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Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 29. August 2007, 15:21
von Michel
Auf der Spiel letztes Jahr hab ich erst mal einen Bogen um "Astoria" gemacht, als ich gesehen habe, dass das "hässliche Werbematerial" in Wahrheit Spielplan und Anleitungen war. Inzwischen besitze ich das Spiel aber doch und beiße mich gerade durch die beiden Regelmachwerke.

Unter
http://www.boardgamegeek.com/fileinfo.php?fileid=26322

liegt ein Regelheftchen zur "Kombinationsvariante" zum Download. Wer's ordentlich ausdruckt und heftet, hat ein gut lesbares Büchlein, das wunderbar in die Box passt, ohne zu nerven. Bitte um Regelkorrekturen und -ergänzungen, falls nötig.

Eine ähnliche Umsetzung der epischen Variante ist in Arbeit - aber dort stehe ich bereits vor einigen (unlösbaren?) Fragen. Die werde ich noch unter anderem Titel hier im Forum stellen...

Zum Spielplan hab ich mir auch so meine Gedanken gemacht, mal schauen (die derzeit erhältlichen Stoff-Spielpläne der Autoren gefallen mir nicht sonderlich - zumal ich bezweifle, dass sie wirklich in die (herrliche) Box passen).

Michael

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 29. August 2007, 17:47
von Smuker
Vielleicht könntest du ja allgemein deine Meinung zum Spiel hier kund geben, wenn es nicht zuviel Aufwand wäre. Ich finde das Design des Spiels nämlich recht interessant und würde mich über einen kleinen Bericht freuen um abzuschätzen ob ich mir das Spiel kaufen werde.

[PEEP] Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 29. August 2007, 19:11
von Michel
Ausgesprochen schwierig, da ich erst eine Partie einer der beiden Spielmöglichkeiten absolviert habe.

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Material: Irre schön und irritierend mies.

Box aus Holz mit "geschnitztem" Titel - keine Ahnung, wie die das hinbekommen haben. Sieht einfach nur gut aus. Dicht vollgepackt mit Material:
4 Glasfläschchen mit Korken, darin 60 Juwelen (Plastikedelsteine in geschickter Formgebung, die dadurch unregelmäßig aussehen). Superschön.
6 kleine Holzmarker in Spitzenqualität - aber auch in einer profanen Zip-Tüte. Naja.
66 Spielkarten, fast ausschließlich sprachunabhängig (die wenigen Begriffe in F/GB sind aber verständlich), relativ gute Qualität. Eher missglückte Illus, aber akzeptabel.
Ein DIN A3 Faltblatt, leicht gebogen, damit es in die Kiste passt, beidseitig schreiend bunt mit Illus und mit eher missglückten deutschen Texten bedruckt. Auf recht dünnem Prospektpapier (etwas hochwertigere Poster, die Zeitschriften beigeheftet sind, sehen so aus). Ziemlich mies.
Zwei Anleitungsfaltblätter, höchstwahrscheinlich bei einem Internetmassendrucker hergestellt, Optik und Qualität wie billige Werbeflyer, zum Teil mit 4- oder 5-Punkt-Schriften bedruckt und daher schwer lesbar. Schlecht organisiert, zum Teil falsch und in über große Strecken unzulänglichem Deutsch. Meiner Ausgabe lagen Erratae in Form zweier schief ausgeschnittener Fotokopien bei. Viel zur Klärung der Fragen, die sich beim Regelstudium auftun, trugen diese nicht bei. Furchtbar.

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Spielvarianten: "Kombinationsversion" bzw. "Epische Version"

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Kombinationsversion (ähnelt Bazaar):
Eine gerade Anzahl Spieler, 2, 4 oder 6, werden benötigt, die in 2 Gruppen gegeneinander spielen. Nur ein Teil des Spielmaterials wird benötigt. Die Spieler haben Karten auf der Hand, die bestimmte Edelsteinkombinationen vorgeben, die es auf dem Spielplan nachzubilden gilt. Dazu werden Edelsteine ausgelegt oder verschoben, bis ein Spieler die dazu passende Karte ablegen kann, was Punkte bringt. Aufeinandertreffen gleichfarbiger Edelsteine auf dem Plan führt zu "alchemistischen Reaktionen", in deren Folge sich kettenreaktionsartige Veränderungen auf dem Spielplan ergeben können.

