Seite 1 von 1
Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 9. November 2004, 20:00
von christoph
hallo zusammen,
wir haben jetzt fifth avenue von alea getestet und waren alle nicht sehr begeistert von dem spiel, um es mal so auszudrücken.
der einstieg ist das spiel gestaltet sich nicht sehr einfach, da dem spieler zwar eine große anzahl an handlungsoptionen gegeben wird, er aber nicht so recht weiss, was er damit anstellen soll.
später im spiel, wenn man so langsam begreift, zu was die einzelnen aktionen zu gebrauchen sind, stellt man fest, dass man keine wirkliche kontrolle hat.
so ist es z.b. nur schwer möglich, auf die wertung eines bestimmten viertels hinzusteuern, da der komissionsstein jede runde bewegt und die mitspieler den teufel tun werden, den komissionsstein in einer für einen anderen mitspieler lukrativen position zu belassen bzw. dorthin zu bewegen.
aus diesem grund wurde auch sehr selten gewertet, da dies (fast) immer den mitspielern zu viele punkte brachte. und die eine schwarze karte als ersatz für keine punkte wirkte da zu schwach, um diesen nachteil auszugleichen.
zudem ist das spiel sehr unübersichtlich. man muß im extremfall 6 verschiedene viertel im auge behalten und dort jeweils überlegen, in welchen farben man noch bieten kann. ein abwägen der eigenen optionen ist damit schwierig und vor allem aufwendig (=zeitraubend)
die verschiedenen spielmechanismen wirken bunt zusammengewürfelt; das thema aufgesetzt; und die baustopps sehr seltsam (wenn ein baustopp verhängt wird, wieso wird dann das komplette viertel abgerissen?)
wenn ein spieler sich darauf versteift, den 2. baustopp zu verhängen (und damit das spiel zu beenden), kann man selten etwas dagegen tun, da einem in der regel karten in der richtigen farbe fehlen
wie sind eure eindrücke zu dem spiel? haben wir etwas grundlegend falsch gespielt, oder liegt der fehler im spiel?
bis denn
christoph
(der meint, dass raja eigentlich ein alea-spiel hätte sein müssen, sowohl vom thema als auch vom anspruch)
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 9. November 2004, 23:39
von Bernd Eisen
Hallo Christoph!
Du sprichst mir aus der Seele. So ähnlich ist es unserer Runde auch gegangen und zurück blieben Fragezeichen in den Gesichtern der Mitspieler.
Bei uns wurde das Spiel recht schnell durch das Nehmen der Geschäfte beendet.
Anfangs haben wir recht großzügig die Kartenwerte verschleudert, um dann zu sehen, dass diese recht schleppend zurück zu bekommen sind.
Trotzdem, wir wollten dem Spiel eine zweite Chance geben, nur ist es vorsichtig gesagt recht hässlich und fordert weiß Gott nicht zum Spielen auf.
Zudem liegen jetzt die ganzen Essen-Neuheiten vor, sodaß 5th Avenue vermutlich schnell vergessen sein wird.
Von einem "alea" hätte ich mir mehr erwartet.
Viele Grüße
Bernd
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 08:14
von Michael Weber|Reich der Spiele
christoph schrieb:
> der einstieg ist das spiel gestaltet sich nicht sehr einfach,
> da dem spieler zwar eine große anzahl an handlungsoptionen
> gegeben wird, er aber nicht so recht weiss, was er damit
> anstellen soll.
Das ist richtig. Allerdings gibt es (in der Anleitung(alea-Webseite) einige Tipps, die in die richtige Richtung weisen.
> später im spiel, wenn man so langsam begreift, zu was die
> einzelnen aktionen zu gebrauchen sind, stellt man fest, dass
> man keine wirkliche kontrolle hat.
??? Das stimmt nicht wirklich. Man kann den Kommissionsstein nur bedingt lenken, aber im Grunde kommt es darauf an, abzuschätzen, wo er lang laufen könnte, wenn man ihn selbst da oder dort hin stellt.
