Seite 1 von 1
Reprise: Ranglistenproblematiken
Verfasst: 7. Dezember 2002, 05:24
von Roman Pelek
Hi allerseits,
angesichts der aktuellen Umfrage würde ich ganz gerne nochmal den etwas untergegangenen Ranglisten-Thread von Jost reanimieren, da m. E. da doch einiges unbeantwortet oder ungeklärt blieb. Als Start mal mein Feedback auf Josts letzten Kommentar:
[Hype bei Umfragen - warum]
>> Hm, Lieblingsspiele pushen und um das zu unterstreichen:
>> den Rest abwerten.
>Aber warum? Da hat doch niemand was von!
>Insbesondere wenn so eine Wertung extrem herausragt, wird dies doch sowieso >hinterfragt. Oder bin ich hier zu naiv?
Hm, es gibt ein Primärinteresse bei Autoren oder Verlagen, sofern die betreffenden Spiele auf die Spieleszene ausgerichtet sind. Aber auch andere Motive mögen greifen: "Mein Lieblingsspiel soll vorne sein". Beides relativ sinnlos, fürwahr, aber kommt vor. Sicher (und zum Glück) wirklich sehr selten, aber wenn, dann ärgert's - und leider heißt auch "sehr selten", dass in jeder Umfrage irgendsoein Querschläger drin sein mag. Im übrigen fällt m. E. der Szene viel zu wenig auf, so genau schauen die wenigsten hin, man denke mal an die Faktor-12-Diskussion beim DSP zurück... Zu spät und zu kontrovers trotz der Fakten.
[Falsche Spieleindrücke wegen Regelmissverständnissen]
>Aber sollten nicht gerade wir "erfahrenen" Spieler erstmal die Regel/den Autoren >befragen, ob man es überhaupt richtig verstanden hat?
"Sollten" ist vermutlich der richtige Terminus. Aber tun wir das? Und vor allem: wissen wir überhaupt, dass uns ein Fehler unterlaufen ist? Und wenn ja: geben wir ihn zu? Das sind nach meinem Dafürhalten die Probleme. Zumeist bleiben (auch eklatante) Regelfehler unerkannt. Und wenn's erkannt wird, dann fehlt die Courage, das zuzugeben. Wer will sich schon outen, wenn zig andere es nicht tun? Dabei sind Regelfehler so normal und verbreitet wie Sand am Meer.
>Vielleicht sollte man dann noch zusätzlich die beste sowie schlechteste Wertung unberücksichtigt lassen (wie teilweise beim Sport).<
Wenn's ein zahlenmäßg beschränkte Jury ist - mag helfen. Ansonsten: eher sinnlos.
[Wie gerechte Ranglisten organisieren?]
> Es wird Zeit, dass jemand mal eine personalisierte Rangliste realisiert, wo nach Profilen verglichen wird (ähnlich wie bei Amazon, nur ausführlicher).
Wenn ich einen 35-Stunden-Tag hätte...<
Eben - wer macht's? Bei Amazon ist der wirtschaftliche Background offensichtlich, aber in der Spieleszene?
>Etwas ähnliches ist mir erst kürzlich in einem ganz anderen Bereich aufgefallen: Ich habe mich mit (unserem) Volker "gestritten", welcher StarWars-Film denn der beste wäre (eigentlich Episode IV oder V).<
Ich finde V, aber mit marginalem Abstand zu IV ;-)
>Also flugs eine Umfrage ins Netz gestellt, und schwuppdidupp ging es auch schon los. Plötzlich aber bekam ein eigentlich völlig aussichtsloser Kandidat (Episode IV) 7 Stimmen kurz hintereinander.<
"Römischer" Zahlendreher, nehme ich an?
>Warum macht jemand sowas? Hier gibt es nun wirklich nichts zu gewinnen / holen / zeigen...<
Übereifer? Ansteckende Unvernunft? Branchenbezogene Belanglosigkeit? Nuja, derselbe Unsinn, mit dem wir uns im Spielebereich plagen.
