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Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 09:56
von Marc Gallus
Hallo!
In der aktuellen Ausgabe der Fairplay schneidet das oben genannte Spiel relativ schlecht ab und ich würde gerne Eure Meinung dazu hören:
Obwohl die Testrunden das Spiel mochten, kam man leider zu folgendem Schluss:
"Am Ende jeder Runde, also bei jeder Messe, geben die Spieler eine bestimmte Anzahl von Verdächtigenkarten an den linken Nachbarn weiter. Diese Regel ist völliger Quatsch, denn was hilft mir die Antwort auf die Frage(an einen Spieler gerichtet-Wie viele Mönche mit Bart hast Du auf der Hand?), wenn Du zum einen alle Mitspieler die laut zu nennende Antwort darauf ebenfalls erfahren. Zweitens ist das spätestens nach der nächsten Messe eine völlig nutzlose Information, da der Spieler möglicherweise nun schon wieder bärtige Mönche weitergegeben hat und nun die ganze Buchführung nicht mehr stimmt."
Wenn diese Kritikpunkte stimmen sollten, funktioniert das Spiel tatsächlich nicht richtig.
Teilt Ihr diese Meinung dazu? Schliesslich gab es hier ja doch viele positive Resonanzen zum Spiel:-)
Gruss
Marc
RE: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 10:31
von Lukas Merlach
> wenn Du zum einen alle Mitspieler die laut zu
> nennende Antwort darauf ebenfalls erfahren. Zweitens ist
> das spätestens nach der nächsten Messe eine völlig nutzlose
> Information, da der Spieler möglicherweise nun schon wieder
> bärtige Mönche weitergegeben hat und nun die ganze
> Buchführung nicht mehr stimmt."
Mit einer simplen abstreich-Buchführung ala Cluedo kommt man tatsächlich nicht weit.
Die Informationen haben eine gewisse "Halbwertszeit": Nach einer Messe muss man halt einberechnen, dass die Bartträger schon einen Spieler weitergewandert sein könnten. Wirklich nutzlos sind die Informationen erst nach mehreren Messen.
Dass praktisch alle Informationen offen fliessen macht ebenfalls einen starken Unterschied zu Cluedo. Je nach eigenem Wissensstand helfen diese Informationen sehr unterschiedlich weiter. (Was der Fragesteller natürlich berücksichtigen sollte.)
Das Spiel mag etwas chaotisch sein, vielleicht auch etwas zufällig (weil oft irgendwelche Verdächtigungen ins blaue abgegeben werden, weil die Kartenauswahl, die man in den ersten par Zügen sieht sehr entscheidend ist etc.) aber zweifellos funktioniert es und ist eine deduktive Herausforderung.
Gruss Lukas
Re: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 11:25
von Bernd
Hallo Marc,
diese Kritik kam nach unserem ersten Spiel auch von einigen Mitspielern auf.
Ich teile sie allerdings nicht, und sie zeigt meiner Meinung nach, dass diejenigen das Spiel nicht so ganz begriffen haben!
Denn wenn ich weiß, dass nach einer Messe die weitergegeben werden, macht es doch keinen Sinn, nach Karten auf der Hand zu fragen (außer in der ersten Runde) - geschweige denn, mich nachher darüber aufzuregen.
Man muss halt nach anderen Wegen suchen, z.B. fragen, was ein Mitspieler weiß bzw. abgestrichen hat und mich so peu a peu vorarbeiten! Und da liegt meiner Meinung nach der Vorteil gegenüber Cluedo: Erstens komme ich mit stupidem Abstreichen a la Cluedo nicht weit, und zweitens muss ich meine Fragen so stellen, dass ich zwar einen Nutzen davon habe, die Mitspieler aber nicht!
Ich muss mich halt an dem Orientieren, was ich weiß und dieses Wissen durch Fragen bzgl. der Informationen (nicht der Karten!) die meine Mitspieler haben erweitern.
Schöne Grüße
Bernd
Re: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 11:32
von Michael Schmidt
Das Geheimnis der Abtei ist, dass man die richtigen Fragen stellt. Und dabei können die weitergegeben Karten schon recht nützlich sein.
Wie Lukas schon feststellte kommt man nicht weiter, wenn am Ende jeder die selben Informationen hat. Man muss also eben Fragen stellen, aus denen man nur selbst Schlüsse ziehen kann.
