Seite 1 von 1

Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 03:38
von Guido Gottheil
Hi,

ich bin vorhin beim Schmökern über eine Anzeige zu Tal der Abenteuer von Parker auf der Umschlagsseite des Knizia Almanachs gestolpert und da heißt es: "Die neue Autorenspielreihe mit der besonderen Ausstattung von Parker". Da fiel mir ein, dass sich einige Leute, gerade auch Rezensenten, über die schlechte Ausstattung beschwert hatten. So z.B. Alfons Leierseder in seiner Kritik auf Hall9000 (http://www.hall9000.de/rezi.pl?spiel=tal_der_abenteuer). Kommentare dazu sind ähnlich (z.B. der von Martin Ballhorn) . Auch Wieland Herold schrieb in der Spielbox Nr. 5/2006 auf Seite 7 "[...] das Spielmaterial - Papp-Plättchen, Holzfiguren, ein grafisch recht einfach gehaltener Spielplan und recht ansprechende Spielkarten - ist funktional, aber dem Kaufpreis von rund 30 Euro nicht unbedingt angemessen".

Für mich stellt sich jetzt die Frage, ob das Material einfach von nicht von so guter Qualität in Bezug auf den Preis ist, oder ob das Material an sich nicht gut ist im Sinne von "out of date" (80er Jahre Ausstattung), also schlecht, weil veraltete Standards genutzt wurden und damit auch preislich nicht mehr angemessen. Denn normalerweise bewegen sich ja die Spielepreise für Familienspiele so in dem Bereich.
Als Unternehmen hätte ich mich durch den Preis der Wiener Spieleakademie bestätigt gefühlt, ein gutes Produkt auf den Markt geworfen zu haben, was gutes Spielmaterial einschließt und eine relativ hohe Preispolitik rechtfertigen könnte. Schade wäre ja, wenn sich genau die gedachte Familienzielgruppe aufgrund der Auszeichung dieses Spiel zulegt, aber dann eine Aufmachung sieht, die leider nicht die Entwicklung in Bezug auf Materialqualität widerspiegelt, die die Spiele im Allgemeinen ja zweifelsfrei durchgemacht haben. Und da würde imho ein gutes Stück an Potential, Spielreiz zu erzeugen, der auch Lust auf mehr macht, verloren gehen. Denn das Auge spielt ja bekanntlich mit.

Was meint Ihr dazu? Ist die Austattung für den Preis ok? Ist die Ausstattung für heutige Zeiten ok?

Gruß
Guido

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 08:26
von Michael Weber
Es gibt zwei Versionen. Eine limitierte Auflage (kenne ich nicht) und die normale. Die normale hatten wir getestet. Ich hatte das "Vergnügen" eine Probepartie mitzuspielen und muss sagen, dass die Ausstattung unterdurchschnittlich ist. Kritik ist also völlig berechtigt, wenn auch zum Teil etwas überzogen (vermutlich, weil der Standardhass auf Hasbro so groß in den Köpfen ist ...).

Michael
(fand in diesem Tal keine Abenteuer)

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 09:42
von Maddin
Moin Guido!

Da Du mich direkt angesprochen (bzw. zitiert) hast, möchte ich meiner o.a. Kurzkritik hier gern ein paar erläuternde Worte hinzufügen.

Die Materialqualität im Sinne von Robustheit halte ich für "durchschnittlich": der Plan ist nicht besonders dick, aber auch nicht fledderig; die Karten haben das heute übliche Maß und eine taugliche, weder nach oben noch nach unten aus der Masse herausragende Stärke. Die Chips, die auf dem Spielplan verteilt werden, sind ebenfalls Standard-Pappe; Einrichtungen, die ein Verrutschen etc. verhindern könnten, fehlen. Die einstürzenden Brücken sind ebenfalls nur kleine Papp-Chips; hier hätte der Spielplan nach meiner Meinung gern 3D-Elemente wie z.B. bei den "Brücken von Shangrila" oder bei "San Marco" vertragen.