Ciao,
Roman
RE: Reprise: Ranglistenproblematiken
Verfasst: 7. Dezember 2002, 11:39
von Jost Schwider
"Roman Pelek" hat am 07.12.2002 geschrieben:
>> Insbesondere wenn so eine Wertung extrem herausragt, wird
>> dies doch sowieso hinterfragt. Oder bin ich hier zu naiv?
>
> Hm, es gibt ein Primärinteresse bei Autoren oder Verlagen,
> sofern die betreffenden Spiele auf die Spieleszene
> ausgerichtet sind.
Das würde eher dafür sprechen, das einzelstehende 1en vergeben würden.
Bzw. in solchen Fällen würde eher subtil vorgegangen werden müssen (also höchstens mal eine 5 für einen Konkurrenten).
Wieso? Weil, wenn das jemals auffliegen würde, wäre "die K...e am dampfen"!
> man denke mal an die Faktor-12-Diskussion beim DSP
> zurück...
Die Ergebnis-Reihenfolge wurde durch den einheitlichen Multiplikator nicht verändert. Daher war das für mich nicht sooo schlimm.
>> Aber sollten nicht gerade wir "erfahrenen" Spieler erstmal die
>> Regel/den Autoren befragen, ob man es überhaupt richtig
>> verstanden hat?
>
> "Sollten" ist vermutlich der richtige Terminus. Aber tun
> wir das?
Bei "uns" (Soester Spieletreff) gibt es quasi ein "Ritual":
Nach einem neuen Spiel wird von jedem eine Kurzbewertung eingeholt (völlig informell). Bei Extremwerten wird dann immer (automatisch, denn wir sind neugie... äh wissensdurstig) hinterfragt, warum jemand dies so empfindet.
Falls tatsächlich mal [i]alle[/i] eine schlechte Meinung haben und dies an ein/zwei ("unsinnigen", "ungerechten", ...) Regeln festgemacht werden kann, so wird tatsächlich nochmal die Regel konsultiert. Manchmal entwickelt sich daraus auch eine Varianten-Diskussion...
(Hach, Regeln sind doch was herrliches, nicht wahr? :-)) )
> Und vor allem: wissen wir überhaupt, dass uns ein
> Fehler unterlaufen ist? Und wenn ja: geben wir ihn zu?
Siehe obiges "Ritual". ;-)
> Und wenn's erkannt wird, dann fehlt die Courage,
> das zuzugeben.
Im Real Life gebe ich Fehler nur ungerne zu (wie wohl fast jeder Mensch).
Aber im Spielregelbereich habe ich absolut keine Probleme damit. Letztendlich kann man mit der korrekten Regelauslegung doch nur gewinnen (nicht unbedingt das Spiel, aber auf jeden Fall an Spielspaß).
>> Vielleicht sollte man dann noch zusätzlich die beste sowie
>> schlechteste Wertung unberücksichtigt lassen
>
> Wenn's ein zahlenmäßg beschränkte Jury ist - mag helfen.
> Ansonsten: eher sinnlos.
Wenn es sehr viele Werter sind, könnte man auch einen Sockelwert einführen, der anzahlmäßig erstmal überschritten werden müßte, um Noten zu berücksichtigen.
Ups, das klingt jetzt aber kompliziert, also mal ein Beispiel (Sockelwert 5):
Abstimmung: 7x Note 1, 12x3, 3x6 => Durchschnitt 2,77
Wertung: 2x1, 7x3, 0x6 => Durchschnitt 2,56
Oder man benutzt eine Art 5% Hürde (hier: 5 Wertungen-Hürde). Im obigen Beispiel ergebe sich dann:
Wertung: 7x1, 12x3, 0x6 => Durchschnitt 2,26
> [Profil-Ranglisten]
> Eben - wer macht's? Bei Amazon ist der wirtschaftliche
> Background offensichtlich, aber in der Spieleszene?
