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Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 13:01
von ARO
Hallo SpielerInnen!
Nach der kürzlich wieder einmal entfachten und teilweise emotional geführten Diskussion Fachhandel vs. Onlineshop setze ich noch eines drauf: Spiele beim Discounter, also Lidl, Aldi, Plus, Penny und Co.
Aber nicht, um noch ein bisschen den Preis nach unten zu drücken, auch das Argument Beratung lassen wir außen vor (das gibt es auch für den 1.500-Euro-PC nicht), vielmehr geht es um einen eher ideellen Ansatz, und die Discounter sind eventuell ein Zugang dazu. Es geht grundsätzlich um die von der „Jury Spiel des Jahres“ verfolgte Zielsetzung „das Kulturgut Spiel (zu) fördern, den Gedanken des Spielens im Familien- und Freundeskreis (zu) beleben ...“ (Zitat auf der entsprechenden Homepage).
Könnte das nicht auch über die Discounter-Schiene etwas forciert werden? Inzwischen gibt es dort so ziemlich alles, was man brauchen könnte, und auch kauft, obwohl man es eigentlich nicht braucht. Warum: (vermeintlich) günstiges aber zeitlich begrenztes und in der Menge begrenztes Angebot.
Zwar gibt es gelegentlich Spiele im Sondersortiment, allerdings nicht solche, die Spiel des Jahres-Niveau haben, sondern eher Kinderspiele oder Abwandlungen von Klassikern wie Rummy, 4 gewinnt, Schach, Rommekarten, etc..
Warum vertreibt man nicht etwas anspruchsvollere neuere Spiele auf diesem Weg, um neue Spielerschichten neu oder wieder zu erschließen? Spontan fallen mir dazu aus dem aktuellen Jahrgang Thurn und Taxis, Um Krone und Kragen, Um Ru(h)m und Ehre ein, aber auch Clans, Trans America, Einfach genial, oder die SdJ Carcassonne, Alhambra, Siedler für eine weitere „Verwertung“ (nicht abwertend gemeint).
Natürlich böte eine solche Aktion den jeweiligen Verlagen auch Gelegenheit für zielgerichtete Werbung für andere Spiele (oder Verbreitung der SdJ-Broschüre).
Einfach genial gab es ja Ende letzten Jahres in einer Sonderedition bei einem Discounter (Penny?). Weiß jemand, wie gut diese Aktion angekommen ist?
Was würdet ihr von einer solchen Vertriebsaktion einzelner Spielverlage halten? Könnte so trotz sicherlich geringer Margen nicht anderweitig ein Erfolg erzielt werden (Bekanntheitsgrad, Erschließung neuer Kunden für weitere Spiele)? Natürlich sollte der Vertriebskanal mehr ein Appetizer, kein Dauerzustand sein.
Weiß jemand, ob solche Aktionen schon einmal diskutiert wurden? Oder ist es so, dass selbst Discounter für diese Produkte keinen Markt sehen, und Spiele (der oben beschriebenen Art) ein Nischenprodukt bleiben müssen?
Meine Kernidee also: Warum also nicht über einen (natürlich zeitlich optimierten Vertrieb (Ostern, Weihnachten)) Haushalte mit einigen Spielen füllen, vielleicht wird das eine oder andere mal gespielt, vielleicht entdecken manche das Spielen für sich als Freizeitalternative. Signalsetzung also wie das SdJ-Siegel, allerdings über Preis und breiten Vertrieb, bei Einhaltung von Mindeststandards durch die Verlage (kein Abverkauf von „Flops“).
Ich bin gespannt auf eure Meinungen dazu!
Spielerische Grüße
Andreas
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 14:05
von Dirk T.
Salzburger Nockerl
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Milch, Butter, 5 dkg Zucker, 3 Eier
Den Boden einer Kasserolle mit gleichen Teilen Milch und Butter bedecken, aufwallen lassen, 5 dkg Butter, 5 dkg Zucker (Vanillegeruch) flaumig rühren, 3 Dotter, 3 Schnee dazugeben, in die Kasserolle schütten, zugedeckt auf dem Herde ungefähr 10 Minuten aufgehen lassen, mit dem Löffel Nocken herausstechen, sofort servieren.
Hmm, lecker! :)
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 14:44
von Martin Wehnert
Super Idee! Genau in der Hauptumsatzzeit des Fachhandels macht man ihm Konkurrenz über Discounter. Die bekommen natürlich einen Supersonderpreis (große Abnahmemenge) und ramschen so z.B. ein Einfach Genial für 19 Euro raus, was sonst eben einen Zehner mehr kostet. Damit macht man den Leuten klar, daß Spiele im Fachhandel eh zu teuer sind, und man besser auf Discountaktionen warten sollte.Die Folge: Die Fachläden machen noch schneller zu als ohnehin schon. In ein paar Jahren gibt es Spiele nur noch im Kaufhaus. In der Folge machen die Kleinverlage zu, denn welches Kaufhaus leistet sich den Luxus, bei so Miniverlagen wie Abacus, Days of Wonder, Adlung, etc. zu bestellen! Anspruchsvolle Spiele erscheinen nicht mehr, da diese nur über Beratung verkauft werden können - und die Läden, die so etwas anbieten hat man ja gerade erfolgreich kaputt gemacht.
