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Montagabend in der Bude

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Der Siedler
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 14. Januar 2016, 11:38

Danke für die Anregung! Erstmal nehmen wir uns jetzt aber Andor vor, nach nur einer Legende maße ich mir noch keine fundierte Meinung an. Allerdings geht die Tendenz, wie im Bericht geschrieben, schon in Deine Richtung. Was nicht heißen soll, dass es keinen Spaß gemacht hätte, nein, nur muss man wahrscheinlich mehr spielen und weniger reden. Was aber auch leichter gesagt als getan ist.
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Dee
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Dee » 16. Januar 2016, 12:23

Wer T.I.M.E. Stories mag, wird in diesem Spiel einen nicht völlig unähnlichen Mechanismus vorfinden: Das Bewältigen von Fällen, ohne vorher die Umstände zu kennen, unter denen man operiert. Zumindest stelle ich mir T.I.M.E. Stories so vor, denn gespielt habe ich es leider noch nicht.

Nein, nicht wirklich. ;) Ich kenne beides und gebe zu, dass ich von Andor eher enttäuscht war, weil ich mich gespielt gefühlt habe. Ich hatte aber auch etwas anderes erwartet, zugegeben. TIME Stories war dagegen genau das Super-Abenteuer, dass man mir zuvor versprochen hatte. Und wo tatsächlich Du bzw. die Gruppe die Entscheidungen trifft, nicht der Zufall.

Winter der Toten, Pandemic Legacy und T.I.M.E. Stories stehen ganz oben auf der Liste

Sehr gute Wahl. Bei Winter der Toten aber mit dem Würfel aufpassen und ggf. die "Gebissen"-Regel etwas abschwächen.

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Ricki
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Ricki » 16. Januar 2016, 12:33

Freut mich sehr, dass ihr doch noch einen schönen Andorabend zu 5. hattet. Die Teamlösung klingt doch super. :)

Bei uns (wir spielen meist zu zweit) hat sich auch recht schnell ein Lieblingsheld herauskristallisiert: ich bin meist der Zauberer, mein Freund der Krieger. Durch die neuen Helden hat sich das inzwischen aber oft gemischt. Und wenn wir Legenden tatsächlich nochmal durchspielen, also nachdem wir sie bestanden haben, nehmen wir meist andere Helden. Das mischt alles noch mal etwas auf :)

Bin ja mal gespannt, wie es bei euch weiter geht :)

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Der Siedler
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 17. Januar 2016, 22:35

Dee hat geschrieben:
Wer T.I.M.E. Stories mag, wird in diesem Spiel einen nicht völlig unähnlichen Mechanismus vorfinden: Das Bewältigen von Fällen, ohne vorher die Umstände zu kennen, unter denen man operiert. Zumindest stelle ich mir T.I.M.E. Stories so vor, denn gespielt habe ich es leider noch nicht.

Nein, nicht wirklich. ;) Ich kenne beides und gebe zu, dass ich von Andor eher enttäuscht war, weil ich mich gespielt gefühlt habe.


Tja, dann war das wohl meinerseits nur trockene Theorie. Bin aber umso mehr gespannt auf T.I.M.E Stories, was wir dann spielen werden, wenn Arne uns Richtung Spanien verlässt.

@Rickie: Ich auch. Werde berichten! (Es kann aber sein, dass Andor etwas pausieren muss. Diese Woche werden wir wohl nicht alle da sein, nächste Woche dann gehen wir ins Kino und die Woche drauf ist schon Karneval.)
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Hounk
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Hounk » 18. Januar 2016, 23:38

In unserer Gruppe haben wir auch kürzlich mit "Andor" begonnen. Leider haben wir auch eine Spielerin, für die das viele Gerede nicht so spannend scheint, weil sie sich nur wenig daran beteiligt. Hoffe, bei ihr springt der Funke auch noch über, weil uns anderen dreien scheint es doch allen zu gefallen. Ich habe als "Nachfolger" bereits "Robinson Crusoe" avisiert. Den habe ich solo schon probiert und hat mir auch sehr gefallen. ABer das könnte mit ihr dann ähnlich laufen.

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Dee
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Dee » 19. Januar 2016, 06:56

Leider haben wir auch eine Spielerin, für die das viele Gerede nicht so spannend scheint, weil sie sich nur wenig daran beteiligt.
Frag doch nach, wieso sie sich nur wenig dran beteiligt. Vielleicht seid ihr anderen zu dominant und sie kommt nicht zum Zuge. Oder sie findet das Thema nicht interessant. Unter Umständen findest Du es heraus und ihr könnt gemeinsam Spaß haben. :)

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Hounk
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Hounk » 19. Januar 2016, 20:16

Ja, ich glaube eher, dass wir alle zusammen etwas zu dominant für sie sind. Wobei ihr Freund am ehesten "Alpha Spieler" ist, aber wir anderen bringen uns auch ein. Trotzdem hoffe ich, dass sie mit der Zeit mehr partizipiert.

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Florian-SpieLama » 20. Januar 2016, 00:11

Meiner Erfahrung nach hilft es, die stillen Leute konkret nach ihrer Meinung zu fragen und, sofern es ihr Zug ist, auch die letzte Entscheidungsgewalt explizit zu überlassen. Später sollte man die Entscheidung dann auch "loben". Viele haben glaube ich Angst vor falschen Entscheidungen und es allen damit zu vermiesen. Wenn man ihnen zeigt ihre Entscheidungen sind wichtig oder sie haben auf etwas hingewiesen, was sonst keiner bemerkt hat, stärkt das das "Selbstvertrauen" und sie bringen sich auch mehr von alleine ein.

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Der Siedler
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 20. Januar 2016, 00:32

Ich bin ja echt froh, dass das Interesse an Andor so groß ist und hier unter dem Bericht eine entsprechende Diskussion entstanden ist. Ich muss euch aber enttäuschen, denn es sieht nicht so aus, als würden wir morgen direkt mit Legende zwo fortfahren. Mal schauen, ob ich stattdessen Überzeugungsarbeit zu einem etwas komplexeren Spiel leisten kann.
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Der Siedler
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 21. Januar 2016, 01:50

Mittwoch, 20.1.2016 | Spieleabend #65

Gute Nacht, liebe Lamas! Auch, wenn man das im Deutschen eigentlich nur als Verabschiedung nutzen würde, und das auch nur als überambitionierter Tierpfleger, will ich euch heute dennoch so begrüßen. Denn mir fällt nicht ein, wie ich einen Spieleabendbericht, der erst um sage und schreibe weit nach ein Uhr nachts begonnen wird, sonst einleiten sollte. Und da ich Gute Nacht auch nie als Abschiedsgruß nutzen werde - ihr wisst, wieso - fange ich heute einfach einmal so an. Aber nicht nur die Begrüßung tanzt heute aus der Reihe: Auch die Besetzung war ungewohnt, wenn man die letzten Spieleabende als Referenz hinzuzieht: Mattes, Erik, ich. Und die Spieleauswahl spottet jeder Beschreibung. Aber seht selbst...

Da wir wussten, dass das Hauptspiel etwas komplexer werden würde, fingen wir betont leicht an: Beasty Bar war das Spiel der Wahl und ist nach wie vor nett. Ich mache mir dabei keinen großen Kopf, sondern spiele das Tier, das mir gerade den größten Nutzen bringt oder möglichst viele gegnerische Tiere in die Gosse verbannt. Das Chaos wirkt hier zwar immer etwas konstruiert, weil die einzelnen Tieraktionen schon sehr unausgewogen sind, aber darin liegt eben auch der Spaß. Am Ende stand es 4(23):2:4(33), womit Mattes siegte, da seine vier erfolgreichen Tiere einen niedrigeren Gesamtwert hatten als meine vier Barbesucher. Für zwanzig Minuten ist das Spiel echt in Ordnung, ich schließe eine Anschaffung des zweiten Teils nicht aus.
Wie bereits erwähnt sollte das Hauptspiel etwas Richtiges werden. In meiner Rundmail hatte ich Concordia vorgeschlagen, der Grund für Arnes Abwesenheit. Da wir nun aber nur zu dritt waren, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und schlug ein Spiel vor, das schon mehr als meinen Monat auf meiner persönlichen Warteliste stand:

