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Gerade gelesen: Arno Miller zur Preisverleihung
Verfasst: 23. Juni 2003, 16:08
von Helmut Lehr
Hallo,
als Abonnent der österreichischen "Spielwiese" erhalte ich immer ein Info-Email.
Dort veröffentlichte Herausgeber Arno Miller folgende Kritik an der Veranstaltung, die für Forumsleser auch interessant sein dürfte:
"Galanacht für Spiel des Jahres und 25 Jahre Spiele-Jury in Berlin
Was hätte das für ein Fest werden können! Die Jury Spiel des Jahres vergibt zum 25. Mal den bedeutendsten Spielepreis und lädt ins noble Hotel Esplanade nach Berlin. 24 bisherige Spiele des Jahres und die zwei bisherigen Kinderspiele des Jahres hätte man - zum Beispiel - kurz Revue passieren lassen können. Sie haben schließlich den Ruf des Preises begründet.
Die Autoren dieser Spiele waren zum Teil eingeladen gewesen. Manche nicht warum, weiß man nicht. Ein paar sind gekommen, andere haben sich entschuldigt.
Es hätte aus Anlass des Jubiläums ein öffentliches Ereignis werden können. Eines mit Medienwirkung. So aber blieben einmal mehr Auserwählte unter sich und klopften sich gegenseitig auf die Schulter. Es bleibt die Frage, für wen die Veranstaltung gemacht wurde und weshalb eigentlich. Denn die Entscheidung stand schon vorher fest und könnte auch anders kommuniziert werden. Dass zwei von drei Verlagen bei dieser Form von Preisverleihung völlig für die Katz zum Teil viel Geld in Präsentationen ihrer nominierten Spiele stecken, ist ökonomischer Unfug und unterstreicht, dass beim Konzept einiges nicht stimmt. Dem dritten Verlag, der den Preis erhält, werden die Kosten dank Auszeichnung nicht weh tun.
Diese Präsentationen sind neben der Bekanntgabe der Hauptpreise das angebliche Salz in der Suppe. Die Aufgabe wird von den Verlagen mehr oder weniger gut gemeistert. Doch die Muster wiederholen sich und es ist insgesamt zu lang und zu langweilig. Die Präsentationen hatten dieses Mal zum Teil gar nichts mehr mit den Spielen zu tun, sondern man überließ es Theaterprofis und einer Boygroup zu unterhalten.
Wenn überhaupt eine solche Veranstaltung, dann grenzt es an Kamikaze des Veranstalters, sich auf Gedeih und Verderb irgendwelchen guten oder schlechten Einfällen seiner Gäste auszuliefern. Aber auch die Performance der Veranstalter selbst war fragwürdig. Von Spannungsbogen nur eine marginale Spur und die Bekanntgabe bzw. Verleihung der Auszeichnungen ein lustloses Abspulen der nötigen Formalitäten.
Der Jury ist der angebliche Event zu ihrem Geburtstag aus den Fingern geglitten. "
MfG
Helmut
Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 23. Juni 2003, 16:54
von Michael Schramm
Hi Helmut,
sehr interessant, dieser Beitrag von Arno Miller! Und offensichtlich haben die Stimmen nicht ganz unrecht, die schon seit Jahren behaupten, die Jury habe zwar in aller Regel Sachverstand zum Thema Spiel und sei hier so etwas wie die Bundesliga ( obwohl: sie küren den Champion, aber ich will auch nicht übertreiben!), sei aber was Marketing oder Veranstaltungs-Knowhow anging absolutes Kreisklasseniveau. Nun war ich nicht bei dieser Veranstaltung zugegen, hier wird ja nur ein winziger Kreis von Experten und Prominenten eingeladen ( manchmal wundert es mich allerdings, wer zu diesem Kreis dazugehört und wer nicht - aber das ist ein anderes Thema!), und in den letzten Jahren hörte man zumindest von den teilnehmenden Personen durch die Bank Positives - nur hat sich der Ablauf wohl seit Einführung der Nominierungsliste nicht geändert und ist inzwischen wieder - übertrieben gesagt - Einheitsbrei.
Ob wir es noch erleben, dass sich der Verein "Spiel des Jahres" - denn um den geht es , nicht nur um die Jury! - endlich mit professionellem Sachverstand in Form eines hauptamtlichen Geschäftsführers ausstattet, der dann u.a. Veranstaltungen wie die Preisverleihung dem Anlass entsprechend vermarkten und durchführen würde? Ist diese Preisverleihung denn tatsächlich keinem der privaten Sender eine Sendung wert, so richtig mit gutem Moderator, Unterhaltungsteil und - um es zu wiederholen - professioneller Machart? Mensch, wir haben einen Preis, um den uns weltweit die Spielebranche - und auch der Verbraucher! - beneidet, und wir lassen ihn von Amateuren in Szene setzen!
Liebe Jury, lieber Verein "Spiel des Jahres", keiner will euch eure Lorbeeren streitig machen oder eure Arbeit wegnehmen - aber seid so clever, euch hier mal richtig beraten zu lassen, ihr seid doch ansonsten nicht auf den Kopf gefallen!
nice dice und nochmals herzlichen Glückwunsch an Queen und Selecta!
