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Der DSP - ein Liebenswertes Völkchen
Verfasst: 21. September 2008, 03:02
von ludosophicus
Hallo!
Lieber Leser dieser Zeilen, sag' ist es Dir auch schon aufgefallen? Da meldet die spielbox doch tatsächlich in einem Atemzug die Auszählung der Kinderspielexperten-Wertungen und die aktuelle Punkteverteilung der Preisträger "unseres" Spielepreises:
http://www.spielbox.de/php/aktuell.php4?anz=0
Nun, siehst auch Du, was mich daran amüsiert hat?
Gäbe es in diesem brettspielverrückten Lande ebenso viele abstimmungsfreudige Erwachsenenspiel- wie Kinderspielexperten (laut Meldung 2000 an der Zahl), dann hätte "Agricola", der unumstritten überragende Punkteabräumer bei der diesjährigen Wahl, durchschnittich nur 2,25 Punkte von jedem Teilnehmer erhalten. Wäre das Spiel nur eines unter vielen, wäre dies wohl wenig erstaunlich - bei der allgegenwärtigen und andauernden Resonanz die "Agricola" aber in der deutschen wie der internationalen Spieleszene erhalten hat, spricht allerdings vieles dafür, dass einmal mehr wohl nur wenige hundert Personen im spielerischen Liebestaumel ihren Favoriten gewählt haben. Weltbewegend, nicht wahr? :-)) :-)) :-))
Hat es auch Dich erstaunt? :
"Keltis" holt Platz 8 und damit die seit langer Zeit (oder gar je?) schlechteste Platzierung, die ein Spiel des Jahres beim Deutschen Spiele Preis bislang erzielt hat. Mit "Stone Age" haben die DSP-Wähler ganz offensichtlich ihr breitentaugliches Spiel des Jahres gefunden.
Meinen (oder unseren, so Du es genauso sehen magst) Herzlichen Glückwunsch den Gewinnern und ein ganz, ganz großes Dankeschön an Uwe und Bernd, die so vielen von uns mit ihren goßartigen, ausgezeichneten Spielen viele unvergessliche und fröhliche Stunden bereitet haben und gewiss noch für viele weitere davon sorgen werden!
Hach, buntes kleines Spielervolk,
wie kann man dich nicht lieben? :-)
Namasté,
Mirko (spielt dann mal Agricola)
Aussagekraft Kinderspielexperten-Preis
Verfasst: 21. September 2008, 05:19
von Silke B.
Wobei ich die Aussagekraft des Preises für Kinderspielexperten auch etwas in Zweifel ziehe.
Für diese Aktion des Bundes der Katholischen Jugend werden wohl bevorzugt Gruppen ausgewählt, die sich zuvor bewerben und dann auch einen Teil der Kosten übernehmen müssen, je nachdem, wieviele sie von den Spielen testen wollen. Das ist dann gestaffelt und fängt bei 30,00 Euro für drei Spiele an und hört bei 100,00 Euro für 12 Spiele auf. Es kann also durchaus passieren, dass eine Jury abstimmt, die nur drei Spiele getestet hat.
Somit wird sicher immer von den einzelnen Gruppen von vermutlich zumeist einem Erwachsenen eine subjektive Vorauswahl getroffen.
Zudem sind die Nominierungslisten auch von Erwachsenen ausgesucht und damit eine Vorauswahl getroffen. In den Kategorien sind 15 (für Kinder von 5-9) ) und 13 Spiele (für Kinder von 8-13) von mitmachenden Verlagen zu finden, die diese Aktion unterstützen.
"Wer war's?" fehlt in der Nominierungsliste völlig, aber das ist in diesem Jahr wirklich das Spiel, das in allen Spielerunden, die ich mit Kindern durchgeführt habe, das Spiel mit der allergrößten Begeisterung war und ist!
Ich will damit nichts negatives über Didi Dotter und Aquaretto sagen, auch dieses sind beides klasse Spiele für Kinder bzw. Jugendliche und absolut empfehlenswert, auch die kommen bei den Zielgruppen sehr gut an.
Trotzdem ist eine Abstimmung wie der DSP aussagekräftiger, weil er eben alle Spiele eines Jahrgangs berücksichtigt.
