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Montagabend in der Bude

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Der Siedler
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 21. März 2019, 01:03

Mittwoch, 20.3.2019 | Spieleabend #181

Selbst bei Nichtteilnehmern unseres Spieleabends sind gewisse Regelmäßigkeiten wohlbekannt: So saßen wir heute zu dritt um den Küchentisch der WG und widmeten uns dem Aufwärmer, als ein Mitbewohner sich sein Abendbrot zubereitete. Von uns dreien war aber keiner Mattes, und das fiel auch dem Außenstehenden direkt auf. Wir konnten ihn aber dahingehend beruhigen, dass Mattes zum Hauptspiel dazustoßen würde. Ein Aufatmen ging durch die WG-Küche: "Gewisse Konstanten muss es schließlich geben!"

Der besagte Aufwärmer war sehr zu meiner Freude Century - Die Gewürzstraße. Ein ziemlich puristischer Enginebuildermit Deckbauelement. Gewürze erhalten, tauschen und letztlich für Auftragskarten wieder abgeben, wobei der Kniff ganz klar bei den Karten liegt: Denn hier versucht jeder Spieler eine gewinnbringende Kombination zusammenzustellen, die er dann immer wieder hintereinander ausspielen kann und dabei seine Gewürze gezielt vermehrt und aufwertet. Ganz so statisch geht es dann aber doch nicht, denn man muss ja auf die aktuell ausliegenden Auftragskarten schielen. Eiko verkündete direkt zu Beginn, dass er für uns sicher keine Konkurrenz sein würde. In der Tat, in den Vorpartien hatte er nicht so gut abgeschnitten und ich hatte schon damit gerechnet, dass er meinen Vorschlag ablehnen würde, Century zu spielen. Er schien sich aber nur noch an seine verhältnismäßig schlechten Ergebnisse zu erinnern und nicht mehr daran, dass er dem Spiel (deswegen?) auch nicht so viel abgewinnen hatte können. Und tatsächlich war es am Ende sehr knapp zwischen ihm und mir: 79:63:Mattesplatzhalter:80 verdanke ich nur meinem genialen Schachzug, am Ende doch noch eine Runde mehr zu spielen als von den anderen erwartet. Ich hätte mir nämlich den vordersten Auftrag leisten können, glücklicherweise tauchte aber ein punkteträchtigerer vom Stapel auf, den ich innerhalb einer Runde per Gewürztausch ebenfalls realisieren konnte. Die anderen hatten natürlich schon mit einem Ende in der aktuellen Runde gerechnet und sich auf Dummy-Aktionen beschränkt. Ohne diese Extrarunde hätte ich aber nicht mit einem Punkt gegen Eiko gewonnen, sondern knapp verloren. Bei variabler Spieldauer sollte man die Macht, das Spielende einzuläuten, nicht unterschätzen!

Als Hauptspiel kam das gute alte Orléans auf den Tisch. Ohne Erweiterung, zumindest ohne Szenarien. Auch wenn mich das kooperative Spiel nach wie vor reizt, gab es heute nur das Grundspiel. Zu viert dauern die Spiele auch ohne neue Regeln schon lang genug. Ein wenig Neues gab es dann aber doch: Ich mischte nämlich aus allen Ortskarten in meinem Besitz acht der Stufe I und zwölf der Stufe II heraus, sodass wir nicht zu viele Gebäude in der Auswahl hatten, aber doch etwas Abwechslung zum Grundspiel. Ich greife jetzt einfach mal ein paar Aspekte aus der Partie heraus, wie ich es immer mache. Glücklicherweise spare ich mir diesen vorgestellten Satz aber meistens, denn ihr kennt die Struktur dieser Berichte ja inzwischen gut genug, sodass es eigentlich keiner Erläuterungen mehr bedarf. Erst recht nicht auf so einer seltsamen Metaebene, auf der wir uns gerade befinden. Zurück nach Orléans: Ich spielte wie immer mit vielen Mönchen, wobei ich diesmal jede Runde einen Mönch für den Brunnen brauchte. Der Brunnen braucht eigentlich noch einen Schiffer mehr, den ich aber per Technikrad abdeckte, und erlaubt es mir, eine beliebige meiner Aktionen auszuführen, ob mit Personen aktiviert oder nicht. So konnte ich also manche (für mich) schwierige Aktion wie das Reisen und Bauen eines Gildenhauses über diesen Umweg ausführen. Außerdem hatte ich noch die verbesserte Wollmanufaktur, wodurch ich den Stapel mit Wolle in meinen Besitz brachte. Die Apotheke erlaubte mir ein recht weites Vorziehen auf der Fortschrittsleiste, obwohl die Gelehrten schon allzu früh weg waren. Die anderen hatten sich auch alle ihre Kombinationen zurechtgelegt, nur Eiko hatte sich ein ganz besonderes Gebäude besorgt: Das Gericht. Mit dieser Ausgeburt der Männeken-Manipulation konnte Eiko unsere Spielfiguren durch die Gegend schubsen und dabei auch noch Waren einsammeln. Dass der betroffene Spieler von ihm eine Entschädigung von einer Münze bekam, war kein wirklicher Trost. Eiko hatte so nämlich die Möglichkeit, viele der wertvolleren Waren einzusacken und uns gleichzeitig in unvorteilhafte Positionen zu manövrieren, was den Bau neuer Kontore anbelangte. So wurden die Rundenplanungen vom Gericht dominiert und man musste immer gut überlegen, ob man auch wirklich gut gegen eine eventuelle Einmischung durch Eiko gewappnet war. Diese taktische Komponente verlegte leider den Fokus des Spiels weg vom Bagbuilding hin auf die Topographie der Karte. Am Ende hatte Eiko aber zu wenig Fleisch um sein mächtiges Sondergebäude herum konstruiert, sodass er sich trotz Warenreichtums nicht Sieger nennen durfte. Mattes mit seiner bekannten Brokat-Produktion und einem stattlichen Bauernstaat dagegen hatte heute das richtige Händchen - Und das soll jetzt sicher nicht heißen, dass er beim Ziehen aus dem Beutel geschummelt hätte! 108:97:118:103 - Orléans ist und bleibt eine Perle, aber beim nächsten Mal werde ich (20 + Spielerzahl) Plättchen auslosen und eine Veto-Runde einbauen. So kann man allzu polarisierende Strategien ausschalten und vielleicht für etwas mehr Abwechslung sorgen. Obwohl auch ich heute durch die fehlenden Plättchen Laboratorium und Windmühle einen etwas anderen Weg einschlagen musste. Neben dem störenden Gericht war die Spieldauer heute nicht optimal, aber das lag nicht zuletzt an der verhältnismäßig hohen Spielerzahl. Ich bin sicher, dass ich das Spiel mit Mattes in weniger als anderthalb Stunden bewältigt bekommen würde.

Eiko und David waren beim Absacker nicht mehr mit dabei, aber Mattes und ich gönnten uns zum Abschluss noch Einfach Genial mini, wobei dieser Partie wirklich ganz angenehm nebenher lief. Wir zogen die Plättchen und verfolgten den Spielverlauf, unterhielten uns währenddessen aber über Mattes' neue Arbeitsstelle. 2:7 ging es für mich aus, das Glück war auf meiner Seite,

das Gespräch ging aber weiter: Mattes hatte bei der Übergabe und beim Bezug seiner Wohnung einige seltsame Dinge mit der Hausverwaltung und -vermietung erlebt, die wirklich nicht so ganz nachzuvollziehen waren. Jetzt wohnt er ja aber erstmal da und hat hoffentlich keine weiteren Scherereien mit dem Vermieter. Nächste Woche sind wir dann auch auf jeden Fall bei Mattes, falls David und Judith können wären wir dann sogar zu sechst. Eigentlich war ja der heutige Termin schon bei Mattes geplant, es wurde dann aber doch später bei ihm auf der Arbeit, und außerdem hätte das an den Anfang des Berichts gehört und nicht ans Ende. Ihr wisst jetzt ja schließlich schon, dass wir heute wie gewohnt in der WG waren. Wo der Spieleabend natürlich auch weiter beheimatet sein wird, trotz nächstwöchigem Außentermin! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 28. März 2019, 01:15

Mittwoch, 27.3.2019 | Spieleabend #182

Heute werden ausnahmsweise nicht die Spiele im Fokus stehen, sondern der Austragungsort des Spieleabends. Wie angekündigt waren wir nämlich nicht (wie immer) in meiner WG, sondern in Mattes neuer Wohnung. Wir waren zu viert und ich war nach Eiko und Erik der letzte, der das frisch bezogene Nest inspizieren durfte. Ja, der Pünktlichste bin ich wohl nicht... Da er hier mitliest, bin ich gezwungen nur Gutes über seine neue Heimstatt zu schreiben. Da trifft es sich doch, dass es mir dort tatsächlich sehr gefallen hat! Das Wohnzimmer und die Küche sind eine Einheit, man merkt aber doch ganz klar, dass man nicht in einer Studentenbude ist. Dafür ist alles zu geräumig, modern und aufgeräumt. Die bisherigen Querelen mit dem Vermieter habe ich ja schon in den Vorberichten beschrieben, die Wohnung war es aber meiner Meinung nach wert. Einzig ein gut sortiertes Spieleregal fehlt bei Mattes ganz eindeutig. Bisher besteht seine Sammlung nur aus einem Blatt Karten, Hochspannung von Amigo und dem guten alten Love Letter. Andererseits hat er ja auch den wöchentlichen Spieleabend, wozu soll er sich da groß mit Spielen eindecken?

Die Glasstraße kann er ja zum Beispiel problemlos bei mir spielen! Ein etwas seltsamer Aufwärmer, schließlich dauert das Spiel selbst bei schnellem Spiel bestimmt eine Stunde. Aber mit der Blitzpartie Istanbul von vor ein paar Monaten im Hinterkopf dachte ich, man könnte das mal wagen. Schließlich müssten das Spiel ja auch eigentlich alle kennen. Aber Pustekuchen. Wie immer nach längerer Abstinenz müssen die Grundprinzipien nochmal erklärt werden. Dann ging es aber endlich los - Oder auch nicht. Denn das Auswählen der Rollen dauerte auch wieder länger, als ich es in Erinnerung hatte. Ja, man muss schon ein wenig planen, wie die Bauperiode verlaufen soll. Gerade gegen Ende will man vielleicht ganz bestimmte Gebäude bauen. Als ich dann aber hörte, dass die anderen oftmals gar nicht bei den Mitspielern schauen, bevor sie ihre Rollenwahl treffen, war ich schon etwas irritiert. Zuerst einmal ist das nicht nur ganz gut möglich, sondern auch sinnvoll: Braucht ein Mitspieler offenbar dringend Lehm und hat kaum Mulden, dann kann ich mit dem Lehmarbeiter auf der Hand gut abstauben und ihm obendrein den Ertrag vermindern. Mich verwunderte zudem, dass man auch ohne Einkalkulation dieser Faktoren so lange mit der Entscheidung beschäftigt sein kann. Und zum guten Schluss war ich dann regelrecht empört, dass ich trotz sorgfältiger Analyse der Mitspieler mit einem halben Punkt Rückstand gegen Erik verlor: 20:13:20,5:21 ist vorne ein äußerst knappes Ergebnis. Gut, Mattes war ziemlich abgeschlagen, denn er hatte keine punkteträchtigen Gebäude errichtet. Wir anderen hatten aber alle unsere Punktegaranten, die dann letzten Endes das Spiel entscheiden. Um eines dieser Gebäude auf meienr Tafel zu nennen: Das Naturfreundehaus brachte mir vier Punkte für ein 2x2-Quadrat von Mulden ein, Eiko hatte das entsprechende Gebäude für Teiche, sowie die Einfriedung, die ein volles Tableau am Ende des Spiels mit vier Punkten belohnt. Das finde ich schon fast ein bisschen schade an der Glasstraße, dass es bei all der interaktiven Rollenwahl am Ende doch wieder auf eine Handvoll Gebäude ankommt, die am Ende richtig punkten. Denn so richtige Ketten schon während des Spiels aufzubauen, erweist sich nach wie vor als schwierig. Auch, wenn mir das wahrscheinlich nochmal umso mehr Spaß bereiten würde.

Nun war es schon viertel vor neun, als wir das Hauptspiel auspackten, aber wir hatten keine riesige Auswahl. Um jetzt schon zum Absacker überzugehen, fehlte nunmal das Hauptspiel des Abends, also blieb nur Ginkgopolis als zweites von mir mitgebrachtes Spiel. Auch hier erläuerte ich nochmal kurz die Regeln, wobei mich hier jetzt wirklich interessiert, wann wir das zuletzt gespielt haben. Moment bitte, ich schau mal kurz nach... Trotz meiner sorgfältigen Buchführung konnte ich es auf die schnelle nicht finden. Wahrscheinlich habe ich den betreffenen Abend nicht in Berichtform gegossen. Spätestens, wenn ich zum zweihundertsten Abend alles wieder statistisch auswerte, werde ich dazu aber ganz genaue Angaben machen, falls es dann noch jemanden interessiert. Nun aber zu unserer futuristischen Stadt: Wie immer spezialisierte ich mich aufs Hochbauen, eine Bonuskarte zum Urbanisieren konnte ich dagegen bis zum Ende nicht auftreiben. Wir bauten ziemlich planlos in der Gegend rum und die Mehrheiten ergaben sich (bis auf wenige Ausnahmen) eher zufällig als großartig geplant. Ich gab heute aber das ein oder andere Mal Siegpunkte ab, um ein hohes Gebäude mit einem niedrigeren überbauen zu dürfen. Das machte sich insofern bezahlt, dass die hohen Gebäudekarten dann in meine Auslage wanderten und dort am Ende für fette Siegpunkte sorgten. Leider war mein Siegpunktkonto übers Spiel dadurch aber enorm geschmälert. Wir stellten fest, wie flott Ginkgopolis eigentlich zu spielen und dann auch wieder vorbei ist. Erik hatte zwar Schwierigkeiten wieder ins Spiel zu finden, aber Mattes und ich waren uns einig: Die eleganten Regeln machen das Spiel zu einer runden Sache. Ich bin nicht mehr ganz so angetan davon wie noch vor ein paar Jahren, aber bei einer fiktiven Regalentrümpelung müsste Ginkgopolis ganz bestimmt nicht weichen. Zur Sache! Eiko übernahm am Ende noch die wichtigste Mehrheit auf dem Plan, ich dagegen nur eine kleine, und Erik konnte in den Stadtvierteln so gut wie gar keine Punkte einsammeln. Einzelne Plättchen ohne Wertung hatten wir alle, was zur beschriebenen Planlosigkeit in der Tischmitte passte. 58:42:44:50 - Ein unerwartet deutlicher Sieg für Eiko. Das häufige Siegpunkteinkommen durch Bonuskarten war dann wohl doch stärker als gedacht. Auch meine äußerst passenden Bonuskarten vermochten mich nur auf einen zweiten Platz zu bringen, und das nichtmal knapp. Eine Karte hatte ich sogar doppelt: Beide brachten mir je einen Punkt pro Ressource auf roten Plättchen, und davon hatte ich am Ende zehn Stück, also 2*10=20 Punkte. Weitere zehn Punkte für fünf rote Karten, aber gegen Eikos Masse an Punkten aus der laufenden Partie war kein Ankommen. Ginkgopolis hat ja auch eine Erweiterung. Leider ist sie online nicht mehr regulär erhältlich. Das wäre aber so ein Fall, wo sich eine Forenrecherche vielleicht mal lohnen könnte. Wenn jemand seine Ginkgopolis - Experts loswerden möchte, so möge er mich gerne kontaktieren. Ich bezahle ihm auch ein paar Ressourcen dafür, um in der Sprache des Spiels zu bleiben.

Eiko war weg, wir einigten uns auf einen Vor- und einen richtigen Absacker. Zuerst gab es Hochspannung von Amigo. Jeder bekommt gleich viele Karten mit Werten von eins bis zehn. Auf jeder Karte steht außerdem eine Zahl von eins bis drei, die man auf den Hauptwert draufrechnen oder von ihm abziehen muss. Sprich aus 7 +/- 1 wird 8 und 6, aus 2 +/- 3 wird 5 und 9, denn wir rechnen sozusagen im Kreis. Man darf nachziehen, wann man möchte, und legt ansonsten einfach so schnell nur eben möglich ab. Kopfrechnen in Reinstform. Mattes teilte uns nach der von mir gewonnen ersten Runde seine Erfahrung mit, nach der meist derselbe Spieler gewinnt. Und so war es auch: Ich machte alle drei Runden aus, Erik verlor mit 31 Miesen gegen Mattes' 28. Mit Sicherheit nichts für den ganzen Abend, aber auch nicht spaßbefreit. Kann man mal machen.

Der tatsächliche Absacker war dann Love Letter, unser alter Klassiker. Nach wie vor ein Meisterwerk, dem in der Szene viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Sollte jemals ein Kanon 100 Spielen, mit denen man irgendwas getan haben muss, bevor man etwas anders tut erscheinen, so wäre er für mich ohne dieses Kleinod nicht ernstzunehmen. Heute hatten wir eine maximal lange Runde, denn am Ende gab es eine letzte Runde, in der wir alle schon drei Herzen hatten und nur noch auf das entscheidende letzte warteten. Ich sah mit dem Priester Eriks Prinzessin, er gab mir postwendend mit dem Baron den Rest. Offenbar kündigte er den Baron zu stark mit Bezug darauf an, dass ich seine Karte ja schon gesehen hatte, und so vermutete Mattes bei Erik tatsächlich die Prinzessin. Zack, Sieg für den Gastgeber!

Ein sehr schöner Abend, an den wir uns allein wegen der ungewöhnlichen Location sicher erinnern werden. Ich glaube zwar nicht, dass wir jetzt regelmäßig bei Mattes gastieren - Dazu ist einfach das Mitnehmen der Spiele und insbesondere das vorherige Abstimmen der Spieleauswahl zu umständlich. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir im Sommer noch das ein oder andere Bier auf der nahen Pontstraße nach einem Spieleabend trinken werden, und da bietet sich ein Spieleabend bei Mattes ja dann regelrecht an. Nächste Woche sind wir aber wieder bei mir, ohne den operationsbedingt fehlenden Eiko. Er hat einen Leistenbruch, und nicht nur das: Wie der versierte Kneipengast zu fortgeschrittener Stunde rief er wohl beim (unbemerkten) Zuziehen des Leistenbruchs: Mach mal direkt nen Doppelten! Wir wünschen ihm natürlich nur das Beste! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Laaar » 28. März 2019, 19:14

Der Siedler hat geschrieben:Mittwoch, 27.3.2019 | Spieleabend #182
Sollte jemals ein Kanon 100 Spielen, mit denen man irgendwas getan haben muss, bevor man etwas anders tut erscheinen, so wäre er für mich ohne dieses Kleinod nicht ernstzunehmen.


Ha, das inspiriert mich fast, einen solchen Thread aufzumachen... 100 Spiele, die man spielen muss, in 100 Sätzen...

Falls jemand Lust hat - ich würd's lesen ;)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 4. April 2019, 00:19

Mittwoch, 3.4.2019 | Spieleabend #183

Heute berichte ich von einem Spieleabend zu viert, wieder in der WG. Mit dabei waren Mattes, Davids Freundin Judith, Judiths Freund David und ich. Spielerisch war es eher seicht, denn Judith ist ja nicht jede Woche bei uns zu Gast. Hier dann allzu große neue Spiele beizubringen, lohnt sich meistens nicht so richtig. Deshalb haben wir auch heute wieder einen guten Kompromiss gefunden aus bekanntem und spannendem neuen, das aber nicht so schwer zu erlernen ist.

Und obwohl Die Quacksalber von Quedlinburg letztes Jahr nicht Spiel sondern Kennerspiel des Jahres wurde, ist es nicht sonderlich schwer zu erlernen. Die Diskussion ist müßig und es gibt auch gute Gründe für eine Einstufung überhalb des Familienspiels, aber eben nur knapp überhalb. Ich wählte für die Bücher eine Mischung aus Level 1 und 2, weil in den oberen Leveln die Bücher für den Einstieg teilweise doch etwas zu kompliziert sind. Anfangs lag ich immer gut mit ein paar Punkten vorne, was für die anderen aber auch immer wieder den ein oder anderen Rattenschwanz bedeutete. Als ich dann auf der Hälfte des Spiels zu viel wollte und zwei Explosionen in Folge erlitt, entschied ich mich aber zwecks Beutelaufbau trotzdem für den Kauf neuer Plättchen und geriet ins Hintertreffen. Da Mattes und David etwas besser mit dem Risiko umgehen konnten, blieben ihnen diese Punkteeinbußen erspart. In beiden Fällen hatte ich durch meine Risikofreude aber gar nicht allzu viel gewonnen, sondern nur Punkte verschenkt, die mir am Ende den Sieg gebracht hätten. Spaß hat es trotzdem wieder gemacht, bei mir beherrschten Kürbisse und Fliegenpilze das Bild im Kessel. Das rote Buch war nämlich dasjenige, bei dem man zusätzliche Schritte machen darf, wenn man zuvor schon Kürbisse im Kessel hatte. Die schwarzen Motten dagegen gingen heute eher unter, zumindest David und ich nahmen so gut wie gar nicht an diesem Wettrennen teil. 59:43:63:53 sind ziemlich deutlich, wobei Judith trotz ihres Rückstands Spaß an den Quacksalbern hatte. Können wir also mit ihr bestimmt nochmal spielen, und sollten wir überhaupt häufiger spielen!