Mombasa - Und wir ihr am Fettdruck seht, wurde der Vorschlag angenommen. Normalerweise skizziere ich an dieser Stelle den Spielablauf. Das kann und will ich bei Mombasa nicht. Wir haben es hier mit einem Schwergewicht oberster Komplexitätsklasse zu tun und ein Abriss der zwölfseitigen Regel würde länger dauern, als mir zu dieser nachtschlafenen Zeit lieb ist. Wer sich dafür interessiert, wie genau wir die vier Handelskompanien über einen interessanten Handkarten-Management-Mechanismus ausbreiten und uns Anteile an ihnen sichern, der möge eine der zahlreichen Rezensionen auf Youtube zu Rate ziehen.
Ein paar Kommentare zu unserer Partie will ich aber abgeben: Jeder ergatterte sich schnell auf einer Leiste die Vorreiter-Position, ich selbst in Saint-Louis. An Capetown hielten wir über das ganze Spiel stets ähnliche Anteile, weshalb hier die Investitions-Motivation gegen Ende des Spiels eher gering war: Wieso soll ich eine Kompanie stärken, wenn meine Gegner dadurch genauso stark profitieren wie ich? Ich war mir der Bedeutung der zusätzlichen Anteile durchaus bewusst, deshalb kaufte ich viele Karten ein, die mir Extraanteile in den starken Kompanien brachten. Die Bonusaktionen lernten wir erst im Laufe des Spiels zu nutzen, aber sie gefallen mir außerordentlich gut. Und das [i]Spiel im Spiel[/b] Buchhaltungsleiste haut auf das ohnehin schon vielschichtige Spielgeschehen nochmal eine Dimension drauf, die mir aber viel Freude und auch viele Punkte eingebracht hat. Wenn man hier geschickt ähnliche Bedingungen anhäuft, kann man wirklich einen regelrechten Run hinlegen. Schade nur, dass man nicht den Bonus aller passierten Bücher erhält. Mattes und Erik jedenfalls ließen hier viele Punkte, indem sie ein Banner knapp nicht überschritten, ähnlich bei der Diamantenleiste. Und jetzt habe ich noch kein Wort über meine Fokussierung auf Baumwolle verloren, auch nicht über unsere eher spärlichen Ausbreitungsaktivitäten, die in folgenden Spielen sicher um einiges an Agressivität zunehmen werden, und über unseren Umgang mit den verschiedenen Slots habe ich noch weniger geschrieben, schließlich erschien uns die Zuteilung hier fast wahllos, mit Sicherheit aber nicht zentral, wie es in manchen Meinungen zum Spiel angeklungen ist.
Am Ende konnte ich durch eine Dominanz in zwei Kompanien und duch ein glückliches Händchen auf den beiden Leisten einen ziemlich deutlichen Sieg davontragen. Wobei Mombasa auch definitiv zu der Kategorie von Spielen zählt, bei denen die vollständige und umfassende Kenntnis der Regel vor Beginn des Spiels einen riesigen Vorteil darstellt. Wir haben diese erste Partie als Lernspiel verbucht und freuen uns schon auf unsere folgenden. Lernspiel soll aber hier nicht heißen, dass wir ein völlig vermurkstes Spielerlebnis gehabt hätten, dass voll von Fehlern und Ungereimtheiten war. Im Gegenteil, bisher sind mir noch keine Regelfehler aufgefallen und es hat auch einen riesigen Spaß bereitet. Aber auch zu einem hohen Preis: Eine knappe Stunde habe ich die Regeln erklärt und dann haben wir noch einmal 2 3/4 Stunden gespielt, bis wir dann kurz vor Mitternacht endlich (?) fertig waren. Sicherlich eine lange Zeit, aber keine verschwendete Zeit. 82:94:139 sollten mich aber nicht in Sicherheit wägen, denn nächstes Mal ist mein Vorteil durch Wissensvorspung deutlich geringer und gerade ein David lässt sich von einem solchen Spiel schnell anfixen, wenn er denn bei der nächsten Partie mit dabei ist.

Ihr seht, heute habe wir mal einen Kontrapunkt zu unserer neuen Richtung gesetzt, die ja eher thematisch und gruppendynamisch sein soll. Aber entgegen meiner Annahme war die Reaktion auf einen solch heftigen Brocken trotzdem positiv. Arne hätte das Spiel wohl nicht gefallen, aber das sei ja auch jedem gegönnt. Hier im Forum sind ja auch viele unterwegs, die solchen überkomplexen Spielen nicht so viel abgewinnen können. Aber wenn sich nochmal die Bereitschaft für eine Runde findet, so werde ich hier davon berichten. Und damit meine ich keine Partie Beasty Bar. Übrigens ist mir gerade doch noch ein Spielfehler bei Mombasa aufgefallen :-/ War aber nicht extra! Hand aufs Erz,

Der Siedler
Zuletzt geändert von Der Siedler am 27. April 2016, 18:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 5. Februar 2016, 00:42

(Fett)Donnerstag, 4.2.2016 | Spieleabend #66

Helau und Alaaf an alle jecken Lamas da draußen! Dem karnevalistischen Treiben zum Trotz haben wir uns heute Abend zum Spieleabend versammelt und, soviel sei bereits verraten, pralle vier Spiele auf den Tisch gebracht. Arne war nicht mit von der Partie, und wir restlichen vier saßen in der Reihenfolge Mattes, Erik, David und ich am Tisch, wobei Erik erst um acht dazustoßen wollte. Also suchten wir nach einem Aufwärmspiel, dass uns bis dahin bei Laune halten sollte.

Die Wahl fiel auf Cacao, und zwar mit den beiden neuen Urwaldplättchen aus dem Brettspiel-Adventskalender. Das ist einmal der goldene Tempel, der 8 für den Mehrheitsführer und nur einen Punkt für den Zweiten gibt und damit für einen deutlich stärkeres Rennen um die Mehrheit an diesem Tempel sorgt. Das zweite neue Plättchen ist der große Markt, an dem sich Kakao zum Bestpreis von fünf Gold an den (Busch-)Mann bringen lässt. Wer hier Präsenz zeigt und im richtigen Moment viele Bohnen auf Lager hat, kann hier viel Geld scheffeln. Ich habe dann auch gleich zwei Plättchen an diesem neuen Markt platziert und beide überbaut, sodass ich insgesamt neun Bohnen zum Preis von fünf verkaufen konnte: Die halbe Miete für den Sieg. Da der goldene Tempel bei uns erst spät ins Spiel kam, war sein Einfluss nicht allzu groß. Auch an den anderen Tempeln ging es eher gemäßigt zu; heute lag der Fokus eindeutig auf dem möglichst gewinnbringenden Verkauf vom namensgebenden Kakao. Und der ist mir am Besten gelungen: 59:64:78. Wir haben für das Spiel übrigens nur eine gute halbe Stunde gebraucht, was mir als Spieldauer sehr gut gefällt. Hier freue ich mich schon auf die angekündigte große Erweiterung. Und wenn jemand die anderen Promo-Plättchen loswerden will, bin ich auch dafür ein dankbarer Abnehmer.

Da Erik um halb acht dann natürlich noch nicht da war, suchten wir nach einem weiteren Spiel, das man gut dazwischenschieben kann. Mattes schlug beherzt Quick vor. Ihr wisst schon, mit einer Hand Karten nach verschiedenen Kriterien sortieren. Nach wie vor lässt Mattes sich nicht überzeugen, dass die verschieden großen Flammen ein furchtbares Sortiermerkmal sind, das mich jedes Mal aufs Neue in den Wahnsinn treibt. Aber wahrscheinlich wäre es auch langweilig, wenn wir die Karten immer bloß nach dem Zahlenwert sortieren würden. Hin oder her, scheinbar habe ich ein Händchen für schnelles Hantieren mit nur einer Hand, denn auch heute wieder ging der Sieg eindeutig an mich. Und das, obwohl man hier als Führender mehr und mehr Karten ausgeteilt bekommt und es somit immer schwieriger wird, vor den Mitspielern fertig zu werden. 7:7:11 war der Endstand, und endlich konnte Erik auch mitspielen, der bis dahin nur mehr oder weniger begeistert zugeschaut hatte.

Als Hauptspiel wollten Mattes und ich ja eigentlich Concordia sehen, aber daraus wurde nichts. Weder Erik noch David waren davon zu überzeugen. Stattdessen spielten wir dann auf Davids Wunsch hin Stone Age, das sich auch schon wieder nach ganz unten in seinem Stapel gearbeitet hatte. Dieser Worker-Placement-Klassiker war Erik tatsächlich noch unbekannt, aber er bekam die Regeln schnell vermittelt. Die mögliche strategische Ausrichtung wurde ihm dann während des Spiels klarer und klarer, aber es ist ja auch nicht Aufgabe der Spielerklärung, sowas zu vermitteln. Ich versuchte es wie immer mit vielen Männeken und möglichst vielen Schamanen, um von dem großen Volk dann auch zu profitieren. Erik baute ziemlich viele Hütten mit Hilfe von viel Werkzeug, und David ging auf die grünen Zivilisationskarten, bekam davon aber nur sechs Stück, was ihm zum Verhängnis wurde. Mattes hatte auch viele Hütten, aber am Ende zu wenig Karten, um mir gefährlich zu werden: 152:147:132:173 bedeuteten den dritten Sieg des Abends für mich. Das Spiel zog sich wie immer etwas, kam bei Erik aber gut an. Und wenn wir irgendwann im Sommersemester das nächste Mal Stone Age spielen, dann mit Erweiterung, die auch schon länger hier in Aachen auf ihre Einweihung wartet. Klar, spielerisch bringt uns Stone Age nicht mehr so richtig weiter, aber der heutige Abend stand ohnehin mehr unter einem entspannten Motto. Und ich muss feststellen, dass auch altbekannte Spiele viel Spaß machen und dass es nicht immer der Reiz des Neuen sein muss.