Michael Schramm
Re: Gerade gelesen: Arno Miller zur Preisverleihung
Verfasst: 23. Juni 2003, 18:41
von Wolfgang Ditt
Hallo Helmut,
vielen Dank für den Text, wenngleich ich nicht weiß, wie Arno es sieht, dass du ihn hier einfach veröffentlichst.
So wie der Text geschrieben ist, erscheint er wir einfach nur als eine Abrechnung mit der Jury, warum auch immer. Ich war nicht dort und kann das Event als solches nicht beurteilen. Ich gehe mal auf die Punkte im einzelnen ein.
> Was hätte das für ein Fest werden können! Die Jury Spiel des
> Jahres vergibt zum 25. Mal den bedeutendsten Spielepreis und
> lädt ins noble Hotel Esplanade nach Berlin. 24 bisherige
> Spiele des Jahres und die zwei bisherigen Kinderspiele des
> Jahres hätte man - zum Beispiel - kurz Revue passieren lassen
> können. Sie haben schließlich den Ruf des Preises begründet.
Hätte, aber muss man. Es gibt viele Formen der Präsentation, muss es eine Rückblende sein?
> Die Autoren dieser Spiele waren zum Teil eingeladen gewesen.
> Manche nicht warum, weiß man nicht. Ein paar sind gekommen,
> andere haben sich entschuldigt.
Hm, wer will hier nicht, wenn Autoren nicht eingeladen waren, ist das traurig, das gilt aber ebenso für die, die sich entschuldigen ließen.
> ... Es bleibt die Frage, für wen
> die Veranstaltung gemacht wurde und weshalb eigentlich. Denn
> die Entscheidung stand schon vorher fest und könnte auch
> anders kommuniziert werden. Dass zwei von drei Verlagen bei
> dieser Form von Preisverleihung völlig für die Katz zum Teil
> viel Geld in Präsentationen ihrer nominierten Spiele stecken,
> ist ökonomischer Unfug und unterstreicht, dass beim Konzept
> einiges nicht stimmt. Dem dritten Verlag, der den Preis
> erhält, werden die Kosten dank Auszeichnung nicht weh tun.
Nun, möchte man eine Gala mit Nominerten, gibt es Verlierer und Gewinner und meist mehr Verlierer. Sind die Abendkleider der Schauspielerinnen beim Oscar für die Katz, wenn sie nominiert sind, aber nicht gewinnen?
> Diese Präsentationen sind neben der Bekanntgabe der
> Hauptpreise das angebliche Salz in der Suppe. Die Aufgabe
> wird von den Verlagen mehr oder weniger gut gemeistert. Doch
> die Muster wiederholen sich und es ist insgesamt zu lang und
> zu langweilig. Die Präsentationen hatten dieses Mal zum Teil
> gar nichts mehr mit den Spielen zu tun, sondern man überließ
> es Theaterprofis und einer Boygroup zu unterhalten.
Ich kan die Präsentationen im einzelnen nicht beurteilen, war ja nicht da. Aber muss es zwanghaft was mit Spiel zu tun haben. Mir scheint eher Arno mochte diese Form der Präsentation nicht, obwohl sie ja, wenn es sie so das erste Mal gab, innovativ war.
> ... Aber auch die Performance der Veranstalter
> selbst war fragwürdig. Von Spannungsbogen nur eine marginale
> Spur und die Bekanntgabe bzw. Verleihung der Auszeichnungen
> ein lustloses Abspulen der nötigen Formalitäten.
Kann ist nicht beurteilen
> Der Jury ist der angebliche Event zu ihrem Geburtstag aus den
> Fingern geglitten. "
Tja, wenn ich http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=70696&t=70645 lese, kommen Zweifel in mir auf.
Noch zu Mika Schramms Posting: ja, eine professionelle Organisation für Event ist immer gut. Das gilt hier wie auch anderswo.
Wolfgang
Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 07:59
von Peter Wenzel
Hallo Michael,
ich finde Deinen Beitrag prima und kann dem nur zustimmen.
Die Preisverleihung sollte ins Fernsehen, mit einem guten Moderator, zu einer guten Sendezeit.
Ich denke dies sollte DAS Ziel der Jury sein.
Sie haben ja nun wieder einige Monate Zeit dies vorzubereiten.
Mit spielerischen Grüßen
Peter
Re: Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 08:25
von dingo123
sorry, wenn ich jetzt hart werde, aber außer uns spielefreaks interessiert so eine verleihung keinen. würde mir auch nicht die verleihung des "goldenen bambusstabes" anschauen. voraussetzung wäre ja, dass alle zuschauer die spiele kennen. bei filmpreisen kann ich mitzittern, weil ich die schauspieler kenne oder auch den film. spiele kauft zwar jeder, aber wer dahinter steckt, interessiert die leute nicht. sie wollen nur ein gutes spiel haben. und überlegt mal was das für die jury kostet, dann haben die ja keinen gewinn mehr :-)
Re: Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 11:50
von Günter Cornett
Peter Wenzel schrieb:
>
> Hallo Michael,
> ich finde Deinen Beitrag prima und kann dem nur zustimmen.
