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Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 07:48
von Dieter Niehoff
Hat jemand seit der SPIEL in Essen ein wenig Erfahrungen mit HAZIENDA machen können?
Vielleicht kann man Interessierten hier etwas zu Kramers Neuheit berichten.Die Suchfunktion beitet zwar einen PEEP - aber sonst noch nix.
Wir haben es gestern zu dritt gespielt - und merkten viel zu spät, dass uns allen die "Erntefunktion" als wichtig Einnahmequelle völlig in Vergessenheit geraten war. Demenstprechend lief das Spiel aufgrund des schnellen Verbrauchs an Tierkarten ein wenig an uns vorbei. Peinlich.
Aber HAZIENDA ist doch wohl ein gutes Spiel, oder (mehr in Richtung JAVA als zu DURCH DIE WÜSTE?)
Dieter Niehoff
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 08:21
von DocFriese
Hallo Dieter,
also ich habe es auf der Messe (zu viert) gespielt. Ich habe es für mich schnell abghakt, da sich mir die Spielidee nicht erschlossen hat. Ich habe es als simples Legespiel in Erinnerung und mein Entschluss, es nicht zu kaufen stand schnell fest. Ich fand es derart langweilig, dass ich noch nicht einmal Lust verspüre, es ein zweites Mal zu spielen.
Liebe Grüße
Lars war's
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 09:26
von Martin M.
Ich habe es auch nur in Essen gespielt und danach beschlossen, es nicht zu kaufen. Ich fand es zwar nicht komplett langweilig, aber uninspirierend. Es hat mich neben "Durch die Wüste" auch ein wenig an "Einfach Genial" erinnert (wegen der Boni, die man durch lange Reihen bekommt).
Für mich war es ein typisches Spiel aus dem Einheitsbrei, aus dem sich in letzter Zeit regelmäßig das Spiel des Jahres rekrutiert - wie etwa Alhambra oder Zug um Zug. Solide Spiele zwar, aber die Möglichkeiten der Spieler sind auf "Karte nehmen" oder "Karte legen" reduziert.
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 10:03
von Dieter Niehoff
"Uninspirierend", "Einheitsbrei" .... starker Tobak wird hier nach (lediglich) einer Partie angeboten.:-/
Meine Partie hat mich keineswegs an das von Dir erwähnte "Einfach genial" erinnert. Überhaupt nicht. Und auch "Durch die Wüste" scheint lediglich zur gleichen "Spiel-Familie" zu gehören (wie auch "Mexica", "Java", "Carcassonne" aber vor allem "Go").
M. E. könnte HAZIENDA ein ausgesprochen feines Spiel zum Bereich "Gebiete-abstecken-und-anderen-dabei-in-die-Quere-kommen" sein. Und damit begiebt sich Kramer auf ein wahrlich nicht neuartiges, aber in jedem Falle interessantes Spiele-Genre (siehe oben).
Eine Frage zur Taktik: Ist es korrekt, dass man versuchen sollte, mit seinen PLättchen (nicht mehr als nötig) so häufig wie möglich doppelt, dreifach, vierfach Siegpunkte einzufahren (mittels Größe + Hazienda + möglichst viele Seen)? Also nicht die Größe von Gebieten sei entscheidend, sondern die Nutzung des vorhandenen Platzes? Zudem: Schließt nicht der Weg, möglichst viele Märkte anzuschließen, andere Strategien aus? Und ist es nicht auch nützlich, aus zwei gleichen Tierherden mittels "Anschluss" auf dem Plan eine große Herde zu machen?
Und dann noch die Frage: Die beiden Spielpläne würden verschiedenartige Spielweise erfordern, hat man mir in Essen gesagt.
Welche denn?
Dieter Niehoff
RE: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 10:27
von Jost Schwider
"Dieter Niehoff" hat am 21.11.2005 geschrieben:
> Hat jemand seit der SPIEL in Essen ein wenig Erfahrungen
> mit HAZIENDA machen können?
Sagen wir es mal so: Nach der Messe habe ich bisher noch kein großes Bedürfnis danach verspürt... ;-)
> Aber HAZIENDA ist doch wohl ein gutes Spiel, oder (mehr in
> Richtung JAVA als zu DURCH DIE WÜSTE?)
