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Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 25. Mai 2004, 16:26
von Stephan Weber
Hallo,

ich überlege, mir Serenissima anzuschaffen - zum einen da ich das Thema sehr schön finde, zum anderen da ich ein gutes, längeres Spiel suche. Da ich jedoch eine instinktive Abneigung gegen "wargames" besitze, zweifle ich, ob Serenissima wirklich etwas für mich ist. Zumindest auf BoardGameGeek ist es als wargame gelistet, in einigen Kommentaren ist gar von einem "total war" zum Ende hin die Rede. In anderen Reszensionen heisst es dann, es handle sich primär um ein Handelsspiel mit etwas "Schiffe versenken".

Was meint ihr: Ist Serenissima ein wargame oder enthält es nur eine verträgliche Position Auseinandersetzung? Und gibt es sonst Gründe, die für oder gegen das Spiel sprechen?

Danke im Voraus und schöne Grüße
Stephan

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 25. Mai 2004, 16:39
von Niccolo
Hm - also ich bin kein Serenissimabegeisteter. Das Handelselement geht in die Knie, wenn einer auf Pirat macht. Nein, ich find es kein rundes Spiel.
"Wargame" tät ich's nicht gleich nennen. Das "Schiffe versenken" ist lediglich überflüssig 'verkompliziert' (Nein, eh kein Brainburner!) und birgt wenig Spannung, hat aber eine übergewichtige Auswirkung - des Händlers Schiff geht in der Regel an den Gegenspieler, was ein Rückschlag sein kann, von dem Du Dich kaum erholst.

Kauf was anderes! ;)

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 25. Mai 2004, 18:00
von Gerhard Passler
Hallo Stephan!

Serenissima ist nicht wirklich ein Wargame.

Serenissima ist meiner Meinung nach optisch sehr gut gelungen und die
ersten Runden mit hauptsächlich Handelsaktivitäten und wenigen Kampfhandlungen sind äußerst stimmig und interessant.

In den letzten ein bis zwei Runden gibt es dann jedoch ein großes Gemetzel, da Schiffe mit Besatzungen bei der Abrechnung nichts einbringen. Diese Fülle an Kampfhandlungen zum Schluss finde ich dann doch sehr störend, obwohl ich sonst nichts gegen "kampfbetonte" Spiele habe.
Die Kampfhandlungen in den Runden zuvor halten sich sehr wohl in Grenzen und passen gut zum Spiel.

Vielleicht schafft folgende Hausregel - die ich zwar noch nicht probiert habe, mir aber sinnvoll erscheint - Abhilfe:
Bei der Abrechnung am Spielende werden folgende zusätzliche Siegunkte vergeben:
- 1 Punkt für je zwei Galeeren
- 1 Punkt für je zwei Festungen
- 1 Punkt für je 10 Seeleute

Übrigens: Die verschiedenen Startpositionen sind zwar unausgewogen, machen das Spiel aber genau dadurch noch reizvoller.

Verspielte Grüße

Gerhard

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 08:05
von Mike
Hallo

> Das
> Handelselement geht in die Knie, wenn einer auf Pirat macht.

Allerdings gewinnt der Spieler, der auf Pirat macht, sehr wahrscheinlich nicht ;-)

Serenissima ist kein Wargame. Es ist eine Mischung aus Handels- und Eroberungsspiel, wobei in den ersten Zügen der Handelsteil ganz klar die Oberhand hat. Das kommt aber sicher auch etwas auf die Spielrunde an. Wenn nur einer in dem Spiel viel angreift, gewinnt er ziemlich sicher nicht, denn Angriffe sind sehr teuer.
Da Schiffe und anderes am Ende des Spieles nichts mehr zählen, kommt es in der letzten Runde oft zu einem Gemetzel, nach dem Motto: Was soll ich sonst damit machen. Hier könnte eine kleine Änderung in der Spielregel helfen, das Schiffe und Seeleute auch Punkte bringen. Haben wir auch schon mal so probiert, hat uns noch besser gefallen.

> des Händlers Schiff geht in der
> Regel an den Gegenspieler, was ein Rückschlag sein kann, von
> dem Du Dich kaum erholst.