Viele Grüße
Silke
Re: Aussagekraft Kinderspielexperten-Preis
Verfasst: 21. September 2008, 09:18
von Lorion42
Sicher dass der DSP dadurch aussagekräftiger wird?
Führt eine große Freiheit nicht eher dazu, dass etwas unbekanntere Spiele gar keine Chance haben?
Der DSP hat für mich die Aussagekraft einer Straßenumfrage... am Ende sind die Spiele oben zu finden über die am meisten geredet wird.
Ich denke der DSP hätte wesentlich mehr Aussagekraft, wenn vorher eine Jury eine Vorauswahl getroffen hätte und sich alle Hobbyexperten zwischen den selben Spielen entscheiden müssten. Dann gibt es auch keine Überlegungen ala "das Spiel gewinnt eh nicht, also geb ich ihm keine Punkte" mehr...
Eine wirklich aussagekräftige Wahl kann es sowieso nur geben, wenn alle die eine Stimme haben auch jedes zur Wahl stehende Spiel mindestens einmal gespielt haben. Sind alle Spiele zugelassen führt es meistens dazu, dass auch Leute abstimmen, die nur ein paar Spiele gespielt haben (so wie ich *g*)...
Re: Aussagekraft DSP
Verfasst: 21. September 2008, 13:26
von Jonas
Silke B. schrieb:
>Es kann also durchaus passieren, dass eine Jury abstimmt, die nur drei Spiele getestet hat.
:LOL: Ich kenne auch Leute, die beim deutschen Spielpreis abstimmen und viel mehr als drei Spiele haben die bestimmt nicht gespielt. Vielleicht noch gerade Keltis, weils ja in aller Munde ist, aber betimmt nichts noch Seichteres wie vielleicht "On Top" oder "Big Points" oder "Ziegen kriegen". Das geht ja gar nicht.
> Trotzdem ist eine Abstimmung wie der DSP aussagekräftiger, weil er eben alle Spiele eines Jahrgangs berücksichtigt.
Macht sie nur theoretisch. Praktisch stimmen die Vielspieler für Vielspielerspiele. Und so sehen dann auch die Top Ten aus.
RE: Aussagekraft DSP
Verfasst: 21. September 2008, 15:11
von Marten Holst
"Jonas" hat am 21.09.2008 geschrieben:
> Silke B. schrieb:
>>Es kann also durchaus passieren, dass eine Jury abstimmt, die nur drei Spiele getestet hat.
>
(...)
>> Trotzdem ist eine Abstimmung wie der DSP aussagekräftiger, weil er eben alle Spiele eines Jahrgangs berücksichtigt.
>
> Macht sie nur theoretisch. Praktisch stimmen die
> Vielspieler für Vielspielerspiele. Und so sehen dann auch
> die Top Ten aus.
Zumindest, in Verbindung mit obigem Zitat, neigt man doch sehr dazu, eine schon getroffene Vorauswahl (in Komplexität oder ähnlichem) zu repräsentieren. Die Spieler, die alle relevanten Kandidaten kannten (sagen wir mal ruhig "alle Spiele der Plätze 1-10 mal gespielt") dürften in der Tat sehr überschaubar in der Anzahl sein. Das ist natürlich ein Problem aller Publikumspreise.
Aussagekraft .... anderes Verfahren?
Verfasst: 21. September 2008, 15:11
von Guido
Lorion42 schrieb:
> Der DSP hat für mich die Aussagekraft einer Straßenumfrage...
> am Ende sind die Spiele oben zu finden über die am meisten
> geredet wird.
> Ich denke der DSP hätte wesentlich mehr Aussagekraft, wenn
> vorher eine Jury eine Vorauswahl getroffen hätte und sich
> alle Hobbyexperten zwischen den selben Spielen entscheiden
> müssten. Dann gibt es auch keine Überlegungen ala "das Spiel
> gewinnt eh nicht, also geb ich ihm keine Punkte" mehr...