Mein Resumee in http://www.schwider.de/spiel2005#hig lautet:
[i]Ein sicher gutes Spiel, was viele bekannte Mechanismen enthält (manche haben es mit "Durch die Wüste" verglichen). Empfehlenswert zumindest für diejenigen, die ein Spiel dieses Genres noch nicht haben.[/i]
Innovativ: 4 von 10
Spielreiz: 6 von 10
Viele Grüße
Jost aus Soest ("jooost aus sooost")
http://www.schwider.de/spiel2005 - [i]Impressionen Spiel'05[/i]
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 11:23
von Martin M.
Ich finde schon, daß ich ein Spiel nach einer Partie uninspirierend finden kann. Es liegt an dem bereits genannten Aspekt, daß es keine neuen Mechanismen enthält, sowie daran, daß ich aus der gleichen Spielefamilie bereits Durch die Wüste, Carcassonne und Go habe und deshalb Hazienda nicht brauche.
Darüber hinaus muß ich zugeben, daß ich auch vom Thema her enttäuscht bin. Ich hatte es mir anhand KMW's Messevorschau zum Probespielen vorgemerkt, weil ich das Thema (Ländereien bestellen, Tiere züchten, ernten und Geld verdienen) interessant fand. Davon findet sich aber nicht viel im Spiel wieder, es geht letztendlich nur darum, Reihen von Tieren und Ländereien zu verlängern, wobei die Art derselben beliebig ist.
Ich störe mich normalerweise nicht an abstrakten Spielen mit "aufgesetztem" Thema und will auch gar nicht die alte Diskussion wieder anleiern. In diesem Fall hätte ich mir aber vom Thema mehr versprochen und bin umso enttäuschter, nur eine Variation von Gebietsabsteckspielen vorzufinden.
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 11:56
von Roman Pelek
Hi Dieter,
Dieter Niehoff schrieb:
> Eine Frage zur Taktik: Ist es korrekt, dass man versuchen
> sollte, mit seinen PLättchen (nicht mehr als nötig) so häufig
> wie möglich doppelt, dreifach, vierfach Siegpunkte
> einzufahren (mittels Größe + Hazienda + möglichst viele
> Seen)? Also nicht die Größe von Gebieten sei entscheidend,
> sondern die Nutzung des vorhandenen Platzes? Zudem: Schließt
> nicht der Weg, möglichst viele Märkte anzuschließen, andere
> Strategien aus?
Ich habe Hazienda mittlerweile 5x gespielt (jeweils mit Standardwertung auf dem symmetrischen Plan), und es lief bei den am Ende Führenden auf die von Dir genannte Spielweise - viele Märkte anschließen und parallel dazu mit Plättchen mehrfach punkten - hinaus. Auch hatten wir deshalb teils recht schnell die Tierkarten aufgebraucht.
Ob die genannte Spielweise auf viele Märkte dominant ist, mag ich noch nicht sagen (es könnte sich auch um eine "eingeschliffene Spielweise" unserer Runde handeln), aber sie ist aufgrund der Tatsache, dass viele Märkte punktemäßig sehr lukrativ sind und zugleich den nötigen Geldnachschub liefern, sicherlich eine der in die engste Wahl kommenden Strategien zum Spielgewinn. Ich wollte jedoch in den kommenden Partien mal gezielt ausprobieren, ob das nicht mit vielen Feldern + Ernten zu kontern ist.
Ciao,
Roman
Ich!
Verfasst: 21. November 2005, 12:06
von Immanuel
Hallo zusammen,
nach der recht großen Anzahl relativ negativer Kritiken zu Hazienda möchte ich mich hier - trotz schon vor rund zwei Wochen verfastem PEEP - nochmal dazu äußern.
Die Mechanismen sind natürlich alle bekannt, es kommt aber auf die Zusammenstellung und Umsetzung an. Eine überragende Ähnlichkeit mit "Einfach Genial" konnte ich weder beim Spiel feststellen, noch hat sich mir diese bei intensivem Nachdenken über entsprechende Postings erschlossen. Es handelt sich beidesmal um Sechsecke, die aneinandergelegt werden. Punkt. Ende der Ähnlichkeit. Das machen wir bei Siedler auch so (Cool, Hazienda ist ja wie Siedler :-))) ).
Aus meiner Sicht sind Glück und Strategie, die Verfolgung eigener Interessen und die Möglichkeit, anderen in die Spucke zu suppen in diesem Spiel recht gut abgemischt worden.
