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Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 00:10
von michel
Hallo,
ich möchte hier mal ein Thema zur Diskussion stellen, welches mich schon seit längerem fürchterlich nervt. Nur kurz vorweg, ich handele weder mit spielen, noch habe ich Laden, Onlineshop etc in dieser Richtung. Ich bin nur seit vielen vielen Jahren leidenschaftlicher Brettspielfanatiker dem wirklich was an seinem Hobby und dem drumherum liegt.
Also:
Wenn ich mich im Netz mal so umgucke, dann fallen mir immer so ein bis zwei Onlineshops auf die Brettspiele (auch neue und welche die sich meines erachtens nach immer noch gut verkaufen lassen müssten) nahezu verramschen.
Wie kommen Preise zustande die bis zu 20 € unter dem Ladenpreis liegen? Wer hat was davon? Macht es nicht nur den Einzelhandel Schritt für Schritt kaputt? Kleine Läden in denen wirklich noch Spielefans hinterm Tresen stehen und nicht einfache Verkäufer die billigst angepriesene Spiele nicht nur nicht auf Lager haben sondern diese noch nichtmal weiter kennen (ausser dem Namen und vielleicht dem Wissen dass es sich gut verkaufen lässt - vor allem zu Aldi Preisen). Wer denkt an die Läden ohne die die Spielesammlung die ihr Euch hier wahrscheinlich alle mühsam aufgebaut habt niemals möglich gewesen wäre - denn vor 10 - 15 Jahren gab es beim Real noch keine Strategiespiele und auch keine Discount Onlineshops.
Ich gebe nachwievor lieber ein bissel mehr aus und stütze damit Läden die ich vor Jahren schon besucht habe oder sehe zu im Netz nicht gerade den billigsten zu erwischen - zumindest nicht Verramscher Shops mit System dahinter. Dies soll keine Onlineshop Verteufelung sein - denn ich bestelle auch sehr viel übers Netz. Nur denke ich daß ohne Einzelhandel oder echte Fans in den Shops denen etwas daran liegt - Kleinverlage keine Zukunft mehr haben werden.
Würde nur gerne mal Eure Meinung dazu hören.
Gerne auch mal von Verlags- und Spieleautorenseite.
Viele Grüße
Michel
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 00:54
von Jochen Schwinghammer
Hallo Michel!
michel schrieb:
> Nur denke ich daß ohne
> Einzelhandel oder echte Fans in den Shops denen etwas daran
> liegt - Kleinverlage keine Zukunft mehr haben werden.
Ich finde, dass gerade Kleinverlage von den Bestellmöglichkeiten über das Internet profitieren. Ohne den Internetversand dürfte es wohl sehr schwierig sein, in Japan z.B. "Zauberschwert und Drachenei" zu bekommen.
Bevor ich ein Spiel kaufe, sehe ich mich im Internet um, lese die zahlreichen Informationen und Rezensionen und habe eine wunderbare Beratung. Dann kaufe ich es da, wo es am günstigsten ist.
Weil es günstiger ist, kann ich mir mehr Spiele leisten, was wiederum meiner Spielesammlung zu gute kommt. Da der Abgabepreis an den Handel von den Verlagen festgelegt wird, entscheiden die Händler über die Gewinnspanne. Der Gewinn wird dann eben über höhere Stückzahlen gemacht. Was ist schlecht daran, wenn mehr Spiele verkauft werden?
Viele Grüße, Jochen Schwinghammer
"Die Welt ist im Wandel ..."
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 02:08
von Marc W.
Hi,
wenn sich der Spiegel-Online-Artikel auch auf Spieleinzelhandel übertragen lässt, ist das ärgerlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,281552,00.html
Andererseits:
1. Ich suchte vorgestern nach "Game of Thrones" und fand es einmal bei einem Anbieter im Internet für 41,xy Euro incl. Versand und im lokalen Fantasy-Shop "Paladin Place" für 59,xy Euro. Jetzt hatte ich also die Wahl für "sofort meins" oder auf eine Bestellung warten. Jetzt mag das jeder für sich anders sehen, aber 18 Euro sind für mich nicht "ein bissel mehr". Bei 5 Euro Differenz hätte ich es ja noch genommen (wobei meine Schwelle früher bei 5 DM lag) aber 18 Euro? Da kann ich mir ja noch den Herr der Ringe-Soundtrack als Hintergrundmusik dazu holen.
