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Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 18:40
von ferion

Seit Jahren genießt Alea in Vielspielerkreisen einen hervorragenden Ruf. Der Verlag nimmt für sich in Anspruch, Spiele "mit besonders hohem strategischem Anspruch" zu entwickeln. Alea hat diesen Anspruch für mich im großen und ganzen über die Jahre hinweg erfüllt und ich habe Jahr für Jahr der Veröffentlichung des neuen Alea Spiels mit gespannter Vorfreude entgegen gesehen. Leider habe ich aber mittlerweile den Eindruck gewonnen, daß sich der Verlag in der jüngeren Vergangenheit immer mehr von seinem Motto entfernt hat, was ich persönlich als sehr schade erachte.

Wenn ich die letzten Alea Veröffentlichungen betrachte frage ich mich mittlerweile, ob Alea unter einem - nennen wir es einmal - Spiel des Jahres Trauma leidet.
Natürlich kann ich unter kommerziellen Aspekten die Ambitionen eines jeden Spieleverlags, ein solches Spiel in seinem Programm haben zu wollen zu 100% nachvollziehen. Und in gewissem Sinne kann ich eine solche Ambition eigentlich auch begrüßen: gäbe es Carcassonne nicht, bin ich sicher, daß viele gute Hans im Glück-Spiele in den Folgejahren mangels finanzieller Mittel und unter kommerziellen Gesichtspunkten nie das Licht der Welt erblickt hätten. Auch ist es für jeden Spieleredakteur mit Sicherheit ein immenser persönlicher Erfolg, ein solches Spiel herausgebracht zu haben.

Dennoch: wenn man liest, welche Kontroversen das Spiel des Jahres in Spielerkreisen jedes Jahr von neuem auslöst, muß man (bzw. zumindest ich) zu dem Schluß kommen, daß sowieso kein Mensch weiß, welche Überlegungen in den Köpfen der Jurymitglieder vorgehen und welche (offenbar sehr wechselhaften) Kriterien und persönlichen Geschmäcker bei der jährlichen Auswahl eine Rolle spielen. Insofern gehört wohl eine Menge Glück dazu, ein Spiel des Jahres zu entwickeln.
Die letzten Alea Veröffentlichungen legen zumindest für mich den Schluß nahe, daß sich Alea - obwohl kommerziell nachvollziehbar, aber für Vielspieler wie mich dennoch bedauernswerter Weise - von seinem strategischen Anspruch verabschiedet hat, um stattdessen dem Spiel des Jahres Phantom hinterher zu jagen.

Und daher sei es hoffentlich erlaubt, wenn ich an dieser Stelle einmal eine - bewußt provokante - Frage stelle: ist es wert, den sehr guten Ruf einer Marke zu riskieren, um einem Phantom nachzujagen?
Aus meiner Sicht besteht für Alea die große Gefahr, daß ihnen Verlage wie z.B. Eggertspiele, Ystari, und vielleicht auch Lookout Games (wobei insbesondere Eggert es auch noch schafft, seine Spiele grafik- und komponentenmäßig regelmäßig hochwertig auszustatten) im Zielgruppensegment den Rang ablaufen. Will man das riskieren?

Die letztendlich Verantwortlichen für die Richtung, die Alea zukünftig verfolgt, sitzen vermutlich nicht bei Alea, sondern bei Ravensburger. Eine große Bitte daher an die dortigen Entscheidungsträger: gebt dem Alea Team die Freiheit und finanziellen Mittel, jedes Jahr 2 Spiele herausbringen zu dürfen. Eines, um dem Spiel des Jahres Traum weiter verfolgen zu dürfen, und eines, das dem Vielspieler-Anspruch an Alea endlich wieder gerecht wird.

Alternativ kann ich mich natürlich auch an die SdJ Jury wenden: gebt mit "Alea iacta est" endlich einmal einem Alea Spiel die Auszeichnung. Das ist auch nicht schlechter als die letzten Preisträger und Alea hätte es zumindest unter Gerechtigkeits-Gesichtspunkten verdient. Dann könnten wir Vielspieler 2010 endlich mal wieder auf einen Strategie/Taktikhammer von Alea hoffen :-)

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 18:45
von tech7
Nja, Alea braucht ja auch entsprechende Prototypen, wenn nur leichtgewichte ankommen kann man auch keine schwergewicht rausbringen Und bei Alea iacta est hatte iuch eher den Eidnruck dass sie froh waren überhaupt was veröffentlichen zu können.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 19:01
von widow-s-cruse
Hallo,

ferion schrieb:

> Auch ist es für jeden Spieleredakteur mit Sicherheit ein > immenser persönlicher Erfolg, ein solches Spiel
> herausgebracht zu haben.

