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Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 9. Juni 2007, 20:23
von Der Landvogt
Hallo zusammen,

eigentlich wollte ich dieses Jahr nach Göttingen zum Autorentreffen, mal ein wenig umschauen dort. Hat aber wegen eines Sportfehltritts nicht geklappt. Autsch und dämlich.

Was mich mal interessieren würde. Gibts sowas wie eine Erfolgsquote was die dort vertretenen Autoren und anschließend unter Vertrag genommenen Spiele angeht?
Also wie viele schaffen den Weg von Göttingen über einen Verlag ins Kaufhausregal? Ein bis drei jedes Jahr? Fünf? Zehn?

Weiß jemand was darüber?

Es grüßt der Landvogt.

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 10. Juni 2007, 12:56
von Andreas.Pelikan
Schau doch mal ins Autorenforum. Dort finden sich jedes Jahr Berichte über Göttingen.

Konkrete Zahlen wirst Du wahrscheinlich nicht finden, die wären aber auch nicht aussagekräftig. Ich war z.B. 1x in Göttingen, mit einem Spiel, und meine persönliche "Erfolgsquote" lag dabei bei 0%. Aber die "Umwegrentabilität" schätze ich sehr hoch ein. Sehr wichtig ist, daß du - ohne Aufdringlich zu sein - die Verlagsvertreter kennen lernst (und sie sich vielleicht später auch an dein Gesicht erinnern); auch zu sehen, wie moderne Prototypen ausschauen ist eine wichtige Erfahrung (schwarz-weiß Handskizzen können sich wohl sehr wenige Autoren noch erlauben). Und du hast eine riesige Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch mit Kollegen (Freundschaften schließen, Autorentreffen in deiner Umgebung entdecken, Projektideen für Kooperationen schmieden ...) .

Göttingen ist besonders für junge Autoren sehr empfehlenswert, und die Frage "wie stehen meine Chancen, dort mein Spiel zu verkaufen" solltest Du Dir beim ersten mal nicht stellen. Es gibt zu viel Interessantes das Du verpaßt, wenn Du nur mit Marketing beschäftigt bist.

lg

Andreas

P.S.: Sorry für die Schulmeisterei, falls Du ein alter Hase bist und rein statistisches Interesse befriedigen willst.

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 10. Juni 2007, 16:50
von Der Landvogt
Nö, ein alte Hase bin ich nicht. Dass Göttingen aus vielen Gründen interessant ist, hab ich schon gehört, deshalb wollte ich ja hin. Nur mein Außenband nicht :sad:

Aber mich interessiert eben schon auch statistisch, ob es Spiele gibt, die in Göttingen gezeigt werden und dann hinterher erscheinen.
Hab mal irgendwo gelesen, dass Barbarosssa von Klaus Teuber in GÖttingen vorgestellt und dann Spiel des Jahres wurde.

Gibts solche Erfolgsgeschichten jedes Jahr? Muss ja nicht gleich ein Spiel des Jahres sein,a ber eben womöglich veröffentlicht.

Spiele Grüße vom Landvogt

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 10. Juni 2007, 19:42
von peer
Hi,
Der Landvogt schrieb:
> Gibts solche Erfolgsgeschichten jedes Jahr? Muss ja nicht
> gleich ein Spiel des Jahres sein,a ber eben womöglich
> veröffentlicht.

Ein paar werden sicherlich veröffentlicht. Genaue Zahlen dürften aber schwer zu bekommen sein ;-)
Ich habe letztes Jahr gehört, dass "Aqua Romana" 2005 gezeigt wurde und gleich von Queen "eingekauft" wurde und es dann auf der Auswahlliste landete.
Und letztes Jahr präsentierte ich mein Siam - und dieses Jahr wirds (als König von Siam) veröffentlicht (http://www.spielbar.com/wordpress/2007/06/09/212 da schreibe ich die Geschichte des Spiels, ich hoffe Knut möge mir die Eigenwerbung verzeihen).

ciao
peer

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 11. Juni 2007, 00:43
von Martin Schlegel
Stimmt. Die Queen-Leute haben 2005 Aqua Romana gesehen, das damals noch "Rockefellers" hieß, und es binnen weniger Tage gebucht.
Martin