Auch ich muss sagen, dass ich den DSP von der Idee zwar cool finde, aber irgendwie auch etwas skeptisch sehe in bezug auf seine Representativität. Ich z.B. habe dieses Jahr nicht gestimmt, einfach weil ich denke, dass ich viel zu wenig Spiele kenne, um eine halbwegs objektives Bild zu haben, was es an guten und besseren Spielen gibt, und was nicht. Und die Spiele, die ich kenne, die auch z.T. dann in der Liste auftauchen, habe ich meines Erachtens noch nicht häufig genug gespielt, um zu für mich zu sagen, dass es wirklich gut ist und Langzeitmotivation verspricht. Zum anderen war das eine oder andere Spiel ja gar nicht zu bekommen...wie soll man das dann bewerten. Hin und wieder denke ich, dass da einige ähnlich wie bei Onlineversendern einfach 'ne Pre-Wertung abgeben, weil sie möchten dass das Spiel gut gefunden wird, obwohl sie es noch nie gespielt haben.
Ich habe schon gedacht, ob man es nicht so wie bei der Brettspielmeisterschaft machen könnte: Es gibt eine Vorauswahl, an der jeder nach Lust und Laune Spiele nennt und dann wird unter denn x meist genannten gewählt. Dann wäre das ganze Feld evtl. etwas homogener. Dabei könnte man erlauben, Spiele, die erst nach dem Ende der Vorausscheidungsfrist erscheinen bzw. erst käuflich sind, noch für den folgenden Spielepreis zu nennen. So würden Nachzügler nicht untergehen.
Wie dem auch sei. Den Deutschen Spielepreis mag ich, schon allein weil es ein Publikumspreis ist. Mir persönlich wird er daher auch immer wichtiger und sympathischer als der SDJ, weil er eben zu einem gewissen Grad die Meinung des spielenden Volkes wiederspielgelt. Aber durch das bisherige Wertungsverfahren bezweifle ich, dass es eine halbwegs representative Umfrage ist.
Gruß
Guido (P.S.: Weiß eigentlich jemand, wie groß der Anteil der ausländischen Wähler beim DSP ist?)
Re: Zeitpunkt der Stimmabgabe
Verfasst: 21. September 2008, 15:55
von ravn
Was man auch nicht unterschätzen sollte, ist der Zeitpunkt der Stimmabgabe. Da kann man so manche Neuheit schon euphorischer bewerten, als die sich nach x Spielmonaten wirklich darstellt. Damit ist die DSP-Abstimmung immer nur eine Momentaufnahme, wobei dazu noch zu unterschiedlichen Momenten, da der Abstimmungszeitraum arg gross ist.
Agricola ist bei mir ein Dauerbrenner und würde heute wie auch damals bei meiner Abstimmung auf Platz 1 landen. Bei den anderen Spielen, für die ich gestimmt habe, bin ich mir nicht mehr so sicher. Graffiti war zwar gut und spassig, hat sich aber zu schnell abgenutzt. Metropolys habe ich für mich vom Spielvergnügen überschätzt. Manche, eben noch nicht (ausreichend oft) gespielte Spiele, kann ich ebenso noch nicht abschliessend einordnen, oder treiben so im Mittelfeld zwischen "ganz nett" und "sollte man mal wieder spielen".
Damit war die DSP-Abstimmung für mich eher ein Stimmungsbarometer zum Abstimmungszeitpunkt und sicher kein allgemeingültiges Urteil für einen kompletten Spielejahrgang. Wenn ich mit dieser Betrachtungsweise das Endergebnis anschaue, weiss ich somit noch weniger, damit was anzufangen. Sind alles sicher tolle Spiele, aber eben für die geeignete Spielrunde und für die jeweils passende Zeit.
Immer Agricola geht ja auch nicht. Aber zumindest werde ich Cuba noch eine zweite Chance in Vierrerrunde geben... und das ist doch schon mal EIN Nutzen des DSP für mich gewesen. :-)
Cu/Ralf
Re: Aussagekraft .... anderes Verfahren?
Verfasst: 21. September 2008, 18:36
von dilli
Guido schrieb:
> P.S.: Weiß eigentlich jemand, wie groß der Anteil der
> ausländischen Wähler beim DSP ist?
Nein, das weis ich nicht obwohl ich mitgemacht habe... Aber hier http://www.svet-deskovych-her.cz/zvolte-nejlepsi-hru-letosniho-roku-a-89.html gabs sogar einen Aufruf zum Mitmachen.
dilli
RE: Aussagekraft DSP
Verfasst: 22. September 2008, 08:57
von Kai Borschinsky
Marten Holst schrieb:
>
> "Jonas" hat am 21.09.2008 geschrieben:
> > Macht sie nur theoretisch. Praktisch stimmen die
> > Vielspieler für Vielspielerspiele. Und so sehen dann auch
> > die Top Ten aus.
