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flower-power
Verfasst: 5. April 2001, 15:06
von beat
habe flower power einmal gespielt, für ein zweites mal hatte es jedoch zu wenig reiz.
es ist ein eher kontemplatives legen von domino-plättchen mit wenig interaktion, planung, strategie und taktik.
der glücksfaktor ist hoch (welches plättchen ziehe ich?), einflussmöglichkeiten sind gering (dreimal kann dem gegner/partner ein wenig ins blumenlegen hineingepfuscht werden) und die abrechnung der punkte am schluss birgt auch wenig spannendes.
am besten ist wohl die solitaire-variante.
ansonsten ist es am besten geeignet, um anstelle von blumen verschenkt zu werden - oder um nicht-spieler anzusprechen.
die gestaltung ist märchenhaft schön.
beat
re: flower-power
Verfasst: 5. April 2001, 17:49
von Michael-spielbox
Ja und nein...
es ist sicher ein sehr einfaches Spiel, das ist aber gerade das besondere. In einer Zeit, in der die Siele immer komplexer werden, ist Flowerpower eine wohltuende Ausnahme, die sich ohne großes Regelstudium schnell und unkompliziert spielen lässt. Der Reiz ist ja gerade die besonders schöne Blumenwiese, die dabei entsteht ;-)
Werden Spiele immer komplexer?
Verfasst: 6. April 2001, 04:29
von Roman Pelek
Hi Michael,
werden Spiele wirklich immer komplexer? Ich glaube, der Zenit ist mittlerweile überschritten. Wenn ich so die aktuellen Neuheiten anschaue, geht der Trend eher etwas weg von Fisch als auch Fleisch. Manchmal habe ich das Gefühl, da werden auf Teufel komm raus Spiele produziert, die das eine mit dem anderen verbinden wollen, aber genau an diesem Anspruch scheitern. Keine Ahnung, welchen Einfluss da Verlags- oder Marketingkonzepte haben - aber ich wäre im Moment fast dankbar für ein ehrliches simples 15-Minuten-Spiel oder ein richtig forderndes 2-2,5h Spiel (mehr muss nicht sein, dass bring ich auch meistnicht mit meinem Spielergruppen in Einklang). Erstaunlich ist vor allem die Tendenz zu Kartenbrettspielen, deren Verkaufspreis sich allein durch das Material legitimiert, aber deren Spielidee eigentlich mit einem Kartensatz zu 1,50DM zu realisieren wäre (z.B. Ulysses und die etwas älteren Weinhändler).
Nicht, dass dieser Trend nicht schöne Familienspiele hervorbrächte (Carcassonne, Capitol, Africa, m.E. auch San Marco), und manch taktisch bis strategische Besonderheit (Java, Medina) findet sich auch. Aber ich vermisse etwas die Spiele, die simpel, kurz aber gut sind oder "in die man sich richtig reinleben" kann (wie z.B. historische Szenarien mit strategischem Anspruch). Generell geht für mich der Trend eher weg von Strategie, hin zu Taktik, und selbst die erweckt oft genug nur den Anschein. Und weg von simplen, aber spassigen Spielideen zu "1 Brett, 50 Pöppel, 1 Satz Karten, 50DM".
Ich empfinde das gelegentlich als Verwässerung für den Breitengeschmack, man muss einem Spiel oder einer Spielidee auch manchmal ihre Ecken und Kanten lassen, auch wenn sie nicht allen Ansprüchen genügt. Auch dem Massengeschmack wird's irgendwann fade - und dann sind extravagante Ideen und Autoren dafür rar.
Im Gegensatz dazu, paradoxerweise, erweckt das SdJ mit Titeln wie El Grande oder Torres ab und an den Anschein, als seien komplexere oder taktisch/strategische Spiele auf dem Vormarsch. Nicht, dass es nicht rechtens wäre, solch wirklich sehr gute Spiele zu küren, es stellt sich nur die Frage, ob solche Spiele den Gelegenheitsspieler nicht überfordern oder abschrecken.