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 11. Juni 2007, 21:57
von Martin Ebel
Die Eitelkeit des Alters:
auch ich will mal meine Göttinger Erfolgsqute bekanntgeben:
1982 Prototyp "Das Collier der Königin von Saba" vorgestellt:
1984 als Kleinauflage bei Reinhold Wittigs Perlhuhn Verlag herausgekommen. 1997 noch einmal von Queengames in Göttingen entdeckt und als "Die Kette von Saba" erschienen.
1990 durch Dagmar de Cassan ermutigt, im Eigenverlag mein "Mondkälbertreiben" herauszubringen ("Schwerstes Spiel des Jahres 1990"- 7,2 kg -)leider musste ich dann den Slogan ändern, nachdem ich Facklers wertvollen Erstling in den Händen wog: jetzt war mein Spiel nur noch "das schwerste Spiel mit dem günstigsten Kilo-Preis").Nachdem ich in Essen 2005 mein Spiel "bridges" vorstellte und Lob erntete (Allan Moon nahm sich damals die Zeit, bei den Autorentischen jedes Spiel auszuprobieren und hat mir für die Zählweise eine wichtigen Tip gegeben), hat K.H. Schmiel 2006 für Hans im Glück auf dem Göttinger Autorentreffen den Prototypen mitgenommen, der jetzt als "Ponte del Diavolo" veröffentlicht wurde.
Als damals Klaus Teuber seinen Tisch neben mir hatte und ein Spiel mit Knetmasse vorstellte, habe ich gedacht: Das ist doch nicht orginell. Außerdem härtet Knetmasse mit der Zeit aus. Wie man sich doch täuschen kann.
Ich kann nur jedem abraten, nach Göttingen zu gehen, wenn er nicht den Frust verdauen kann, daß seine Nachbarn vielleicht erfolgreicher sind als sie. Für mich ist es jedoch ein lebenselexier. Ich schicke nun mal nicht gerne meine Gedankenkinder einfach so in die fremde Welt, sondern möchte die Menschen kennenlernen, denen ich sie in die Hand gebe, ob sie wirklich bereit sind, sich mit dieser Spielidee zu beschäftigen. Das ist zwar nicht sehr professionell, aber entspricht meinen Gemütszustand.
Dieses Jahr waren die Verlage sehr bemüht, viele Gespräche mit den Autoren zu führen und ich hatte drei Gespräche, die zwar kein Ergebnis hatte, aber die Aufforderung, nach Überarbeitungen in bestimmte Richtungen nochmals auf sie zu zu kommen. Ein Spieler vom Nachbartisch spielte mit mir meinen prototypen, zu dem ich noch während der eröffnungsreden Kügerlchen rollte, wobei mich spontan eine Sitznachbarin unterstützte. Seine Vorschläge zur Verschlankung der Abläufe waren so überzeugend, daß ich inzwischen glaube, daß "Symetria" was werden könnte.
Ich habe aber nicht nur Honig gesaugt, sondern bei einem älteren ehepaar, daß wohl enttäuscht war, daß die herren von parker, MB und Hasbro nicht da waren, Kontakte vermittelt und Spielvarianten ihres Spiels vorgeschlagen.

habe ich Dir damit jetzt ein Gefühl für das Autorentreffen in Göttingen gegeben?
Meine Begeisterung fürs Spiele entwickeln gäbe es jedenfalls ohne Göttingen nicht und ich danke allen, die es jedes Jahr mit ehrenamtlichen Engagement wieder entstehen lassen.

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 12. Juni 2007, 10:08
von Der Landvogt
Hallo Martin,

danke für diesen persönlichen Einblick. Angesichts solcher Erfolgsgeschichten wäre es doch mal umso interessanter zu erfahren, wie viele Spiele es jedes Jahr in die Verlagsprogramme schaffen.

Der schwerste Spiel mit 7,2 Kilogramm im Eigenverlag? Da bin ich aber skeptisch, ob das so ein guter Tipp von wem auch immer war. Ich stelle mir gerade vor, wie Du mit einer 100er-Startauflage nach Essen fährst und mit einem Achsbruch auf der Autobahn liegen bleibst. Oder wie Du nach den ersten tausend Exemplaren mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus landest :razz: Wo ich übrigens gerade erst war. Er lebe der Sport :oops:

Es grüßt der Landvogt.

Re: Göttingen: Erfolgsquote

Verfasst: 12. Juni 2007, 10:39
von Andreas Keirat
Der Landvogt schrieb:
>
> Hallo Martin,
>
> danke für diesen persönlichen Einblick. Angesichts solcher
> Erfolgsgeschichten wäre es doch mal umso interessanter zu
> erfahren, wie viele Spiele es jedes Jahr in die
> Verlagsprogramme schaffen.
>
> Der schwerste Spiel mit 7,2 Kilogramm im Eigenverlag? Da bin
> ich aber skeptisch, ob das so ein guter Tipp von wem auch
> immer war. Ich stelle mir gerade vor, wie Du mit einer
> 100er-Startauflage nach Essen fährst und mit einem Achsbruch
> auf der Autobahn liegen bleibst. Oder wie Du nach den ersten
> tausend Exemplaren mit einem Bandscheibenvorfall im
> Krankenhaus landest :razz: Wo ich übrigens gerade erst war.
> Er lebe der Sport :oops:
>
> Es grüßt der Landvogt.

Wenn Du ca. 100 Spieleautoren hast, die jeder ca. 3 Prototypen dabei haben, dann dürften das rund 300 Spiele sein, die in Göttingen vorgestellt wurden. Vielleicht werden davon 4 Spiele in den beiden Folgejahren übernommen. Die anderen bedürfen z.B. noch weiterer Bearbeitung oder der Mechanismus/Thema sind bereits bei den Verlagen im laufenden Programm oder schon unter Vertrag. So etwas wird und kann dir eben keiner beantworten.

Das mit dem "jedes Jahr ins Verlagsprogramm schaffen" ist sowieso schon ein zeitliches Problem. Die 2008 Spiele sind bei vielen Verlagen ja jetzt schon unter Vertrag genommen, einige nehmen ein Spiel dann für 2009 auf, andere sogar für 2010. Spiele haben im Allgemeinen eine gewisse Vorlaufzeit vor der Produktion, Schnellschüsse gibt es relativ selten (und denen sieht man das meistens an, wenn man die SuDoku-Welle mal so betrachtet oder die Werbespiele zu bestimmten Kinofilmen...).

Du siehst, Statistiken sind nicht oder zumindest nicht einfach zu erstellen.

Schau dir dagegen den Hippodice Wettbewerb genauer an, da kannst Du leicht erkennen, welche Prototypen der Finalspiele es in den folgenden Jahren zur Veröffentlichung gebracht haben (... gar nicht mal so wenig, auch wenn die Themen oft andere waren und einige Spiele noch stärkere Veränderungen bekamen)

Ciao,

Andreas Keirat
www.spielphase.de

(war in Göttingen ohne Prototypen. Obwohl einige Leute behaupten, ich wäre selbst einer...)