Ein erstes 2er-Spiel zeigt Potenzial: Mir hats gefallen, meine Frau fand es eher trocken, unsere Punktzahlen lagen nahe beieinander.
Ich denke, dass ein Gruppenspiel und größere Vertrautheit mit den Reaktionen zu sehr überraschenden Wendungen führen kann.
Kann bei entsprechenden Naturen zur Totanalyse führen.

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Epische Version (ähnelt Schatten über Camelot):
Das komplette Material wird benötigt. Die Spieler (2 bis 6) bekommen zu Beginn geheime Rollen, die Ihnen das grobe Spielziel vorgeben: Entweder den König zu schützen oder ihn zu stürzen.
Auf dem Spielplan dieser Version gibt es verschiedene Punktanzeigen, die im Verlauf fallen und steigen - im Wesentlichen beeinflusst durch eine Karte, die in jeder Runde aufgedeckt wird, aber auch beeinflussbar durch die Spieler (die wiederum im wesentlichen Edelsteine sammeln, um Edelsteinkombinationen zu vollenden, was ihnen Eingriffe in die Geschehnisse auf dem Spielplan erlaubt).
Wer sich zu früh durch Handlungen gegen den König als Verräter offenbart, wird ins "Exil" geschickt und hat von dort nur noch beschränkte Handlungsmöglichkeiten.
Jedoch können alle Spieler durch bestimmte, von den Punktanzeigen unabhängige Handlungen Punkte sammeln - müssen dabei aber darauf achten, welches Ereignis das Ende des Spiels herbeiführt - Ereignisabhängig gibt es für bestimmte Spieler nämlich einen Batzen Bonuspunkte.

Klingt sehr spannend - insbesondere der Umstand, dass bis zu einem bestimmten Grad Kooperation angesagt sein muss - irgendwann müssen die einzelnen Fraktionen aber doch ihr wahres Gesicht zeigen.

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Am Rande: Frauen (die, die ich kenne) bekommen bei Ansicht des Spiels sofort verklärte Blicke - es glitzert halt.

Vom Hersteller gibt es über dessen Webseite für teuer Geld auf Stoff gedruckte Spielpläne, die überarbeitet wurden (nicht wirklich schöner, aber etwas funktionaler).

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Fazit: Zwei vermutlich richtig gute Spiele, wenn man sich durch die grauenhaften Regeln beißt und für einige Lücken, insbesondere im "Epischen Spiel", eine Hausregel beschließt (auch englisch und französisch - über die Webseite - ist verwirrend und desorganisiert).

Hersteller-Webseite:
http://www.roleetstrategie.com/

Michael

Voriger Post ist eine Art PEEP zu Astoria

Verfasst: 29. August 2007, 19:22
von Michel
Ich lerns ja (vielleicht) noch ;)

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 29. August 2007, 22:10
von Smuker
Hey danke für die Mühe....

Das Material sieht auf den Bildern bei Boardgamegeek auch sehr ansprechend aus. Dass alles aber dann ziemlich in die Kiste gestopft werden muss (so sieht es auf den Bildern aus) ist natürlich ungeschickt.

Die Edelsteine sehen denen die LudoArt für Meisterdiebe und Marquise benutzt zum verwechseln ähnlich, ich nehme mal an das sind die selben.

Laut dem was du so erzählst ist es wohl ein absoluter Pflichtkauf für mich und gehört unbedingt in meine Sammlung in der auch schon Siedler 3D, Black Elephant, Meisterdiebe, etc. ist....

Was meinst du mit viel Lücken in den Regeln? Sind diese unausgegoren, fehlt was oder wird einfach etwas nicht explizit erwähnt was man aber logisch dann nachvollziehen kann, dass es so sein müsste?

viele Grüße
Andreas

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 29. August 2007, 23:03
von Michel
Kennst Du die alte Khronos-Regel?

