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Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 09:39
von Pyrrhus
Wer kam denn auf die blendende Idee, den ausgemachten Hasser historischer Spiele Christian Klein die Rezension für Dos de Mayo verfassen zu lassen?
Zunächst einmal geht Klein fatal in der Annahme fehl, dass die Ereignisse des 2. Mai 1808 "selbst einem intimen Kenner der spanischen Geschichte kein Begriff" seien.
Nun, zumindest hat er damit bewiesen, dass er selbst nur ungenügende Kenntnisse der spanischen Geschichte aufweist. Jeder, der schon mal in Madrid gewesen ist, ist mit der Bedeutung des "Dos de Mayo" vertraut. Und selbst wer noch nicht in Madrid war, kennt als halbwegs gebildeter Mitteleuropäer vielleicht das weltberühmte Bild von Francisco de Goya "Die Erschießung der Aufständischen", in welchem der Maler die Ereignisse des 2. Mai 1808 verarbeitet.
Für Spanien bedeutete die Besetzung durch Napoleons Truppen die erste (und einzige) Fremdherrschaft seit der Reconquista, des Zurücktreibens der Mauren vom iberischen Festland.
Da spielt selbst die unrühmliche Episode des Faschismus unter Franco, die Klein als Altlinker natürlich ansprechen und (zurecht) anprangern muss, auch wenn dies für das vorliegende Spiel nun überhaupt keine Bedeutung hat, nur eine untergeordnete Rolle.
Und schließlich:
Wenn Klein immer noch glaubt, dass Cosim-Pläne "von winzigen Sechsecken überzogen" sind, Marker "hässliche NATO-Symbolik" aufweisen und "endlos auf Tabellen gewürfelt" wird, dann hat er die wegweisenden Veränderungen in diesem Genre seit den spätern 70er Jahren offenbar verschlafen.

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 11:26
von Jonas
Pyrrhus schrieb:
>
> Wer kam denn auf die blendende Idee, den ausgemachten Hasser historischer Spiele Christian Klein die Rezension für Dos de Mayo verfassen zu lassen?

Vielleicht der Herr Chefredaktuer? :smile:

> Jeder, der schon mal in Madrid gewesen ist, ist mit der
> Bedeutung des "Dos de Mayo" vertraut.

Ach du Sch... ich war schon mal da, vor vielen Jahren, und mir sagt "Dos de Mayo" auch nichts. Aber Real habe ich LIVE gesehen. :cool:

> Und selbst wer noch nicht in Madrid war, kennt als halbwegs gebildeter Mitteleuropäer vielleicht das weltberühmte Bild von Francisco de Goya "Die Erschießung der Aufständischen",

Aber auch nur vielleicht. :smile:

> Franco, die Klein als Altlinker

:lol:

> Wenn Klein immer noch glaubt, dass Cosim-Pläne "von winzigen Sechsecken überzogen" sind, Marker "hässliche NATO-Symbolik" aufweisen und "endlos auf Tabellen gewürfelt" wird, dann hat er die wegweisenden Veränderungen in diesem Genre seit den spätern 70er Jahren offenbar verschlafen.

Zumindest sind Fans die Genres extrem entspannte Zeitgenossen. :razz:

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 11:38
von Herbert
Pyrrhus schrieb:
> Jeder, der schon mal in Madrid gewesen ist, ist mit der
> Bedeutung des "Dos de Mayo" vertraut.

Das vielleicht nicht. Aber wenn ich einen entsprechenden Artikel schreibe, dann kann man zumindest erwarten, dass der Autor vorher mal googelt. Auch das hätte verhindert, solch einen banalen Unsinn zu schreiben.

Gruß aus dem Münsterland
Herbert

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 13:36
von ingo
Hallo,

und, ist besser jetzt? :-))

Viele Grüße
der ingo

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 17:06
von Attila
Jonas schrieb:

> mir sagt "Dos de Mayo" auch nichts. Aber Real habe ich

Naja, wenn man eine Viertelstunde über "Dos de Mayo" nachdenkt, weiss man wahrscheinlich an welchem Tag die ganze Show gestiegen ist. naja, das Jahr 1808 ist ja kein Geheimnis.

Viertelstunde? - ....

Atti

PS: Ich kann übrigens kein einziges Wort Spanisch.

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 20:31
von Günter Cornett
Pyrrhus schrieb:
>
> den ausgemachten Hasser historischer Spiele Christian Klein

Woraus folgerst du, dass er ein Hasser historischer Spiele sein soll? Dem Artikel zufolge scheint mir eher das Gegenteil der Fall zu sein.