Mich persönlich faszinieren momentan am meisten ganz simple, aber durchdachte Kartenspiele oder richtig anspruchsvolle Spiele, die Brücke dazwischen bricht fast zusammen ob der übergewichtigen Spielelast. Da werden allzuoft Kartenspiele aufgemotzt oder anspruchsvolles verwässert, nur um auf 45-90Min. Spieldauer zu kommen, wenn entweder 30 oder 120 Minuten der Spielidee mehr Rechnung getragen hätten.
Um nicht vollends ins Blaue zu reden, hier meine persönlichen aktuellen Favoriten für die Genres:
Kurze, nette Spiele: Land Unter weit vorne, dann Wyatt Earp und dann... lange nix. Für viele Personen vielleicht noch Knatsch, ab und an mal Drachengold. Und Contra habe ich noch nicht ausgeschnitten, klingt aber vielversprechend.
Familienspiele: Africa, Capitol, etwas weiter weg: San Marco als El Grande für die Familie mal gut gelungen und nicht allzu verwässert.
Taktisch/Strategisch anspruchsvolleres: Medina/Java
Reine Strategie: nichts aktuelles für meinen Geschmack vorhanden
Ciao,
Roman
re: Werden Spiele immer komplexer?
Verfasst: 6. April 2001, 09:38
von David
Da gibt es aber wesentlich mehr Spiele die schön und einfach sind (so richtig gut für zwischendurch) die werden aber von den meisten nicht bemerkt: die "bekanntesten" sind wohl: "Isis & Osiris", "Halali", "Gerüchteküche", "Anno Domini" (zwar nicht neu, aber immer mit neuen Kartensätzen) auch die Kartenspiele bei Amigo haben diese tendenz (werden hier aber eher geringschätzig behandelt) und in der Vergangenheit ist "Mamamia" und "Speed" immer noch der Renner bei uns. Bei den Familienspielen gibt es auch genug in diese Richtung (alleine "Luxor", "Das Gespenst von Canderville Castle", "Blackrock Castle") - gute zweienhalb Stunden Werke sind dagegen eher selten von den großen Verlagen (mir fällt da nur "Die Macher" ein und eingeschränkt "Europa 2010" - das ist wohl wirklich mehr für die Freakverlage - aber die Zielgruppe die bereit ist ein zweieinhalb Stunden Spiel zu spielen ist aber wohl eher gering - da kann ich den Verlagen keinen Vorwurf machen...
Ich glaube, dass es mehr schöne und einfache Spiele zu entdecken gibt als man denkt (man muss nur die Augen offen halten)
David
re: Werden Spiele immer komplexer?
Verfasst: 7. April 2001, 17:22
von Matthias Staber
>Reine Strategie: nichts aktuelles für meinen Geschmack vorhanden
Um Strategiespiele zu entdecken, die möglichst ein Eintauchen in historische (oder fiktive) Szenarien erlauben, lohnt es sich IMO auch für eingefleischte Spieler deutscher Brettspiele in letzter Zeit, einmal in den angelsächsischen Sprachraum hineinzuschnuppern: Empires of the ancient World z.B. verknüpft wunderbar die Atmosphäre eines wargames, das in der Antike angesiedelt ist, mit einem cleveren Design, bei dem durchdachte Spielmechanismen ineinandergreifen. Und das beste: Es ist mit drei Spielern in 2 Stunden spielbar. Twilight Imperium (2nd ed) kommt in den Sinn (auch wenn´s vielleicht für deinen Geschmack zu lang dauern dürfte). Dieses Jahr noch steht der Re-release von History of the world durch Hasbro/AH ins Haus.
Will sagen: Immer mehr Spieleverlage aus den angelsächsischen Ländern bedienen genau jene Strategie-Nische zwischen Euro- und American style game, die auch Brettspieler interessiern dürften, die mit klassischen Kosims nichts anfangen können, für die es aber mal weniger taktisch als vielmehr opulent strategisch sein darf
Matthias