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St. Petersburg ?

Verfasst: 23. April 2004, 08:22
von David Haupt
Da meine Frage in einem anderen Thread etwas untergegangen ist, platziere ich sie nochmals hier: Ist St. Petersburg schnell erklärt, leicht verständlich und man kann somit schnell einsteigen ? Oder dauert es schon ein Weilchen, bis man den Einstieg findet ?

Gruß
David

Re: St. Petersburg ?

Verfasst: 23. April 2004, 09:04
von Gabi Goldschmidt
Hallo David,

wenn einer die Regel gut kennt, ist es kein Problem den Einstieg schnell zu finden. Gestern abend habe ich das Spiel (allerdings erfahrenen Vielspielern) in ca 15 Minuten erklärt. Danach war das Spielen flott und problemlos möglich.
Die Sonderfunktionen einzelner Bauwerke habe ich allerdings erst beim Aufdecken derselben erklärt.
Meine Mitspieler konnten das Erklärte zumindest so gut umsetzen, dass ich nur Dritte geworden bin ;-) ...

Der Eindruck aller Mitspieler: hoher Wiederspielreiz!

Ciao Gabi

Re: St. Petersburg ? (und der Rest)

Verfasst: 23. April 2004, 09:48
von Matthias Staber
David Haupt schrieb:
>
> Da meine Frage in einem anderen Thread etwas untergegangen
> ist, platziere ich sie nochmals hier: Ist St. Petersburg
> schnell erklärt, leicht verständlich und man kann somit
> schnell einsteigen ? Oder dauert es schon ein Weilchen, bis
> man den Einstieg findet ?
>
> Gruß
> David

Die Regeln sind schnell erklärt, plane dafür, je nach Erfahrung der Mitspieler, 10 bis 20 Minuten ein. St Petersburg gehört für mich aber ganz klar zu den Spielen, die man 1-2 Mal gezockt haben muss, um das Zusammenspiel der Karten strategisch für sich einschätzen zu können.

Im Prinzip kaufst du Karten, die entweder weiteres Geld bringen, oder aber Siegpunkte im weiteren Spielverlauf, oder beides. Da Karten nicht nur einmal Geld/Siegpunkte bringen, sind sie einträglicher, je früher du sie kaufst. Deine Aufgabe ist es also, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in die Siegpunktproduktion nicht zu verpasen, liquide zu bleiben, und dabei möglichst Synergieeffekte zwischen deinen ausliegenden Karten herzustellen (was Karten verbilligt, oder Effekte verbessert). Und das macht einen Heidenspaß, erschließt sich aber erst nach und nach. Genau das macht aber den hohen Wiederspielreiz aus.

St. Petersburg solte in einer knappen Stunde gespielt sein, so dass es kein Problem ist, die erste Partie unter "wir lernen das Spiel kennen" zu verbuchen und gleich eine Revanche anzuschließen.

Also konkret auf deine Frage: Leichter Einstieg, schnell erklärt: Ja! Schnell durchschaut: Nein! Aber ohne frustrierend zu sein.

Aufmachung ist klasse und bei mir kam durchaus Aufbaustimmung auf: Eine eindeutige Empfehlung für St. Petersburg!

Dies gesagt, sortiere ich die von mir gespielten Nürnberg-Neuheiten subjektiv so ein:

1. San Juan - in allen Besetzungen, gerade auch zu zweit, ein Spitzenspiel, das superschnell durchgezockt ist und Aufbauatmosphäre vermittelt.

2. Zug um Zug - Suchtspiel, feuchte Hände beim Spielen, schnell erklärt und gezockt: Grandios.

3. Funkenschlag Neuauflage - Großartige Wirtschaftssimulation, auf Augenhöhe mit meinem anderen Wirtschaftsliebling Age of Steam.

4. St. Petersburg - s.o.

5. Dos Rios - zentraler Mechanismus des Flüssestauens ist innovativ und spaßig, Königsmacher- und Analyse Paralyse-Probleme mindern den Spielspaß aber für mich etwas. Ob langfristige Strategien möglich sind, muss ich erst noch herausfinden - momentan scheint es für mich ein Ärgerspiel mit Zugoptimierungszwang zu sein.

6. Da Vinci Code - Spaßiges abstraktes Deduktionsspiel, das in 10 Minuten gezockt ist und als Auf- und Abwärmer und als Füller großartig geeignet ist. Es darf einen nicht stören, dass oftmals 50-50 Tipps über Sieg oder Niederlage entscheiden.