Als Absacker, dessen Notwendigkeit Erik natürlich in Frage stellte, wählten wir Port Royal. Für mich sonst eher untypisch, hatte ich heute auch vier Matrosen in der Auslage und konnte so viele kleine Schiffe abwehren. Außerdem sorgte der Witzbold für ein schönes Grundeinkommen und der General ließ mich fast von Anfang an zwei Karten pro Zug nehmen. Zwar bringt er auch keine Punkte und kostet nicht zu wenig, aber er ist auch unheimlich mächtig und unterstützt jede strategische Ausrichtung. Mattes und Erik hatten je einen Händler, wozu ich irgendwie nicht gekommen bin. Hier ließe sich mit einer guten Anzahl von Händlern aber bestimmt auch gutes Geld machen, eine Strategie, die ich auch mal ausprobieren sollte. Die Expeditionsaufrufe ließen wir aber wie so oft unbeachtet liegen, lediglich Erik erfüllte eine Karte. Zum Schluss musste ich bangen, dass wir noch eine weitere Runde spielten. Aber da die anderen das Spielende nicht vollends im Blick hatten, konnte ich mit meinem dreizehnten Punkt einen Paukenschlag setzen, der nicht mehr überboten werden konnte. Es wäre gelogen zu behaupten, das Spiel wäre zum Schluss nochmal richtig spannend gewesen. Aber allemal besser als Einfach Genial mini, das David als Alternativvorschlag ins Spiel gebracht hatte. Der Vergleich bietet sich ja auch irgendwo an, schließlich basieren beide Spiel auf einem Push-Your-Luck Mechanismus. Port Royal erzählt halt noch eine schöne Geschichte drumherum und gibt den Spielern strategische und taktische Möglichkeiten, während Einfach Genial mini ziemlich schörkellos und mathematisch daherkommt. 7:12:10:13 machten meinen Abend perfekt.

Wir unterhielten uns noch kurz über meinen anstehenden Umzug und die damit einhergehenden Veränderungen auf dem Spieleabend. Die schätze ich allerdings als überwiegend positiv ein, schließlich wird demnächst niemand mehr bei einer Partie Orléans die halbe Zeit stehen müssen, um alles im Blick zu haben. Stattdessen bietet sich in der WG-Küche ein großer Tisch, an den bequem fünf Stühle passen. Und wer weiß, ob sich nicht einer der Mitbewohner auch mal zum Spieleabend dazugesellt. Ich freue mich jedenfalls auf den neuen Abschnitt meines Studiums. Bis dahin werden wir noch ein oder zweimal hier in der Bude zusammenkommen und wie immer einen schönen Abend verbringen. Dass ich nächste Woche aber wieder alle Spiele gewinnen werde, kann ich nicht versprechen. Aber ich gebe mein Bestes. Hand aufs Erz,

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Zuletzt geändert von Der Siedler am 27. April 2016, 18:27, insgesamt 2-mal geändert.
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theglove25
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon theglove25 » 5. Februar 2016, 08:09

ich freue mich jedes Mal diese Berichte lesen zu können. Hoffe Du machts so weiter. Welche TOP 5 hast Du denn derzeit? Das würde mich mal interessieren.

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 11. Februar 2016, 00:26

Mittwoch, 10.2.2016 | Spieleabend #67

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Sagt man doch. Oder besser: Singt man doch. Stimmt aber nicht ganz, wenn wir es einmal auf den Spieleabend in dieser Bude beziehen. Denn auch, wenn mein Umzug bevorsteht, war heute wohl noch nicht der letzte Spieleabend in dieser altvertrauten Umgebung. Und bevor ich jetzt nostalgisch werde, verschiebe ich einen kleinen Rückblick auf einen späteren Bericht und befasse mich heute mit dem, was war. Offenbar hielt es ein Großteil der Runde für nötig, am heutigen Fastentag auch auf den Spieleabend zu verzichten. Sehr schade, wie ich finde, schließlich wurde stattdessen ein Kinobesuch anvisiert. Ob 007: Spectre dem Fastengedanken wirklich näher kommt als hatkeinenummer: Concordia steht zu bezweifeln. Weil wir aber heute nur zu zweit waren, konnten wir einige Spiele beehren, die sonst vom restlichen Volk eher abgelehnt werden.

Zu Beginn überredete ich Mattes zu Saga. Dieses Spiel hat in unserer Runde wirklich ein seltsames Schicksal ereilt. Wir spielen es durchaus alle paar Monate mal, aber nie kann sich jemand an das Spiel erinnern, wenn ich den Namen nenne und das Prinzip grob beschreibe. Die Erinnerung kehrt zwar wieder, wenn dann das Material auf dem Tisch liegt, aber es will einfach keinen Kultstatus erlangen. Vielleicht sollte ich diese Zeichen deuten und das Spiel nicht mehr vorschlagen. Aber mir macht es nun einmal Spaß. Mhh, ein schwieriges Dilemma. 68:96 jedenfalls unterstreichen Mattes' mehrmals wiederholtes "Ich hasse dieses Spiel!". Zur Erklärung: Das lag nicht wirklich am Spiel, sondern eher daran, dass er nicht nur einmal vergessen hatte, seine Punkte einzustreichen. In dieser Hinsicht ist das Spiel unbarmherzig und verbietet es ausdrücklich, dem Spieler die Punkte im Nachhinein zuzugestehen. Aber auch mit diesen zahlreichen vergessenen Punkten hätte Mattes den Sieg wohl nicht mehr an sich reißen können. Vielleicht nehme ich den Umzug auch mal zum Anlass, weniger beliebte Spiele auszusortieren. Nicht, dass man sie nicht nochmal irgendwann spielen könnte. Aber es hat wahrscheinlich keinen Zweck, Saga in drei Monaten wieder auf den Tisch zu bringen, nur, um dann wieder die Regeln halb zu erklären. Bis allen klar wird, dass sie das Spiel doch schonmal irgendwann gespielt haben.

Das Hauptspiel des Abends dagegen ruft in meinen Mitspielern durchaus Emotionen hervor. Nur sind das dummerweise nicht nur positive. Weil Mattes und ich Concordia aber sehr gerne mögen, packten wir die heutige Gelegenheit beim Schopfe und spielten dieses große Strategiespiel zum ersten Mal zu zweit und auch zum ersten Mal auf der umseitigen Karte, die nicht das gesamte römische Imperium, sondern lediglich Italia zeigt. Natürlich erfordert das eine etwas andere Herangehensweise, aber Concordia wird durch die andere Karte nicht zu einem neuen Spiel. Als viel einflussreicher dagegen zeigte sich die Minimalbesetzung. Hier wird das Spiel richtig knackig! Natürlich grübelt man nach wie vor viel vor sich hin, aber die Wartezeiten sind nicht so lang und können außerdem zur Planung des eigenen Zugs genutzt werden. Da in der Zwischenzeit nämlich nur ein anderer Spieler an die Reihe kommt, ist die Wahrscheinlichkeit einer Fehlplanung durch gegnerische Einmischung geringer. Zwar haben wir uns heute durchaus hie und da einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber im Groben und Ganzen kann man langfristige Pläne aufstellen und sie (mit Änderungen) auch durchziehen.
Nun aber zu unseren beiden Spielweisen: Mattes hatte die sehr starke Region Sicilia komplett in seiner Gewalt. Erst hinterher wurde mir klar, dass ich mich hier auch hätte ansiedeln müssen, selbst wenn ich dafür Extrakosten zu tragen gehabt hätte. In dieser Provinz produzierte er viel Wein: Sowohl über sein Haus in der Weinstadt, dann noch über den Provinzbonus und oft genug noch einen dritten mit dem Praefectus Magnus. Dieser Wein wurde von ihm vielfach verkauft, um an das nötige Kleingeld für die Ausbreitung zu kommen. Die gelang ihm auch ziemlich gut, obwohl es für Mattes bei den zwei anfänglichen Kolonisten blieb. Ich dagegen rüstete auf volle Truppenstärke auf. Meine vollen sechs Bewegungspunkte konnte ich aber keinmal nutzen, am Ende war dann doch immer etwas anderes wichtiger. Aber während des Spiels hatte ich auch schon früh den dritten und vierten Kolonisten angeheuert, wodurch sich meine Beweglichkeit erhöhte. Letztendlich war der größte Nutzen der zusätzlichen Kolonisten aber wohl der Punkteregen durch den Gott Mars bei der Schlusswertung. Bei Jupiter und Saturnus war Mattes wegen seiner starken Ausbreitung vorne, aber er hatte keine einzige Tuchstadt, weswegen ihm ein paar Punkte bei Mercurius fehlten. Und mir brachte Minerva für jede meiner drei Tuchstädte je fünf Punkte ein. Am Ende lässt sich nicht ganz klar sagen, wieso ich sogar recht deutlich gewonnen habe. Ich selbst würde es auf die Kolonistenpunkte zurückführen und darauf, dass ich auch mehr Karten als Mattes hatte, wenn ich mich recht erinnere. Man darf am Ende eben nicht den Fehler begehen und den Zeitpunkt verpassen, wo man lieber neue Karten kauft, die schon viele Punkte bringen als die alten Karten noch weiter aufzuwerten, damit sie noch mehr Punkte bringen. Hier ist Timing gefragt. Endpunktestand: 112: 143.
Zu zweit macht Concordia mir persönlich noch etwas mehr Spaß als in größerer Runde. Es ist frischer und dynamischer, und man kann schneller sehen, dass auf dem Plan tatsächlich etwas passiert. Außerdem ist die Anzahl der Karten ziemlich begrenzt, was die ganze Zeit über einen gewissen Zeitdruck erzeugt. Wobei ich mir hier ehrlich gesagt nicht sicher bin, ob wir immer die Karten aussortiert haben, die im Spiel mit weniger als fünf Leuten nicht dazugehören. Sollte man aber auf jeden Fall tun. Die Spieldauer überschritt die angegebenen 90 Minuten nicht, was sonst schnell der Fall war. Natürlich bleibt es ein Optimierspiel, bei dem man trotz einfacher Regeln viel im Blick haben sollte. Das muss man mögen. Uns gefällt es.