Französisch mit ein paar kleinen Macken und seltsam organisiert, englisch mit ziemlichen Löchern, Fehlübersetzungen und Missverständlichkeiten, Deutsch mit mörderischen Fehlern, die bis fast zur Unspielbarkeit führen.

Haben wir hier auch. Nur etwas schlimmer, wie ich finde.
Ohne die englische Regel hat man m.E. keine Chance. Mit der englischen Regel (und einer Lupe, wenn man sie als Druckprodukt und Mittvierziger vor sich hat) kann man mit einiger Mühe das "epische Spiel" ausklambüsern. Das "Kombi-Spiel" ist einfacher zu durchschauen.

Aber keine Sorge: Meine aufgeräumte Anleitung kommt bald. Klare Kaufempfehlung (in Essen gabs das übrigens für 20 Euro).

Michael

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 30. August 2007, 00:21
von Smuker
Hmmmmm ok.... Dann freu ich mich schon, dass du vermutlich bis ich das Spiel habe alles gemacht hast :-). Schon mal RESPEKT für deine Arbeit.

Khronos nee hatte ich damals auf einem Spielevent mal angespielt, aber entweder war der Zeitpunkt net gut, oder sonstwas, aber da hat es mich nicht unbedingt vom Hocker gehauen.

Für 20 ¤? Hmmm das ist recht günstig für die Aufmachung. Vielleicht sind sie dieses Jahr wieder da dann schau ich an dem Stand mal vorbei... ;-)

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 30. August 2007, 09:36
von Ralph Bruhn
Hallo zusammen,

ich habe mir das Spiel auch wegen des tollen Materials zugelegt. Außerdem hörten sich die Spielideen - die eine mehr logisch/kombinatorisch, die andere mehr Rollenspiel - ebenfalls hervorragend an.

Nach meinen ersten Spielversuchen bin ich aber ernüchtert.
Die angesprochenen Regeln sind wirklich so schlecht wie hier beschrieben. Insbesondere die deutsche Regel ist lückenhaft und voller sinnentstellender Übersetzungsfehler. Dieses hat mir auch der Verlag per Mail bestätigt und mir daher die Verwendung der englischen Regel empfohlen. Mit dieser versteht man die Spielregeln zugegebenermaßen etwas besser.

ABER:
die "Kombiversion" stockte bei uns immer wieder. Wenn man hier defensiv veranlagte Spieler am Tisch hat, werden Steine nur hin- und hergeschoben, es kommt kein Spielfluss in Gang. Keiner will dem anderen eine Vorlage liefern, seine Kombination erfüllen zu können und genau so wenig, eine Reaktion auszulösen.

die "epische Version" ist genauso unbefriedigend: die 3-4 Spielen, die ich versucht habe, waren jeweils nach 3-4 Runden zu Ende. Entweder war der König tot, weil die "Bösen" nicht die "War Chiefs" bekämpfen wollten und die Guten es nicht konnten, weil sie die dazu nötigen Artefakte nicht besaßen. Oder einer der drei "bösen" Fraktionen war ruckzuck am Ende seiner Leiste, weil sich niemand durch deren Bekämpfung outen wollte bzw. nicht konnte mangels Artefakte.
Der Erwerb der "Gems" war auch zäh: einige hielten ihre Steine zurück, damit die anderen nicht herankommen konnten. Und so konnten dann die Artefakte nicht fertiggestellt werden.
D.h. die Spiele waren immer schon zu Ende, bevor überhaupt an so etwas wie Wächter, Exil, Kämpfe oder ähnliches gedacht werden konnte!

Ein Spiel, dass so einfach auszuhebeln ist bzw. vom Spieler vom ersten Zug an in ein bestimmtes Verhalten zwängt, damit es überhaupt in Gang kommt, ist nicht gerade nach meinem Geschmack.

Ich will nicht ausschließen, dass ich nicht doch noch die eine oder andere Regelfeinheit übersehen habe, aber ich habe mich wirklich Stunden mit der Regel auseinandergesetzt. Und ich habe immerhin sogar Khronos verstanden... ;-)

Ich würde das Spiel gerne mal mit jemandem spielen, der meint, das Spiel verstanden zu haben. Aber bis dahin bleibt es erstmal als Blickfang im Regal stehen.