Horrorszenario?
Schau doch mal nach England. Dort ist es in den 70er und 80er Jahren genau so passiert. Und hier sind wir auf einem "guten" Weg dorthin. Kosmos, Schmidt, Ravensburger und Hasbro sei Dank, die jedes Jahr mehr Spiele über Discounter verramschen lassen, weil ihnen der schnelle Euro lieber ist als eine kontinuierliche Vertriebsschiene.
Martin Wehnert
Kinderkiste - Spielen ist die Welt
Marburg
(Noch gibt es uns!)
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 15:46
von Tim-spielbox
> das Spielen für sich als Freizeitalternative. Signalsetzung
> also wie das SdJ-Siegel, allerdings über Preis und breiten
> Vertrieb, bei Einhaltung von Mindeststandards durch die
> Verlage (kein Abverkauf von „Flops“).
Ich könnte mir vorstellen, daß das der ganzen Spielewelt einen ziemlichen Schub geben würde. Natürlich müßten die Verlage aufpassen, daß sie damit nicht ihre Preise kaputtmachen und die Aktion nicht zum Regelfall wird. Die Riesenchance wäre aber, völlig neue Zielgruppen anzusprechen. Dafür würden sich ältere Spiele mit überschaubarer Komplexität anbieten, die im normalen Handel vielleicht nicht mehr soooo gut laufen.
Tim
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 16:40
von Grzegorz Kobiela
Dein beschriebenes Horroszenario ist meiner Meinung nach übertrieben. Wenn jemand halt teuer ist, muss er damit rechnen, pleite zu machen. Außerdem gibt es immer noch das Internet, das heutzutage immer mehr genutzt wird. Zudem halte ich persönlich nicht so viel von einseitiger Beratung. Der Fachhändler wird jedes seiner angebotenen Spiele bei auch nur einem Tröpfchen Interesse seines Kunden hochloben und ihm möglichst schnell vertickern wollen. Denn er ist ja teuer und seine "Beratung" ist da meist der einzige Weg das überteuerte Spiel loszuwerden, vor allem an Kunden, die nicht so sehr bewandt sind in der Spieleszene. Ich gebe zu, auch meine Meinung ist radikal. Doch schauen wir mal der Wahrheit ins Auge: Alles wird teurer und immer mehr Menschen schauen zweimal ins Portmonee, bevor sie was kaufen, und suchen auch immer mehr nach Schnäppchen. Da wäre eine solche Discount-Strategie genau das richtige, um viel Ware an den Kunden zu bringen. Und das vor allem langfristig!
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 16:59
von Werner Bär
> Warum vertreibt man nicht etwas anspruchsvollere neuere
> Spiele auf diesem Weg, um neue Spielerschichten neu oder
> wieder zu erschließen? Spontan fallen mir dazu aus dem
> aktuellen Jahrgang Thurn und Taxis, Um Krone und Kragen, Um
> Ru(h)m und Ehre ein, aber auch Clans, Trans America, Einfach
> genial, oder die SdJ Carcassonne, Alhambra, Siedler für eine
> weitere „Verwertung“ (nicht abwertend gemeint).
Als Carcassonne Spiel des Jahres wurde, gab es solche Aktionen. Ich hatte mir das Spiel noch für ca. 26 DM bei einem Internet-Versand gekauft. Als Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder habe ich zugegriffen, als ich es (bei Edeka?) für 16 (oder 18?) DM gesehen habe. Leider hat er es noch vor Weihnachten bei einem anderen Discopunter für 10 DM gekauft.
Alhambra und Siedler Gold meine ich auch schon in entspechenden Prospekten gesehen zu haben, kann mich aber nicht mehr an die Preise erinnern.
> Meine Kernidee also: Warum also nicht über einen (natürlich
> zeitlich optimierten Vertrieb (Ostern, Weihnachten))
Also gerade in der Hauptabsatzzeit der Spielehändler.
Ein Spieleladen macht soviel ich weiss ca. 1/3 seines Jahresumsatzes in der Vorweihnachtszeit. Gerade da soll es dann Sonderangebote in 'normalen' Läden geben? Wer geht dann noch zum Fachhandel?
Werner.
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 8. April 2006, 17:36
von Frank Schaubrenner
würde ich radikal Antworten, würde ich das Wort Schmarrn nutzen ;-)
1)es gibt glaube ich keine Sparte in der ein Einzelhändler mit einer Marge von 30-40% überleben kann, was er müsste, wenn er sich auf einen Preiskampf einlassen würde.
2) Ein Spielverkäufer der diese Strategie (irgendwas andrehen) fahren würde, wäre kurzsichtig.
Klar will er ein Spiel verkaufen, aber mind. genausowichtig ist, dass der Kunde zufrieden ist und wieder kommt, da jedes Spiel das "passt" ist Potential für viele weiteren verkauften Spiele, jedes angedrehte Spiel macht nicht nur bei diesem Kunden sondern auch bei den mitgelangweilten Spielern den Kaufwunsch bei diesem Laden zu kaufen zu nichte.
