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Kulturgut Spiel

Verfasst: 30. Oktober 2018, 23:53
von SpieLama

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 30. Oktober 2018, 23:55
von SpieLama
Es folgt eine Pressemitteilung der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ).

Spiele-Autoren-Zunft hat geschrieben:Premiere: Spiel und Politik im Dialog
Auf den Internationalen Spieltagen Spiel’18 in Essen fand am 25. Oktober erstmals ein öffentliches Gespräch zwischen Vertretern des analogen Spiels und der Politik statt. Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) hatte zusammen mit dem Deutschen Kulturrat die Kulturpolitiker Bernd Petelkau, (MdL, CDU), Helge Lindh (MdB, SPD) und Erhard Grundl (MdB, Grüne) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, um für das „Kulturgut Spiel“ zu werben.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Steffen Bogen (Autor von „Camel up“), Prof. Christian Höppner (Deutscher Kulturrat), Prof. Dr. Susanne Keuchel (Akademie für kulturelle Bildung in Remscheid), Heiko Windfelder (Kosmos Verlag) und Moderator Harald Schrapers (Spiel des Jahres e.V.) wurde nach Möglichkeiten gesucht, das analoge Spiel verstärkt gesellschaftlich zu verankern.

Frau Prof. Dr. Keuchel stellte ihren Einführungsvortrag unter das Motto: „Das Spiel ist nicht nur Inbegriff des Menschlichen, es ist zugleich Motor menschlicher Entwicklung“. In der folgenden Diskussion bestand große Einigkeit darin, dass es sich bei analogen Spielen um ein wesentliches Kulturgut handelt, für dessen Förderung Gesellschaft und Politik in Zukunft verstärkt eintreten sollten. Viel zu oft verenge sich der Blickwinkel auf die Computerspiele, die im Gegensatz zu analogen Spielen verstärkt aus öffentlichen Kassen unterstützt werden.

Nicht nur Prof. Höppner vom Deutschen Kulturrat zeigte sich sehr beeindruckt vom unmittelbaren Anschauungsunterricht zur Lebendigkeit des analogen Spiels auf der Spiel‘18, die von 190.000 Menschen aus der ganzen Welt besucht wurde, sowie von der internationalen Bedeutung der Spielekultur, die viele Wurzeln in Deutschland hat.

Die Forderung der SAZ, der Spieleverlage und des Deutschen Kulturrats, analoge Spiele in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek aufzunehmen, wurde von allen drei Abgeordneten befürwortet. Bernd Petelkau wies auf den Widerspruch hin, dass Spiele zwar in allen öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen werden, sie aber dennoch nicht zum Sammlungsauftrag der Deutschen National­bibliothek gehören.

Herausgehoben wurde die große Bedeutung des Spiels für Bildung und Integration. Die Anerkennung des analogen Spiels als Kulturgut müsse deshalb mit einer verstärkten Wertschätzung einhergehen, z.B. auch mit dem verstärkten Einsatz von Spielen in Schulen und sozialen Einrichtungen.

Die Forderung von SAZ-Geschäftsführer Christian Beiersdorf, für alle Kulturgüter und -leistungen nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zu erheben, fand im Publikum viel Beifall. Auch die Kulturpolitiker von CDU, SPD und Grünen stimmten der Forderung zu, z.B. Bücher und Spiele steuerlich gleich zu behandeln.

Mit dieser Veranstaltung und Diskussion wurde ein erster Meilenstein gesetzt. Alle Beteiligten waren sich über die Notwendigkeit einig, diesen Dialog intensiv weiter­zuführen, um dem Kulturgut Spiel zu mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft zu verhelfen.

Hinweis: Eine Video-Zusammenfassung der Diskussion wird in Kürze auf der Website der Spiele-Autoren-Zunft zur Verfügung stehen.

Podium-Foto.jpg
Foto: focus-Medienproduktion/SAZ
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Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 3. November 2018, 11:06
von Der bumsfidele Bergdoktor
Lobbyarbeit in eigener Sache, die fünfhundertdreiundachzigste. Und Action!

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 3. November 2018, 14:28
von Peterlerock
Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Lobbyarbeit in eigener Sache, die fünfhundertdreiundachzigste. Und Action!

