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Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 12:31
von Ingo Kasprzak
Hallo zusammen!
Wir hatten am Mittwoch folgende Situation:
Der Händler wurde in einem Spielzug vom Park über die Gildenhalle in die Poststation bewegt. Der Spieler, der die Aktion in der Poststation ausführte, bekam u.a. die Botschaft "Gildenhalle <-> Park". Nun die Frage: Darf der Spieler Eurer Meinung nach die soeben erhaltene Botschaft direkt einlösen, da der Händler in diesem Spielzug ja bereits beide Gebäude besucht hat?
Die Regel ist da nicht ganz eindeutig und man kann sie so oder so auslegen. Ich zitiere:
"Damit eine Botschaft als erfüllt gilt, muss lediglich der Händler in einem Spielzug _beide_ Gebäude _besucht_ haben. Weder der Spieler, dessen Botschaft erfüllt ist, noch irgendein anderer Spieler muss in dem einen oder dem anderen Gebäude eine Aktion ausgeführt haben".
Wir haben es so gespielt, dass man die Botschaft direkt einlösen kann. Die Sonderkarten darf man ja auch direkt einsetzen, von daher erschien es uns nur logisch.
Was meint ihr?
Ciao, Ingo
re: Hndler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 12:34
von Volker L.
Ich wuerde mich Deiner Interpretation anschliessen.
Ich glaube auch, dass irgendwo in der Regel steht,
dass eine Botschaft in derselben Runde, in der sie
erworben wird, erfuellt werden kann.
Gruss, Volker
re: Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 12:43
von Ingo Kasprzak
Hi Volker!
Ich hatte die Regel gerade relativ aufmerksam nochmal durchgelesen, konnte aber leider keinen entsprechenden Hinweis finden - auch nicht in den Beispielen.
Aber so lange sich die beteiligten Spieler auf eine Verfahrensweise einigen, ist das ja auch alles halb so wild und tut dem Spass keinen Abbruch.
Ciao, Ingo
re: Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 12:56
von Roland G. Hülsmann
Die Situation hatten wir so ähnlich auch, hatten uns aber genau anders entschieden. Wenn ich in z.B. in der Poststation den Auftrag erhgalte einen Brief von der Gilde zur Post zu befördern, dann hilft es mir wenig, daß ich zuvor bei der Gilde war. Da ich da ja noch nicht den Auftrag kannte, habe ich den Brief dort auch nicht eingesteckt. (Vielleicht war er zu dem Zeitpunkt noch nicht fgertig geschrieben?)
Wenn ich heimkomme und meine Frau sagt mir: "Wie, Du warst beim Mxxxx-Markt? Da hättest Du mir doch die CD von Blackmore's Night mitbringen können.", dann hilft mir das auch recht wenig, da ich die CD ja nicht dabei habe.
Von der Story her würde ich also eher sagen: Pech gehabt!
re: Hndler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 13:09
von Volker L.
Zum Erfuellen der Botschaft muss man beide Stationen
in einem Zug betreten, die Reihenfolge ist egal. Wenn
Du jetzt mit realen Botschaften argumentierst, muesste
man annehmen, dass der Haendler (oder seine Briefe und
Waren tragenden Gehilfen waehrend des Zuges beliebig
hin- und herlaufen. Aber dann kann er den eben
bekommenen Brief auch zurueck zu einer vorher besuchten
Station transportieren.
Gruss, Volker
re: Hndler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 13:48
von Ingo Kasprzak
Das war in etwa auch unsere Argumentation. Nachdem wir das Thema von Rolands Seite angegangen waren, haben wir gesagt: Wie rum man die Botschaft überbringt, ist egal. Desweiteren werden die Besitzmarker auch erst am Ende eines Spielzuges gelegt, selbst, wenn man diese erst am Ende des Zuges bekommen hat, also nachdem der Händler ja eigentlich schon weitergezogen ist.
Mit realen Bedingungen kann man also eh nicht argumentieren, also haben wir spielmechanisch argumentiert: Wenn man alles, was man bekommt, auch sofort einsetzen kann und sogar Waren verhandeln kann, die man erst im nächsten Gebäude erhält, warum dann nicht auch Botschaften direkt überbringen, die man am Ende des Zuges erst erhalten hat?
Ciao, Ingo
(reine Auslegungssache - ich halte meine aber für spiellogischer ;)
re: Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 14:07
von Stefan Brück
>>> Die Regel ist da nicht ganz eindeutig und man kann sie so oder so auslegen. <<<
Inwiefern "so oder so". Ist das nicht eindeutig: Wenn Bedingung erfüllt, dann Ausspielen möglich!?