Und wenn ich dann noch gebeten werde Jacke und Tasche vorne liegen zu lassen, wenn ich mir - nach x Jahren Abstinenz - ein paar Zinnfiguren anschaue, dann habe ich auf den Laden auch keine Lust mehr. Zwar habe ich früher selber mal in so einem Laden gearbeitet und kenne das Problem mit diebischen Kunden, aber dieser Generalverdacht geht mir - einmal prinzipiell und gerade weil ich mal so einen "Ladenhüterjob" hatte - etwas gegen meine Ehre. Ich bin 35 Jahre ohne so einen Blödsinn wie Ladendiebstahl ausgekommen, da fange ich doch jetzt nicht mit an. Und nebenbei gehen mir die den Laden mit Lärm (und Umsatz, klar ;) ) füllenden pubertierenden TCG-Spieler ein wenig auf den Geist.
2. Ich wollte mal die Adlung-Spiele "Fugger" und "Zauberschwert&Drachenei" beim lokalen Spiele- und Spielzeugladen bestellen. Aber die wollten nicht. Die warten bis Nürnberg rum ist und dann wird das Sortiment neu gesteckt. Dann bestelle ich die doch bei einem Versandhändler. Dass der dann auch noch billiger ist, kommt mir natürlich sehr entgegen, aber wenn der Faix mein Geld gar nicht will?
Tja, diese beiden Probleme habe ich beim Onlineshopping nicht. Wobei mir die Zweischneidigkeit der Sache schon klar ist. Ohne Händler vor Ort habe ich keine Möglichkeit mehr vorher in den Sack mit der Katze zu schauen.
Marc
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 06:08
von Peter Gustav Bartschat
michel schrieb:
> Wie kommen Preise zustande die bis zu 20 € unter dem
> Ladenpreis liegen?
Durch erfolgsorientiertes Kostenmanagement: Die größten Kostenfaktoren - neben dem Einstandspreis der Waren - sind Personal und Miete. Wer mit wenig Personal und Räumen abseits der Laufstrecken des Publikums auskommt, kann dadurch eine Menge sparen, das er an seine Kunden weiter geben kann.
> Wer hat was davon?
Jeder, der das Angebot wahr nimmt. WENN ein günstiger Preis sein Kriterium bei der Auswahl des Anbieters ist - was jeder für sich selbst entscheidet.
> Macht es nicht nur den
> Einzelhandel Schritt für Schritt kaputt?
Der Versandhandel IST ein Teil des Einzelhandels. Und der Teil des Einzelhandels, der durch seine Preisgestaltung konkurrenzfähig bleibt, wird dadurch natürlich nicht kaputt gemacht. Die anderen Anbieter sind selbst aufgefordert, die Initiative zu ergreifen, um mit dieser Situation zurecht zu kommen.
> Wer denkt an die Läden ohne die die Spielesammlung
> die ihr Euch hier wahrscheinlich alle mühsam aufgebaut habt
> niemals möglich gewesen wäre - denn vor 10 - 15 Jahren gab es
> beim Real noch keine Strategiespiele und auch keine Discount
> Onlineshops.
Ich hoffe, die denken selbst an sich, denn das ist ihre Aufgabe.
Wenn ich etwas kaufe - sei es Katzenfutter oder ein Spiel - dann schließe ich persönlich nur ein Geschäft ab und gebe meine Gegenleistung in Form von Geld ab. NUR das! Ich bin frei von jeder über die Bezahlung hinaus gehenden Verpflichtung und leiste keinen lebenslangen Treueeid, niemals wieder woanders einzukaufen.
(Übrigens fand ich´s gar nicht mühsam, meine Spielesammlung aufzubauen: Ich habe mir einfach immer nur ein einzelnes Spiel gekauft, was auch immer und wo auch immer ich grade Lust dazu hatte. Die Sammlung ist völlig unbemerkt nebenbei entstanden. :-) )
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 08:19
von Björn-spielbox
Hallo,
ich habe eine zeitlang in einem Spieleladen gearbeitet und bin selbst Vielspieler, kenne also beide Seiten. Fakt ist, das Schnäppchenpreise/Versand (für Brettspiele) den lokalen Einzelhandel kaputt machen. Die Preispolitik einiger (großer) Verlage, die kleinen Geschäften nur eine sehr niedrige Gewinnspanne bei relativ hohen Einkaufspreisen ermöglichen, kommt noch dazu (und Rezession, Videospielkonkurrenz und und und ...).