Man darf ja mal träumen dürfen... ;-)
>> Plötzlich aber bekam ein eigentlich völlig aussichtsloser
>> Kandidat (Episode IV) 7 Stimmen kurz hintereinander.
>
> "Römischer" Zahlendreher, nehme ich an?
:roll: Klar, Episode [b]VI[/b] (der Glücksbärchen-Film) ist natürlich ohne Chance...
> Übereifer? Ansteckende Unvernunft? Branchenbezogene
> Belanglosigkeit? Nuja, derselbe Unsinn, mit dem wir uns im
> Spielebereich plagen.
Ich fürchte, solchen Leuten geht es oft einfach nur ums "zerstören"... :-/
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")
Re: Reprise: Ranglistenproblematiken
Verfasst: 7. Dezember 2002, 12:20
von Heinrich Glumpler
Hi,
sicher kommt es vor, dass jemand eine Regel falsch verstanden hat, das Spiel dann auf eine Weise spielt, die deshalb keinen Spass macht und dann z.B. eine "6" gibt.
Mag sein, dass er die Regel vielleicht nicht genau gelesen hat, aber andererseits muss sich dann auch der Designer fragen, ob er nicht was falsch gemacht hat - vor allem, wenn das öfter vorkommt.
Die "1" vom Autor oder vom Verlag leuchtet mir schon ein, solange es *eine* "1" ist - gerade für Kleinstverlage, die üblicherweise ein hohes Risiko eingehen, wäre es doch ein Armutszeugnis, ein Spiel rauszubringen, das man selbst nicht für gut hält.
Diese Posting beleuchtet nicht die "Pusher" und "Dropper", aber mit denen haben die Umfragen, die ich so für wichtig halte, selten zu kämpfen - meist wird eine Mail-Adresse gefordert.
Bei KMWs Spielertreff musste man seine Adresse angeben, wenn man einen Preis gewinnen wollte - was zumindest eine kleine Hemmschwelle gegen das "torpedieren" darstellt.
Gruesze
Heinrich
RE: Reprise: Ranglistenproblematiken
Verfasst: 7. Dezember 2002, 16:30
von Jost Schwider
"Roman Pelek" hat am 07.12.2002 geschrieben:
> angesichts der aktuellen Umfrage
Jetzt habe ich mir nochmal die aktuellen Ergebnisse angeschaut. Und was sieht man wieder? Einzelstehende 6er. :roll:
Hier noch ein extreme Idee kontra der Manipulation:
Ein Werter, der (am Ende der Abstimmphase) eine einzelstehende Note produziert hat, wird komplett aus der Wertung herausgenommen, also alle seine Stimmen für ungültig erklärt.
Ich denke, dass das den einen oder anderen Manipulator abschrecken kann. :-D
Viele Grüße
Jost aus Soest (oft Gerechtigkeits-Fanatiker)
RE: Reprise: Ranglistenproblematiken (OT)
Verfasst: 7. Dezember 2002, 17:42
von Heinrich Glumpler
Hi Fanatiker ;-)
es wäre immer noch möglich, dass es verschiedene Leute waren, die da die 6er verteilen.
Der Mensch neigt im allgemeinen dazu, nach Gemeinsamkeiten und regelmäßigen Strukturen im Chaos seiner Umwelt zu suchen - was außerordentlich sinnvoll ist, da er sich so Gewohnheiten und Automatismen zulegt, die ihm helfen, mit dem Leben klar zu kommen.
Trotzdem sollte man - besonders die eigene - Wahrnehmung immer sehr genau im Auge behalten ;-)
ABER WENN ICH DEN 6ER-TYP erwische, bekommt er von mir 6 blaue Augen (drei links und drei rechts)
:LOL:
Gruesze
Heinrich
Gerechtigkeit / Fairness bei Umfragen
Verfasst: 10. Dezember 2002, 00:38
von Roman Pelek
Hi Jost,
Jost Schwider schrieb:
> Jetzt habe ich mir nochmal die aktuellen Ergebnisse
> angeschaut. Und was sieht man wieder? Einzelstehende 6er.