7. Piraten, Planken und Peseten - Als Kinderspiel getarnter Brainburner. Macht Spaß, mein Neffe (8) liebt es.


Goa liegt bei mir rum, habe ich aber noch nicht gespielt

Matthias

Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 01:45
von hannes
Hi

Nach der ersten Partie St. Petersburg - für alle vier Mitspieler war's die Jungfernpartie - fallen mir folgende Bemerkungen ein.

1. Der Einstieg ins Spiel ist nicht so leicht. Dazu trägt auch die Spielregel bei, die nicht optimal ist (siehe unten). Wenn man durch die erste Partie erfolgreich "durchgeschwommen" ist, hat man allerdings Lust auf weitere Partien.

2. Dieses Spiel wird garantiert nicht Spiel des Jahres, weil es für Gelegenheitsspieler viel zu wenig durchschaubar ist. (Naja, z.B. Tikal war auch mal SdJ, aber die Zeiten haben sich geändert ...)

3. Zur Spielregel : Es fehlen einige Male kurze, erklärende Bemerkungen, die die Regel besser verstehen liessen. U.a. fehlt eine Antwort auf die Fragen, warum die Handwerker verschieden teuer sind, obwohl sie alle den gleichen Ertrag abwerfen. Oder es stellt sich die Frage, was es für einen Sinn macht, Karten überhaupt auf die Hand zu nehmen.
Es sollte auch irgend wo stehen, dass es die Schreinerei und die Goldschmiede nur einmal gibt.
Die Abbildungen der Karten sind oft zu klein, z.B. beim Thema Austauschkarten wäre es schon nicht schlecht, wenn man die Kartennamen auch ohne Lupe lesen könnte. Auch bei der Auflistung der besonderen Karten lässt sich der Text kaum lesen. Das ist besonders schlimm, weil etwa beim Steuereintreiber aus dem zugehörigen Text überhaupt nicht hervorgeht, um welche Karte es sich handelt.
Dann entnehme ich indirekt aus http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=87105&t=87102 , dass der Rundenablauf logisch falsch dargestellt ist. Die "neuen Karten" sind der Rundenanfang, nicht das Rundenende !

4. In der Spielregel steht auch, dass Hinweise zum Autor auf der HIG-Webpage zu finden seien. Leider habe ich dort (noch) nichts entdeckt.

5. Abgesehen vom nicht ganz optimalen Spielregelinhalt ist das Material wirklich sehr schön, gewohnte HiG-Qualität.

hannes (war mal zwei Tage lang in Leningrad)

Re: Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 12:38
von Wolfgang Ditt
Hallo Hannes,

ich vertrete bzgl. Sankt Petersburg eine ganz andere Meinung:

> 1. Der Einstieg ins Spiel ist nicht so leicht. Dazu trägt
> auch die Spielregel bei, die nicht optimal ist (siehe unten).
> Wenn man durch die erste Partie erfolgreich
> "durchgeschwommen" ist, hat man allerdings Lust auf weitere
> Partien.
Das Spiel ist von den Regeln recht einfach. Wie jedes Spiel muss man erst einmal einen Draht dazu bekommen. Und wenn schon ein Spiel Lust auf mehr macht, dann ist der Draht gefunden. Was will man mehr?

> 2. Dieses Spiel wird garantiert nicht Spiel des Jahres, weil
> es für Gelegenheitsspieler viel zu wenig durchschaubar ist.
> (Naja, z.B. Tikal war auch mal SdJ, aber die Zeiten haben
> sich geändert ...)
So? Das sehe ich ganz anders. Geld haben, Einkaufen, Dadurch Geld und Siegpunkte bekommen. Noch einfacher geht es kaum.


> 3. Zur Spielregel : Es fehlen einige Male kurze, erklärende
> Bemerkungen, die die Regel besser verstehen liessen. U.a.
> fehlt eine Antwort auf die Fragen, warum die Handwerker
> verschieden teuer sind, obwohl sie alle den gleichen Ertrag
> abwerfen.
Nein, das fehlt nicht, denn zu einem neuen Spiel gehört aus, es für sich zu erforschen. Bei Carcassonne schrie auch keinernach der ersten Partie: "Welche Plättchen gibt es?"
> Oder es stellt sich die Frage, was es für einen
> Sinn macht, Karten überhaupt auf die Hand zu nehmen.
> Es sollte auch irgend wo stehen, dass es die Schreinerei und
> die Goldschmiede nur einmal gibt.
Der Sinn, Karten auf die Hand zu nehmen, ist für mich recht offensichtlich. Für die Anzahl der Karten gilt das oben gesagte.

> Die Abbildungen der Karten sind oft zu klein, z.B. beim Thema
> Austauschkarten wäre es schon nicht schlecht, wenn man die
> Kartennamen auch ohne Lupe lesen könnte.
Der Name ist so wichtig nicht. Ich richte mich nach den Bildern und den Kosten. Die Namen und Bilder sind aber für die Stimmung sehr wichtig.