3) Wer zufrieden mit einem Spiel ist dass er gekauft hat, oder das findet was er wollte schaut nicht zuerst auf den Euro, auch nicht beim Wiederkauf,... evtl. sollte man den Blick mal etwas öffnen und nicht nur auf sein Spielewissen, seine persönliche Passion für Rezzensionslesen nicht auf Gelegenheitskäufer übertragen.
4) Teuer = empfohlener Verkaufspreis
Normal = Diskountpreise im Internet
günstig= rausgeramschte Spiele
? :-)
5) Interessant wie du über die Schiene Preis einen Einzelhändler in 10 Sätzen einfach mal so als kurzsichtigen Dilletanten überfährst :-), wobei wirklich Preis in beiden Postings von dir das einzige ist, somit wird denke ich mal jegliche Diskussion drumherum müßig wird.
Gruss
Frank
der sich nebenbei immer wieder wundert wie schwer es zu sein scheint zwischen Spieleläden und Spielwarenläden(und Ketten) zu unterscheiden.
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 04:29
von Grzegorz Kobiela
Ich sollte wohl kein Händler werden....
Ich stimme dir natürlich zu. Hab nur meine etwas kurze Sichtweise genannt und sehe ein, dass ich wohl zu wenig Ahnung vom Handel hab. Handel auf Siedlernieveau ist noch was für mich, darüber hinaus lass ich es lieber. ;-)
Schönen Gruß,
Grzegorz Kobiela
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 13:51
von Hendrik
Ich bin erstaunt wie wenig Leute Dir Antwort geben auf den Kern Deines Vorschlages. Stattdessen wollen alle beweisen, was das für ein Risiko für den Fachhandel bedeute, dabei geht es Dir um die Chance neue Zielgruppen zu erreichen, diesen auch etwas anspruchvollere Spiele als 4 Gewinnt, Spiel des Lebens, Monopoly zu verkaufen.
Nehmen wir an, bei solchen Discountern wie Aldi und Lidl würden sich bei den Sonderaktionen auf einmal Spiele wie Caylus, Puerto Rico, Louis XIV, Goa oder Struggle of Empires für reisserische 9,90 Euro angeboten würde.
Es würden sicher viele Spiele verkauft, obwohl die Leute mit den Titeln nichts anfangen können, da sie nur Monopoly und Risiko kennen.
Spätestens beim Lesen der Regeln tritt dann ernüchterung ein über ihren Kauf.
Das geschriebene Wort umsetzen in Verstehen der Regeln und des Spielablaufes stellt die grösste Hürde dar.
Falls dies nicht funktioniert, wandert das Spiel ungespielt in den Schrank (oder steht kurz nachher auf einer uns bekannten Auktionsplattform zur Versteigerung bereit).
Der Verkauf wurde zwar realisiert (Zielereichung Aldi / Lidl = OK)
Nachhaltige Erreichung neuer Zielgruppe = Fehlschlag
Folgenutzen für Fachhandel = Keiner
Ich stimme zwar zu, dass eine solche Aktion mehr Spiele verkauft, aber nicht unser Hobby im Volk weiter verbreitet.
Eine Voraussetzung für den "nachhaltigen Erfolg" einer solchen Aktion wäre, dass die Verlage viel mehr Aufwand in die Regel stecken müssten, wenn den auch "anspruchsvollere" Spiele die Mehrheit begeistern sollen.
Ein Ansatz wäre eine Demopartie mit Regelerklärung auf DVD (als Realfilm oder Animation). Didaktisch können auf diese Weise komplexere Sachverhalte vermittelt werden als mit Lesen alleine.
Nur durch einfach zugängliche Regeln hätten auch anspruchsvollere Spiele eine Chance von neuen Zielgruppen entdeckt und genutzt zu werden.
Erst dann würde der Fachhandel vom erhöhten Bedarf an Vielspieler-Produkten profitieren können, falls die Verlage danach nicht dauernd bei Aldi und Lidl Sonderangebote platzieren.
Meine Kernaussage:
Auch einfache Leute sind intelligent genug um anspruchsvollere Spiele spielen zu können, sofern (!) die Regeln einfach zugänglich sind. Geschriebene Regeln sollten nur noch als Nachschlagewerk dienen, jedoch nicht als Einführung ins Spiel, dies sollte mit neuen Medien erfolgen.
Die hier gelesenen negativen Reaktionen sind typisch für die jetzige Wirtschaftslage. Wenn jemand mit einer Idee im Sinne einer Chance kommt, dann sofort auf das Risiko hinweisen und alles ablehnen, damit sicher alles so schlecht bleibt, wie es ist. Diesen Ansatz aufgreifen und verbessern (die Aktion muss ja nicht vor Weihnachten stattfinden), auf diese Idee kommt man nicht ? Armes Deutschland.
Gruß
Hendrik
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 18:02
von peer
Hi,
Werner Bär schrieb:
> Also gerade in der Hauptabsatzzeit der Spielehändler.
> Ein Spieleladen macht soviel ich weiss ca. 1/3 seines
> Jahresumsatzes in der Vorweihnachtszeit. Gerade da soll es
> dann Sonderangebote in 'normalen' Läden geben? Wer geht dann
> noch zum Fachhandel?