> Die Preisverleihung sollte ins Fernsehen, mit einem guten
> Moderator, zu einer guten Sendezeit.
> Ich denke dies sollte DAS Ziel der Jury sein.
Hallo Peter,
ich denke, die Jury ist ziemlich unabhängig und sollte das auch bleiben.
Warum ist es für die Forumsleser denn so wichtig, was diese unbedeutenden Leute in ihrer Freizeit so Unprofessionelles treiben ? ;-)
In aller Unprofessionalität haben sie es doch geschafft eine sehr erfolgreiche Marke aus dem Boden zu stampfen. Eine Kritik an ihrer Arbeit sollte IMHO konstruktiver sein als die von Arno. Er macht die Jury einfach nur runter, was es für den Leser schwer macht zu unterscheiden zwischen sinnvoller Kritik und bloßer Anpinkelei.
Wa bringt es z.B. 25 Spiele abzuspulen ? Das merkt sich doch keiner. Die Bemerkungen zur Qualität der Aufführung ist subjektiv.
Eine 'professionelle Vermaktung' könnte dem ganzen auch eine falsche Richtung geben. Braucht das Spiel wirklich einen Günter Jauch, damit die Leute spielen ?
Ist das Spielen denn eine sooo unattraktive Tätigkeit ?
Sicher, eine öffentliche Veranstaltung würde dem Preis mehr Aufmerksamkeit bringen - aber auch den Spielen ?
Das Problem dieses Preises sehe ich eher in dem Erfolg des Titels, der zwar einerseits Aufmerksamkeit auf den Preisträger lenkt, aber andererseits sehr auf diesen fokussiert. 'Professionelle Vermarktung' würde diesen Effekt nich mehr verstärken. Die Jury hat versucht, dem durch die Nomierungen entgegenzuwirken. Leider werden dabei die übrigen Spiele der Auswahlliste vernachlässigt. Die hätten auf der Presseveranstaltung schon etwas besser präsentiert werden können, nicht vier Stück auf einem Tisch.
Aber ich denke, hier ist auch zu berücksichtigen, dass die Jury begrenzte Möglichkeiten hat. Und wer das Ziel der Jury definiert, sollte sich vielleicht fragen, welche Möglichekiten er selben haben. Sind doch genug engagierte Leute im Forum, die auch praktische Kritik üben könnten.
Gruß, Günter
> Sie haben ja nun wieder einige Monate Zeit dies vorzubereiten.
>
> Mit spielerischen Grüßen
> Peter
Re: Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 13:37
von peer
Hi,
Günter hat schon was wichtiges geschriben: Es fehlte an der Kritik in weiten Teilen an Alternativen.
Und warum immer Jauch?
Weiss jemand überhaupt ob der spielt? Wäre doch schlimm wenn er keine Ahnung von Spielen hätte (in den WWM-Fragen zum Thema spielen, war er auch nicht so der Spezialist), dass könnte mehr schaden als nützen...
Und das Jauch das Allheuilmittel ist, wage ich auch zu bezweifeln (und es wäre ja auch schade, wenn Leute nur spielen, weil Jauch dabei ist)
ciao
Peer
Re: Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 18:26
von Roland G. Hülsmann
peer schrieb:
> Und das Jauch das Allheuilmittel ist, wage ich auch zu
> bezweifeln ...
All[b]heul[/b] oder All[b]heil[/b] ? :grin:
Ein klassischer "Freud", würde ich sagen! ;-)
Roland
(der sehr wohl weiß, daß auf unseren Tastaturen das "u" neben dem "i" liegt ...)
RE: Warum ändert sich eigentlich nichts?
Verfasst: 24. Juni 2003, 20:03
von Thomas Rosanski
"dingo123" hat am 24.06.2003 geschrieben:
> überlegt mal was das für die jury kostet, dann haben die ja
> keinen gewinn mehr :-)
Gewinn? Ich dachte immer, die Jury wäre ein "e.V." und keine "GmbH" oder "AG".
Fröhlichen Gruß,
Thomas
--
http://thomas-rosanski.de/
Jauch = Allheilmittel?
Verfasst: 26. Juni 2003, 20:10
von Jost Schwider
"peer" hat am 24.06.2003 geschrieben:
> Und das Jauch das Allheuilmittel ist, wage ich auch zu
> bezweifeln (und es wäre ja auch schade, wenn Leute nur
> spielen, weil Jauch dabei ist)
Sagen wir mal, nur 10% dieser Leute (die nur wegen Jauch sich mal mit "Spielen" beschäftigen) finden gefallen daran. Bei einer geschätzten Zuschauerzahl von 10 Millionen haben wir dann einen Zulauf von 1 Million neuen Spielern... ;-)
"Knut, hol' schonmal ein paar dickere Server heran!" :LOL:
Viele Grüße
Jost aus Soest (darf auch mal träumen)
http://www.schwider.de/spiele.htm - [i](Brett)Spiele und mehr...[/i]