> so ist es z.b. nur schwer möglich, auf die wertung eines
> bestimmten viertels hinzusteuern, da der komissionsstein jede
> runde bewegt und die mitspieler den teufel tun werden, den
> komissionsstein in einer für einen anderen mitspieler
> lukrativen position zu belassen bzw. dorthin zu bewegen.
Genau das sit der Witz im Spiel, dass man auch mal Punkte abgeben muss, denn niemand wird dem ersten Punkte schenken, aber die anderen werden versuchen ranzukommen. Der Führende hat hier ein wunderbaren Nachteil, wie es nur selten in Spielen der Fall ist.
> aus diesem grund wurde auch sehr selten gewertet, da dies
> (fast) immer den mitspielern zu viele punkte brachte. und die
> eine schwarze karte als ersatz für keine punkte wirkte da zu
> schwach, um diesen nachteil auszugleichen.
Hm, aber Karten sind das A und O. Und günstige Gelegenheiten sollte man unbedingt wahrnehmen. Es ist eben so, dass Fifth Avenue kein Spiel für Leute ist, die die Punkte alleine abkassieren wollen.
> zudem ist das spiel sehr unübersichtlich. man muß im
> extremfall 6 verschiedene viertel im auge behalten und dort
> jeweils überlegen, in welchen farben man noch bieten kann.
> ein abwägen der eigenen optionen ist damit schwierig und vor
> allem aufwendig (=zeitraubend)
Das ist eigentlich schnell gelernt.
> die verschiedenen spielmechanismen wirken bunt
> zusammengewürfelt; das thema aufgesetzt; und die baustopps
> sehr seltsam (wenn ein baustopp verhängt wird, wieso wird
> dann das komplette viertel abgerissen?)
Ich finde im Gegenteil, dass das Thema ganz hervorragend mit den vielen guten Mechanismen funktioniert und zu einer sehr komplexen Einheit wird.
> wenn ein spieler sich darauf versteift, den 2. baustopp zu
> verhängen (und damit das spiel zu beenden), kann man selten
> etwas dagegen tun, da einem in der regel karten in der
> richtigen farbe fehlen
Dann musst du frühzeitig sammeln. Und letztlich wird nur der einen zweiten Baustopp verhängen, der dann auch in Führung liegt!!!
> wie sind eure eindrücke zu dem spiel? haben wir etwas
> grundlegend falsch gespielt, oder liegt der fehler im spiel?
Ich würde versuchjen, Tipps ansehen und noch einmal probieren. Zum Beispiel sollte man den häufig gemachten "Fehler" des schnellen Plättchenabgrasen nicht machen.
Ich denke, Fifth Avenuie ist aufgrund seiner anfangs sperrigen Mechanismen das dieses Jahr am stärksten verkannte Spiel!
Siehe auch http://www.reich-der-spiele.de/kritiken/FifthAvenue.php .
Michael
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 08:57
von Rainer Fieseler
Hi,
Michael spricht mir in allen(!) Punkten aus der Seele
gruss rainer
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 11:17
von LazarusHan
Ich hatte mir damals Fifth Avenue zugelegt und kurz danach kam ihm Forum ziemlich genau die gleiche Kritik auf, wie die von Christoph. Da hab ich mir damals gedacht "Na Super, ein Spiel, dass man erst lernen muss richtig zu spielen und wenn man das nicht macht, ist es langweilig"
Gott sei Dank war das nicht so - nach der ersten Partie (mit den Einstiegstipps von alea) waren alle angetan von dem Spiel.
Also ungewohnt und ungewöhnlich ja, sperrig und langweilig ganz gewiss nicht. Wenn das Spiel bekannt ist, gehen die Züge meist unheimlich flott... ein Vorteil gegenüber den vielen Grübelspielen der letzen Zeit und von daher braucht sich Fifth Avenue nicht hinter den Neuheiten zu verstecken.
Spielt schön!