Naja, es ist schon besser, wertvolle Ware in unsicheren Gewässern gut zu bewachen. Oder gleich besser in sicheren Gewässern fahren ; -)

Mike

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 08:59
von Michael Weber
Stephan Weber schrieb:

> ich überlege, mir Serenissima anzuschaffen - zum einen da ich
> das Thema sehr schön finde, zum anderen da ich ein gutes,
> längeres Spiel suche. Da ich jedoch eine instinktive
> Abneigung gegen "wargames" besitze, zweifle ich, ob
> Serenissima wirklich etwas für mich ist. Zumindest auf
> BoardGameGeek ist es als wargame gelistet, in einigen
> Kommentaren ist gar von einem "total war" zum Ende hin die
> Rede. In anderen Reszensionen heisst es dann, es handle sich
> primär um ein Handelsspiel mit etwas "Schiffe versenken".


Es ist definitiv kein Wargame, aber es geht um Schiffe, Handeln, Handelsposten und natürlich Soldaten. Eben die Vorherrschaft im Mittelmeer. Der Handelsaspekt als solcher überwiegt eindeutig. Von daher sind Kämpfe inklusive. Die jedoch eher gegen Ende des Spiels, wie hier richtig geschrieben wurde. Man muss sich allerdings nicht auf Teufel komm raus oder Ware komm rüber auf Seegefechjte einlassen. Das ist ja der Witz bei dem Spiel. Es besteht fast immer die Möglichkeit, durch geschicktes Setzen der Schiffe, dem Kaperschiff der Mitspieler aus dem Gebiet zu springen. Ein Riegel schiebt dem hier die Spielanleitung selbst vor. Man muss einfach nur genug bieten, um seine Bewegung an der passenden Reiehnfolge ausführen zu können.

Nicht vergessen sollte man, dass sich Kämpfe für die Mitspieler tatsächlich nur gegen Ende lohnen und nur dann, wenn man den Mistpielern vorher wichtige Waren vorenthalten hat oder selbst zu langsam war. Ich empfehle das Spiel unter Berücksichtigung, dasses zumindest zu einigen Seeschlachten kommen wird. Wenn man genug Seeleute einsetzt, ist man gut gegen Angriffe gewappnet (und kann weniger Waren trasnportieren), und man kann ja Geleitschutz-Galeeren einsetzen, für die eigentlich gerade am Ende des Spiels genug Kapazitäten frei sind. Ganz nebenbei ist das auch eine Warnung an die Mitspieler, selbst zuschlagen zu können.

Übrigens kann ich nicht nachvollziehen, dass hier behauptet wurde, es sei kein Brainburner. Man hat dutzende Möglichkeiten, seine taktischen Ideen auszuleben. Auch geht das Spiel nicht in die Knie, wenn einer auf Pirat macht. Im Gegenteil. Wer zuf rüh den Kaperheinz spielt, schadet sich im Endeffekt nur selbst.

Michael
(liebt dieses Spiel)

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 09:20
von Olivier Boss
Hallo

Ich gebe Michael vollkommen recht. Es ist primär ein Handelsspiel, in denen auch Gefecht erlaubt sind. Aber es ist sicher nicht ein Wargame. Ob und wieviel gekämpft wird, entscheiden die Mitspieler. Das Spiel als solches zwingt eigentlich niemand zu kämpfen.

Gruss
Olivier (spielt es zu wenig oft)

Re: Serenissima - broken?

Verfasst: 26. Mai 2004, 09:28
von Peer
Hi,
Michael Weber schrieb:
> Übrigens kann ich nicht nachvollziehen, dass hier behauptet
> wurde, es sei kein Brainburner. Man hat dutzende
> Möglichkeiten, seine taktischen Ideen auszuleben. Auch geht
> das Spiel nicht in die Knie, wenn einer auf Pirat macht. Im
> Gegenteil. Wer zuf rüh den Kaperheinz spielt, schadet sich im
> Endeffekt nur selbst.

