und der Begriff trifft es m.E. auch heute noch am genauesten.
Aber zum einen ist er heute kaum noch gebräuchlich, und zum anderen beschreibt auch er nicht alle Teilbereiche unserer Spiele, da er ja gewissermaßen eine Spielegruppe (Spielen in "Gesellschaft") voraussetzt und dadurch die Solospiele außen vor lässt.
Und falls man den Begriff "Gesellschaft" auf die "Bevölkerung" bezieht, also "Spiele für die ganze Gesellschaft", dann würde der Begriff (ähnlich dem allgemeinen "Spiele"-Begriff) wiederum zu allumfassend sein (siehe 1.).


Wie seht Ihr das?
Sprache soll ja "lebendig sein". Ist daher der Begriff "Brettspiel" überholt (siehe oben: 2.)?
Und: Gibt es "den" Begriff, der korrekt definiert, was wir mit "Spielen" meinen?

Man könnte argumentieren, dass es in einer Sprache durchaus gang und gäbe ist, dass sich Begriffe "einbürgern", die nicht ganz korrekt sind, und bei denen trotzdem jeder weiß, was gemeint ist.
Ist das mit dem Begriff "Brettspiel" ähnlich, und soll man es also einfach dabei belassen?
(Also auch, wenn man Karten-, Bau- oder Schreibspiele mit einbezieht?)

Oder vielleicht doch lieber nach einer neuen Begriffskreation suchen?
Auch schwierig..
Beispielsweise "Tischspiele". Erstens klingt der Begriff komisch, zweitens würde auch er wieder nicht auf alle Spiele zutreffen (für manche braucht man keinen Tisch), und drittens bestünde die Verwechslungsgefahr mit dem Begriff "Tabletop".


Natürlich ist es kein Drama, wenn es keinen "richtigen" Namen
für den Spiele-Gesamtbereich gibt, den wir "Brett"spieler meinen
(und es ist ja auch ein Bereich mit schwammigen Grenzen!!),
aber trotzdem fände ich es manchmal hilfreich, wenn man mit einem Wort ausdrücken könnte, welches"Genre" man meint:
Nämlich weder "regelfreies"(?) Spielzeug, noch den Sportbereich (von Grenzfällen abgesehen), noch eine klassische Theateraufführung (obwohl manche Partyspiele diesen Bereich mit einbeziehen), noch Glücksspiel oder Automatenspiele, noch Computerspiele,
sondern --- ja, was?????
"Brettspiele" will man sagen, aber das stimmt ja nun großenteils gar nicht (mehr).


Liebe Grüße,
Daniel
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2018:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Coimbra / Humboldt's Great Voyage / Pelegrinus

Benutzeravatar
zuspieler
Administrator
Beiträge: 5986
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon zuspieler » 14. März 2018, 23:18

Mitspieler hat geschrieben:Wie seht Ihr das?
Sprache soll ja "lebendig sein". Ist daher der Begriff "Brettspiel" überholt (siehe oben: 2.)?
Und: Gibt es "den" Begriff, der korrekt definiert, was wir mit "Spielen" meinen?

Vermutlich nicht, denn wir meinen alle etwas anderes, wenn wir von Spielen sprechen. Wir meinen Kartenspiele wie Skat, Tichu und Wizard, wir meinen Rollenspiele wie DSA wir meinen Klassiker wie Schach, Dame und Mühle, wir meinen Geschicklichkeitsspiele wie Cross Boule, wir meinen Würfelspiele wie Las Vegas, wir meinen Bewegungsspiele wie Twister, wir meinen Partyspiele wie Werwölfe, Scharade, Tabu, ...

Wir hatten diese Diskussion auch bei der Wortfindung für die Hauptnavigation von spielen.de. Im Moment steht dort "Brettspiele". Wir hatten auch über "Gesellschaftsspiele" nachgedacht. Eine Alternative wäre auch "Brett- und Kartenspiele" gewesen.

Mitspieler hat geschrieben:Oder vielleicht doch lieber nach einer neuen Begriffskreation suchen?

Das fände ich witzig und einen lustigen Zeitvertreib. Ich werde bei Gelegenheit darüber nachdenken, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass sich eine Wortneuschöpfung nicht durchsetzen wird.

Mitspieler hat geschrieben:aber trotzdem fände ich es manchmal hilfreich, wenn man mit einem Wort ausdrücken könnte, welches"Genre" man meint:
Nämlich weder "regelfreies"(?) Spielzeug, noch den Sportbereich (von Grenzfällen abgesehen), noch eine klassische Theateraufführung (obwohl manche Partyspiele diesen Bereich mit einbeziehen), noch Glücksspiel oder Automatenspiele, noch Computerspiele,
sondern --- ja, was?????