Gustav: Dass man durch Kostenmanagement einiges einsparen kann ist richtig, ein Laden wird in der Regel aber nie an die Versandpreise kommen können. Und abseits der Laufstrecken kann man m.E. kein erfolgreiches Spielzeuggeschäft etablieren.
Mark: Ladendiebstahl war bei uns auch ein großes Problem, gerade wenn man nur allein im Laden ist. Mich nervt dieser Generalverdacht zwar auch, aber was willst Du machen? Wie erkennt man Ladendiebe? Wenn Dir im Monat Waren für 100 Euro geklaut werden, geht das bei einem kleinen Laden schnell an die Substanz.
Natürlich ist es legitim, nach dem günstigsten Angebot zu schauen und es dann dort zu kaufen. Die Läden müssen sich darauf einstellen. In unserem Fall: wir haben aufgehört und machen jetzt was anderes, andere Läden haben z.B. das Brettspielsortiment verkleinert zu Gunsten von Spielzeug. Und es wird sicherlich auch Läden geben, die nicht so viel davon merken. Ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist, kann/will ich nicht beurteilen.
Wie schon Jochen sagte: "Die Welt ist im Wandel."
Björn
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 08:38
von Steve-spielbox
michel schrieb:
>
> Ich gebe nachwievor lieber ein bissel mehr aus und stütze
> damit Läden die ich vor Jahren schon besucht habe oder sehe
Meine Meinung ist eindeutig:
Ich gebe lieber ein bißchen weniger aus und kaufe das Spiel da wo es am Günstigsten ist. Und wenn ich es 20 Euro unter Ladenpreis bekomme, bin ich richtig glücklich.
Steve
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 09:27
von Grimma
Das TCG-Geschehen kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen.
Bis vor einigerzeit gab´s hier in Hamburg noch den Laden "Das Spiel" - einfach großartig! Seitdem es den nicht mehr gibt, sehe ich nur noch Fantasy-Läden (oder anders ausgedrückt: Supermärkte für pubertierende Satanisten-Grufties und TCG-Briefmarkensammler) & dort kann man keinesfalls Beratung oder gar ein Testspiel erwarten.
Gibt es irgendwo auf dieser Welt einen wirklich guten Spieleladen, der noch nicht pleite ist?
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 10:37
von Roland G. Hülsmann
Ja hier:
http://www.heidelbaer.de
Gruß
Roland
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 10:46
von Marc W.
Hi,
ich weiss auch nicht was man gegen den Klau machen kann. Nur: Ich komme in den Laden 1-3x im Jahr, kaufe vielleicht ein Midgard-Produkt, bestelle auch mal was (hat also meinen Namen und Adresse, wenn es interessant würde), damit ich Händler vor Ort unterstütze (!) und bin wieder weg.
Dieses Mal saßen gerade keine TCG-Spieler da und blockierten die Zinnfiguren - der Laden war noch leer, weil er gerade geöffnet hatte - da wurde ich nostalgisch und schaute mal was es da inzwischen so gibt. Und dann gleich zum Tasche ablegen und Jacke ausziehen gebeten zu werden...
Klar, es müssen alle gleich schlecht behandelt werden, damit die Teenies nicht maulen, aber ich bin keine 14 mehr, mache nicht mehr jeden Mist und muss auch nicht mehr jeden Sch... mitmachen. Ich erwarte etwas mehr Menschenkenntnis. Und je mehr ich darüber nachdenke, auf die 1-3x im Jahr reinschauen kann ich auch verzichten (und der Laden - und die "Magic&Co"-Spielerhorde, die einen so alten Sack wie mich dann immer seltsam mustern, wenn man an der Kasse steht - wird so einen Kleinkunden wie mich auch nicht vermissen, auch klar.)
Marc
Reine Brettspielläden sind eh Vergangenheit
Verfasst: 15. Januar 2004, 11:49
von Ralf Arnemann
Man muß das ganz nüchtern sehen: Die speziellen Brettspielläden hatten ihre Zeit, und die ist nun vorbei.
Kurzer Rückblick: Früher hatten die Spielwarenläden nur das übliche Ravensburger/Schmidt/Parker-Sortiment und sonst gab es gar nichts.
Dann kam Walter Luc Haas mit einem E-Hobbies-Versandhandel. Da mußte man fast blind bestellen, weil es nur recht wenige Informationen und Rezensionen gab (entsprechend viel Schrott aus dieser Zeit habe ich noch im Keller liegen ...).