Erstaunlich viele (Wenn ich denke wieviele Nichtspieler in der Weihnachtszeit noch zum Spiel gegangen sind, anstelle das SdJ bei Karstadt 10 DM billiger zu kaufen... Nichtspieler vergleichen selten die Spielepreise). Aber egal, ich wollte eigentlich was anderes:
Wenn die Verramschaktion im Sommerloch stattfindet waere es dann OK? Ist ne ernstgemeinte Frage.
ciao
peer (schreibt aus Rom)
[OT] Negativfeedback
Verfasst: 9. April 2006, 18:24
von Tim-spielbox
> Die hier gelesenen negativen Reaktionen sind typisch für die
> jetzige Wirtschaftslage. Wenn jemand mit einer Idee im Sinne
> einer Chance kommt, dann sofort auf das Risiko hinweisen und
> alles ablehnen, damit sicher alles so schlecht bleibt, wie es
> ist. Diesen Ansatz aufgreifen und verbessern (die Aktion muss
> ja nicht vor Weihnachten stattfinden), auf diese Idee kommt
> man nicht ? Armes Deutschland.
Du sprichst mir aus der Seele. Die Frage ist nur: Warum sind wir alle so ängstlich? Trauen wir uns nichts zu? Oder trauen wir anderen nichts zu?
Tim
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 18:46
von Christiane F.
Hi Andreas und alle anderen,
ähnlich wie Hendrik sehe ich das Problem an Deinem Vorschlag auch bei den Spielregeln. Spielregeln lesen und verstehen können nicht viele Menschen, vor allem, wenn es sich um komplexere Spiele handelt und die Leute keine Übung darin haben.
Im Gegensatz zu Hendrik denke ich aber nicht, dass eine beigefügte DVD da Abhilfe schaffen könnte, sobald die Spiele einen gewissen Komplexitätsgrad haben. Ein Puerto Rica lernt ein 'Normalspeiler' auch nicht von einer DVD - aber wenn es ihm/ihr erklärt wird, ist das ganz was anderes. Ich bin der festen Überzeugung, dass jedeR Puerto Rico spielen kann, der/die auch nur ein ganz klein bisschen Interesse daran hat, sofern es ihm ordentlich erklärt wird.
Und da sind wir wieder bei dem Thema von weiter unten: Hier haben die kleinen Spieleläden eine Chance. Spieleabende anbieten, Spiele im Laden anspielen lassen - und in der Regel wird dann auch bei ihnen gekauft werden.
Aber um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass es für das 'Kulturgut Spiel' eine wirkliche Verbesserung wäre, wenn Spiele in Aktionen beim Discounter verkauft würden. Sie würden vermutlich gekauft werden, aber danach ungespielt im Regal verstauben.
Meiner Ansicht nach kriegst Du die Masse nur durch eines zum Spielen: Ihnen Gelegenheit dazu geben durch Spieleabende, Aktionen, Feste und Ähnliches, wo Du sie auf den Geschmack bringst, indem Du ihnen Spiele erklärst. Die entscheidende Einstiegshürde ist das Lesen der Regel, und wenn das den Leuten abgenommen wird, haben sie auch Spass am Spielen, das ist meine feste Überzeugung.
Überzeugte Grüsse,
Christiane
(liest zwar oft die Regeln, findet es aber auch einfacher, wenn jemand erklärt).
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 19:40
von Hendrik
Hallo Christiane,
Ich stimme Dir zu, dass es die angenehmste Methode ist, ein Spiel zu lernen, in dem man es von jemanden, der es gut kennt, erklärt bekommt. Der kann dann auch individuell auf Deine Fragen antworten.
Das Problem dabei ist, dass wir diese Person nicht mit in die Puerto Rico Schachtel einpacken können.
Es ist ja gerade das Merkmal für (noch) Nichtspieler, dass sie weder Spielabende besuchen, noch Spiele-Fachgeschäfte kennen.
Genau diesen Teufelskreis zu durchbrechen war die Absicht von Andreas (zumindest ist dies meine Interpretation seines Vorschlags).
Ein Gegenargument gegen einer Regel auf DVD könnte sein, dass nur in jedem zweiten deutschen Privathaushalt mittlerweile Filme über einen DVD-Player abgespielt werden können. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts besitzen 50,1 Prozent einen DVD-Player oder DVD-Recorder (Erhebung Januar 2006).
Wenn also die DVD nur von jedem zweiten Bürger genutzt werden könnte, gibt es nebst der Regelhürde also noch eine technische?
Hilfe naht in den Details der Statistik:
Überdurchschnittlich hoch ist die Haushaltsausstattung mit DVD-Geräten bei Paaren mit ein oder mehreren Kindern: 74,4 Prozent verfügen über einen Player oder Rekorder. Bei Paaren ohne Kinder sind es nur 46,9 Prozent. Im Haushaltstyp Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern unter 18 Jahren sind es 69,8 Prozent. Dagegen besitzen nur 31,3 Prozent der Single-Haushalte ein Gerät.
Also immerhin bei drei Viertel aller Familien findet sich ein solches Gerät.
DVD ausggestattete Computer/Notebooks nicht mitgerechnet.
Hm, mittlerweile habe ich mich schon in Details verfangen.
Mal sehen, wie die Diskussion sich weiter entwickelt.