Einzig wirklich erwähnenswertes Gimmick sind somit die Diamanten, die es einzusammeln gilt. Die funkeln wirklich hübsch, sind zwar ein bisschen fummelig klein, aber das kann man mit der Idee "naja, sind halt Kostbarkeiten", gern verschmerzen. Leider wird diese positive Eindruck dadurch sehr bedrückt, dass von diesen Diamanten nicht ausreichen viele beiliegen: ich glaube, es sind 12 Stück. Und die reichen erfahrungsgemäß kaum für eine Partie aus. Ich persönlich habe mir aufgrund der freundlichen Hinweise hier auf SPIELBOX-ONLINE (per Link zur Hasbro-Homepage) über den dortigen "Consumerservice" zusätzliche Steine angefordert, was unproblematisch, schnell und kostenlos erledigt wurde: innerhalb von etwa 10 Tagen wurden mir 10 zusätzliche Diamantenspielsteine zugeschickt.
Natürlich fürchte ich, so eine Nachforderung dürfte die "Normalspielfamilie" eher überfordern. Aber genauso gehe ich mal davon aus, dass HASBRO in zukünftige Auflagen diese Extra-Diamanten lieber gleich mit einlegt, als weitere ratlose Kunden in gerade dieser geplanten Hauptabnehmerschaft zu riskieren.

Die Regel ist auf lächerlich dünnem Hochglanz-Papier gedruckt, inhaltlich nicht vollständig und - zumindest für den versierten Spielregelleser, für den ich mich halte - ohne erkennbare innere Logik gestaltet. Mag sein, dass da jemand dachte, man müsse den "Nicht-Vielspielern" den "Zugang erleichtern". Hmm - da müsste man mal jemand aus dieser Gruppe fragen...
Wenn ich mich nicht sehr täusche, fehlt ferner eine online- oder sonstige mediengestützte Regelerklärung. "On Date" scheinen da also eher KOSMOS, ZOCH und eggertspiele zu sein.

Bleiben noch die Pöppel: Standard-Halmakegel aus Holz, wie sie seit spätestens dem 2. Weltkrieg üblich sind. Keinerlei Innovation also auch hier, eher Rückschritt: mindestens seit Existieren des "Spiel des Jahres"-Preises halte ich individuell und thematisch passend gestaltete Spielsteine für normal.

Das leitet gut über zum optischen Eindruck des Gesamtmaterials:
Regel, Spielplan, Karten und Cover sind im gleichen Graphik-Stil gestaltet; immerhin konsequent also. Leider gefällt mir die angewandte Technik überhaupt nicht: Draufsicht direkt von oben mit trotzdem Seitenansichten von Gebäuden und anderen Elementen. Ein wenig erinnert mich das an "Drunter und Drüber"; nur dass diese Technik da zum chaotischen Gesamthintergrund hervorragend passte - und hier eben nicht. Die Darstellungen der einzelnen Bergwanderer sind so lala - rein geschacksmäßig nicht mein Fall, aber das ist jetzt zugegebenermaßen rein subjektiv. Schade aber, dass man aus der Chance, die die Charakterisierung der einzelnen Personen (irritierenderweise aus den Schmalseiten des Deckels angebracht) kein Kapital geschlagen hat: im Spiel gibt es keinen regeltechnischen Unterschied zwischen den Bewegungen der einzelnen Figuren. Hier wäre mehr möglich gewesen!

Gesamtbilanz:
Wenn dies wirklich schon die von HASBRO/PARKER beworbene "besondere Ausstattung" sein soll, dann muss man konstatieren, dass dieser Verlag mindestens die letzten 20 Jahre der Weiterentwicklung von Spielen verschlafen hat. Hier ist dringender Nachholbedarf - eine zweite so wohlwollend-eingehende Kritik wie diese wird es zumindest von mir nicht geben. Eine Orientierung an den durch "Spiel des Jahres", "Essener Feder" u.ä. Preisen gesetzten Materialstandards darf wohl erwartet werden, wenn ein so kapitalkräftiges Unternehmen sich auf den Bereich der Autorenspiele vorwagt.
Sonst drohen von breiten Teilen der sonstigen Vielspieler-Öffentlichkeit Häme, Spott oder bestenfalls Missachtung...

