Amun Re nochmals
Verfasst: 26. März 2003, 00:14
Hi allerseits,
bevors im erhöhten Postingaufkommen untergeht, wollte ich nochmal auf Amun Re bzw. die untenstehende Diskussion dazu eingehen, da's sicher einige interessiert. Weiter unten schrieb toasti auf Bernds negativen Ersteindruck:
>Ich bin ganz deiner Meinung. Natürlich gibt es viele Spiele, die schlechter sind als Amun Re, aber nach den Erwartungen, die im Internet geschürt wurden, war es eine absolute Enttäuschung.<
Ich war nach meinen ersten beiden Partien auch skeptisch: die typische Kniziasche Wertungsverästelung (für alles gibt's Punkte), hoher Verwaltungsaufwand (Einkommensberechnung, Wertungsauszählung), Übersichtsprobleme (wer sitzt wo, wer hat welche Interessen, was bedeuten welche Karten). Aber ich muss sagen, dass mich das Spiel mittlerweile eines besseren belehrt hat.
>Wir haben es nur zu dritt gespielt, was ich als sehr ungeeignet empfinde, da man beim Opfern immer im Bereich 1 oder 2 bleibt.<
Die 3er-Besetzung ist m. E. die schwächste, aber mitnichten bleiben die Opfer immer im Bereich von 1 und 2, wenn die Spieler vernünftig spielen. Wer sich viele Bauern sichert oder auf Tempel geht, wird - zudem angesichts der 3er-Verschiebekarten - auch mehr bieten, zumal man drei Teile bekommen kann. Natürlich wird man zu dritt eher im 1-3 Bereich bleiben und zu fünft eher im 2-4-Bereich landen. Auch die Dromedar-Felder sind zu dritt natürlich attraktiver als zu fünft, aber das sind Verschiebungen im Charakter, die ich nicht per se als negativ empfinde. Wir jedenfalls hatten, nach etwas Erfahrung mit dem Spiel, auch sehr viel Spaß zu dritt.
>Das Spiel empfand ich als sehr abstrakt und die Mechanismen als sehr ausgelutscht.<
S. o. Das Spiel ist abstrakt, erfordert Übersicht, Kenntnis aller Karten, Wertungen und hat einen hohen Verwaltungsaufwand - ein Knizia eben. Als ausgelutscht empfand ich es nicht, da die Neukombination bewährter Mechanismen hier m. E. deutlich besser funktioniert als bei vielen anderen Spielen dieses Jahrgangs, die das Rad meist auch nicht neu erfinden.
>Puerto Rico war da schon deutlich origineller.<
Marginal, wenn man die Computerspielvorbilder miteinbezieht. Aber solche Diskussionen halte ich für relativ akademisch, denn letztlich geht's um den Spaß und nicht um die Neuartigkeit. Letztlich haben sich alle Spieleautoren an gewissen Notwendigkeiten zu orientieren, und da ist der Spielraum manchmal erschreckend gering.
>Von einem Strategiespiel ist es auch weit entfernt.<
Nein - wenn man die Karten alle kennt und das Spiel häufiger gespielt hat, kann man vieles sehr gut einschätzen. Wie bei allen Versteigerungsspielen ist es wichtig, dass Du ein Gefühl dafür bekommst, was wie wertvoll ist und sehr genau mit Deinem Geld haushaltest. Erfahrene und rundum aufmerksame Spieler werden auch bei AR die anderen schlagen, egal, was für Karten wann kommen.
>Einmal durch das Kartenziehen, aber auch durch das Ausspielen der Opferkarten, das eine immense Glückskomponente darstellt.<
Die Karten sind durchweg positiv, Du musst Deine Strategie nur daran anpassen. Und es empfiehlt sich durchaus, früh viele Karten zu kaufen, so Du denn nicht eine ganz andere Strategie fährst. Und verkaufen kann man unpassende Karten ja auch, selten erfährt man dadurch einen Verlust von mehr als 1 Geld. Und doppelt erfüllen kann man Karten (Wertung) ja auch nicht, so dass sich das m. E. sehr gut ausbalanciert.
>Ich habe z. B. mehrfach die gleiche Anzahl Goldkarten geboten wie meine beiden Mitspieler, da ich aber hinten saß, blieb der Startspieler immer gleich und das ist ein beträchtlicher Vorteil für ihn.<
Nein, Startspieler zu sein ist ein zweischneidiges Schwert. Du bist bei einem Patt fein raus, baust aber auch als erster. Es ist in einer hinteren Position deutlich einfacher, auf Pyramidenmehrheiten westlich/östlich des Nils hinzuarbeiten, da Du die Aktionen Deiner Mitspieler kennst. Ich habe einige Partien gewonnen, ohne jemals Startspieler gewesen zu sein.
>Auch ich werde das Spiel noch öfter spielen, glaube aber nicht, daß es mich nach mehreren Spielen umhauen wird.<
Abwarten. Das Spiel gewinnt m. E. mit der Zeit deutlich. Zu Anfang mag es allerdings abschrecken, ging mir nicht anders. Mittlerweile denke ich mit Hinblick auf die Vielspielerzielgruppe, dass es das beste komplexe Spiel dieses Jahrgangs ist.