> die Rezension für Dos de Mayo verfassen zu lassen?
> Zunächst einmal geht Klein fatal in der Annahme fehl, dass
> die Ereignisse des 2. Mai 1808 "selbst einem intimen Kenner
> der spanischen Geschichte kein Begriff" seien.

Die Lücken, die du Christian Klein in spanischer Geschichte unterschieben möchtest, basiert wohl mehr auf deine mangelnden Kenntisse der deutschen Sprache - oder eben auf deinen Voruteilen: Du liest was deine Vorurteile bestätigt, anstatt was der Rezensent geschrieben hat:

"Wenn Ihnen selbst als einem intimen Kenner der spanischen Geschichte der 2.Mai 1808 kein Begriff ist, sollte Sie diese Wissenslücke nicht zu sehr beunruhigen."

Er geht also keinesfalls davon aus, dass dieses Datum intimen Kennern der Geschichte kein Begriff sei, sonden lediglich, dass eine solche mögliche Wissenslücke nicht weiter schlimm ist.

Das ist schon mal ein großer Unterschied.



> Nun, zumindest hat er damit bewiesen, dass er selbst nur
> ungenügende Kenntnisse der spanischen Geschichte aufweist.
> Jeder, der schon mal in Madrid gewesen ist, ist mit der
> Bedeutung des "Dos de Mayo" vertraut. Und selbst wer noch
> nicht in Madrid war, kennt als halbwegs gebildeter
> Mitteleuropäer vielleicht das weltberühmte Bild von Francisco
> de Goya "Die Erschießung der Aufständischen", in welchem der
> Maler die Ereignisse des 2. Mai 1808 verarbeitet.
> Für Spanien bedeutete die Besetzung durch Napoleons Truppen
> die erste (und einzige) Fremdherrschaft seit der Reconquista,
> des Zurücktreibens der Mauren vom iberischen Festland.

Das ist doch gar nicht der Punkt, zu dem er sich äußert. Er stellt lediglich die These des Autors in Frage, dass dieser Tag der Beginn des modernen Spaniens sei.


> Da spielt selbst die unrühmliche Episode des Faschismus unter

36 Jahre Faschismus nur eine Episode? Hmm ...

> Franco, die Klein als Altlinker natürlich ansprechen und
> (zurecht) anprangern muss, auch wenn dies für das vorliegende

Er prangert den Faschismus nicht an, sondern wundert sich lediglich, dass angesichts der langen faschistischen Diktatur der 2. Mai 1808 als der Beginn des modernen Spaniens gelten soll.

> Spiel nun überhaupt keine Bedeutung hat, nur eine
> untergeordnete Rolle.

Für den bloßen Spielablauf hat es auch keine Bedeutung, ob der 2. Mai 1808 nun der Beginn des modernen Spaniens ist oder nicht. Christian Klein setzt sich an dieser Stelle mit der geschichtlichen Einordnung des Spiels durch den Autor auseinander. Und diese ist eben Teil des Gesamtpakets Spiel+Geschichte.

Gerade bei Spielen mit historischen Themen finde ich es wichtig, dass der Rezensent sich auch damit auseinandersetzt, wie das Thema behandelt wird.

Eine solche Auseinandersetzung macht ihn ganz sicher nicht zum Hasser historischer Spiele sondern belegt im Gegenteil dessen Interesse an dem Spiel und der Umsetzung.

Mir scheint, das Spiel will nicht nur unterhalten sondern auch etwas über diesen Teil der spanischen Geschichte vermitteln. Dieses Anliegen hat der Rezensent ernst genommen.

Gruß, Günter

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 14. März 2010, 22:58
von Ulrich Roth
Günter Cornett schrieb:

> Die Lücken, die du Christian Klein in spanischer Geschichte
> unterschieben möchtest, basiert wohl mehr auf deine
> mangelnden Kenntisse der deutschen Sprache - oder eben auf
> deinen Voruteilen: Du liest was deine Vorurteile bestätigt,
> anstatt was der Rezensent geschrieben hat:
>
> "Wenn Ihnen selbst als einem intimen Kenner der spanischen
> Geschichte der 2.Mai 1808 kein Begriff ist, sollte Sie diese
> Wissenslücke nicht zu sehr beunruhigen."
>
> Er geht also keinesfalls davon aus, dass dieses Datum intimen
> Kennern der Geschichte kein Begriff sei, sonden lediglich,
> dass eine solche mögliche Wissenslücke nicht weiter schlimm
> ist.