Allerdings leidet Hazienda - wie übrigens viele komplexe Spiele - sehr unter kleineren Unachtsamkeiten beim Lesen der Regel. Wir hatten zum Beispiel zu Beginn viel zu viel Kohle (mangelnde Knappheit - toller Begriff - ist natürlich tödlich für einen Wirtschaftssimulationseffekt), weil uns irgendein Punkt in der Regel entgangen war. Wenn jeder immer alles kaufen kann, fehlt natürlich die Spannung etwas.
Jedem, der es mal probespielt, wünsche ich auf jeden Fall so viel Spaß, wie wir damit hatten.
Grüßle,
Immanuel
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 12:16
von Christof
Martin M. schrieb:
>
> Ich finde schon, daß ich ein Spiel nach einer Partie
> uninspirierend finden kann. Es liegt an dem bereits genannten
> Aspekt, daß es keine neuen Mechanismen enthält, sowie daran,
> daß ich aus der gleichen Spielefamilie bereits Durch die
> Wüste, Carcassonne und Go habe und deshalb Hazienda nicht
> brauche.
Nunja, was ist schon Inspiration? Das Hazienda sicher kein Spiel ist, welches den Innovations-Preis bekommt das wird von niemandem behauptet. Aber es hat für mich Merkmale (und manche davon treten erst nach ein paar Spielen zutage) die es für mich in die Kategorie »Gutes Spiel« bringen.
- es hat einen einigermaßen einfachen Einstieg
- es ist spannend, bis meist kurz vor Schluss
- ist wunderbar gestaltet
- man kann auf verschiedene Möglichkeiten zum Sieg kommen
Ich kann zwar mit etwas Nachdenken einen Anknüpfungspunkt zu Carcassonne finden, aber der Vergleich drängt sich weder auf, noch hilft er zur Charakterisierung weiter.
Es mag schon sein, dass wir soviele Spiele haben, dass ein nicht so orginelles, aber recht gutes Spiel abqualifiziert wird, aber ein wenig habe ich schon das Gefühl das manche Spieler »auf hohem Niveau jammern«.
Gruß
Christof
Re: Ich!
Verfasst: 21. November 2005, 12:31
von Ralf Arnemann
Da kann ich mich nur anschließen.
Wir haben es gestern bei "Darmstadt spielt" zum ersten Mal ausprobiert, und waren recht angetan.
In der Tat nicht grenzenlos innovativ, aber das muß auch nicht sein, wenn die Mischung stimmt.
Die Ähnlichkeiten zu hier genannten Spielen wie Go, Einfach genial oder gar Carcassone halte ich für so oberflächlich, diese Kritik kann ich nicht ernst nehmen.
Ob es nun immer wieder auf den Tisch kommen wird, oder als "nur gut" im Regal verschwindet, das muß sich noch rausstellen. Es gibt halt wirklich viel Konkurrenz.
Aber auf jeden Fall bekommt Hazienda bei uns noch zwei/drei Mal die Chance, sich zu beweisen, das schaffen nicht viele Spiele.
> Wir hatten zum Beispiel zu Beginn viel zu viel Kohle
> (...), weil uns irgendein Punkt in der Regel
> entgangen war.
Welcher Punkt?
Ich hatte nämlich auch den Eindruck, daß Geldknappheit kein Problem wäre (deswegen hat auch nie jemand geerntet) - bei uns war das taktische Bauen die Hauptsache.
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 13:49
von Michael Weber
> Eine Frage zur Taktik: Ist es korrekt, dass man versuchen
> sollte, mit seinen PLättchen (nicht mehr als nötig) so häufig
> wie möglich doppelt, dreifach, vierfach Siegpunkte
> einzufahren (mittels Größe + Hazienda + möglichst viele
> Seen)? Also nicht die Größe von Gebieten sei entscheidend,
> sondern die Nutzung des vorhandenen Platzes? Zudem: Schließt
> nicht der Weg, möglichst viele Märkte anzuschließen, andere
> Strategien aus? Und ist es nicht auch nützlich, aus zwei
> gleichen Tierherden mittels "Anschluss" auf dem Plan eine
> große Herde zu machen?