Zum Schluss spielten wir dann noch Potato Man. Ja, ein Stichspiel zu zweit. Hier wird der Behelf genutzt, dass jeder Spieler zwei Karten pro Stich spielt. Das macht das Ausspielen der ersten und zweiten Karte übermäßig folgenreich für ein flottes Kartenspiel. Außerdem hat jeder Spieler noch einen Nachziehstapel, damit man nicht von Anfang an 20 Karten auf der Hand halten muss. Allerdings vergisst man ständig das Nachziehen, weil das für ein Stichspiel völlig unintuitiv ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich halte nicht viel von Potato Man zu zweit. Zum Einen wird das Spiel dadurch etwas, was es gar nicht sein will: Man kann sich einen Knoten in den Kopf denken, wenn man sich überlegt, was der Gegner wohl spielen wird, wenn ich diese Karte spiele, und was ich dann als Drittes spielen könnte, damit mein Gegenüber als Viertes auf jeden Fall... Ahh! Völlig gegenläufig ist aber, dass gar nicht alle Karten im Spiel sind und das man viele ja auch erst im Laufe einer Runde nachzieht. Am Ende habe ich ziemlich aus dem Bauch heraus gespielt und damit grandios versagt: 27:12. Ich werde dieses Spiel jedenfalls nicht mehr zu zweit spielen. Mit mehr Leuten ist es ein Spaß, obwohl auch dann schon schwer steuerbar. Aber zu zweit habe ich mich gespielt gefühlt.

Zum Schluss will ich noch die Frage beantworten, die seit letzter Woche hier im Thread gestellt wurde: Wie lautet meine aktuelle Top-5? Ich beziehe die Frage einfach mal auf die Spiele, die wir hier in der Runde in letzter Zeit spielen. Hier bringe ich schließlich meine aktuellen Neuanschaffungen an und hier herrscht auch die größte Regelmäßigkeit. Außerdem gilt: Nicht alle Spiele habe ich oft genug gespielt, als dass mein spontanes Ranking als fundiert gelten könnte. Spiele, die ich erst einmal gespielt habe, möchte ich deshalb noch nicht mit einbeziehen. Aber wenn ich von unseren gut 60 Spielen fünf nennen sollte, die für mich aktuell den größten Spielreiz haben, dann sind das wohl die folgenden:

  1. Ginkgopolis
  2. Orléans
  3. Love Letter
  4. Concordia
  5. Die Siedler von Catan

Aber auch Stone Age, Die Glasstraße, Splendor, Isle of Skye, Mombasa, Machi Koro, Port Royal, Einfach Genial, Cacao, Bohnanza und last but not least Dominion sind großartige Spiele. Sie sind aber nicht in meiner Top 5, weil wir sie entweder insgesamt erst einmal gespielt haben oder weil sie schon längere Zeit nicht mehr rausgekramt wurden. Oder auch, weil sie dann doch nicht ganz ganz vorne mitspielen. Auf jeden Fall aber ist die Liste hochgradig subjektiv und nicht als festgeschrieben zu verstehen.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Auch dieser Bericht. (Natürlich habe ich mit Mattes noch den Tatort kurz besprochen, den wir okay fanden. Und natürlich haben wir auch einen Ausblick gewagt auf die vorlesungsfreie Zeit, in der es mit den Spieleabenden schwierig werden könnte. Durch meinen Umzug ganz in die Nähe zu den anderen erhoffe ich mir aber, dass wir in der neuen WG schon vor Beginn der Vorlesungen im Sommersemester einen kleinen Einweihungsspieleabend veranstalten können. Wir werden sehen.) Falls es noch zu weiteren Spieleabenden in dieser oder auch in der neuen Bude kommt, werdet ihr wie immer von mir hören. Bis dahin, Hand aufs Erz,

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Zuletzt geändert von Der Siedler am 27. April 2016, 18:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Harry2017 » 11. Februar 2016, 08:38

Concordiaist eigentlich ein super Spiel - Eigentlich, denn der von dir angesprochen Zeitpunkt zum umswitchen auf Karten kaufen bedeutet leider einfach nur 2/3 aufbauen und im letzten Drittel notfalls wahllos so viele Mulitplikatorkarten wie möglich zu kaufen - Darauf lässt sich extrem hinarbeiten...

Jede einzelnen Partie habe ich leider mit genau dieser Taktik gewinnen können...das hat ein bisschen den Charme des ansonsten wirklich ziemlich schönen Spiels genommen :-/

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Winston » 11. Februar 2016, 12:08

Hallo :)

Wie lange braucht ihr ungefähr für eine Partie Concordia? Bei der allerersten Partie (die war auch noch zu 5.) haben wir ca 3h gebraucht. Letztens zu dritt, haben wirs auch in unter 1h geschafft. Maurer sei dank :)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Harry2017 » 11. Februar 2016, 13:23

Zu 4. haben wir immer so um die 90 Minuten gespielt...

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 18. Februar 2016, 00:41

Mittwoch, 17.2.2016 | Spieleabend #68

Alte Bude, altes Haus - Du siehst heute anders aus. Und ich geh zum letzten Mal durch Deine Tür. Neue Bude, neues Glück und es führt kein Weg zurück. Alte Bude, altes Haus, ich danke Dir! Mehr bleibt kaum zu sagen. Recht spontan ziehe ich nun doch schon am Samstag um und so fand heute der letzte Spieleabend in dieser Bude statt. Mit ein wenig Wehmut blickten wir zurück auf die zurückliegenden Spieleabende. Arne, Mattes, Erik und meine Wenigkeit mochten es kaum glauben, dass wir uns hier in den vergangenen Jahren 68 Mal getroffen haben sollen, aber dieser Thread lügt nun einmal nicht. Und jeder Spieleabend davon war die Zeit wert, die wir mit ihm verbracht haben, da waren wir uns einig. Ehrlich gesagt haben wir gar nicht explizit drüber gesprochen, aber wir säßen wohl kaum zwei Jahre später noch immer so einträchtig beisammen, wenn dem nicht so wäre.
Ganz am Anfang des Studiums, noch im Vorkurs, trafen wir uns oft, um gemeinsam ins Studentenkino zu gehen. Irgendwann ergaben sich dann die ersten losen Spieleabende mit einer Partie Dominion oder einer Runde Wizard. Anfangs trafen wir uns auch einmal bei Erik, wo wir Wizard und Risiko spielten. Und einmal waren wir auch bei Mattes zu Gast, wo wir uns die Zeit mit einigen klassischen Kartenspielen vertrieben. Recht schnell stellte sich aber eine Regelmäßigkeit ein: Anfangs noch immer montags trafen wir uns hier in der Bude und spielten Woche für Woche in wechselnder Besetzungsstärke altbekannte Spiele und jede Woche auch ein neues. Am Anfang war ein Spiel aber immer dabei:

Wizard, und so auch heute. Wizard ist zwar nicht besonders raffiniert, aber es dürfte mit neun gespielten Partien hier in der Bude ganz weit vorne rangieren. Es hat einfach einen gewissen nostalgischen Charme und schnell waren die Blödeleien der Anfangszeit wieder präsent: Einer kriegt in der ganzen Partie gar nichts auf die Kette, diesmal Erik. Und bekanntlich braucht für den Spott nicht zu sorgen, wer den Stich nicht hat. Oder zu viele davon. Die Weihnachtszauberer waren heute in aller Munde, bereicherten sie doch unsere Partie dieses Spiels auf unserer kleinen Weihnachtsfeier im Dezember deutlich. Aber da die Weihnachtszeit hinter uns liegt, mussten wir uns heute mit den gewöhnlichen Zauberern begnügen. Arne legte ein fast fehlerfreies Spiel hin, zumindest bis auf die letzten Runde, wo Mattes ihn beinahe doch noch einhohlte. Ich befand mich die ganze Zeit über im Mittelfeld, Erik weit in den Miesen und damit weit hinter mir, Mattes verlor ich aber immer mehr aus dem Blick. Am Ende konnte Erik dann doch noch zwei Erfolge verbuchen und sich schlagartig in die schwarzen Zahlen katapultieren: 370:320:40:220. Zugegeben, ich brauche dieses Spiel nicht jede Woche. Und auch nicht jeden Monat. Aber heute war es in Erinnerung an unsere Anfänge durchaus nochmal schön. Bleibt zu hoffen, dass die neue WG von ihren bisherigen Spielgewohnheiten abzuweichen gewillt ist, zu denen dem Vernehmen nach auch Wizard gehört, und sich von besseren Stichspielen überzeugen lässt. Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Ja Arne, wir haben es verstanden: Musst bedienen!