Als Hautspiel war dann natürlich Roll for the Galaxy im Gespräch, was Mattes aber immer noch kein Begriff war. Zur Hochzeit dieses Spiels war er wohl außer Landes und seitdem ist es ja nicht mehr so präsent gewesen. Um uns die Regelerklärung zu sparen, gab es auch außerhalb des Weihnachtsspieleabends einmal eine Runde Die Siedler von Catan, und zwar eine außergewöhnliche. Die Verteilung der Würfelergebnisse wird ja während jeder Siedlerpartie auf diesem Planeten als unglaublich bezeichnet, noch nie habe ich jemanden sagen hören, dass die Wahrscheinlichkeiten heute aber mal besonders genau abgebildet würden. Diese Partie stellte aber alles in den Schatten. Bis weit in die Mitte des Spiels hinein fiel keine 8(!), dafür aber haufenweise Neunen und Fünfen. Als dann Judith aus einer Laune heraus den Räuber auf meine wichtige Erz-8 stellte, musste David natürlich prompt den Zufall herausfordern und eine 8 ansagen. Und siehe da, nach sicher einem Dutzend Runden kam - wie hätte es auch anders sein können - die 8, samt freundlichem Räuber drauf. Dass sich die anfangs vernachlässigten Zahlen 4, 8 und 10 im Endteil des Spiels dann fast nur noch zeigten, machte es nicht besser, denn mit der Kombo Holz und Erz lebt es sich ohne entsprechende Häfen nicht sonderlich gut. Mattes dagegen stand schon kurz vor dem Sieg, zog aber nicht den nötigen Ritter zur Großen Rittermacht und bekam dann auch noch von Judith seine Längste Handelsstraße gestohlen. Äußerst knapp konnte er sie sich aber wieder zurückholen und nach etlichen Runden des Endspiels seinen zehnten Siegpunkt machen. David dagegen hatte zu spät bemerkt, dass er lieber noch auf gut Glück eine Entwicklung hätte kaufen sollen, um Mattes mit dem entscheidenden Punkt zuvorzukommen. Was nicht so schlimm gewesen, hätte ihn dort nicht wirklich Punkt zehn erwartet. Ihr seht, wir hatten eine interessante, aber auch längliche Partie, an deren Ende die Insel ziemlich vollgebaut war. Kein Wunder bei dem Stand von 10:5:9:9. Dass wegen der fehlenden 8en erst total spät Erz im Spiel ankam und so die Städte auf Catan ewig auf sich warten ließen, und das wegen der überlangen Spieldauer selbst die abstrusesten Häfen sich am Ende noch auszahlten, habe ich jetzt wohl zu vergessen zu erwähnen. Ich bin aber zu müde, um das jetzt alles noch akkurat nachzuholen...

...oder um einen anständigen Absatz zu Hol's der Geier zu schreiben. Nur die allerersten ausgespielten Karten waren wie aus dem Bilderbuch: Es ging gleich um 10 Punkte, und auf dieses blöde Kartenverheizen hatte ich einfach keine Lust. Also entschied ich, die anderen sollten das unter sich ausmachen und spielte meine 1, die niedrigste Karte. Ansprüche macht man so nicht geltend. Da alle drei aber meinten, die allerpfiffigsten zu sein, hatte ich es mit drei 15en zu tun, sodass letztlich meine 1 die Karte holte. Ich merke gerade, es scheint sich dabei um etwas ähnliches wie Situationskomik zu handeln, denn so beschrieben kommt es mir eher dröge vor. Am Tisch jedenfalls, wenn diese Extremsituation wirklich auftritt, ist die Freude groß. Besonders bei mir. Wir entschieden uns für Hin- und Rückrunde mit Addition der Punkte: 23:9:1:47, was in Summe 80 ergibt und somit genau hinkommt, rechnet nur nach! Alex Randolph hat uns hier jedenfalls ein kleines Meisterwerk hinterlassen, von dem ich zwar traurig bin, es erst jetzt zu entdecken, aber auch glücklich, es überhaupt in meine Sammlung aufgenommen zu haben.

War jetzt wohl doch ein anständiger Absatz. Dafür hier nur der Verweis auf Mattes' und Judiths Kombi-Geburtstag nächsten Freitag, wofür der Spieleabend aber natürlich nicht ausfällt, und weiter nichts. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 11. April 2019, 00:26

Mittwoch, 10.4.2019 | Spieleabend #184

Mal wieder zu zweit, die Stammbesetzung sozusagen. Und wie immer haben Mattes und ich die Möglichkeit ergriffen, ein anständig langes Spiel zu spielen. Ihr wisst ja, zu viert dauern die nur noch länger und machen (uns zumindest) nicht unbedingt mehr Spaß, weswegen wir ja letzte Woche erst zu vier zum Hauptspiel gesiedelt haben. Auch schön, aber kein Dauerzustand.

Ebenso wenig wie Bärenpark. Ein wirklich sehr simples Puzzle- und Legespiel. Wobei ich Second Chance und Copenhagen und die ganze Tetris-Flut aus Nürnberg noch nicht gespielt habe. Aber Bärenpark ist schon ziemlich runtergebrochen, macht mir in seiner Einfachheit aber immer wieder Spaß. Das nennt man dann wohl Eleganz. Hätte es mir keinen Spaß gemacht, hätte es übrigens Trivialität geheißen. 76:86 sind ein Sieg für mich, wobei Mattes einen Zug eher fertig war. Er hatte aber nicht so stark auf die Punkte der Plättchen geachtet wie ich, und hier liegt meiner Erfahrung nach eher der Hase im Pfeffer als im passgenauen Puzzeln. Bärenpark darf jedenfalls ganz bald wieder auf den Tisch kommen, dann mit den Auftragsplättchen für erfahrene Spieler.

Erfahrene Spieler oder sowas ähnliches sind wir wohl in Mombasa. Endlich wieder, nach mehr als einem halben Jahr Abstinenz, war Zeit für diesen Schwergewichts-Klassiker. Um es kurz zu machen: Es war wie immer ein Genuss. Man muss viel denken, und man kann es sich mit der Buchhaltungsleiste noch schwerer machen, wenn man denn mag. Und ich mag jedes Mal. Andere würden bei dem Begriff Buchhaltungsleiste wahrscheinlich schreiend weglaufen, aber in der zehnten Partie fühlt sich sogar Mombasa ein wenig leicht an. Aber der Reihe nach. Mattes nahm sich Mombasa vor, setzte konsequent auf Expansion und pflügte einmal quer durch Afrika Richtung St. Louis, bevor dort auch nur ein Handelshaus gebaut war. Das bedeutete für ihn viele Belohnungen bei geringem Aufwand, denn er brauchte trotz Extremalexpansion nur wenig Punkte, um fremde Kompanien zu vertreiben. Ich dagegen vernachlässigte die Leisten ein wenig. Das fühlte sich zwar gut an, denn meine Hauptbaustelle lief prächtig. Es erschien mir aber mit Blick aufs Spielende nicht so schlau. Diese Stimme habe ich aber gekonnt ignoriert und mich konsequenter als in irgendeiner Partie zuvor auf den Fortschritt meines Tintenfasses konzentriert: Bereits in Runde zwei konnte ich den vierten Kartenslot freischalten und war dadurch noch flexibler im Erfüllen weiterer Bücher. Auch das Umdrehen unliebsamer Plättchen nutzte ich zwei Mal, aber da sonst alles hervorragend passte musste ich hier nicht unnötig viel Geld verschwenden. Am Ende der Leiste konnte ich mindestens sieben Buchhaltungspunkte in je zwei Geld umtauschen, was nicht zu verachten ist. Mattes baute dafür einen großen Vorsprung auf der Mombasa-Leiste auf. Er hielt bei der Schlusswertung 8+1 Anteile, ich immerhin 2+3. Durch einen taktisch klugen späten Eingriff mit Cairo könnte ich dort noch sechs Geld pro Anteil freispielen. Denn Cairo war tatsächlich die einzige Kompanie mit nennenswertem Vorsprung für mich. Geld häuften wir beide unglaublich viel an: Mattes durfte wegen seines Mombasa-Fortschritts zum Ende hin Kaffeekarten sehr lukrativ entsorgen, ich bekam einige Penunzen über das Promo-Bonusfeld für die meisten Buchhalter und über umgewandelte Buchhaltungspunkte. Mein Baumwollbonus bescherte mir immer mal wieder (wegen des Rabatts) exklusiven Zugriff auf bestimmte Karten, war aber nicht spielentscheidend. Dafür war Mattes allgemein viel zu passiv beim Kartenkaufen. Ich dagegen hätte noch stärker zuschlagen sollen: Am Ende musste ich genau die fünf Karten spielen, die ich auf der Hand hatte, mehr waren nicht übrig. Die verschiedenen Strategien waren nichts neues, wir hatten sie schon häufig in dieser Rollenverteilung gespielt, aber noch selten in dieser krassen Ausprägung. Das erlaubte auch die hohen Punktestände von 195:216, es wurden nämlich kaum Ressourcen durch Hin-und-her-Eroberungen auf der Karte verschwendet. Trotzdem wurde ich für meine Inaktivität auf den doch so wichtigen Leisten nicht bestraft, sondern für meine gute Buchhaltung und ausgeglichene Anteilspolitik belohnt. Mombasa ist und bleibt ein Ausnahmespiel, das aber auch viel vom Spieler verlangt. Wäre danach nicht Vergleichbares oder gar Besseres erschienen, müsste man hier unweigerlich von Pfisters Meisterwerk sprechen.

Zum Schluss ein weiterer Klassiker: Star Realms. Ich rot, Mattes gelb. Meine vier(!) Entsorger reichten trotzdem nur knapp, um am Ende alle Anfangskarten aus dem Deck zu tilgen. Leider hat man dann noch keinen anständigen Angriff auf die Beine gestellt. Ein paar Blobs konnte ich Mattes Überzahl an Basen schon entgegenstellen, aber eben nicht genug. 22:X stand es nach nicht allzu vielen Runden. Bei einer längeren Partie hätte sich mein schlankes Deck sicher noch bezahlt gemacht. Vielleicht bringt mich dieser Denkanstoß aber auch mal dazu, nicht jedes Mal auf Teufel komm raus zu entsorgen, als würden wir Kettendeck-Dominion spielen. Nächstes Mal, das nehme ich mir jetzt vor, spiele ich so richtig schön trashig: Hauptsache drauf!

Freitag hat Mattes uns zum Geburtstag eingeladen, davon gibt es aber keinen Bericht. Zumindest schreibe ich keinen. Ich kann jetzt aber auch nicht schreiben, was wir ihm schenken, sonst weiß er als Mitleser ja Bescheid. Nächste Woche sind wir dann bestimmt wieder mit mehr Leuten, wobei Eiko jetzt erstmal ein paar Wochen wegen Urlaubs fehlt. Es könnten also komplexe Wochen werden, wenn sich demnächst vermehrt Dreier-Besetzungen einfinden: Merlin, Terraforming Mars, Forum Trajanum, Teotihuacan. Oder wir sind zu viert und spielen Thurn und Taxis. Macht ja auch Spaß. Hand aufs Erz,

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Ganz aktuell: Bericht #202 vom 11.9.2019 - Diesmal neu dabei: Rajas of The Ganges

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 18. April 2019, 00:52

Mittwoch, 17.4.2019 | Spieleabend #185

Seid mir gegrüßt, ihr werten Lamas. Heute blieb eine größere Besetzung abermals aus, mit Mattes und Erik waren wir nämlich zu dritt. Alle waren brav pünktlich, Mattes hatte sogar eine Melone mitgebracht, nur ich hatte es leider versäumt mir über das Programm des Abends Gedanken zu machen. Naja, so konnten wir gemeinsam überlegen, was heute passen würde. Mattes schlug aus tagesaktuellem Grund Notre Dame vor, was mir aber recht kurz für ein Drei-Personen-Hauptspiel vorkam. Klar, es wäre eine überzeugende Bekundung unserer Solidarität mit unseren französischen Brüdern gewesen, aber man muss schon Prioritäten setzen. Die Auswahl des Hauptspiels war dennoch recht schnell getan. Anregungen für den Aufwärmer gab es dagegen recht wenige, sodass ich mich beim Holen der Spiele alleine entschied.

Und zwar für Karuba. Heute war hauptsächlich die Strecke von links nach rechts zu laufen, wobei ich fiel zu spät mit dem Laufen anfing und zu lange an meinem optimalen Streckennetz tüftelte. Zu dem Zeitpunkt waren Erik und Mattes schon unterwegs. Ich stürzte mich dann auf die von ihnen noch nicht benutzten Farben, ließ sie dann aber kurz vor dem Ziel stehen. Konnte ich ja immer noch binnen kurzer Zeit ins Ziel bringen, dachte ich mir. Tja, und dann habe ich doch übersehen wie Erik sich leise angeschlichen hat und so doch noch mitprofitieren konnte von den großen Punkten. 16:27:19, Karuba ist und bleibt ein schönes Spiel. Auch so ein Kandidat, von dem ich mir vorstellen kann ihn potentiell mal mit meinen potentiellen Enkeln zu spielen.

Das ausgesuchte Hauptspiel war Forum Trajanum, für Eik neu und für Mattes und mich die zweite Partie. Und obwohl ich die gröbste Einstiegshürde schon genommen hatte, stand ich wie der Ochs vorm Berg. Das Spielprinzip hatte sich mir überhaupt nicht eingeprägt und die Regeldetails wollten alle nochmal nachgelesen werden. Normalerweise habe ich auch ein paar Monate nach einer Erstpartie keine großen Probleme, die Regeln wieder abzurufen, aber nicht so heute. Nach meiner länglichen Rekapitulation und Regelerklärung konnten wir dann auch endlich mal loslegen. Lustigerweise stürzten wir uns alle zunächst auf die grünen Felder auf dem Forum und danach auf die blauen. Rot war am Ende noch immer fast gänzlich unbebaut, gelb nur spärlich. Aber das Forum war heute sowieso gefühlt nicht das Zentrum des Spiels. Vielmehr bauten wir alle wie wild graue Gebäude, auch wegen der Trajankarte, die drei unterschiedliche graue untereinander belohnte. Leider hatte Erik das entscheidende Wörtchen unterschiedliche wohl nicht mitbekommen und musste deshalb bei der Schlusswertung auf sieben Punkte und somit auf den Sieg verzichten. Wir spielten übrigens wieder nur mit einer Trajankarte für Durchgang III, beim nächsten Spiel kommen dann auch Karten für die ersten beiden Durchgänge hinzu.
Das Spiel hat wieder durchaus Spaß gemacht - Sogar Mattes, der nicht so richtig ins Spiel kam. Erik dagegen war für sein erstes Spiel erstaunlich gut dabei, und dass, obwohl es aus meiner Sicht viele Regeln zu behalten und umzusetzen gibt. Ein herausragendes Spiel ist Forum Trajanum in meinen Augen trotzdem nicht. Dafür ist es nicht elegant genug, an manchen Stellen sogar regelrecht unintuitiv. Am Besten wir spielen es in den nächsten zwei, drei Wochen gleich nochmal, um die Regeln nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Dann kann ich immer noch urteilen, ob ich es auf den passiven Stapel lege oder tatsächlich alle halbe Jahre nochmal spielen möchte.

Zum Schluss gab es dann eine frische Neuheite: L.A.M.A., das fast schon gehypte Kartenablegespiel von Reiner Knizia, von dem ich gewettet hätte, dass er mit a geschrieben wird. So kann man sich täuschen. Die Regeln von L.A.M.A. sind jedenfalls einfacher als die von Mau-Mau, wurde bereits behauptet. Das stimmt aber nicht ganz, finde ich: Bei Mau-Mau muss man nämlich spielen bis einer fertig ist, hier dagegen ist das Aussteigen ein elementares Element (Wegen des laufenden Jahres des Periodensystems der Elemente kann man das durchaus mal so stehen lassen, ansonsten wäre es echt schlechter Stil). Man legt ab: Auf eine 4 passt eine 4 oder eine 5, uf eine 5 eine 5 oder 6 und auf eine 6 eine 6 oder - Ein ulkig grinsendes Lama! Auf das Lama wiederum passt ein anderes Lama oder eine 1. Und so schließt sich ein paar Zeilen später, die ich uns hier erspare, der Kreis. Wenn man legen kann, dann wird man auch legen, es sei dann man verfolgt eine sehr seltsame Strategie und will den Gegner zum Narren halten. Wenn man aber nicht legen kann, kann man entweder aussteigen und kassiert später Minuspunkte entsprechend der verbliebenen verschiedenen Kartenwerte auf der Hand. (Eine Hand mit 1,3,3,5 macht 9 Miese) Oder man zieht eine Karte und hofft im nächsten Zug weiter legen zu können. Und das ist genau der spannende Punkt in L.A.M.A., eine kleine Entscheidung, die aber viel Spannung bietet. Denn wer weitermacht und am Ende gar alle seine Karten ablegt, der darf Minuspunkte wieder abgeben: Einen im schlimmsten Fall oder zehn, wenn er schon zehn hat. Daran, dass der Absatz zu diesem Machwerk nun schon fast so lang ist wie zum heutigen Hauptspiel, kann man schon erkennen, dass es mir gut gefällt. Erik auch, denn er konnte bestimmt drei Mal ausmachen, was ansonsten selten ist: Häufig steigen alle vorher aus. Wahrscheinlich habe ich zu oft nachgezogen und die Runden somit zu lange gezogen und Erik schlicht genug Zeit gegeben, seine Karten loszuwerden. Spaß gemacht hat es trotzdem. Mattes war nicht ganz so begeistert, aber wenn es demnächst auch mal wieder ein Bier zum Schluss gibt, scheint mir dieses Kartenspiel wie gemacht für die Position des Absackers. -37:-8:-45 zeigen ganz klar, wer hier das größte Lama der Runde war. Tja, wer hätte auch etwas anderes von mir erwartet?

Wir verabschiedeten uns danach rasch, weil ich vor dem Schreiben des Berichts noch etwas zu erledigen hatte. Es folgen die wichtigen Tage der Karwoche, Ostern, und danach sehen wir uns auch schon zum Spieleabend wieder. Am Freitag nächster Woche ist dann sogar ein Escaperaum-Besuch anberaumt, auf den ich mich ebenfalls ganz besonders freue. Bis dahin wünsche ich euch alles gute und noch eine ruhige Woche. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 25. April 2019, 01:24

Mittwoch, 24.4.2019 | Spieleabend #186

Mal wieder nur zu zweit, im Moment ist die Motivation etwas schwach. Aber solange ich mich auf meinen treuen Mitstreiter Mattes verlassen kann, will ich mich nicht beklagen. Heute habe ich bei Aufwärmer und Absacker überlegt, ob sich die Spiele noch in der Sammlung halten können. Solche Gedanken mache ich mir eher selten, aber wenn ich die Spiele kaum mehr aus ihren überhohen Stapeln bekomme, dann ist wohl oder übel Ausdünnen angesagt. Genau wie bei den Mitspielern, wobei die das gegen meinen Willen und ohne mein Zutun vornehmen, während die Spiele sich leider nicht von selbst aussortieren.

Los ging es mit La Isla, das nun schon seit viereinhalb Jahren bei uns im Repertoire ist, ohne jemals einer der ganz großen Lieblinge oder Klassiker geworden zu sein. Eigentlich ein guter Kandidat, um aussortiert zu werden. Auch heute sind mir aber wieder Karten in die Finger gekommen mit denen ich so noch nicht (oft) gespielt habe. Sowas macht natürlich Lust auf mehr. Sicher liegt das auch daran, dass wir La Isla nur unregelmäßg spielen und auch erst spät die tiefergehenden Karten dazugepackt haben. Anfangs mussten wir so auf etwas Spieltiefe verzichten, dafür kann man auch heute noch etwas entdecken. Und zwar durchaus coole Sachen wie solche Karten, die Effekte ausschütten, wenn man ein bestimmtes Plättchen einsammelt. Das macht schon Spaß und lässt sich auch ganz gut planen, wenn man seine Marschroute über die Insel schon grob abgesteckt hat. Aussortieren kann ich dieses zu Unrecht vernachlässigte Werk des Großmeisters Stefan Feld jedenfalls nicht, schon gar nicht nach einer Niederlage: 120:112.