Na ja - der Rezensent hält es ausdrücklich für möglich, dass "einem intimen Kenner der spanischen Geschichte der 2.Mai 1808 kein Begriff" sein könnte.

Dies ist tatsächlich grober Unfug. :eek:
Selbst eine so kompakte Darstellung wie "Historia de España" von Pierre Vilar (der die gesamte spanische Geschichte auf knapp 180 Seiten abhandelt) widmet diesem Aufstand aus gutem Grund mehrere Seiten.

Eher wird umgekehrt ein Schuh daraus: Wer vom 2. Mai 1809 noch nie gehört hat, ist mit Sicherheit kein Kenner (und schon gar kein intimer) der spanischen Geschichte.

Grüße aus Barcelona,
Ulrich

(der sich ansonsten aber freut, mal wieder ein Posting von Günter hier zu lesen) :smile:

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 15. März 2010, 10:11
von Günter Cornett
Ulrich Roth schrieb:
>
> Na ja - der Rezensent hält es ausdrücklich für möglich, dass
> "einem intimen Kenner der spanischen Geschichte der 2.Mai
> 1808 kein Begriff" sein könnte.
>
> Dies ist tatsächlich grober Unfug. :eek:

Um das zu beurteilen fehlen mir natürlich entsprechende Kenntnisse der spanischen Geschichte. Mir ging es darum, dass Pyrrhus dem Rezensenten unterstellte, dieser ginge davon aus, dass selbst intime Kenner der spanischen Geschichte dieses Datum (normalerweise) nicht kennen würden. Das ist immernoch etwas anderes als wenn man sagt, eine solche Wissenslücke sei verzeihlich.


> Selbst eine so kompakte Darstellung wie "Historia de España"
> von Pierre Vilar (der die gesamte spanische Geschichte auf
> knapp 180 Seiten abhandelt) widmet diesem Aufstand aus gutem
> Grund mehrere Seiten.
>
> Eher wird umgekehrt ein Schuh daraus: Wer vom 2. Mai 1809
> noch nie gehört hat, ist mit Sicherheit kein Kenner (und
> schon gar kein intimer) der spanischen Geschichte.

Ein eher flüchtiges Googeln ergab: In zusammenfassenden Darstellungen von wenigen Seiten im Internet wird das Datum meist aber nicht immer erwähnt. Von daher dürftest du wohl Recht haben.

Eine andere Frage, der du das Spiel ja sicherlich kennst:
Ist es von übertriebenem Pathos geprägt?
Oder ist es einfach nur ein bisschen zu nett designed z.B. um ein bisschen Stimmung ins Spiel zubringen. Es gibt ja häufig irgendwelche eher komisch wirkenden reißerischen Texte, die die Spieler in die richtigen Stimmung versetzen sollen, ohne dass eine politische Haltung hinterstehen muss.

Und zur spanischen Geschichte:
Stellt das Datum sowas wie den 'Beginn des modernen Spaniens' dar bzw. kann man das so interpretieren, ohne allzu weit daneben zu liegen?
Ist der Einwand berechtigt oder fehl am Platz, dass 'das moderne Spanien' (was auch immer das sein mag) doch erst nach der Franco-Ära begann?

> Grüße aus Barcelona,
> Ulrich
>
> (der sich ansonsten aber freut, mal wieder ein Posting von
> Günter hier zu lesen) :smile:

Danke (Es gab da kürzlich noch eines im Autorenforum :smile: :smile: )

Gruß, Günter

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 15. März 2010, 10:31
von Pyrrhus
Günter Cornett schrieb:
> Woraus folgerst du, dass er ein Hasser historischer Spiele
> sein soll?

Weil ich Christian Kleins Rezensionen seit ca. 20 Jahren (seit Pöppel-Revue-Zeiten) verfolge, maße ich mir diese Einschätzung zu.

> Die Lücken, die du Christian Klein in spanischer Geschichte
> unterschieben möchtest, basiert wohl mehr auf deine
> mangelnden Kenntisse der deutschen Sprache

Das meinst du jetzt nicht ernst, oder?
Du wirfst mir mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache vor und produzierst selbst in nur einem Satz zwei Grammatik- und einen orthographischen Fehler?

> 36 Jahre Faschismus nur eine Episode? Hmm ...