Dieses bereits erreichte Ziel verjährt schon bald und ist bis heute noch ein Bestseller.

www.sunsite.informatik.rwth-aachen.de/cgi-bin/luding/GameData.py?f=00w^E4X&gameid=1134

Liebe Grüße

Nils (dankt für dieses schöne Spaßspiel)
www.aiblinger-zockerbande.de

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 19:07
von widow-s-cruse

Spannend nicht? :D

www.luding.org/Skripte/GameData.py/DEgameid/12710

Liebe Grüße

Nils (würde doch gerne editieren können)

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 19:46
von Richard van Vugt | GAMEPACK.nl
Zu einem:



Und dann:

<...an die SdJ Jury: gebt mit "Alea iacta est" endlich einmal einem Alea Spiel die Auszeichnung.>

Was willst Du eigentlich sagen?
• Alea jagt ein SdJ nach
- Das wollen wir Spieler nicht, wir wollen Spiele mit hohem Anspruch

Deshalb:
• Bitte, SdJ Jury, gib Alea was sie nachjagt
- Damit wir wieder ein richtig anspruchsvolles Spiel van Alea bekommen

Das sind beisamt doch einige Annahmen, nicht?

Mit freundlichen Grüßen,
Richard van Vugt

www.gamepack.eu

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 19:53
von Gernspieler
Hallo Ferion

Den von Dir zitierten Anspruch hat sich der Verlag selbst auferlegt.
Das dieser nicht von allen geteilt werden kann und muß ist in meinen Augen klar. Aber muß denn jedes Jahr ein Taktikhammer rauskommen?
Das wäre ja beinahe so als würden jedes Jahr nur Eisenbahnspiele rauskommen (gähn Thomas;-) ).
Ich möchte behaupten, dass unter diesem Anspruch auch nicht jedes Jahr solche Spiele den Verlagen angeboten werden können oder hast Du schon mal eines erfunden.Kein Vorwurf, bitte!!
Das einzige Problem, dass ich auch sehe ist die mangelnde Unterstützung durch Ravensburger.
Meiner Meinung war die Änderung des Vertriebes schon ein tiefer Dolchstoß, da Alea nun im normalen Handel nichtmehr bis selten zu finden ist.
Dann war die Qualität der früheren Spiele in meinen Augen auch besser.Aber dies ist sicherlich auch dem Wettbewerb geschuldet.
Im Jahr des Drachen ist sicherlich ein Superspiel, aber auch ein Taktikhammer?
Ich spiele auch ein Royal Turf gerne, ein Taktikhammer?!
Ich finde Spiele, sollen spaßmachen und unterhalten. Alles zu seiner Zeit!


In diesem Sinne
Der Gernspieler

Re: Prototypen

Verfasst: 18. Mai 2009, 19:54
von yzemaze
Als Testspieler dessen, was später dann "Wie verhext!" wurde, kann ich dieser Vermutung nur eine Absage erteilen. Der ursprüngliche Prototyp war selbst in seiner entschärften Variante ein respektabler brainburner, wenn auch mit ein paar Kanten. Bei der ursprünglichen alea-Zielgruppe (zu der ich mich zähle) hätte man damit sicher einiges an Kredit (zurück) gewinnen können. Von "Wie verhext!" war ich daher auch eher enttäuscht, wenngleich es ohne Zweifel ein schönes, stimmiges Spiel geworden ist, fehlt doch das gewisse Etwas.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 20:47
von ferion
hallo Richard,

klar sind das lediglich meine eigenen - wie gesagt bewußt etwas provokant geäußerten - Mutmaßungen. Ich wollte dazu mal ein kleines Meinungs-Feedback von anderen Spielern (sei es pro oder contra) bekommen da mich dieses Thema wirklich interessiert.
gruß
ferion

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 21:15
von Daniel R.
ferion schrieb:
> Der Verlag nimmt für sich in Anspruch,
> Spiele "mit besonders hohem strategischem Anspruch" zu
> entwickeln.

