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nette Spiele

Verfasst: 28. Juli 2001, 22:01
von Bernd Eisen
Hallo zusammen!
Mittlerweile hört man nach einem Spiel immer wieder: "ja - war ein ganz nettes Spiel"!
Oder in einer Rezension einen ähnlichen Wortlaut.
Dabei finde ich, daß es nichts schlimmeres für ein Spiel gibt, einfach nur "nett" zu sein.
Das sind dann genau die 80% aller Spiele, die sicher nie wieder auf den Tisch kommen, oder einfach gleich vergessen sind.
Da lobe ich mir doch einen richtigen Verriss...
Dann wird wenigstens noch längere Zeit über das betreffende Spiel gesprochen (wenn auch nicht mehr gespielt!).
Was meint ihr dazu?
Grüße
Bernd (der mittlerweile alle netten Spiele verkauft hat!)

re: nette Spiele

Verfasst: 28. Juli 2001, 23:33
von YK
Hallo Bernd,
natürlich bietet ein Veriss mehr Gesprächsstoff und ist weitaus interessanter als ein Spiel das lediglich "ganz nett" ist...
Ich habe aber bemerkt, dass die Qualität der Spiele immer besser geworden ist und fast keine Spiele mehr auf den Markt kommen, die einen wirklichen Verriss verdient hätten - leider sind bei der Vielzahl von Spielen sehr viele dabei die nicht über Mittelmass hinwegkommen und lediglich ein anderes "nettes" Spielchen aus dem Programm ersetzten...
So schön ein berechtigter Veriss auch ist - leider tut uns zur Zeit leider kein Verlag den Gefallen uns einen Anlass dafür zu liefern (Außnahmen bestätigen natürlich die Regel)
YK (der gerne mal wieder einen richtigen Veriss lesen würde ;)

re: nette Spiele

Verfasst: 29. Juli 2001, 10:24
von Bettina
Hallo Bernd,
auch mir ist aufgefallen, daß in unserer Spielerunde immer öfter Spiele "ganz nett" sind.
Ich glaube, das liegt an unseren vielen "Spielejahren". Früher war ein Spiel toll oder eben Mist. Inzwischen sind die Ansprüche gestiegen, man kennt sich besser aus, hat die Vielfalt kennengelernt.
Wenn ich persönlich ein Spiel als "nett" bezeichne, dann habe ich vermutlich im Hinterkopf, daß es für Leute die selten spielen und/oder einfache Spiele mögen, sicher ein gutes Spiel ist - mir aber fallen sofort genug Spiele ein, die ich lieber auf dem Tisch sehen würde.
Diese netten Spiele haben daher keinen wirklichen Verriss verdient.
Mit spielerischen Grüßen
Bettina

re: nette Spiele

Verfasst: 29. Juli 2001, 10:25
von peer
Hi,
"nett" bedeutet für mich in der Regel, dass ich mit dem Kauf warten kann, bis es verramscht wird bzw. auf dem Flohmarkt verscheuert wird.
Zudem gibt es nette Spiele, die oft gespielt werden, besonders wenn sie eine kurze Spieldauer und leichte Regeln haben (z.B. Kraut & Rüben, Spacewalk).
ciao,
Peer

re: nette Spiele

Verfasst: 29. Juli 2001, 10:35
von Roman Pelek
Hi Bernd,
>Mittlerweile hört man nach einem Spiel immer wieder: "ja - war ein ganz nettes Spiel"!
Oder in einer Rezension einen ähnlichen Wortlaut.
Dabei finde ich, daß es nichts schlimmeres für ein Spiel gibt, einfach nur "nett" zu sein.<
Hm, ja, das Wörtchen "nett" kann man natürlich, wie auch in anderen Lebenslagen, immer negativ auslegen als "ist nix besonderes", allerdings.
>Das sind dann genau die 80% aller Spiele, die sicher nie wieder auf den Tisch kommen, oder einfach gleich vergessen sind.<
Solche Spiele sind sicher wenig im Gespräch, aber sagen wir es mal so: für Leute, die ein "nettes" Spiel anspricht (Thema, Mechanismus etc.), ist ein solches Spiel sicher kein Fehlkauf und kann gerne gespielt werden. Alle anderen werden's, sofern bessere Spiele vorhanden sind, nicht immer wieder auf den Tisch bringen, das ist wahr. Ich persönlich hab' aber nix gegen "nette" Spiele, da sie immer mal wieder ab und an bei uns als Abwechslung auf den Tisch kommen. Das hängt aber davon ab, wieviel man spielt. Wenn man weniger Zeit für sein Spielehobby hat, möchte man natürlich diese nur mit den "Perlen" verbringen...
>Da lobe ich mir doch einen richtigen Verriss...
Dann wird wenigstens noch längere Zeit über das betreffende Spiel gesprochen (wenn auch nicht mehr gespielt!).<
Ein Verriss ist natürlich immer interessanter und liefert viel mehr Diskussionsstoff. Aber soviel Grund zu Verrissen gibt's zum Glück nicht, da machen die Verlage ihren Job eigentlich gut.
Wobei man natürlich auch in manchen Fällen sagen könnte, dass man lieber ab und an mal *ein* richtig gutes Spiel von einem Verlag sehen würde anstatt drei, die nur "nett" sind. Das sehe ich ähnlich, gelegentlich wünscht man sich als Spieler auch mal einen Tick mehr Qualität denn Quantität.
>Grüße
Bernd (der mittlerweile alle netten Spiele verkauft hat!)<
Ciao,
Roman (der auch so langsam wieder in Platznöte kommt und ein paar Staubfänger auslagern oder verkaufen sollte...)