Als Hauptspiel bot sich das länger nicht gespielte Terraforming Mars an. Ich ging auf Energie und Wärme, wollte über die Temperatur meinen Terraformwert hochschrauben. Nur leider machte Mattes sich mit einer überaus starken Karte an den Ozeanen zu schaffen, pflanzte viele Grünflächen und mischte dann auch noch bei der Außentemperatur mit. Dass er die Auszeichnung des Terraformers verpasste war dabei nur ein schwacher Trost. Er baute auch keine Städte, aber auch ich brachte es nur auf zwei und konnte somit nicht den Titel des Bürgermeisters für mich beanspruchen, der nochmal fünf Punkte mit sich gebracht hätte. Und die Auszeichnung des Wissenschaftlers machte mir Mattes auch noch madig, weil er wie ich zwei Wissenschaftssymbole vorzuweisen hatte. Eins davon auf seiner Konzernkarte, wo ich es prompt übersehen hatte. 75:66 waren ein deutlicher Sieg für Mattes nach geschätzten anderthalb Stunden Spieldauer. Es macht immer wieder Spaß, sein Maschinchen ans Laufen zu bringen, aber ich halte das Spiel auch für hoffnungslos überhypt. Platz 4 aller Genres aller Zeiten, dafür ist es mir dann doch viel zu abhängig vom Geschick der Karten. Außerdem empfinde ich die Interaktion über Auszeichnungen, Meilensteine und Spielplan nach wie vor nicht als elegant, sondern als drangepappt im Falle der Siegpunktkriterien und als ziemlich unsteuerbar im Hinblick auf die Marskarte. Der Aufbau der eigenen Produktion auf dem eigenen Tableau macht natürlich Spaß und wurde selten so stringent und schnörkellos umgesetzt wie hier, dafür aber eingebettet in eine tolle Thematik. Bei uns wurde es aber auch nie so angenomme, als sei es das Überspiel.

Zum Schluss konnte ich bei Habe fertig dann wenigstens noch einen Sieg am heutigen Abend holen. Erstaunlich ist hier die taktische Tiefe, in welcher Reihenfolge man welche Karten am besten auf die beiden Ablagestapel legt. Wer ein Kartenspiel sucht, bei dem man einmal Karten ablegen muss und mit den scheinbar trivialen Entscheidungen dann doch sehr gefordert ist, dürfte hier richtig sein. Auch bei den Kartenspielen wird mir der Turm langsam zu hoch, und ich habe sogar noch ungespielte Spiele auf der Liste stehen. Da möchte man natürlich schon den ein oder anderen Kandidaten aussortieren. Habe fertig darf aber bleiben, es hat seine - bisher noch nicht ganz zur Entfaltung gebrachten - Qualitäten. -5:0 sind zwar kein supertolles Ergebnis - Andere fangen mit 0 Punkten erst an - aber ein Sieg hat meine Ehre am Abend gerettet!

Am Freitag geht es in den Esacperaum, ich freue mich drauf und werde berichten. Sollte jemand für Escaperäume in Aachen Tipps hören wollen oder noch besser Tipps überhaben: Immer her damit! Bis dahin viel Spaß beim Spieleaussortieren und Marsbesiedeln. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 2. Mai 2019, 01:15

Mittwoch, 1.5.2019 | Spieleabend #187

Auch am Maifeiertag setzt der Spieleabend nicht aus, gönnt sich aber eine besondere Form am besonderen Termin: Ein Partyspieleabend sollte es werden. Wobei der Spieleabend natürlich trotzdem keine Party war. Aber so ist der Begriff ja auch nicht gemeint, und das weiß ja auch jeder. Kommunikationsspiele waren es im Groben und Ganzen, Wortspiele, Quizspiele, Social Deduction, oder wie ich es beschreiben würde: Spiele, die man in gemütlicher, aber nicht allzu große Runde auch gut an Silvester spielen könnte. Mit dabei waren Mattes, Judith und David. Erik hatte sehr kurzfristig abgesagt, allerdings wollte ich dann auch nicht mehr von meiner Planung abweichen und so gab es halt einen Spieleabend mit Spielen für größere Gruppen mit einer gar nicht so großen Gruppe.

Den Anfang machte Just One, was wir noch nicht auf dem Spieleabend hatten, deshalb hier eine Kurzbeschreibung: Alle spielen zusammen und müssen dem einen Unwissenden einen Begriff erklären. Dafür hat jeder genau ein Wort. Puh. Und keins darf doppelt vorkommen, sonst wird es nämlich aus dem Spiel genommen. Beispiel gefällig? Der Begriff ist Gelb, Mattes kennt ihn noch nicht. Ich schreibe Farbe, David und Judith schreiben beide (jeder für sich) Kanarienvogel. Beim Überprüfen werden die beiden Vögel also rausgenommen und Mattes sieht nur noch meinen Tipp: Farbe. Das ist natürlich viel zu wenig Information und Mattes passt lieber. Ein anderes Mal kenne ich den Begriff nicht, die drei schreiben ohne Absprache Maori, Band und Körperbemalung. Dass hier die richtige Lösung Tattoo sein würde, war nicht allzu schwer zu erraten. Ein sehr simples Spielprinzip, dass aber ganz wunderbar funktioniert. David und Judith hatten - romantischerweise - sehr häufig denselben Hinweis aufgeschrieben. Das war unserem Ergebnis zwar nicht zuträglich, aber dennoch ziemlich lustig. Am Ende konnten wir vier von 13 Begriffen durchbringen. Naja, da schaffen wir demnächst bestimmt nochmal mehr.

Decrypto war Spiel Nummer zwei am heutigen Abend. Wir spielten zwei Runden, denn die erste war schon nach drei Runden vorbei, weil Mattes und Judith sich zwei Mal missverstanden hatten. Nach so einer kurzen Partie wollten wir dann noch etwas mehr vom Spiel haben und schafften es danach sogar sechs Runden zu spielen! David und meine Begriffe waren Küche, Käse, Schlachthaus und Frau - Unglaublich schwierig, denn die ersten drei Wörter sind dann doch sehr nah beieinander. Trotzdem schafften wir es um die Begriffe herumzumanövrieren, ohne dass Mattes und Judith uns mehr als einmal ertappt hätten. Leider waren wir bei ihren Wörtern nur fast auf der richtigen Spur und erkannten den Begriff Weizen viel zu spät. So endete das Spiel nach sechs Runden mit zwei Missverständnismarkern bei beiden Teams, aber mit einem Abfangmarker beim Team Kombatwombat (oder so, fragt Judith), weswegen sich das Team Sarotti leider geschlagen geben musste. Decrypto hat mir wieder sehr viel Spaß bereitet, das Spielprinzip verlangt noch viel mehr Beschäftigung mit den Begriffen als Codenames und fordert mehr Kreativität und Konzentration. Dafür ist das Spiel nicht ganz so elegant wie Codenames. Und es ist wirklich kein Partyspiel im Sinne von Spiel für eine Party, man muss sich schon sehr dem Spielgeschehen widmen, da würde laute Musik, zu viel Bier oder sonstige Ablenkung nur stören. Im Ergebnis stand übrigens ein Unentschieden zwischen den beiden Teams.

Das Kneipenquiz fing gut für uns an, am Ende wurden uns die Fragen dann aber doch zu wild und wir verloren eindeutig mit 20:20:20:20:17. Immerhin ein zweiter Platz also, so gesehen. Nach wie vor ein klasse Spiel, und hätten wir nicht so viele Spiele zur Auswahl gehabt, hätten wir bestimmt noch eine zweite Runde hinterhergeschoben.

Auf Davids Wunsch hin kam dann Codenames Pictures auf den Tisch, was zwiegespalten aufgenommen wurde. Zwar fanden es alle gut, aber Judith und ich tendierten wegen der Klarheit der Begriffe beim ursprünglichen Codenames dann doch eher zum Original, während David und Mattes es hier wegen der größeren Freiheit etwas leichter fanden, Tipps zu geben. Mir schien, die beiden würden deshalb eher Pictures spielen statt Words. Nach zwei Partien wollten wir in einer Entscheidungspartie den Sieger ermitteln, aber leider sah Mattes Katzen als zierliche Tiere an, weswegen mein Tipp grandios nach hinten losging und der schwarze Agent gezückt werden musste. Natürlich meinte ich die Glocken in der Blume! Katzen, diese Stubentiger, sind doch nicht zierlich, pff! 2:1 demnach für das Paar am Tisch.

Zum Schluss noch ein bisschen verdeckte Rollen bei Tempel des Schreckens. Ich war zwei Mal Abenteurer und wir hatten recht leichtes Spiel. In Partie eins wurden gleich zu Beginn vier Schätze aufgedeckt, was schon ziemlich krass ist. Danach lief es dann nicht mehr ganz so gut, am Ende konnten die sechs Goldkarten aber wegen des immensen Vorsprungs dann doch noch gefunden werden. David als einzige Wächterin war recht schnell enttarnt, er hatte auch alleine kaum mehr Chancen, den Sieg der Abenteurer zu verhindern. In Runde zwei war Mattes Wächterin und war mehrmals gezwungen Gold zu verstecken. Einmal hatte ich aber beide Fallen unter meinen Karten, sodass ich den anderen glaubhaft machen konnte Mattes als Wächterin entlarvt zu haben. Etwas mehr Trashtalk, falsche Anschuldigungen, wilde Behauptungen etc. würden dem Spiel sicher gut tun, wir spielen es dann doch ziemlich brav runter. Wenn wir demnächst irgendwann nochmal zu sechst sein sollten, kommt Tempel des Schreckens auf jeden Fall nochmal auf den Tisch, dann hoffentlich mit ein wenig mehr Action. Obwohl es auch so schon Spaß gemacht hat.

Das ist auch ein gutes Fazit für den Abend: Alle Spiele funktionieren mit ein, zwei Leuten mehr sicher noch besser, vier ist für diese Art von Spielen eher die Minimalbesetzung. Aber - entgegen verbreiteter Meinung - keine Minimalbesetzung, die es zu vermeiden gilt. Alle Spielprinzipien funktionieren gut in dieser Standardbesetzung eines Spieleabends, aber der sogenannte Sweetspot liegt wohl eher bei etwas mehr Personen.
Ausnahmsweise ging ich heute mit meinen Gästen aus dem Haus, denn ich wollte mir noch eine Pizza holen. Mein Ernährungsrythmus war wegen der Mainacht heute nämlich etwas aus den Fugen geraten, weswegen das Abendessen ziemlich spät eingenommen wurde. Das Verabschiedungsprotokoll geriet so natürlich etwas aus den Fugen, was aber wiederum ganz lustig war: So wird man sich erstmal bewusst, dass es ein solches ungeschriebenes Protokoll durchaus gibt und man sich unterbewusst auch jede Woche bei der Verabschiedung daran hält. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass es gerade die kleinen Rituale sind, die uns im Alltag Struktur und Sicherheit geben. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 16. Mai 2019, 00:51

Mittwoch, 15.5.2019 | Spieleabend #188

Wer sich noch erinert: Vor zwei Wochen ging es mit Just One, Decrypto, dem Kneipenquiz, Codenames Pictures und Tempel des Schreckens kommunikativ zu. Solche Spieleabende sind übrigens auch in einem entfernteren Freundeskreis momentan total angesagt. Die Gruppe würde niemals auf die Idee kommen, ein Strategiespiel oder etwas anderes Nichtkommunikatives auf den Tisch zu bringen, aber ganze Abende mit Quiz, Wortspielen und Social Deduction sind momentan voll der Renner. Und so auch bei uns: Der angesprochene Abend am Maifeiertag wurde letzte Woche gefolgt von einer Teilnahme der ganzen Truppe an einem echten Kneipenquiz hier in Aachen, und zwar im Cafe Einstein. Das findet immer am zweiten Mittwoch im Monat statt und da wir letztens nach dem gemeinsamen Besuch eines Esacperaums dort eingekehrt sind, beschlossen wir kurzerhand das nächste Kneipenquiz dort gleich mal mitzunehmen. Erstaunlicherweise konntem am letzten Mittwoch dann auch alle, nur leider kann man für das Kneipenquiz keinen Tisch reservieren. Man muss einfach früh genug da sein. Bei einem Beginn um acht erschien uns ein Erscheinen eine Stunde früher um sieben als ausreichend, aber David und Judith erwarteten mich schon vor der Kneipe, um mir die Überfüllung der Pinte zu vermelden. Ich, offenbar etwas schmerzfreier als die beiden, fand es noch gar nicht soo voll und machte einen kleinen Nähtisch für uns aus. Das Einstein ist nämlich eine Lokalität dieser Art, wo man die lässige studentische Lebensart unter anderem durch völlig konzeptlos zusammengestelltes Mobiliar unterstreicht. Nicht, dass es mir dort nicht gefallen würde, aber das Konsequenteste an der planvollen Führung dieses Ladens ist wohl deren völliges Fehlen. Immerhin ein Kneipenquiz haben sie auf die Beine gestellt und uns, wenn auch unter widrigen Bedingungen, als Gäste gewonnen. Nach und nach kamen noch Eiko, Erik und auch Mattes hinzu. An ein Spiel vor dem Beginn der Fragerunden war auf so kleinem Platz kaum zu denken, auch wenn um uns herum an den anderen Tischen durchaus Spiele aus dem uralten Fundus des Einstein gespielt wurden. Man sieht: Wenn die Leute Gelegenheit haben und mit den Spielen vertraut sind, dann wird auch gespielt, wo man es vielleicht nicht vermutet. Um acht ging es los, über den Verlauf des Quiz' möchte ich hier den Poncho der Pietät preiten und mit dem Ende um elf fortfahren. Was ich ganz schön spät fand. Wir gewannen eine Tüte Haribo Lakritzschnecken, ich war kurz etwas frustriert ob unseres Abschneidens abseits des oberen (oder mittleren) Drittels, fand den Abend dann aber im Nachhinein doch ganz nett. Ich würde nochmal hingehen, würde aber auf keinen Fall monatlich den Spieleabend dafür ausfallen lassen. Jetzt aber genug von unserem Ausflug in die echte Welt und hin zu unserem heutigen Spieleabend, begangen zu fünft mit Mattes, Eiko, Judith, David und mir. Und wieder sollte es ein kommunikativer Abend werden, größtenteils sogar kooperativ:

Los ging's mit Just One, und zwar gleich zwei Runden hintereinander. Das Dreamteam David-Judith stellte mal wieder seine Überkompatibilität unter Beweis, indem abermals zahlreiche doppelte Begriffe aus der Ecke kamen: Zwei Mal Zeiger zu Uhr, der doppelte Kriegsgott bei Mars und auch Verkleidung zu Karneval wurde von beiden als genialer Tipp empfunden, auf den bestimmt kein anderer kommt! Die Pantoffel ist unanfechtbar ein geniales Synonym zu Hausschuh, auch wenn es eigentlich der Pantoffel heißt, wie ich gerade feststelle, trotzdem vielleicht zu oft um die Ecke gedacht. Oder zu wenig, wer weiß. Und auch zu Hai lieferten die beiden denselben Tipp, der mir allerdings partout nicht mehr einfallen will. Man sieht aber: Die Serie vom letzten Mal setzte sich fort und die beiden schafften es auch (und gerade) unter Berücksichtigung ihrer hohen Kollisionsgefahr nicht, einander aus dem Weg zu gehen. Gut waren wir auch nicht wirklich: In beiden Runden konnten wir nur vier Punkte erzielen. Trotzdem war es eine große Gaudi. Ich bleibe gespannt, ob es am Montag seinen Weg auf die Nominierungsliste findet. Wobei, so gespannt bin ich gar nicht. Ich rechne ziemlich sicher damit. Die anderen aus der Runde können sich allerdings nicht vorstellen, dass es tatsächlich den Titel gewinnt, dafür war es ihnen zu abhängig von großen Runden. Das stellt aus meiner Sicht kein Manko dar, schließlich gab es immer mal wieder Spiele des Jahres, die die klassische Besetzung von drei oder vier Spielern mehr schlecht als recht erfüllten. Unter den zahlreichen starken Partyspielen des Jahrgangs sehen viele Just One aber ganz vorne mit dabei.

Danach wurde beratschlagt: Soll es ein richtiges Hauptspiel geben? Zur Auswahl stellte ich Broom Service, Notre Dame und Die Staufer, oder wollten wir lieber kleinschrittig und partymäßig weitermachen? Weil Mattes und David sich als große Fans erwiesen, ging es mit dem Kneipenquiz weiter. Damit die Berichterstattung nicht so staubtrocken ist, werde ich hier mal ein paar Fragen aus der heutigen Party aufgreifen. Und keine Sorge: Man spoilert sich das Spiel damit tatsächlich kaum. Heute war nämlich eine Karte dabei, die ich bereits aus einer Partie bei jemand anderem kannte, trotzdem wusste ich keine der Antworten sicher. Etwas traurig, wenn man sich eigentlich gerne einreden würde, dass man beim Kneipenquiz ja auch etwas lernt. Tut man offenbar doch nicht. Deshalb könnt ihr euch die folgenden Auszüge auch beruhigt durchlesen, ihr werdet sie vermutlich nicht mehr abrufen können, sollten sie euch einmal beim Kneipenquiz begegnen. Und wenn doch, habt ihr euch den Punkt auch verdient! In Runde eins konnte ich den Begriff der schwedischen Gardinen korrekt auf den schwedischen Stahl zurückführen, in Runde zwei kam die mir bereits bekannte Fragenkarte und trotzdem wusste ich nicht mehr, dass Bella Block in Hamburg ermittelt. Vielleicht kann ich es mir ja jetzt merken. In Runde drei schloss David Terentino als Freund der Perspektiv aus dem Kofferraum aus, leider war er es dann doch. Ich hielt mich mit den meisten anderen ganz raum, weil doch kein Mensch eine nennenswerte Anzahl Regisseure kennt. Wir zumindest nicht. Ich war mir sicher: Die Düsseldorfer Tabelle aus Runde vier enthält doch die Mietspiegel aus der ganzen Republik. Halt, nicht merken, es ist nämlich falsch! Korrekt wären die vorgeschriebenen Unterhaltszahlungen gewesen. Und der Sender tm3, der irgendwann mal die Champions League im Programm hatte, war uns gänzlich unbekannt. Eine kurze Recherche scheint, dass wir durch unser Nichtwissen eigentlich sehr verantwortungsvoll mit unserer Gedächtniskapazität umgegangen sind, trotzdem wurden wir jetzt dafür bestraft. Wir hatten 12/25 Fragen richtig, also knapp die Hälfte, und holten damit einen verdienten zweiten Platz gegen das unhaltbar nach vorne preschende Team blau, von dem alle Plättchen gezogen wurden. Wir spielten übrigens wie immer auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad, der bei uns immer für ziemlich knappe Ergebnisse sorgt - Meist zu unseren Ungunsten. Ein Grund mehr, am Ball zu bleiben! Im ohnehin bieraffinen Sommer sehe ich das Kneipenquiz als häufigen Absacker auf dem Tisch, auch wenn Mattes sich schon Sorgen um die Anzahl der Fragekarten machte: Wir haben noch genügend auf Lager, ansonsten schaffe ich eben die Erweiterung an.

Jetzt aber etwas flotter durch die Spiele! Belratti wurde frisch aus der Folie geholt, totzdem war es manchen schon bekannt: Auf dem Weihnachtsspieleabend hatten wir bereits mit einem geliehenen Exemplar unsere Freude gehabt. Judith und Eiko kannten es noch nicht, und Judith war am Ende dann doch ziemlich angetan von dieser aufs Wesentliche beschränkten Bilderassoziation. Einzig die vermeintliche Erdkugel sorgte für große Verwirrung: Ich sah darin ohne jeden Zweifel unseren Planeten, die anderen wahlweise eine graumelierte Murmel, den wolkenverhangenen Mond oder Frau Cassandras Glaskugel. Das führte natürlich dazu, dass meine Karten leider nicht richtig gedeutet wurden und uns in Runde eins den Todesstoß versetzten. Eiko machte sich auf den Weg, aber wir spielten direkt noch eine Rückrunde zu viert, wo lediglich ein Museumsleiter weniger mit dabei ist. Wieder erreichten wir 14 Punkte, was eine ordentliche, aber keine wirklich gute Zahl ist. Auch hier bleibt also noch reichlich Spielreiz vorhanden, es beim nächsten Mal besser zu machen. Auch hier bin ich gespannt, ob die Jury diese kleine Perle bedenkt. Anfangs ja ziemlich gehypt, ist Belratti danach etwas in der Versenkung verschwunden, so zumindest mein Gefühl. Ich würde eine Nominierung sehr feiern, rechne aber eher mit einer Empfehlung. Drei Plätze auf der Liste sind dann eben doch sehr wenig...