Das war vor ein paar Jahren. Mittlerweile beugt man sich dem Druck (von Ravensburger) jedes Spiel muss ein Minimum-Umsatz genererien oder das Projekt Alea muss dicht mach. Dementsprechend gross soll die Zielgruppe sein und schwupps hast Du seichte Spiele, welche genauso wo anders erscheinen könnten. Das könnnen sehr gute spiele sein, aber eben ohne "besonders hohen Anspruch".
Daher
"Spiele mit strategischem Anspruch" reicht als Slogan völlig aus.

Gruss Daniel
hat die Hoffnung auf ein zweites Puerto Rico aufgegeben und fürchtet sich vor "Ra - Das Würfelspiel". ;-)

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 21:19
von Klemens
Ich oute mich jetzt einmal als jemand, der die leichten alea Spiele sehr gerne hat. Weil, auch wenn sie leicht sind, sind sie nie seicht - das ist eine schmale Gratwanderung, die alea sehr gut bestreitet.

Vielleicht ist es auch nicht lustig Jahr für Jahr extrem "harte" Titel rauszubringen - siehe HiG, die haben eine gute Mischung.

Bez. Lookout kann/mag/soll ich nix sagen, aber ich konnte bisher auch bei Ystari nix am Material oder der Gestaltung aussetzen. Aber generell gibts da ja kaum mehr was auszusetzen bei Klein-, Kleinst- und Wasweißichfürverlagen. Mir fehlen ja schon fast die typisch "ehrlichen" Eigenverlagsspiele.

LG,
Klemens

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 21:42
von Matthias Wagner
Ich würde mal sagen mit "Im Jahr des Drachen" lag vor nicht allzu langer Zeit ein komplexes Spiel von Alea vor. Ansonsten ist man sicherlich darauf angewiesen was einem vorgelegt wird. Der Anspruch an komplexe Spiele bei Alea ist ja entsprechend hoch und guteSpiele dieser Art wachsen nicht auf Bäumen. Was spricht also dagegen sein Programm zu diversifizieren ohne dabei die Vielspieler zu vergessen?! Ich bin ganz sicher, dass auch bald wieder etwas komplexeres von Alea das Vielspielerherz höher schlagen lässt.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 22:22
von Chris
Hallo,

leider ist mir nicht ganz klar, woran genau du dieses Trauma festmachen willst. Sicherlich glaubst du nicht, dass "Notre Dame" oder "Im Jahr des Drachen" Spiele waren, mit denen Alea versucht hat das "Spiel des Jahres" zu bekommen. Dieses Trauma an den zwei Spielen "Wie verhext!" und "Alea Iacta est" aufzuhängen ist wohl etwas übertrieben. Wenn ich einmal links und einmal rechts an der Zielscheibe vorbeischieße behaupte ich ja auch nicht, dass ich im Mittel getroffen habe. Einen Trend an zwei Spielen erkannt zu haben, halte ich für voreilig und tatsächlich - wie du ja auch zugibst - für etwas provokant.
Stefan Brück dann auch noch (durch die Blume) zu unterstellen, er würde die Marke für persönliche Ziele opfern finde ich nicht in Ordnung.
Da finde ich den gedanklichen Ansatz, den Blick auf Ravensburger zu lenken, wesentlich hilfreicher. Und das mit den zwei Spielen pro Jahr haut bestimmt auch hin.
Was die Konkurrenz angeht bleibt - kryptisch- zu sagen: "Auch Alea hat mal angefangen.", oder um auch etwas provokant zu werden:
"Als die noch auf die 6 gewartet haben, hat Alea schon 1 Mais für einen Siegpunkt verschifft." :)


Chris

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 22:23
von ferion
ups, jetzt muß ich doch nochmal eingrätschen.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 22:32
von Richard van Vugt | GAMEPACK.nl
Stimmt. Solange es noch 'Wyatt Earp' und 'Alea Iacta Est' geben mag, kein Problem. Ich spiele diese Spiele mit viel Vergnügen. Aber auch Puerto Rico, Louis XIV und Tadsch Mahal sind Spiele die ich gerne mag. Nur weil Alea sich für ansprechende Spiele ausspricht, ist es noch kein Gesetz das man Alea immer wieder vorhalten muß.
Was mich wundert, ist immer wieder diese Clan von 'Gläubigen', die es besser zu wissen scheinen als der Pabst; ob als SdJ-Jury, ob als Verlag. Da häuft man sich zusammen, und der eine stolpert über der andere. Wenn es kein Internet geben würde...