Hendrik
RE: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 9. April 2006, 21:16
von Michael Andersch
Hallo,
also ich finde die Idee auf den ersten Blick gar nicht mal so verkehrt - sofern es vielleicht wirklich im Sommerloch wäre (also möglicherweise zusätzliche Spielekäufe generieren würde anstatt die Kunden nur "umzudirirgieren").
Zu der Thematik "Regeln": Da muss man ja nicht gleich in's Extrem fallen und Caylus oder PR als Massstab nehmen. Aber Spiele auf dem Level von "Einfach Genial" - die sollte doch jeder gestemmt kriegen, der soweit interessiert ist, dass er sich überhaupt ein Spiel kauft, oder? Und in dieser Kategorie gibt's doch genügend Spiele - und auch genügend gute Spiele, v.a. im Vergleich zu Monopoly & Co.
> Sie würden vermutlich gekauft
> werden, aber danach ungespielt im Regal verstauben.
Och, wenn jemand schon mal den ersten Schritt gemacht und ein Spiel gekauft hat und dieses nicht allzu kompliziert ist, dann sehe ich schon Chancen, dass das Spiel ein besseres Schicksal haben könnte ;-)
Viele Grüße,
Micha
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 10. April 2006, 10:45
von Mike Merten
Hendrik schrieb:
>
> Meine Kernaussage:
> Auch einfache Leute sind intelligent genug um
> anspruchsvollere Spiele spielen zu können, sofern (!) die
> Regeln einfach zugänglich sind. Geschriebene Regeln sollten
> nur noch als Nachschlagewerk dienen, jedoch nicht als
> Einführung ins Spiel, dies sollte mit neuen Medien erfolgen.
Dem ersten Teil Deiner Aussage kann ich nur zustimmen: Eine gute Freundin arbeitet in einem Kinderheim (früher sprach man da von einem Heim für "Schwererziehbare"). Dort spielt sie mit den Kids Siedler - das Kartenspiel etc.
Aber die Spieleinführung nur via neue Medien? Dann würde ich zu den meisten Gelegenheiten, bei denen ich spiele, keine noch verschweißten Spiele mitbringen können. Zur Zeit ist es oft so, daß zuerst einmal die Regel ein erstes Mal gelesen werden muß, bevor dann gespielt wird. Zwei Gruppen treffen sich in einer Kneipe: Wo soll man sich dann die DVD anschauen? ("Tue es vorher zu Hause" klingt gut, geht aber an der Lebenswirklichkeit vorbei.)
Und bei den Leuten zu Hause sieht es ähnlich aus. Ich kenne immer noch Leute, die weder an ihrem PC noch an ihrem Fernseher DVD abspielen können. Wie bekommen diese Leute den Einstieg in ein neues Spiel?
Internet als neue Medien? Funktioniert auch nicht. Ich kenne Leute, die Spiele Britannia, das alte Civi etc. Aber ihr Internet-Account ist natürlich nue by call. Wenn man maximal einmal im Monat für 10 Minuten im Netz ist, reicht das absolut aus.
Die geschriebenen Regeln werden also bis auf weiteres den Einführungsteil behalten müssen - oder wir grenzen Leute aus unserem Hobby aus. Und das will doch eigentlich niemand ;-)
nice dice
Mike
Klarstellung des Initiators des Forumsbeitrags
Verfasst: 10. April 2006, 11:07
von Andreas
Hallo zusammen!
Inzwischen sind ja einige Beiträge auf meine Gedanken eingegangen, vielen Dank hierfür!
Allerdings sind wohl wieder einige Missverständnisse hineingekommen, deswegen hier einige Klarstellungen.
1. Kernidee: Spiele sollen über die Discounter (natürlich hier das Argument des Preises) einen Zugang zu Nichtspielern finden. Die Käufer sollen Spaß an diesem Spiel, dieser Art von Spielen finden und so etwas mehr dem Spielen zugetan sein. Sicher gibt es deutliche Streuverluste (verstaubende Spiele), aber gerade deswegen ist es auch ein breites Angebot an die Masse. Wenn nur ein geringer Prozentsatz sich dann etwas intensiver mit unserem Hobby beschäftigt, profitieren alle Interessengruppen vom etwas größer gewordenen Markt.
2. Keine Konkurrenz zu Fachhandel und Internet-Shops. Freilich entsteht kurzfristig eine gewisse Konkurrenz, aber:
1) es wird eine ganz andere Zielgruppe angesprochen;
2) Spieler (unseres Schlages und „normale“ Menschen, die ganz gelegentlich mal spielen) werden die angebotenen Spiele eh schon haben;
3) keine Daueraktion: Spiele sind weder dauerhaft im „Sortiment“, noch ist planbares Abwarten (wie auf die alljährlichen Gartengeräte, Dünger, etc.) auf die nächste Sonderaktion m.E. echte Konkurrenz, da Personen, die Interesse an Spielen gefunden haben, schnell herausfinden werden, wo weitere Spiele erhältlich sind (Fachhandel, Kaufhaus, Online). Und die anderen? Die werden den Verkauf beim Discounter verpassen und dann wieder vor Weihnachten im Kaufhaus oder Fachhandel das SdJ kaufen.
