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Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 11:50
von VolkiDU
Hallo Spielergemeinde,

auf das Thema bin ich durch einen Artikel in der Wochenendausgabe meiner Tageszeitung gekommen. Michael Menzel (u. a. Die Baumeister von Arkadia) - so ist zu lesen - würde gerne einmal die Grafik zu einem Raumschiffspiel machen.

Welche Vorlieben habt Ihr? Welche Thematik kann Euch mehr faszinieren als andere, welche interessieren Euch dagegen weniger oder überhaupt nicht.

Bei mir sind es in der Regel historische Themen, wohingegen Fiction mich (fast) nicht interessiert. Etwas zu Erbauen (ob nun Siedlungen oder Strecken) in Konflikt mit Gegenparteien und Materialmangel reizt mich dagegen sehr. Geht es um Transporte - primär mit Schiffen - lockt mich das Spiel.

Wiederrum kenne ich welche, bei denen alles interessant wird, sobald Fiction dahintersteckt.

Thematische Grüße

Volker
(bin mir nicht sicher, ob wir das Thema schon irgendwann hatten)

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 12:08
von Nikolaus Metzdorf
Mir persönlich geht die Mittelalter-Thematik zunehmend auf den Keks, es wird einfach zu viel. Gegen SciFi-Themen habe ich nichts einzuwenden, solange keine Bildchen ausserirdischer Rassen auftauchen (höchstens ironisiert). Z.B. hat mir das Thema von Outpost viel besser gefallen als das vom Zepter.
Ansonsten sehe ich es nicht so eng - allein das Thema hat mich noch nie vom Spielen abgehalten, war aber auch selten Kaufanreiz.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 12:37
von Tim-spielbox
> Welche Vorlieben habt Ihr? Welche Thematik kann Euch mehr
> faszinieren als andere, welche interessieren Euch dagegen
> weniger oder überhaupt nicht.

Mich interessiert eigentlich alles, was mit Flächeneigenschaften zu tun hat. Das kann völlig abstrakt sein (Go, TwixT, Rasende Roboter), auf Landkarten basieren (Carcassonne, Wallenstein, Hellas) oder irgendwo dazwischen liegen (Packeis am Pol, Cannes).

In welcher Epoche das Spiel angesiedelt ist, ist mir dabei weniger wichtig. Science Fiction oder Fantasy muß es aber nicht unbedingt sein. :D


Tim

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 12:54
von Marc Noelkenbockhoff
Ich mag auch sehr gerne Spiele, welche mit Landschaften aufwarten.
Auch realistische Themen packen mich mehr als abstrakte Sachen (keine Regel ohne Ausnahme).
Science-Fiction lässt mich völlig kalt, da habe ich irgendwie keinen Draht zu.

Gruß

Marc

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 12:56
von Grzegorz Kobiela
Mir gefällt alles, wo ich mich "ausbreiten" kann, seien es die Siedler, sei es Carcassonne oder ein Kriegsspiel, etwa neuerdings Battlelore. Science Fiction wäre mir insofern lieb, da ich Star Wars Fan bin. :)

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 13:08
von Christian Brunner
Als alter Fantasy- und MA-Fan interessieren mich Spiele mit diesen Themen sehr! Noch wichtiger ist aber, das das Spiel ÜBERHAUPT ein Thema hat. Mit vollständig abstrakten Spielen kann ich nur wenig anfangen.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 13:40
von Hendrik
Hallo Volker

Besten Dank für ein Thema bei dem man mal wieder diskutieren kann und nicht nur auf Seite 6 der Spielregel verweisen muss.

Der bekannte Spieleautor Bruno Faidutti hat in seinem Editorial einen interessanten Artikel über Spielthema und dessen Abhängigkeiten http://www.faidutti.com .

Grundsätzlich gibt der Autor das Thema beim Ersinnen des Spiels vor, doch nur allzu oft ändert es sich auf Wunsch (oder vielmehr Befehl) des Verlags wieder.
Der Verlag will möglichst viel verkaufen und behält sich vor, ein Thema den Marktgegebenheiten anzupassen.
Für mich ist es eine interessante Frage, ob ein bevorzugtes Thema auf Erfahrung basiert (was haben wir früher gut verkauft) oder auf Marketing-Umfragen (was wünschen sich die Kunden für Themen.