> :roll:
Klar - aber das ist doch normal. Bzw. kann es auch sein, dass Du da noch einen Stand begutachtet hast, der eine offenkundige Manipulation miteinbezog. Es gab eine Abgabe unter einer nachweislich falschen E-Mail-Adresse, deren Notenspektrum sich von nur von 4 bis 6 erstreckte, diese ist mittlerweile gelöscht.
> Hier noch ein extreme Idee kontra der Manipulation:
> Ein Werter, der (am Ende der Abstimmphase) eine
> einzelstehende Note produziert hat, wird komplett aus der
> Wertung herausgenommen, also alle seine Stimmen für ungültig
> erklärt.
Nein, warum auch? Mit dieser Methode würde man einen, der in einem Punkt eine abweichende Meinung hat, seiner kompletten Stimme berauben. Das ist für mich nicht Gerechtigkeit, sondern eher Unterdrückung einer anderslautenden Meinung, ein Weichspülen in Richtung Mainstream. Ich persönlich finde, man sollte jede Meinung mit gebührendem Respekt betrachten und nicht leichtfertig nivellieren oder eliminieren.
> Ich denke, dass das den einen oder anderen Manipulator
> abschrecken kann. :-D
Nein - denn wenn ich clever bin, wähle ich dann nur Noten am unteren Rande des zu Erwartenden, die grade nicht rausfallen. Damit ziehe ich auch nach unten. Und dummdreiste Manipulationen sind eh leicht zu erkennen. Ich würde den Begriff "Manipulation" eh sehr vorsichtig verwenden, für Offensichtliches eben. Ein paar abweichende Meinungen, ein paar Ausreißer machen noch keine Manipulation. Manipulationen bei Abstimmungen sind für mich z. B. falsche E-Mail-Adressen zusammen mit einer Höchst- oder Niedrigstnote für ein Spiel oder Höchstnoten für einen Verlag und Niedrigstnoten für alle anderen. Oder Sammelabstimmungen, die ein Spiel pushen und nachweislich aus einer Richtung kommen (Wohnort, identische IP, Fake-E-Mails) und am besten je nur dieses Spiel werten.
> Viele Grüße
> Jost aus Soest (oft Gerechtigkeits-Fanatiker)
Tja, aber Gerechtigkeit heißt für mich nicht, den Mainstream zu fördern oder weichzuspülen, sondern impliziert auch, Abweichendes zu respektieren. Ich würd's auch eher Fairness denn Gerechtigkeit nennen - denn gerecht wird etwas oder jemandem man quasi nie. Fair sein heißt für mich, jede Meinung zu respektieren, aber Böswilligkeiten zu unterbinden. Und so halte ich es auch mit Umfragen ;-) Wenn jemand aus übertriebener Gerechtigkeit bei Umfragen das Gefühl bekommt, sich für extreme Wertungen in Einzelfällen rechtfertigen zu müssen, dann verzerrt und entstellt das eine Umfrage viel mehr als wenn mal eine gefakte Abgabe durchrutscht, die mittelt sich eh weg. Der Sinn einer Umfrage für mich ist, dass alle Leute frei von der Leber weg werten, möglichst ohne Hintergedanken (z. B. "Den Autor mochte ich persönlich noch nie oder grade ganz besonders") oder "strategische Überlegungen" (z. B.: "Ah, Spiel XY kommt nicht so gut an, mir gefällt's aber recht gut, deshalb gebe ich eine 1 um's zu heben").
Ciao,
Roman
RE: Gerechtigkeit / Fairness bei Umfragen
Verfasst: 10. Dezember 2002, 15:26
von Jost Schwider
"Roman Pelek" hat am 10.12.2002 geschrieben:
>> Und was sieht man wieder? Einzelstehende 6er.
>> :roll:
>
> Klar - aber das ist doch normal.