Das Wort "nur" hast du eingefügt. Ich sprach völlig wertfrei von einer Episode, das heißt einem zeitlichen Abschnitt, was diese Zeit zweifelsfrei darstellt.

Pyrrhus

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 15. März 2010, 10:42
von Günter Cornett
Pyrrhus schrieb:
>
> Günter Cornett schrieb:
> > Woraus folgerst du, dass er ein Hasser historischer Spiele
> > sein soll?
>
> Weil ich Christian Kleins Rezensionen seit ca. 20 Jahren
> (seit Pöppel-Revue-Zeiten) verfolge, maße ich mir diese
> Einschätzung zu.
>
> > Die Lücken, die du Christian Klein in spanischer Geschichte
> > unterschieben möchtest, basiert wohl mehr auf deine
> > mangelnden Kenntisse der deutschen Sprache
>
> Das meinst du jetzt nicht ernst, oder?
> Du wirfst mir mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache vor
> und produzierst selbst in nur einem Satz zwei Grammatik- und
> einen orthographischen Fehler?

Mir geht es um Verständnis des Inhalts, nicht um rein formale Korrektheit in Forumsbeiträgen. Du scheinst den Unterschied zwischen dem, was Christian geschrieben hat und deiner Behauptung darüber nicht verstanden zu haben - oder möchtest durch eine kleinkarierte Rechtschreibdiskussion davon ablenken.

> > 36 Jahre Faschismus nur eine Episode? Hmm ...
>
> Das Wort "nur" hast du eingefügt. Ich sprach völlig wertfrei
> von einer Episode, das heißt einem zeitlichen Abschnitt, was
> diese Zeit zweifelsfrei darstellt.
>
> Pyrrhus

Eine Episode ist nicht einfach ein zeitlicher Abschnitt sondern eine in sich abgeschlossene Nebenhandlung, etwas, was für den Rest der Geschichte nicht wirklich von Bedeutung ist. Und darum wunderte ich mich, dass du die Zeit der Franco-Diktatur NUR für eine Episode hältst.

Gruß, Günter

Stilkritik

Verfasst: 15. März 2010, 19:42
von Duchamp
Christian Klein sind m.E. allerdings ein paar fragwürdige Ausrutscher passiert, wenn auch teilweise andere, als du sie ansprichst.

1. "Nüchtern betrachtet", so resümiert er, seien die Objekte jeglicher Heldenverehrung "lediglich Menschen, die eine bestimmte Situation nur durch ein persönliches Opfer bereinigen konnten. In anderen Worten Leute, denen der Grips für eine elgantere Lösung fehlte."

Nun ja, angesichts eines verzweifelten Volksaufstandes vielleicht doch ein bisschen am Rande des Zynismus. Es würde mich interessieren, ob Herr Klein eine Besprechung des Spiels um die Pfadfinder-Postboten der Warschauer Widerstandsbewegung 1944, "Mali Powstańcy", auch so beginnen würde.

2. Die Sache mit dem "intimen Kenner der spanischen Geschichte" ist einfach nur peinlich. herr Klein tut sozusagen so, als sei er selber einer (sonst könnte er kaum darüber schreiben, was einem als solchem geläufig sein könnte und was nicht) - aber wer den 2.Mai 1808 noch nicht gehört hat, hat sich mit Spaniens Geschichte sicherlich noch überhaupt nicht weiter befasst.

3. "Auch wenn es weitere Aufstände im Land gab, wäre dies allenfalls eine Randnotiz in der europäischen Geschichte wert, führte es nicht ..." ja, jetzt wird es spannend, wozu führte es denn, damit es mehr als einer Randnotiz würdig werde? "... zu einem Spiel, das ein paar interessante Ideen aufweist."
Haben die eigentlich keine Redaktion für die Spielbox, die über die Artikel mal drüberliest?

4. "Zwar ist dieser Tag laut Autor die Geburt des modernen Spaniens ..."
Am Ende der historischen Anmerkung heißt es, ein Bürgermeister habe sich entschlossen, Abgesandte in alle Richtungen loszuschicken, "... with a true declaration of War against France. The War of Independence, and with it the tragic birth of modern Spain, had started."
Ist irgendwie nicht wirklich dasselbe, Herr Klein. Hier "beginnt" etwas tragisch mit einem 7-jährigen Krieg, dort soll der Tag selbst schon die Geburt sein, was dem Autor aufs Butterbrot geschmiert wird.