Schade, schade, schade... :-(

Viele Grüße
Ralph

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 30. August 2007, 09:53
von Michel
Zugegeben: Bei der Kombiversion sollte man ein wenig "Bauchspielen" und jederzeit Taktikänderungen vornehmen - insbesondere die Reaktionen bergen hier Potenzial (und werden vermutlich von den Spielern erst mal außer Acht gelassen).
Direktes Hin- und Herschieben ist verboten, das habt ihr berücksichtigt?

Zur epischen Version: Wie ist bei euch, wenn ihr es kennen solltet, Schatten über Camelot (mit Verräter) angekommen? Das birgt meines Erachtens ähnliche Fallstricke für zögerliche Spieler. Genau genommen fällt bereits "Geister" in diese Kategorie, wenn ich es mir recht überlege ...

Ich will damit natürlich nicht ausschließen, dass die epische Version "broken" ist, wie man so schön auf boardgamegeekisch sagt.
Ich werd's ja sehen.

Michael

Re: Astoria - aufgeräumte Regeln

Verfasst: 30. August 2007, 10:50
von Ralph Bruhn
Hallo Michel,

> insbesondere die Reaktionen bergen hier Potenzial (und werden
> vermutlich von den Spielern erst mal außer Acht gelassen).

gerade weil wir die Reaktionen nicht außer Acht gelassen haben, ist das Spiel gestockt. Es kamen nämlich keine neuen Steine mehr ins Spiel, weil man sonst dem anderen eine Vorlage für eine Reaktion gegeben hätte.

> Direktes Hin- und Herschieben ist verboten, das habt ihr
> berücksichtigt?

Ja. Aber das führt dazu: Lege ich einen Stein auf mein Zielfeld, zieht ihn der Gegner im nächsten Zug nach gegenüber auf sein Zielfeld. Da ich im nächsten Zug nicht zurückziehen darf, hätte ich meinem Gegner also eine schöne Vorlage geliefert. Daher schiebe ich diesen Stein ein Feld zur Seite, damit der Gegner nicht mit diesem Stein eine Kombination einlösen kann. So zieht man zwar nicht direkt mit den Steinen hin und her, aber voran geht es im Spiel so auch nicht.

> Zur epischen Version: Wie ist bei euch, wenn ihr es kennen
> solltet, Schatten über Camelot (mit Verräter) angekommen? Das
> birgt meines Erachtens ähnliche Fallstricke für zögerliche
> Spieler.

Es gibt viele Spiele, bei denen man nach dem ersten Spiel merkt: OK hier habe ich taktisch falsch gespielt, das kann ich beim nächsten Mal besser machen.
"Normal" in solchen Spielen ist aber, dass das Spiel mit einer Aufbauphase beginnt, in der man seine Infrastruktur aufbaut. Hier wäre das der Verkauf und Erwerb von Edelsteinen, mit denen man seine Artefakte erfüllt. Dadurch erlangt man Fähigkeiten, die man dann nach und nach zur Bekämpfung der Warchiefs und zur Einflußnahme auf die diversen Skalen nutzen kann.
Dazu ist es bei uns aber gar nicht erst gekommen! Wir waren froh, wenn wir überhaupt 1-2 Artefakte fertig stellen konnten, geschweige denn deren Funktionen überhaupt nutzen. Da war das Spiel dann schon vorbei.
Und man konnte ggf. nicht einmal viel machen: Hat man das Pech, dass die eigene Edelsteinfarbe in den ersten zwei Runden wenig wert ist, kann man mit Ein- und Verkauf nicht viel reißen.

Da wüsste ich auch nicht, was ich im nächsten Spiel besser machen könnte. Von daher ist der Wiederspielreiz äußerst gering. Vor allen Dingen, wenn die Regelerklärung über eine halbe Stunde dauert und dann das Spiel zu Ende ist, bevor die Hälfte der Regeln überhaupt benötigt wurde...

Aber ich wünsche Dir trotzdem viel Spaß - vielleicht läuft es bei Euch ja besser!

Gruß
Ralph