Finde ich nicht. Eine "6" zu vergeben ist entweder eine bodenlose Frechheit, oder das Spiel ist eine bodenlose Frechheit. Bei den angemerkten Spielen ist "ein gewisser" Spielreiz auf jeden Fall nicht abstreitbar, also war es wohl doch böse Absicht. :-/
> Bzw. kann es auch sein, dass Du da noch einen Stand
> begutachtet hast, der eine offenkundige Manipulation
> miteinbezog.
Kann ich jetzt nicht mehr feststellen.
>> Hier noch ein extreme Idee kontra der Manipulation:
>> Ein Werter, der (am Ende der Abstimmphase) eine
>> einzelstehende Note produziert hat, wird komplett aus der
>> Wertung herausgenommen, also alle seine Stimmen für ungültig
>> erklärt.
>
> Mit dieser Methode würde man einen, der
> in einem Punkt eine abweichende Meinung hat, seiner
> kompletten Stimme berauben.
Deswegen habe ich es auch eine "extreme Idee" genannt! ;-)
Wie gesagt, es ging um "Abschreckung"... :-D
> Ich persönlich finde, man sollte jede Meinung
> mit gebührendem Respekt betrachten und nicht leichtfertig
> nivellieren oder eliminieren.
Nicht "leichtfertig", aber durchaus bestimmt. Das Hauptproblem ist sicher die Anonymität solcher Umfragen, die einerseits Distanz schafft ("mich erwischt schon niemand"), andererseits die Anzahl der Teilnehmer erhöht.
> Nein - denn wenn ich clever bin, wähle ich dann nur Noten
> am unteren Rande des zu Erwartenden, die grade nicht
> rausfallen.
Aber wenn man gar nicht weiß, was erwartet wird... :-?
> Ein paar abweichende Meinungen, ein paar Ausreißer
> machen noch keine Manipulation.
Das ist absolut korrekt. Wenn sie jedoch verstärkt auftauchen (jemand vergibt etwa ausschließlich Extremnoten), würde ich schon von Manipulation reden.
> Tja, aber Gerechtigkeit heißt für mich nicht, den
> Mainstream zu fördern oder weichzuspülen
:-O Natürlich nicht!
Aber wenn die absolute Mehrheit ein Spiel besch...en findet, dann sollten durchaus negative Extemnoten als Endergebnis herauskommen.
> Ich würd's auch eher Fairness denn Gerechtigkeit nennen
OK, ganz wie du willst (sind schließlich nur Worte).
> Fair sein heißt für mich, jede Meinung zu respektieren,
> aber Böswilligkeiten zu unterbinden.
D'accord.
> Der Sinn einer Umfrage für mich ist, dass alle Leute
> frei von der Leber weg werten, möglichst ohne
> Hintergedanken
:-)) Das wäre wirklich schön! :-))
Viele Grüße
Jost aus Soest
RE: Gerechtigkeit / Fairness bei Umfragen
Verfasst: 10. Dezember 2002, 17:37
von Marten Holst
Moinle Jost,
> Finde ich nicht. Eine "6" zu vergeben ist entweder eine
> bodenlose Frechheit, oder das Spiel ist eine bodenlose
> Frechheit. Bei den angemerkten Spielen ist "ein gewisser"
> Spielreiz auf jeden Fall nicht abstreitbar, also war es
> wohl doch böse Absicht. :-/
(...)
>> Ein paar abweichende Meinungen, ein paar Ausreißer
>> machen noch keine Manipulation.
>
> Das ist absolut korrekt. Wenn sie jedoch verstärkt
> auftauchen (jemand vergibt etwa ausschließlich
> Extremnoten), würde ich schon von Manipulation reden.
(...)