> Auch bei der
> Auflistung der besonderen Karten lässt sich der Text kaum
> lesen. Das ist besonders schlimm, weil etwa beim
> Steuereintreiber aus dem zugehörigen Text überhaupt nicht
> hervorgeht, um welche Karte es sich handelt.
Ich hatte damit keine Probleme.

> Dann entnehme ich indirekt aus
> http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=87105&t=87102
> , dass der Rundenablauf logisch falsch dargestellt ist. Die
> "neuen Karten" sind der Rundenanfang, nicht das Rundenende !
eine Kleinigkeit, nicht schön, aber man kann damit leben.

> 4. In der Spielregel steht auch, dass Hinweise zum Autor auf
> der HIG-Webpage zu finden seien. Leider habe ich dort (noch)
> nichts entdeckt.
auch eine Kleinigkeit, aber mal ehrlich, welchen Käufer, ausgenommen den Spieleszeneninsidern, interessiert das?
>
> 5. Abgesehen vom nicht ganz optimalen Spielregelinhalt ist
> das Material wirklich sehr schön, gewohnte HiG-Qualität.
STP ist für mich eines der Highlights des Jahres und wurde meiner Meinung nach zurecht in Oberhof zum beliebtesten Spiel gewählt.

> hannes (war mal zwei Tage lang in Leningrad)

Wolfgang (war auch schon dort und es hieß da auch noch Leningrad).

Re: Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 14:32
von hannes
Hallo Wolfgang

Danke dass du dich so intensiv mit meinem Posting beschäftigst. Du lässt dabei das Pendel in die Gegenrichtung sausen ;-) Die "Wahrheit" dürfte irgend wo dazwischen liegen.

Ich berichtete einfach meine Eindrücke nach dem ersten St.Petersburg, bei dem alle Mitspieler Mühe hatten, das Spiel in den Griff zu kriegen.
Meine Vermutung ist die, dass ein "Otto Normalspieler" dieses Spiel einmal anspielt und dann aber in die unterste Schublade versorgt und vergisst.

Dabei ist St.Peterburg gar nicht so schwierig. Weil ich in der Lehr-Branche tätig bin, habe mich mir eben überlegt, wie dieses Spiel besser rüber gebracht werden könnte. Und mit besseren Erklärungen liesse sich einiges herausholen. Auf jeden Fall fehlt eine Seite mit den Abbildungen aller Austauschkarten. Das würde St.Petersburg von Anfang an wesentlich transparenter machen.

> Nein, das fehlt nicht, denn zu einem neuen Spiel gehört aus, es für sich zu
> erforschen. Bei Carcassonne schrie auch keinernach der ersten Partie:
> "Welche Plättchen gibt es?"

Nana, der Vergleich hinkt aber gewaltig. Welche Möglichkeiten ein CC-Plättchen beinhaltet ist leicht überschaubar. Bei St.Petersburg sind die Zusammenhänge längst nicht so offensichtlich.

Gruss rheinabwärts
hannes

Re: Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 15:39
von Wolfgang Ditt
Hallo Hannes,:

> Danke dass du dich so intensiv mit meinem Posting
> beschäftigst. Du lässt dabei das Pendel in die Gegenrichtung
> sausen ;-) Die "Wahrheit" dürfte irgend wo dazwischen liegen.
Das ist meistens so und ich denke, so wird es sein.

> Ich berichtete einfach meine Eindrücke nach dem ersten
> St.Petersburg, bei dem alle Mitspieler Mühe hatten, das Spiel
> in den Griff zu kriegen.
lese in mit Erstatunen, besonders bzgl. des Wortes *alle*

> Meine Vermutung ist die, dass ein "Otto Normalspieler" dieses
> Spiel einmal anspielt und dann aber in die unterste Schublade
> versorgt und vergisst.
Warum sollte er das? Weil es unverständlich ist? Weil es zu schwer ist? Weil er den Fehler gemacht hat, alles Geld in Stadtausbauten zu stecken und nichts mehr kaufen kann? Ich glaube, dass STP einen großen Reiz hat, gerade weil man Fehler machen kann und man sie auch merkt und so verbessern kann.


