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Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 11. Januar 2006, 12:00
von Jürgen W.
Obwohl ich es anfangs gut fand, Spiele mit der Thematik Mittelalter und Antike zu verbinden, nervt mich dieser Trend inzwischen mächtig.
Wann bewegt sich der mainstream mal wieder in die Gegenwart?
Themen für Spiele aus dem Technikbereich sind zum Beispiel noch völlig tabu. Auch Wirtschaftsspiele sind weitgehend out. Warum?
Sind Spieler nur rückwärts gewandte Träumer, die von der Realität verschont werden wollen? Liegt das bessere Leben in der Rückkehr zum Mittelalter?
Re: Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 11. Januar 2006, 13:40
von Olav Müller
Ich denke das liegt in erster Linie daran, dass über das Mittelalter am leichtesten ein verklärter Begriff in den Köpfen der meisten Spieler existiert. Wenn Du ein Spiel über aktuelle technische Entwicklungen, über aktuelle Wirtschaftssysteme oder was auch immer (aktuelles) machst, läufst Du viel eher Gefahr irgendjemandem gehörig auf die Füße zu trampeln. Die Chance, dass sie ein unterdrückter Schmiedelehrling, der von seinem Meister geprügelt und am Hungerhaken gehalten wird, bei Dir beschwert ist recht gering.
CU,
Olav (mag das Mittelalter und die Antike in ihren verklärten Formen)
Re: Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 11. Januar 2006, 15:31
von Roland G. Hülsmann
Nun, für mich bedeutet Spielen immer auch Entspannen und Abschalten. Und dazu muß ich mich im Spiel nicht mit den Themen beschäftigen, die den übrigen Alltag durchziehen. Also beschäftigen sich die Spiele mit den Themen, mit denen sich Menschen in ihrer Freizeit nach einem harten Arbeitstag zur Entspannung beschäftigen möchten.
Und da sind fremde Kulturen und Zeiten schon immer interessant gewesen. Warum sollte sich das nicht auch in den Spielethemen niederschlagen.
Von mir aus dürften neben Mittelalter und Antike aber auch gerne mehr Fantasy und Science Fiction eine Rolle spielen.
BTW: Viele Spiele mit mitelalterlichem Thema [b]sind[/b] Wirtschaftsspiele.
Gruß
Roland
RE: Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 11. Januar 2006, 16:25
von Marten Holst
Moin,
ein weiterer Aspekt ist, denke ich, dass die "Jetztzeit" kein abgeschlossenes Sammelgebiet ist. Was heute in und richtig erscheint sorgt morgen für ein größeres Gähnen als Mittelalter und Antike. Bewertungen von Dingen können sich komplett umkehren. Und man hat eben keine wirkliche innere Distanz, könnte in einigen Dingen zu sehr aufgehen.
Auch frage ich mich, ich wechsele einfach mal das Thema, warum so viele Karten immer USA, Mittelmeer oder Europa sein müssen. Denke nach, und komme drauf. Zum einen historisch, zum anderen haben sie aber auch - je nach Spiel - spielmechanische Vorteile. Ein Transamerica ist stimmig, bei Transeuropa wundert man sich schon etwas über die Linien durch's Wasser (auch einer der Gründe, weswegen ich ZuZ Europa nicht so sehr schätze, ich finde es athmosphärisch dünner). Die USA ohne Hawaii, Alaska und gegebenenfalls Puerto Rico sind angenehm spielplanrechteckig, Europa hat verhältnismäßig nett zerklüftete Küsten, was bei anderen Spielen sinnvoll ist, das Mittelmeer ist so schön - wieder einmal - rechteckig und dabei Landumrahmt, auch das kann man gut nutzen. Dennoch, warum nicht mal woanders? :-)
Tschüß
Marten
RE: Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 11. Januar 2006, 22:13
von BodoME
Holla!