Und dann haben engagierte Spieler vor 20-15 Jahren eine Reihe von Spieleläden aufgemacht, in denen Importspiele, Kleinverlage und sonstige Novitäten anschauen und probespielen konnte. Die meisten von uns haben wohl in solchen Läden die ersten Kontakte zur Spielerszene gefunden und halten die in nostalgischer Ehrfurcht.
Aber kommerziell liefen die meisten davon immer auf sehr dünnem Eis, die Margen waren dünn, die vielen ausgepackten Probespiele waren nur noch mit Verlust verkäuflich und eigentlich hielten sich viele Läden nur durch Selbstausbeutung des Besitzers oder durch Quersubventionierung mit Zinnfigurenverkauf o. ä.
Sehr viele dieser Läden haben inzwischen auch dicht gemacht (sogar "Das Spiel" in Hamburg - bei dem Ruf und dem Einzugsgebiet eigentlich mit den besten Überlebenschancen).
Andere konzentrieren sich auf Fantasy/Rollenspiele/Zinnfiguren/Sammelkarten, und damit auf eine ganz andere Zielgruppe (meist Jugendliche). Das kann noch lange so laufen, weil diese Produkte oft, aber nur in kleinen Mengen gekauft werden, da ist Versandhandel nicht so angesagt.
Ansonsten aber haben die normalen Spielwarenläden ihr Sortiment durchaus so ausgebaut, daß man einen großen Teil seiner Brettspielwünsche dort gut befriedigen kann.
Und für die Spezialitäten ist der Versandhandel eben viel günstiger, nicht nur preislich. Die volle Bandbreite über alle Importspiele und Kleinverlage kann nämlich kein Laden mehr vorrätig halten, das geht nur per Versand.
Und die Informationen bekommt man heute ohnehin nicht durch Beratung im Laden. Und auch nicht, wenn man dort ein Spiel auspackt und die Regel liest.
Das ist zwar schon eine deutliche Hilfe, aber man kauft immer noch viel zu viele Spiele, die sich hinterher als Enttäuschung herausstellen - und versäumt andere, die ganz toll sind (nur nach Regellektüre wäre ich nie auf die Idee gekommen, wie gut mir Puerto Rico gefallen würde).
Auch was ich heute im Laden kaufe, das kaufe ich nur, weil ich vorher Rezensionen und Diskussionen genug gelesen habe, die mir ein Bild vom Spiel vermittelt haben.
Und dann reduziert sich die Leistung des Händlers nur noch auf das Rüberschieben der verschlossenen Schachtel - das geht auch im Versand.
Fazit: Die Rahmenbedingunge haben sich komplett geändert, und die fachkundigen Händler gibt es nicht mehr und werden auch nicht mehr gebraucht.
Also kann man ruhigen Gewissens beim Billigsten kaufen.
Für die Autoren und Verlage ist der Vertriebsweg ohnehin nebensächlich, da zählt nur, daß möglichst viele Spiele an die Kundschaft kommen. Und da sind die Versender eine gute Sache.
Re: Reine Brettspielläden sind eh Vergangenheit
Verfasst: 15. Januar 2004, 12:51
von Stephan Zimmermann
Hallo alle,
sind wohl alles Zeichen der Zeit.
Wer kauft heute noch im Tante-Emma-Laden? Bestimmt weniger als 5%.
Ein paar gute in Spezialnieschen mögen überlebt haben, aber
alles andere wurde durch Billigdiscounter platt gemacht.
Ob das gut ist oder nicht sei dahingestellt, aber die Welt entwickelt sich
weiter (ich hab extra nicht "verbessert" geschrieben).
Warum sollte es da dem Spiele-Spezialgeschäft besser ergehen?
Ein paar werden überleben - viele nicht.
Grüße, Stephan (kauft auch gern im offline-Laden mit gutem Sortiment)
Re: Reine Brettspielläden sind eh Vergangenheit
Verfasst: 15. Januar 2004, 13:06
von diekleineHexe
Hallo,
Fazit: Die Rahmenbedingunge haben sich komplett geändert, und die fachkundigen Händler gibt es nicht mehr und werden auch nicht mehr gebraucht.
Also kann man ruhigen Gewissens beim Billigsten kaufen.
Meiner Ansicht nach gibt noch den fachkundigen Händler, und er wird auch noch gebraucht!!! Jeder der in einer Stadt wohnt, die einen hat, sollte froh sein.
In den großen Handelsketten wird nur selten beraten und das Spiel auch nicht geöffnet.