Ich sage mal so: Eine kurze Notiz über den hierzulande etwas ungewöhnlich klingenden Stil hätte gereicht. Dass in anderen Ländern mit historischen Kämpfen und Schlachten anders umgegangen wird, weiß man ja schon länger (aller-allerspätestens seit "Conflict of Heroes: Awakening the Bear 1941 - 1942"), und dass ein Volksaufstand wie der von Madrid noch heute große Emotionen auslöst, ist schließlich auch in Ordnung.

Ich finde es einfach schade, dass die ansonsten positive Rezension in Überschrift ("Ein spanisches Heldenepos"), Zwischentitel ("Hohles Pathos in Regel und Karten") und im Text sich immer wieder derart auf diesen Umstand kapriziert, zumal das Spiel ja eben NICHT episch daherkommt und auch von "hohl" kann nicht unbedingt die Rede sein.

Ich zumindest halte es für ausgesprochen nachahmenswert, wenn ein Kleinverlag ausführlichen historichen Background zu fast jeder der Karten abliefert. Und vom "schwülstigen und selbstmitleidigen Ton im historischen Teil" kann ich auch nicht so viel finden.

Oberflächliche Polemiken möchte ich jedenfalls woanders lesen, wenn überhaupt. Nicht in der spielbox.

Re: Dos de Mayo - Rezension von Christian Klein

Verfasst: 16. März 2010, 00:32
von Ulrich Roth
Günter Cornett schrieb:

> Eine andere Frage, der du das Spiel ja sicherlich kennst:
> Ist es von übertriebenem Pathos geprägt?

Nicht die Bohne.
Als historische Einführung in das Spiel-Thema werden die Ereignisse in Madrid am 2.5.1808) mit vorbildlicher Sachlichkeit dargestellt.

Art und Umfang der Darstellung sind ihrer Funktion (zum besseren Verständnis der Spielelemente beizutragen und - warum nicht - auf das Spiel "einzustimmen") 100% angemessen.

Ich halte mich für einen kritischen Leser, aber hier habe ich nicht das Geringste auszusetzen, und kann den Autor nur dafür loben, das Thema anschaulich präsentiert zu haben und es dann - innerhalb der Grenzen, die ein so schlankes Regelwerk setzt - spielmechanisch perfekt umgesetzt zu haben.

> Oder ist es einfach nur ein bisschen zu nett designed z.B. um
> ein bisschen Stimmung ins Spiel zubringen. Es gibt ja häufig
> irgendwelche eher komisch wirkenden reißerischen Texte, die
> die Spieler in die richtigen Stimmung versetzen sollen, ohne
> dass eine politische Haltung hinterstehen muss.

Ja, so was gibt es, aber eben nicht hier.
Der spanische Autor hat ein emblematisches Ereignis der Geschichte seines Landes als Spielthema gewählt, und es dabei durchweg mit Ernsthaftigkeit behandelt.

> Und zur spanischen Geschichte:
> Stellt das Datum sowas wie den 'Beginn des modernen Spaniens'
> dar bzw. kann man das so interpretieren, ohne allzu weit
> daneben zu liegen?

Der Original-Wortlaut - ganz am Ende der historischen Einführung - ist etwas anders (siehe auch Posting von Duchamp):

"Der Unabhängigkeitskrieg, tragischer Ursprung des zeitgenössischen Spanien, hat begonnen."
("La Guerra de la Independencia, orígen trágico de la España contemporánea, ha comenzado.")

Ich weiß nicht, wie Daniel Val diese Interpretation auf Befragen begründen würde, aber ich denke schon, dass er sich etwas dabei gedacht hat.

In jedem Fall handelt es sich hier um eine Meinungsäußerung (keine Sachbehauptung), die als solche weder verifizierbar noch widerlegbar ist.

> Ist der Einwand berechtigt oder fehl am Platz, dass 'das
> moderne Spanien' (was auch immer das sein mag) doch erst nach
> der Franco-Ära begann?

Der Einwand liegt natürlich nahe.
Ich habe heute mal meine Studenten gefragt, welche Jahreszahl sie mit dem "Beginn des modernen Spaniens" (das war, bevor ich die genaue Formulierung in der Spielregel überprüfen konnte) assoziieren, und sie haben fast unisono "1975" (Tod Francos) gesagt (einer nannte den Beginn der "2. Republik" 1931).