Als Hauptspiel waren eigentlich die Siedler geplant, aber da Wizard mal wieder höllisch lang gedauert hatte, verkürzten wir unsere Ambitionen und spielten getreu den Anfängen eine Partie Dominion. Scheinbar habe ich es in den Jahren seit unserem ersten Spieleabend wirklich versäumt, meinen Mitspielern dieses Spiel anständig nahezubringen. Erik musste die Regeln noch einmal von Grund auf erklärt bekommen, Arne und Mattes hatten die Grundzüge noch im Kopf. Obwohl meine Spielfrequenz mit Erreichen des Abiturs drastisch abgenommen hat, sind die Regeln bei mir natürlich ins Hirn gebrannt. Sollte ich einmal unter Demenz leiden - Gott behüte! - so werde ich wohl dennoch Dominion bis zur Erweiterung Hinterland beherrschen. Gelernt ist gelernt. Und so verwundert es nicht, dass ich auch in dieser heutigen Runde mit dem Einstiegsset aus der Spielanleitung den Sieg einfahren konnte: 19:19:22:28 bescherte mir der Umbau, der den Großteil meiner Provinzen aus Gold generierte. Ansonsten waren die Decks der anderen schöner, aber sie optimierten zu lange herum. Hätte Erik früher den Schwenk hin zu den Punkten vollzogen, hätte er wahrscheinlich gewonnen. Bei Arne hätte ich mit mehr Punkten gerechnet, hatte er doch mit der Mine seine Geldkarten ganz ordentlich hochoptimiert. Und sowohl Erik als auch Mattes bekamen alle paar Züge echte Ketten ans Laufen, die sich hier mit Dorf/Schmiede, Markt und Keller allerdings auch anboten. Die Miliz hatte kaum eine Bedeutung, was sehr untypisch für dieses Set ist. Immerhin konnten wir so eine sehr destruktive Spielatmosphäre umgehen, die spätestens dann Einzug hält, wenn jeder zweite Spieler seinen Zug mit einer Miliz beginnt. Auch Dominion wird in meiner neuen WG mit Vorliebe gespielt, dort mit den Erweiterungen Die Intrige und Reiche Ernte. Zu einer Partie Dominion bin ich natürlich immer zu bewegen, hier erhoffe ich mir eine neue Blütezeit. ;)

Zum Schluss dann spielten wir Love Letter, den Klassiker unter den Absackern schlechthin. Arne beteuerte, das Spiel nicht zu kennen, und das halte ich sogar für möglich. Schließlich war er meistens nur dann da, wenn auch alle anderen mit von der Partie waren, und zu fünft kann man diese Perle nunmal nicht spielen. Jedenfalls war er sofort angetan vom Spiel und auch wir anderen hatten wieder unsere Freude am alten Raten und Schlussfolgern. Man kann sich auch bestimmt noch geschickter Anstellen als wir, aber da wir das Spiel selten vor zehn Uhr rausgeholt haben, war meist keiner von uns noch zu großen Deduktionsleistungen motiviert. Spaß hatten wir aber immer. 3:2:1:1 machten Arne zum Sieger der/des :heart: - Das Ende einer Ära war mit der letzten Wertung gekommen: Einem Gleichstand zwischen Erik und Arne, die beide den Priester auf der Hand hatten.

Früher hätte ich für so ein einschneidendes Ereignis wahrscheinlich ein Heftchen fertiggestellt, aber dazu fehlt mir momentan die Zeit. Ihr wisst schon, Klausurenphase. Außerdem war David ja auch gar nicht dabei. Zwar etwas schade, aber ich hätte ohnehin nicht gedacht, dass sich so spontan außerhalb der Vorlesungszeit drei Mitspieler finden, deshalb überwog meine Freude über den schönen Abend die Trauer über unsere Nichtvollzähligkeit. Was aber bleibt? Mit Sicherheit die Erinnerung an diese Mauern, unsere kleine aber feine Spielstätte für so viele Stunden. Die Spiele, die wir gespielt haben, sind zwar oft in Vergessenheit geraten, aber es haben sich auch viele von ihnen etabliert und werden den Weg auf den neuen Spieleabend finden. Es bleiben auch die Späße: Viele von ihnen immer gleich, aber auch immer wieder lustig. Und es bleibt der hiermit vollbrachte Beweis, dass Spiele zusammenführen können: Wir fünf waren zwar alle im selben Abiturjahrgang unserer Schule, waren vorher aber untereinander alle keine dicken Kumpels. Sicher kannten wir uns untereinander , manche besser, andere schlechter. Aber der Spieleabend hat uns Nettetaler Aachener zu einer Clique zusammengeschweißt, die noch länger Bestand haben wird. Was sonst noch bleibt, sind all diese Berichte. Zwar wissen Erik und Arne noch immer nichts davon, aber ich werde es ihnen wohl bald eröffnen: Wer will, kann sich in jeden unserer Abende noch einmal zurückversetzen und nachlesen, was letzte Woche, letztes Semester oder auch vor zwei Jahren so los war. Zu guter Letzt bleibt natürlich auch etwas Wehmut, diesen Ort jetzt verlassen zu müssen. Es war klein hier, manchmal etwas kalt, oft eng und etwas umständlich zum Spielen - Aber wir haben diesen Umständen getrotzt und einmal in der Woche für einige Stunden eine kleine, gemütliche Isolation geschaffen: Den Spieleabend. Dies war nun der Letzte. Alte Bude, altes Haus - Du siehst heute anders aus. Und ich geh zum letzten Mal durch Deine Tür. Neue Bude, neues Glück, und es führt kein Weg zurück. Alte Bude, altes Haus, ich danke Dir! Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Greifwin » 18. Februar 2016, 09:37

Wie immer ein toller Bericht und ich hoffe, nach deinem Umzug, geht es in gewohnter Manier weiter. Bis dahin erst mal viel Erfolg und gutes Gelingen am Samstag und ich drücke die Daumen für trockenes Wetter! ;)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 26. Februar 2016, 00:05

Donnerstag, 25.2.2016 | Spieleabend #69

Hallo liebe Lamas und Hallo liebe Leute, die unbedingt Lamas werden möchten. Nachdem nun der Umzug und ein Gros der Klausuren hinter mir liegen, war heute mal wieder Zeit für einen gepflegten Spieleabend, wie ich fand. Mit dieser Einstellung war ich nicht alleine. Zumindest nicht ganz alleine. Denn immerhin Mattes war - sogar gegen seinen persönlichen Lernplan - zu mobilisieren. In der neuen Wohnung steht mir die WG-Küche für den Spieleabend zur Verfügung, wo es etwas geräumiger ist als in meiner alten Bude. Was zugegebenermaßen auch nicht so schwer ist. Heute konnten wir den ganzen zur Verfügung stehenden Platz aber ja gar nicht nutzen, weil wir ja zunächst einmal nur zu zweit waren. Und weil Mattes auch beim Umzug geholfen hatte, war für ihn die Wohnung nicht neu und somit war der heutige Abend auch nicht der richtige Einweihungsspieleabend. Der kommt irgendwann später in möglichst großer Besetzung. Da Mattes heute auch gar nicht allzu lange bleiben wollte, starteten wir direkt mit einem Brocken:

Mombasa war ganz klar Hauptspiel des Abends. Nach dem Spielaufbau und einer kurzen Wiederholung der Regeln konnte es dann so gegen halb acht losgehen. Bis ziemlich spät in den Spielverlauf hinein zeichnete sich keine Handelskompanie als übermächtig ab. Es war auch keiner von uns beiden auf einer der Leisten deutlich stärker als der andere, vielmehr schienen wir beide sehr darum bemüht, dem anderen überall gleichzukommen. Jedoch wurde über die Zeit natürlich auch der Platz auf der Karte eng und irgendwann musste es zwangsläufig zum Konflikt kommen. Ich entschied mich dafür, die rote Kompanie, Capetown, zu pushen und maximal viele Anteile zu erwerben. Und was soll ich sagen? Das hat auch funktioniert. Am Ende waren elf der zwölf Münzen freigelegt und ich hielt sage und schreibe 13 Anteile! Da Mattes den Wert von Capetown sträflich unterschätzt und es außerdem versäumt hatte, früh genug eine andere Kolonie zu seinem Bollwerk aufzubauen, war das Spiel allein mit den Punkten aus Capetown eindeutig entschieden. Die beiden Leisten der Buchhalter und Diamantenhändler spielten hier eher eine untergeordnete Rolle. Außer natürlich bezogen auf das Freischalten des vierten und fünften Slots, denn der ist durchaus wichtig, egal welche Strategie man verfolgt. Für mich persönlich ist, ohne hier sonderlich viele Worte verlieren zu wollen, noch sehr viel in Mombasa zu entdecken. Sicher, die Abläufe sind jetzt langsam klar und man plant auch schon ein paar Runden ins Voraus. Aber optimal gespielt habe ich bestimmt nicht, und alle Kompanieleisten haben wir auch noch nicht genutzt. Der Wiederspielreiz ist also durchaus gegeben. 115:225 für mich sind deutlich. Ich hoffe aber, dass es Mattes trotzdem Spaß gemacht hat. Zumal die übermächtige Kolonie sich wirklich erst in den letzten beiden oder höchstens drei Runden herauskristallisierte und ich dann auch wirklich alles daran setzte, auf der Capetown-Leiste bis ganz ans Ende zu gelangen.