>> Der Sinn einer Umfrage für mich ist, dass alle Leute
>> frei von der Leber weg werten, möglichst ohne
>> Hintergedanken
>
> :-)) Das wäre wirklich schön! :-))
Nun ja, ich sehe das eher so: es gibt für eine Notenskala von "1-6" (oder auch von "1-100") meist (und das ist konservativ ausgedrückt) keine adäquate Umsetzung in "Spielwerte". Und die Aussage "Bei '6' ist ein Spiel eine bodenlose Frechheit" mag für Dich zutreffen, aber ein anderer mag sagen "Ich habe mich gelangweilt, das Spiel hat zwar funktioniert, aber es lag weder thematisch noch vom Mechanismus her auf meiner Linie" und eine 6 geben - eben frei von der Leber weg. Und genauso kann ich mir vorstellen, dass es auch zwei Fraktionen von Extrembenotern gibt - der eine greift zu 1 und 6, um auszudrücken "Hier habe ich 90 wunderschöne Minuten verbracht, es hat mir Spaß gemacht, auch wenn irgendwelche pingeligen Kleingeister die unausgewogene Abschlusswertung beklagen: 1" gegen obige 6 - andere vergeben nur 3er und 4er (eher wohl 2er und 3er), denn man will sich ja noch Optionen für eventuelle bessere oder schlechtere Spiele offen halten, und kleine Fehler findet man immer, bzw. der Mechanismus tut schon immer irgendwie. Selbst beim Leiterspiel.
Fazit: all zu extreme Bewertungen sind vielleicht nicht schön, aber wenn man nicht von vornherein eine fixe "Übersetzung" vorgibt, dann finde ich das Wort "Manipulation" doch in jedem Fall zu hart. Von daher finde ich jede "harte" Kriterienanwendung dieser Art, um Stimmen auszusieben als kritisch.
Eins bis sechs Grüße
Marten (hat allerdings lange an keinen derartigen Abstimmungen teilgenommen)
RE: Gerechtigkeit / Fairness bei Umfragen
Verfasst: 11. Dezember 2002, 15:41
von Jost Schwider
"Marten Holst" hat am 10.12.2002 geschrieben:
> Nun ja, ich sehe das eher so: es gibt für eine Notenskala
> von "1-6" (oder auch von "1-100") meist (und das ist
> konservativ ausgedrückt) keine adäquate Umsetzung in
> "Spielwerte".
Ich denke mal, dass für 99% unter uns bei einer 6er-Skala ganz unwillkürlich an Schulnoten gedacht wird, also von "sehr gut" bis "ungenügend".
> Und die Aussage "Bei '6' ist ein Spiel eine
> bodenlose Frechheit" mag für Dich zutreffen, aber ein
> anderer mag sagen "Ich habe mich gelangweilt, das Spiel hat
> zwar funktioniert, aber es lag weder thematisch noch vom
> Mechanismus her auf meiner Linie" und eine 6 geben
:-/ Grumpf! Ich hoffe nicht! :-?
> Fazit: all zu extreme Bewertungen sind vielleicht nicht
> schön, aber wenn man nicht von vornherein eine fixe
> "Übersetzung" vorgibt,
Wie gesagt, 6er-System = i.A. Schulnoten.
> dann finde ich das Wort "Manipulation" doch in jedem
> Fall zu hart.
Wie würdest du so extreme/radikale Benotungen denn sonst nennen? :-D
Viele Grüße
Jost aus Soest
Noteninterpretationen, Umfragen & Manipulationen
Verfasst: 12. Dezember 2002, 01:45
von Roman Pelek
Hi Jost,
Jost Schwider schrieb:
[Normalität von 6ern]
> Finde ich nicht. Eine "6" zu vergeben ist entweder eine
> bodenlose Frechheit, oder das Spiel ist eine bodenlose
> Frechheit. Bei den angemerkten Spielen ist "ein gewisser"
> Spielreiz auf jeden Fall nicht abstreitbar, also war es wohl
> doch böse Absicht. :-/
Hm, Notenskalen können m. E. sehr relativ sein. Es gibt zwar grobe Anhaltspunkte, wie sie zu deuten sind, aber individuell weicht das doch sehr stark ab. Jeder definiert seine Anforderungen etwas anders. Das ist ja auch in anderen Bereichen, z. B. Ausbildung so: bei manchem Lehrer, manchem Prof kommt man mit gutem Willen zu einer 1 oder 2, der andere verlangt nobelpreisverdächtige Leistungen, um einen über die 3er-Schwelle rutschen zu lassen.