Schon verrückt, dass die Interessenvertretung der Spieleautoren die Interessen der Spieleautoren vertritt.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 3. November 2018, 16:43
von Der bumsfidele Bergdoktor
Verrückt ist das nicht; nur bewusst einseitig dargestellt und manipulativ. Bisher wird hier der Eindruck erweckt, die Sichtweise der SAZ sei allgemeiner Konsens. Konsens ist aber weder die Forderung zur Definition als "Kulturgut", noch die Forderung nach Förderung; und das noch nicht einmal unter uns Spielern. Konsens herrscht dies´bezüglich bestenfalls unter Autoren, Verlagen und Fachmedien, also Bloggern, Zeitschriften, Videorezensenten und sonstigen freischaffenden Spielejournalisten, denen man guten Gewissens ein Eigeninteresse an dieser Sache "Kulturgut Brettspiel" unterstellen darf.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 4. November 2018, 22:42
von SpieLama
Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Verrückt ist das nicht; nur bewusst einseitig dargestellt und manipulativ. Bisher wird hier der Eindruck erweckt, die Sichtweise der SAZ sei allgemeiner Konsens. Konsens ist aber weder die Forderung zur Definition als "Kulturgut", noch die Forderung nach Förderung; und das noch nicht einmal unter uns Spielern. Konsens herrscht dies´bezüglich bestenfalls unter Autoren, Verlagen und Fachmedien, also Bloggern, Zeitschriften, Videorezensenten und sonstigen freischaffenden Spielejournalisten, denen man guten Gewissens ein Eigeninteresse an dieser Sache "Kulturgut Brettspiel" unterstellen darf.

Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) macht sich stark für das Kulturgut Spiel, auch aus Eigeninteresse. Das finde ich ebenfalls - so wie Peterlerock - logisch und erwartbar. Das gilt auch für das Engagement der Fachgruppe des Spieleverlage e.V. Ob es unter Bloggern einen Konsens gibt, weiß ich nicht. In der Spiel doch! 2016/02 gab es zum Beispiel ein Pro und Contra zu dem Thema, siehe http://www.nostheide.de/webshop3/produc ... c578b8e6ba. Unabhängig davon: Welchen Vorteil hätten Blogger, wenn Spiele als Kulturgut anerkannt würden?

Unahängig von den Standpunkten der Blogger denke ich, dass es in der Branche einen Konsens zum Thema „Kulturgut Spiel“ gibt. Unter anderem machen sich folgende Institutionen und Organisationen stark dafür:

  • Spiele-Autoren-Zunft (SAZ)
  • Fachgruppe Spiel Spieleverlage e.V.
  • Spiel des Jahres
  • Verband Deutscher Spieliotheken/Ludotheken
  • Spielearchiv Nürnberg sowie das Bayerisches Spiele-Archiv Haar
Oder mit anderen Worten: Alle großen Spieler der Branche wollen das Kulturgut Spiel stärken. Was sich jedoch unterscheidet ist, wie die jeweiligen Institutionen und Organisationen sich für das Kulturgut Spiel stark machen (und vielleicht sogar auch, was sie darunter verstehen).

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 5. November 2018, 03:18
von Günter Cornett
Die einen verstehen unter "Kulturgut Spiel" eben "Kulturgut Brettspiel", andere "Kulturgut Spielen mit Zeug", wiederum andere womöglich "Kulturgut Theaterspiel" o.Ä.

Sieher hierzu auch: Spielen mit Spielzeug soll immaterielles Kulturerbe werden
viewtopic.php?f=7&t=391962&p=434552&hilit=kulturgut#p434467

Also MIT SPIELZEUG => IMMATERIELLES Kulturerbe.
Warum soll Spielen Zeug brauchen um als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu werden?

Das ist schon eine etwas verrückte Lobbyarbeit (seitens des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DVSI)).
Daher sehe ich auch in Bezug auf die anderen genannten Institutionen und Organisationen zumindest die Frage berechtigt, ob es um das eigene Interesse geht, das Dingens Spiel als Kulturgut anzuerkennen oder um das Spiel(en), wovon der eigene Bereich nur ein Teil ist, nur eine Erscheinungsform. Soll bspw. Fangen oder das Fußballspiel auch miteinbezogen werden?

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 5. November 2018, 14:31
von Der bumsfidele Bergdoktor
SpieLama hat geschrieben:Unabhängig davon: Welchen Vorteil hätten Blogger, wenn Spiele als Kulturgut anerkannt würden?

Prestige? Ist doch toll, wenn man sich auf die Fahne schreiben kann, sich für ein wahnsinnig wichtiges "Kulturgut" einzusetzen, obwohl es de facto regelmäßig nur auf die Befriedigung eines Mitteilungsbedürfnisses einerseits, und auf ehrenamtliches Marketing im Dienste einer Brettspielindustrie andererseits hinausläuft.

SpieLama hat geschrieben:Oder mit anderen Worten: Alle großen Spieler der Branche wollen das Kulturgut Spiel stärken. Was sich jedoch unterscheidet ist, wie die jeweiligen Institutionen und Organisationen sich für das Kulturgut Spiel stark machen (und vielleicht sogar auch, was sie darunter verstehen).