4) Auch die zeitliche Koordination ist beim Discounter bei diesem Produkttyp evtl. nebensächlich: Geburtstag/Namenstag/Kommunion/Firmung/Zeugnis/… hat immer jemand.
3. Natürlich keine Spiele mit eher komplexen Zugang, also kein Puerto Rico oder Caylus (so sehr ich die schätze), sondern eher Spiel des Jahres-Spiele (Carcassonne, Alhambra, Siedler,...) mit vergleichsweise leichtem Regelwerk. Nichts spricht m.E. gegen die Platzierung von Spielen, deren Zeit im sog. Produktlebenszyklus sich dem Ende neigt (vgl. Beitrag von Tim).
Aber: die angebotenen Spiele sollen gut angekommen sein, also: keine Verramschung von „durchgefallenen“ Spielen, das wäre absolut kontraproduktiv. Nochmals hier die Frage: ist dieses Angebot Konkurrenz?
4. Sicherlich gibt es mehrere Zugänge zum Spielen. Und am Besten ist sicherlich der aus der Basis, Nichtspieler (solche, die nicht von vornherein blocken) persönlich an die Hand zu nehmen, ein gutes Spiel geduldig zu erklären, und zu spielen. Wenn es gut läuft, spielt diese Person bald mal wieder (mit), wenn es optimal läuft, besorgt sie sich selber mal ein eigenes Spiel und „erarbeitet“ es sich.
Mein Vorschlag dagegen baut auf den zu beobachtenden Veränderungen im Handel auf, und versucht diesen Ansatz über die Preisschiene zu nutzen. Erst mal (günstig) kaufen, dann mal sehen. Aber ich bin überzeugt, dass die Masse mit einem Spiel zumindest ein Produkt gekauft hat, das ihnen etwas zurückgeben könnte, wenn sie es denn – evtl. auch eine zeitlang später – nutzen. (Das kann man nicht von allen zweckfreien Discounterprodukten behaupten…). Und ein paar Spieler würden so gewonnen werden, die Basis wird etwas breiter.
Ich hoffe, meine Idee etwas präzisiert zu haben, und auf einige Argumente eine (indirekte) Antwort gegeben zu haben. Es sollte klar geworden sein, dass ich nicht noch billigere Spiele dauerhaft beim Discounter kaufen möchte, sondern eine Verbreiterung des Kulturguts Spiel in der Bevölkerung forcieren wollte, analog zu der Zielsetzung des SdJ-Auszeichnung, allerdings über einen anderen Ansatz.
Sicherlich lässt sich die Idee noch verbessern, vielleicht taugt sie aber auch wirklich nichts für die Praxis. Vielleicht liest ja auch von den Spieleverlagen jemand dieses Forum und greift den Ansatz auf. Ich bin gespannt, ob mal was in diese Richtung läuft.
Spiele Grüße
Andreas
Re: Spiele beim Discounter (für alle!)
Verfasst: 10. April 2006, 13:32
von Hendrik
Hallo Mike,
Du schreibst: Aber die Spieleinführung nur via neue Medien? [...]
Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Ich schlage nicht vor die gedruckte Regel *ersatzlos* durch ne DVD zu ersetzen, sondern zusätzlich (!) zur gedruckten Regel eine DVD anzubieten.
Die gedruckte Regel stellt den "kleinsten gemeinsamen Nenner" dar: immer verfügbar und kann von jedem gelesen werden.
Um ne DVD anzugucken, braucht es Infrastruktur wie Strom und Geräte, die gibt es natürlich nicht überall (Bswp. in der Kneipe oder beim Camping).
Die DVD stellt einen "added value" dar, aber nicht den "kleinsten gemeinsamen Nenner". Es wäre schade auf diese multimedialen Vorteile zu verzichten, auch wenn man sie heute noch nicht jedem einzelnen Käufer zugänglich machen kann. Wie bei meiner Antwort zu Christianes Beitrag verfügt momentan in Deutschland durchschnittlich jeder zweite Haushalt über einen DVD-Player, zieht man die Altersheime ab, dann steigt dieser Wert sogar :)
Hendrik
[OT] Gedruckte Regeln contra DVD
Verfasst: 10. April 2006, 13:43
von Mike Merten
"Geschriebene Regeln sollten nur noch als Nachschlagewerk dienen, jedoch nicht als Einführung ins Spiel, dies sollte mit neuen Medien erfolgen."
Den Satz hatte ich anders verstanden. Eine DVD zusätzlich - da habe ich natürlich nichts gegen. (Auch, wenn ich gedruckte Regeln weit bequemer finde. Die kann ich auch auf dem Klo lesen :-) ). Hauptsache die Einführung in das Spiel liegt auch gedruckt vor.
nice dice
Mike
Re: [OT] Gedruckte Regeln contra DVD
Verfasst: 10. April 2006, 16:04
von Hendrik
Mea culpa :cry: ja, dieser Satz ist missverständlich, bzw. zu radikal ausgedrückt. Gutes darf man ja auch beibehalten. Neues als Ergänzung anbieten.
Hendrik
Re: Klarstellung des Initiators des Forumsbeitrags
Verfasst: 10. April 2006, 18:02
von Kai Borschinsky
Also, soweit ich es mitbekommen habe, sind einige Verlage durchaus interessiert an der Diskount Schiene. Aber es mag nicht nur an den Verlagen liegen, wenn das nicht breiter ausgeführt wird.