>>> "Damit eine Botschaft als erfüllt gilt, muss lediglich der Händler in einem Spielzug _beide_ Gebäude _besucht_ haben. Weder der Spieler, dessen Botschaft erfüllt ist, noch irgendein anderer Spieler muss in dem einen oder dem anderen Gebäude eine Aktion ausgeführt haben". <<<
Trifft doch genau auf die von dir beschriebene Situation zu. Warum also sollte der Spieler sie nicht erfüllen können...? Die "im selben Zug"-Regel ist von euch hinein interpretiert... gilt ja sonst auch nicht!?
Übrigens: Damit das Glück beim Ziehen der Botschaften aber nicht übermäßig strapaziert wird, haben wir eben alle möglichen Botschaften mit der Poststation selbst weggelassen...
Weiterhin viel Vergnügen.
Stefan
re: Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 14:14
von Ingo Kasprzak
Ok! Danke! Das war jetzt offiziell!
Auch wenn ich weiterhin meine, dass die Regel auf die beschriebene Situation ruhig hätte eingehen können.
Ansonsten aber wie immer bei alea: Eine sehr gute Regel, die ansonsten keine Fragen offen lässt! Und ein wirklich fantastischer Aufbau!
Ciao, Ingo
(freut sich, spiellogisch korrekt gedacht zu haben)
re: Händler v. Genua: Regelfrage zu "Botschaften"
Verfasst: 20. Juli 2001, 14:27
von Ralf Arnemann
Ich wüßte nicht, was an der Regel zu kritisieren ist.
Die Bedingungen für das Erfüllen einer Botschaft sind eindeutig definiert und in diesem Fall erfüllt.
Und es gibt m. E. keine andere Regelstelle, die an dieser Interpretation Zweifel aufkommen lassen müßte.
Was will man mehr?
Grundsätzliches Regelproblem - Denkfehler
Verfasst: 20. Juli 2001, 22:44
von Markus Barnick
ich denke, wir machen alle immer den gleichen Fehler:
Wir spielen ein oder mehrere Spiele und übertragen die Regel (weils ja immer schon so war) auch auf andere Spiele und sind dann entsprechend unsicher. Grade bei den neuen Spielen muss man sich oft umgewöhnen, da herkömmliches Spielen / Spielregeln / Spielgewohnheiten / Spielvorgehen manchmal ausser Kraft gesetzt wird.
Ich hätte auch gedacht, man kann das nicht im gleichen Zug, weil das eben in anderen Spielen so ist. Hier halt nicht. Das ist zwar schön, verunsichert aber.
Tip: in Zweifelsfällen die Regel möglichst wörtlich nehmen. So stehts da und so wirds gemacht.
Ich hab irgendwo mal was gelesen, wie man Spielregeln zu interpretieren hat. Der Bericht ist schon ein paar Jahre alt und hat mir sehr sehr geholfen, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wo das stand. Entweder in einer Spielbox als Tip von einem Jurymitglied oder in einem Buch. Weiß jemand zufällig wo?
re: Grundsätzliches Regelproblem - Denkfehler
Verfasst: 21. Juli 2001, 12:03
von Berthold Heß
Ich hab irgendwo mal was gelesen, wie man Spielregeln zu interpretieren hat. Der Bericht ist schon ein paar Jahre alt und hat mir sehr sehr geholfen, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wo das stand. Entweder in einer Spielbox als Tip von einem Jurymitglied oder in einem Buch. Weiß jemand zufällig wo?
Zufällig habe ich den Jahrgang gerade auf dem Tisch!
SpielBox Heft 3 aus 1990 auf Seite 39 von Jo Weigand mit dem Fazit: Niemand schreibt falsche Spielregeln - nur unvollständige!
Und in der spielbox Heft 3 aus 1994 auf Seite 12 stellt KMW die Nöte eines Regelschreibers dar!
Bert
Falsche Spielregeln gibt's sehr wohl...
Verfasst: 23. Juli 2001, 00:39
von Roman Pelek
Hi Bert,
>SpielBox Heft 3 aus 1990 auf Seite 39 von Jo Weigand mit dem Fazit: Niemand schreibt falsche Spielregeln - nur unvollständige!<
Da muss ich Jo Weigand widersprechen:
Aber holla schreiben Leute falsche Spielregeln! Manche FAQs sprechen Bände. Zumindest was Übersetzungen angeht sind oftmals viele Fehler drinne - bei "einheimischen" Spielen überwiegt natürlich eher die Unvollständigkeit und Missverständlichkeit ;-)
Ciao,
Roman (traut keiner übersetzten Spielregel ;-)
Ein (nicht ganz so) kleines P.S.