Wo wir auch schon beim Absacker des Abends wären: L.A.M.A. wollte ich David und Judith unbedingt noch vorstellen, schließlich hat es auch gute Chancen auf eine Nominierung. Mattes kannte es ja schon, war aber letztes Mal schon nicht wirklich geflasht von diesem äußerst reduzierten Kartenspiel. Ich halte L.A.M.A. für das perfekte Spiel auf seinem Level. Während man bei Mau-Mau förmlich einschläft und keinerlei relevante Entscheidungen trifft, kribbelt es hier - mit ebenso vielen oder weniger Regeln - die ganze Zeit und der richtige Zeitpunkt zum Aussteigen will immer wieder neu gefunden werden. Judith und David waren direkt ziemlich begeistert, wir hatten Spaß satt und der Reiz des Spiels ist direkt übergesprungen: Schnell spielen, um die interessanten Momente herauszustellen. Und von denen gibt es bei genauerer Betrachtung dann doch einige. 39:43:35:18 offenbaren ein am Ende sehr knappes Spiel. Der Sieger hätte auch schon drei oder vier Runden früher feststehen können, aber die Grenze bei 40 Punkten wurde sehr lange nicht gerissen. Dadurch wurde es aber eher noch spannender.

Ihr seht, wir haben die Top-Partyspiele des Jahrgangs nochmal auf den Tisch geholt. (Wenn man Subteyt, Trapwords, Werwörter und wahrscheinlich noch ein paar andere von mir gerade vergessene außer acht lässt.) Aber es war ja auch ein starker Jahrgang in dieser Richtung, man kann es nur nochmal betonen. Da wäre es nur richtig, wenn auch ein Spiel aus diesem Reigen den Titel holt. Nächste Woche wissen wir mehr, und mal sehen ob wir traditionell ein paar der Nominierten direkt auf den Tisch bringen um uns unsere eigenen Meinung zu bilden. Bis dahin, weiterspielen! Ach ne, der Spruch war ja von jemand anderem, ich bin gedanklich wohl schon im Land der (Spiel)träume. Ob es nächstes Mal wieder etwas mit mehr Substanz oder wieder nur einen lustigen Abend ohne richtiges Hauptspiel gibt, kann ich noch nicht sagen. Echt nicht! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 23. Mai 2019, 00:42

Mittwoch, 22.5.2019 | Spieleabend #189

Nach einigen Wochen mit starken Teilnehmerzahlen geht es nun wieder etwas ruhiger zu. Heute waren wir zu dritt, nach wie vor eine gute Besetzung für ernsthaftere Spiele mit mehr Tiefgang. Ich wiederhole mich nur ungern, aber die fruchten mit vier, fünf oder gar sechs Personen einfach nicht (so gut), dafür hat man in solchen Gruppen aber viel mehr Spaß mit anderen, kommunikativeren und seichteren Spielen. Schön, dass wir in letzter Zeit vermehrt mal das eine und mal das andere genießen dürfen. Denn Abwechslung belebt ja bekanntlich das Geschäft. Mattes, Eiko und ich machten uns also an einen Abend ohne Just One und ohne das Kneipenquiz.

Dafür spielten wir mal wieder San Juan, zum ersten Mal seit letzten Juli. Häufiger frage ich mich, ob andere Spielerunden auch so seltsame Gewohnheiten haben: Nämlich dass auch alte Spiele immer wieder gespielt werden, aber nur selten und in hohem zeitlichen Abstand. So hohem Abstand, dass bei manchen Spielen die Grundregeln stets wiederholt werden müssen, bevor alle im Spiel angekommen sind. Und zwar nur, um das Spiel dann wieder ein halbes Jahr lang nicht auf den Tisch zu holen. Selten sind bei uns dafür kurzzeitige Hypes: Spiele, die einen Monat lang hoch und runter gespielt werden und danach gar nicht mehr. Wie auch immer andere Gruppen das handhaben mögen, San Juan ist jedenfalls ein Paradebeispiel für unsere Rotationspolitik. Der beiliegende Wertungsblock erlaubt eine einfache Auswertung: 11/2015, 6/2016, 1/2017, 3/2017, 1/2018, 7/2018, 5/2019. Wenn man ein großes Repertoire am Leben halten will und jedes Spiel regelmäßig spielen will, dann endet das eben so - Ich habe euch gewarnt! Kommt besser nicht auf so eine dumme Idee! Zur Partie: Ich spielte mit angezogener Bremse. Produktionsgebäude hatte ich einige, aber violette Gebäude wollten so gar nicht kommen, zumindest keine sinnvollen. Während Eiko das ganze Programm baute, wodurch er immer mit Boni doppelt produzieren und doppelt verkaufen konnte, lumpte ich noch immer mit den Standard-Einsteigeraktionen herum. Zu allem Übel baute ich auch noch die Kapelle, die mir weiterhin ein Klotz am Fuß war, denn wenn man jede Runde eine Karte umwandelt, kommt man im aktiven Spiel noch langsamer als ohnehin schon voran. So fühlte sich das Spiel dann auch an: Langatmig und ohne jeden Fortschritt. Hätte Eiko sich in meiner Situation beschwert, dann hätte ich ihm vermutlich gesagt, dass er ja mit dem Ratsherrn gezielt nach Karten hätte suchen können und auch planvoller hätte bauen müssen. Und vermutlich hätte ich damit Recht gehabt. Tja, beim nächsten Mal kann ich ja dann auf meine eigenen Ratschläge hören. 29:30:21 war zumindest für Mattes und Eiko ein knappes Rennen. Trotzdem, und das muss ich wie jedes Mal dazuschreiben, ist und bleibt San Juan ein klasse Spiel. Fraglich nur, warum wir es dann nur so selten Zu Gesicht kriegen.

Als Hauptspiel gab es etwas Nominiertes: Carpe Diem wurde am Montag auf die Nominierungsliste zum Kennerspiel des Jahres gesetzt. Neben Flügelschlag und Detective, wobei Letzteres meiner Meinung nach nur eine missverstandene honorable mention ist. Niemals wird Detective Kennerspiel des Jahres, wieso nimmt es also einen der raren Plätze auf der Nominierungsliste weg? Genau dafür ist doch die Empfehlungsliste da. Mich ärgert dieser Missbrauch der Jury an ihren eigenen Strukturen und Mechanismen der Preisvergabe. Egal, zumindest für diesen Absatz. Carpe Diem startete wie gewohnt knifflig, denn in Runde 1 gleich zwei Wertungen zu erfüllen ist nicht leicht. Ich schaffte es als einziger, dafür hatte ich später im Spiel einen Hänger. Allgemein war es mir kaum möglich Wertungskarten doppelt mitzunehmen - Kein gutes Zeichen. Immerhin hatte ich alle(!) Aufgaben auf dem Rahmen erfüllt und zwei Brunnenkarten gezogen und auch bearbeitet. Kurz vor der Punktezählung hatte ich kein allzu gutes Gefühl, Mattes aber war guter Dinge. Und verlor. 93:118:106 schlug das Urteil zu Gunsten Eikos aus. Vielleicht hatten wir es ihm zu oft durchgehen lassen, dass er sich verpuzzelt hatte. Zwei Mal ließen wir ihn dann noch umbauen, obwohl er es eigentlich besser wusste. Wir scheinbar nicht. Auch wenn das Spiel aussieht wie von anno dunnemals: Die Entscheidungen sind dicht und relevant, das Spielgefühl ist feldtypisch beengt und dennoch konstruktiv, der Wiederspielreiz durch die hohe Variabilität enorm. Ich hoffe, niemand hat den Einsatz meines garantiert nicht floskelfreien Zusammenfassungssatzgenerators im letzten Satz bemerkt. Sollte ich es in eigenen Worten wiedergeben: Carpe Diem hat den Preis verdient.

Nach Eikos Verabschiedung wurde Ganz schön clever gespielt. Nicht, dass wir vorher ganz besonders dämlich gespielt hätten. Das Spiel heißt halt so. Und ganz ehrlich, solche Witze sind schon ganz schön abgelutscht! Im Gegensatz zum Spiel hinter den Witzen. Das fühlt sich auch nach einem Jahr noch erstaunlich frisch an. Wäre ich nicht ohnehin schon durch den Bericht gehastet wie inzwischen leider allzu oft, würde ich glatt noch eine Solopartie anhängen. Unbedingt öfter hervorholen! Und unbedingt den Nachfolger spielen! Mattes war leider zu nachlässig bei blau und so versanken seine Füchse in der Bedeutungslosigkeit. Ich dagegen hatte durchaus das Gefühl, es schon gut, aber trotzdem noch lange nicht optimal gemacht zu haben. Wie immer ging ich auf blau und gelb, aber auch in den drei Zeilen unten machte ich ordentlich Punkte. Die Kettenzugmaschine war bereits angesprungen, wurde dann aber jäh vom Spielende abgewürgt. 153:207 zeigten trotzdem, dass etwas Erfahrung und Wissen um die richtige Herangehensweise an das Spiel Gold wert sind. Oder zumindest den Sieg.

Nachdem Mattes und ich noch wichtige Fragen bezüglich kommender Ereignisse im Freundeskreis besprochen hatten, vertagten wir uns wegen des Himmelfahrtstages auf nächste Woche Montag oder Dienstag. Details zu den besprochenen Themen würden hier nur langweilen. Gut, ihr könnt jetzt einwenden, dass ihr euch genau darauf gefreut hattet und den letzten Absatz eigentlich nur deshalb überhaupt lest, aber heute war es zu viel des Guten. Sprich des (für euch) Uninteressanten. Für uns sind die Themen natürlich alle hochrelevant, sonst würden wir sie ja nicht besprechen. Und überhaupt: L.A.M.A. ist ein klasse Spiel für das, was es sein will! Ich will hier kein Lama-Bashing unter diesem Post sehen! Ja, ich weiß, wir haben L.A.M.A. heute gar nicht gespielt, aber irgendwie muss man euch ja reizen, endlich mal wieder einen Kommentar zu einem Bericht abzugeben. Meinetwegen auch mit der Meinung zu einem anderen Spiel, die außerdem eine falsche Meinung ist. Noch lieber wären mir allerdings sachbezogene Kritiken zum heutigen Spieleabend. Und am allerliebsten wäre mir völlig unverholene Lobhudelei auf unser wöchentliches Zusammentreffen und die anschließende Niederschrift unserer glorreichen Wettkämpfe. Hauptsache, es wird mal wieder zurückgeblökt! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 6. Juni 2019, 01:44

Mittwoch, 5.6.2019 | Spieleabend #190

Aachen, das Regenloch - So lauten ja die Vorurteile. Normalerweise regnet es hier aber nicht nennenswert mehr als anderswo in der näheren Umgebung. Würselen zum Beispiel hat ein ganz ähnliches Niederschlagsprofil. Und in der Eifel regnet es noch viel mehr als hier in Aachen, es ist also alles gar nicht so schlimm. Trotzdem war heute zur Zeit des üblichen Endes des Spieleabends Wolkenbruch angesagt und Erik musste noch ein wenig bei mir Unterschlupf suchen. Deshalb fange ich diesen Bericht leider erst ungewöhnlich spät an und habe deshalb auch wie immer eine Ausrede, ihn mal wieder kurz halten zu müssen. Anwesend waren übrigens Erik, Judith, David und ich. Ja, ihr habt euch nicht verlesen, Mattes konnte aus beruflichen Gründen leider nicht dabei sein. Wir machten uns also zu viert zunächst an eine Partie...

Die Quacksalber von Quedlinburg. Immerhin allen bekannt, wollten wir so einen recht unkomplizierten Einstieg in den Spieleabend gestalten. Wie bei den meisten Spielen zieht sich die Spielzeit aber auch bei den Quacksalbern zu viert deutlich länger als zu zweit - Und das obwohl man einen Großteil des Spiels simultan vornimmt. Kurz zu den ausliegenden Büchern: Die Aufspar-Pilze erlauben es bekanntlich ja, gezogene rote Chips zur Seite zu legen und erst am Ende des Zugs einzusetzen (oder auch nicht). Kommen nun noch, wie bei uns geschehen, die gelben Verdopplungs-Alraunen dazu, dann kann man ganz getrost warten bis zu einem annehmbaren Zeitpunkt eine Alraune den eigenen Kesselinhalt abschließt, nur um dann doch noch die hohen Pilze mit in den Kessel zu legen und den Verdopplungseffekt ganz gezielt auf die 4er-Chips anzuwenden. Diesen Trick wandte David am Geschicktesten an, aber wir alle kamen nicht auf wirklich hohe Werte im Kessel. Die 35 knackte keiner, auch wenn Judith rekordverdächtig weit mit ihrem Tropfen im Kessel vorangeschritten war. Ich dagegen hatte den Tropfen auf der alternativen Leiste bis zum Ende durchziehen können, was ebenfalls eine interessante Variante darstellt. Am Ende war es recht knapp, aber Davids starke Alraunen-Pilz-Kombo mochten auch meine und Judiths Motten nicht schlagen, und die Krähenschädel mit Vorausblick brachten schonmal gar keinen spannenden Twist in die Partie. 61:58:66:57 - Leider zogen die Quedlinburger sich heute über mehr als 70 Minuten und waren mir etwas zu eintönig. Mir war aber auch zwischenzeitlich etwas schummrig, sodass meine Wahrnehmung hier etwas getrübt gewesen sein dürfte.

Als Hauptspiel gab es Thurn und Taxis, auch wenn sich dafür nur eine knappe Mehrheit fand. Die Partie hatte einen seltsamen Spielfluss, es wurde ziemlich viel nachgegrübelt und dennoch mussten ganze Strecken abgeworfen werden, weil sie nicht mehr verlängert werden konnten. Ständig wurde der Amtmann bemüht um die Auslage zu tauschen; geholfen hat das nur wenig. So war zum Beispiel Freiburg einmal gar nicht im Stapel, weil es bei meinen drei Mitspielern auslag und so auch nicht wieder reingemischt werden konnte. Meine drei lila Punkte konnte ich mir also abschminken. Bonuspunkte konnte ich trotzdem einige sichern, u.a. die für alle Regionen außerhalb Baierns. Leider schnappte sich David das nächstniedrigere Plättchen dieser Kategorie in seinem letzten Spielzug ebenfalls und festigte so locker seinen Sieg, da er auch als Einziger stringent auf die 7er-Kutsche gespielt hatte. Hier wäre bei allen Nichtsiegern noch einiges an der Spielweise zu optimieren. 8:-2:22:14 ließen Judith verkünden, sie bräuchte Thurn und Taxis so bald nicht wieder zu spielen. Ich glaube aber, dass eine weitere Partie zur Festigung der Regeln ganz gut tun würde. Minuspunkte sind nämlich eigentlich nicht im Sinne des Erfinders, zumindest nicht unterm Strich.

Das Kneipenquiz inklusive einem leckeren Weizen für Erik und mich machte mal wieder Spaß, auch wenn wir nur unwesentlich mehr wussten als sonst. Trotzdem waren wir besser darin die Plättchen der Gegner zu platzieren, sodass wir am Ende komfortabel mit 24:19:18:18:15 siegten. Wüsste ich nicht, dass das hauptsächlich Glück war, würde ich beim nächsten Mal glatt die schwierigste Stufe ausprobieren. So weiß ich: Wir bleiben lieber bei der mittleren Gewichtsklassse. Details zum Quiz gibt es heute nicht, nur so viel: Auf einer Karte konnten wir tatsächlich alle fünf Fragen richtig beantworten - Da fühlt man sich richtig schlau.

David und Judith hatten den Heimweg angetreten, Erik wollte noch etwas bleiben und wir spielten noch eine Partie Ta-Ke. Ihr wisst schon, dieses Taktikspiel im Japansetting. Klar, das Thema ist hier dem eigentlich abstrakten Taktikspiel nur übergestülpt, aber immerhin schön übergestülpt. Und das Spiel unter dem Thema ist richtig gut. Man kann in einem einfachen Regelrahmen wahnsinnig viel anstellen und mit schlauen Zügen den Gegner richtig an die Wand spielen. Man darf dabei nur nicht der Versuchung nachgeben, alles durchrechnen zu wollen, denn dann geht jeglicher Spielfluss verloren und man sollte die Aufgabe ohnehin besser an einen Rechner übergeben. Hier gilt es, im Rahmen der eigenen Intuition sinnvolle Entscheidungen zu treffen und eine gute Balance zwischen Strategie und Taktik zu finden. Mir gelang das heute etwas besser als dem Ta-Ke-Neuling Erik, 154:176 haben allerdings seinen Ehrgeiz geweckt.

Zum Schluss unterhielten wir uns noch etwas, Erik wartete auf das Abklingen des Regens und ersparte euch einen allzu langen Bericht, weil ich inzwischen noch hundsmüder bin als eben schon. Nächste Woche gibt es wieder wie gewohnt einen Bericht. Letzte Woche gab es eine Fusion meiner beiden Spielerunden, die dann nicht mehr als eigentlicher Spieleabend in dieser Reihe gelten konnte, weshalb es keinen Bericht gab. Nächste Woche je nach Spieleranzahl dann gerne auch wieder etwas schwerere Kost. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 13. Juni 2019, 02:32

Mittwoch, 12.6.2019 | Spieleabend #191

Meistens sind die anwesenden Gäste auf dem Spieleabend ja recht vorhersehbar: Mattes ist eigentlich immer dabei, Eiko ist zwar manchmal verhindert, sonst aber ein recht treuer Mitspieler. Erik kommt so längst nicht immer, aber doch regelmäßig vorbei, und wenn David mit von der Partie ist, dann bringt er zuletzt Judith meistens auch mit. Es ist also nicht besonders wahrscheinlich, dass große Besetzungen sich maßgeblich voneinander unterscheiden, da wir ja insgesamt nur zu sechst sind. Tja, so kann man sich täuschen: Letzte Woche waren wir zu viert, heute zu fünft, aber trotzdem nur mit zwei Personen in der Schnittmenge, nämlich Erik und mir. Nun aber genug des Rätselratens! Heute mit von der Partie waren nicht nur Erik und Mattes, nein, auch Eiko war dabei und hatte sogar seinen Freund Alex eingeladen, den Mattes und ich schon von Eikos Geburtstag kannten. Natürlich war es kein Problem, den Kreis des Spieleabends ein wenig zu öffnen. Als Alex dann sogar einen Sixpack Leffe und eine Tüte Chips mitgebracht hatte, war ich umso erfreuter. Trotzdem gestaltete sich die Spieleauswahl etwas schwierig. Auf reine Partyspiele hatte ich keine Lust, die hatten wir in den letzten Monaten schon zu häufig. Außerdem lagern die heißen Kandidaten Just One und Werwörter gerade bei mir in der Heimat. Es fiel aber auch nicht schwer einen Kompromiss zu finden:

Karate Tomate machte den Anfang, und den machte es gut. Zur Erinnerung: Alle spielen geheim Runde für Runde Karten aus. Man kann passen, indem man eine bestimmte Karte ausspielt, oder man bedient seine eigene zuerst ausgespielte Karte aus diesem sogenannten Kampf. Karate und so. Beim Aussteigen gibt es immerhin Kartennachschub, beim Gewinnen einer Runde gibt es Siegpunkte. Daraus ergeben sich viele interessante taktische Überlegungen. Zu dritt kann man das Spiel zwar spielen, da brauche ich es aber noch nicht. Zu fünft dagegen ergibt sich eine richtig coole Dynamik und man hat das Gefühl, so viel besser spielen zu können als man es aktuell tut. Wenn man dann aber schlauer sein will als alle anderen, sind doch wieder alle genauso schlau wie Du und keiner hat was gewonnen. Interessanterweise war Eiko heute in einem (neuen) Brettspielladen in Aachen auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk. Mit genau diesem Kartenspiel im Auge bekamen sie dann aber vom Ladeninhaber keine Empfehlung dafür; im Gegenteil. Dabei finde ich Karate Tomate total gelungen. Für größere und große Runden hat man hier in unter einer halben Stunde ein Spiel mit mehr Einfluss als in Partyspielen üblich. Fragt man sich nur noch, wie man hieraus vielleicht ein Trinkspiel basteln könnte... Aber das ist eine ganz andere Frage, die sich nach dem 9:13:15:X:10 gar nicht mehr stellt. Wieso das X bei Alex? Naja, so schreibt man ihn halt. Wer das (zu Recht) nicht so lustig findet, sei hier mit der zutreffenden Erklärung versorgt: Man sammelt nicht nur Pluspunkte in Form von Pokalen, sondern auch in Form von Messern. Wenn das Spiel vorbei ist, wir dann zuerst geprüft wer die wenigsten Messer hat. Unabhängig von seinen Pokalen hat er schon verloren, die anderen machen den Sieg danach unter sich aus. Und der unglückliche mit den wenigsten Messern war heute eben leider Alex.