Und längst nicht alle Menschen interessieren sich so sehr für das Spielen, dass sie hier die Diskussionen verfolgen und wissen wo und wie man sich über das Internet am besten informiert, trotzdem möchten sich auch sie hin und wieder ein Spiel kaufen und dann sind sie froh, wenn es Fachhändler gibt, die sie auch beraten können.
Als wir den Spieleladen noch in Hannover hatten, habe ich mir kaum was neues von der Messe mitgebracht, sondern nach einem Probespiel bei dem Händler meines Vertrauens gekauft.
Nur die absoluten Schnäppchen habe ich mir bei Karstadt und Kaufhof geholt, häufig genug auf seinen Tipp hin.
mfg
diekleineHexe
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 13:33
von Claudius Möller
Und hier in Köln. Das Spielbrett.
Gruß
Claudius (der aber auch lieber im Versandhandel kauft. Beratung brauche ich als informierter Spieler nicht unbedingt.)
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 13:43
von Ina-spielbox
Hallöchen,
ich kaufe inzwischen auch viel online oder auf der Messe. Der Grund: woanders bekommt man die Spiele nicht, wenn es nicht gerade Ravensburger oder Kosmos ist.
Der Vedes-Spieleladen am Ort hat gerade noch 1 (!) Regal Spiele, die neuesten, die dort liegen, sind vor ca. 1 Jahr erschienen.
Der Vedes-Spieleladen im Nachbarort hat zwar deutlich mehr Spiele, aber Kleinverlagspiele oder so etwas gibt es nicht.
Karstadt hat seine Spiel-Abteilung gerade wieder aufgemotzt und fast mehr Auswahl als der Vedesladen.
Fazit: Wenn ich kurzfristig ein Geschenk brauche, probiere ich es im Nachbarort, wenn ich Zeit genug habe, fahre ich nach Essen zu "All games 4 you" - da bekomme ich kurzfristig alles.
Ich finde es schon schade, daß es den Händler vor Ort mit entsprechender Fachkenntnis nicht mehr gibt. Viele Kunden würden sich da beraten lassen. Wer einmal ein Spiel für 25 Euro gekauft hat, das das im Regal rumliegt, wird keinen zweiten Versuch starten. Viele meiner Freunde und Bekannten lassen sich von mir beraten, um dann das Spiel irgendwo "über den Ladentisch geschoben zu bekommen". Und dazu braucht man dann das Ladengeschäft wirklich nicht mehr, da kann ich dann tatsächlich den preiswerteren Online-Versender nehmen.
Ich finde das zwar bedauerlich, aber das ist wohl tatsächlich die Realität.
Ina
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 14:14
von Klaus Regenbrecht
Nicht jede knappe Kalkulation rechnet sich, auch wenn der Umsatz utopische Ausmaße erreichen sollte. Wachsender Umsatz bedeutet mehr Personalbedarf, Betriebsfläche ist anzupassen, Lagervorhaltung bindet immer mehr Kapital etc.
Der Spieleversand in Deutschland, auf den hier so oft Bezug genommen wird, hat zusammengenommen noch nicht einmal 1% Marktanteil des reinen Brettspielmarktes erreicht! Unter dieser Maßgabe dann zu versuchen sich über den Preis zu positionieren ist wirtschaftliches Harakiri. Auch beeinflusst dieser „Preisverhau“ den Brettspielmarkt nicht besonders.
Der teilweise enorme Rückgang des Brettspielumsatzes in den letzten Jahren, der viele andere Marktbereiche deutlich überholt hat, ist wohl an anderen Stellen festzumachen. Unter anderem leidet das Spiel als solches, seit Jahren unter einem deutlichen Imageverlust, Initialzündung hierfür könnte unter anderem, vorsichtig ausgedrückt, der Preisverfall am Markt, des jährlich ausgelobten Spieles sein. Mit diesem Spiel wird ein Umsatz erreicht, der bald 25% Marktanteil am Brettspielemarkt erreicht und so einen ernstzunehmenden Faktor darstellt, was die gesamtwirtschaftliche Lage des Spieles und der „kleinen Läden“ betrifft. Diese klinken sich zwangsweise immer mehr aus diesem Preisverfall-Karussell aus und verzichten zum Teil schon ganz auf den Verkauf dieses Spieles. Solch eine Übergewichtung am Markt ist sonst in fast keinem anderen Wirtschaftsbereich zu finden! Ein enorm großer Teil der Kaufkraft des Brettspielmarktes wird durch diesen Preisverhau für ein einzelnes Spiel gebunden und das zu nicht kostendeckender Kalkulation.
