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Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 02:12
von Niki
Hallo,

ich habe jetzt meine erste Partie "Finca" hinter mir und bin doch sehr erstaunt. Es ist so ganz anders als ich es mir nach den ersten Eindrücken hier im Forum vorgestellt habe.

Am häufigsten wird hier das Wort "familientauglich" benutzt. Aber ich muss ehrlich sagen, dass mir dieses Wort nach der ersten Partie überhaupt nicht eingefallen wäre.

Das Spiel mag zwar aufgrund der kurzen Regeln nicht kompliziert sein - aber es ist doch sehr verkopft.
Es spielt sich nicht locker und leicht, es besteht eigentlich nur aus zählen, grübeln und dem Versuch einen Überblick zu bekommen.

Ich habe irgendwann aufgehört bei dem Versuch den Überblick zu bekommen. Mir war es zu mühsam zu sehen, wer gerade was sammelt, wem was fehlt und ob ich eines meiner Männchen am Besten von einem Feld weg bewege um jemanden daran zu hindern auf ein bestimmtes Feld zu kommen.
Mir war es zu mühsam zu zählen wer gerade wie viele Orangen hat um zu überprüfen ob es noch sinn macht "Orangen" zu sammeln.

Kurzum mir fehlte die Lockerheit. Mir fehlte der Spielspaß.

Jetzt mag es durchaus sein, dass es Personen gibt, denen dieses Spiel gefällt. Zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden. Aber ich habe das Gefühl, dass viele hier keinen Bezug zu "normalen" Familien mit "normalen" Spielern haben. Hier wird ein Spiel ja schon zum "Kinderspiel" bzw. "Familienspiel" weil es weniger als 5 Seiten Regeln hat.

Das ist nicht böse gemeint - ich will nur meinem Erstaunen ausdruck verleihen, welche Art von Spielen hier das Attribut "Familienspiel" verliehen wird.

Und verwirrt frage ich mich - bin ich die einzige Person die das so sieht?

Niki

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 07:12
von Gernspieler
Hallo Niki

In meinen Augen ist "Finca" ein sehr wohl familientaugliches Spiel. Es läßt sich locker aus dem Bauch heraus spielen.

Wenn man natütlich einen "Zugoptimierer":-)) am Tisch mit sitzen hat, der bemüht ist mehrere Züge im voraus zu planen ist dieses Spiel nur noch Krampf.

Im übrigen, besteht bei "Finca" m.E. im Reiz die Früchte zu sammeln, da man ja noch nicht weiß welches Plättchen als nächstes freigelegt wird und dann alle Waren vorrätig zu haben.


Erntende Grüße
Der Gernspieler

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 07:49
von Melanie Wagener
Sehe ich ähnlich wie der Gernspieler. Wir sind eine ganz normale Familie mit zwei Kids, einem Buben und einem Mädchen. Wir spielen Finca viel und gern, und wie wir schon einmal hier im Forum feststellten, aus dem Bauch heraus. Einfach versuchen in der Windmühle die meisten Früchte zu sammeln kann den Sieg bedeuten. Achso, ähm, und zu der anderen Geschichte: Mallorca=Putzfraueninsel? 4 Mio. Deutsche fliegen da jedes Jahr hin und wir gehören dazu! :-)

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 09:16
von OMI
Sehe es eigentlich ebenso wie die Vorredner.

Man kann Finca locker flockig dahinspielen.
So macht es Spaß und geht leicht von der Hand.:smile:

Natürlich kann man sich auch bei diesem Spiel verkopfen - oder es zumindest versuchen. Sehr erfolgreich wird man dabei aber vermutlich nicht sein - vor allem mit steigender Spieleranzahl.

Aus meiner Sicht daher ein überaus nettes Spiel, welches mit Sicherheit Zugang in spielerische Familien finden wird.:cool:

Schöne Grüße
OMI

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 09:31
von ode
Hi!

Ich kann beide Seiten bestätigen: Man kann das Spiel leicht und locker aus dem Bauch spielen. Und so sollte es m.M.n. sein. Man kann es aber auch durchoptimieren und die Chancen kalkulieren. Gestern Abend haben wir für eine Dreierrunde ca. 60 Minuten gespielt, weil viel überlegt wurde. So hat es mir auch wenig Spaß gemacht.

Trotzdem glaube ich, dass das Spiel Familienpotenzial hat, da man es nicht so spielen muss und es von der Regelquantität her völlig im Rahmen liegt. Leider ist die Regel nicht ganz so schlüssig, es ergeben sich immer wieder Detailfragen.

ode.

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 09:44
von Luis A.
ich habe eben endlich mal eine rezension zu finca gefunden:
http://das-spielen.de/index.php/finca/
grafik und spielmaterial werden auch hier gelobt und ich finde, hier steht sehr gut beschrieben, was es mit finca auf sich hat, also ob es eher ein bauchspiel oder ein grüblerspiel ist. eben beides irgendwie.

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 10:07
von Klaus Ottmaier
Also ich sehe es ähnlich wie Niki.
Finca ist ein absolut schönes und gelungenes Spiel, das auch Familien spielen können.
Aber ich würde Familien definitiv zunächst andere Spiele empfehlen. Da gibt es sehr viele sehr gute, die mit weniger Grübelpotential mehr ersichtlichen Planungsmöglichkeiten für spätere Züge bieten.
Das heißt aber auf keinen Fall, dass auch Familien an Finca ihre Freude haben können.

Meint

Klaus

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 10:58
von Matthias Prinz
Hallo Niki,

ich stimme dir vollkommen zu und wollte dazu nach meiner ersten Partie auch schon ein Thema starten.

Ich möchte gerne, dass mir Finca gefällt. Das Thema, das Material und die Grafik sind so toll. Auch liebe ich Spiele mit klaren Strukturen und einfachen, aber knackigen Regeln.