Grundsätzlich muss man den Discountern ja auch erst einmal die Spiele schmackhaft machen. Und die interessieren sich letztlich nur für hohe Bekanntheitsgrade, die sehr hohe Absätze garantieren. (Das ist das, was die Spiele bei ihnen so billig macht.)
Das ist faktisch meist nur bei den üblichen Verdächtigen möglich, die die Discount Kundschaft auch zumindest mal gehört hat.
Andreas schrieb:
> 1. Kernidee: Spiele sollen über die Discounter (natürlich
> hier das Argument des Preises) einen Zugang zu Nichtspielern
> finden. Die Käufer sollen Spaß an diesem Spiel, dieser Art
> von Spielen finden und so etwas mehr dem Spielen zugetan
> sein. Sicher gibt es deutliche Streuverluste (verstaubende
> Spiele), aber gerade deswegen ist es auch ein breites Angebot
> an die Masse. Wenn nur ein geringer Prozentsatz sich dann
> etwas intensiver mit unserem Hobby beschäftigt, profitieren
> alle Interessengruppen vom etwas größer gewordenen Markt.
Die Intention ist gut und verständlich. Ganz so optimistisch würde ich das aber nicht sehen. Wirklich beschäftigen werden sich die Kunden mit unserem Hobby eher nicht. Sie werden es, bestenfalls, mal auspacken und mit den Kindern spielen. (Und dann halt in die Ecke stellen.) Länere Regeln sind auch eher unpraktisch, da die meisten Leute eben nicht bereit sind, erst mal die Regeln zu lernen. Man sollte nicht vergessen, dass Vielspieler einfach einen Startvorteil beim Verständnis von Spielregeln haben. Und man kann halt leider nicht jedem Spiel einen Erklärer begeben. Die Niagara DVD ist zwar ein guter ANsatz, aber auch da bezweifle ich, dass die Mehrzahl der Kundschaft bereit ist, so viel Zeit in die Vorbereitung zu investieren.
> 2. Keine Konkurrenz zu Fachhandel und Internet-Shops.
> Freilich entsteht kurzfristig eine gewisse Konkurrenz, aber:
> 1) es wird eine ganz andere Zielgruppe angesprochen;
> 2) Spieler (unseres Schlages und „normale“ Menschen, die ganz
> gelegentlich mal spielen) werden die angebotenen Spiele eh
> schon haben;
Ich fürchte, das sieht der Fachhandel anders. Soweit ich mitbekommen habe, sieht es eher so aus, dass von Seiten der großen Einkaufsverbände durchaus sehr aufmerksam beobachtet wird, wenn ein Spieleverlag verstärkt auf Discounter anspricht. Bei Puzzlen gibt es z.B bei Schmidt nicht ohne Grund ein eigenes Sub-Label "Blatz" für Discount-Sonderaktionen...
Es gibt durchaus Ansätze, dass Spiele/Puzzles, die bei Discountern auftauchen, konsequent ausgelistet werden. (Wobei wohl nicht generell gegen Discount Aktionen gesprochen wird, aber Produkte wie das SdJ zählt definitiv zu den kritischen Fällen)
> 3) keine Daueraktion:
Auch der Fachhandel und die Handelsketten (Karstadt, Metro...) macht definitiv nicht den Großteil seines Absatzes durch gezielte Käufer, sondern überwiegend mit Gelegenheitskäufern...
> 3. Natürlich keine Spiele mit eher komplexen Zugang, also
> kein Puerto Rico oder Caylus (so sehr ich die schätze),
> sondern eher Spiel des Jahres-Spiele (Carcassonne, Alhambra,
> Siedler,...) mit vergleichsweise leichtem Regelwerk. Nichts
> spricht m.E. gegen die Platzierung von Spielen, deren Zeit im
> sog. Produktlebenszyklus sich dem Ende neigt (vgl. Beitrag
> von Tim).
Was ja durchaus teilweise auch passiert. Allerdings muss man so ein Spiel dann auch dem Discounter schmackhaft machen. Und das ist nun wieder gar nicht s einfach. Die nehmen eben doch nicht einfach so alles. ;) Und man muss dann auch erst mal das "Restspiel" in angemessener Stückzahl liefern können.
> Aber: die angebotenen Spiele sollen gut angekommen sein,
> also: keine Verramschung von „durchgefallenen“ Spielen, das
> wäre absolut kontraproduktiv. Nochmals hier die Frage: ist
> dieses Angebot Konkurrenz?
Tendentiell nicht. ;) Aber es ist eine Gratwanderung und ansonsten siehe oben: Der Discounter muss auch wollen. Und die wollen zunehmend nicht die Auslaufmodelle sondern nur die aktuellen Spitzenprodukte.
> Mein Vorschlag dagegen baut auf den zu beobachtenden
> Veränderungen im Handel auf, und versucht diesen Ansatz über
> die Preisschiene zu nutzen. Erst mal (günstig) kaufen, dann
> mal sehen. Aber ich bin überzeugt, dass die Masse mit einem
> Spiel zumindest ein Produkt gekauft hat, das ihnen etwas
> zurückgeben könnte, wenn sie es denn – evtl. auch eine
> zeitlang später – nutzen. (Das kann man nicht von allen
> zweckfreien Discounterprodukten behaupten…). Und ein paar
> Spieler würden so gewonnen werden, die Basis wird etwas
> breiter.