Björn, der froh ist endlich fast jeden Tag spielen zu können - paradisisch geradezu! :-)
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 12:05
von Heiko Kauffmann
Michael Weber|Reich der Spiele schrieb:
> Ich denke, Fifth Avenue ist...
> ...das dieses Jahr am stärksten verkannte
> Spiel!
Diese Aussage unterstreich ich mal dick.
Die Mechanismen sind in diesem Spiel sehr eng verwoben und beeinflussen sich gegenseitig sehr und dies ist die absolute Stärke des Spiels. Dann kommt noch das partielle kooperative Element in den einzelnen Stadtteilen hinzu. Dieses Element kommt in anderen Spielen viel zu selten vor. Tolles interaktives Prinzip. Damit ist natürlich ein guter Überblick über das Spielgeschehen gefragt, der höchstens in der ersten Parie fehlen könnte.
Mich spricht eine solche dichte und das ständige Abwegen sehr an: wie stärke ich wo meine Position, konzentriere ich mich auf wenige oder viele Standorte, Werte ich, auch wenn ich damit zwar nicht die meisten Punkte bekomme, dafür aber schonmal vor Spieler xy bin, setze ich mich doch in Stadtteil z, um damit eine höhere Wertungschance oder Bonuspunkte durch Geschäfte zu bekommen, sammle ich viele Farben oder konzentriere ich mich auf wenige mit recht sicheren Erfolgsaussichten, wie werden die Kommisionssteine gelenkt, kann ich die potentielle Versteigerung noch ausbremsen, um noch mehr Karten zu bekommen, wieviel Kartenpotential lasse ich mir für den Central Park und nutze ich hier den Vorteil welche Farbe gespielt wird, löse ich bei den Geschäfen den Bonus vorzeitig aus, damit nicht noch jemand die Punkt bekommt, Treibe ich die Versteigerung in die Höhe, um bei der folgenden die besseren Karten zu haben, ...
Vielleicht sind das dem ein oder anderen zu viele Entscheidungen. Aber allein schon diese Vielfalt an Möglichkeiten läßt das schnelle Abgrasen der Geschäfte zu einer unsinnigen Strategie werden. Ich hatte jedenfalls nach jeder Runde das Gefühl, nächstes mal mach ich dies und das anders, besser, ich will das Spiel noch weiter ergründen (Stichwort Langzeitspielspaß). Und spannend wars auch.
Also ich finde, es sind weder Sperrige, noch ungewöhnliche Mechanismen, sondern gut aufeinander abgestimmte und sehr schön "versponnen" komponierte.
Thema und Grafik sind natürlich absolute Geschmacksfragen. Hätte ich mir auch etwas atmoshärischer gewünscht. Dies stört mich aber weniger.
Alles in allem, eine tolle Leistung des Autoren, sowie der Redaktion.
Gruß Heiko (Persönliche Charts: Puerto Rico / Die Fürsten von Florenz, Tadsch Mahal, Fifth Avenue, San Juan)
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 16:53
von christoph
Michael Weber|Reich der Spiele schrieb:
>
> ??? Das stimmt nicht wirklich. Man kann den Kommissionsstein
> nur bedingt lenken, aber im Grunde kommt es darauf an,
> abzuschätzen, wo er lang laufen könnte, wenn man ihn selbst
> da oder dort hin stellt.
da es nur 7 viertel gibt, sich mit 2 kommissionssteinen aber 6 verschiedene felder ansteuern lasse, gibt es nicht wirklich etwas abzuschätzen.
> > so ist es z.b. nur schwer möglich, auf die wertung eines
> > bestimmten viertels hinzusteuern, da der komissionsstein jede
> > runde bewegt und die mitspieler den teufel tun werden, den
> > komissionsstein in einer für einen anderen mitspieler
> > lukrativen position zu belassen bzw. dorthin zu bewegen.