>
> Zumindest, in Verbindung mit obigem Zitat, neigt man doch
> sehr dazu, eine schon getroffene Vorauswahl (in Komplexität
> oder ähnlichem) zu repräsentieren. Die Spieler, die alle
> relevanten Kandidaten kannten (sagen wir mal ruhig "alle
> Spiele der Plätze 1-10 mal gespielt") dürften in der Tat sehr
> überschaubar in der Anzahl sein. Das ist natürlich ein
> Problem aller Publikumspreise.
Zumal im Falle des DSP es sicher auch eine signifikante Anzahl taktischer Wähler gibt, wenn ein Zweikampf vorhergesehen wird. Da wird dann gerne mal der Konkurrent des eigenen Favoriten außen vor gelassen (oder deutlich schlechter bewertet, als man unter anderen Umständen täte), obwohl er auch bei einem selber gut angekommen ist. Im Zweifel will man ja sei Schäfchen oben sehen.
Das liegt halt im System, Publikumspreise ziehen taktisches Verhalten einfach an. Kann man auch sehr exemplarisch bei der Voauswahl zur RegVor sehen.
Da würde allerdings auch keine Vorauswahl helfen.
Letztendlich ist es doch so, dass Vorauswahl hin oder her, es immer einen (sehr kleinen) Favoritenkreis gibt. Und wenn einer davon eine gefestigtere Fanschar hat als die anderen, wird der im Normalfall gewinnen.
Auch eine größere Breite an Abstimmern würde da nicht wirklich gegen helfen. Die wäre sicher gut für ein größeres Renomee des Preises. Aber gegen den Jury-Preis (mit seinen ureigenen Vor-und Nachteilen) würde der DSP auch dann nicht herankommen.
Ist auch nicht weiter schlimm, finde ich. DSP wendet sich eher an Vielspieler und dient ein wenig der Selbstbestätigung, einen guten Spielegeschmack zu haben, weil man die Liste mehr oder minder selbst so aufgestellt hätte. Weicht die Liste signifikant ab, haben die anderen halt keine Ahnung. ;) Das ist so ähnlich wie bei den Hörercharts in Heavy Metal (oder eine beliebige andere Submainstreammusikstilrichtung)-Magazinen. Man stimmt ab und freut sich später, dass die Liste "richtig" aussieht. :D
Re: Der DSP - ein Liebenswertes Völkchen
Verfasst: 22. September 2008, 16:53
von Stone
ludosophicus schrieb:
> die aktuelle Punkteverteilung der Preisträger "unseres"
> Spielepreises:
>
> http://www.spielbox.de/php/aktuell.php4?anz=0
>
> Nun, siehst auch Du, was mich daran amüsiert hat?
>
> Gäbe es in diesem brettspielverrückten Lande ebenso viele
> abstimmungsfreudige Erwachsenenspiel- wie Kinderspielexperten
> (laut Meldung 2000 an der Zahl), dann hätte "Agricola", > durchschnittich nur 2,25 Punkte von jedem Teilnehmer
> erhalten.
Was ausser geschraubten Sätzen kann man diesem Beitrag entnehmen? :roll: Dass bei der DSP Abstimmung vemutlich maximal 1500-1700 Leute mitgemacht haben? Nix neues. Dass der DSP ein Vielspielerfreakpreis ist? Nix neues. Dass die Zielgruppe von SdJ und DSP unterschiedlich ist? Nix neues.
Wer Verstand hat, schaut auf die DSP Liste, sieht dass die beiden Erstplatzierten 50% aller Punkte erhalten haben die insgesamt auf die Plätze 1-10 entfallen und schliesst daraus, dass wir im Jahr 2008 zwei gute Vielspielerspiele dazu bekommen haben, die man relativ risikofrei in die Sammlung aufnehmen kann (falls nicht eh schon passiert).
Gruß,
Stone
Re: Der DSP - ein Liebenswertes Völkchen
Verfasst: 23. September 2008, 08:35
von Attila
HIho,
Wayne?
Watt?
Ist denn schon wieder Sommerloch?
Atti