Sehen wohl einige Verlage auch so. ;) (Zumindest soweit ich das verfolgen kann.)
> Ich hoffe, meine Idee etwas präzisiert zu haben, und auf
> einige Argumente eine (indirekte) Antwort gegeben zu haben.
> Es sollte klar geworden sein, dass ich nicht noch billigere
> Spiele dauerhaft beim Discounter kaufen möchte, sondern eine
> Verbreiterung des Kulturguts Spiel in der Bevölkerung
> forcieren wollte, analog zu der Zielsetzung des
> SdJ-Auszeichnung, allerdings über einen anderen Ansatz.
Der Gedanke ist schon klar.
> Sicherlich lässt sich die Idee noch verbessern, vielleicht
> taugt sie aber auch wirklich nichts für die Praxis.
> Vielleicht liest ja auch von den Spieleverlagen jemand dieses
> Forum und greift den Ansatz auf.
Es dürften so ziemlich alle Verlage hier lesen. Ein paar schreiben ja sogar regelmäßig hier.
Re: Klarstellung des Initiators des Forumsbeitrags
Verfasst: 11. April 2006, 06:09
von Peter Gustav Bartschat
Hallo, lieber Andreas,
so gut du es sicherlich mit deinen Überlegungen meinst: Ihre Durchsetzung würde nur in einem diktatorischen System mit zentral gesteuerter Planwirtschaft möglich sein. Speziell meine ich damit diesen Punkt:
Andreas schrieb:
> 3) keine Daueraktion: Spiele sind weder dauerhaft im
> „Sortiment“, noch ist planbares Abwarten (wie auf die
> alljährlichen Gartengeräte, Dünger, etc.) auf die nächste
> Sonderaktion m.E. echte Konkurrenz, da Personen, die
> Interesse an Spielen gefunden haben, schnell herausfinden
> werden, wo weitere Spiele erhältlich sind (Fachhandel,
> Kaufhaus, Online). Und die anderen? Die werden den Verkauf
> beim Discounter verpassen und dann wieder vor Weihnachten im
> Kaufhaus oder Fachhandel das SdJ kaufen.
- Wenn die Spiele sich gut verkaufen, wird es für einen Discounter doch von großem Interesse sein, ein längerfristiges Spielangebot in seinem Sortiment zu haben - eventuell mit wechselnden Titeln. Um zu verhindern, dass er ein erfolgreiches Produkt längerfristig anbietet, müsste ihm das ja verboten werden.
- Wenn Spiele Saisonartikel wie Gartendünger sind, wird der Discounter sie ja in der Saison anbieten: Gartendünger wird im Frühjahr angeboten, wenn die Leute Interesse haben, ihn zu kaufen - und Spiele würden speziell in der Vorweihnachtszeit angeboten, oder es wäre sinnlos, überhaupt ein saisonales Angebot zu machen. Um zu erreichen, dass Spiele ausschließlich dann angeboten werden, wenn sie nicht nachgefragt werden, müsste der Discounter dazu gezwungen werden.
- Wenn die Spiele sich nicht so gut verkaufen, wird der Discounter kein Interesse haben, sie überhaupt ins Sortiment zu nehmen. Um zu erreichen, dass er es doch tut, müsste er unter Strafandrohung dazu gezwungen werden.
Das Entstehen von Konkurrenz ist ein notwendiger Bestandteil der Freiheit von Unternehmern, sich selbst zu entscheiden, welche Produkte sie herstellen oder anbieten: Konkurrenz entsteht ja da, wo mehrere Anbieter identische oder austauschbare Produkte vertreiben, an die sie Gewinnerwartungen richten. Konkurrenz verhindern bedeutet: Anbietern vorschreiben, was sie wann in welchen Quoten herzustellen und zu vertreiben haben.
Im Augenblick treffen Verlage und Händler selbst die Entscheidung über ihren Weg zu den Kunden. Und die meisten Leute da sind nicht erst gestern mit der Brotrinde aus dem Urwald gelockt worden, sondern können aufgrund ihrer Erfahrung und Sachkenntnis Marktchancen durchaus einschätzen.
WENN es zu einem regelmäßigen Angebot von Spielen beim Discounter kommt, weil das für Verlage und Discounter lohnend ist - OB das passieren wird, kann ich nicht voraussagen - dann kommt es folglich auch zu einer Konkurrenzsituation.
Wenn Konkurrenz vermieden, aber trotzdem Spiele beim Discounter verkauft werden sollen, dann würde das nur in einem totalitären Staat möglich sein.
Der Markt wird regeln, welche Vertriebsformen in Zukunft vielversprechend und sinnvoll sind: Da etwas erzwingen zu wollen, wovon die Beteiligten selbst sich keinen Vorteil versprechen, erscheint mir persönlich nicht reizvoll - und ohne Zwang lassen sich nicht alle deine Vorgaben gleichzeitig erfüllen.
Mit einem lieben Gruß
Gustav