Verfasst: 23. Juli 2001, 00:47
von Roman Pelek
Hi,
ich nehme mal an, da ich Jo Weigands Originaltext nicht vorliegen habe, dass er für sein Fazit das "Schreiben" einer Spielregel als Schreiben einer Erstregel ansieht. Obwohl das kreative Potential mancher Übersetzungen m.E. durchaus als künstlerisches Schaffen, sprich: eigenständiges Schreiben, anzusehen ist ;-) Insofern ist mein Posting wohl eher eine Anmerkung denn ein echter Widerspruch.
Ciao,
Roman (Das Verständnis ist ein launiger Hund - manchmal kommt er erst hinterm Ofen vor, wenn der Unsinn schon ausgesprochen ist *g*)
re: [OT] Ein (nicht ganz so) kleines P.S.
Verfasst: 23. Juli 2001, 10:14
von Arno C. Hofer
Lieber Roman,
> Das Verständnis ist ein launiger Hund - manchmal kommt er erst hinterm Ofen vor, wenn der Unsinn schon ausgesprochen ist ...
thats it, yeah! Kannst Du mir bitte noch sagen ob dieses Zitat "Roman Pelek" oder irgendeinem anderen bedeutenden ROMANcier/Kabarettisten/Dichter zugeschrieben werden kann - ich würde es nämlich öfter gern zitieren?
Danke. Arno
re: [OT] dito
Verfasst: 23. Juli 2001, 10:38
von Ina-spielbox
Das wüßte ich auch gern.
Ina (die den Spruch super findet und immer noch nicht weiß, ob jetzt Roman weiterhin der König der langen Klammerpassagen ist, oder ob sie eine reelle Chance auf diesen Thron hat, wobei diese Klammer vermutlich um Längen zu kurz ist)
re: [OT] dito
Verfasst: 23. Juli 2001, 11:08
von Roman Pelek
Hi ihr beiden,
das war in bezug auf "Verständnis" ein "Original", obwohl ich mich entsinne, dass es einen etwas anderen Spruch mit einem "launigen Hund" in dieser Art gab, obwohl ich nicht sagen kann, woher der genau kam. Ich vermute mal so die Richtung "Hägar", als eben besagter Protagonist einen Weisen nach einem Rat fragt und ebensolches um die Ohren gehauen bekommt. Worauf dieser meint, dass der Spruch wohl nicht das Gelbe vom Ei sei und der Weise mit dem lapidaren Satz a la "Man kann nicht jeden Tag Sinnvolles von sich geben" anwortet.
Aber die Details, ja, die Details werden wohl auf immer durch das Sieb, das sich Gedächtnis nennt, gerieselt sein ;-)
Ciao,
Roman (es lebe die kreative Halberinnerung)
re: [OT] dito
Verfasst: 23. Juli 2001, 17:23
von Arno
Dann würde ich anDeiner Stelle sofort der Literar-Mechana oder wie das Zeug heißt beitreten: dann kassierst Du nämlich die Tantiemen - so machens alle: irgendwo was hernehmen und ein wenig verändern und schon ist es ein ORIGINAL !
Gratuliere zu diesem Speziellen!
Arno
[OT] Originale und Originalität
Verfasst: 24. Juli 2001, 02:02
von Roman Pelek
Hi Arno,
>Dann würde ich anDeiner Stelle sofort der Literar-Mechana oder wie das Zeug heißt beitreten: dann kassierst Du nämlich die Tantiemen - so machens alle: irgendwo was hernehmen und ein wenig verändern und schon ist es ein ORIGINAL !<
In der Tat stimme ich Dir zu. Ich kenne niemanden und nichts, das nicht auf Vorangegangenem beruht. Insofern sollte auch mit der Anschuldigung des "Ideenklaus" etwas behutsamer umgegangener werden. Denn nur wer frei von Recyclinghabitus ist, der sollte das erste Wort in die Runde werden ;-) Egal, was man auseinandernimmt, man kann immer Parallelen ziehen, mal mehr mal weniger.
Ciao,
Roman (ein Original ist nur eine Abwandlung des im kollektiven Bewusstsein nicht hinreichend Rekonstruierbaren - oder auf Deutsch: wen stört's, wenn's niemandem auffällt, dass es geklaut ist :-)
[OT] Man ersetze...
Verfasst: 24. Juli 2001, 02:09
von Roman Pelek
...ein "n" an passender Stelle durch ein "m" und ein "d" durch ein "f". Viel Spass...
Ciao,
Roman (dessen Tastatur heute anscheinend anders belegt ist, als er vermutet. Er schiebt die Schuld natürlich entschiedenst auf die Tastatur.)
re: [OT] Originale und Originalität
Verfasst: 24. Juli 2001, 08:24
von Arno
Ich erlaube mir hier auf den Beginn eines neuen Threads hinzuweisen: Originale und Originalität.
Arno