Der Unglückliche, der das Hauptspiel als einziger nicht kannte, war dann ebenfalls Alex, denn gespielt wurde Die Staufer. Lange nicht mehr gespielt, und gerade deshalb wieder schön. Wegen des Neulings in unseren Reihen spielten wir mit den Startprivilegien, was der Partie keinen Abbruch tat. Ich verzichtete sowieso auf jegliche besondere Privilegien und begnügte mich mit den acht Punkten vom Standard-Privileg mit den Siegpunktkarten, das immer mitspielt. Ansonsten holte ich zu jeder Gelegenheit orange Plättchen mit Punkten, vernachlässigte (wie immer) die braunen Truhen und hangelte mich ein wenig mit entsprechenden türkisen Einmalboni durchs Spiel. Zu fünft herrscht ungewohnt großes Gedränge auf dem Feld, auch ein früher sichergeglaubter dritter Platz kann einem in voller Besetzung durchaus noch streitig gemacht werden. Alex kam ziemlich gut ins Spiel, holte früh sinnvolle Privilegien, hatte aber naturgemäß noch nicht die Erfahrung, wann es sich lohnt um welche Mehrheiten zu kämpfen. So investierte er das ein oder andere Mal für wenige Punkte teure Ressourcen, mit denen er nächste Runde vielleicht viel mehr hätte reißen können. Zwischenzeitlich ergaben sich in dieser hohen Besetzung für manche Spieler sehr hohe Wartezeiten, denn Die Staufer wird ja nicht im Uhrzeigersinn oder in einer sonstwie festgelegten festen Spielerreihenfolge gespielt, sondern die Aktionswahl aus der Vorrunde entscheidet über die Zugabfolge in der nächsten Runde. Deshalb würde ich die Staufer nicht unbedingt zu fünft empfehlen, es funktionierte aber durchaus auch mit der Maximalspieleranzahl. 90:91:105:70:96 haben mir tatsächlich mal wieder Lust auf noch eine weitere Runde gemacht. Zuletzt war ich immer ziemlich angenervt von den Staufern, nach dieser langen Pause würde ich es nächste Woche glatt wieder spielen. Obwohl auch Thurn und Taxis letzte Woche erstaunlich reizvoll war.

Eiko wollte eigentlich schon gehen, Alex aber wollte ja noch sein Leffe unter die Leute bringen. Eiko blieb also noch, machte sich dann aber doch vom Acker, als die Bierrunde ihm zu lange andauerte und er Alex' Heimfahr-Angebot lieber in den Wind schlug. Somit ergab sich Zeit für eine Runde Der Große Wurf, was zu einem gemeinschaftlichen Bier immer vorzüglich passt. Wir spielten nach Mattes beiden anfänglichen Siegen auf drei Punkte, in der Erwartung, dass er dafür wohl nicht mehr allzu lange brauchen sollte. Aber Pustekuchen! Wir holten alle vier noch auf zwei Zähler auf und Alex entschied das Turnier im großen Finale gegen mich für sich, sodass er 2:2:/:2:3 siegte. Wie jedes Spiel darf man auch den Großen Wurd nicht totspielen, aber jedes Mal wenn wir es rausholen ist die Gaudi erstaunlicherweise wieder echt groß! Und Alex liebäugelte auch direkt mit einem Kauf. Komischerweise scheint es immer noch ein Geheimtipp zu sein, obwohl ich inzwischen von vielen Stellen entsprechende Empfehlungen vernommen habe. Eins noch: Die Neuauflage Impact funtioniert zwar auch und bringt sogar ein paar interessante Varianten mit, die Würfelarena ist aber deutlich unschöner gestaltet. Statt einer Arena mit schrägen Wänden, auf denen die Würfel auch schonmal regelrecht tänzeln, haben wir es in der neuen Version mit einer Art Wanne zu tun, die ein viel stumpferes Würfelverhalten aufweist. Wer sich noch für dieses Kleinod interessiert, findet auf Amazon die französische Ausgabe (Strike) für gut 20€, die es allemal wert sind. Die Differenz zur Neuauflage Impact sollte man investieren, denn das Spiel ist zu einem Gutteil ein Geschicklichkeitsspiel. Hieran zu sparen, ist aus meiner Sicht eine klare redaktionelle Fehlentscheidung gewesen. Dennoch: Wer ein Spiel für eine gesellige Runde von bis zu fünf Leuten sucht, die nicht viele Regeln lernen und trotzdem Spaß und Nervenkitzel haben wollen, ist hier genau an der richtigen Stelle. Noch so ein Spiel aus der Reihe Spiele, die ich einst auch mit meinen Enkeln spielen werde.

Zum Schluss gab es noch ein paar Gespräche und Gedankengänge zu diversen Gruppeninterna, die für Außenstehende nicht sonderlich interessant sein dürften, wie es Interna eben so an sich haben. Darum mache ich es auch nicht übermäßig lang, verabschiede mich wegen Fronleichnam bis nächste Woche Montag oder Dienstag und schreibe Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 19. Juni 2019, 01:37

Dienstag, 18.6.2019 | Spieleabend #192

Machen wir es kurz, die hohen Schwankungen in der Spieleranzahl halten an und heute waren wir mal wieder zu zweit. "Mal wieder Zeit für was Ernsthaftes!", um Mattes sinngemäß zu zitieren. Zum Hauptspiel, versteht sich. Obwohl auch der Aufwärmer alles andere als ein lockeres Spielchen war. Zu erwähnen wäre noch der verspätete Beginn um etwa 19:40, nicht aber die Sitzreihenfolge, die an dieser Stelle als Übung verbleibt.

Ta-Ke macht es einem schwer, den Spielverlauf in einem Bericht zu beschreiben. In seiner Abstraktheit kommt es zumeist auf taktischen Feinschliff im Spiel an und weniger auf eine grundlegende strategische Ausrichtung. Erfahrungsgemäß lassen sich Strategien aber besser skizzieren als Einzelsituationen mit den entsprechenden taktischen Reaktionen darauf. Wenn ich heute eine rote Linie in meiner verhunzten Spielweise hatte, dann waren es wahrscheinlich die Ninjas. In den letzten Partien war ich immer so verärgert über das fremde Eingreifen gewesen, dass ich den Spieß diesmal umdrehen wollte. Und ja, man kann dem Gegner damit auch Punkte und vor allem Sondereffekte rauben, aber der Gegner hat danach immerhin noch einen Punkt für seine Person, der Ninja ist gar nichts mehr wert. Hinzu kommt, dass man mit einer normalen Person ja auch eine Aktion hätte ausführen können, diese wäre aber nicht vom Gegner geklaut. Man kann Ninjas also nicht als grundsätzlich besser oder schlechter bezeichnen, aber gerade anfangs sollte man nicht seinen Fokus auf sie legen, sonst fehlt einem die Basis für spätere, hohe Multiplikatoren. Schließlich ist ja jeder Zug in dem man dem Gegner einen Ninja vermeintlich wegschnappt auch ein Zug, in dem der Gegner einen Farbstein in seine Auslage holt. 123:104 stand es am Ende klar für Mattes, und zwar deutlich. Ich hatte übrigens nicht im Ansatz den Eindruck das Spiel heute durchdrungen zu haben. Offene Information und fehlender Zufallseinfluss im Spielverlauf sind ein Herausforderungen, denen man sich nur mit computergestützter Rechenkraft oder einem gesunden Bauchgefühl stellen sollte. Nächstes Mal versuche ich es dann mal mit Smart Glasses.

Concordia Corsica wurde zuletzt am Spielabend #158 gespielt. Was nicht stimmt, denn da kam Concordia Gallia auf den Tisch, aber egal, Hauptsache Spanien. Auf jeden Fall haben wir es jetzt zehn Monate nicht gespielt, was eigentlich eine Schande ist für eins unserer Stammspiele. Heute dann also mal wieder zu zweit, Regelauffrischung nicht nötig. Schnell die Insel überblickt und losgespielt. Mattes setzte von Anfang an eher auf den Architekten, ich hoffte schon insgeheim er würde die Karten vernachlässigen. Ich plante eine Ausbreitung über die ganze Insel - was im Fall von Corsica nicht so schwierig ist - und anschließenden Punkteregen dank Saturnus. Dieser Plan ging auch auf, aber Mattes Plan war besser. Er setzte vermehrt auf Jupiter - Auch, weil ich ihm diese blauen Karten fast alle überließ. Zudem konnte er noch die beiden Merkatoren abgreifen, die bei voller Produktion jeweils zehn Punkte geben. Die Spezialisten waren in etwa gleich aufgeteilt. Am Ende patzte Mattes meiner Meinung nach, da er mir die Concordie-Karte überließ. Trotzdem reichte es für den Sieg mit 119:113 - Knapp, aber deutlich. Hä? Ich muss ins Bett, aber ihr wisst ja, was ich meine. Kolonisten haben wir beide keinen einzigen gebaut, das ist aber bei der kleinen und gut vernetzten Insel auch eher unnötig. Man könnte höchstens für die Mars-Punkte Kolonisten aufstellen, aber das hat noch nie so richtig gut geklappt, obwohl ich darauf schon oft spielen wollte. Deshalb heute ein klarer Fokus auf die richtigen Städte mit den richtigen Karten - Halt nur noch richtig genug.

Zum Absacker gab es dann Ganz schön clever. Zugegeben, ich habe in der Zwischenzeit noch zwei Partien solo gespielt, das habe ich Mattes aber auch direkt gebeichtet. Er wollte trotzdem gegen mich antreten. Er nahm sich auch den Tipp zu Herzen, blau als Motor zu nutzen, und war direkt deutlich besser als vor ein paar Wochen. Überhaupt kann man den Punktestand 239:264 ruhig mal veröffentlichen! Doppelt so clever kam letzte Woche an, darauf freue ich mich auch schon sehr, obwohl der Vorgänger für mich noch lange nicht ausgespielt ist. Klar, der Fahrplan ist klar, orange eignet sich als Leitfaden jetzt nicht so gut, aber nur weil man die Farben grob priorisiert hat, heißt das ja nicht, dass man seine Strategie für alle Würfelwürfe und jede einzelne Situation festgelegt hätte. Es hilft trotzdem, wenn man etwa die gleichen Erfahrungswerte mit dem Spiel hat. Mattes bräuchte vermutlich noch ein paar Partien, um mich sicher zu schlagen, andersrum möchte ich das Spiel nicht gegen jemanden spielen, der es schon x Mal in der App gezockt hat. Im Vergleich zum analogen Spiel generiert man dort unnatürlich schnell eine hohe Zahl von Partien, und das ohne dass man zusammen mit anderen in das Spiel reinwachsen würde. Ich mag eben auch das Würfeln, das Ankreuzen, den Umgang mit dem realen Spielmaterial. Wenn ich das Spiel nur auf die Mechanismen reduziere, wird es eben irgendwann zur reinen Optimierung, die nur noch vom passenden Würfelglück abhängt. Daran hat man sich schneller sattgespielt als an einem echten Würfelspiel, dass man viel seltener und zumeist in Gesellschaft spielt. Und da mir Ganz schön clever gefällt, möchte ich mich daran möglichst langsam sattspielen. Ergo ist die App nix für mich, und ich möchte noch ein wenig weiter gehen: Eine Partie nach der anderen in der App runterzuzocken ist ein wenig wie eine gute Serie staffelweise runterzusuchten - Dafür sind Spiel wie Serie meistens zu schade.

So, genug von meinem Senf abgelassen. Für den letzten Absatz muss es als Beschreibung reichen, dass es kein Bier gab - Denn darauf kommt es nach dem Spieleabend doch schließlich an! Oder sollte ich da etwas missverstanden haben? Sollte es demnächst nochmal etwas zu feiern geben, dann werde ich die Banausen jedenfalls zu einem Bier nötigen und euch auch davon berichten. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 27. Juni 2019, 02:03

Mittwoch, 26.6.2019 | Spieleabend #193

Innovationsstau, so nennt man wohl das Ausbleiben dringend nötiger Neuerungen auf lange Sicht. Und in der Tat, die letzten großen neuen Spiele sind meine Weihnachtsgeschenke: Teotihuacan und Forum Trajanum. Seitdem gab es keine größeren Neuheiten. Dafür aber viele kleine, könnte man argumentieren. Und bevor man so ein großes Wort wie Innovationsstau hervorkramt, können wir die heutige Spieleauswahl auch einfach dem Sommerloch zuschreiben. Es ist heiß, man hat keine Lust sich den Kopf zu zermatern und möchte schon gar keine anstrengenden neuen Regeln lernen. Und als ich Eiko und Mattes Nimble vorschlug, wollten sie bei der Hitze auch lieber kein anstrengendes Reaktionsspiel spielen.

Dann schlug Mattes The Cat vor, ein nicht minder anstrengendes Reaktionsspiel, und das spielten wir dann auch. Zum Warmwerden, sozusagen. Schon vorher war klar, dass ich die letzten Partien ziemlich deutlich gewonnen hatte. Und so war es auch heute wieder: Vier von fünf Runden beendete ich, einmal machte Mattes den Sack zu. Das ist nunmal das Manko dieser Art von Spiel: Wenn man die benötigten Fähigkeiten einen Tacken besser beherrscht als die lieben Mitspieler, dann wird sich das nicht großartig verändern, auch wenn die Mitspieler ein wenig mehr Übung bekommen. Man selbst trainiert ja auch weiter. Und bei diesem verwirrenden Katzenversteckspiel muss man insbesondere gut die Übersicht über seine Stapel behalten. Wer jedes Mal in allen Stapel nachschauen muss, ob er eine neue Karte gebrauchen kann, dem wird die Karte wahrscheinlich vor der Nase weggeschnappt. Aber so schlimm ist es dann auch wieder nicht: Wenn man dieses Spielgenre nicht allzu häufig bemüht, ist es ja gar nicht so tragisch, dass es schon vorher einen klaren Favoriten gibt. 7:13:23 untermauern meine Ausführungen, Eiko hatte sogar zwei Nullrunden dabei. Ich hatte aber (glücklicherweise) trotzdem nicht den Eindruck, dass er frustriert oder gelangweilt war, ihm schien es durchaus auch ein bisschen Spaß zu machen.

Als Hauptspiel wurden dann diverse Spiele vorgeschlagen: Die einen zu lang, die anderen vor zu kurzer Zeit erst gespielt, bei wieder anderen wäre eine Regelerklärung fällig gewesen, und natürlich hat auch jeder seine persönlichen Vorlieben. Mein eigentlicher Plan, Merlin nochmal auf den Tisch zu bringen, wurde jedenfalls abgelehnt, weil Mattes wetterbedingt kein neues Hauptspiel erlernen wollte. Wir einigten uns dann auf Thurn und Taxis, obwohl das Spiel erst vor drei Wochen das letzte Mal auf dem Tisch war. Damals saß allerdings genau der andere Teil der Mitspieler um den Tisch, sodass es nur für mich eine Dopplung darstellte. Eiko kannte das Spiel zwar noch nicht, aber die Regelerklärung hier dauert ja nicht allzu lange. Ich spielte anfangs auf kleine farbige Gebiete und nahm für fast alle Kutschen den Wagner in Anspruch. Gegen Ende dann setzte ich doch auch viele Häuser nach Baiern, in der Hoffnung, die 5 Punkte abgreifen zu können. Aber Pustekuchen: Mattes schnappte mir die Baiern-Punkte weg, weswegen für mich immerhin noch der grüne Bonuschip heraussprang. Leider reichte es aber nicht für die Punkte für [i]Alle Regionen außerhalb Baierns[/b], weil mir ein Haus im roten Salzburgerland fehlte. Man kann nicht alles haben... Für den Sieg hat es trotzdem gereicht. Eiko musste zwar einmal Handkarten abwerfen und einmal sogar eine Strecken ohne Wertung abräumen, war aber trotzdem recht knapp hinter mir. Mattes hatte zwar das Spiel mit der 7er-Kutsche beendet, dafür aber deutlich zu wenig Bonusplättchen gesammelt. Hier muss man durchaus strategisch vorgehen und von Anfang an am Besten entweder Baiern oder Nichtbaiern ins Auge fassen. Okay, ich hatte jetzt zwar beides nicht, dafür aber drei von vier farbigen Chips, was allerdings eigentlich eine gute Basis für alle nichtbairischen Regionen ist. Aber genug geschwafelt, zumindest für die hier vorhandene Spieltiefe. Thurn und Taxis ist nämlich ein klassisches Familienspiel, und nicht zu Unrecht damals (2006) als Spiel des Jahres ausgezeichnet worden. In einer knappen Stunde ist man dann aber auch durch - bei einem Punktestand von 17:14:19 - und hat noch eine weitere Stunde zu füllen. Etwas viel für einen Absacker.

Deshalb packten wir noch Istanbul aus, was für sich genommen ja auch kein Hauptspiel darstellt. Zumindest nicht, wenn alle das Spiel einigermaßen auf der Pfanne haben. Wie immer spielte ich auf alle Moscheenplättchen, alle Wagenausbauten und zwei Rubine von einer Doppelaktion für Waren oder Geld. Bonuskarten setzte ich wieder nur wenige ein, diese dafür sehr gezielt. Wir spielten übrigens mit der taktischen Variante, bei der jeder mit einem neutralen Gehilfen startet, der zwischen den Spielern wechseln kann. Keine große Änderung, die aber neue Denkweisen in das altbekannte Spielprinzip bringt. Meine altbekannte Stratgie war trotzdem siegreich, obwohl ich gegen einen echten Istanbul-Profi sicherlich auch keine Schnitte hätte. 3(14):3(9):5 sollen aber nicht davon ablenken, dass inzwischen ein wenig Abwechslung gut tun würde. Wie auch bei Thurn und Taxis wäre eine Anschaffung der Erweiterung(en) eine Überlegung wert. Andererseits habe ich das in diesen Berichten wohl schon bei jedem Spiel geäußert, zu dem eine Erweiterung existiert, und die wenigsten davon wirklich gekauft. Aber wenn ich mal irgendwo einen Schnapper sehe, dann schlage ich zu, darauf können wir uns gerne einigen!

Nach Eikos Verabschiedung ließen Mattes und ich den Abend mit dem kleinsten möglichen Absacker Knister ausklingen. Ich versagte auf ganzer Linie, wollte mal wieder viel zu viele (wertvolle) Straßen aufs Blatt bringen, die am Ende meist nur als Zwilling mit einem Punkt zu Buche schlugen. So kann man natürlich nicht gewinnen: 66:30, aber immerhin war die Würfelei der Schande schnell vorbei.

Diese klassische Dreierbesetzung nicht für ein anständiges Hauptspiel genutzt zu haben ist im Nachhinein etwas schade, aber wann spielt man schon mal zwei so schöne Hauptspiele? Wenn es demnächst mal wieder weniger heiß ist, dürfen auch Merlin, Chimera Station, Great Western Trail und AquaSphere mal wieder zum Zuge kommen. Und natürlich ein paar neue Spiele, um aus dem vermeintlichen Innovationsstau herauszukommen. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 4. Juli 2019, 01:45

Mittwoch, 3.7.2019 | Spieleabend #194

Verspäteter Beginn, verspätetes Ende, verspätetes Berichtschreiben, ihr seht, worauf es hinausläuft: Ich fasse mich kurz. Den Beginn um acht hatte übrigens Mattes erbeten, und da er der einzige Teilnehmer war, konnte ich ihm seinen Wunsch nur schwerlich abschlagen. Er musste nämlich noch sieben Pfund Tzatziki machen. Was man nicht alles so für Hobbies hat, immer wieder spannend! Aber mal im Ernst: Er macht sonst auch ganz gern Aioli, da ist er gar nicht so. Auch schonmal acht Pfund. Aber morgen findet nunmal das quartalsweise Geburtstagsfest für alle Mitarbeiter seiner Firma statt, und da steuert jeder etwas bei. Mattes halt eben sieben Pfund Tzatziki. Übrigens ein super Titel für einen Quarkhouse-Film, wenn ihr mich fragt. Ganz nebenbei erinnert mich das quartalsweise Zusammenlegen von Geburtstagen etwas an das wochenweise Zusammenlegen von Todestagen frei nach dem Motto "Wir gedenken in dieser Heiligen Messe aller Verstorbenen dieser Woche aus den letzten fünf Jahren", nur dass zu diesem Anlass noch niemand sieben Pfund Tzatziki gemacht hat. Aber was nicht ist, ...

kann niemals sterben. Ist eine Überleitung eigentlich noch gut, wenn sie zwar nichts mit dem Anschlussthema zu tun hat, aber für sich betrachtet quasi schon Kunst darstellt? Gespielt haben wir jedenfalls Machi Koro. Mal wieder hat keiner auch nur ein einziges Mal mit zwei Würfeln gewürfelt. Ich hab Mattes so schnell wie nur möglich möglichst viele Minimärkte weggekauft und hatte am Ende vier Stück. Außerdem kam die vier unverschämt häufig bei mir, und gegen Ende des Spiels konnte ich mit dem Funkturm auch noch zwei Mal würfeln, um eine vier zu erzielen. Nicht besonders spannend, aber wenigstens schnell vorbei, und zwar mit 2:4 gebauten Gebäuden.