Was Anfaneger aber oft falsch machen - man verliert anfangs einen mehr oder weniger wichtigen Aussenposten und viele Spieler, die noch nichjt den grossen Ueberblick haben versuchens dann gleich krampfhaft mit der Brechstange alles anzugreifen. Effekt: Alle ruesten auf, aber die, die eben noch nichts verloren haben, sind dort besser. Der Kampf erschwert das handeln und im Endeffekt bleibt der Vorsprung erhalten (etwas vereinfacht natuerlich - so ein komplexes Spiel kann man nur bedingt so kurz durchleuchten).
Besser: Sich still aergern, blutige Rache schwoeren ...und weiter ruhig auf Handel spielen und Konflikten am besten ausweichen - sollen sich die anderen doch bekriegen! Das Handelssystem macht es naemlich naturgemaes den Spielern schwerer die vorne liegen. Auch werden die Spieler, die die guten Haefen gepachtet haben oefter angeriffen udn muessen mehr Ressourcen in die Verteidigung stecken. Letztlich lohnt es sich ja nicht wirklich einen Mitspieler, der hinter einem liegt konsequent unwichtige Haefen abzunehmen und die Grossen unegschoren zu lassen. Auf diese Weise kann man "Heimlich still und leise" wieder aufruesten und eventuell sogar in der Entscheidenen Spielphase wichtige Bereiche mit Schiffen abgrenzen.

ciao
peer (mag Serenissima besonders zu dritt)

RE: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 13:42
von Marten Holst
Moin,

ich habe Serenissima noch nicht selber gespielt, aber einige meiner Mitspieler verwenden seit dem sie es haben gerne Ausdrücke wie "jetzt kommen wir zum Serenissima-Teil", wenn es um Schlachten geht, oder "Axis und Allies ist halt ein Wirtschaftsspiel wie Serenissima". Zumindest bei denen scheint die Wahrnehmung eindeutig zu sein ;-)

Tschüß
Marten

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 21:16
von Niccolo
Mike schrieb:

> > Das
> > Handelselement geht in die Knie, wenn einer auf Pirat macht.
>
> Allerdings gewinnt der Spieler, der auf Pirat macht, sehr
> wahrscheinlich nicht ;-)

Na, ich muß erst mal zugeben, dass es schon lange her ist, wo es am Tisch kam. Aber aus dem Dunkel der Erinnerung kommt hauptsächlich eben dieses hervor. Nach erfolgreichem Abstauben war meine Flotte nett groß - ein Schiff zu bauen war für meinen bestürzten Mitspieler fast nicht möglich...


> Naja, es ist schon besser, wertvolle Ware in unsicheren
> Gewässern gut zu bewachen. Oder gleich besser in sicheren
> Gewässern fahren ; -)

Gibt es da so sichere Gewässer? Ein voll bemanntes Schiff erreicht ja fast alles - oder erinner ich mich da falsch?
Und Eskorte ist imho ja auch nicht wirklich möglich, korrekt? Ach, es liegt im Keller begraben, darum kann ich leider nicht in der Regel nachschlagen.

Also auf jeden Fall fand ich dieses Schlachtenelement eher überflüssig in diesem Spiel und zudem viel zu "mächtig" in seiner Auswirkung.

Ich bleib dabei - das Angebot an feinen Spielen ist so reichhaltig, dass es nicht Serenissima sein muß.

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 26. Mai 2004, 23:13
von Arne Hoffmann
Moin Stephan,

als Wargame sehe ich Serenissima nicht - aber es hat die Angriffsmöglichkeit, von der auch jeder Spieler im Laufe der Partie mal Gebrauch macht. Dennoch liegt m.E. nach das Hauptaugenmerk des Spiels darin, lukrative Häfen zu besetzen und so sein "Handelsimperium" auszubauen. Dabei ist ein gezielter Angriff zur rechten Zeit des öfteren von Nutzen. Jedoch wurden bei uns eher eine Art kalte Konfrontation gefahren: Man besitzt das Angriffspotential, nutzt es aber nicht sofort.

Mit geschickter Manövrierung bei entsprechender Position in der Zugreihenfolge kann man eigene Handelsgaleeren durch Kriegsgaleeren schützen, so dass sie nicht von Mitspielern angegriffen werden können.

Jedoch erlaubt das Spielsystem, dass ein man direkt in der ersten Spielrunde aus dem Spiel gefegt werden könnte, wenn es dumm läuft und die Mitspieler es darauf abgesehen haben. Ferner stimmt die Aussage mit dem totalen Krieg in der letzten Spielrunde, da nach den Originalregeln Galeeren keinen Siegpunkt wert sind. Wir spielen da immer mit einer Hausregel, bei der es auch für die Galeeren noch Siegpunkte gibt, um hier einen Ausgleich zu schaffen.