Verspielte Grüße,
Maddin = : - )

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 18:55
von Ernst-Jürgen Ridder
Maddin schrieb:
>
> Gesamtbilanz:
> Wenn dies wirklich schon die von HASBRO/PARKER beworbene
> "besondere Ausstattung" sein soll, dann muss man
> konstatieren, dass dieser Verlag mindestens die letzten 20
> Jahre der Weiterentwicklung von Spielen verschlafen hat. Hier
> ist dringender Nachholbedarf - eine zweite so
> wohlwollend-eingehende Kritik wie diese wird es zumindest von
> mir nicht geben. Eine Orientierung an den durch "Spiel des
> Jahres", "Essener Feder" u.ä. Preisen gesetzten
> Materialstandards darf wohl erwartet werden, wenn ein so
> kapitalkräftiges Unternehmen sich auf den Bereich der
> Autorenspiele vorwagt.
> Sonst drohen von breiten Teilen der sonstigen
> Vielspieler-Öffentlichkeit Häme, Spott oder bestenfalls
> Missachtung...
>
> Verspielte Grüße,
> Maddin = : - )

Hallo Maddin,

zu Tal der Abenteuer:

Was den Käufer an Spielmaterial erwartet, ist auf der Schachtelrückseite abgebildet, einschließlich beider Spielplanseiten, und zahlenmäßig aufgeführt, so dass es nicht wirklich einen Grund zur "Aufregung" gibt. Wem das Material schon optisch nicht gefällt, muss das Spiel ja nicht kaufen. Die begrenzte Zahl an Edelsteinen habe ich nicht als Mangel empfunden, muss man sich im Rahmen der spielerischen Möglichkeiten eben drauf einrichten, dass es mehr nicht gibt.

Die limitierte Ausgabe enthält einige zusätzliche Karten mit zusätzlichen Möglichkeiten (ein Plättchen 2x ausführen, nächste ausgespielte Karte wieder auf die Hand nehmen, Figur 4 Felder weit ziehen, 2 beliebige aufgedeckte Plättchen vertauschen).

Das Spiel als Spiel ist zugegebenermaßen eher schwach, so dass der Wiederspielreiz auch als Familienspiel nach einigen Partien sich bei uns nicht wiederbeleben ließ, trotz der Zusatzkarten.

Trotzdem: Jetzt schon anzukündigen, "...eine zweite so
> wohlwollend-eingehende Kritik wie diese..." werde es nicht geben, dürfte dem angekündigten zweiten Spiel der Reihe -Origo von Wolfgang Kramer- dann vielleicht doch nicht gerecht werden, auch wenn man jetzt schon sehen kann, dass auch dieses Spiel z.B. solche schlichten Pöppel -und keine thematisch gestalteten Spielfiguren- enthalten wird.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 19:26
von Alfons Leierseder
Hallo Guido,
nachdem Du mich in Deiner Anfrage erwähnst, möchte ich mich auch kurz melden:
Ich 'beschwere' mich ja nicht über das Material des Spiels, schließlich ist es ja durchaus möglich, mit ihm zu spielen. Das "Tal der Abenteuer" wird dem heutigen Standard meines Erachtens einfach nicht gerecht; und da geht es nicht um schöne oder nicht schöne Grafik, sondern schlichtweg um die Qualität. Und dies gilt für mich hier vor allem bei der Regel und dem Material, was ich in meiner Rezension auch zum Ausdruck brachte. Wenn der Spieler/die Spielerin einfach einmal zwei, drei aktuelle Spiele und das "Tal der Abenteuer" nebeneinanderlegt, wird er/sie den Unterschied schnell be-greifen.
Ich selbst hab nichts gegen Parker und schon garnichts gegen Knizia-Spiele, wenn ich z.B. Blue Moon City ansehe, dann freue ich mich und denke, dass es zu Recht auf die Auswahlliste kam...
Nun denn: Wahrscheinlich bin ich einfach einer Täuschung erlegen, weil ich von einem "Spiel der Spiele" mehr erwarte.
Alles andere hast Du ja schon auf Hall9000 gelesen..
Viele Grüße
Alfons

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 15. Januar 2007, 19:45
von Marko
Guido Gottheil schrieb:

> Was meint Ihr dazu? Ist die Ausstattung für den Preis ok?