Ziemlich spannend und nicht ganz so schnell vorbei war dagegen AquaSphere. Gefühlt vor ein paar Wochen erst gespielt, trotzdem mussten wir die Regeln nochmal ordentlich wiederholen. (Schnell nachgeschaut und auf Anhieb den richtigen Bericht erwischt: #170 war der letzte Abend mit diesem Feld, ganze sieben Monate her. Fragt man sich, wieso ich zuerst dachte, es letztens erst auf dem Tisch gehabt zu haben, und dann doch direkt auf Dezember tippe... Da stimmt doch was nicht!) Ich hatte absolut keinen Lust auf den ständigen Zeitmangel und wollte ihm durch ein beständiges Zeiteinkommen entgehen. Sprich: U-Boote bauen, und zwar so viele wie möglich. Am Ende hatte ich zwar nur fünf statt alle sechs aufs Brett gebracht, aber gereicht hat es allemal. Mattes war ständig klamm, konnte deutlich weniger Züge machen als ich und somit auch nie die Mehrheit erreichen. In Runde drei war es besonders schön: Zuerst sah er die Sektorenmehrheit (Achtung: Es geht hier weder um die Senatorenmehrheit, noch um die Seniorenmehrheit, aber das dürfte ja ohnehin in den meisten Fällen dasselbe sein) auf seiner Seite, dann holte ich aber durch eine geschickte Querprogrammierung (per Forschungskarte) noch eine unerwartete Zusatzaktion raus, und außerdem konnte ich mit einem passenden Forschungslabor dann auch noch seinen letzten Bot vertreiben. Am Ende besetzte ich also alle sechs Sektoren, was sich zugegeben ziemlich gönnerhaft anfühlte. Mein Labor konnte ich nicht ausbauen, aber ich holte viele Punkte über U-Boote und Forschungskarten, sowie massig über die Zwischenwertungen. Oktopoden ließ ich heute paarweise Oktopoden sein, erst ab einer Gruppengröße von drei schritt ich ein. Diese entspannte Grundhaltung verschaffte mir erstaunlich viel Raum für konstruktivere Maßnahmen und sollte in der nächsten Partie weiter verfolgt werden. 53:79 - Das wäre David so nicht passiert, dem wir übrigens trotz Abwesenheit 26 Punkte für voll ausgebautes Labor mit allen sechs Buchstaben zusprachen. Denn die hätte er allemal gemacht.

Auch, wenn es ursprünglich an anderer Position zu Hause war, machte sich Einfach Genial als Absacker nicht schlecht. Schließlich dauert es zu zweit keine halbe Stunde und spielt sich angenehm locker runter. Überhaupt scheint mir das die einzige Unterscheidung zwischen den sonst ähnlichen Kategorien Aufwärmer und Absacker zu sein: Erstere sollen den Kopf warmmachen und aufs Hauptspiel vorbereiten, letztere eher abkühlen. So gesehen müsste man aber so manche althergebrachte Zuteilung nochmal überdenken. Egal, heute machte Mattes mich mit 6:9 in diesem unüblichen Absacker deutlich nass. Komisch nur, dass ich diese Niederlage meinerseits als einzige nicht auf meinem Zettel notiert habe... Und damit ich wenigstens irgendwas zur Partie geschrieben habe: Lila war ganz schön knapp. Mein lieber Scholli!

Am Ende unterhielten Mattes und ich uns noch über den zurückliegenden Junggesellenabschied von David, der uns und augenscheinlich auch ihm viel Freude bereitet hat. Aber wenn man sich einen reinstellt und dann nichtmal Spaß dabei hat, hat man auch wirklich etwas falsch gemacht. Immerhin waren wir vorher auch noch erfolgreich im Escape-Raum. Dass es der leichteste im Angebot war, hätte der Typ ja nicht unbedingt dazusagen müssen. Dafür hat er sich ziemlich geschickt angestellt, als er David als unbekannter "Reiseveranstalter" unten an der Straße verklickern sollte, dass es jetzt bis zur Zugabfahrt nach Paris noch eine kleine Zeitüberbrückung mit zwei Damen im Etablissement geben sollte. Dafür hatte man sich sogar in den Anzug geschmissen und die Krawatte extra schlonzig gebunden, um den schmierigen Eindruck zu untermaueren. Wir wussten natürlich alle Bescheid, aber bei David saß der Schock - Zumindest bis wir ihn dann ein paar Minuten später oben wiedertrafen und zu rätseln begannen. Danach waren wir lecker essen, nur Tzatziki gab es keins. Kein Wunder, die Monatsration für Aachen hat ja auch Mattes eben gerade vor dem Spieleabend verarbeitet. Sieben Pfund... Ihr merkt schon, ich komme da kaum drauf klar und hab obendrein noch einen Clown gefrühstückt. Was allemal besser ist als Tzatziki. Gefrühstückt zu haben. Und bevor mir noch mehr Quark - ob mit oder ohne Knofi - einfällt, verbleibe ich mit dem hundertvierundneunzigsten Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 18. Juli 2019, 00:41

Mittwoch, 17.7.2019 | Spieleabend #196

Irgendwann musste es ja passieren: Der fehlende Bericht. Immerhin 31 Abende in Folge konnte ich die Serie halten, jetzt ist sie gebrochen. Sei's drum. Es ist ja auch streng genommen längst nicht jeder Abend einen Bericht wert. Aber gut, dass hat mich zwischendurch auch nicht gestört und ist wahrlich ein schlechtes Argument für meinen Patzer. Natürlich hatte ich mir auch vorgenommen, den Bericht später nachzuholen, aber wie immer wurde daraus nichts. Und bevor ich wieder eine ewig lange Pause provoziere, lass ich Abend #195 einen guten Mann sein und mache weiter, als wäre nichts gewesen. Heute waren wir übrigens zu sechst, obwohl weder Erik noch Mattes mit dabei waren. Eiko hatte nämlich Besuch mitgebracht: Karin und Sebastian bereicherten unsere Runde, außerdem David und Judith. Bei sechs Mann war der Fokus auf Kommunikativem von Anfang an gesetzt. Außerdem sollte es auch kein allzu langer Spieleabend werden, weil alle sich gegen zehn auf den Weg machen wollten.

Startschuss! Den kann man bei Magic Maze sogar fast wörtlich nehmen, denn hier geht es ja tatsächlich um jede Sekunde. Wie üblich mussten sich die drei neuen Spieler erstmal mit dem Spielprinzip vertraut machen und brauchten ein paar Runden, um auch die Sanduhr im Blick zu behalten. Glücklicherweise gibt es zu sechst bereits zwei Richtungen doppelt, sodass bestimmte Bewegungen von zwei Spielern getätigt werden können; das erleichtert den Ablauf und lässt Neulinge nicht ganz so schnell unter Druck geraten. Wir spielten vier Runden, zwei Mal das Szenario 3 und zwei Mal Szenario 4. Die Zweitpartie konnten wir jeweils gewinnen, aber für unsere Tabelle mit den erreichten Meilensteinen war heute nichts dabei, die fängt schließlich erst bei Szenario 8 an. Aber hier könnten wir demnächst ja auch mal wieder ein paar Felder ausfüllen.

Codenames Pictures besitzt zwar das äußerst elegante Codenames-Spielprinzip, ist aber trotzdem nicht bei jedem beliebt. In unserer heutigen Runde waren Eiko und Judith nicht die größten Fans des Spiels, und beide wollten auch nicht Tippgeber sein. Deshalb nahmen Sebastian und ich diese Rolle je doppelt ein. Der aufmerksame Leser weiß jetzt schon, dass wir drei Runden spielten. Davon verliefen die ersten beiden ohne größere Zwischenfälle. Ohnehin finde ich die kleinere Auslage bei Pictures nicht so gut. Dadurch ist das Spiel normalerweise in drei Runden durch, wenn keiner einen Fehler macht. Stellt sich das nachziehende Team sehr geschickt an, kann es seine sieben Karten sogar in nur zwei Runden vermitteln. Das klappte heute aber nicht. Genau wie die letzte Runde, die lief bei mir völlig aus dem Ruder. Mein Hochzeitspaar 2 bestehend aus Anzugrabe und Tannenzapfenbraut wurde nicht erkannt. Der Wettkampf 2 wollte ebenfalls nicht die richtigen Assoziationen auslösen. Hintenraus wurde es dann aber sehr knapp und mein Team kam bis auf das letzte Bild an die gegnerische Mannschaft heran. Leider hielten Eiko und Karin die Anzahl und vor allem die Zugehörigkeit der noch offenen Tipps nicht genau mit, sonst wäre vielleicht sogar der ultimative Aufholzug drin gewesen. Aber auch so tippten die beiden erstaunliche sechs Richtige nach meinem Tipp Wasser Unendlich. Da die anderen aber nur noch einen Punkt holen mussten, war ihnen der Sieg am Ende doch sicher. 1:2 ging es aus für Team blau bestehend aus Eiko, Karin und mir. Und gerade zum Kennenlernen neuer Menschen ist Codenames nicht das dümmste Spiel. Man lernt einiges über Sprachgefühl und Sichtweise der beteiligten Mitspieler. Aber auch ohne diesen Aspekt macht Codenames richtig Laune und sollte dringend wieder häufiger auf den Tisch kommen. Im Rückblick mehr und mehr ein alternativloses Spiel des Jahres 2016.

Der Stapel war noch groß, Belratti setzte sich durch. Der Fälscher war heute leider besonders gut und wir leider wirklich schlecht - Eine ungute Kombination. Wir schafften nur sieben Karten, obwohl es in der ersten Runde perfekt losging. Die Schwäche des Spiels bleibt aber: Gegen wirklich gute Fälschungen kann man kaum an. Es sei denn, man benennt die Qualität seiner Bilder auf den Punkt und die Museumsleiter merken, dass manche Bilder zu gut passen. Hier ist mit wachsender Spielerfahrung sicher noch mehr drin: Cocktail und Bier passen zwar wunderbar zusammen, das würde aber auch jeder so sagen. Wenn vorher nur die Rede von Guten Tipps ist und niemand seine Karte direkt und ohne nachzufragen in die Mitte haut, dann war der Cocktail vielleicht doch nicht dabei. Bilder und Einschätzungen der Maler übereinzubringen scheint mir sehr zentral, wird aber nicht immer so stark beachtet wie es beachtet werden sollte.

Ungewöhnlich früh ging der Abend dann um zehn nach zehn zu Ende. Decrypto kam leider nicht auf den Tisch, das werde ich denke ich in der nächsten Viererbesetzung nochmal forcieren. Das Spielprinzip hat es mir wirklich angetan. Das Kneipenquiz dagegen wurde heute zwar vorgeschlagen, da es aber schon letzte Woche auf den Tisch kam hatte es nicht die höchste Priorität. Ich könnte diese Liste noch einige Zeit weiter fortsetzen, komme aber frecherweise mal direkt zum Punkt: Ich war überrascht, wie viele Kandidaten ich für eine Sechserbesetzung inzwischen im Schrank habe. Und das, obwohl viele dieser Partyspiele gar nicht hier in Aachen, sondern in der Heimat lagern. Da scheint sich meine etwas veränderte Politik beim Spielekauf hin zu solchen Spielen langsam bemerkbar zu machen. Den beiden Gästen hat es Spaß gemacht, und mir hat es Spaß gemacht mal wieder jemandem kurz und knackig zu zeigen, was Spiele so alles können - Ganz ohne viele Regeln. Kurzer Abend, kurzer Bericht! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Stein-Schere-Papier » 20. Juli 2019, 00:21

Ich lese es gerne, Siedler :-)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 25. Juli 2019, 00:05

Mittwoch, 24.7.2019 | Spieleabend #197

Was für eine Affenhitze. Da hat man weder richtig Lust auf große Spiele auf dem Spieleabend noch auf das Schreiben des nachfolgenden Berichts. Erik, Eriko, Mattes und ich saßen also bei sperrangelweit geöffnetem Fenster in der Küche und hofften auf ein wenig Durchzug durch die WG, doch diese Erwartung wurde leider enttäuscht. Meinen (ohnehin viel zu kleinen) Tischventilator kann ich beim Spielen aber auch nicht verwenden, es sei denn wir hätten uns auf Würfelspiele und sonstige Kost mit besonders klobigem und schwerem Spielmaterial geeinigt. Apropos Einigung: Die war heute ungewohnt schwer, außer beim Aufwärmer, denn den hatte ich schon vorher per Vorschlag bestimmt:

Splendor. Vor inzwischen fünf Jahren hätte es Spiel des Jahres werden können, aber immer noch ist es im Gedächtnis der Szene verankert. Nicht jedes Spiel wird n der Spielbox referenziert, um auf bestimmte Ähnlichkeiten hinzuweisen, auf Splendor durchaus. Man setzt also in der Redaktion eine gewisse Bekanntheit voraus. Zurecht, denn Splendor ist mechanisch einwandfrei und zeitlos, thematisch eher schwach auf der Brust, kurzum: Ein perfekter (abstrakter) Engine-Builder. Heute versuchte ich es mit einem Monopol auf grün. Viele der Adeligen forderten grüne Karten, und ich schnappte meinen Mitspielern so gut wie alles direkt vor der Nase weg. So hatten sie schonmal keine Chance auf drei von fünf Adeligen, weswegen ich mir bereits Chancen ausgerechnet hatte. Leider fehlten mir einige der anderen Farben, schließlich hatte ich mein Augenmerk ja hauptsächlich auf die Smaragde konzentriert. Und so blieb es dabei, dass ich die grünen noblen Herrschaften blockierte, ohne sie selbst an mich zu nehmen. Mattes dagegen hatte bereits einen hervorragenden Start und bekam auch hintenraus von den Stapeln durchaus die Karten präsentiert, die zu seiner Auslage passten. Er siegte 9:11:15:10, und ich muss feststellen dass mir Splendor mit weniger Spielern etwas besser gefällt. Zu viert geht der Stapel mit den günstigen Karten teilweise schnell leer und man kann nicht so gut planen, ob eine Karte noch eine Runde in der Auslage überlebt.

Als Hauptspiel wollte ich dann wegen der tropischen Temperaturen nichts allzu großes auf den Tisch bringen, ich hatte im Voraus an Isle of Skye gedacht. Das wurde allerdings von Erik abgelehnt, der stattdessen Stone Age ins Spiel brachte. Hier wird allerdings gerne die Spieldauer unterschätzt, weswegen ich es lieber nicht spielen wollte. Am Ende einigten wir uns auf Die Quacksalber von Quedlinburg, wobei der Zufall uns viele neue und bisher unbekannte Bücher präsentierte. Die Pilze werteten die 1er-Knallerbsen auf, die Alraunen hoben das Knallerbsen-Limit an und die Spinnen konnten ihren Wert verdoppeln, wenn man genau auf den Punkt pokerte und zum Schluss in Summe sieben Knallerbsen im Kessel hatte. Viel Bezug auf die ungeliebten weißen Chips also, was durchaus interessant war. Ich setzte ganz stark auf die Spinnen und somit darauf, in möglichst jeder Runde den Wert sieben zu erreichen. Und wenn man es erst einmal versucht und darauf achtet, ist es viel schwieriger als gedacht. Vielfach blieben die Spinnen ohne Effekt, aber immerhin konnte ich mit einer Alraune noch dem ständigen Explodieren entgehen, weil mein Knallerbsen-Grenzwert nun auf acht angehoben war. Mattes war zwischenzeitlich abgeschlagen, brachte sich dann aber doch wieder noch vorne und spielte sogar fast um den Sieg mit. Der aber war erst nach gut 70 Minuten ausgemacht, was mir entschieden zu lange dauerte. Meine Partienliste der Quacksalber inkl. Spieldauer lässt aber erkennen, dass unsere Viererrunden selten viel kürzer dauern. Zu zweit kann man die 45 Minuten von der Schachtel dagegen locker einhalten, und dann passt die Spielzeit auch zum Spielgefühl. Länger als eine Stunde möchte ich mit dem glückslastigen Plättchenziehen eigentlich nicht verbringen, zu viert würde ich deshalb in Zukunft von einem erquickenden Qurztrip nach Quedlinburg absehen. Es sei denn, die Meute lässt sich partout auf kein anderes Spiel ein.

Auch beim Absacker wurde es nämlich wieder schwierig. Am Ende konnte ich aber mit Mattes' Hilfe Abluxxen durchsetzen, das schon viel zu nah am gefürchteten Boden des Stapels war. Falls sich überhaupt jemand für die von mir erfundene Kategorie Möchte ich eines Tages mit meinen Enkeln spielen interessiert: Abluxxen sehe ich durchaus auch auf dieser Liste. Mit dem Spielmaterial eines Rommé wird hier ein neues Spielgefühl erzeugt, das nicht so einfach zu beherrschen, aber trotzdem eingängig ist. Klar ist auch viel Glück mit im Spiel, das bekommt man aus dieser Art von Kartenspiel nunmal nicht heraus. Ganz abgesehen davon, dass das auch nie das Ziel gewesen sein wird. Ich habe eben ein Interview mit Reiner Knizia über L.A.M.A. gesehen, nachdem es nicht Spiel des Jahres wurde. Er hofft trotzdem, dass L.A.M.A. groß rauskommt und die kritische Masse zum Klassiker überschreitet. Jedem von uns fallen eine Handvoll Spiele im Amigo-Programm ein, die wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch im Programm sein werden, weil sie nach wie vor gekauft werden. Ob Knizias neuster Streich in diesen Reigen aufgenommen wird, ist noch unklar. Abluxxen hat den Klassiker-Status jedenfalls verpasst. Obwohl es damals sogar im Bundle mit Phase 10 verkauft wurde und von der Komplexität her gut in jeden Urlaub gepasst hätte: Bei den Leuten ist es leider nicht angekommen. Wirklich schade. 20:43:28 sehen nach einem deutlichen Sieg für Mattes aus, er überholte mich aber erst in der finalen dritten Runde, wo ich als einziger über alle drei Teilpartien hinweg Minuspunkte hinnehmen musste. Und ich hatte mich schon gefreut, dass mein Abluxxen-Fluch gebrochen wäre und ich endlich mal einen Sieg einfahren könnte. Tja, abgeluxxt!

Und bevor ich noch weitere Wortwitze von diesem Kaliber produziere, versuche ich mal bei 27°C einzuschlafen. Kleine Kuriosität noch: Eiko (oder war es Mattes?) hatte doch tatsächlich als Hauptspiel Mombasa vorgeschlagen, wohlwissend dass nach einem kleinen Hauptspiel gesucht wurde. Entweder ich bin durch die szenetypische Einstufung in Kenner- und Expertenspiele stark vorgeschädigt und merke gar nicht mehr, dass man auch im Hochsommer zwischen halb neun und zehn noch schnell ein Ründchen Mombasa zu viert einschieben kann, oder die anderen haben ein sehr seltsames Verständis für den Umfang eines Spiels. Wobei, so wirklich davon abbringen dass diese Frage rhetorischer Natur ist könnt ihr mich höchstwahrscheinlich nicht. Demnächst wird noch als Absacker Ein Fest für Odin vorgeschlagen. Und wenn einer zehn Minuten später kommt, könnte man ja vorher vielleicht noch eben flott den Mars terraformen? Aber wer weiß, vielleicht bin ich da ja auch gedanklich in zu engen Grenzen unterwegs. Einfach mal ausprobieren! Oder auch nicht. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Dee » 25. Juli 2019, 20:04

Spieldauer wird gerne unterschätzt. Nur, wenn alle ein Spiel kennen und nicht zu lang überlegen, kann die Schachtelspielzeit bei Eurogames eingehalten werden. Uns ist es auch schon öfters passiert, dass wir um 22 Uhr schnell noch was Kleines spielen wollen. Und dann ist's plötzlich halb 1.

