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Sammlerpreise

Verfasst: 30. April 2001, 10:55
von Achim
Ich habe mir mal wieder ein paar naive Gedanken zum Thema "Sammeln" und "Wertsteigerung" gemacht, da im Archiv meiner Meinung nach immer häufiger nach Preisen und Wert von Spielen gefragt wird.
Erfahrungsgemäß wird Sammeln erst dann so richtig teuer, wenn eine Vielzahl von Krämern erkennt, dass man hier Geld verdienen kann.
Das A und O hierbei ist ein Katalog, der eine "gesunde" Preissteigerung enthält.
Ist so ein Katalog erst einmal geboren, ist einem neuen Markt ein Nährboden geschaffen der eine ungeahnte Wertschöpfung ermöglicht. Ab diesem Moment weiss vom Kleinkind bis zur Oma jeder, dass ein bestimmtes Spiel mindestens soviel kosten muss, wie in so einem Machwerk steht. Der Sammler kann nun auch jedes Jahr seine Sammlung selbst neu bewerten, da er sich ja jedes Jahr einen neuen Katalog (mit einer gesunden Preissteigerung) zulegt. Der Sammler wird damit bestärkt, die richtige Geldanlage gefunden zu haben, da sein Hobby ja eine Rendite aufweist.
Diese Verfahren funktioniert fast immer, der Leidtragende dabei bleibt der abgezockte Sammler.
Ich habe in den 80er Jahren um mein Studium zu finanzieren in einem Comicladen gearbeitet. Bei Einführung eines Katalogs hat sich die damalige Branche schlagartig verändert. Nach nur wenigen Jahren war ein halb zerrissenes Micky-Maus-Heftchen das x-fache wert. Fast jeder tanzt seitdem um den Preiskatalog wie um ein goldenes Kalb. Noch mehr Beispiele: Ü-Eier, Diddle, Magic-Karten, Schleich-Schlümpfe und und und.
Wer denkt, sehr hohe Preise (auch auf Auktionen) werden bestimmt durch den Markt, der kann sich gewaltig irren. Häufig kauft hier ein Händler einem anderen Händler nur seine Ware ab, in der Hoffnung noch ein paar Mark mehr zu erzielen. So kann die gleiche Ware schon einige Male von Händler zu Händler gereicht werden, bis irgendwann einmal ein tatsächlicher Sammler die ganze Wertschöpfung bezahlt. Dieser Sammler erhofft sich dann eine entsprechende weitergehende Wertsteigerung. Dafür gibt es den Katalog - hier kann er dann nachlesen wie sein Teil an Wert gewonnen hat.
Bisher halte ich die Spielerscene für noch nicht sehr verdorben, doch wenn diese Preis-Diskussionen sich noch weiter verstärken, dann solltet Ihr schon mal zu sparen anfangen - es wird sehr sehr teuer werden.
mit wertsteigernden Grüßen
Achim

re: Sammlerpreise

Verfasst: 30. April 2001, 11:50
von Roland G. Hülsmann
Normalerweise "machen" die Kataloge nicht die Preise, sondern die Kataloger spiegeln die auf Ersteigerungen erzielten Marktpreise wieder, meist die für Objekte in "sammelwürdigem" Zustand, d.h. nahezu neuwertig.
Verdächtig wird es erst, wenn z.B. eim ÜEi-Händler, der mit den Teilen Geld verdient, selbst einen Ktalog erstellt. Er wird wenig Interesse an einer realistischen Preisen haben und lieber mal eine Mark drauflegen. In der geannten Comicszene gibt es inzwischen mehrere Kataloge, sodaß ein Vergleich lohnt. Als Comicsammler (Disney, besonders Barks) weiß ich, daß es da nirgendwo eine regelmäßige Preissteigerung gibt (besonders nicht bei meinen Beständen ;-) und wirklich nur erstklassig erhaltene Sachen Mondpreise erzielen.
Ich denke bei Spielen ist es ähnlich: Gespielte aber weitgehend vollständige Schachteln bekommt man auf Flohmärkten oft weit unter 10 DM, bei professionellen Händlern wird es dann etwas teurer.
Beis Spielen, die es nicht mehr gibt, kann es dann schon etwas teurer werden. Wer erst jetzt seine Liebe zu Fantasyspielen wie TALISMAN oder HERO QUEST entwickelt, wird natürlich etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Und wenn dann z.B. bei eBay eine TALISMAN-Schachtel angeboten wird und drei Interessenten diesenoch fehlt, dann gehen die POreise in die Höhe. Ich hatte seinerzeit mein TALISMAN, das mir auch nach dem dritten Spiel nicht so recht zusagen wollte, über eBay für über 70 DM verkauft (wobei ich mir überlegt habe bei dem überraschend hohen Preis, ob es klüger gewesen wäre, es zu behalten ... aber Zuschlag ist Zuschlag).
Ich denke, die Existenz eines Kataloges - so er nicht von einem Spieleverlag produziert wird - würde kein Unheil anrichten. Es gelten immer noch die Gesetze der Marktwirtschaft. Wenn Du ein Teil zu teuer anbietest, kauft keiner, und da hilft auch kein Hinweis auf Katalogpreise. So dumm sind die (meisten) Menschen nicht.