Das beantwortet der Autor in unserem Interview ungefähr so:
http://www.reich-der-spiele.de/specials/Hazienda-Kramer.php
Michael
(konnte sich diese Eigenwerbung nicht verkneifen)
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 14:54
von Daniel_R
Auch ich muss hier bekanntgeben, dass ich zur Gruppe der "enttäuschten" Spieler gehöre. Enttäuscht nicht unbdingt weil es sich hier nach absoluten Mass-Stäben um ein schlechtes Spiel handeln würde, als vielmehr in der Relation zu gewohnt guten Spielen des Verlags und des selben Autors.
Mir war das Spiel viel zu abstrakt. Ein gutes Beispiel dafür, dass zuerst die Mechanismen feststanden und später krampfhaft Thema gesucht wurde, weil sich rein abstrakte Spiele nicht so gut verkaufen. Beim spielen fühlte ich mich nun gar nicht als Grossfarmer und Züchter. Genauso gut könnte man ein Öl-Spiel daraus machen: Tiere = Pipelineabschnitte, Märkte = Raffinerieen usw. Wenn das Thema nicht sonderlich zum Spiel passt, dann verliert es halt schon an Anreiz.
Ausserdem richtete sich die Taktik den Gesetzen der Buchhaltung basierend auf den Siegpunkte trächtigen Aktionen bzw deren Kombinationen. Hätte ich mehr Freude an Mathemaktik wäre das ganz OK, aber so... Zu dritt hatten wir zuviel Platz auf dem Spielfeld, was zu wenig Interaktion führte. Geldmangel war ebenfalls kein Problem, so dass "ernten" auch nicht benutzt wurde.
Dass gewisse Spielmechahnismen an andere Spiele erinnern (Durch die Wüste, Attika) wurde bereits erwähnt.
Fazit: Das Spiel funktioniert gut, dauert nicht zu lange, aber das wichtigste an einem Spiel, der Spass, der fehlte mir (ganz persönliche Meinung) leider fast gänzlich. Zu abstrakt, zu trocken, zu viel Zählerei. Schade, ich hätte dieses Spiel gerne mehr gemocht.
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 15:05
von Michael Schlepphorst
Dieter Niehoff schrieb:
>
> Hat jemand seit der SPIEL in Essen ein wenig Erfahrungen mit
> HAZIENDA machen können?
>
> Aber HAZIENDA ist doch wohl ein gutes Spiel, oder (mehr in
> Richtung JAVA als zu DURCH DIE WÜSTE?)
>
Ich denke mal es mit diesem Spiel genau so wie mit vielen anderen auch. Wenn sich jemand dieses Spiel kauft (oder es spielt), der noch nicht so viele andere Spiele mit ähnlichen Mechanismen gespielt hat, wird er dieses Spiel bestimmt ganz toll und klasse finden. Jemand der jedoch schon etliche Spiele gespielt hat wird hier wohl eher wenig interessantes finden (so ging es mir zumindest auf der Spiel).
Für mich stand nach der Partie nur fest, dass es gut funktioniert und auch nicht schlecht ist. Aber für mich kam es eben nicht in Frage weil es nicht genug besonderes für mich bietet um es noch öfters zu spielen. Daher habe ich mich entschieden es nicht zu kaufen.
Da hier in diesem Forum halt die meisten Vielspieler sind, finde ich es nicht überraschend das es hier eher negativ weg kommt.
Bestes Beispiel hierfür war jemand der mir neulich von Boomtown vorschwärmte. Da er aber kaum Spiele kennt waren ihm auch die Siedler von Catan nicht bekannt und fand den Mechanismus mit den Erträge erwürfeln ganz toll. Seine Bewertung wäre sicherlich anders ausgefallen wenn er SvC schon gekannt hätte.
Also, ich würde sagen es ist nich besser oder schlechter als andere Spiele, aber ich brauche es nicht ;-)
Grüße
Michael, der heute beim Spieleabend auf eine Partie Antike hofft ...
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 15:06
von Martin M.
>
> Nunja, was ist schon Inspiration?
Ein inspirierendes Spiel ist für mich eines, das mich durch Originalität und Innovation begeistert. Meine persönlichen Beispiele sind dafür Wallenstein, Finstere Flure, Ohne Furcht und Adel oder der Ringkrieg.
> - es hat einen einigermaßen einfachen Einstieg
> - es ist spannend, bis meist kurz vor Schluss
> - ist wunderbar gestaltet
> - man kann auf verschiedene Möglichkeiten zum Sieg kommen
Das trifft heutzutage auf viele Spiele zu!
