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Goldene Feder 2004
Verfasst: 29. Oktober 2004, 03:57
von Mathias Lai
Hallo alle zusammen!
Nachdem ich die letzten Tage mit der den Topics der Nachlese gespannt verfolgt habe, fiel mir auf, das immer wieder von schlecht strukturierten Regeln?Spielanleitungen, falschen Uebersetzungen usw. berichtet wurde.
Wie schaetzt ihr das ganze ein? Ist dieses Jahr mehr "Murks" dabei (was die Regelhefte betrifft) und wer hat dieses Jahr eigentlich die Goldene Feder fuer die beste Spielanleitung bekommen?
Gruesse aus dem Spiele-Entwicklungsland Indonesien
Mathias
Re: Goldene Feder 2004
Verfasst: 29. Oktober 2004, 05:59
von Sarah Kestering
Hallo!
Die goldene Feder ging an Fifth Avenue.
Viele Gruesse aus eben einem Spieleentwicklungsland, USA New Mexico
Sarah
Re: Goldene Feder 2004
Verfasst: 29. Oktober 2004, 07:55
von Peter Gustav Bartschat
Mein persönlicher Eindruck ist - allerdings über die Jahre hinweg, nicht speziell auf die jüngst in Essen präsentieren Spiele bezogen - dass Regelhefte eher besser als schlechter werden.
Das mag von verschiedenen Faktoren abhängen, z.B. davon, dass Autoren und Redakteure voneinander lernen und besonders gut aufgebaute und durchdachte Regeln (ich nenne hier, stellvertretend für manche andere, mal den "Kosmos-Stil" und den "Alea-Stil") zu Vobildern genommen werden.
Auch mag sich mancher, der sich häufig mit Regelfragen und Beschwerden aus Spielerkreisen herumzuschlagen hatte, irgendwann sagen: "Das passiert mir nicht noch mal!".
Diese Entwicklung hat dann natürlich auch wiederum eine Kehrseite: Der Anspruch an Verständlichkeit, Eindeutigkeit und leichte Zugänglichkeit von Spielregeln steigt, und Regelpassagen, die eine - nennen wir sie mal so - "aktive Missverständnis-Bereitschaft" vom Leser erfordern, um überhaupt Anlass zu Fragen zu geben, werden unverdient zu Kritikpunkten. ("In der Regel steht, dass ich etwas nur auf Feld X tun darf, es steht aber nirgends, ob ich das auch auf anderen Feldern tun darf.")
So ist es durchaus möglich, dass sich die Klagen über Regeln häufen, ohne dass die Regeln insgesamt gesehen deswegen schlechter sein müssen als zuvor.
Unabhängig davon gibt es sie natürlich wirklich, die Regelhefte voller Lücken und Widersprüche, die schnell und fehlerhaft gemachten Übersetzungen: Die Budgets für Mitarbeiter, deren Tätigkeit sich nicht unmittelbar in Umsatzzahlen niederschlägt, sind knapper geworden, und wie Zeitungen heute häufig keine Korrektoren mehr haben, so wird das in vielen Fällen auch bei Spieleverlagen sein. Dazu kommt eine Menge von neu gegründeten Klein- und Selbstverlagen, bei denen Autor, Redakteur, Vertriebsleiter und Verteter oft in einer Person vereint sind - und da es keinen Lehrberuf "Spielregelautor" gibt, muss diese eine Person dann ihre Lektionen im Regelformulieren in aller Öffentlichkeit und anhand konkret verkaufter Produkte lernen.
Schmunzeln musste ich übrigens, als ich in Bruno Faiduttis Spielanleitung zu "Die dunklen Lande" folgende Passage las: "Sollten Sie beim Spielen auf ungeklärte Sonderfälle stoßen, einigen Sie sich bitte in Ihrer Spielrunde auf Ihre bevorzugte Lösung."
Diese Option, scheint es manchmal, ist etwas in Vergessenheit geraten.
Mit einem lieben Gruß
Gustav
Re: Goldene Feder 2004
Verfasst: 29. Oktober 2004, 09:37
von Peter Neugebauer
Hallo Matthias,
die "Goldene Feder" heißt "Essener Feder". Sie wurde von der Stadt Essen als Wanderpokal ausgeschrieben, als die Jury "Spiel des Jahres" noch in Essen seine Preisvergaben arrangierte. Als der Tross dann weiter zog, blieb die "Essener Feder" natürlich in Essen. Sie wird jetzt von einem kleinen Gremium gekürt und jährlich im Rahmen der Verleihung zum "Deutschen Spielepreis" am Vorabend der "Spiel" vergeben. In diesem Jahr bekam den Preis der Schreiber der Regel "Ffth Avenue" von Alea: Stefan Brück!
Mit den Regeln in Essen ist es recht schwierig. Man bekommt dort die Spiele zumeist erklärt. Aufgefallen ist der Weg, den Goldsieber mit "Piranha Pedro" geht. Die Regel ist im Comic-Stil geschrieben. Überall lagen diese Regeln aus, so dass man sich (auch wenn man das Spiel nicht spielen wollte oder konnte) ein Bild davon machen konnte.
Peter Neugebauer (der gerne mal wieder Indonesien bereisen möchte...)
Re: Goldene Feder 2004
Verfasst: 29. Oktober 2004, 11:19
von RedPiranha
Ich hatte mir in Essen mit 3 anderen Mitspielern bei Kidult Game die Spiele Casanova und Druids angeschaut. Während die Spielregel bei Casanova leicht verständlich war und wir schnell 2 Spiele durchziehen konnten haben wir bei Druids nicht geschnallt wie das Spiel abläuft und haben es dann abgebrochen.