Generell kann ich Serenissima schon empfehlen, wenn man vor längeren Spielen mit Strategieelement nicht zurückschreckt, da das Kriegselement eher im Hintergrund steht.

Schöne Grüße

- Arne -

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 27. Mai 2004, 07:51
von Mike
Hallo Niccolo

> Nach erfolgreichem
> Abstauben war meine Flotte nett groß - ein Schiff zu bauen
> war für meinen bestürzten Mitspieler fast nicht möglich...

Na also das kam bei uns echt noch nie vor. Schiffe bauen ist für jeden möglich, der auch nur halbwegs ordentlich spielt.

> Gibt es da so sichere Gewässer? Ein voll bemanntes Schiff
> erreicht ja fast alles - oder erinner ich mich da falsch?

Mit "sicheren Gewässer" meine ich Gewässer, die von anderen Booten 1. wegen der Entfernung nicht erreichbart sind (beim verschieben der Schiffe sieht man ja, wieviele Seemänner überall drauf sind) und 2. die durch Abschottung mit eigenen Booten nicht erreichbar sind. Du kannst ja einem Mitspieler beim fahren durch ein Seegebiet, in dem ein Boot von dir steht (auch wenn es nur ein Seemann drauf hat) das Weiterfahren untersagen. Kann natürlich auch in Kooperation mit vermeintlich befreundeten Booten funktionieren.

> Also auf jeden Fall fand ich dieses Schlachtenelement eher
> überflüssig in diesem Spiel und zudem viel zu "mächtig" in
> seiner Auswirkung.

Also so "mächtig" kann es nicht sein, wenn bei uns derjenige fast immer alt aussieht, der früh mit Angriffen anfängt. Er kann danach mit fast niemanden mehr vernünftig/gleichberechtigt handeln und ohne das hat er 0 Chancen auf den Sieg.

> Ich bleib dabei - das Angebot an feinen Spielen ist so
> reichhaltig, dass es nicht Serenissima sein muß.

Serenissima ist für uns ein absolutes Topspiel. Leider sind wir in letzter Zeit meistens 5 oder 6 beim wöchentlichen Spieleabend, so dass es auch bei uns nur noch 1-2 mal im Jahr auf den Tisch kommt. Es gefällt aber mit jeder möglichen Spieleranzahl, also zu zweit, dritt und zu viert.

Mike

Re: Serenissima - ein wargame?

Verfasst: 27. Mai 2004, 07:59
von Mike
Hallo Arne

> Jedoch wurden bei uns eher eine Art kalte Konfrontation
> gefahren: Man besitzt das Angriffspotential, nutzt es aber
> nicht sofort.

Bei uns auch.

> Mit geschickter Manövrierung bei entsprechender Position in
> der Zugreihenfolge kann man eigene Handelsgaleeren durch
> Kriegsgaleeren schützen, so dass sie nicht von Mitspielern
> angegriffen werden können.

Genau das ist die Kunst bei diesem Spiel.

> Jedoch erlaubt das Spielsystem, dass ein man direkt in der
> ersten Spielrunde aus dem Spiel gefegt werden könnte, wenn es
> dumm läuft und die Mitspieler es darauf abgesehen haben.

...und wenn man selber nicht aufpasst. Kam bei uns (in ca. 20 Spielen) noch nie vor. Und so sehr viele Seemänner besitzt man am Anfang der Partie ja auch nicht, so dass dieses Unterfangen wohl meist zum scheitern verurteilt ist.

> Ferner stimmt die Aussage mit dem totalen Krieg in der
> letzten Spielrunde, da nach den Originalregeln Galeeren
> keinen Siegpunkt wert sind. Wir spielen da immer mit einer
> Hausregel, bei der es auch für die Galeeren noch Siegpunkte
> gibt, um hier einen Ausgleich zu schaffen

Wir auch.

> Generell kann ich Serenissima schon empfehlen, wenn man vor
> längeren Spielen mit Strategieelement nicht zurückschreckt,
> da das Kriegselement eher im Hintergrund steht.

Ich auch. Länger heißt in unserer Runde mit 4 Mann etwa 3,5-4 Stunden, wobei man beachten muß, dass unsere Runde tendenziell eine ziemlich Langsame ist. Kann also auch etwas schneller gehen.

Mike