Kinderspielkritik: Das Wissensduell – Wilde Tiere
Verfasst: 15. Oktober 2007, 23:07
Beim Lesen der Spielbox flog mir doch heute ein Draht aus der Mütze. Da steht auf Seite 53, dass ein Floh 34 Zentimeter hoch springen kann und Menschen bei Berücksichtigung von Größe und Gewicht 150 Meter hoch springen müssten.
Diese ist in mehrfacher Hinsicht Quatsch:
1: Angenommen ein Normalfloh wiegt 0,5mg (s. http://www.entomologie.de/cgi-bin/webbbs_neu/test.pl?noframes;read=318 – Es lohnt den ganzen Thread zu lesen). Mit den Angaben des Spiels müsste ein Mensch also 150m/0,34m * 0,5mg = 220 Milligramm wiegen!
2: Nimmt man an dass große Menschen 2m hoch und große Flöhe 5mm lang sind, so passt das Verhältnis 200/0,5 = 400 schon besser zu 15000/34 = 441. Wahrscheinlich beruht die Aussage auf einer solchen Annahme. Diese ist aber falsch!
Dazu ein kleiner Ausflug in die Übungen der Vorlesung „Grundlagen der Physik I“ im WS93/94 in Duisburg von Herrn Treitz:
Hochsprung der Liliputaner: Gulliver ist 1,8m groß und kann als typischer Mensch 1m hoch springen …(d.h. Erhöhung des Schwerpunktes)… Die Liliputaner sind 18cm groß und wie verkleinerte Menschen gebaut. Wie hoch können sie springen?
Lösung: Sprungenergie = mgh. Nimmt man eine Muskelmasse proportional zu Körpermasse an, braucht man für die gleiche Sprunghöhe bei 1000 facher Masse die 1000 fache Energie. D.h. Liliputaner können einen Meter hoch springen.
In der Lösung wird ferner noch ausgeführt das normale Tiere (genannt sind Pferd, Mensch und Frosch) ein Meter hoch springen können. Die Sprunghöhe kleiner Insekten hingegen (Floh) wird von der Luftreibung stark beeinflusst, sie schaffen somit nur maximal 50cm.
Nun O-Ton Treitz: Die Bewunderung darüber, dass der Floh dem Menschen haushoch überlegen sei, weil er ja ein Vielfaches seiner Größe hoch springen kann, ist also genauso unsinnig wie die Dreisatzaufgabe (bzw. eine gewisse Lösung zu ihr): Wenn 5 Musiker für das Florellenquintett 45 Minuten brauchen, wie lange brauchen dann 45 Musiker.
Weitere Details zu springenden Flöhen findet man z.B. unter http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fachbereich_physik/didaktik_physik/publikationen/springtiere.pdf oder http://bionik.fbsm.hs-bremen.de/downloads/referate/1semWS0405/Der_Floh.pdf. Das Interessante am Flohsprung ist nämlich die Beschleunigung beim Abspringen.
Die Größe als Vergleichsmaßstab für Sprunghöhen zu nehmen ist also völlig falsch.
Vergleicht man einige Angaben zur Sprungleistung von Flöhen im Internet, so zeigen sich im Übrigen ziemlich große Streuungen (wie auch bei Menschen). Zudem schaffen die verschiedenen Floharten sehr unterschiedliche Höhen (s. z.B.: http://www.entomologie.de/cgi-bin/webbbs_neu/test.pl?noframes;read=280: „Das Gewicht ist wie die (Sprung-)Leistung von Art zu Art gewiß sehr unterschiedlich, wobei gewiß auch zu beachten ist, ob er gerade Blut gesaugt hat oder nüchtern ist ... - So springt der kleine Kaninchenfloh Spilopsyllus cuniculi etwa 5 cm hoch, der Menschenfloh Pulex irritans allerdings 20 bis 30 cm hoch oder 50 cm weit ... usw.“). Wenn, wie bei „Das Wissensduell – Wilde Tiere“ die Rateskala dann von 8cm-42cm geht, kann man eigentlich nur richtig raten. Mit mehr oder weniger Glück eben.
Das Spiel sollte einen Warnaufkleber bekommen: „Achtung: enthält unglaubwürdige Antworten und Kommentare“. Zumindest hätte der Rezensent, dessen Lektor oder der Chefredakteur diesen Lapsus erkennen können.
Viele Grüße,
p.