Analogspieler? Obwohl alle Kinder, die mit Holzeisenbahnen und Puppen spielen, auch Analogspieler sind.

Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 486
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Mitspieler » 15. März 2018, 00:14

Hallo Sebastian,
vielen Dank für Deinen interessanten Kommentar und die konstruktiven Gedanken!

zuspieler hat geschrieben:Wir hatten diese Diskussion auch bei der Wordfindung für die Hauptnavigation von spielen.de. Im Moment steht dort "Brettspiele". Wir hatten auch über "Gesellschaftsspiele" nachgedacht. Eine Alternative wäre auch "Brett- und Kartenspiele" gewesen.
[..]
Analogspieler? Obwohl alle Kinder, die mit Holzeisenbahnen und Puppen spielen, auch Analogspieler sind.


"Analogspiele"?
Wie Du ja schon geschrieben hast, wäre dieser Begriff (wie viele andere Begriffe auch) ja eher nur eine Aussage zu einem bestimmten Gesichtspunkt, bzw eine Abgrenzung zu einem anderen, ganz bestimmten Gesichtspunkt (hier der digitalen Welt).

"Brett- und Kartenspiele"?
Naja, der Begriff hat zwar eine hohe öffentliche Bekanntheit, aber auch er beschränkt sich ja auf die Beschreibung einer äußeren Form und schließt damit doch einen beträchtlichen Teil derjenigen Spiele aus, die wir eigentlich mit einbeziehen wollen (z.B. Mal- und Schreibspiele, Bauspiele, Knobelspiele, Geschicklichkeits- und Aktivspiele..).

"Gesellschaftsspiele"?
Ja! Die Einordnung all unserer Spiele als "Gesellschaftspiele" (oder "analoge Gesellschaftsspiele"?) finde ich persönlich am geeignetsten.
Denn m.E. ist "Gesellschaftspiele" immer noch derjenige Begriff, der den Bereich, den wir damit benennen wollen, am besten umfasst/abdeckt (nur die Solospiele werden da nicht berücksichtigt),
und unser Gegenüber (also der "Botschaftsempfänger") kann sich bei diesem Begriff i.d.R. auch ebendas Sammelsurium an Spielen vorstellen, das wir damit meinen. :D

Warum dieser eigentlich gut geeignete Begriff dennoch eher veraltet klingt bzw durch den sehr einschränkenden Begriff "Brettspiele" ersetzt wurde, verstehe ich nicht ganz.
Vielleicht, weil der Begriff "Gesellschaft" heutzutage meist nur noch im größeren ethnologischen Sinne (ähnlich wie "Bevölkerung") gebräuchlich ist und weniger im engeren soziologischen Sinne (vergleichbar mit "interagierender Gruppe", "Gemeinschaft", "Clique" o.Ä.)?

_________________________________________________________________________________________________________________________________


zuspieler hat geschrieben:wir meinen alle etwas anderes, wenn wir von Spielen sprechen. Wir meinen Kartenspiele wie Skat, Tichu und Wizard, wir meinen Rollenspiele wie DSA wir meinen Klassiker wie Schach, Dame und Mühle, wir meinen Geschicklichkeitsspiele wie Cross Boule, wir meinen Würfelspiele wie Las Vegas, wir meinen Bewegungsspiele wie Twister, wir meinen Partyspiele wie Werwölfe, Scharade, Tabu, ...

Ja und? Denn das meine ich ja gerade: Es müsste einen Begriff geben, der all diese Teilbereiche mit einbezieht.
Zumal die Übergänge zwischen diesen Teilbereichen immer fließender werden: Ein Gesellschaftspiel kann heutzutage ein Brettspiel mit Handkarten (und Kartenspielmechanismen) sein, das digitale Hilfsmittel in Anspruch nimmt und sogar auch Rollenspielanteile besitzt..