> Dabei ist St.Peterburg gar nicht so schwierig. Weil ich in
> der Lehr-Branche tätig bin, habe mich mir eben überlegt, wie
> dieses Spiel besser rüber gebracht werden könnte. Und mit
> besseren Erklärungen liesse sich einiges herausholen. Auf
> jeden Fall fehlt eine Seite mit den Abbildungen aller
> Austauschkarten. Das würde St.Petersburg von Anfang an
> wesentlich transparenter machen.
Mh, da steht für mich Transparenz gegen Spannung. Ich wusste zu Anfang nicht, welche Ausbaukarten es gab. Die Spannung gepaart mit meiner Neugier machten einen Großteil des Reizes des ersten Spiels aus.

> Nana, der Vergleich hinkt aber gewaltig. Welche Möglichkeiten
> ein CC-Plättchen beinhaltet ist leicht überschaubar. Bei
> St.Petersburg sind die Zusammenhänge längst nicht so
> offensichtlich.
Da widerspreche ich. Die Möglichkeiten eines CC-Plättchens muss man in den ersten Spielen nicht kennen, spätestens aber, wenn man verbaut und Männchen festsetzt, braucht man die Kenntnis. Genauso ist es bei STP. Ich brauche Geld (und der Tipp "kaufe zu Beginn zwei Handwerker" steht in der Regel) und es ist klar, was ich bei jeder Karte bekomme. Wenn ich das Spiel kenne, kann ich die Möglichkeiten nutzen, vor allem durch das auf-die-Hand-nehmen. Dies entspricht meiner Meinung nach dann dem Verbauen und dem Einschleimen bei CC.

mit Grüßen in die Schweiz

Wolfgang (wohnt in einer Emsstadt und nicht am Rhein)

Re: Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 16:17
von Gabi Goldschmidt
Hallo Hannes,

zu Punkt 3 stellst Du die Frage, was es für einen Sinn macht, Karten auf die Hand zu nehmen.

Das wundert mich jetzt schon etwas, dass Du nach dem ersten kompletten Spiel darin noch keinen Sinn siehst.

Erstens sichere ich mir so Karten, die ich im Moment nicht bezahlen kann oder will.
Zweitens kann ich damit auch z.B. einen Mitspieler ärgern, der z.B. dringend Handwerker braucht, aber nach meinem Zug keinen mehr vorfindet.
Drittens kann ich damit Adlige sammeln, die ich vielleicht erst gegen Ende des Spiels bezahlen kann, aber dann dringend brauche, um die "Big Points" zu machen.
Viertens mache ich dadurch einen weiteren Platz frei für das Aufdecken neuer Karten in der nächsten Runde und erreiche damit z.B. , dass für mich auch als Dritter oder Vierter in der Sitzreihenfolge noch ein Handwerker aufgedeckt wird.

Ich denke, dieses Spiel muss man einige Male spielen, um alles zu berücksichtigen. Die Frage, "wie kann ich es beim nächsten Mal vielleicht besser machen" sorgt unter anderem für den großen Spielreiz .

Ciao Gabi

Re: Bemerkungen zu St. Petersburg

Verfasst: 24. April 2004, 16:45
von hannes
Hallo Gabi

Natürlich habe ich spätestens nach 5 Minuten spielen gemerkt, wozu man die Karten auf die Hand nimmt.
Mein Anliegen ist bloss "pädagogischer" Art. Man könnte eine Spielregel auch so schreiben, dass auch Wenigspieler den Sinn einer Aktion schon beim Regelstudium sofort erkennen. Oder eben auch eine gute, anschauliche Idee vermittelt bekommen, wie die Mechanismen ineinander greifen.
Das Spiel hätte dann viel bessere Chancen als Spiel des Jahres gekürt zu werden. Und garantiert würde es sich auch besser verkaufen lassen.

> Viertens mache ich dadurch einen weiteren Platz frei für das Aufdecken neuer
> Karten in der nächsten Runde und erreiche damit z.B. , dass für mich auch als
> Dritter oder Vierter in der Sitzreihenfolge noch ein Handwerker aufgedeckt wird.

Das zum Beispiel wurde mir erst beim Durchlesen der Forums-Beiträge richtig bewusst. In der ersten Partie galt meine Aufmerksamkeit anderen Dingen : welche Austauschkarten gibt es überhaupt?, usw.

Und noch : Ich finde St.Petersburg interessant, ich werde es sicher noch mindestens ein paar mal spielen. Und ich meine ja nicht, dass ich schon vor der ersten Partie schon eine todsichere Siegstrategie haben muss.

Ciao
hannes

Re: St. Petersburg ?

Verfasst: 25. April 2004, 18:19
von Helmut Lehr
Wir haben gestern und heute Sankt Petersburg gespielt, waren sehr angetan davon und fanden, dass es einen hohen Wiederspielreiz hat. Jedes Spiel verlief anders, und wir wollten schnell ein Wiederholungsspiel, um ales ganzn anders zu machen.
VG
Helmut