> Ich kann zwar mit etwas Nachdenken einen Anknüpfungspunkt zu
> Carcassonne finden, aber der Vergleich drängt sich weder auf,
> noch hilft er zur Charakterisierung weiter.
Der Vergleich kam auch nicht von mir, sondern von Dieter.
> Es mag schon sein, dass wir soviele Spiele haben, dass ein
> nicht so orginelles, aber recht gutes Spiel abqualifiziert
> wird, aber ein wenig habe ich schon das Gefühl das manche
> Spieler »auf hohem Niveau jammern«.
Da könntest Du Recht haben. Wir haben einen luxuriös großen Markt für Spiele, vor allem in Deutschland. Die ganzen Neuheiten zu überblicken, ist auch für regelmäßige spielbox-Leser und -Surfer schwer. Und da ich aus der großen Menge an Neuheiten nur eine begrenzte Anzahl an Spielen kaufen kann und will, lasse ich bewußt von einem nicht so originellem, aber recht gutem Spiel die Finger und kaufe mir lieber originellere Spiele wie Cash'n Guns, Caylus, Kaivai, Shear Panic oder Indonesia.
Wenn ich mir die Liste meiner Messe-Erwerbungen, zu der noch das auch nicht 100% originelle, aber sehr gute Railroad Tycoon hinzukommt, so anschaue, stelle ich fest, daß außer Kaivai kein deutsches Spiel dabei ist, und Kaivai stammt auch aus einem Kleinverlag. Um auf das "auf hohem Niveau jammern" zurückzukommen, in der Games International wurde Louis XIV als mittelmäßig bewertet mit der lakonischen Bemerkung, daß die großen deutschen Autoren offenbar alle ihre besten Spiele bereits hinter sich hätten und nur noch bewährte Mechanismen hin- und hermixen würden, ohne Innovationen zu produzieren.
Nun denke ich nicht, daß den deutschen Autoren nichts Neues mehr einfällt, aber ich habe einmal gelesen(in der spielbox, glaub ich), daß die Verlage von den Autoren überwiegend Spiele mit niedriger und mittlerer Komplexität erwarten, weil die sich schlichtweg besser verkaufen. Bei den großen deutschen Verlagen hat es in den letzten Jahren wenige komplexe und anspruchsvolle Spiele gegeben, dafür eine ganze Reihe guter Spiele mit niedriger Einstiegshürde. Von eben diesen Spielen haben mir nur wenige wirklich gut gefallen, meine meisten anderen Käufe stammten hingegen von Kleinverlagen (2F...) und von ausländischen Verlagen (Phalanx, Days of Wonder, Fantasy Flight, Warfrog).
Man könnte meine Ausführungen auch unter "auf hohem Niveau jammern" zusammenfassen, das geb ich zu. Letztendlich diskutieren wir hier aber auch nur über Geschmack. Und mir persönlich gefällt Hazienda nicht so gut, daß ich es mir kaufen würde.
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 15:42
von Olav Müller
Daniel_R schrieb:
> Geldmangel war ebenfalls kein Problem, so dass "ernten" auch
> nicht benutzt wurde.
Geld ist ja auch nicht das mangelnde Gut, sondern die Aktionen. Du hast halt lediglich drei Aktionen pro Runde. Aus DIESEN das meiste zu machen ist die Aufgabe. Dabei kassierst Du ab und an auch mal ein wenig Geld, aber das ist höchstens Beiwerk. Wenn man sich ansieht, wie wertlos Geld am Ende des Spiels ist (1 Siegpunkt für 10 Geld), merkt man schnell, dass es wohl wichtigere Dinge gibt. Ich denke, wer am Ende noch signifikant Geld übrig hat, hätte besser spielen können. Für 12 Geld kriegt man schon eine Hazienda oder ein Wasserteil, das eigentlich immer mehr als den einen Siegpunkt wert ist.
Wir haben es bislang einige Male gespielt. Es ist kein Innovationshammer (haben wir jetzt oft genug gelesen), aber es uns eigentlich immer großen Spaß bereitet.