Was überbordender Wettbewerb anrichten kann, zeigen unter anderem PC und Möbelmärkte! Eines ist sicher, bricht die Vertriebsschiene des kompetenten Einzelhandels zusammen, werden wir bald auf anspruchsvolle Spiele verzichten müssen. Diese Nische können dann auch die Kleinst- und Garagenverlage mit ihren teilweise genialen Ideen nicht auffüllen, da der Markt dafür dann fehlt!. Man muss heute nur mal die großen Verlage fragen, welche Umsätze mit sogenannten „Freakspielen“ zu erreichen sind und wie hoch die Auflage sein müsste um Kostendeckend zu sein, schon hier geht die Kostenschere weit auseinander.
Das Resümee aus oben gesagten: Helft durch euren Einkauf dem kompetenten Einzelhändlern im Wettbewerb zu überleben. Lohn dafür wird sein, dass auch das anspruchsvolle Spiel noch seinen Platz findet. Denn nur noch Ketten und Versand bilden keine ausreichende Vertriebsschiene für diese Ware. Die Präsentationen der letzten Jahre auf der Nürnberger Spielwarenmesse zeigen ja schon wo es in dieser Hinsicht lang geht!
Als hoffentlich kein einsamer Rufer in der Wüste
sagt dies Klaus
Brettspielläden sind in Hannover doch vorhanden!
Verfasst: 15. Januar 2004, 14:39
von Christian Scherff
"diekleineHexe" hat am 15.01.2004 geschrieben:
> Als wir den Spieleladen noch in Hannover hatten, habe ich
> mir kaum was neues von der Messe mitgebracht, sondern nach
> einem Probespiel bei dem Händler meines Vertrauens gekauft.
Hallo!
Meines Wissens nach gibt es immer noch Spieleläden in Hannover!
Liebe Grüße,
Christian
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 14:44
von Achim
Hallo,
die Gedanken zu stationärer Handel - Versandhandel sind ja nicht unbedingt neu.
Da seit mehrerer Jahren, sicherlich unterstützt durch das Internet, der Versandhandel immer mehr an Bedeutung gewinnt, sollten wir eher darüber reden, welche Form des Versandhandels die größeren Überlebenschancen hat:
1. Nur Versand mit Preisangabe und Titel
oder
2. Versandhandel mit Serviceangeboten wie genaue Spielbeschreibung, Printunterstützung (Katalog in Papierform) und Direktmailings an Kunden.
Darüberhinaus eventuelle Dienstleistungen, die über den Gesetzesnormen liegen (längeres Rückgaberecht, Aus- und Umtausch).
Wenn wir dieses beiden Formen vergleichen, denke ich könnte der Preis nicht die enorme Bedeutung bekommen, die er im Vergleich zum stat. Handel hat.
Da die Kostenstrukturen hier ähnlich verlaufen, sind Preisunterschiede im Normalfall nicht so gravierend.
Hier stellt sich dann schon eher die Frage:
- ein wenig mehr bezahlen und ein wenig mehr Dienstleistung bekommen,
oder
- in jedem Fall der niedrigste Preis.
Ich denke, beim Vergleich Spezial-Spieleladen (wie noch vor 15 Jahren) oder Versandhandel sind die meisten Schlachten geschlagen und entschieden. Beim Konkurrenzkampf im Internet tobt jedoch das "letzte Gefecht".
mfg Achim
Re: Reine Brettspielaelden sind eh Vergangenheit
Verfasst: 15. Januar 2004, 14:46
von Volker L.
diekleineHexe schrieb:
>
> Hallo,
> Fazit: Die Rahmenbedingunge haben sich komplett geändert,
> und die fachkundigen Händler gibt es nicht mehr und werden
> auch nicht mehr gebraucht.
> Also kann man ruhigen Gewissens beim Billigsten kaufen.
>
> Meiner Ansicht nach gibt noch den fachkundigen Händler, und
> er wird auch noch gebraucht!!! Jeder der in einer Stadt
> wohnt, die einen hat, sollte froh sein.
> In den großen Handelsketten wird nur selten beraten und das
> Spiel auch nicht geöffnet.
>
> Und längst nicht alle Menschen interessieren sich so sehr für
> das Spielen, dass sie hier die Diskussionen verfolgen und
> wissen wo und wie man sich über das Internet am besten
> informiert, trotzdem möchten sich auch sie hin und wieder ein
> Spiel kaufen und dann sind sie froh, wenn es Fachhändler
> gibt, die sie auch beraten können.
Absolute Zustimmung!