re: nette Spiele

Verfasst: 29. Juli 2001, 11:42
von Michael Schramm
Hallo Bernd,
bei der Bezeichnung "nett" für ein Spiel gibt es sicher eine riesige Bandbreite von Definitionen. "Nett" kann bedeuten, dass ich mich nicht übertrieben gelangweilt habe, dass alles paßte, aber nichts überzeugte, dass das Material schön war, das Spiel aber langweilig, dass es besser war als das letzte Spiel, das auf dem Tisch lag ( aber eben kein Brüller!) usw. Bei der Bewertung von Prototypen sind es allerdings ganz anders aus, die Bezeichnung "nett" ist das Todesurteil für ein Spiel, ein K.O.-Kriterium bester Qualität und schlimmer als zwei Jahre nichts zu Weihnachten! Kein Verlag der Welt wird ein als "nett" charakterisiertes Spiel in sein Programm aufnehmen, hier muss die Überzeugung dasein, dass ein Spiel mindestens "gut" ist - leider sind diese Einschätzungen nicht immer ganz korrekt, wie wir alle aus schlechten Erfahrungen wissen!
Ich habe reichlich "nette" Spiele in meiner Samlung, die zu bestimmten Anlässen immer noch gern gespielt werden. Aber ich habe auch supertollegenialeeinzigartigeüberwältigende Spiele im Regal liegen, die ich jahrelang garnicht oder sogar nur ein einziges Mal gespielt habe - entweder wegen ihrer Spieldauer (z.B. CIVILISATION ), ihrer Komplexität ( z.B. MAGIC REALM), ihrer nur in Englisch vorliegenden Mammutspielregeln mit großen Sprachhürden ( z.B. FELLOWSHIP OF THE RING), ihres Themas, das viele Mitspieler eher abschreckt (z.B. PLAGUE) und ähnliche Gründe, wobei leider ein Grund auch der ist, das ich das Spiel einfach nicht finde, wenn ich es spielen möchte - eigentlich sollte man wissen, wo die Highlights stehen, aber....!
Rückblickend auf mehr als 20 Jahre intensive Spielerfahrung ( davor war es mehr 08/15, wie es eben bei Schülern oder Studenten das Normalmaß ist) kann ich sagen, dass ich folgende Spiele am Häufigsten gespielt habe:
- Doppelkopf
- Skat
- Karrierepoker
- Siedler
- Route 66 Kartenspiel
- 6 nimmt
- Barbarossa
- Sagaland
- Heimlich und Co.
- Wizzard
- Anno Domini (Kartenspiel)
- Trivial Pursuit
- Entdecker
- Boom Town
Dazu kommen immer wieder Spiel, die über einen bestimmten Zeitraum absolut en Vogue sind, um danach für lange Zeit in der Versenkung zu verschwinden. Bei den o.g. Spielen ist der "Langzeiteffekt" gegeben, obwohl ich hier sicher in manchen Fällen (z.B. Karrierepoker oder Wizzard) anfangs auch nur von "ganz nett" gesprochen habe, da speziell bei diesen Spielen die ersten Spielrunden absolut unpassend für das Spiel waren. Hätte ich nach diesen Erfahrungen eine Rezension geschrieben, wäre allerhöchstens eine durchschnittliche Wertung herausgekommen, eben ein "nett". Heute zählen diese Spiele wie gesagt zu den "all-time-favourites",für die man mich nachts wecken kann.
Nice dice
Michael