Das glaube ich gerne, denn alle diese "großen Spieler" hätten davon ja einen Mehrwert. Ich sehe andersherum aber nicht ein, warum wir uns als Spieler hier von der Branche vor den Karren der "Kulturgut"-Kampagne spannen lassen und die Forderungen von SAZ und Co. unkritisch übernehmen und ggf weiterverbreiten sollten? Ich finde die Frage nämlich durchaus legitim, warum wir erstens als Gesellschaft den Begriff des "Kulturguts" derart inflationär gebrauchen und somit die bisher als solche anerkannten Kulturgüter abwerten wollen sollten, und warum zweitens ausgerechnet die florierende Brettspielbranche einer Förderung bedürfen sollte.

Daher missfällt es mir auch ausdrücklich, wenn Leute wie du, die als Journalisten eine gesellschaftliche Mittlerrolle einnehmen, sich stattdessen, so mein Eindruck, eher als Erfüllungsgehilfen der Brancheninteressen verstehen.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 5. November 2018, 15:29
von Mixo
Ich finde es gut, wenn sich Menschen für unser Hobby einsetzen PUNKT

Zur Frage des "Kulturguts Spiel" kann ich nur sagen:

Bild


...pun intended

Manchmal werden Dinge auch wichtiger gemacht, als sie sind.

Mixo, dem der Begriff "Kulturgut Spiel" auf den Puffer geht, sich aber freuen würde nur 7 % statt 19 % Umsatzsteuer auf Spiele zu zahlen...

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 5. November 2018, 15:44
von Günter Cornett
Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Daher missfällt es mir auch ausdrücklich, wenn Leute wie du, die als Journalisten eine gesellschaftliche Mittlerrolle einnehmen, sich stattdessen, so mein Eindruck, eher als Erfüllungsgehilfen der Brancheninteressen verstehen.


Als Behauptung finde ich das jetzt nicht wirklich begründet; als Frage oder zu diskutierende These aber durchaus berechtigt.

Der Eindruck des Vermischens entsteht meiner Meinung auch dadurch, dass der Begriff "Kulturgut Spiel" nicht wirklich inhaltlich diskutiert wird. Da bekommt man den Eindruck, dass es um den - durchaus nicht unberechtigten - Ruf von Zukurzgekommenen geht: "Wenn X anerkannt wird, soll meine Branche auch anerkannt werden" und zu wenig davon ausgegangen wird, was als Kulturgut besondere Beachtung verdiente. Was fällt denn alles unter Kulturgut Spiel, auch jenseits unserer Branche?

In Bezug auf die SAZ zeigte sich diese "Ich will auch berücksichtigt werden"- Haltung vor vier Jahren bei ihrem missratenen Vorschlag, Spielregelwerke gesondert ins Urheberrechtsgesetz aufzunehmen. Es fehlt - so meine ich - einiges an Selbstverständnis: Was macht "Spiel" aus, als Kulturgut, als Regelwerk. Von Journalisten erwarte ich hier Aufklärung, inhaltliche Auseinandersetzung, Definition und Einordnung von "Kulturgut Spiel" ... und allenfalls danach ein sich dafür (oder dagegen?) Einsetzen.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 6. November 2018, 23:53
von SpieLama
Günter Cornett hat geschrieben:Von Journalisten erwarte ich hier Aufklärung, inhaltliche Auseinandersetzung, Definition und Einordnung von "Kulturgut Spiel" ... und allenfalls danach ein sich dafür (oder dagegen?) Einsetzen.

Danke fürs Anschubsen. Deine Aufforderung hat mich inspiriert. Ich werde einen spielbox-Artikel über das Thema schreiben.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 7. November 2018, 08:12
von SpieLama
Gemeinsam mit Dr. Karin Falkenberg bemüht sich Tom Werneck in Bayern um die Anerkennung des Kulturgutes Spiel als immaterielles Kulturerbe. Über die Antragstellung, den Status Quo und die Zukunft dieses Vorhabens berichtet er im Interview mit Jürgen Karla, https://www.spielbar.com/wordpress/2018/11/07/17864/.

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 10. November 2018, 10:55
von SpieLama
Die SAZ hat ein Video der Podiumsdiskussion auf der Spiel 2018 veröffentlicht.

https://www.youtube.com/watch?v=MC_v6pK8IAU

Re: Kulturgut Spiel

Verfasst: 10. November 2018, 14:33
von Christian Beiersdorf
Wem die komplette Version mit 1:38:00 zu lang ist, kann sich auch die Kurzfassung (28 Minuten) mit den wesentlichsten Aussagen anschauen: [https://youtu.be/qIs5Y_6ZGCI