Mit freundlichen Grüßen,
Richard van Vugt

www.gamepack.eu

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 22:47
von ferion
ups, jetzt muß ich doch nochmal eingrätschen. Nix liegt mir ferner als Alea (in der Person von Stefan Brück) etwas zu unterstellen. Das möchte ich eindeutig klar stellen!!! Auch ich denke, daß Alea bestimmten, von der Mutter auferlegten Zwängen worden sind. Meine "Kritik" - wenn sie denn als solche verstanden wird - zielt daher auf Ravensburger und nicht Alea (hätte das vermutlich deutlicher machen sollen): inwieweit will Ravensburger den Ruf der Marke Alea "riskieren" - nämlich dadurch, daß man Alea nicht dem ehemals selbstgesteckten Anspruch erfüllen läßt - sondern aufgrund wie auch immer gearteter Vorgaben "nötigt", Spiele herauszubringen, die irgendwo in der breiten Spielemasse mitschwimmen. Wie gesagt: unter kommerziellen Gesichtspunkten (die zugegebenermaßen vermutlich - leider - am schwersten wiegen) durchaus verständlich. Dem außergewöhnlichen Ruf von Alea wird dies aber mit Sicherheit nicht förderlich sein. In wieweit daß Ravensburger aber im Grunde genommen schnuppe ist, sei dahingestellt....
...und leider sind wir Vielspieler in der breiten Spielermasse in der Minderheit.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 18. Mai 2009, 23:47
von Stefan Ziemerle
Meine liebsten Alea Spiele sind zur Zeit:

"Notre Dame"
"Wie verhext"

und erst dann folgen
"Puerto Rico" und andere Spiele.

Bin ich jetzt kein Vielspieler oder irgendwie ein ungewöhnlicher Spieler???
Irgendwie ist es doch auch langweilig wenn jedes Jahr beim gleichen Verlag ein Strategiekracher mit komplexen Mechanismen erscheint.
Dann bräuchte es ja keine Messe etc. Interesanter ist es komplexere Spiele auch woanders zu finden.

Trotdem ist es schade, dass "Wie verhext" kein SDJ wurde. Hätte es verdient gehabt ob Alea jemals noch ein so geignetes SdJ auflegt steht in den Sternen.

Re: Prototypen

Verfasst: 18. Mai 2009, 23:49
von ode
Ich weiß natürlich nicht, wie der Proto war. Aber in meinen Augen hat Wie verhext schon das gewisse Etwas! Ist ein ganz hervorragendes Spiel geworden, wie ich finde!!!

ode.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 00:21
von ode
Hi ferion,

es ist immer wieder schön, mit welcher Regelmäßigkeit dieses Thema auf den Tisch kommt. Die Frage die sich mir stellt ist, ob dich irgendwas an den Alea-Spielen stört?

Der Spruch, der hier immer wieder itiert wird und auf jedem Alea-Karton drauf steht, wird hier m.E. nach ständig fehlgedeutet. Du musst dir vor Augen halten, was da noch so drauf steht! Genau: Ravensburger. Alea gehört zu Ravensburger und hat auch dieses häßliche blaue Dreieck mit drauf. So, nun die Frage: Was macht Ravensburger denn sonst so für Spiele? Nehmen wir DER NAME DER ROSE mal raus, dann sind das eher Spiele für die ganze Familie: Mensch ärger dich nicht, Spielesammlungen, Memory, Malefiz. Das ist Ravensburger! Diese Spiele stehen in jedem großen Kaufhaus neben Kosmos und Schmidt. Und das ist, was Otto-Normal-Käufer präsentiert wird. Nun stehen da seit 1999 auch noch Spiele von Ravensburger rum, die irgendwie anders sind. Dieser Spruch ist einzig und allein dazu da, um dem kaufhauskaufenen Spieler, der dieses hübsch gestaltete Spiel ganz anschaulich findet und mal aus dem Regal zieht, zu sagen: "Hoppla, junger Freund! Du kannst mich gerne kaufen, aber sei gewarnt! Hier steckt ein anspruchsvolleres Spiel in der Schachtel, als man es von Ravensburger vielleicht erwartet!"

So, vor diesem Hintergrund versteht man dann vielleicht, dass dieser Spruch im Kontext des Ravensburger Programms zu lesen ist, und nicht im weltweiten Spielefreakkontext! Damit ist nicht der Co-Simser, der 500 Regelseiten ASL durchackert oder der Civilisation-Gamer, der das ganze Wochenende eine Zivilisation durch die Epochen führt gemeint.