In diesem Sinne,
Olav
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 15:48
von Helmut Lehr
Michael Schlepphorst schrieb:
>
> Wenn sich jemand dieses Spiel kauft (oder es
> spielt), der noch nicht so viele andere Spiele mit ähnlichen
> Mechanismen gespielt hat, wird er dieses Spiel bestimmt ganz
> toll und klasse finden. Jemand der jedoch schon etliche
> Spiele gespielt hat wird hier wohl eher wenig interessantes
> finden (so ging es mir zumindest auf der Spiel).
Ich befinde mich zur Zeit in der Phase "Spielregel gelesen" und habe eigentlich auch den Eindruck gehabt, dass ich etliche Spiele besitze, die "Hazienda" ähnlich sind, so dass ich erst mal enttäuscht war.
Mal sehen, welchen Eindruck ich nach den ersten Partien haben werde.
SG
Helmut
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 21. November 2005, 16:13
von peer
Hi,
vorweg: Ja, das Spiel hat Parallen zu Durch die Wüste. Nein, zu Einfach genial nicht.
Anders als bei DdW (welches ich gerade zu dritt sehr schätze) beschränkt sich die Taktik nicht nur auf die Topolgioe des Spielplanes, sondern auch auf die Logistik (Kartennachschub etc.) und die möglichen Strategien sind faszettenreicher.
Man liest schon raus: Mir hats gefallen. Über die Optik kann man streiten, aber das Spiel selbst macht Spaß, wenn man Optimierungsspiele mag. Die Spielewelt wird sicherlich nicht in den Grundfesten erschüttert, aber ähnlich wie bei Kreta, mag auch Hacienda aus einem "alten" Genre noch neues rausarbeiten (wobei mir Kreta noch ne Ecke besser gefällt, aber das ist ja auch eine ohe Hürde) :-)
Eine weitere Meinung findet man übrigens noch bei www.westpark-gamers.de (und wie man an der deutschen Geographie ablesen kann, hab ich nix mit den Autoren zu tun, ausser dass ich gerne dessen Spielberichte lese).
ciao
peer
Re: Hazienda - wer hat es gespielt?
Verfasst: 22. November 2005, 13:04
von Christof
Hallo Martin
Deine Ausführung zur Meinung finde ich sehr gut. Kann ich alles gut nachvollziehen. Letztlich ist es eine Geschmacksfrage.
Es liegt nicht nur an den Verlagen, auch die Rezeption (und Rezension) ist ja ganz verschieden. So denke ich z. B. dass der Wert von »Fiese Freunde, Fette Feten«, nämlich ein sehr originelles Thema mit sehr viel Witz in ein funktionierendes Spiel zu packen, vielfach nicht gewürdigt wurde, weil die »Mechanismen« nicht ganz so rund laufen wie bei Kramer.
Ich freue mich über jedes gute Spiel dass mal nicht im Mittelalter spielt. Aber auch über gute die »immernoch« im Mittelalter spielen.
Gruß
Christof
Re: Hazienda - Platz auf dem Plan
Verfasst: 22. November 2005, 13:41
von Christof
Daniel_R schrieb:
>
> Zu dritt hatten wir zuviel
> Platz auf dem Spielfeld, was zu wenig Interaktion führte.
Das mit dem »zu viel Platz« ist eine Frage der Spielweise. Wenn man den anderen direkt angeht (es ist ja nicht so, dass man einen zugewiesenen Bereich hätte), dann passiert schon viel Interaktion. Wenn man sich von ihm weg platziert, dann halt nicht.
Gruß
Christof
Das "Kenn ich schon, hab ich schon"-Problem
Verfasst: 23. November 2005, 02:40
von Roman Pelek
Hi Helmut,
Helmut Lehr schrieb:
> Ich befinde mich zur Zeit in der Phase "Spielregel gelesen"
> und habe eigentlich auch den Eindruck gehabt, dass ich
> etliche Spiele besitze, die "Hazienda" ähnlich sind, so dass
> ich erst mal enttäuscht war.
Naja gut, wir haben nebst der Landnahme-Geschichte 'ne Kramerleiste, eine Zwischenwertung, Summenreihen in der Märktewertung sowie 3 Aktionspunkte. Parallelen sind da nicht zu leugnen. Aber das ist zumeist - in Anlehnung an den gleichnamigen Film mit Dustin Hoffman -"Kramer gegen Kramer", was die Mechanismen angeht. Und der häufiger zitierte Verweis auf Reiners Knizias "Durch die Wüste" - nuja, man könnte auch behaupten, dass letzteres eine persönliche und zugleich massenkomatiblere Interpretation von "Go" ist und somit die Parallelen gleich an den Klassiker weiterreichen.