>
> Genau das sit der Witz im Spiel, dass man auch mal Punkte
> abgeben muss, denn niemand wird dem ersten Punkte schenken,
> aber die anderen werden versuchen ranzukommen. Der Führende
> hat hier ein wunderbaren Nachteil, wie es nur selten in
> Spielen der Fall ist.
das problem aus meiner sicht ist hier, dass es sich für einen spieler nicht lohnt, werten zu lassen, solange er nicht entsprechend viele punkte im vergleich zu den anderen spielern bekommt. da scheinen mir die aktionen a-c dann atraktiver zu sein.
>
> Hm, aber Karten sind das A und O. Und günstige Gelegenheiten
> sollte man unbedingt wahrnehmen. Es ist eben so, dass Fifth
> Avenue kein Spiel für Leute ist, die die Punkte alleine
> abkassieren wollen.
das stimmt, und das ist auch ein pluspunkt dieses spieles, dass es nicht um mehrheitenwertungen geht.
> > wenn ein spieler sich darauf versteift, den 2. baustopp zu
> > verhängen (und damit das spiel zu beenden), kann man selten
> > etwas dagegen tun, da einem in der regel karten in der
> > richtigen farbe fehlen
>
> Dann musst du frühzeitig sammeln. Und letztlich wird nur der
> einen zweiten Baustopp verhängen, der dann auch in Führung
> liegt!!!
normalerweise sind gegen spielende mehrere felder vom baustopp bedroht, und durch die einschränkungen bei der farbwahl kann man sich nicht auf alle vorbereiten, geschweige denn durch ziehen des kommissionssteine die "gefährlichen" viertel umgehen.
> Ich denke, Fifth Avenuie ist aufgrund seiner anfangs
> sperrigen Mechanismen das dieses Jahr am stärksten verkannte
> Spiel!
die geschmäcker sind halt verschieden. aber danke für deine ausführliche stellungnahme :)
meine favoriten dieses jahr sind: raja, st. petersburg, san juan, dos rios, heroscape und runebound
tschau,
christoph
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 10. November 2004, 22:58
von Stefan Brück/alea
christoph schrieb:
>
> hallo zusammen,
>
> wir haben jetzt fifth avenue von alea getestet und waren alle
> nicht sehr begeistert von dem spiel, um es mal so auszudrücken.
Hallo, Christoph,
wir haben bereits kurz nach der Veröffentlichung von FA gemerkt, dass es von vielen Freaks und Vielspielern nicht so gut verstanden und durchschaut wurde, wie wir uns das eigentlich vorgestellt hatten. Daraufhin haben wir auf unserer website, wie ja auch schon von Michael angemerkt, einige Einsteiger-Tipps zu dem Spiel veröffentlicht; guckst du hier: www.aleaspiele.de. Dort wird z.B. auf das "mangelnde Wertenkönnen" eingegangen.
Außerdem würde ich dir - durchaus auch zum besseren Kennenlernen und Durchschauen der Zusammenhänge, Zwänge und Dilemmata des Spiels - die 2-Personen-Version ans Herz legen wollen. Hieran kann man recht gut sehen, auf was es alles bei FA ankommt ...
Gibt dem Spiel noch mal eine Chance; es hat es verdient.
So wie es sich verdient hat, ein würdiges alea-Spiel zu sein, das sich nicht hinter anderen unserer Spiele verstecken braucht!
vG
Stefan
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 11. November 2004, 00:38
von Thomas Hittmeyer
Hallo Stefan,
Du hast Recht: zu viert ein Hammer, zu zweit ein Brüller.
Gruß
Thomas
Re: Fifth Avenue - Eindrücke
Verfasst: 12. November 2004, 10:58
von Heiko Kauffmann
Heiko Kauffmann schrieb:
> > Gruß Heiko (Persönliche Charts: Puerto Rico / Die Fürsten von
> Florenz, Tadsch Mahal, Fifth Avenue, San Juan...)
Sollte naürlich "Persönlicher-Alea-Spiele-Chart" heißen. Ist zwar nicht wichtig, oder von Interesse, hat mich aber doch gestört, dass dies fehlte.
Noch'n Gruß Heiko