Eigentlich hatte Mattes geplant, nach diesem zweistündigen Hammer den Heimweg anzutreten, aber diese Niederlage wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Als Kontrastprogramm schlug er Einfach Genial - Wer zu viel riskiert, verliert! vor, was wir dann auch spielten. Einer der WG-Mitbewohner, mein Cousin Julian, ließ sich spontan zum Mitspielen überreden. Zwar kannte er das Spiel nicht, aber wenn es ein Spiel gibt, dessen Regeln kurz zu erklären sind, dann ist es jawohl dieses hier. Aufgrund eines kleinen Aufmerksamkeitsmangels meinerseits machte ich einen Fehler, der durch die Regeln so gar nicht zugelassen ist. Julian sah die Situation allerdings als glasklar an, und bestand darauf, dass die Plättchen nun so liegenbleiben müssten. Wahrscheinlich hätten wir in normaler Spieleabendrunde die richtige Situation wiederhergestellt, aber hier wurden wir schlichtweg überrumpelt. Das soll mir eine Lehre sein, bei Julian immer sehr genau auf die richtige Einhaltung der Abläufe zu achten, auch bei anderen Spielen, die hoffentlich noch zahlreich folgen werden. Jedenfalls war es lustig zu sehen, dass unsere Konventionen für den Außenstehenden tatsächlich sehr seltsam anmuten: Der letzte Chip einer Reihe wird umgedreht, damit man auch sieht, dass die Reihe voll ist. Das macht man einfach so. Und wenn man einen Bonuszug hat, dann haut man mit der Faust auf den Tisch und ruft "Bon(n)uszug!", wobei die Betonug deutlich hörbar auf dem o liegen muss, wie in Om(m)a oder Mop(p)ed. Am Ende konnten wir Julian dann aber überzeugen, dass ein Bonuszug nur dann gültig ist, wenn man genau diesem Prozedere folgt. Und wegen besagter Pfuscherei ging das Spiel auch noch an den Neuling, mit 4:7:5. Es hat außerdem Spaß gemacht zu sehen, wie man etwas emotionaler an ein Spiel herangehen kann, als wir es häufig tun. Wenn man tatsächlich dem richtigen Plättchen entgegenfiebert und das falsche dann verteufelt, steckt in dem Spiel doch auf eine bestimmte Weise mehr, als wir bisher rausgeholt haben. Andererseits gibt es im Spiel zu dritt gegen Ende auch einen Haufen Entscheidungen, die alles andere als trivial sind, und die von mir konsequent bauchseitig entschieden werden. Klar, hier könnte man alle Möglichkeiten durchrechnen, aber wenn ich das will, dann spiele ich doch lieber was anderes. Mombasa zum Beispiel.

So ging also der erste kleine Spieleabend in der neuen Behausung zu Ende und zeigte Potential auf: Vielleicht wird es sich etablieren, dass der ein oder andere Mitbewohner zumindest beim Absacker mit dabei ist. Den verwunderten Ausrufen, wie lange dieses Spiel denn nun schon dauere entnehme ich, dass das Interesse an Mombasa eher gering sein dürfte. Aber für ein kleines Karten- oder Glücksspiel sonstiger Art, wie wir es ohnehin häufig zum Ende eines Spieleabends spielen, scheint es hier fruchtbaren Boden zu geben. Hoffentlich müssen wir dann Potato Man nie mehr zu zweit spielen :D Wie sich die neue Situation auch entwickelt, ich werde berichten und mein Bestes geben, um den Spieleabend auch weiterhin quicklebendig zu halten. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Rei » 26. Februar 2016, 08:41

Ist doch ein toller kleiner Einstand in der neuen Wohnung. :)

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Lehni » 27. Februar 2016, 01:21

Ich bin kein großer 2er Spieler, aber bei Mombasa glaube ich, dass man keinesfalls zu zweit die Helme vernachlässigen darf. Wenn da einer seine Kompanie pusht, muss man dagegen halten. Zu viert kann sowas natürlich auch passieren, aber wie wahrscheinlich ist es, dass 3 Leute keinen einzigen Helm kaufen.

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 27. Februar 2016, 12:26

@Rei: Stimmt, das lässt hoffen :)
@Lehni: Da hast Du absolut Recht, wie man beispielhaft an unserem Spielverlauf sieht. Allerdings brauchen Spiele wie Mombasa auch einfach einige Partien, um sie zu beherrschen und sinnvoll zu spielen - Und meine Mitspieler beschäftigen sich in der Regel in der Zeit zwischen zwei Partien nicht mehr mit einem Spiel, während ich nochmal die Regeln lese, Reviews schaue, hier im Forum darüber lese oder schreibe, etc. pp. Das macht schon auch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil aus, denke ich.
Übrigens einer der Gründe, wieso meine Mutter ungern von mir vorgeschlageneund für sie neue Spiele spielt - Sie wittert dann schon, dass ihre Siegchancen eher gering sind und sie niemals so tief in das Spiel einsteigen wird, wie ich es nach Regellektüre und Vorabinformation schon bin.
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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 14. April 2016, 01:20

Mittwoch, 13.4.2016 | Spieleabend #70

Hey-Ho Lamas! Nach inzwischen sechs Wochen ohne Spieleabend melde ich mich wieder aus der neuen WG in Aachen. Und die Umstände gewähren mir abermals ein Vertagen der wichtigen Entscheidung, ob der Ortswechsel auch einen Threadwechsel bedingt. Denn Mattes und ich waren heute wieder nur zu zweit. Und zu zweit können wir keinen Einstand feiern; ein solcher Abend kann einfach nicht offiziell als erster Spieleabend in den neuen vier Wänden gelten. Was aber nicht heißen soll, dass es kein angenehmer Spieleabend werden kann. Im Gegenteil:

Zum Einstieg spielten wir Machi Koro, das inzwischen auch ein knappes Jahr zu meiner Sammlung gehört. Mich haut es nach wie vor nicht um, dazu sind die Entscheidungen einfach zu oberflächlich. Aber Spaß hat man man trotzdem dabei und es sind auch ein paar Überlegungen dabei, die das Spiel spielenswert machen. Wir sollten zwar in Zukunft mit der Variante spielen, aber heute standen noch alle 15 Gebäude des Grundspiels jederzeit zur Verfügung. Ich will mal schauen, ob sich dieses Spiel nicht auch außerhalb des Spieleabends in der WG anbringen lässt; schließlich ist es dem hier beliebten Siedler nicht ganz unähnlich. In der heutigen Partie hat jedenfalls Mattes gewonnen, obwohl ich mich im Rennen um die vier Bauten eigentlich vorne wähnte. 4:3 für Mattes.

Als Hauptspiel war Die Glasstraße dran. Für den ersten Spieleabend seit Monaten kein zu großes Kaliber. Klar, man hätte es auch mit AquaSphere oder Orléans direkt ausreizen können, aber man muss sich auch mal mit weniger zufrieden geben. So spielten wir also dieses Kleinod, das etwa zur selben Zeit wie unser heutiger Aufwärmer den Weg auf den Spieleabend gefunden hatte. Ich versuchte mit den wenigen möglichen Aktionen maximal viele Siegpunkte herauszuschlagen. Da es in den ersten Runden aber keinen eindeutigen Punktebringer in der unteren Zeile des Gebäudetableaus gab, war das mehr als schwierig. Auch Mattes hatte seine Schwierigkeiten mit der Auswahl der richtigen Fachkräfte, zumal ich ihm häufig einen Strich durch die Rechnung machte und seine Pläne nur allzu gut vorhersehen konnte. Wenn wir demnächst nochmal zu dritt oder viert sind, sollten wir auch dieses Spiel nochmal auf den Tisch bringen. Zu zweit kommt nämlich nicht der ganze Reiz rüber, der sich mit mehr Spielern entfaltet. Allgemein ist die strategische Tiefe hier ziemlich kurz gehalten. Das macht es aber nur noch schwieriger! Im Extremfall muss man mit zwölf gespielten Karten auskommen, einer Anzahl, die man dem guten Ton geschuldet nicht einmal mit Ziffern ausdrückt - Das muss man sich mal vorstellen! Mit diesem Mangel auszukommen gelang mir noch am Besten und so endete das Spiel nach einer guten Stunde 15:18.