Insofern, mal Hand auf's Herz: wie viele innovative Spiele haben wir denn wirklich? M. E. kaum welche, aber "Hazienda" gehört zu den Kandidaten, die ob der offenkundigen Kramerschen Handschrift allzu leicht dazu verleiten, sie in die Schublade "Kenn' ich schon" zu stecken. Spielerisch muss sich das nicht bestätigen, aber andere Handschriften, die im Grunde dieselben Themen variieren mögen da spannender erscheinen. Um mal ein Beispiel zu bringen: Ein "El Principe" ist wahrlich auch nicht das innovativste Spiel auf Erden (Versteigerungen, bis einer übrig bleibt, Mehrheiten allerorten, Kramerleiste), Spaß machen kann's trotzdem :-)
Ciao,
Roman ("Fünf oder mehr Parallelen machen ein eigenständiges Spiel; maximal eine Parallele ist entweder innovativ oder stimmt bedenklich, meist ist beides der Fall" ;-) )
Re: Aufforderungscharakter
Verfasst: 23. November 2005, 08:34
von Dirk Piesker
Hallo Roman,
stimmt alles. Mir geht's aber wie Helmut. Das Spiel fordert mich
überhaupt garnicht zum Spielen auf. Keine Ahnung, woher dass kommt.
Eine Rolle spielt bei mir bestimmt, dass das Spiel im großen und ganzen
aus ziemlich vielen Papp-Countern besteht, und keine richtigen Figuren
enthält. Das ist "man" ja mittlerweile so gewohnt.
Und die grafische Gestaltung mit den Tieren drauf finde ich auch noch ziemlich
mau....
Ich hoffe, ich kann das überwinden :-)
Dirk
Inspiration
Verfasst: 23. November 2005, 09:24
von Christof
Martin M. schrieb:
> Ein inspirierendes Spiel ist für mich eines, das mich durch
> Originalität und Innovation begeistert. Meine persönlichen
> Beispiele sind dafür Wallenstein, Finstere Flure, Ohne Furcht
> und Adel oder der Ringkrieg.
Schauen wir mal wie das so ist mit den Spielen die du genannt hast.
Wallenstein ist sicher ein guter Kandidat, da fällt mir keine »Vorlage« ein.
Finstere Flure, da gibt es schon einiges. Das Prinzip eine Figur wird zufällig bewegt und die anderen versuche sich nicht fangen zu lassen ist schon so oder so ähnlich bei »White Lady« von Reinhold Wittig (da sogar mit einem Gruselthema), »Tante Tarantel« von Doris & Frank und wenn man so will auch bei »Der fliegende Holländer« von Klaus Teuber drin gewesen. Also so orginell nun auch nicht. (Aber zugegeben die Umsetzung ist schon wirklich sehr rund und charmant von FF.)
Ohne Furcht und Adel ist ja nur ein »Remix« von Marcels »Verräter«, wo die Innovation eigentlich wirklich drinsteckt. Wobei OFuA sicher das zugänglichere und universellere Spiel ist.
Zum Ringkrieg kann ich nichts sagen, da ich das Spiel nicht aus eigener Spielerfahrung kenne.
Das ist zwar auch ein wenig polemisch, will aber sagen, dass es letztlich drauf ankommt wie das Spiel umgesetzt ist, ob es spannend ist und Spass macht. Innovation ist so ne Sache, es ist fast alles schonmal irgendwie, irgendwo dagewesen. Zugegeben, bei Hacienda vielleicht schon mehr als bei anderen.
Eine Originell Idee zu haben ist nicht so unbedingt das Problem. Ein funktionierendes Spiel zu machen, dass dann auch noch der feinmechanischen deutschen Spielerseele gefällt ist dann wieder was anderes.
Nimmt man z. B. »old town« von Stephan Riedel und »Tongiaki« von Thomas Rauscher, die sicher ohne Zweifel sehr originell sind, stellt man fest, dass sie deswegen trotzdem nicht die großen Erfolge, oder auch die Lieblinge der Spielergemeinde geworden sind. Ich nehme mal an, weil die Spiele nicht ganz so rund laufen wie z. B. Hacienda.