Ich persönlich reserviere mir 6en für die unspielbaren Exemplare von Spielen und 5en für die tendenziell funktionierenden, die keinen Spaß bringen. Aber wieso jemandem nehmen, das anders zu sehen? Für den anderen ist Null Spaß gleich 6, weil er seine wertvolle Freizeit eben auch nicht mit nicht unterhaltsamen Spielen verbringen mag. Ich empfinde das als Ansicht, die ihre Berechtigung hat :-)
[Stimmen mit einer extremen Note streichen]
> > Mit dieser Methode würde man einen, der
> > in einem Punkt eine abweichende Meinung hat, seiner
> > kompletten Stimme berauben.
> Deswegen habe ich es auch eine "extreme Idee" genannt! ;-)
> Wie gesagt, es ging um "Abschreckung"... :-D
Was nützt es real, Leute abzuschrecken, die manipulieren wollen, wenn sich damit andere der Abstimmung entziehen, die sich dadurch - m. E. zu Recht - zu eingeschränkt fühlen? Zum einen mitteln sich Fehler durch größere Beteiligung aus, zum anderen überragt nach meinen Erfahrungen zum Glück die Dämlichkeit der Leute, die manipulieren wollen, ihre Dreistigkeit, so dass man die leicht erkennt und rausfischen kann - sofern man sich die Mühe macht ;-)
> > Ich persönlich finde, man sollte jede Meinung
> > mit gebührendem Respekt betrachten und nicht leichtfertig
> > nivellieren oder eliminieren.
> Nicht "leichtfertig", aber durchaus bestimmt. Das
> Hauptproblem ist sicher die Anonymität solcher Umfragen, die
> einerseits Distanz schafft ("mich erwischt schon niemand"),
> andererseits die Anzahl der Teilnehmer erhöht.
Die Erhöhung der Teilnehmerzahl ist begrüßenswert. Das mit dem "Mich erwischt schon niemand" setzt schon gehobene Dummheit respektive Faulheit bei den Durchführenden voraus bzw. Automation ohne manuelle Kontrolle. Wenn einer so blöd ist, von einem einzelnen Rechner aus binnen fünf Minuten 10 Abgaben zu machen, die nur ein, zwei Spiele beinhalten, die hoch bewertet werden und dann ernsthaft denkt, es merkt keiner... Nuja, dann mag er Recht haben oder auch nicht :-))
Aber ernsthaft: die meisten Manipulationen sind so unglaublich dummdreist, dass es schon Ignoranz bedarf, um sie nicht zu erkennen. Diese Leute gehen wohl auch 20x zur Bundestagswahl und zeigen immer denselben Perso und Wahlschein vor.
> > Nein - denn wenn ich clever bin, wähle ich dann nur Noten
> > am unteren Rande des zu Erwartenden, die grade nicht
> > rausfallen.
> Aber wenn man gar nicht weiß, was erwartet wird... :-?
Dann hat man sich nicht genügend informiert ;-) Ich finde, dass es in der Spieleszene sehr wenig Überraschungen gibt, wenn man sich vorher der einschlägigen Quellen bedient und aus Erfahrung ein Gefühl dafür hat, was wie zu deuten ist. Zumindest nicht, was Umfragen aus einem größeren Kreis angeht, wo sich individuelle Vorlieben mitteln. Oder war z. B. der DSP dieses Jahr eine Überraschung? Stand jemals zur Disposition, dass PR mit rekordverdächtigem Abstand gewinnt? Oder dass Trans America weit vorne ist? Dass Villa Paletti alleine schon ob des SdJ-Gewinns viel Beachtung findet? Dass generell die Spiele vorne liegen, die über eine vergleichsweise hohe Verbreitung in der Szene verfügen, da der Abstimmmodus dies implizit unterstützt?