Oder ist tatsächlich der simple, allgemeine Oberbegriff "Spiel" die gesuchte Lösung, die den von mir umschriebenen Bereich ausreichend genau benennt?
Aber irgendwie assoziiere ich mit dem Begriff "Spiel" doch ein viel weitreichenderes Spektrum an Bedeutungen, z.B. das "freie Spiel" und auch (ähnlich dem Wort "das Spielen") die Substantivierung des ja sehr vielseitig verwendeten Verbes "spielen" (vom kindlichen, ungeordneten Herumtollen bis hin zum einseitigen "Spielchen spielen" bei Erwachsenen).
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2018:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Coimbra / Humboldt's Great Voyage / Pelegrinus

Benutzeravatar
Ricki
Kennerspieler
Beiträge: 598

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Ricki » 15. März 2018, 12:18

Ich habe schon sehr oft beobachten können, dass Personen, denen ich von meinem Hobby erzählt habe, sofort von Computerspielen ausgegangen sind. Wenn ich sie dann aufgeklärt habe, waren die immer total erfreut ("sowas gibt es heutzutage noch?"). Das fanden fast alle immer spannend. Meist sage ich auch immer Gesellschaftsspiel. Darunter können sich fast alle etwas vorstellen. Da ich persönlich aber auch viel Computerspiele spiele, sage ich trotzdem oft nur, dass ich viel spiele in der Freizeit und ergänze das dann durch "analog" und "digital". In den meisten Gesprächen wurden dann einfach konkrete Fragen gestellt ("Sowas wie Mensch ärgere dich nicht und Uno?") und ich konnte dann immer schön erklären. Fast alle fanden das Thema super interessant und spannend. Vielen ist nicht bewusst, dass es auch jede Menge Spiele gibt, die eben eher für Erwachsene sind (ohne dass es dabei um Sex oder total viel Gewalt geht). Unter anderem deswegen nutze ich nicht mehr Begriffe wie Erwachsenenspiel (um mich eben vom Spielzeug und Uno zu lösen). Aber bei Erwachsen denken viele gleich an +18 und Zensur und und und.

Sehr spannendes Thema

Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 486
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Mitspieler » 15. März 2018, 13:01

Ricki hat geschrieben:Ich habe schon sehr oft beobachten können, dass Personen, denen ich von meinem Hobby erzählt habe, sofort von Computerspielen ausgegangen sind. Wenn ich sie dann aufgeklärt habe, waren die immer total erfreut ("sowas gibt es heutzutage noch?"). Das fanden fast alle immer spannend. Meist sage ich auch immer Gesellschaftsspiel. Darunter können sich fast alle etwas vorstellen.
[....]
Vielen ist nicht bewusst, dass es auch jede Menge Spiele gibt, die eben eher für Erwachsene sind (ohne dass es dabei um Sex oder total viel Gewalt geht). und und und.
[....]
Sehr spannendes Thema


Hey Ricki,
Du beschreibst genau das, was auch ich erlebe.
Deinen Beobachtungen kann ich nahezu zu 100% zustimmen.
Danke für Deinen Beitrag!
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2018:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Coimbra / Humboldt's Great Voyage / Pelegrinus

Anzeige
Benutzeravatar
zuspieler
Administrator
Beiträge: 5986
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon zuspieler » 15. März 2018, 22:43

Mir ist noch der Begriff Autorenspiele eingefallen. Er beschreibt meines Erachtens ziemlich gut, was wir (Spieler) unter Spielen verstehen. Das Problem ist nur: Allen Nichtspielern sagt dieser Begriff wahrscheinlich deutlich weniger als der Begriff Gesellschaftsspiele.

Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 486
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Mitspieler » 16. März 2018, 07:32

zuspieler hat geschrieben:Mir ist noch der Begriff Autorenspiele eingefallen. Er beschreibt meines Erachtens ziemlich gut, was wir (Spieler) unter Spielen verstehen.

Findest Du?

Vielleicht irre ich mich, aber ich hätte gedacht, dass der Begriff "Autorenspiel" nicht gleichzusetzen sei mit dem gesamten "Genre", welches "wir" meinen.
Und zwar


1.) hinsichtlich der reinen Wortbedeutung:

Denn auch Computerspiele und sonstige digitale Spiele haben doch Autoren, oder?
(Witzig: Wenn ich "Autorenspiel" google, kommen als erstes Bilder zu "Need for Speed" usw. ;-) Ja, diese Google-Auswahl ist natürlich nicht repräsentativ, aber sie beweist dennoch eine gewisse Missverständlichkeit des Begriffs: "Ahaa, der Bub spielt also gerne Auto-Rennspiele"...^^)

Und natürlich haben auch Rollenspiele Autoren. Wobei man die Rollenspiele noch am ehesten unserem "Genre" zurechnen könnte.

Na, und sogar "Spiele" ganz anderer Genres,
nämlich Erotikspiele sowie verbotene Glücksspiele und Automaten-Suchtspiele wie der "Einarmige Bandit",
haben Autoren (beim "Einarmigen Banditen" waren's ursprünglich die Brüder Caille, sagt Wikipedia). Und gerade solche Missverständnisse ("ah, Du bist so'n SM-Typ?" oder "oh, ein krankhaft Spielsüchtiger, der all sein Hab und Gut verzocken muss") wollen wir ja gern vermeiden..