Ein Beispiel wo ein Weltraum-Thema aufgrund Druck des Verlegers von Science-Fiction zu Südsee geändert wurde ist Big-Kini.

Ich neige dazu, aufgrund der wenigen Weltraum basierten Spiele zu schliessen, dass zumindest die (meisten) Verlage der Meinung sind, Mittelalter verkauft sich besser als Zukunft.

Ein Grund sehe ich darin: Im Vergleich zur Gegenwart und Zukunft ist das Mittelalter "einfacher" (im Sinne von weniger komplex) gewesen. Will heissen: ein Spiel abstrahiert die Realität zu einem gewissen Maße und den Leuten (breite Zielgruppe) einen Spiel-Mechanismus anhand des Mittelalters zu erklären ist einfacher als im Rahmen eines Science-Fiction Spiels die Funktionsweise eines Protonen-Pumpen Schutzschildes zu erläutern.

Nicht umsonst ist der Schauplatz aller Märchen das Mittelalter. Es scheint, als wäre diese Zeitperiode besondes klar und einfach zu begreifen, was Gesellschaftstruktur und Wirtschaft anbelangt.

Persönlich ist mir das Thema wichtig, aber noch wichtiger sind die dem Spiel zugrunde legenden Mechanismen. Wenn diese spannend sind, dann funktionieren sie mit Thema A genauso gut wie mit Thema B, wobei aufgrund der Mechanismen sich meistens ein Thema als das passendste herausstellt. Dieses sollte dann auch gewählt werden und nicht wegen Marketinggründen geändert werden.
Fühlt sich ein Thema bei einem Spiel unpassend an, wird es keinen Verkaufshit geben, auch wenn statistisch gesehen, dieses Thema beliebter wäre als das usprüngliche.

Um zu Deiner Frage zurückzukommen: Mein Geschmack ist Mittelalter/Renaissance und Fantasy wohlwollender eingestellt als Horror und Science-Fiction ggü. (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Cheers Hendrik

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 14:14
von Mike Merten
Wichtiger als die Frage "welches Thema" ist mir, wie sehr das gewählte Thema durch das Spiel überhaupt representiert wird.

Das Thema des Spieles weckt bei mir im allgemeinen bestimmte Erwartungen: Ein Spiel, das Autorennen als Thema hat, verläuft unter Garantie anders als eines, das Handel im Mittelalter als Thema hat. Und je nach Thema erwarte ich dann, daß die Dinge, die im Spiel passieren, auch mit dem Thema zu tun haben.

Sehr gut gelungen ist das meiner Meinung nach beispielsweise bei Troia und auch bei Jenseits von Theben. Thema und Mechanismus sind so verzahnt, daß sich viele Regeln intuitiv erschließen. Gegenbeispiele sehe ich z.B. bei Hermagor und Caylus. Wie die Waren, die man bei Hermagor in der Stadt auf dem Mark kauft, zu den Händlern gelangen, werde ich wohl nie verstehen. Genauso ist mir unklar, was dieser ominöse Caylus-Vogt sein soll. Was soll dadurch simuliert werden?

Solche Brüche sind die beste Möglichkeit, dafür zu sorgen, daß bei mir bei diesen Spielen keine Atmosphäre entsteht. Sie haben interessante Mechanismen - sind daher nett, von einem Spiel mit einem Thema erwarte ich aber anderes.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 14:38
von Hendrik
Mike Merten schrieb:
Genauso ist mir unklar, was dieser ominöse
> Caylus-Vogt sein soll. Was soll dadurch simuliert werden?

Der Vogt überprüft ob Du einen gültigen Gewerbeschein (bzw. ein mittelalterliches Äquivalent) besitzt. Nur dann darf ein Gebäude produzieren/handlen/oder was es auch immer bewirkt. Leider ist der Vogt bestechlich und lässt daher gerne mal ein paar Gebäude unproduktiv bleiben.

So ähnlich erkläre ich neuen Spielern auf jeden Fall die Funktionsweise des Vogtes.
Das mag historisch vielleicht nicht ganz korrekt sein, aber sicher nicht so daneben, dass man sich nicht in die funktionsweise dieses Spielmechanismus eindenken kann.