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 30. Juli 2019, 01:24

Montag, 29.7.2019 | Spieleabend #198

Wegen eines familiären Anlasses am Mittwoch musste der dieswöchige Spieleabend verschoben werden. Der Spieleabend war also endlich mal wieder ein waschechter Montagabend! Tatsächlich fühlt sich das gut an, gleich zum Wochenauftakt abends einen Spieleabend zu haben. Vielleicht versuche ich das demnächst mal wieder zu etablieren. Erstmal kümmern wir uns aber um die Verschiebung auf den heutigen Montag: Mattes, der ab Mitte der Woche in Urlaub sein wird, war natürlich besonders erfreut über diese Nachricht. Zumindest nehme ich das an, denn er war (mit Verspätung) heute Abend dabei. Ebenso David und Judith, wobei die Punkte genau in umgekehrter Reihenfolge aufgelistet werden, schließend mit meiner Wertung. Gut, ich hätte die Einleitung auch umschreiben können, aber so habt ihr wenigstens eine kleine Transferleistung zu erbringen. Nicht auftauchen in den Siegpunktlisten werden Erik und Eiko, die beide so spontan nicht auf die Verschiebung reagieren konnten. Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass wir überhaupt zu viert waren. Nun denn:

Cacao war unser Aufwärmer, noch ohne Mattes. Judith kannte dieses flotte Familien-Legespiel noch nicht, hatte aber davon gehört. Und aus irgendeinem Grund angenommen, es sei sicher ganz schön kompliziert. Heute durfte sie dann feststellen, dass es sich dabei im Gegenteil um eine ziemlich einfach zugängliche Angelegenheit handelt. Wobei man dazusagen muss, dass sie inzwischen auch schon eine gesunde Brettspielerfahrung durch ihre zahlreichen Gastbesuche hat. Da bereitete Cacao wahrlich keine Schwierigkeiten. Ich wollte eigentlich mit einem Modul aus der Chocolate-Erweiterung spielen, sah dann aber doch davon ab, weil es ja Judiths Erstpartie war. Ehrlich gesagt hätte man ohne Probleme direkt ein oder auch mehrere der neuen Elemente mit ins Spiel nehmen können, dadurch wird es ja nicht ernsthaft schwieriger. Wie immer spielten wir aber mit den beiden Promos Goldener Tempel und 5er-Markt. Eigentlich könnte ich mich online auch mal nach den anderen Zusatzplättchen umsehen. Aber man könnte so vieles; zum Beispiel auch mal die Punkte nennen. Der Grund für mein Herumdrucksen ist Judiths Sieg gleich im Debütspiel: 56:63:61 setzte sie sich gegen uns beide erfahrene Cacaopflücker durch.

Mattes stieß dazu, ein Hauptspiel wurde gesucht. (Man mag meinen monotonen Formulierungen meine Müdigkeit anmerken, oder auch nicht. Ich werde mich dazu jedenfalls weiter nicht äußern, das könnte euch so passen!) Mattes sprach von irgendeinem Spiel, in dem man Männchen aufeinander stapelt, aber ohne dass es um Geschicklichkeit ginge. Keiner am Tisch wusste, was das sein sollte. Es stellte sich heraus, dass er vom Zusammenstecken der Figuren bei Chimera Station sprach. Das haben wir aber trotzdem nicht gespielt. Auch mein Vorschlag Notre Dame wurde abgelehnt. Stone Age als guter Kompromiss blieb über. In meiner gefühlt dreißigsten Partie (tatsächlich könnten es durchaus mehr sein) wollte ich nicht schon wieder die zehn Personen vollmachen. Am Ende hatte ich sie dann doch wieder. Dafür aber auch acht Werkzeuge und acht Ackerschritte, was in Summe ziemlich viel ist. Beim Hüttenbau und Kartenkauf hatte ich mich aber zurückgehalten. Sonst bin ich stets ein großer Freund der grünen Karten, heute sammelte ich von ihnen nur vier nebenbei ein. Punkten konnte ich aber mit vier Schamanen und vier Werkzeugmachern sowie drei Bauern. Knapp wurden so die fleißigen Hüttenbauer meiner werten Mitspieler ausgestochen: 137:148:155:159. Für David die zweite Niederlage in Folge und für Judith ein wirklich guter zweiter Platz, wenn man bedenkt, dass auch dies wieder eine Erstpartie für sie war. Aber obwohl ich heute mal etwas anders spielte und obwohl ein paar Promo-Hütten dabei sind, mit denen wir noch nicht so oft gespielt haben: Stone Age habe ich langsam durchgespielt. Seit inzwischen mehr als zehn Jahren in meinem Besitz habe ich es immer wieder hervorgeholt und auf den Tisch gebracht, zuletzt mit eher sinkender Begeisterung. Es ist ein tolles Spiel, und ich hoffe dass es noch viele Jahre aktiv im Verlagsprogramm bei Hans im Glück bleibt, aber mir würde es nicht wehtun das Spiel erst 2021 wieder zu spielen. Allerhöchstens ein erneutes Heranwagen an die Erweiterung könnte mir diesen modernen Klassiker wieder schmackhaft machen, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich darauf auch keine rechte Lust. Und mit einem Sieg verabschiedet man sich doch gerne von einem guten, alten Spiel wie Stone Age. (Verkaufen würde ich es natürlich trotzdem nicht, vielleicht spiele ich es ja mal mit meinen Enkeln!)

Zum Schluss gab es Port Royal - Das Abenteuer beginnt.... Ganz kurz gesagt: Port Royal in kooperativ und mit unterliegender Kampagne. In fünf Kapiteln kommen immer mal wieder neue Karten ins Deck und wir bekommen im Laufe einer Story Aufgaben gestellt, die wir erledigen müssen. Das ist eine tolle Idee, aber wie immer bei kooperativen Spielen plant unsere Runde sich gerne tot. Da wird über Kleinigkeiten viel zu lange diskutiert und der Spielfluss droht verloren zu gehen. Auf der anderen Seite ist der Schwierigkeitsgrad dadurch für uns viel zu gering und wir kommen - selbst mit ein paar Fehlschlägen - problemlos zum Ziel. Großartig empfehlen kann ich diese zweite Erweiterung daher nicht. Insbesondere Judith hatte keine große Freude an der Partie, weil sie nicht so mit dem Grundspiel vertraut war wie wir. Sie konnte darum nicht allen Abwägungen folgen. Immerhin ist man hier nicht über mehrere Abende hinweg an eine Spieleranzahl gebunden, sondern kann prinzipiell jedes Mal mit einer anderen Besetzung spielen. Die stets wechselnde Besetzung werden wir zwar vermeiden, aber trotzdem alle fünf Kapitel im Laufe der nächsten Zeit durchspielen. Man will ja auch wissen was storytechnisch noch so passiert und vor allem was für neue Karten noch auf uns warten. Dass wir Kapitel zwei meisterten, dürfte klar geworden sein? Ich bin mal gespannt, ob wir alle fünf Szenarien so hintereinanderweg spielen können oder ob wir einmal ein Kapitel nach einem Fehlschlag wiederholen müssen.

Nach der langwierigen Partie dieses ehemals flotten Absackers machten sich alle unverzüglich auf den Weg. Als kleine Moral des Spieleabends werde ich mir eine Entrümpelung zum 200. Spieleabend vornehmen. Die Stapel sind inzwischen sowieso viel zu hoch, und viele Spiele haben ihren Dienst in den letzten Jahren getan. Vielleicht etablieren wir so etwas wie einen nostalgischen Abend alle zehn Spieleabende, aber es hat keinen Zweck die Sammlung immer nur zu erweitern und nie auszudünnen. Was genau meiner Aufräumaktion zum Opfer gefallen ist, werdet ihr an dieser Stelle erfahren. Möglicherweise bekommt auch jedes aussortierte Spiel noch eine Abschiedspartie, mal sehen. Das kommende Jubiläum scheint mir aber ein guter Anlass zum Aussortieren, bevor uns (oder nur mir?) das ein oder andere Spiele in zwei Jahren nur noch zum Halse raushängt. Echte Perlen werden aber selbstverständlich bleiben. Wer wollte sich schon von Beasty Bar trennen?! Ich. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 8. August 2019, 00:55

Mittwoch, 7.8.2019 | Spieleabend #199

Der letzten Abend vor dem Jubiläum, aber nur zu zweit. David wollte zunächst mit Judith zusammen zum Spieleabend kommen, ihr ging es aber kurzfristig leider nicht so gut, weshalb wir uns heute ein Duell lieferten. David wollte den Abend nicht allzu lang werden lassen, wie er mir direkt mitteilte, aber zu zweit kann man ja auch Größeres in annehmbarer Zeit spielen. Zumindest normalerweise.

In dieser Gelassenheit schlug ich als Aufwärmer gleich eine Neuerwerbung meinerseits vor, die nun schon ein paar Monate auf ihren Ersteinsatz wartet: Jaipur ist ein nicht ganz neues Spiel, genauer gesagt wird es diesen Herbst zehn Jahre alt. Der Urlaubs-Podcast der Spielträumer hat mich aber auf dieses Spiel aufmerksam gemacht und da es noch im Handel erhältlich ist, habe ich es neulich zu einem guten Preis mit in den Einkaufswagen gepackt. Was ist Jaipur denn nun überhaupt für ein Spiel? Zunächst mal ein kleines Spiel. Es ist in etwa halb so groß wie ein typisches Zweipersonenspiel, zumindest wenn man das alte Kosmos-Format als Referenz bemüht. Darin befinden sich ein Stapel Karten und ein ansehnlicher Haufen Chips. Das Spiel ist so leichtgewichtig, dass standardmäßig Best Of Three gespielt wird, was wir auch brav gemacht haben. Wenn man es wirklich eilig hat, kann man es auch bei einer Partie belassen, die übrigens wie folgt abläuft: Es gibt sechs verschieden Waren, die klar unterschiedlich viel wert sind. Rubine bringen richtig Punkte, während man mit Leder nur wenig Punkte holen kann. Früh im Spiel sind die Waren dabei tendentiell mehr wert als gegen Ende. Außerdem werden große Lieferungen mit Sonderchips belohnt. Für Lieferungen von drei Waren gibt es einen kleinen Bonus, für Fünfer-Handel schon einen ziemlich großen. Wie kommen wir an Karten? Ganz einfach, der Spieler am Zug darf sich eine Ware aus dem Markt in der Mitte nehmen und dann wieder auf fünf auffüllen. Dadurch bekommt er tatsächlich eine Karte mehr auf die Hand. Oder er nimmt sich alle Kamele, die in der Mitte liegen, und legt sie auf einen Stapel vor sich. Sie zählen nicht zum Handkartenlimit von sieben, sondern sind Joker für die folgende Aktion, das Tauschen: Hierbei nimmt man mehrere Waren aus der Mitte und legt Karten von seiner Hand wieder zurück. Oder eben Kamele, denn die sind ja extra dafür da. Und dann gibt es da noch den Verkauf: Man gibt eine beliebige Anzahl an Karten derselben Sorte ab und nimmt sich ebenso viele Chips vom entsprechenden Stapel. Anfangs geben die Chips noch richtig Punke, nach hinten raus kaum mehr. Wenn drei Chipstapel oder der Kartenstapel leer sind, endet die Partie sofort, aber es werden ja sowieso bis zu drei gespielt.
Hauptsächlich taktiert man mit der aktuellen Auslage, wägt Verkäufe ab, versucht sich ein wenig zu merken was das Gegenüber auf der Hand hält und ist am Ende doch auch ein gut Stück vom Nachziehstapel abhängig. Wenn ich meine Hand voll habe und auf Karten warte, die einfach nicht kommen wollen, dann muss ich wohl oder übel umdisponieren. Und das gelang David deutlich besser als mir: 81:79 brachten ihm den Vorsprung, 79:67 den Sieg. Das Spiel hat Qualität und eignet sich gut als flotte, aber dabei nicht doofe Zockerei zwischendurch. Die Urlaubsempfehlung aus dem Podcast kann ich gut nachvollziehen, denn Jaipur braucht nicht viel Platz und erst recht nicht viel Material. Wenn man die Regeln im Kopf hat, kann man das Material problemlos in eine Hosentasche packen. Leider sind die Chips keine Jetons wie bei Splendor, sondern nur relativ dünne Pappchips, aber man fasst sie ja auch nur einmal pro Partie an. Ich würde es jederzeit wieder spielen, und wenn ich auf einem Zweier-Spieleabend mal keine Lust auf 7 Wonders Duel oder Ta-Ke habe, habe ich jetzt auch noch ein drittes reines Spiel für zwei in petto - Juhu! Vielleicht bekomme ich aber auch meine Freundin dafür begeistert, an Splendor hat sie nach einiger Zeit dann doch auch gefallen. Und bevor ich die beiden Spiele noch weiter miteinander vergleiche und nicht sagen kann wieso eigentlich, kommen wir lieber zum Hauptspiel.

Terraforming Mars, das es David wirklich angetan hat. Ich schlug so ziemlich alles vor, was mir einfiel, und vor allem weiter unten im Stapel war, aber er wollte den Mars urbar machen. Nach wie vor habe ich mir keine Erweiterung zugelegt und wir spielten auch noch nicht mit der enthaltenen Kartenerweiterung Zeitalter der Konzerne. Aber wir probierten heute mal die Draft-Variante aus und nahmen natürlich auch die Anfangskonzerne mit hinzu, schließlich sind wir ja doch schon Fortgeschrittene im Planetenbesiedeln. Mein Konzert war die Minengilde, und die gibt ja bekanntermaßen einen Bonus beim Platzieren auf Feldern mit Stahl- oder Titanbonus. Dann darf man nämlich auch seine Stahlproduktion erhöhen, man baut sozusagen eine Mine dort und nimmt nicht nur die oberflächlich zu schürfenden Rohstoffe mit. Deshalb zögerte ich etwas, ob ich meinen zehn Startkarten vertrauen sollte, die mich maßgeblich in eine ökologische Richtung mit Mikroben zu drängen versuchten. Ich konnte so einen krassen Fingerzeig aber nicht ignorieren und entschied mich, einen interessanten Mittelweg aus Stahlproduktion und grünem Planeten zu spielen. David spielte die Weltregierung und konnte nach jedem normalen Terraform-Schritt einmal pro Runde noch einen für drei M€ dazukaufen. Das brachte ihn auf der Leiste natürlich deutlich nach vorne und bedeutete einen deutlichen Vorsprung vor mir. Immerhin bekam ich auch eine Karte in die Finger, auf der man für Energeiproduktion den Terraform-Wert erhöhen konnte. Nur so konnte ich einigermaßen mit ihm Schritt halten. Auf dem Plan war er auch viel aktiver und baute ungleich mehr Städte und Grünflächen. Tja, meine grünen Synergien konnte er trotzdem nicht schlagen: Allein durch die Ameisen bekam ich sieben Punkte, weil ich ihnen mit anderen Karten ziemlich leicht Mikroben zuschustern konnte. Auch drei Tierkarten hatte ich am Ende gebaut sowie einen Tierpark und zahlreiche Pflanzenkarten. Normalerweise vernachlässige ich diesen Aspekt des Spiels eher, und in der Tat musste ich am Ende viele Aktionen für diese Karten verwenden, aber das macht ja nichts. Im Gegenteil, wenn der Gegner längst gepasst hat, kann man ihn manchmal noch übertölpeln, weil er ja nicht meh reagieren kann. So holte ich mir bspw. diesmal den Meilenstein Gärtner, obwohl David ihn schon längst freigeschaltet hatte. Mit meiner dritten Grünfläche hatte er aber einfach nicht mehr gerechnet. TFM ist und bleibt ein klasse Spiel, heute in einer sehr langen Partie. Wir spielten elf Generationen, die wegen des Draftens ohnehin schon länger dauerten als sonst. 94:105 war denn auch ein hohes Ergebnis auf beiden Seiten. Wir haben uns durch schätzungsweise zwei Drittel des Stapels gegraben, trotzdem verspüre ich noch kein Verlangen nach einer der Erweiterungen. Die enthaltenen Karten der Variante werde ich aber nächstes Mal dazumischen, sofern kein Neuling mit am Tisch sitzt.
Eins treibt mich aber immer noch um: Die Nominierung zum Kennerspiel des Jahres 2017. Damals wurde mit dem einfachen Einstieg argumentiert. Und dass das Spiel ja gar nicht so kompliziert sei, sondern seine Vielfalt über die Karten beziehe. Was auch alles stimmt, aber eben aus Spielersicht. Wenn ich mir eine Familie vorstelle, die Istanbul, Broom Service und Isle of Skye in den Vorjahren gespielt hatte, dann ist das hier eine ganz andere Liga. Ich bin deshalb heilfroh, dass TFM den Preis damals nicht gewonnen hat. Wahrscheinlich war das eben auch den Juroren klar, dann muss einen aber auch schon die Nominierung wundern. Einen der nur drei Plätze ehrenhalber zu vergeben, halte ich für verfehlt. Dafür sind doch die Sonderpreise da! Dasselbe ist jüngst mit Detective passiert, auch wenn ich es nicht gespielt habe. Nach allem, was man hört, wäre ein Spieler mit einiger Spielerfahrung, der sich inzwischen etwas mehr zutraut daran aufs Heftigste gescheitert. Es liegen schon genug Spiele (auch und gerade mit dem roten Pöppel) ungespielt im Schrank, weil Leute in die Regeln nicht gut reingekommen sind. Da sollte man es nicht dermaßen übertreiben und eine Frustraton beim Otto-Normalspieler geradezu provozieren. Puh, das musste jetzt einfach nochmal raus.

Letztlich wurde aus Davids Plänen, den Abend früh zu beenden, leider nichts und er war erst gegen zwanzig nach elf hier weg. Seine Begeisterung für das Terraforming Mars ist trotzdem ungebrochen. Ich werde nächstes Mal bei einer solchen Gelegenheit aber mal wieder Great Western Trail auf die Tagesordnung setzen und Mattes fragt zunehmend trauriger nach Mombasa. Der nächste Abend wird übrigens der zweihundertste sein - Eine ziemliche Hausnummer, wie ich finde. Dafür lasse ich mir noch etwas einfallen. Auf jeden Fall wäre es doch schön, wenn alle dabei wären. Deshalb kann es sein, dass wir nächste Woche nochmal ins Studentenkino gehen o.ä. und #200 erst in zwei Wochen stattfindet. Ihr werdet es schon merken, den diesen Abend werde ich hier auf jeden Fall zum Besten geben. Hand aufs Erz,

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Ganz aktuell: Bericht #202 vom 11.9.2019 - Diesmal neu dabei: Rajas of The Ganges

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Dee » 8. August 2019, 07:20

Mein Konzert war die Minengilde
Wie war das Konzert denn? Kann die Gilde gut spielen? ;)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 22. August 2019, 02:23

Mittwoch, 21.8.2019 | Spieleabend #200

Sapperlot! Welch eine Ehre, welch eine Bürde! Längst nicht jeder Spieleschreiberling (und derer gibt es schon nicht allzu viele) kommt in den Genuss der Niederschrift eines Zweihundertsten (Spieleabends). Glücklicherweise war der Spieleabend selbst nicht allzu anspruchsvoll, sodass meine Geschichtsschreibung an dieser Stelle gar nicht sonderlich fehlgehen kann, sofern ich den Gehalt des heutigen Abends nicht ungebührlich überhöhe. Ob ich dieser Versuchung widerstehen konnte, muss nun jeder Leser im Folgenden selbst herausfinden, und wer das für einen liderlichen Verusch des Spannungsaufbaus hält, darf die Prüfung an dieser Stelle mit bestanden abbrechen. Im Übrigen musste ich soeben meine Schreiberei an ebendieser Stelle abbrechen, habe sie geistesgegenwärtig noch kurz vor dem Systemzusammenbruch abfotografiert und dann abgetippt. Dafür musste ich sie wohl oder übel noch einmal lesen, was ich sonst zugegebenermaßen vermeide. In diesem Sinne will ich euch den heutigen Abend zwar nicht vorenthalten, aber auch nicht unangenehm ausführlich aufdrängen. Eine weitere Formulierung des Inhalts allzu vieler Einleitungen.

Just One, Spiel des Jahres 2019, was braucht es mehr? Arne, des spielerisch in den letzten Jahren völlig aus der Bildung gefallen ist, wurde heute zumindest ein wenig in Kenntnis gesetzt. Just One lief im Erstversuch katastrophal. Schnell war nach ein, zwei Fehlversuchen klar, dass sich besonder Anstrengung ohnehin nicht lohnt. Natürlich widmeten wir uns einem zweiten Anlauf. Es ging ganz gut los, nach vier Runden hatten wir schon so viele Punkte wie in der gesamten ersten Partie: Vier. Jedem weitere aktiven Spieler wurde Mut zugesprochen, aber eben auch latent Druck gemacht. So ging es über fünf, sechs und sieben Punkte hin zu acht, neun, gar zehn(!) Punkten bis hin zu nicht weniger als elf, ja zwölf Punkten und im letzten sogar derer dreizehn! Die perfekte Runde auf unserem Jubiläumsabend, die Stimmung wuchs von Runde zu Runde und mit nur wenig unlauterer Hilfe wurde diese absolute Spitzenpunktzahl erreicht. Mit einer äußerst pedantischen Auslegung müsste man die (13) Punkte wohl einklammern, aber gemessen an der vermuteten normalen Spielweise anderer Runden haben wir unseren Rekord vollkommen lauter aufgestellt. Bevor Zweifel aufkommen, geht es lieber weiter:

Rock die Röhre ist die Erwähnung kaum wert. Wow, was für ein Einstieg in einen Spielabsatz! Gut, dann anders: Dieses ganz besondere Spiel wurde mir einst vom Spieleabend zum Geburtstag geschenkt, aber seitdem noch nie gespielt. Denn meine Bedingung an eine Erstpartie war die Anwesenheit des abtrünnigen Arne. Heute hatte er sich ja erwähnterweise nach langer Zeit wieder einmal unter uns begeben (usw..., usf...) und wir packten als pseudopseudiges Hautspiel dieses möchtegern-fortgeschrittene Kinderspiel auf den Tisch. Vier Parteien wollen ihre Leitung auf die andere Seite des Spielbretts bauen, das aktuell zu verlegende Bauteil bestimmt ein Würfel. Es ergeben sich lustige dreidimensionale Gebilde, die mehr oder weniger erkennbar über die Spielfläche reichen. Wegen der Spielerzahlbegrenzung auf vier mussten vier Teams bilden. Tja, bei acht Mann bleibt da einer über, und dieser einsame Jemand war leider ich. Fast hätte ich trotzdem gewonnen, aber wegen der fiesen Blocker durch andere Teams konnte ich die letzteh Runden quasi gar nichts mehr anstellen. Es gewannen stattdessen Arne und Eiko im Team Lilla. Eine klare Kaufempfehlung kann ich hier nicht geben, da das Spiel aber ein Geschenk war, gehe ich an dieser Stelle lieber zum Nächsten über:

Codenames Pictures - Man stelle sich vor, Arne war selbst mit diesem inzwischen völlig zeitlosen Spielprinzip nicht vertraut! Natürlich begriff er schnell und hatte auch seine wahre Freude am Raten, denn zum Tippgeber wurde er leider innerhalb der gespielten drei Runden nicht gewählt. Pictures scheint mir etwas zugänglicher: Man muss nur 20 Elemente mit bedenken, hat insgesamt weniger Tips zu geben und auch weniger Störfaktoren von außerhalb. Dafür verhalten sich die Bilder natürlich gänzlich anders als Wörter, wobei ich die klassiche Abwägung zwischen beiden Varianten eher ablehne. Ich mag hier die Abwechslung und würde unbsehen beide kaufen, wenn es einigermaßen häufig auf den Tisch kommt. Für das Team rot bestehend aus Arne, Erik, Mattes und meiner Meinigkeit konnten drei Siege notiert werden, die anderen hatten dafür ganz viel Spaß und haben bestimmt auch viel gelernt!