Wie in der Fairplay richtig festgestellt wurde ist die Halbwertszeit von halbgaren Informationen sehr gering. Die Information, wieviel Mönche mit Bart ein Mistspieler auf der Hand hat, ist in der Tat praktisch nutzlos. Was wichtig ist, ist das Ausschliessen einzelner Mönche.
Daraus folgt, dass man nach Möglichkeit versuchen sollte, Mönche auszuschliessen ohne das die Mitspieler diese ausschliessen können.
Leichter gesagt als getan, aber genau die Regel, die von der Fairplay als Quatsch bezeichnet wird hilft einem hierbei:
[ol]
[*]Man kann versuchen, einen Mönch auf der Hand zu halten und möglichst bereits bekannt Unschuldige weiterzugeben.
[*]Bekommt man bspw. einen Abt der Templer weitergereicht kann man fragen:
Hast Du bereits einen anderen Mönch des selben Orden und Ranges ausgeschlossen?
[/ol]
Darüber hinaus forciert das Weitergeben ja auch das Spiel. Ich würde sogar sagen, dass das Spiel [b]ohne[/b] die Weitergebregel Quatsch ist.
Ich kann der Kritik der Fairplay also überhaupt nicht zustimmen. Die Festellungen sind zwar richtig aber die Schlussfolgerung, dass die Weitergebregel unnütz ist, zeigt für mich eher, dass man sich nicht besonders mit dem Spiel beschäftigt hat.
Re: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 16:52
von bruno faidutti
The point is simply that this is NOT Cluedo! Of course, it belongs to the same family, and Cluedo habits can help at the beginning, but you must not hold on to them all the game long, or you would end up asking useless questions.
There are many ways to get information in this game. Questions is one of them, but a question like "how many bearded monks do you have" is usually useless. More precise questions - "how many dominican novices" can be more useful - especially when you have two and the other player answers "one". You have eliminated a card, and other players haven't learned anything. You must always keep in mind that the situation changes fast, and ask questions accordingly.
Furthermore, asking questions and making brute deduction is not the only path to victory. You can also try to see as many cards as possible, use the scriptorium cards, make risky revelations....
The point in the fairplay critic only means that the game doesn't work if you try to play it like Master Mind meets Cluedo. There's more in it.
Re: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 18:31
von Attila
Hiho,
Nunja, die Aussage ist wenig durchdacht und zeigt auch das der Spieler (der sie getätigt hat) das Spiel vollkommen verstanden hat.
Es ist tatsächlich so das die Antwort auf eine Frage öffentlich gegeben wird. Das heisst im umkehrschluss allerdings nicht das die Antwort auf die Frage für alle Mitspieler die gleichen Informationen enthält. Bei diesem Spiel ist es sehr wichtig die richtigen Fragen zu stellen - gerade weil einem beim stellen der Fragen relativ viel Spielraum gelassen wird, liegt hier ein knackpunkt im Spiel! Klar, der Gegenüber kann einem die Antwort verweigern, nicht jedoch wenn er einen zuvor selber gefragt hat und man hat bereitwillig Antwort gegeben.
Der Schwirigkeitsgrad ist sicherlich ungleich höher als bei Cluedo, was natürlich dann auch zu solchen Kritiken führt.
Atti
Re: Geheimnis der Abtei-Kritik am Spielablauf
Verfasst: 22. Juli 2003, 19:39
von Ralph Obkircher
hallo!
ich glaube, dass man das spiel ganz schön falsch spielen kann, wenn man eben nur auf nummer sicher geht und sich nur dann an enthüllungen und beschuldigungen heranwagt, wenn man sich absolut sicher ist.
bei unserer ersten partie haben wir so gespielt und waren etwas ratlos was spielspass und die durchschaubarkeit des spiels angeht. alle weiteren runden waren dann aber sehr unterhaltsam, weil es eben wichtig ist, mutig enthüllungen zu machen und damit wichtige punkte zu erhalten.
ich finde "das geheimnis der abtei" wesentlich kreativer und abwechslungsreicher als zum beispiel "cluedo"!
ich glaube, eine schlechte kritik des spiels hängt wirklich mit der (falschen) spielweise des titels zusammen.
verdächtige grüsse
ralph.