Cheers Hendrik
(der davon ausgeht, dass klein Mike seine Eltern beim Rotkäppchen-Märchen darauf aufmerksam gemacht hat, dass der Wolf keinen ganzen Menschen fressen und schon gar nicht sprechen kann. :wink: )

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 15:17
von Mike Merten
Hendrik schrieb:
>
> Das mag historisch vielleicht nicht ganz korrekt sein, aber
> sicher nicht so daneben, dass man sich nicht in die
> funktionsweise dieses Spielmechanismus eindenken kann.
>

Oh doch! Sonst würde ich es ja auch können ;)
Und der Vogt ist ja auch nur eines von vielen Beispielen bei Caylus. Die Brücke ist doch z.B. auch nur ein regeltechnisches Vehikel.

> Cheers Hendrik
> (der davon ausgeht, dass klein Mike seine Eltern beim
> Rotkäppchen-Märchen darauf aufmerksam gemacht hat, dass der
> Wolf keinen ganzen Menschen fressen und schon gar nicht
> sprechen kann. :wink: )

Oh ... in den letzten 45 Jahren habe ich mich durchaus weiterentwickelt und verändert. Du etwa seit der Zeit damals nicht? :D

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 17:32
von Hendrik
Mike Merten schrieb:
> Und der Vogt ist ja auch nur eines von vielen Beispielen bei
> Caylus. Die Brücke ist doch z.B. auch nur ein
> regeltechnisches Vehikel.

Man muss aber Caylus zugute halten, dass es sich nicht um eine Simulation handelt, sondern sich wie ein Märchen lose an die reale Welt im Mittelalter anlehnt. Aus diesem Grund bin ich auch bereit, die "regeltechnischen Vehikel" als nicht störend zu betrachten.


> Oh ... in den letzten 45 Jahren habe ich mich durchaus
> weiterentwickelt und verändert. Du etwa seit der Zeit damals
> nicht? :D

Ja, aber ich noch keine 45 Jahre auf dieser Erde wandle kann ich nicht für die ganze Zeitspanne Auskunft geben :razz:

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 11. Dezember 2006, 18:57
von Jingo
Ja ja ja ja jaaaaaaaaa! Endlich mal jemand, der mir voll aus den Eingeweiden spricht. Ein Spiel, dem ein Thema nur aufgesetzt wurde, kann ich nicht goutieren. Deine Beispiele sind hervorragend gewählt, ich hätte keine Besseren bringen können.

Und Hendrik: Weiterentwickelt? Oder fehlentwickelt? Wie so vieles heutzutage. Ich kann den derzeitigen Trend nur nach verzahnten Mechanismen zu schielen, einfach nicht nachvollziehen. Wo liegt den da der Witz des Themas? Dann sollten diese Dinger doch bitte abstrakt bleiben. Ich werde hier gar nicht erst anfangen Beispiele zu bringen, aber bei so vielen Spielen der letzten 10 Jahre stellen sich mir nicht nur die Nackenhaare auf, wenn ich die an denselben herbeigezogenen Begründungen in den Regeln lese.

Es wird allerhöchste Zeit wieder thematisch stimmige Spiele auf den Markt zu bringen, auch wenn keine 'neuen' Mechanismen drin sind. Hauptsache das Spielgefühl und -erlebnis stimmt.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 09:25
von Mike Merten
Hendrik schrieb:
> Man muss aber Caylus zugute halten, dass es sich nicht um
> eine Simulation handelt, sondern sich wie ein Märchen lose an
> die reale Welt im Mittelalter anlehnt. Aus diesem Grund bin
> ich auch bereit, die "regeltechnischen Vehikel" als nicht
> störend zu betrachten.
>

Grade eben nicht! Genau diese nur "lose Anlehnung" ist ja, was mich u.a. an Caylus stört. Daß ich das Spiel nur ungerne spiele, liegt aber primär an anderen Dingen, um die es hier nicht geht.