Allgemein habe ich aber auch den Eindruck, dass in Spielregel-Hefte mehr investiert wird was Layout und Beispiele betrifft. Allerdings erscheinen Spielregelhefte dadurch manchmal etwas aufgebläht, wodurch sie vom Spielen abschrecken können. Ein Blatt mit einer Blitzregel oder Step-by-Step-Anleitung in dem nur der Aufbau und die von jedem Spieler durchzuführenden Aktionen aufgelistet sind wäre daher manchmal hilfreich, insbesondere wenn noch die diversen Erweiterungen hinzukommen. Für El Grande mit den Erweiterungen "Großinquisitor&Kolonien" sowie "Grandissimo" habe ich mir mal selber so etwas erstellt, so muss ich nicht in 3 Regelheften nachschlagen.
Spielregeln zum Mitnehmen
Verfasst: 29. Oktober 2004, 14:09
von Jürgen Eberhardt
Nicht nur bei Piranha Pedro lagen die Regeln zum Mitnehmen aus. Auch bei R&D Games gab es einen Stapel Reef-Encounter-Regeln. Ich habe mir ein Exemplar geschnappt, dieses am Abend in Ruhe durchgelesen, entschieden, dass das Spiel für mich die 40 Euro wert war und es am nächsten Tag gekauft.
Ob hier ein neuer Trend entstanden ist ? Ich jedenfalls finde dies eine hervorragende Idee. Oft hat man ein Problem, einen freien Spieltisch zu ergattern. Gerade bei den Kleinverlagen ist häufig nur ein Tisch vorhanden, wenn überhaupt. Dazu kommt noch ein eklatantes Zeitproblem.
Einige Verlage stellen inzwischen die Regeln der neuen Spiele schon im Vorfeld der Messse ins Internet (z.B. Kosmos bei den Teuber-Spielen :-) ). Auch dies habe ich inzwischen sehr zu schätzen gelernt. Aber erstens ist dies (aus Verlags-Sicht) mit nicht unerheblichen Aufwand verbunden, und zweitens erfordert dies beim Kunden eine hohe Eigenitiative und Zeitaufwand. Letztendlich ist es auch gerade Sinn einer Messe, sich in kurzer Zeit kompakt über Neuheiten zu informieren. Eine Spielregel zum Mitnehmen ist dafür bestens geeignet.
Schöne Grüße,
Jürgen
RE: Spielanleitungen zum Mitnehmen
Verfasst: 1. November 2004, 11:17
von Jost Schwider
"Jürgen Eberhardt" hat am 29.10.2004 geschrieben:
>> [kostenlos Spielanleitungen mitnehmen]
>
> Ob hier ein neuer Trend entstanden ist? Ich jedenfalls
> finde dies eine hervorragende Idee. Oft hat man ein
> Problem, einen freien Spieltisch zu ergattern. Gerade bei
> den Kleinverlagen ist häufig nur ein Tisch vorhanden, wenn
> überhaupt. Dazu kommt noch ein eklatantes Zeitproblem.
Da m.E. die Spielregeln (das, was Autor und Verlag sich ausgedacht haben) die Essenz eines jeden Spiels sind, wäre die Verfügbarkeit von kostenlosen Spielanleitungen (d.h. die formulierten Regeln in Papierform) ein tolle Sache! (Für mich wäre es sogar ein Traum, da ich es liebe, Spielanleitungen zu lesen.)
Aber würden sich die Verlage damit nicht selbst schaden? (Stichworte: Selbstbastler, Regelsammler, Konkurrenz, ...)
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/sp2004.htm - [i]33+6 Eindrücke von der Spiel'04[/i]
RE: Spielanleitungen zum Mitnehmen
Verfasst: 1. November 2004, 12:01
von Heinrich Tegethoff
Hallo Jost,
auch wenn ich aus ähnlichen Gründen kostenlose Spielanleitungen
in Einzelfällen sehr gut fände, so schneiden sich die Verlage doch
auf Dauer tief ins Fleisch. "Kostenlos" für den Erwerber sind Kosten
für den Verlag, und das geht halt nur, wenn die Werbewirkung hoch ist.
Die Konkurrenz hat doch häufig zugriff auf das Spiel und seine Idee, und
Copyright schützt dann schon vor juristischem Unfug. Selbstbastler?
Wer ein paar Rezensionen von den "Werwölfen" zusammenträgt, der
kann sie sich auch selbst machen.
Nein, das wichtigste Argument dürfte die Geldverschwendung sein, da
zu wenig dabei herumkommt. Viele würden sich gleich "ein paar" Regeln
für ein Spiel mitnehmen, damit alle Freunde sich vorher informieren könnttten.
Aber wieviel lesen vorher wirklich? Müßten ja alle tun, einer fehlt, erklären
immer noch nötig. Aber 4 Regeln verteilt und halbherzig (weil ohne Spiel-
material) gelesen.
Selbst hätte ich gerne Spielregeln einmal vor dem ersten Spuel - im Spieletreff
bleiben viele Spiele ungetestet stehen, weil die Regeln so lang aussehen und
keiner (am Tisch) sie schon kennt. Ich erkläre gerne Spielregeln, und suche
sie vorher im Web.
Fifth Avenue ist aus eben jenem Grund in beiden Spieletreffs noch nicht auf
den Tisch gekommen, und daß bei rund 40 Vielspielern. Aber ich kann auf der
anderen Seite alea's Kostenpunkt gut verstehen, und damit die Ablehnung einer
Online-PDF-Spielregel. Zwar kennen damit 20 direkt Interessierte das Spiel noch
nicht, aber dies ist eine seltene Ausnahme.
Oder?
Servus,
Heinz