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Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 8. Mai 2006, 20:57
von Markus N.
Hallo,

bei uns kam heute eine interessante Frage auf:
woher kommt der Name des Kinderspieles "Reise nach Jerusalem".
Es gab die ein oder andere Theorie - herausgefunden haben wir es aber nicht
(auch "Google" brachte uns nicht weiter).

Vielleicht hat aber hier im Forum jemand die Lösung oder hat eine Theorie.

Jerusalemische Grüße

Markus

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 8. Mai 2006, 22:49
von Thorsten G aus B

In der Wikipedia wird auch nur über die Herkunft spekuliert (siehe unter Diskussion). Da brauch man also auch nicht zu suchen .... :-(

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 8. Mai 2006, 22:52
von Helmut Lehr
Markus schrieb:
>
> Hallo,
>
> bei uns kam heute eine interessante Frage auf:
> woher kommt der Name des Kinderspieles "Reise nach Jerusalem".

Na, ob das nur ein "Kinder-Spiel" ist, weiß ich nicht.
Wir haben's auf einem Schulfest turniermäßig gespielt mit Kinder- und Erwachsenenmannschaften und hatten einen mächtigen Spaß dabei.
Superleichte Spielregeln erleichtern natürlich die Sache eneorm.

SG
Helmut

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 08:32
von Frédéric Nebel
Und ich kenne das Spiel nicht mal. Wie geht das?

Gespannte Grüsse

Frédéric

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 08:45
von Ingo Althöfer
Frédéric Nebel schrieb:
> Und ich kenne das Spiel nicht mal. Wie geht das?

Es gibt mehrere Versionen.

Zuerst die für junge Leute:
Die Spieler laufen um einen Tisch. Auf dem Tisch liegen Münzen,
und zwar eine weniger als es Spieler sind. Die Musik spielt.
Stoppt sie, grabscht jeder nach einer Münze. Wer keine abbekommt,
fliegt raus. Es wird eine Münze weggenommen, und die restlichen
Spieler laufen wieder zur Musik.

Und jetzt die Seniorenversion:
Statt Tisch und Münzen gibt es bei n Spielern n-1 Stühle,
die mit Sitzfläche nach aussen im Kreis stehen. Spieler
laufen aussen rum. Beim Verstummen der Musik sucht
sich jeder einen Stuhl. Wer keinen bekommt, scheidet aus.
Vorteil hierbei ist, dass man sich zwischendurch auch mal
setzen kann/muss - also nicht immer nur laufen und stehen.

Schön ist die Stuhlversion auch, wenn ein Stuhl mehr da ist
als Spieler. Ausscheiden, wessen rechter Sitzplatz frei bleibt.
Umsetzen verboten, nachdem man erst einmal sitzt.

Ingo.

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 08:54
von Carsten Wesel | FAIRspielt.de
Ingo Althöfer schrieb:
>
> Schön ist die Stuhlversion auch, wenn ein Stuhl mehr da ist
> als Spieler. Ausscheiden, wessen rechter Sitzplatz frei bleibt.
> Umsetzen verboten, nachdem man erst einmal sitzt.

Ihhh - wie fies.
Aber bleiben da nicht einfach alle stehen, da man sich mit dem Setzen ja Zeit lassen kann? Zumal der letzte Spieler dann entscheiden kann, wer rausfliegt?

Gruß Carsten (der sich auch gerne mal zwischen 2 Stühle setzt)

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 08:59
von Ferendra
Im englischen Wiki gibt es einen Eintrag :

http://en.wikipedia.org/wiki/Musical_chairs

und der führt zu :


http://en.wikipedia.org/wiki/Laura_Lee_Hope


Wenn man bedenkt, daß nicht jeder eine Hauskappelle zu Hause hatte. Dürfte der Beginn des Spiels auf das späte 18. oder frühe 19. Jahrhundtert fallen, da zu diesem Zeitpunkt Phonograph und Grammophon Einzug hielten.

Gruss
Ferendra

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 09:01
von Ingo Althöfer
Carsten Wesel | FAIRspielt.de schrieb:
> Ingo Althöfer schrieb:
> >
> > Schön ist die Stuhlversion auch, wenn ein Stuhl mehr da ist
> > als Spieler. Ausscheiden, wessen rechter Sitzplatz frei
> bleibt.
> > Umsetzen verboten, nachdem man erst einmal sitzt.
>
> Ihhh - wie fies.
> Aber bleiben da nicht einfach alle stehen, da man sich mit
> dem Setzen ja Zeit lassen kann? Zumal der letzte Spieler dann
> entscheiden kann, wer rausfliegt?

Schade, dass Du diesen Punkt sofort verraten hast. Die meisten
Spielgruppen bekommen es erst nach gewisser Zeit heraus...
Das beschriebene Verhalten wird am besten wie folgt unterdrückt:
Wenn es wirklich einen eindeutig letzten gibt, der sich setzt,
stimmt die Gruppe ab, wer rausfliegt: entweder dieser Letzte
oder der, dessen rechter Platz frei ist.


> Gruß Carsten (der sich auch gerne mal zwischen 2 Stühle setzt)

Das waere natürlich auch eine Anregung für eine Variante:
Bei n Spielern stehen die n-1 Stühle nicht dicht an dicht, sondern
so auf Lücke, dass man sich dazwischen setzen/hocken kann (und
zwar jeweils nur eine Person).
Wer keinen Hockplatz bekommt, scheidet aus.

Ingo.

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 10:13
von Franz-Benno Delonge
Hallo Frederic,
Ingo hat sicher recht, aber eigentlich ist es ein altes römisches Spiel, bei dem ein Stuhl weniger hingestellt wird, als Legionäre mitspielen.
Gallische Grüße
Benno

Re: Woher kommt "Reise nach Jerusalem"

Verfasst: 9. Mai 2006, 10:48
von Ferendra
Das ist interessant mit den Römern. In Israel heißt das Spiel auch "Reise nach Rom"....

Rateversuch

Verfasst: 9. Mai 2006, 10:57
von Ralf Arnemann
Die Liste der ausländischen Bezeichnungen für dieses Spiel in der englischen Wikipedia ist interessant.

In Deutschland und auf den Philippinen heißt es (heute noch) "Reise nach Jerusalem".
In England wird angegeben "formerly known as Going to Jerusalem". Heute ist dort aber wie in den übrigen Ländern ein rein beschreibender Spielename üblich.

Das sieht für mich sehr danach aus, als wäre früher allgemein der Name mit Jerusalem üblich gewesen. Aber als dann die Bedeutung dieses Namens nicht mehr bewußt war, wechselte man wohl in den meisten Ländern zu einer kindgemäßen Beschreibung.

Ich vermute, daß da anfangs (vielleicht schon im Mittelalter) wirklich eine Prozession/Wallfahrt nachgespielt wurde - da gehört Musik ja dazu. Oder anders gesagt: "Hintereinander herlaufen mit Musik" gab es früher nur mit einem solchen religiösen Hintergrund, Militärmärsche oder Faschings-Polonaisen sind deutlich später.

Interessant wäre dann nur die Frage, warum man dann bei Musik-Ende um Sitzplätze rangeln muß - da müßte man bei den alten Gebräuchen mal nachlesen.