P.S.: Wieso hat man bei Zeitschriften immer das Gefühl, dass sie nur dann wahre und kluge Dinge drucken, wenn man sich im referierten Thema nicht auskennt?
Diese ist in mehrfacher Hinsicht Quatsch:
1: Angenommen ein Normalfloh wiegt 0,5mg (s. http://www.entomologie.de/cgi-bin/webbbs_neu/test.pl?noframes;read=318 – Es lohnt den ganzen Thread zu lesen). Mit den Angaben des Spiels müsste ein Mensch also 150m/0,34m * 0,5mg = 220 Milligramm wiegen!
2: Nimmt man an dass große Menschen 2m hoch und große Flöhe 5mm lang sind, so passt das Verhältnis 200/0,5 = 400 schon besser zu 15000/34 = 441. Wahrscheinlich beruht die Aussage auf einer solchen Annahme. Diese ist aber falsch!
Dazu ein kleiner Ausflug in die Übungen der Vorlesung „Grundlagen der Physik I“ im WS93/94 in Duisburg von Herrn Treitz:
Hochsprung der Liliputaner: Gulliver ist 1,8m groß und kann als typischer Mensch 1m hoch springen …(d.h. Erhöhung des Schwerpunktes)… Die Liliputaner sind 18cm groß und wie verkleinerte Menschen gebaut. Wie hoch können sie springen?
Lösung: Sprungenergie = mgh. Nimmt man eine Muskelmasse proportional zu Körpermasse an, braucht man für die gleiche Sprunghöhe bei 1000 facher Masse die 1000 fache Energie. D.h. Liliputaner können einen Meter hoch springen.
In der Lösung wird ferner noch ausgeführt das normale Tiere (genannt sind Pferd, Mensch und Frosch) ein Meter hoch springen können. Die Sprunghöhe kleiner Insekten hingegen (Floh) wird von der Luftreibung stark beeinflusst, sie schaffen somit nur maximal 50cm.
Nun O-Ton Treitz: Die Bewunderung darüber, dass der Floh dem Menschen haushoch überlegen sei, weil er ja ein Vielfaches seiner Größe hoch springen kann, ist also genauso unsinnig wie die Dreisatzaufgabe (bzw. eine gewisse Lösung zu ihr): Wenn 5 Musiker für das Florellenquintett 45 Minuten brauchen, wie lange brauchen dann 45 Musiker.
Weitere Details zu springenden Flöhen findet man z.B. unter http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/fachbereich_physik/didaktik_physik/publikationen/springtiere.pdf oder http://bionik.fbsm.hs-bremen.de/downloads/referate/1semWS0405/Der_Floh.pdf. Das Interessante am Flohsprung ist nämlich die Beschleunigung beim Abspringen.
Die Größe als Vergleichsmaßstab für Sprunghöhen zu nehmen ist also völlig falsch.
Vergleicht man einige Angaben zur Sprungleistung von Flöhen im Internet, so zeigen sich im Übrigen ziemlich große Streuungen (wie auch bei Menschen). Zudem schaffen die verschiedenen Floharten sehr unterschiedliche Höhen (s. z.B.: http://www.entomologie.de/cgi-bin/webbbs_neu/test.pl?noframes;read=280: „Das Gewicht ist wie die (Sprung-)Leistung von Art zu Art gewiß sehr unterschiedlich, wobei gewiß auch zu beachten ist, ob er gerade Blut gesaugt hat oder nüchtern ist ... - So springt der kleine Kaninchenfloh Spilopsyllus cuniculi etwa 5 cm hoch, der Menschenfloh Pulex irritans allerdings 20 bis 30 cm hoch oder 50 cm weit ... usw.“). Wenn, wie bei „Das Wissensduell – Wilde Tiere“ die Rateskala dann von 8cm-42cm geht, kann man eigentlich nur richtig raten. Mit mehr oder weniger Glück eben.
Das Spiel sollte einen Warnaufkleber bekommen: „Achtung: enthält unglaubwürdige Antworten und Kommentare“. Zumindest hätte der Rezensent, dessen Lektor oder der Chefredakteur diesen Lapsus erkennen können.
Viele Grüße,
p.
P.S.: Wieso hat man bei Zeitschriften immer das Gefühl, dass sie nur dann wahre und kluge Dinge drucken, wenn man sich im referierten Thema nicht auskennt?