Als Absacker hatten wir schon zu Beginn des Spieleabends Habe fertig ausgewählt. Wozu diese frühe Festlegung? Nun, da wir in der Küche der WG spielen, bleibt uns der alte Luxus verwehrt, stets die gesamte Spielesammlung im Blick zu haben. Deshalb sind wir am Anfang kurz oben gewesen und haben den Verlaufsplan festgelegt. Für die Zukunft haben wir heute auch schon einige Möglichkeiten erörtert. Dabei spielten ein DIN-A0-Plan, den wir über das große Küchenfenster kleben könnten, sowie eine wöchentlich neu anzufertigende Fotosammlung der Spieleanordnung in der jeweils aktuellen Reihenfolge eine Rolle. Wofür ich mich letztlich entscheide - Es bleibt spannend! Aber zurück zum Thema: Bei unserem neuen Kartenspiel liegen neben dem Nachziehstapel stets zwei Ablagestapel. Es gibt Zahlenwerte von eins bis elf und sechs Farben. Wer am Zug ist, spielt eine Karte und will nach Möglichkeit einen Extrazug ergattern. Das gelingt, indem man eine Karte in die Lücke der beiden offenliegenden Zahlenwerte spielt. Dabei muss man aber eine Farbe spielen, die gerade nicht zu sehen ist. Wir erinnern uns: Es gibt hier ja zwei Ablagestapel. Auf welchen der beiden wir ablegen, ist dabei egal. Immer, wenn wir in die Lücke spielen, sind wir erneut dran. Unser Zug endet, wenn wir das nicht mehr können oder wollen: Stattdessen bedienen wir dann Farbe oder Zahl eines Ablagestapels. Natürlich wollen wir dem Nebenmann eine möglichst winzige Lücke überlassen. Wenn die Lücke aber gar nicht mehr existiert, sprich wenn zwei gleiche oder benachbarte Zahlen auf den Stapeln liegen, wird eine neue Karte gezogen und auf einen der beiden Stapel gelegt, was die Lücke in den meisten Fällen dramatisch vergrößert. Wir legen also immer möglichst viele Karten ab und geben dann die kleinstmögliche Lücke weiter. Die Runde endet, wenn einer der Spieler tatsächlich seine letzte Karte loswird. Dann kommen zwei Karten ins Spiel, die man zu Beginn der Runde beiseite gelegt hat: Hat man es sich schwer gemacht, also Karten weggelegt, die eigentlich einfach loszuwerden sind, bekommt man jetzt viele Pluspunkte. Hat man aber Randkarten weggelegt, die die Hand oft genug ohnehin nur blockieren, fällt die Belohnung klein aus. DIe anderen Spieler erhalten Miese, allerdings nicht abhängig von den weggedrückten Karten, sondern von den übrigen Handkarten.
Zu zweit hat uns das Spiel schon recht viel Spaß gemacht, es spielte sich allerdings noch etwas zäh. Sicherlich kommt hier in größerer Runde deutlich mehr Pfiff ins Spiel. Am Ende stand es 5:-5, einen Spielstand, den es genau so schon nach zwei von vier Runden gegeben hatte. Nur umgedreht. Naja, ich rede es mir mal schön und sage: Immerhin war es so schön spannend.

Am Ende gab es dann noch ein Bier mit Mattes und mit Matthias, der sich nach getaner Abend dazugesellte. Achtung, Verwechslungsgefahr: Mattes gehört mit zur festen Runde beim Spieleabend, Matthias wohnt in der WG. Also nur für die, die es interessiert. Die anderen dürfen es getrost wieder vergessen. Obwohl: Jetzt, wo ihr es einmal wisst, könntet ihr es auch einfach behalten. Also echt. Ich gehe jetzt jedenfalls ins Bett und hoffe, dass der Spieleabend im laufenden Semesterbetrieb wieder zu Hochtouren aufläuft. So viele Wochen Pause reichen mir persönlich bei Weitem. Um ganz ehrlich zu sein, bräuchte ich gar keine Pause. Aber man kann nunmal nicht alles haben... Den Tatort haben wir aus Versehen nicht besprochen. Welche Schande. Man sieht, es ist eben doch noch keine vollkommene Normalität eingekehrt: Veränderte Umgebung, verminderte Spieleranzahl, all das schlägt sich im Verhalten nieder. Wenigstens konnte ich mich auch nach den nächtlichen Bieren noch zum Schreiben des Berichts motivieren. Auf der anderen Seite ist das auch Ehrensache. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 20. April 2016, 00:44

Dienstag, 19.4.2016 | Spieleabend #71

Ein Sprung im Wochentag, zu Beginn des Semesters nichts Ungewöhnliches. Schließlich müssen wir erstmal wieder einen fixen Termin finden. Heute waren wir auf Dienstag ausgewichen, weil Arne mittwochs zum Wasserball geht. Allgemein ist Dienstag aber bei Mattes und David eher schwierig; heute war die Ausnahme. Wer war aber heute nicht da? Arne. Spieleabend vergessen, na toll. Wir haben uns aber vom Spielen nicht abhalten lassen und für nächste Woche wieder den Mittwoch verabredet. Wie wir dann weiter verfahren, ist hier nicht weiter relevant, geschweige denn interessant, also spare ich die lange Termindiskussion einfach mal aus und beginne mit dem ersten Spiel des Abends:

Einfach Genial hat immer noch einen gewissen zeitlosen Charme. Eigentlich schade, dass es damals nicht Spiel des Jahres geworden ist. Andererseits spricht es auch für das Spiel, dass es auch ohne diese Auszeichnung noch heute in jedem Kaufhof und Müller zu haben ist - das schaffen nach zehn Jahren die allerwenigsten Spiele. Und von denen sind die meisten stumpf, tragen eine Lizenz oder sind irgendwie mit einem dieser unsäglichen Klassiker a la Monopoly, Riskio, etc. verbandelt. In dem meisten Fällen treffen sogar alle drei Punkte zu. Bei Einfach Genial dagegen kein einziger.
Mit zunehmender Spielerfahrung in unserer Runde wird unser Spiel auch immer destruktiver, Man gönnt dem Gegner nicht mehr das Abstauben langer Reihen, macht möglichst früh die Minen in der Farbe zu, die er so dringend braucht. Dann noch die Bonuszüge geschickt nutzen und vor lauter taktischen Überlegungen im aktuellen Zug auch die Planung auf längere Sicht vergessen: Wer all das geschickt anstellt, hat gute Chancen auf den Sieg. Und das war heute ich, weil David lila und Mattes rot vernachlässigt hatten, was letztlich ihren Tod besiegelte. Ich dagegen hatte meine Schwachstellen früher bekämpft und hatte es außerdem mit nicht ganz so agressiven Mitspielern zu tun, wie ich hier selbst einer bin. Das erste Spiel in größerer Runde ging also an mich, die Besetzung war Erik, David, Mattes und meine Wenigkeit. 7:9:6:12.

Als Hauptspiel war ursprünglich Die Legenden von Andor vorgesehen gewesen, aber daraus wurde wegen Arnes Abwesenheit wieder nichts. Wobei ich ehrlich nicht glaube, dass wir hier auch nur einen Schritt weiterkommen, wenn wir auf die nächste Fünferrunde warten. Heute hatte ich aber selbst keine sonderliche Lust auf Andor, weshalb wir Broom Service auf den Tisch brachten. Nach einer so langen Spielepause eigentlich ein ganz schöner Einstieg. Wir denken zwar noch zu viel nach, wodurch die Lockerheit verloren geht, die das Spiel haben könnte, wenn man es ließe. Dadurch dauert es auch gut und gerne anderthalb Stunden statt der minimal angegebenen Dreiviertelstunde. Aber lange Spielzeiten sind ja schon seit jeher ein Kennzeichen unseres Spieleabends.
Kurz zur heutigen Partie: Alle vier wagten wir uns nur mit einer der beiden Spielfiguren in die weite Welt hinaus, die andere wurde als Joker in der Nähe der Startburgen gelassen. Falls man doch mal eine Waldhexe spielen muss, wenn die aktive Figur noch gar nicht so weit ist, kann dann immerhin die Zweitfigur ein paar Punkte machen. Die Ereignisse sind in diesem Spiel mehr als nur Rundenzähler, sondern können durchaus entscheidend sein. So war in der letzten Runde zum Beispiel der Schwarzmarkt aktiv; hier kann man statt der feigen Aktion auch drei Siegpunkte wählen. Da ich das aber nicht im Blick hatte, wurde ich letztendlich nur Zweiter hinter Erik. Und das, obwohl ich als Einziger in die punkteträchtige Ecke oben rechts vordringen konnte. Das aber leider erst viel zu spät... 82:72:70:81 Was noch erwähnt werden sollte, war Mattes wirklich seltsame Spielweise. Immer wieder führte er als Letzter in der Runde ohne ersichtlichen Grund feige Aktionen durch, übersah Liefermöglichkeiten oder träumte sonstwie vor sich hin. Es war wohl nicht sein Tag, wie er dann selbst feststellte.