>Das Übereinanderherfallen hier im Forum, falls mal jemand die geringste Kritik äußert, finde ich fürchterlich.<
Geht mir ähnlich ;-)
Ciao,
Roman
bevors im erhöhten Postingaufkommen untergeht, wollte ich nochmal auf Amun Re bzw. die untenstehende Diskussion dazu eingehen, da's sicher einige interessiert. Weiter unten schrieb toasti auf Bernds negativen Ersteindruck:
>Ich bin ganz deiner Meinung. Natürlich gibt es viele Spiele, die schlechter sind als Amun Re, aber nach den Erwartungen, die im Internet geschürt wurden, war es eine absolute Enttäuschung.<
Ich war nach meinen ersten beiden Partien auch skeptisch: die typische Kniziasche Wertungsverästelung (für alles gibt's Punkte), hoher Verwaltungsaufwand (Einkommensberechnung, Wertungsauszählung), Übersichtsprobleme (wer sitzt wo, wer hat welche Interessen, was bedeuten welche Karten). Aber ich muss sagen, dass mich das Spiel mittlerweile eines besseren belehrt hat.
>Wir haben es nur zu dritt gespielt, was ich als sehr ungeeignet empfinde, da man beim Opfern immer im Bereich 1 oder 2 bleibt.<
Die 3er-Besetzung ist m. E. die schwächste, aber mitnichten bleiben die Opfer immer im Bereich von 1 und 2, wenn die Spieler vernünftig spielen. Wer sich viele Bauern sichert oder auf Tempel geht, wird - zudem angesichts der 3er-Verschiebekarten - auch mehr bieten, zumal man drei Teile bekommen kann. Natürlich wird man zu dritt eher im 1-3 Bereich bleiben und zu fünft eher im 2-4-Bereich landen. Auch die Dromedar-Felder sind zu dritt natürlich attraktiver als zu fünft, aber das sind Verschiebungen im Charakter, die ich nicht per se als negativ empfinde. Wir jedenfalls hatten, nach etwas Erfahrung mit dem Spiel, auch sehr viel Spaß zu dritt.
>Das Spiel empfand ich als sehr abstrakt und die Mechanismen als sehr ausgelutscht.<
S. o. Das Spiel ist abstrakt, erfordert Übersicht, Kenntnis aller Karten, Wertungen und hat einen hohen Verwaltungsaufwand - ein Knizia eben. Als ausgelutscht empfand ich es nicht, da die Neukombination bewährter Mechanismen hier m. E. deutlich besser funktioniert als bei vielen anderen Spielen dieses Jahrgangs, die das Rad meist auch nicht neu erfinden.
>Puerto Rico war da schon deutlich origineller.<
Marginal, wenn man die Computerspielvorbilder miteinbezieht. Aber solche Diskussionen halte ich für relativ akademisch, denn letztlich geht's um den Spaß und nicht um die Neuartigkeit. Letztlich haben sich alle Spieleautoren an gewissen Notwendigkeiten zu orientieren, und da ist der Spielraum manchmal erschreckend gering.
>Von einem Strategiespiel ist es auch weit entfernt.<
Nein - wenn man die Karten alle kennt und das Spiel häufiger gespielt hat, kann man vieles sehr gut einschätzen. Wie bei allen Versteigerungsspielen ist es wichtig, dass Du ein Gefühl dafür bekommst, was wie wertvoll ist und sehr genau mit Deinem Geld haushaltest. Erfahrene und rundum aufmerksame Spieler werden auch bei AR die anderen schlagen, egal, was für Karten wann kommen.
>Einmal durch das Kartenziehen, aber auch durch das Ausspielen der Opferkarten, das eine immense Glückskomponente darstellt.<
Die Karten sind durchweg positiv, Du musst Deine Strategie nur daran anpassen. Und es empfiehlt sich durchaus, früh viele Karten zu kaufen, so Du denn nicht eine ganz andere Strategie fährst. Und verkaufen kann man unpassende Karten ja auch, selten erfährt man dadurch einen Verlust von mehr als 1 Geld. Und doppelt erfüllen kann man Karten (Wertung) ja auch nicht, so dass sich das m. E. sehr gut ausbalanciert.
>Ich habe z. B. mehrfach die gleiche Anzahl Goldkarten geboten wie meine beiden Mitspieler, da ich aber hinten saß, blieb der Startspieler immer gleich und das ist ein beträchtlicher Vorteil für ihn.<
Nein, Startspieler zu sein ist ein zweischneidiges Schwert. Du bist bei einem Patt fein raus, baust aber auch als erster. Es ist in einer hinteren Position deutlich einfacher, auf Pyramidenmehrheiten westlich/östlich des Nils hinzuarbeiten, da Du die Aktionen Deiner Mitspieler kennst. Ich habe einige Partien gewonnen, ohne jemals Startspieler gewesen zu sein.
>Auch ich werde das Spiel noch öfter spielen, glaube aber nicht, daß es mich nach mehreren Spielen umhauen wird.<
Abwarten. Das Spiel gewinnt m. E. mit der Zeit deutlich. Zu Anfang mag es allerdings abschrecken, ging mir nicht anders. Mittlerweile denke ich mit Hinblick auf die Vielspielerzielgruppe, dass es das beste komplexe Spiel dieses Jahrgangs ist.
>Das Übereinanderherfallen hier im Forum, falls mal jemand die geringste Kritik äußert, finde ich fürchterlich.<
Geht mir ähnlich ;-)
Ciao,
Roman