Genau wie bei der regelmaessig aufflammenden Zielgruppen-Diskussion
gilt auch in diesem Fall: Wir Insider und Spielefreaks sind nur
eine kleine Randgruppe und keineswegs das Maass aller Dinge.
Gruss, Volker
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 14:51
von Volker L.
Claudius Möller schrieb:
>
> Und hier in Köln. Das Spielbrett.
>
Ich weiss nicht, ob die zusammengehoeren oder ob es eine
zufaellige (naheliegende) Namensgleichheit ist, aber einen
Laden Namens "Spielbrett" gibt es auch (mit 2 Geschaeften,
siehe Einkaufsquellen) in Berlin.
Man wird dort gut beraten und kann Spiele probespielen; Horden
von Kindern oder Jugendlichen Sammelkartenspielern habe ich da
noch nie rumhaengen sehen.
Der Laden veranstaltet auch einmal im Monat einen Spieleabend,
wo jeweils neu erschienene Spiele vorgestellt werden.
Einziges Manko: recht teuer (auch im Vergleich mit anderen
Spielwarenlaeden oder speziellen Brettspiellaeden :-/ )
Gruss, Volker
Klarstellung
Verfasst: 15. Januar 2004, 15:58
von Ralf Arnemann
> Meiner Ansicht nach gibt noch den fachkundigen Händler, und er wird auch
> noch gebraucht!!!
Da habe ich wohl zu pauschal formuliert bzw. mich zu sehr darauf verlassen, daß der Zusammenhang klar ist.
> Und längst nicht alle Menschen interessieren sich so sehr für das Spielen, ...
Richtig. Und selbstverständlich brauchen die auch einen kundigen Fachhändler.
Und diese werden auch nicht (hoffentlich) aussterben.
Ich meinte nur die speziellen Brettspiel-Läden, die es in dieser Spezialisierung erst seit 15-20 Jahren gibt und die sich vor allem an "Experten" wie hier im Forum versammelt wenden. Die sind dem Versandhandel unterlegen und denen gebe ich nicht mehr viel Zukunft.
Die "alten" Spielwarenhändler vom Typ VEDES, bei denen "die breite Masse" einkauft - diese Fachhändler haben viel bessere Karten. Denn deren Standard-Sortiment (inzwischen meist deutlich breiter und anspruchsvoller als früher) mit allen großen und den meisten mittleren/kleinen Verlagen wird über professionelle Vertriebswege versorgt und die können preislich mithalten.
Ich glaube nicht, daß die Versender z. B. ein typisches Ravensburger-Spiel billiger anbieten als diese Spieleläden.
Die Spezialspiele (Importspiele und Kleinverlage) werden hier aber keine Rolle spielen.
Gerade die Kleinverlage brauchen die Versender, um überhaupt präsent zu sein.
Re: Brettspielläden sind in Hannover doch vorhanden!
Verfasst: 15. Januar 2004, 16:04
von Dom
> "diekleineHexe" hat am 15.01.2004 geschrieben:
> > Als wir den Spieleladen noch in Hannover hatten, habe ich
> > mir kaum was neues von der Messe mitgebracht, sondern nach
> > einem Probespiel bei dem Händler meines Vertrauens gekauft.
> Meines Wissens nach gibt es immer noch Spieleläden in Hannover!
Moin,
richtig! Der Spieleladen ist doch nur umgezogen und sitzt jetzt in der List (obwohl die Spieleauswahl in den Regalen doch erheblich kleiner geworden ist im Vergleich zu damals).
Außerdem gibt es auch noch den 'Spielraum' am Raschplatz, und in beiden hast Du die Möglichkeit, die Spiele vorher zu testen (oder einfach nur erklären zu lassen).
Tschö,
- Dom
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 15. Januar 2004, 16:06
von Ralf Arnemann
> Ich denke, beim Vergleich Spezial-Spieleladen (wie noch vor 15 Jahren) oder
> Versandhandel sind die meisten Schlachten geschlagen und entschieden.
Richtig.
Was nicht heißt, daß gut geführte Spezialläden mit Stammkundschaft noch eine ganze Weile mithalten können. Aber es werden weniger werden, und die Zeit der Neugründungen ist wohl vorbei.
> Beim Konkurrenzkampf im Internet tobt jedoch das "letzte Gefecht".
Und das kann noch eine Weile dauern.
Es wird sich ein gewisser Service-Umfang einpendeln, den alle Versender bieten müssen. Und dieser Umfang wird durchaus ordentlich sein.