Wir alle hier, sind ganz andere Sachen gewohnt als MÄDN oder Memory. Wir kennen sie alle, betrachten Siedler als einfaches, veraltetes Spiel. Das ist für ungefähr 15000 Menschen in Deutschland so (oder wieviele waren es noch, Peer?). Der Rest kann mit RA oder DIE FÜRSTEN VON FLORENZ oder gar WYATT EARP nix anfangen! Für die sind das sehr anspruchsvolle Spiele!

Und das läßt sich für jedes (!!!) Spiel im Alea-Programm sagen. Auch ALEA IACTA EST hat es in sich! Hast du in der ersten Runde ohne den Beizettel mit den Erklärungen der Senatskarten spielen können? Oder war dir sofort klar, dass du im Castell zwar mehrere Reihen anfangen kannst, im Senat aber nicht? Und wieso muss der zweite Spieler im Templum zwei Würfel hinlegen und der Spieler, der schon den ersten Würfel hingelegt hat nur noch einen, wenn er auch der Zweite ist, der im Tempel einsetzt? Das sind Sachen, damit ist jeder Monopoly-Spieler erstmal überfordert. Die Regel des Spiels würden sich die wenigsten selber erarbeiten...

Ich schreib den ganzen Kram, weil ich mich immer wieder wundere, dass so viele Leute so viel wert auf die "anspruchsvollen" Spiele legen und deshalb von ALEA enttäuscht sind. Kann ich nicht nachvollziehen.

Ein Problem ergibt sich jetzt daraus, dass Alea nun nicht mehr neben den Memoryspielen von Ravensburger steht! Aber, dass sich daraus eine Hatz auf den Pöppel ableiten läßt, kann ich nicht sehen. Die Spiele vor WIE VERHEXT waren NOTRE DAME und IM JAHR DES DRACHEN. Zwei sehr komplexe Spiele, die in meinen Augen nach PUERTO RICO (ohne dessen Erfolg es Alea gar nicht mehr geben würde, schätze ich mal) die besten sind, die Alea je gemacht hat. Und auch ich liebe die alten Perlen wie DFvF oder DHvG!

Und durch den Erfolg von WIE VERHEXT hat Alea denke ich auch wieder etwas Luft. Auch ich hab gedacht, dass das wohl das Spiel sein könnte, was es endlich auf den Pöppelthron schaffen könnte.

Ich bin schon sehr gespannt, was da bald noch von Alea kommt. Und so lange spiele ich noch gerne das letzte Spiel, das mir sehr gut gefällt (und neuerdings die Schatzkiste! Eine vortrefflichliche Sache!)!

Schönen Gruß...ode. (Der sich wundert, dass Stefan Brück auf Regelfragen IMMER nur eine Stelle der Regel zitieren muss! Passiert immer! Müßt ihr mal drauf achten!)

Ist Alea überflüssig?

Verfasst: 19. Mai 2009, 08:42
von Jonas
Ich besitze mittlerweile, wenn ich richtig gezählt habe, 12 Alea-Spiele. Alle toll und bewusst gekauft. Und ich hoffe, dass noch viele Spiele dieser Qualität veröffentlicht werden - von Alea!

Meine Frage nach der Überflüssigkeit zielt eher auf die Ravensburger-Sicht ab. Ist Alea für Ravensburger nicht überflüssig? 1. weil Ravensburger den Vertrieb abgegeben hat und 2. weil sie selbst immer wieder mal Spiele für Vielspieler machen.
Klingt irgendwie nicht nach einer Einheit. Wenn Alea SPiele für Vielspieler macht, wieso dann nicht konsequent alle aus dem Hause Ravensburger? Dann braucht Alea auch nicht nach dem Spiel des Jahres zu schielen, weil sie eine andere Zielgruppe haben. Nähme den Druck. Dann bliebe ein potentielles familiennahes Spiel des Jahres direkt beim blauen Dreieck. Wäre sinnvoller. Mann gehört zu ein und demselben Verlag und es ist letztlich egal, wer das Spiel-des-Jahres-Tor schießt - das Geld fließt in denselben Beutel.
Falls Vielspielerspiele für den Ravensburger-Vertrieb schwer zu verkaufen sind und man den Vertrieb deshalb abgegeben hat (oder wieso sonst?), wieso bringt man dann selbst Vielspielerspiele raus? Kapier ich nicht.