2.) Hinsichtlich der "offiziellen" Definition:

Wenn man eine Definition für "Autorenspiel" sucht, spuckt zumindest Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Autorenspiel aus, dass
dazu klassische Gesellschaftsspiele wie Risiko usw (ohne Autorennamen auf der Schachtel) nicht gehören würden, und dass zu den Eigenschaften von Autorenspielen u.a. gehöre, dass die Spielregeln kurz gehalten sind.

Ähnliches schreibt auch der Spieleautor Andreas Pelikan in einem anderen Spielethread dieses Forums:
"Im Gegensatz zu Autorenspielen gibt es historische Spiele (Autor meist nicht überliefert, z.B. Schach, Pachisi, Tarock, ...), von der "Allgemeinheit" erfundene oder in die Public Domain übergegangene Spiele (Karrierepoker, Mörder, [..], ...) sowie Spiele mit geringer "Schöpfungshöhe" (hier werde ich mich hüten, Beispiele zu nennen). [..]"
(Quelle: viewtopic.php?f=13&t=218444 )
Die hier genannten "Nicht-Autorenspiele" zählen wir aber doch ganz eindeutig zu "unserem Genre" dazu, oder?

Sofern diese Definitonen stimmen, beschreibt der Begriff "Autorenspiel" also nur einen relativ kleinen Teilbereich der Gesellschaftsspiele, die "wir" meinen.



zuspieler hat geschrieben:Allen Nichtspielern sagt dieser Begriff wahrscheinlich deutlich weniger als der Begriff Gesellschaftsspiele.

Darauf kannst Du wetten! ;)
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2018:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Coimbra / Humboldt's Great Voyage / Pelegrinus

Benutzeravatar
Günter Cornett
Kennerspieler
Beiträge: 131

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Günter Cornett » 16. März 2018, 16:29

zuspieler hat geschrieben:Mir ist noch der Begriff Autorenspiele eingefallen. Er beschreibt meines Erachtens ziemlich gut, was wir (Spieler) unter Spielen verstehen. Das Problem ist nur: Allen Nichtspielern sagt dieser Begriff wahrscheinlich deutlich weniger als der Begriff Gesellschaftsspiele.


Der Begriff Autorenspiel ist durch die perverse Wikipedia-Definition auf absehbare Zeit für jeglich sinnvolle Verwendung verbrannt. Er entstammt dem Wunsch, von den Verlagen anerkannt zu werden und definiert den Autorenspiel-Autoren als einen (imho um Anerkennung winselnden) Autor, der sich darum bemüht, den Wünschen des Marktes gerecht zu werden. Wenn er als Autor genannt wird, verzichtet er gern auf Individualität beim Schaffen seines Werkes: Der Markt ist Trumpf.

Analog dazu wäre ein Autorenbuch ein besonders leicht zu konsumierendes Buch: große Schrift, nicht zu viele Seiten, stabil aber nicht zu viel Gewicht, eingängiges Thema, einfacher aber trotzdem nicht langweiliger Handlungsablauf, ... ach ja und der Name auf dem Cover.

Ich glaube, dass nur wenige Menschen von einem Brettspiel erwarten, dass eine hölzerne Scheibe beiliegt. Das Brett ist die gemeinsame Spielfläche, um die sich die Spieler versammeln. Es kann aus Holz bestehen, besteht aber häufiger aus Pappe oder ist eben virtuell. Der Begriff Brettspiel kann daher auch reine Kartenspiele umfassen.
Will man vermeiden, dass der - leicht antiquierte - Zuhörer vor allem Mühle und MÄDN assoziert, kann man auch Brett- und Kartenspiele oder Gesellschaftsspiele sagen. Letzteres ist dann sinnvoll, wenn klar ist, dass das Ding Spiel gemeint ist und nicht der Vorgang. Denn zu letzterem gehörte bspw. auch Blindekuh.

Spiel hat eben sehr viele unterschiedliche Bedeutungen. Wer unbedingt nach einem neuen Begriff sucht, sollte vielleicht weniger nach einem anderen Attribut zu Spiel suchen, sondern viel mehr nach einer Alternative zu Spiel. Persönlich sehe ich da aber keinen großen Bedarf.
Im alten spielbox-Forum über mehrere Jahre gesperrt wegen Ankündigung eines Links auf https://boardgamegeek.com/thread/701349 ... rong-cover

Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 486
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Re: Definition "Brettspiel(er)"

Beitragvon Mitspieler » 17. März 2018, 00:10

Günter Cornett hat geschrieben:Ich glaube, dass nur wenige Menschen von einem Brettspiel erwarten, dass eine hölzerne Scheibe beiliegt.