Beim Spielen war ich dann aber zuerst etwas enttäuscht. Ich habe mich im ganzen Spiel gefragt, wo denn die Herausforderung im Spiel liegt. Ich mache hier was, da was, dann tausche ich mal um usw. Und irgendwann ist es aus und es wird abgerechnet.
Mir fehlt z.B. komplett ein verdecktes Element. Ab einem gewissen Zeitpunkt war einfach klar, wer die Sache reißt. Keine Überraschung oder geniale Winkelzüge sind möglich. Ich habe auch gedacht, dass die Regel mit dem Früchte zurück geben öfters passiert und somit permant Spannung erzeugt. In unseren 2er und 3er Partien ist das aber nur ein einziges Mal vorgekommen.

Aber ich bin mittlerweile der Meinung, dass ich einfach mit falschen Erwartungen an das Spiel rangegangen bin. Ich habe es mit Wenigspielern gespielt und die fanden es, eben aufgrund des angesprochenen "Bauchspielfaktors", sehr angenehm und locker.

Deshalb würde ich es also auch als Familienspiel bezeichnen. Die Kunst eines Spiels, sowohl Familien als auch Spieler anzusprechen, wie das zum Beispiel „Thurn & Taxis“ geschafft hat, ist eben ein wirklich schwerer Spagat.

Viele Grüße
- Matthias

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 11:28
von Klaus Ottmaier
Eine Anmerkung habe ich noch, um Missverständnissen vorzubeugen:

Mir gefällt Finca sehr gut und meine, dass der Spielspaß recht hoch ist. Nur bzgl Familientauglichkeit sehe ich es wie Niki.

Klaus

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 5. Mai 2009, 12:28
von Robert Vötter
Matthias Prinz schrieb:
>
> habe mich im ganzen Spiel gefragt, wo denn die
> Herausforderung im Spiel liegt. >
> Viele Grüße
> - Matthias

Tja, die Herausforderung liegt darin, das du das gewünschte Produkt wirklich bekommst, ohne das jemand anderes davor dir das streitig macht.

Ich bin eher enttäuscht von dem Spiel. Zu viert war es eher frustig, als das es Spaß gemacht hat.
Meine Frau bekam selten den Eselskarren. Meine Töchter selten Früchte, die sie wollten. Und ich bekam einfach nicht das 6er Plättchen, damit ich das Bonusteil bekomme.

Planung konnte man zu viert kaum machen. War alles sehr zufällig.
Zu zweit würde ich dem spiel sicher noch eine Chance geben, aber zu viert würde ich es nicht mehr spielen wollen.

Gruß
Robert

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 6. Mai 2009, 19:24
von Daniel R.
Klaus Ottmaier schrieb:
>
> Eine Anmerkung habe ich noch, um Missverständnissen
> vorzubeugen:
>
> Mir gefällt Finca sehr gut und meine, dass der Spielspaß
> recht hoch ist. Nur bzgl Familientauglichkeit sehe ich es wie
> Niki.
>


Witzig, gerade dieser Zusatz ist für mich nun sehr missverständlich!

Du stimmst Niki zu, welcher der Spielspass in Finca fehlt, aber gerade diesen scheinst Du ja zu haben!
Der Punkt von Niki ist ja gerade, dass ein Familientaugliches Spiel aus dem Bauch heraus gespielt auch Spass machen soll.

Generell beschreibt der Begriff "Familientauglich" in unserer "Branche" nicht die Menge an Spass (die ist ja individuell verschieden), sondern den Grad an Komplexität und Anspruch eines Spiels und dessen Regeln.

Familientauglichkeit und Spassfaktor sind zwei verschiedene Dinge.

Gruss
Daniel

Re: Finca = familientauglich?

Verfasst: 6. Mai 2009, 23:30
von Klaus Ottmaier
Lieber Daniel,

Daniel R. schrieb:
>
> Du stimmst Niki zu, welcher der Spielspass in Finca fehlt,
> aber gerade diesen scheinst Du ja zu haben!
> Der Punkt von Niki ist ja gerade, dass ein Familientaugliches
> Spiel aus dem Bauch heraus gespielt auch Spass machen soll.

Also von Bauch habe ich in ihrem ganzen Beitrag nichts gefunden.
Ich finde nur etwas von:

"Das Spiel mag zwar aufgrund der kurzen Regeln nicht kompliziert sein - aber es ist doch sehr verkopft.
Es spielt sich nicht locker und leicht, es besteht eigentlich nur aus zählen, grübeln und dem Versuch einen Überblick zu bekommen."

Und:

"Kurzum mir fehlte die Lockerheit. Mir fehlte der Spielspaß."

Es steht nicht: "Für ein familientaugliches Spiel fehlte..."

Dass es zu verkopft ist, sogar grüblerisch und dadurch die Lockerheit fehlt, das sind die Attribute, weshalb es nicht familientauglich im breiten Sinne ist (Ausnahmen bestätigen bestimmt den Gesamttenor).

Dass ihr zusätzlich der Spielspaß fehlt, hat mit der Familientauglichkeit nichts zu tun.

Aber das schreibst du ja ein paar Zeilen weiter unten selbst.

> Generell beschreibt der Begriff "Familientauglich" in unserer
> "Branche" nicht die Menge an Spass (die ist ja individuell
> verschieden), sondern den Grad an Komplexität und Anspruch
> eines Spiels und dessen Regeln.
>
> Familientauglichkeit und Spassfaktor sind zwei verschiedene
> Dinge.

Ich behaupte nichts gegenteiliges. Ich habe Spaß an dem Spiel, aber dennoch finde ich es nicht gerade familientauglich.

Gute Nacht

Klaus