Das ganze Konstrukt wirkt verquer.
Alea kommt mir vor wie ein Blinddarm. Ravensburger hat ihn nun mal, muss ihn vielleicht aus irgendwelchen Gründen behalten, wäre ihn aber gerne los.

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 09:07
von peer
Hi,
da Du mich direkt ansprichst:
ode schrieb:
>
> Memory. Wir kennen sie alle, betrachten Siedler als
> einfaches, veraltetes Spiel. Das ist für ungefähr 15000
> Menschen in Deutschland so (oder wieviele waren es noch,
> Peer?). Der Rest kann mit RA oder DIE FÜRSTEN VON FLORENZ
> oder gar WYATT EARP nix anfangen! Für die sind das sehr
> anspruchsvolle Spiele!

Ja meine Schätzungen bewegen sich zwischen 15.000 und 20.000 : http://www.spielbar.com/wordpress/2008/01/19/266

Ansonsten gebe ich dir Recht. "Im Namen des Drachen" war das letzte große Alea-Spiel (oder hab ich eines vergessen?) und das ist vom Anspruch her kaum niedriger als die letztjährigen eggert-Neuheiten (Schreibe ich, weil eggertspiele ja verglichen wurde) oder die ersten Spiele der Alea-Serie. Ähnliches gilt für Notre Dame, das kaum älter ist. Die kleinen Alea-Spiele waren (mit wenigen Ausnahmen wie Luis oder San Juan) schon immer vom geringeren Anspruch. Auch das ist nix schlimmes - eggert bringt auch mal ein Change Horses oder John Silver (hieß das so?) raus. Wobei -wenn man ehrlich ist - die meisten Alea-Spiele immer noch anspruchsvoller sind, als der Durchschnitt der Spieleveröffentlichungen. Und genau das sagt die Marke "Alea" aus. Sie sagt nicht "Hier erscheinen immer die hochkomplexen Werke für die Vielspieler" - vielmehr verstehe ich Aleaspiele als "Gateway-Games": Ravensburger-Klientel wird über die Alea-Spiele auf anspruchsvolleres als "Würfel-Bingo" und "Cant Stop" aufmerksam (beides tolle Spiele übrigens).

Ähnliches gilt für Alea Iacta Est - Es ist ein durchaus anspruchsvolles Spiel, im Vergleich mit "Familienspielen" (wie Ode ja auch schrieb).

Und noch was : Jonas hat geschrieben, dass Ravensburger Alea gerne loswerden würde. Sehr interessant: Woran machst du das fest? Und vor allem: Wenn dem so wäre, warum stellen sie die Marke denn nicht einfach ein? Haben sie mit FX Schmid auch gemacht - trotz Spiel des Jahres - Titel! Wenn die wollten, würden sies tun. Da sies nicht tun, sehe ich solche Behauptungen als Kaffeesatzleserei an.

ciao
peer

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 09:16
von Jonas
peer schrieb:
> Und noch was : Jonas hat geschrieben, dass Ravensburger Alea gerne loswerden würde. Sehr interessant: Woran machst du das fest?

Ich zitiere mich selbst: 1. weil Ravensburger den Vertrieb abgegeben hat und 2. weil sie selbst immer wieder mal Spiele für Vielspieler machen.

> Und vor allem: Wenn dem so wäre, warum stellen sie die
> Marke denn nicht einfach ein?

Keine Ahnung.
- Vielleicht weil sie es nicht können. Könnte ja Verträge geben.
- Vielleicht fürchten Sie den Aufschrei der Szene.
- Vielleicht weil die Spiel-des-Jahres-Jury, oder einige Leute daraus, überaus angefressen wären.

Wie das so ist mir der Kaffeesatzleserei. Hat man vor der Entlassung von Jürgen Klinsmann auch als solche bezeichnet. :wink:

RE: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 09:35
von Klaus Knechtskern
"Jonas" hat am 19.05.2009 geschrieben:
> peer schrieb:
>> Und noch was : Jonas hat geschrieben, dass Ravensburger Alea gerne loswerden würde. Sehr interessant: Woran machst du das fest?
>
> Ich zitiere mich selbst: 1. weil Ravensburger den Vertrieb
> abgegeben hat und 2. weil sie selbst immer wieder mal
> Spiele für Vielspieler machen.
>
>> Und vor allem: Wenn dem so wäre, warum stellen sie die
>> Marke denn nicht einfach ein?
>
> Keine Ahnung.
> - Vielleicht weil sie es nicht können. Könnte ja Verträge
> geben.
> - Vielleicht fürchten Sie den Aufschrei der Szene.
> - Vielleicht weil die Spiel-des-Jahres-Jury, oder einige
> Leute daraus, überaus angefressen wären.
>
> Wie das so ist mir der Kaffeesatzleserei. Hat man vor der
> Entlassung von Jürgen Klinsmann auch als solche bezeichnet.
> :wink:

Jonas,

ich denke dass Ravensburger den Vertrieb von Alea an Fachleute abgegeben hat ist für die Marke Alea nur von Vorteil. Das Vertriebssystem von Ravensburger passt einfach nicht zu Alea. Meines Wissens nach arbeitet ravensburger noch mit den klassischen Handelsvertretern und Handelsvertreter und anspruchsvollere Spiele passen einfach nicht zusammen.

Der Schritt zu den Heidelbären führt dazu dass jeder FLGS, der "anpruchsvollere" Spiele im Sortiment führt einfachen Zugriff auf die Aleaprodukte hat.

Zum zweiten Punkt ist zu sagen dass Verlage immer darauf angewiesen sind welche Prototypen sie angeboten bekommen. Ich bin mir sicher auch Alea hätte die Baumeister von Arkadia oder Diamonds Clubs gerne fertig entwickelt, nur wurden sie (vielleicht) nciht angeboten.

Grüße

Klaus

RE: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 09:41
von Jonas
Klaus Knechtskern schrieb:
> ich denke dass Ravensburger den Vertrieb von Alea an
> Fachleute abgegeben hat ist für die Marke Alea nur von
> Vorteil. Das Vertriebssystem von Ravensburger passt einfach nicht zu Alea. Meines Wissens nach arbeitet ravensburger noch mit den klassischen Handelsvertretern und Handelsvertreter und anspruchsvollere Spiele passen einfach nicht zusammen.

> bin mir sicher auch Alea hätte die Baumeister von Arkadia
> oder Diamonds Clubs gerne fertig entwickelt, nur wurden sie (vielleicht) nciht angeboten.


Aber das ist doch genau mein Argument!
Diese Handelsvertreter können Alea-SPiele wie du sagst nicht oder nur schwer verkaufen - aber Diamonds Club oder Baumeister von Arkadia (oder Tikal oder Java oder Mexica) können sie dann doch?
Kapier ich nicht. :-?

Re: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 09:56
von peer
Hi,
Jonas schrieb:

> Keine Ahnung.
> - Vielleicht weil sie es nicht können. Könnte ja Verträge
> geben.

Hm, Alea wird (laut "Szene" seit mindestens 5 Jahren aufgegeben. Sind tolle Verträge, solche möchte ich auch!

> - Vielleicht fürchten Sie den Aufschrei der Szene.

Die paar Leute dürften denen völlig egal sein. Wie gesagt: Torres bekam SdJ, dadurch war FX Schmid noch ein Jahr länger als geplant bei Ravensburger. Dann aber: Hopps! Kein Problem durch Verträge, kein Problem mit dem Aufschrei der Szene. Wenn sie Alea würden loswerden wollen, werden sies los.

> - Vielleicht weil die Spiel-des-Jahres-Jury, oder einige
> Leute daraus, überaus angefressen wären.

Na und? Ich glaube du überschätzt das Networking. Ich glaube auch nicht dass das SdJ es jetzt als ihre Aufgabe ansieht die Politik von Verlagen zu gestalten.

> Wie das so ist mir der Kaffeesatzleserei. Hat man vor der
> Entlassung von Jürgen Klinsmann auch als solche bezeichnet.
> :wink:

Du meinst Alea wird rausgeworfen und bekommt dann den SdJ-Titel? ;-)

ciao
peer

RE: Alea und das Spiel des Jahres Trauma?!?

Verfasst: 19. Mai 2009, 11:22
von Marc
Klaus Knechtskern schrieb:
> ich denke dass Ravensburger den Vertrieb von Alea an
> Fachleute abgegeben hat ist für die Marke Alea nur von
> Vorteil.

Kann man darüber streiten. Mit sagte ein Spielehändler, dass die Verkaufseinheit bei Heidelberger größer seien, man muss also mehr Spiele bei einer Bestellung kaufen. Das lässt man aber, wenn man wenig Verkaufschancen sieht.