Ja, aber viele erwarten eine stabile Pappscheibe, Günter. :P

Scherz beiseite... also ich denke, dass es da beide Fraktionen gibt:

Einerseits..
..haben viele "moderne" Vielspieler natürlich schon längst mitgekriegt, dass der Begriff "Brettspiel" inzwischen sehr viel weitläufiger und ungeregelter gebraucht wird als früher.
Und diese Spieler benutzen das Wort "Brettspiel" vermutlich inzwischen selber in diesem weiten Sinne. Warum? Vermutlich, weil man es sich so angewöhnt, wenn alle das so sagen.. :rolleyes: Oder weil man zu "faul" ist, eine zutreffendere Formulierung zu suchen, oder einem keine einfällt. Wobei "Gesellschaftsspiel" da m.E. doch noch die bessere Wahl wäre, da es bei diesem Wort tatsächlich klarer/logischer ist, dass man damit auch die Karten- und sonstigen Spiele mit einbezieht. Darum finde ich es schade, dass das Wort "Gesellschaftspiel" kaum noch benutzt wird und stattdessen die meisten Spieler unser gesamtes Genre unter den Begriff "Brettspiel" stellen.

Andererseits..
..gab und gibt es vermutlich durchaus noch viele Leute, die tatsächlich das Spielbrett als Unterscheidungsmerkmal zwischen Brett- und sonstigem Spiel sehen. Es sind vermutlich
a) Menschen (egal, ob Spielefreaks oder Nichtspieler), die einfach Missverständnisse vermeiden wollen (so wie ich), oder
b) Menschen, die eher "traditionelle" Spiele wie Mühle und Rommée kennen oder spielen - also Spiele, bei denen die Unterschiede ja noch klarer waren als heutzutage bei den "Crossover"-Spielen.


_________________________________________________________________________________________________________________________________


Günter Cornett hat geschrieben:Das Brett ist die gemeinsame Spielfläche, um die sich die Spieler versammeln. Es kann aus Holz bestehen, besteht aber häufiger aus Pappe oder ist eben virtuell. Der Begriff Brettspiel kann daher auch reine Kartenspiele umfassen.


Ja, das finde ich tatsächlich eine sehr interessante Sichtweise und Begründung, warum der Begriff "Brettspiel" für das gesamte "Genre der Gesellschaftsspiele" stehen kann.
Du hast das verständlich erklärt, Günter.. Aber ob sich alle "Laien", die das Wort "Brettspiel" hören, derart weitreichende Gedanken machen, oder ob sie sich nicht doch vom "Brett" irreführen lassen..?
Es ist doch unnötig, ein Wort ("Brett") zu benutzen, das in vielen Fällen sachlich falsch und darum irreführend und nur im übertragenen Sinne verständlich ist.

Trotzdem gefällt mir Günters Gedanke.
Und die Bezeichnung "Brettspiel" hat einen möglichen Vorteil: Sie vermittelt dem potenziellen Wortempfänger
eine bildliche und damit hilfreiche Vorstellung über die Art der Zuammenkunft der Spieler ("aha, die sitzen wohl um nen Tisch rum, an einem Spielbrett"). Dieses Bild ist zwar im genaueren Sinne nicht immer korrekt (z.B. wenn Karten gespielt werden oder ein pantomimisches Ratespiel), aber es führt den Wortempfänger zumindest schön deutlich in die richtige Richtung

- möglicherweise besser, als es vielleicht das Wort "Gesellschaftsspiel" vermag, denn darunter würde sich ein absoluter Laie zuallererst möglicherweise nur ein undefiniertes Partyspiel in großer Gruppe vorstellen, oder gar ein (Intrigen-?)Spiel zwischen Gesellschaftsschichten o.Ä..
Andererseits - mal ehrlich, man kennt doch auch heute noch (auch als Laie) das Wort "Gesellschaftsspiel", oder?


_________________________________________________________________________________________________________________________________

Trotz allen Für und Widers:

Für mich kommt bisher der Ausdruck "Gesellschaftsspiel" derjenigen Bezeichnung, nach der ich suche, am nächsten
- weil er einfach am besten die gesamte Bandbreite an Spielen umschreibt, um die es dabei ja meistens gehen soll.
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2018:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Coimbra / Humboldt's Great Voyage / Pelegrinus


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 12 Gäste