Da gibt es aber eine richtig gute und aktuelle Ausnahme gegen den "Mittelalter rulez!" und "Geographie ist rechteckig!" -Trend:
Indonesia von Splotter
Reines Wirtschaftsspiel mit Gegenwartsbezug und in einer Region angesiedelt, die man höchstens noch bei "Manila" findet :-)
Speziell für alle die, die sich im Mittelalter oder Mittelmeer besser auskennen als im hier und jetzt *grins*
Gruß Bodo
Mittelalter, Mittelmeer und ...
Verfasst: 12. Januar 2006, 01:09
von Stefan-spielbox
Mittelerde! Also ich spiele immer wieder gerne in Mittelerde und kann es kaum erwarten bis endlich die Erweiterung für den Ringkrieg erscheint. Erste Anzeichen (s.o.) gibt es ja schon...
SCNR
Stefan
RE: Mittelalter und Antike ade
Verfasst: 12. Januar 2006, 09:18
von Tom
>
> Indonesia von Splotter
>
Aber in einer Aufmachung die alles andere als ein zeitgemäßes Spiel vermuten lässt. Auch hier würde man eher ein "mittelalterliches" Spiel erwarten.
Aber "Monopoly" ist wirklich am Puls der Zeit. Nachdem es sowas wie das "Börsenspiel" habe ich neulich sagar eine "Visakarten-Ausgabe" gesehen.
Gruß
Tom
Re: Mittelalter, Mittelmeer und ...
Verfasst: 12. Januar 2006, 11:45
von Olav Müller
Stefan schrieb:
> Mittelerde! Also ich spiele immer wieder gerne in Mittelerde
Aber speziell (!) auch für Mittelerde gilt ja, was Marten schon zu den USA gesagt hat. Sehr benutzerfreundlich auf ein quergelegtes Blatt Papier gezeichnet. Und dass die Reise dann auch noch "West-Europäische-Lesart"-tauglich von linksoben nach rechtsunten geht, zeugt nicht gerade von Inspiration des Herrn Tolkien.
Aber Du hast schon Recht. Tolles Buch, toller Film, tolles Spiel.
CU,
Olav
Re: Mittelalter, Mittelmeer und ...
Verfasst: 12. Januar 2006, 13:14
von Heinrich Tegethoff
Olav Müller schrieb:
> Aber speziell (!) auch für Mittelerde gilt ja, was Marten
> schon zu den USA gesagt hat. Sehr benutzerfreundlich auf ein
> quergelegtes Blatt Papier gezeichnet. Und dass die Reise dann
> auch noch "West-Europäische-Lesart"-tauglich von linksoben
> nach rechtsunten geht, zeugt nicht gerade von Inspiration des
> Herrn Tolkien.
Hallo Olav,
Du kannst ja auf die ursprüngliche russische Übersetzung von
Tolkiens Buch zurückgreifen - da war das Böse natürlich nicht im
Osten, sondern im Norden, und die Karte entsprechend um 90°
gedreht.
Servus,
Heinz (gleubt aber nicht, das Spieleautoren diese Variante nutzen)
RE: Mittelalter, Mittelmeer und ...
Verfasst: 12. Januar 2006, 15:55
von Marten Holst
Moin,
> Aber speziell (!) auch für Mittelerde gilt ja, was Marten
> schon zu den USA gesagt hat. Sehr benutzerfreundlich auf
> ein quergelegtes Blatt Papier gezeichnet. Und dass die
> Reise dann auch noch "West-Europäische-Lesart"-tauglich von
> linksoben nach rechtsunten geht, zeugt nicht gerade von
> Inspiration des Herrn Tolkien.
wobei, wenn ich richtig informiert bin, der Herr Tolkien zwar nicht den zweiten Weltkrieg oder ähnliches thematisieren wollte, allerdings schon bewusst "erdparallel" dachte, eine art "englische Sagenwelt" erschaffen wollte. Und da die Hobbits aus dem braven ländlichen England oder Wales kommen, und das in Europa nun mal links oben ist... :-) Es ergibt sich also: Mordor ist Tschechien, Moria das Ruhrgebiet und Orthanc liegt in Lothringen. Oder so etwa :-)
Wieso die Russen das jetzt allerdings gedreht haben... keine Ahnung.
Grüße aus Norddüsterwald
Marten