Bei einem Preis so zwischen 29,- bis 35,- Euro, sage ich mal nein!

Meiner Meinung nach mangelhaft ist:
1. Die Spielmünzen haben alle die gleiche Größe und Farbe. Dadurch fällt es schwer sie zu unterscheiden.

2. Es liegen zu wenige - nur 15 Stück - Edelsteine bei. (Sind mittlerweile beim Verlag kostenlos nachzubestellen)

3. Der Spielplan hat Falzwülste auf denen die Schatzplättchen nicht richtig flach aufliegen.

4. Die Brücken sind einfach lächerlich klein! Eigentlich sollten sie umgedreht werden wenn eine einstürzt, da die Abbildung aber so klein ist, erkennt man kaum einen Unterschied zwischen ganzer und zerstörter Brücke. (Am besten ganz vom Brett nehmen)

5. Für den Preis hätte ich mir 3D Plastikfiguren gewünscht und keine Standard Holzpöppel der mittleren Größe.

Aber.... Trommelwirbel.... jetzt kommt's.....

Mir macht das Spiel richtig Spaß! :-)
Drei mal zu viert, einmal zu dritt und zehn mal zu zweit, und immer noch mal Lust es zu spielen.
Es ist kein Strategiekracher, aber eine schönes Zwischendurchspiel.
Selbst meine Mutter hat nach einmal Spielen gesagt, dass Sie das Spiel gerne noch mal spielen würde und das heist schon was! ;-)

Viele Grüße
Marko

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 16. Januar 2007, 08:30
von Maddin

> Trotzdem: Jetzt schon anzukündigen, "...eine zweite so
> > wohlwollend-eingehende Kritik wie diese..." werde es nicht
> geben, dürfte dem angekündigten zweiten Spiel der Reihe
> -Origo von Wolfgang Kramer- dann vielleicht doch nicht
> gerecht werden, auch wenn man jetzt schon sehen kann, dass
> auch dieses Spiel z.B. solche schlichten Pöppel -und keine
> thematisch gestalteten Spielfiguren- enthalten wird.


Hallo Ernst-Jürgen!

"Origo" kenne ich noch nicht und werde mir es gern anschauen. Wenn ich da aber auch wieder Standard-Holzpöppel und eine fledderige Regel drin fünde, würde das mein Wohlwollen und meine Bereitschaft, dieses Spiel einer ernsthafteren Prüfung zu unterziehen, durchaus höhere Hürden auferlegen. Nicht mehr wollte ich hiermit gesagt haben. Wenn dem nicht so ist und HASBRO/PARKER also aus Fehlern lernt: umso besser!

Hoffnungsfröhliche Grüße,
Maddin = : - )

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 16. Januar 2007, 20:50
von Michael Weber
Alfons Leierseder schrieb:
> Nun denn: Wahrscheinlich bin ich einfach einer Täuschung
> erlegen, weil ich von einem "Spiel der Spiele" mehr erwarte.

Was kann Hasbro dafür, dass die Österreicher dem Spiel diesen Preis verliehen haben?

;-)

Michael

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 16. Januar 2007, 20:52
von VolkiDU
Michael Weber schrieb:
> Alfons Leierseder schrieb:
> > Nun denn: Wahrscheinlich bin ich einfach einer Täuschung
> > erlegen, weil ich von einem "Spiel der Spiele" mehr erwarte.

> Was kann Hasbro dafür, dass die Österreicher dem Spiel diesen
> Preis verliehen haben?

Vielleicht hat Hasbro das gar nicht gewollt? :lol:

Re: Tal der Abenteuer - Ausstattung

Verfasst: 24. Februar 2007, 00:19
von Roland G. Hülsmann
Guido Gottheil schrieb:

> Was meint Ihr dazu? Ist die Austattung für den Preis ok? Ist
> die Ausstattung für heutige Zeiten ok?

Laß' es mich so ausrücken:
Für Amerikanische Verhältnisse handelt es sich um gehobene Ausstattung! ;-)

Gruß
Roland
(hat das Spiel heue nicht nur erstmalig, sondern auch falsch gespielt, da wir die Plättchen versehentlich nach erstmaligem Drauftreten weglegten)