Mir ist durchaus klar, daß das eine reine Geschmacksfrage ist - aber im Ausgangsposting ging es ja um die persönlichen Befindlichkeiten.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 09:35
von Mike Merten
Jingo schrieb:
>
> Ja ja ja ja jaaaaaaaaa! Endlich mal jemand, der mir voll aus
> den Eingeweiden spricht. Ein Spiel, dem ein Thema nur
> aufgesetzt wurde, kann ich nicht goutieren. Deine Beispiele
> sind hervorragend gewählt, ich hätte keine Besseren bringen
> können.
>

Natürlich freut es mich, zu sehen, daß ich nicht alleine auf der Welt bin. Aber, Jingo, nicht verzweifeln: Bei German Games / Eurogames ist nun einmal der Mechanismus das treibende Moment. Gutem altem Ameritrash ist da die Simulation eindeutig wichtiger. Aber auch diese Spiele werden anscheinend in Amiland noch immer entwickelt und produziert.
Simulationen dauern nun einmal länger als Mechanismen mit aufgesetzten Themen; und so lange es heißt, ein gutes Spiel dürfe nicht länger als 90 Minuten dauern, so lange müssen wir wohl mit aufgesetzten Themen leben.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 10:18
von JonTheDon
Also Caylus hab ich bisher einmal gespielt, Hermagor steht noch in meinem Schrank.

Kann bei beiden Spielen (bei Hermagor nur nach Regellesen) einfach keine Atmosphäre feststellen; dabei hatte ich mir Hermagor gerade wegen des stimmigen Titelbildes gekauft...

Für mich ist eindeutig das Thema wichtiger als der Mechanismus; allerdings kommt ein Thema ja nur dann gut rüber, wenn auch der Mechanismus das zulässt.

Lieber ein toller Mechanismus ohne Thema als ein toller Mechanismus mit schlechtem Thema (man stelle sich Twixt als Mittelalter-Straßenbau-Spiel vor).

Und am liebsten ein tolles Thema mit gutem Mechanismus.

Liebe Grüße Jon

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 15:21
von Bernd Eisen
@ Jon:

Magst dein Hermagor loswerden? ;-)
Nachdem mein Onlinehändler "Ausverkauft" gemeldet hat und vorerst nciht wieder bekommt.

Grüße
Bernd

www.irongames.de

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 15:31
von JonTheDon
Hab dir ne mail geschrieben.

Gruß Jon

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 19:56
von VolkiDU
Nikolaus Metzdorf schrieb:
> Gegen SciFi-Themen habe
> ich nichts einzuwenden, solange keine Bildchen
> ausserirdischer Rassen auftauchen

Das 'Sternenschiff Catan' ist so ein Fall. Beim Anblick der Verpackung wußte ich, dieses "Viech" kommt nicht in meine Wohnung. Und obwohl es das Spiel irgendwann im Schlußverkauf für 5 Euro gab, so ist es außen vor geblieben.

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 12. Dezember 2006, 20:55
von VolkiDU
JonTheDon schrieb:
> Für mich ist eindeutig das Thema wichtiger als der
> Mechanismus; allerdings kommt ein Thema ja nur dann gut
> rüber, wenn auch der Mechanismus das zulässt.

Kategorie: Begeisterungsfähigkeit und -potential für Nichtspieler

Mit einem "Andromeda" kann ich eher einen SF-Fan fangen, jemand der sich für Schiffe interessiert, wird eher "Titanic" von Adlung spielen, und jemand der sich für Flugzeuge interessiert, wird eher "Take off" spielen.

Das ist meine Erfahrung :-)

Re: Thematik-Vorlieben beim Spieler

Verfasst: 13. Dezember 2006, 09:22
von Mike Merten
Jetzt lande ich hier im Forum schon zum zweiten Mal in der Schublade der "Nichtspieler" :D Nun denn, es gibt schlimmeres. Und in meinem Bestand finden sich ja auch nur knapp 180 Spiele ...

Auch für mich gilt die Feststellung, daß mich bestimmte Themem eher dazu bringen, ein mir noch unbekanntes Spiel auszuprobieren.

Ganz weit oben auf der Liste stehen da Archäologie und Ur- und Frühgeschichte (da habe ich aber wohl nur wenig Mitstreiter). Spiele wie Tal der Mammuts, Troia, Jenseits von Theben waren daher Pflichtspiele. Ägypten und Süd-/Mittelamerika lassen ich hingegen links liegen.
Mein zweites Thema wird stärker bedient: Die Entwicklung einer Zivilisation, am besten im Mittelmehrraum. Das begann mit Civi und Borderlands, und endet zur Zeit bei gewissen Spielen aus Tschechien.

SciFi-Theman schrecken mich komischerweise eher ab. Außer, es kommt irgendwann mal ein Raumpatrouille-Spiel. Dabei bin ich doch eigentlich nicht nur Orion- sondern auch Enterprise-Fan. Seltsam ...