Gruß
Christof
Aufforderungscharakter Mau
Verfasst: 23. November 2005, 09:34
von Christof
Dirk Piesker schrieb:
> Eine Rolle spielt bei mir bestimmt, dass das Spiel im großen
> und ganzen
> aus ziemlich vielen Papp-Countern besteht, und keine
> richtigen Figuren
> enthält. Das ist "man" ja mittlerweile so gewohnt.
> Und die grafische Gestaltung mit den Tieren drauf finde ich
> auch noch ziemlich
> mau....
Als Mann vom Fach (was grafische Gestaltung angeht) würde mich interessieren, was du an der Gestaltung der Papp-Counter »mau« findest. Nicht nur dass die Farben deutlich erkennbar sind, die Tiere ebenfalls, es ist auch noch eine Holzstruktur hinterlegt, bei den Ländercountern ist auf jeder Farbe ein ein anderes »Wappe«. Ich verstehe es nicht so recht was daran »Mau« ist. Ich finde die Counter spieldienlich, übersichtlich und gut aussehend.
Bei den verschiedenen Geländen ist die Zuordnung Geländekarte zu Gelände anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, aber das lernt man bald.
Das das natürlich was anderes ist als 300 individuell geformte Plastikfiguren bei den Eagle Games ist ja klar, aber wer will das bezahlen?
Gruß
Christof
Re: Inspiration
Verfasst: 23. November 2005, 09:52
von Thomas O.
Christof schrieb:
>
> Eine Originell Idee zu haben ist nicht so unbedingt das
> Problem. Ein funktionierendes Spiel zu machen, dass dann auch
> noch der feinmechanischen deutschen Spielerseele gefällt ist
> dann wieder was anderes.
Hallo Christof,
das sehe ich nun - aus Autorensicht - ganz anders. Ich halte es für nicht sehr schwierig, die gängigen Komponenten und Mechanismen des "modernen deutschen Brettspiels" herzunehmen und ein funkionierendes, handwerklich sauberes und absturzsicheres Spiel zu erschaffen, dazu noch eingebettet in ein massentaugliches Setting. Vielleicht hat man dann sogar Erfolg bei einem Verlag, aber so richtig innovativ ist das nicht. Kann sein, dass ich da eine andere Auffassung vom kreativen Arbeiten habe, aber ich sehe beim kreativen Arbeiten eher die Herausforderung, etwas Originelles, Innovatives zu schaffen, weniger das Ziel, dem Konsumenten ein marktkompatibles Produkt anzubieten. Von daher sehe ich schon eher das Problem darin, eine originelle Idee zu haben. Ob die dann letztlich vom Markt angenommen wird, ist eine andere Frage, die aber eigentlich den Autoren (nach meiner Auffassung jedenfalls) erst mal nicht interessieren sollte, es sei denn, er will oder muss davon leben. Scheinbar gibt es grob zwei Sorten Spieleautoren, auf der einen Seite die "Produzenten", die auch noch in zig Jahren mit ihren Namen auf den Spieleschachteln dieser Welt stehen werden, und auf der anderen Seite die "Gestalter" wie FF oder Glumpler, die um Originalität und Innovation bemüht sind. Mir persönlich ist da die zweite Gruppe lieber, aber ich bin ja auch nicht der Produktmanager eines großen Verlages ;-)
Gruß Thomas
> Nimmt man z. B. »old town« von Stephan Riedel und »Tongiaki«
> von Thomas Rauscher, die sicher ohne Zweifel sehr originell
> sind, stellt man fest, dass sie deswegen trotzdem nicht die
> großen Erfolge, oder auch die Lieblinge der Spielergemeinde
> geworden sind. Ich nehme mal an, weil die Spiele nicht ganz
> so rund laufen wie z. B. Hacienda.
>
> Gruß
> Christof
Re: Inspiration
Verfasst: 23. November 2005, 10:04
von Ralf Arnemann
> Ich halte es für nicht sehr schwierig, die gängigen Komponenten und
> Mechanismen des "modernen deutschen Brettspiels" herzunehmen und ein
> funkionierendes, handwerklich sauberes und absturzsicheres Spiel zu erschaffen,
> dazu noch eingebettet in ein massentaugliches Setting.
Nicht sehr schwierig?
Warum nur gelingt das dann so selten?
Die Mehrheit der jährlichen Neuerscheinungen entspricht m. E. diesen Kriterien nur mäßig, und finden trotzdem einen Verleger.