Zum Schluss schlug Erik Love Letter vor, dass er auf den von mir geschossenen Fotos entdeckt hatte. Mit diesen Fotos wollten wir die im letzten Bericht angesprochenen Problematik lösen, in der neuen Wohnung jetzt nicht mehr alle Spiele stets im Blick zu haben. Auf den Fotos kann aber trotzdem jeder sehen, welches Spiel gerade wo im Stapel rangiert - sprich, wie lange es schon nicht mehr gespielt wurde. Im Moment der Auswahl des Absackers war ich aber noch gar nicht so weit und Erik warf einfach seinen Vorschlag in den Raum, obwohl ich die Fotos noch gar nicht geöffnet hatte. Also wirklich! Ich konnte das Blatt dann noch zu Gunsten von Port Royal wenden, das wir immerhin schon etwas länger als Love Letter nicht gespielt hatten. Port Royal ist auch eines der ersten Spiele, bei denen ich in unserer Runde wirklich von einer Routine reden kann. Hier weiß jeder, wie der Hase läuft und man spielt von Anfang an voll mit. Bei anderen Spielen, die insgesamt seltener gespielt werden und wo die letzte Partie länger zurückliegt, müssen immer wieder die Regeln erläutert werden. Der Klassiker ist, dass Erik erstmal leugnet, dass Spiel überhaupt jemals gespielt zu haben. Dann reden wir uns meist vergebens den Mund fusselig, indem wir versuchen, ihm Thematik und Mechanik ins Gedächtnis zu rufen. Und kaum haben wir dann über seinen Kopf hinweg für das Spiel entschieden und sind im Aufbau inbegriffen, erkennt er es doch plötzlich. Scheint wohl eher ein visueller Typ zu sein, unser Erik :D
Ich kaufte hier keine Person zu viel: Mit zwei Kapitänen rüstete ich mich für eine Expedition, nämlich die - wer hätte es gedacht - mit den beiden Ankern. Außerdem hatte ich gleich zwei Admiräle, und konnte so in fast jedem Zug vier Münzen abgreifen, was mich natürlich ganz enorm befeuerte. Um aber den Weg zu den fünf Karten, die der Admiral zur Freigabe der Münzen fordert, nicht allzu riskant zu gestalten, besorgte ich mir noch einen Pirat mit zwei Säbeln; so konnte ich kleine Kutter gleich abwehren. In meinem letzten Spielzug fiel mir dann mein doch recht großer Vorsprung auf und so kaufte ich recht wahllos noch einen Händler, einfach um die zwölf Punkte zu erreichen. In den beiden folgenden Spielzügen bis zum Rundenende kam keiner mehr an diesen Wert heran, also ging der Sieg im Absacker wiederum an mich: 6:9:8:12

Insgesamt also ein sehr erfolgreicher Abend. Hätte ich bei Broom Service nicht mit den drei Punkten gepennt, wären es sogar drei Siege am Stück gewesen. Im Anschluss erzählten wir noch etwas über die neu eingeführte Zweitwohnsitzsteuer in unserem Heimatort. Matthias - aufgemerkt: Matthias aus der WG, nicht unser Mattes - kam herein und nahm sich noch ein Bier aus dem Kühlschrank, aber ich stehe zur Zeit unter Medikation und auch von den anderen wollte keiner eines, also erzählten wir einfach so noch etwas über den weiteren Semesterverlauf. Den Polizeiruf haben wir wieder nicht besprochen. Komisch, früher kam das Thema immer von alleine auf. Gut, von alleine wird es auch nicht plötzlich Gesprächsstoff gewesen sein, irgendjemand muss es schon angesprochen haben, is' schon klar. Aber wenigstens das war immer der Fall. In dieser Hinsicht werden wir schludrig! Aber ich verspreche, in Zukunft mehr auf diesen wichtigen Bestandteil des Spieleabends zu achten. Hand aufs Erz,

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Re: Montagabend in der Bude

Beitragvon Der Siedler » 26. April 2016, 23:41

Dienstag, 26.4.2016 | Spieleabend #72

Da sind wir wieder. Zu gewohnter Stunde, würde ich gerne anfügen, aber noch ist der Termin dieses Semester nicht endgültig fix. Aber das ist ja auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist, dass regelmäßig ein schöner Spieleabend zustandekommt. Was das anbelangt, kann ich mich zur Zeit nicht beschweren. Heute waren wir anfangs zu viert, später dann zu dritt. Arne ist zur Zeit etwas semi-motiviert, was sich heute dann in einem frühzeitigen Abschied vom Spieleabend geäußert hat. Nun gut, man kann ja niemanden zwingen. Solange Arne aber noch da war, lautete die Abfolge David, Arne, Erik, ich, danach dann eben ohne Arne. Zwar haben wir notgedrungen sogar die Spielerreihenfole geändert - Man sitzt zu viert nunmal anders um einen Tisch als zu dritt - aber das soll hier nicht weiter von Interess sein.

Begonnen haben wir mit einer Runde Hook, dem Piraten-Reaktionsspiel. Ich als braver Eurogamer habe natürlich auf die siegpunktäquivalenten Papageien gespielt, wurde dann aber von den anderen drei Tunichtguten schneller aus meinem Piratendasein katapultiert, als ich schauen konnte. Und zwar nach der Hälfte des Spiels. Spätestens jetzt finde ich Spielerelimination wieder so richtig doof. Erik waren dann noch ein paar mehr Runden vergönnt, aber auch er schied irgendwann aus, sodass nur noch David und Arne zum finalen Showdown antraten. Am Ende hatte Arne ungleich mehr Papageien, aber ich hätte David den Sieg auch wirklich nicht gegönnt, denn er verfolgte eine Strategie, die dem Spielsinn nicht unbedingt zuträglich war: Erstmal abwarten, bis alle gelegt haben, und dann mit der letzten Karte das optimale Ergebnis erzielen. So macht das Spiel keinen Spaß; mir zumindest nicht. 9:23:X:X war der Endstand. Hook muss man wirklich nicht gespielt haben, aber für alle sieben Pfingsten taugt es ganz gut. Bloß stellt sich dann wiederum die Frage, ob man dafür einen Platz in seiner Sammlung zur Verfügung stellt. Aber ich will nicht ins Philosophische abdriften.

Als Hauptspiel wählten wir Die Staufer, woraufhin Arne sich dann verabschiedete. Er hätte wahrscheinlich etwas deutlich Kleineres wie Colt Express noch mitgespielt, aber dann hätten wir um halb neun vor der Situation gestanden, dass für ein großes Spiel zu wenig und für ein kleines zu viel Zeit übrig ist. Und da Arne sowieso keine rechte Lust auf irgendein größeres Spiel hatte, kam mal wieder das zum Zuge, was wir besonders lange nicht auf dem Tisch hatten. Die Regeln mussten kurz in Erinnerung gerufen werden, waren dann aber schnell wieder präsent. David probierte es - wie immer - mit dem Sammeln brauner Truhen für die Endwertung, die ich - wie immer - völlig ignorierte. Irgendwie macht mir dieses Horten keinen Spaß. Ich versuchte stattdessen, mit möglichst wenigen Nachschub-Aktionen auszukommen, indem ich meine Figuren nur in den Regionen ablegte, die der König ohnehin sehr bald wieder betreten würde. Außerdem hatte ich recht früh das Priveleg für orange Truhen, mit dem ich viele Extrapunkte über das Spiel hinweg einheimsen konnte. Die Endwertungen waren heute nicht so extrem entscheidend wie sonst. Jeder war Erster in seiner Region, aber eine Konstellation gelang niemandem. Über die roten Auftragskarten gab es dann auch nur einige wenige Punkte für mich und David. Erik hatte das ganze Spiel keinen Wert auf die Aufträge gelegt, was sich später bitter rächte: 104:85:108 zeigen deutlich, dass man zwar auch während des Spiels bei den großen Wertungen dabei sein muss, man aber ohne die Aufträge kaum je siegen wird. Wir sollten das Spiel eigentlich häufiger mal spielen; allzu lange dauert es auch nicht. Aber das schreibe ich so oft...

Zum Absacker gab es dann Habe fertig. Der geneigte Leser erinnert sich: Das war vor zwei Wochen das neue Spiel, als ich nur mit Mattes die Glasstraße gespielt hatte. Man hat zwei Ablagestapel, deren Zahlen im besten Fall eine große Lücke bilden. Spielt man eine Karte von der Hand in diese Lücke, darf man gleich nochmal, usw. Auch zu dritt etwas grübelig, aber auch hier war es ja wieder die erste Partie. Ob es sich langfristig als Absacker hält, steht zu bezweifeln. Dafür liegen auf dem Stapel viel zu viele Kartenspiele ohne herausstechendes Profil, die meist nur gespielt werden, wenn sie schon zu lange zu weit unten im Stapel verweilen. 1:-5:0 bildeten den spannenden Endpunktestand. Obwohl ich in der zweiten und dritten Runde ausmachen konnte, war meine erste Runde doch so dermaßen schlecht gewesen, dass David sich den Sieg holte. Dazu muss aber erwähnt werden, dass Erik in der ersten Runde ziemlich häufig gute Vorlagen für David machte, wodurch ich ungerechterweise bestraft wurde. Jaja, das Leben ist hart und grausam.

Am Ende sprachen wir wiederum nicht über den Tatort, aber das hatten wir schon gleich am Anfang getan, als David und ich auf Erik gewartet hatten. Dass ich es dennoch hier am Ende des Berichts vermerke, ist reine Gewohnheitssache. Schließlich hätte das Gespräch eigentlich hierhin gehört. Vor dem Abend sprachen wir auch über Straßenbauarbeiten in unserer Heimatstadt und über Davids neue Wohnung, die er aber erst in anderthalb Jahren wird beziehen können, weil sie sich nunmal noch im Bau befindet. Am Ende des Spieleabends sprachen wir dann über fast gar nichts mehr. Gut, David schaffte es irgendwie, das Thema Duroplaste aufzubringen, aber das ist nun wirklich deutlich unter der Relevanzgrenze für diesen Thread. Und ihr wisst, dass die ohnehin nicht allzu hoch liegt. Um viertel nach zehn waren alle auch schon wieder weg. Es scheint so, als verhielte sich Eriks Bereitschaft zu einem gemütlichen Ausklingen des Abends antiproportional zur Dauer seiner Heimreise. Eigentlich schade. Beim nächsten Mal zwinge ich ihn zu einem Bier und zu etwas Gemütlichkeit. Keine Diskussion! Hand aufs Erz,

Der Siedler
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