Spanisch - Englisch - Deutsch

Verfasst: 16. März 2010, 08:50
von Duchamp
Ulrich Roth schrieb:
> Der Original-Wortlaut - ganz am Ende der historischen
> Einführung - ist etwas anders (siehe auch Posting von Duchamp):
>
> "Der Unabhängigkeitskrieg, tragischer Ursprung des
> zeitgenössischen Spanien, hat begonnen."
> ("La Guerra de la Independencia, orígen trágico de la España
> contemporánea, ha comenzado.")
>
> Ich weiß nicht, wie Daniel Val diese Interpretation auf
> Befragen begründen würde, aber ich denke schon, dass er sich
> etwas dabei gedacht hat.
>
> > Ist der Einwand berechtigt oder fehl am Platz, dass 'das
> > moderne Spanien' (was auch immer das sein mag) doch erst nach
> > der Franco-Ära begann?
>
> Der Einwand liegt natürlich nahe.
> Ich habe heute mal meine Studenten gefragt, welche Jahreszahl
> sie mit dem "Beginn des modernen Spaniens" (das war, bevor
> ich die genaue Formulierung in der Spielregel überprüfen
> konnte) assoziieren, und sie haben fast unisono "1975" (Tod
> Francos) gesagt (einer nannte den Beginn der "2. Republik"
> 1931).

Du kommst hier auf zwei Punkte: Zum EInen die Übersetzung vom Spanischen ins Englische. Die GenX-Leute sind ja manches Mal nicht soo glücklich mit ihrem Englischen Wortlaut (Mecanisburgo und Luna Llena haben auch einige leicht verworrene Grammatik oder schrägen Wortlaut zu bieten). Ich bin mal von der Englischen Regel ausgegangen ("birth" für "orígen" - statt "origin"), weil ich davon ausging, dass Christian Klein sich eher auf diese bezog.
Zum Zweiten auf den unterschiedlich verwendeten Begriff "modern", bzw. "contemporánea". Benutzt ihn ein Historiker (wie auch im Deutschen "Die Moderne", bezieht sich "España contemporánea" schon sehr oft auf die Zeit ab dem Unabhängigkeitskrieg, .B. hier:
http://www.monografias.com/trabajos53/historia-espana-tres/historia-espana-tres.shtml
Obwohl "die Moderne" wahlweise mit Renaissance oder Industrieller Revolution beginnt, werden Menschen auf der Straße spontan wohl eher die Zeit nach dem 2. Weltkrieg als "modern" bezeichnen.

Wie man es auch dreht und wendet: Als spielbox-Rezensent sollte man entweder bei seinem Leisten bleiben, oder sich wenigstens ein bisschen über ein Thema informieren, nicht aber über Gebühr polemisch werden.

Re: Spanisch - Englisch - Deutsch

Verfasst: 16. März 2010, 15:42
von peer
Hi,
Duchamp schrieb:

> Wie man es auch dreht und wendet: Als spielbox-Rezensent
> sollte man entweder bei seinem Leisten bleiben, oder sich
> wenigstens ein bisschen über ein Thema informieren, nicht
> aber über Gebühr polemisch werden.

Das sollte generell gelten ;-)
Aber natürlich ahst du recht.
Aber Klein ist ja auch da ein bisschen für bekannt, dass Selbstbild und Wirklichkeit manchmal auseinanderdriften - ich erinner mich sehr gut an den Wahrscheinlichkeitsartikel, der mindestens zwei grobe inhaltliche Patzer enthielt (einer davon war sogar ein fachlicher Mathematikfehler :-) )
ciao
peer

Re: Spanisch - Englisch - Deutsch

Verfasst: 17. März 2010, 12:05
von Duchamp
peer schrieb:
>
> Hi,
> Duchamp schrieb:
>
> > Wie man es auch dreht und wendet: Als spielbox-Rezensent
> > sollte man entweder bei seinem Leisten bleiben, oder sich
> > wenigstens ein bisschen über ein Thema informieren, nicht
> > aber über Gebühr polemisch werden.
>
> Das sollte generell gelten ;-)

Och - wenn ich ein linkes Kampfblatt durchblättere - oder die "Nationalzeitung" - erwarte ich nicht wirklich etwas anderes. Ich habe auch nichts gegen Polemik - selbst "über gebühr", sonst macht sie ja keinen Spaß. Dass in einer alternativen Filmzeitschrift über die großen Privatsender hergezogen wird, ist doch klar! Es ist aber immer eine Frage des Rahmens und auch des Themas.

Aber in einer spielbox-Rezension finde ich ein Mokieren über die Englische Übersetzung der historischen Hintergrunderklärung unangebracht, zumal, wenn es sich aus Halbwissen zum Thema selbst speist.