Wer darunter liegt, dem werden auch Kampfpreise nichts helfen, weil sich schlechte Erfahrungen zu schnell rumsprechen.
Umgekehrt werden Service-Leistungen über das Normalmaß hinaus wohl gerne gesehen, aber von den Kunden nicht finanziell honoriert, d.h. man muß trotzdem preismäßig konkurrenzfähig sein.
Interessant wird nicht nur, wer von den aktuellen Spieleversendern überlebt. Sondern auch, ob der derzeit ziemlich abgegrenzte Spielesektor von externen Versendern (z. B. amazon) mit eingepackt wird.
Re: Spiele zum Discount Preis! Tod der Spieleszene?
Verfasst: 16. Januar 2004, 00:14
von Michael Schmidt
Ja, das Spielbrett in Berlin kann ich auch nur empfehlen. Allerdings muss man sich wirklich auf Apothekerpreise einstellen. Wenn man kurz zuvor auf der Messe war, könnte man sogar fast meinen, den Spielen liegt echtes Gold bei.
Das ist für mich auch das Problem an den paar verbliebenen reinen Spieleläden. Die Preise sind einfach zu überzogen. Und das nichtmal im Vergleich zu den Versandhändlern. 5€ unterschied für ein grosses Spiel würde ich mir durchaus gefallen lassen. Nur sind es meist halt 10€. Besser ist man schaut erst gar nicht auf die Online- oder Karstadtpreise.
Ich denke, die Spieleläden bauen auf die paar Kunden, die per Mund zu Mund Propaganda vorbeigeschickt werden, eine richtige Beratung benötigen und dann halt auch den teureren Preis bezahlen. Es wird wohl inzwischen lieber weniger für teuer Verkauft, da die eigentliche Zielgruppe, wir Freaks, so langsam wegbricht oder eh schon immer zu klein war.
Re: Reine Brettspielläden sind eh Vergangenheit
Verfasst: 16. Januar 2004, 08:48
von Peer
Hi,
Das Spiel in Hamburg ist ein gutes Beispiel fuer einen Spieleladen. Ich war oft da und hab mich mit dem Besitzer Claus und dem Verkaeufer Marc (Hallo!) unterhalten. Der Laden hatte jedoch einige Probleme - NUmmer 1 war natuerlich die Miete und da sind einzelne Laeden tatsaechlich gegenueber Versandhaendlern benachteiligt. Besonders in Hamburg sind Miten anscheinend unglaublich teuer.
Einige Probleme waren aber durchaus auch hausgemacht:
z.B. Wurde die Gewinnspanne bei Brettspielen immer und grundsaetclich gleich berechnet (50% auf den Einkaufspreis wenn ich mich nicht irre) - keine Aktionen , kein nix. Und das ein Student, so sehr er auch einen Laden unterstuetzen will, nicht 20 - 25 DM mehr ausgibt als bei Karstadt (von Versandhaendlern mal nicht zu reden), ist doch klar, oder?
Dann hatte Claus manchmal eine etwas merkwuerdige Einkaufspolitik - z.B. mochte er gewisse Leute bei einem gewissen Verlag nicht und orderte dessen Spiele nicht. Oder er fand ein Spiel des Jahes nicht gut und hatte es daher nicht im Programm. Das ist aber sehr ungluecklich - wenn ich als Nichtspieler extra einen Spieleladen aufsuche, um das Spiel des Jaheres zu bekommen und der hat es nicht, kommt der nie wieder.
Naja, im grossen und ganzen denke ich dass Spielelaeden durchaus ne Chance haben koennen.Se muessen sich aber durchaus gewaltig umstellen, sich af ihre Staerken konzentrieren und Ideen haben. Marc hatte z.B. die Idee einer Art Spiele-Buchclubn - Alle drei Monate fuer Stamkunden ein Spiel zum Sonderpreis im Abo o.aehnliches.
ciao
Peer (dessen Cousin in Bremen aufgrund einer atronomischen Mieterhoehung seinen SF-Laden aufgeben musste)
Re: Irrtum
Verfasst: 16. Januar 2004, 08:51
von Ina-spielbox
Hallo Ralf,
ich glaube bezüglich Preisen von Vedes-Läden und Versendern befindest Du Dich im Irrtum:
Der Vedes-Laden am Ort hat vor zwei Jahren Mexika für 45 Euro angeboten, als es im Versand nur 32 Euro kostete ...
Das ist doch wirklich ein bißchen üppig, oder?
Gruß Ina