re: Sammlerpreise (Comics und Spiele)

Verfasst: 30. April 2001, 22:16
von Gustav der Bär
Achim schrieb:
> Ich habe in den 80er Jahren um mein Studium zu
> finanzieren in einem Comicladen gearbeitet. Bei
> Einführung eines Katalogs hat sich die damalige
> Branche schlagartig verändert. (...)
> Bisher halte ich die Spielerscene für noch nicht
> sehr verdorben, doch wenn diese Preis-Diskussionen
> sich noch weiter verstärken, dann solltet Ihr schon
> mal zu sparen anfangen - es wird sehr sehr teuer
> werden.
Roland schrieb:
> Normalerweise "machen" die Kataloge nicht die
> Preise, sondern die Kataloger spiegeln die auf
> Ersteigerungen erzielten Marktpreise wieder (...)
> Verdächtig wird es erst, wenn z.B. eim ÜEi-Händler,
> der mit den Teilen Geld verdient, selbst einen
> Ktalog erstellt. Er wird wenig Interesse an einer
> realistischen Preisen haben und lieber mal eine Mark
> drauflegen.
Wie sich die Biografien gleichen! Auch ich habe in den 80er Jahren in einem Comic-Laden gearbeitet, allerdings nicht, um mein Studium zu finanzieren, sondern weil mir das ein paar Jahre lang wirklich Spaß gemacht hat.
Norbert Hethke war ja damals mit seinem "Comic-Preiskatalog" der erste, der einen Sammlerpreiskatalog für Comics herausgab, und dabei sind mir zwei Aspekte aufgefallen:
- Die hohen Preise für einige Erstauflagen begannen nach ein paar Jahren wieder zu sinken. Vermutlich beruht dieser Effekt darauf, dass einige betuchte Sammler bereit waren, Höchstpreise zur Vervollständigung ihrer Sammlung zu zahlen. Als die befriedigt waren, pendelten sich die Preise auf einem Niveau für den mittleren Geldbeutel ein, weil die hochpreisigen Anbieter anschließend am Markt keine Nachfrage mehr fanden. (Die Volks- und Betriebswirte unter uns kennen diesen Effekt unter der Bezeichnung "Gleichgewichtspreis".)
- Die hohen Preise, unter denen Hethkes Katalog die alten Hansrudi Wäscher-Comics aufführten, entsprachen niemals einer konkreten Nachfrage. Ich vermute, dass Hethke in diesem Fall die Preise in seinem Sinne "geschönt" hat, um seinen eigenen Wäscher-Reprints eine stärkere Startposition am Markt zu geben. Tatsächlich wurden uns die ersten "Sigurd"-Reprints geradezu aus den Händen gerissen; bei den späteren Bänden ließ das Interesse der Kunden aber rasch nach: Es ist (ausser für einen ganz harten Fan) eben nicht zu übersehen, dass Wäschers zeichnerische und erzählerische Qualitäten kaum Begeisterung beim Leser rechtfertigen.
Was bedeutet das, wenn wir es auf das Medium Spiel übertragen? Vermutlich doch, dass die Preise teurer, vergriffener Spiele nach einer Weile wieder sinken - und ebenfalls, dass früher oder später bei anhaltender Nachfrage jemand einen günstigeren Reprint herausbringen wird.
Wir brauchen den Gürtel also nicht unbedingt enger zu schnallen, um für teures Geld alte Spiele zu kaufen; wahrscheinlich reicht einfach ein gewisses Maß an Geduld.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(a.k.a. Peter Gustav Bartschat)