> > Ein paar abweichende Meinungen, ein paar Ausreißer
> > machen noch keine Manipulation.
> Das ist absolut korrekt. Wenn sie jedoch verstärkt auftauchen
> (jemand vergibt etwa ausschließlich Extremnoten), würde ich
> schon von Manipulation reden.
Ich auch :-))
> > Der Sinn einer Umfrage für mich ist, dass alle Leute
> > frei von der Leber weg werten, möglichst ohne
> > Hintergedanken
> :-)) Das wäre wirklich schön! :-))
Wäre es. Sinn einer Umfrage sollte es m. E. sein, dies so vielen Leuten wie möglich ohne Einschränkungen anzubieten, aber trotzdem ein Auge drauf zu haben, dass nicht vereinzelte "Genies" das torpedieren. Eigentlich ist das auch nicht allzu schwer, es erfordert nur eine gewisse Portion "Handarbeit". Denn so schwer sind echte Manipulationen wirklich nicht zu erkennen, es wird nach meinem Dafürhalten nur zuwenig darauf geachtet.
Ciao,
Roman
RE: Noteninterpretationen, Umfragen & Manipulationen
Verfasst: 12. Dezember 2002, 08:46
von Jost Schwider
"Roman Pelek" hat am 12.12.2002 geschrieben:
> Hm, Notenskalen können m. E. sehr relativ sein. Es gibt
> zwar grobe Anhaltspunkte, wie sie zu deuten sind, aber
> individuell weicht das doch sehr stark ab.
Im Allgemeinen: Ja.
Allerdings sind 6er-Noten m.E. fast immer mit Schulnoten verknüpft.
> bei manchem Lehrer [...] kommt man mit gutem Willen zu
> einer 1 oder 2, der andere verlangt nobelpreisverdächtige
> Leistungen, um einen über die 3er-Schwelle rutschen zu lassen.
Ich sage nur: "Deutschlehrer"! :-/
> Ich persönlich reserviere mir 6en für die unspielbaren
> Exemplare von Spielen und 5en für die tendenziell
> funktionierenden, die keinen Spaß bringen.
Hey, das ist [i]meine[/i] Wertung! ;-)
> Zum einen mitteln sich Fehler durch größere
> Beteiligung aus, zum anderen überragt nach meinen
> Erfahrungen zum Glück die Dämlichkeit der Leute, die
> manipulieren wollen, ihre Dreistigkeit, so dass man die
> leicht erkennt und rausfischen kann - sofern man sich die
> Mühe macht ;-)
:LOL: Hoffentlich bleibt es so! :LOL:
:-O Hoffentlich liest hier keiner von denen mit! :-? ;-)
> Oder war z.B. der DSP dieses Jahr eine Überraschung?
Nicht wirklich.
[i]Aber[/i]: Hat dies nicht mindestens einer dazu genutzt, ganz bewußt andere Spiele zu wählen, "da Puerto Rico ja sowieso gewinnen wird"? (Das wurde hier im Forum so gesagt!) Ist das nicht auch schon eine Art Manipulation?
> Wäre es. Sinn einer Umfrage sollte es m. E. sein, dies so
> vielen Leuten wie möglich ohne Einschränkungen anzubieten,
> aber trotzdem ein Auge drauf zu haben, dass nicht
> vereinzelte "Genies" das torpedieren. Eigentlich ist das
> auch nicht allzu schwer, es erfordert nur eine gewisse
> Portion "Handarbeit". Denn so schwer sind echte
> Manipulationen wirklich nicht zu erkennen, es wird nach
> meinem Dafürhalten nur zuwenig darauf geachtet.
OK, [i]das[/i] sollten wir als Schlußwort für diesen Thread festhalten! :-))
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")