Zum Abschluss gab es noch Mascarade, das einige Startschwierigkeiten hatte, dann aber doch seinen Reiz entfalten konnte. Klar, wenn man ausnahmsweise auf dem Spieleabend Sekt, Wein und Bier ganz freimütig serviert, leidet auch das Erinnerungsvermögen. Mit Königin und König kann es aber ja doch nie so lange dauern, da stets fisches Geld ins Spiel kommt. Arne machte am Ende den Sieg per Betrüger klar, Mattes hatte neune Penunzen auf dem Konto, Arne wie gesagt siegbringende zehn, Judith und David elf, Erik nur neun und ich ebenfalls elf. Das Spiel gewinnt, wenn man die Rollen kennt. Ergo: Mal wieder öfter auf den Tisch bringen, wenn wir zu fünft (oder so) sind. Denn eigentlich habe wir hier ein gewitztes Spiel mit verdeckten Rollen.

Zum Schluss gab es noch eine Runde Wer bin ich? nach alter Manier, die aber keinen eigenen Absatz bekommt, weil es halt dann doch kein richtiges Spiel ist. Judith wollte zwar schon so langsam nach Hause, diesen alten Klassiker wollte sich David aber dann doch nicht entgehen lassen. Und mein Ernst Schmachtenberg wurde von mir dann auch nur als Vorletzter erraten, Erik kam einfach nicht auf Das Sams. Naja, ein richtiges Spiel ist das natürlich nicht, aber nach wie vor eine lustige Beschäftigung zum Abschlussbier. So ging unser Jubiläumsabend in übermaximaler Besetzung zu Ende, wobei man mit der Spieleauswahl für sieben auch gut und gerne drei Abende bestreiten könnte. Auf die nächsten zweihundert kann ich jetzt nicht guten Gewissens mit euch anstoßen, denn ich habe nichts mehr im Glas. So bleibt mir nur der Denk fürs stets treue Mitlesen und das leidige Versprechen, wie immer treu mitzuschreiben. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 29. August 2019, 01:43

Mittwoch, 28.8.2019 | Spieleabend #201

Machen wir es kurz, heute gab es nichts Neues im Staate Dänemark. In solider Dreierbesetzung erhoffte ich mir die Möglichkeit auf ein anständiges Hauptspiel, versäumte aber im Voraus des Abends trotzdem eine solide Planung. Bekanntlich hilft eine Idee vom Ablauf des Abends dabei, eine gute Dynamik zu erhalten. Heute entwickelte sich diese Idee sozusagen während des Abends selbst. Tja, Ausnahmen bestätigen die Regel. Auch wenn ich diesen Spruch nie verstanden habe... Macht zwar jede Möglichkeit zur Überleitung kauptt, aber anwesend waren Eiko, Erik und ich.

Los ging es mit einem möglichst kurzen Aufwärmer, denn wir wussten bereits dass unser Hauptspiel einen ansehnlichen Umfang haben würde. Coloretto ist nun wirklich schnell gespielt und bringt zugleich einen Mechanismus auf den Punkt, den ich in den Anfängen meiner Brettspielzeit kennengelernt habe, und zwar bei Zooloretto: Die Spielelemente werden von den Spielern reihum in bestimmte Teile der Auslage gelegt. Ist ein Spieler mit einem dieser Teile zufrieden, so kann er sich damit begnügen und für den Rest der Runde zurücklehnen. Die anderen spielen weiter und machen die Reihen entweder noch deutlich voller, oder sie scheiden alsbald selbst aus. Dadurch, was die anderen schon so gesammelt haben, ergeben sich natürlich bestimmte Interessensverhältnisse, und die lassen sich durch diesen Mechanismus votrefflich ausnutzen: Mal legt man dem Nächsten etwas dazu, was er so gar nicht gebrauchen kann, oder man begnügt sich selbst mit einer Reihe aus nur einer Karte, womit die anderen vielleicht eher nicht gerechnet hätten. Viel Nervenkitzel mit wenigen Mitteln: Dieser Klassiker in zweiter Reihe hätte durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Dicke Empfehlung, dieses kleine Kartenspiel beim nächsten Einkauf mit in den Einkaufswagen zu legen. Stichwort Mindestbestellmenge und so.

Great Western Trail heißt der Elefant im Raum. Ich hätte mir dieses Hauptspiel schon heute morgen oder sogar schon am Anfang der Woche überlegen sollen, dann hätte ich mich die ganze Zeit darauf freuen können! So aber nannte ich es anstandshalber, weil es im Stapel schon echt weit unten war. Was, dieses Argument habe ich selbst schon viel zu oft für hinfällig erklärt? Es stimmt aber trotzdem, pah! Und wider Erwarten ließen sich Eiko und Erik überzeugen. Kurz zusammegefasst: Wir hätten ob der riesigen Anzahl von Handwerkern in der Auslage wahrscheinlich alle drei auf Gebäude gehen können und sollen, aber keiner hatte so recht Lust. Oder hat die Zeichen des Spiels verstanden. Wie auch immer, Eiko versuchte sich am Vorantreiben der Eisenbahn, ich und Erik nahmen den Rindermarkt ins Visier. Was ganz schön unklug war, denn in der ersten Hälfte des Spiels ließen sich ganze zwei Cowboys auf dem Personalmarkt blicken. Naja, hier könnten wir wohl noch ein wenig mehr Flexibilität in puncto dynamische Strategieanpassung an den Tag legen. Echt schade, dass ich nicht auf die Gebäudestrategie umgeschwenkt bin, denn die richtig hohen Gebäude habe ich nach all den Partien noch immer nicht benutzen dürfen. Ich habe ein wenig das Gefühl, das Spiel deswegen noch nicht so wirklich erkundet zu haben. Was?! Man kann die Gebäudeplättchen auch noch umdrehen? - Ich flippe aus! 89:76:98, nicht allzu weit auseinander, aber dennoch ein eindeutiger Sieg für mich. Das kann ich auch ruhig mal so schreiben, schließlich weiß ich, dass weder Eiko noch Erik mitlesen. Erik äußerte im Nachgang den Wunsch, GWT demnächst nochmal zu spielen, jetzt wo es bei ihm noch frisch abrufbar sei. Mal schauen, wie die Besetzungen in der nächsten Zeit aussehen, eigentlich spricht nichts dagegen. Außer vielleicht die beiden noch völlig unterspielten Neuheiten des letzten Jahres, Forum Trajanum und Teotihuacan. Aber komm, was haben die schon zu melden, wenn man einen pfisterschen Hochkaräter auf den Tisch bekommen kann! (Disclaimer: Diese Bemerkung ist in beide Richtungen ungerechtfertigt. Zum Einen ist Teotihuacan ebenso ein Hochkaräter und spielerisch aus meiner Sicht ebenfalls aufs Feinste abgestimmt. Man kann nur hoffen, dass der DSP nicht an ein anderes gehyptes Spiel vergeben wird und Teotihuacan somit untergeht. Wir verstehen uns. Und zum anderen verdient Stefan Felds Lebenswerk inzwischen wirklich einen Spiel des Jahres Sonderpreis für sein Lebenswerk, wenn die Eumel ihn nicht langsam mal mit dem anthraziten Pöppel krönen. Das sähe nicht nur chic auf in puncto Schädelform, sondern wäre auch noch äußerst gerechtfertigt. Disclaimer Ende.)

Eiko war weg, kein Wunder bei einem Hauptspiel bis um elf. Erik und ich konnten aber nicht genug bekommen, wir gönnten uns noch ein Alt und Gier kam auf den Tisch. Das Bier widmeten wir Eriks letzter Klausur, die er heute geschrieben hatte. Und bestimmt auch bestanden, zumindest haben wir schonmal drauf getrunken. Schad't ja nix. Zu Gier könnte ich jetzt lang und breit schreiben, was ich immer schreibe, mache ich aber nicht. Gier ist nett, ziemlich nett sogar. Gier ist auch gut zu zweit spielbar. Und Gier beweist, dass Herr Pfister auch gern mal was Kleineres entwirft, dafür ist er sich offenbar nicht zu schade. Gier verdient wie unser Aufwärmer mehr Aufmerksamkeit. Spielt es mal an, meiner Meinung nach bringt es das kribblige Push-your-luck ziemlich auf den Punkt. 14:5 für Erik nach Hin- und Rückrunde. Fazit: Das sollten wir auch mal zu viert oder fünft als Absacker ausprobieren.

Nächste Woche sind wir im Escaperaum, demnah hört ihr erst wieder in zwei Wochen von mir. Macht's gut, ihr lieben Lamas, und haltet dem Forum die Treue! Ich tu's ja auch. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 12. September 2019, 00:58

Mittwoch, 11.9.2019 | Spieleabend #202

Und mal wieder ein Spieleabend bei Mattes. Jetzt, wo er eine ansehnliche Wohnung bezogen hat - und das inzwischen seit einem halben Jahr - findet der Spieleabend in loser Folge auch mal bei ihm statt. Natürlich ist es nicht besonders sinnvoll, die Spiele dafür mit dem Rad durch Aachen zu kutschieren. Stattdessen ist Mattes im Begriff sich selbst eine kleine Sammlung anzulegen. Bisher hält sich diese aber in Grenzen, sodass ich den Aufwärmer doch noch mitgebracht habe. Erik konnte entgegen seiner letztwöchigen Ankündigung heute Abend dann doch. Ach ja, letzte Woche waren wir in einem sehr thematischen Escape-Raum des Anbieters Thout hier in Aachen. Wir haben es so gut wie geschafft und waren von der Ausstattung des Raums mehr angetan als von den Rätseln selbst. Es handelte sich nämlich um einen Tavernenraum, der komplett holzvertäfelt war und so auch als Kulisse für ein Saufgelage unter Wikinger-Rollenspielern hätte dienen können. Die Rätsel hätten durch etwas redaktionelle Bearbeitung noch gewinnen können, aber allein das Flair des Escaperaums ist die Empfehlung schon wert. Aber zurück zum heutigen Abend im kleineren Kreis von drei Personen (Mattes, Erik, ich) im Gegensatz zur Sechserbesetzung letzte Woche.

Aufgewärmt haben wir uns mit Quick. Ich gebe es ja zu, meine Wahl war mangels Alternativen quasi verbindlich und ich wusste auch, dass Erik nicht der größte Fan von Quick ist. So hatte ich heute eine gute Gelegenheit dieses Spiel ohne große Diskussion auf die Tagesordnung zu setzen. Mattes' Freude war erwartungsgemäß groß und natürlich wählte er stets die Flammen als erstes Sortierkriterium, wenn er an der Reihe war. Wie immer erwies ich mich aber auch als recht geschickt im Einhandsortieren. Zwar bietet Quick einen klassischen Aufholmechanismus, der den Flinkeren nicht davonziehen lässt: Führende Spieler erhalten mehr Karten zum Sortieren und benötigen so automatisch länger. Wenn die anderen dann aber doch langsam wieder aufholen, brauchen sie auch wieder länger und der Geübtere holt sich letztlich doch den Sieg. Ein solcher Aufholmechanismus ist also mehr ein Aufschieben als ein Aufheben des Vorteils einzelner Spieler. Andererseits: Wozu soll ich ein Spiel mit Reaktion-Geschicklichkeits-Komponente spielen, wenn diese durch entsprechende Boni für Zurückliegende wieder komplett ausgeglichen wird? Ein schwieriges Thema. Am Ende gewann ich mit 9:8:11. Kleine Randnotiz: So langsam sehen die Karten wirklich abgenutzt aus. Es löst sich schon Farbe von den Vorderseiten. Und das, obwohl Quick nun wirklich nicht zu unseren Dauerbrennern zählt.

Noch kein bisschen abgenutzt, aber ebenfalls noch kein Dauerbrenner war das Hauptspiel des Abends: Rajas of The Ganges, seit Neuestem im Besitz von Mattes. Ich hatte es kurz nach Erscheinen schon einmal in meiner anderen Runde gespielt, konnte mich aber nicht mehr im Detail an die Regeln erinnern. So übernahm Mattes diesmal die Regellektüre und die Erklärung, mit kleinen Zusatzbemerkungen von mir. Hatte er zwar nicht bestellt, wurden aber trotzdem geliefert - Und das ganz umsonst! Worum geht es also? Arbeitereinsatz mit Würfelmanagement. Die Würfel sind eine Ressource und werden beim Erhalt gewürfelt. Häufig muss man Würfel für Aktionen bezahlen. Manche Aktionen sind auch kostenlos und bringen Würfel, diese will man aber eigentlich vermeiden, denn sie liefern sonst keinen Effekt. An allen Ecken und Enden erhält man Würfel, aber nie als regelmäßigen Ertrag. Wirklich abzielen kann man nur auf Geld und Ruhm, und um diese beiden geht es auch bei den Rajas. Beide werden auf zwei gegenläufigen Kramerleisten abgetragen, und wessen Marker sich zuerst treffen, der hat gute Chancen auf den Sieg. Diese beiden Leisten wären nur Augenwischerei und könnten funktional einfach durch eine gemeinsame ersetzt werden, wenn da nicht die folgenden Punkte wären: Zunächst sind die Leisten unterschiedlich skaliert: Jeder Ruhmesschritt ist zwei Geldschritte wert. Es gibt auf den beiden Leisten Boni abzugreifen, sodass es sich tatsächlich lohnt, beide Leisten gleichermaßen voranzutreiben. Außerdem: Geld wird, wie es in der Natur des Geldes liegt, immer wieder ausgegeben. Ich kann stattdessen nicht einfach Ruhm aufwenden, wieviel ich auch haben mag. Wenn ich kein Geld mehr habe, steht mir ein Großteil der Aktionen nicht mehr zur Verfügung. Das bekam ich sehr deutlich zu spüren, denn ich spielte zumindest in der ersten Hälfte des Spiels fast ohne Geld. Fragt besser nicht nach, denn das ist überhaupt keine sinnvolle Option und durch ein wenig planerisches Geschick kann man diese Situation auch einfach vermeiden - Mir gelang es heute leider nicht. Stattdessen konzentrierte ich mich auf die Ruhmespunkte, ohne dabei meine Barschaft im Blick zu behalten. Erik hatte ähnlich wie ich ständige Würfelprobleme und auch auf seinem Tableau kein gutes Wegenetz. Tableau? Wo kommt das denn auf einmal her? Ach ja: Man nutzt seine Aktionen nicht nur für Geld, Ruhm und neue Würfel, man kann für Geld und Würfel auch Plättchen auf sein Tableau legen. Diese geben dann Geldeinkommen oder Ruhm, außerdem Geld, Ruhm oder Würfel, wenn man die Plättchen richtig an den Rand des Tableaus anschließt. Legespiel im ganz Kleinen.
Auf alles einzugehen würde jetzt hier den Rahmen sprengen, wobwohl Rajas nicht übermäßig komplex ist. Im Gegenteil, drei geübte Spieler könnten bestimmt in einer guten Stunde fertig werden. Wir benötigten in unsere heutigen Erstpartie natürlich deutlich länger, denn ehrlich gesagt spielte nur Mattes gut. Er generierte planvoll Geld, baute sein Tableau gekonnt aus, hatte stets einen guten Vorrat an Würfeln. Und außerdem hatte er einfach verdammtes Würfelglück! Beim Kauf den neuen Plättchen sind hohe Würfelwerte unverzichtbar, und vor denen konnte sich Mattes kaum retten. Kein Wunder, dass er mit Plättchen geradzu um sich werfen konnte. Wahrscheinlich häte er auch mit weit weniger Würfelglück noch gewonnen, denn nach dem Kreuzen seiner beiden Marker auf den Leisten lag Erik noch 22 Felder auseinander und ich noch 18 - Knapp ist anders. Da Rajas bislang Mattes' einziges Hauptspiel ist, werden wir es bestimmt auch beim nächsten Gastspiel bei ihm wieder auspacken. Obwohl ich es mir selbst nicht angeschafft habe, bin ich froh, dass es jetzt in unserer Runde vorliegt und freue mich auf weitere Partien, in denen ich dan auch mal einigermaßen sinnvoll spielen kann.

Ebenfalls in Mattes' Besitz befindet sich Love Letter. Die allererste Runde heute blieb besonders im Gedächtnis, nur fällt sie mir leider gerade nicht mehr ein. Mhh, schlechtes Beispiel. Ich erkläre es einfach mit der Vielzahl situativer Köstlichkeiten in diesem Microgame. Außerdem gab es heute ein besonder spannendes Rennen um den Sieg, bei dem ich Mattes trotz mehrer Matchhearts noch in der Gunst der Prinzessin überholen konnte. Mattes, der heute ürbigens nicht die Zofe, sondern ganz eindeutig der Prinz war: Bestimmt vier Mal wurde er per Wächterin als solcher enttarnt, natürlich auch wieder in den unmöglichsten Momenten. Meine Gewissheit wird immer größer: Was alles in diesem Spiel steckt, kann der Autor unmöglich beim Erfinden geahnt haben, und auch beim Testen kann es sich nur abgezeichnet haben. Auch nach all den Jahren entdecken wir immer wieder neue Kniffe. Love Letter gehört ganz fest zur DNA unseres Spieleabends. 3:2:4 :hearts: lautete das knappe Ergebnis übrigens.

Zum Schluss, nach dem eigentlichen Absacker, wagten wir uns noch an eine Partie The Game zum Bier. Zur Erklärung nur so viel: Wir spielen gemeinsam eine Patience. Wir dürfen uns absprechen, dabei aber nicht konkret über unsere Karten reden, sondern nur Andeutungen machen. Das ist naturgemäß etwas schwammig, man bekommt aber ein Gefühl dafür, welche Ansagen erlaubt sind und welche nicht. Es wird viel diskutiert und feinjustiert, vielleicht sogar ein wenig zu viel. Die angegebene Spielzeit haben wir jedenfalls deutlich überschritten. Wahrscheinlich haben wir es mit den Absprachen zu jedem möglichen Zeitpunkt des Spiels einfach übertrieben. Am Ende hatten wir wegen einer fast zufälligen Entscheidung noch eine Karte über, haben aber auf alle Fälle ziemlich gut gespielt - Aber auch ziemlich lang. Ich mag The Game trotzdem, insbesondere zu zweit mit meiner Freundin. Zu dritt beim Bier ist es vielleicht nicht dir richtige Wahl, oder wenn dann etwas lockerer. Ob wir es bei Mattes nochmal spielen? Mal schauen. Er soll es sich ja auch nicht vergeblich gekauft haben.

Der Abend dauerte, insbesondere mit dem nachgeschobenen vierten Spiel, lange genug, war aber auch eine schöne Abwechslung zum sonstigen Ablauf: Sowohl örtlich als auch vom Programm. Nächste Woche geht es wie gewohnt weiter in der WG, Besetzung abermals zu dritt, wobei Erik aussetzt und Eiko einspringt. Ein Partyspieleabend wird auch das nicht, aber die genaue Auswahl ist noch nicht getroffen. Forum Trajanum vielleicht, oder das (fast) vergessen Chimera Station. Oder was ganz anderes. Hand aufs Erz,

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