Prototypen - "nett"-Bewertung

Verfasst: 30. Juli 2001, 02:06
von Roman Pelek
Hi Michael,
>Bei der Bewertung von Prototypen sind es allerdings ganz anders aus, die Bezeichnung "nett" ist das Todesurteil für ein Spiel, ein K.O.-Kriterium bester Qualität und schlimmer als zwei Jahre nichts zu Weihnachten! Kein Verlag der Welt wird ein als "nett" charakterisiertes Spiel in sein Programm aufnehmen, hier muss die Überzeugung dasein, dass ein Spiel mindestens "gut" ist - leider sind diese Einschätzungen nicht immer ganz korrekt, wie wir alle aus schlechten Erfahrungen wissen!<
Hm, dann müssen die Meinungen ja wirklich extrem weit auseinandergehen. Wenn man sich den Spielemarkt anschaut, sind viele objektiv nette Spiele dabei, die nach je nach Geschmack mal als "naja, geht so" bis "ja, wirklich schönes Spiel" beurteilt werden.
Aber es gibt nur sehr, sehr wenige, denen man übereinstimmend nach vielfachem Spielen das Prädikat "richtig gut" bis "hervorragend" verleihen würde. Gemessen an diesen Ansprüchen dürften dann 90% aller Spiele nicht auf dem Markt sein... Sie sind es aber doch ;-)
Ciao,
Roman (der "nett" nicht für so vernichtend hält, sondern eher als "muss nicht jeder haben" oder "muss man nicht jedes Mal spielen")

re: nette Spiele

Verfasst: 30. Juli 2001, 08:24
von Dirk Piesker
Hallo Bernd,
es stimmt schon: aus einem guten Verriss kann ich oft mehr herausholen als aus einer Besprechung, die zu zahm ist. Es ist ja schon problematisch, hier ins Forum zu schreiben, dass man Spiel XY ziemlich beknackt findet. Sofort wird man "belehrt", diesem armen Spiel doch noch eine Chance zu geben, und doch noch diesem und jenem Aspekt mehr Aufmerksamkeit zu schenken... Es gab und gibt ja genug Diskussion darüber, wie oft man ein Spiel denn gespielt haben muss, um eine Meinung, geschweige denn eine Rezension abzugeben.
Wie auch immer: Gerade hier online sollten Rezensionen auch deutlich formuliert werden, denn jeder hat ja auch die Möglichkeit, seine eigene, andere Sicht auf das Spiel zu veröffentlichen.
Dirk (der auch immer zu faul ist, mal eine Rezi zu schreiben)

Meinungen und Rezis zu Spielen

Verfasst: 1. August 2001, 15:18
von Roman Pelek
Hi Dirk
>Es ist ja schon problematisch, hier ins Forum zu schreiben, dass man Spiel XY ziemlich beknackt findet. Sofort wird man "belehrt", diesem armen Spiel doch noch eine Chance zu geben, und doch noch diesem und jenem Aspekt mehr Aufmerksamkeit zu schenken...<
Hm, so wie ich das beobachtet habe, lag's mehr an der Form, Ausdrucksweise o.ä., wenn daraufhin "belehrt" wurde. Aber wer extreme Positionen vertritt, muss auch akzeptieren, dass andere andere Positionen vertreten.
Ausserdem find ich's immer spannend hier im Forum, weil einem in der Tat viele Leute oft auf Sachen aufmerksam machen, die man _in der Tat_ übersehen hat und einem helfen, ein Spiel besser zu würdigen. Mit einem "das Spiel ist scheisse"-Kommentar, der auf einer halben Partie, die falsch gespielt wurde, beruht und unwidersprochen stehen gelassen wird, ist doch niemandem gedient, oder? Da ist es doch nur rechtens, dass andere ihre Meinung dazu abgeben oder evtl. Sachen korrigieren. Zudem muss man damit rechnen, in einem Diskussionsforum in Diskussionen verwickelt zu werden ;-))
>Es gab und gibt ja genug Diskussion darüber, wie oft man ein Spiel denn gespielt haben muss, um eine Meinung, geschweige denn eine Rezension abzugeben.<
Zur Meinung hat niemand was gesagt, eher zur Rezension. Es wäre höchstens wünschenswert, wenn man manche zum Ausdruck bringen, wenn sie eine Meinung äussern, ob diese auf erstem Anspielen oder mehreren Partien beruht, damit man die Meinung besser einordnen kann.
>Wie auch immer: Gerade hier online sollten Rezensionen auch deutlich formuliert werden, denn jeder hat ja auch die Möglichkeit, seine eigene, andere Sicht auf das Spiel zu veröffentlichen.
Dirk (der auch immer zu faul ist, mal eine Rezi zu schreiben)<
Rezensionen sollten immer deutlich aber fair formuliert werden ;-) Man sollte aber bei aller subjektiven Deutlichkeit objektive Kriterien oder Meinungen anderer Spieler in den Runden vielleicht nicht ganz ausser acht lassen. Mir zumindest hilft ein "Ich finde, das Spiel grottenschlecht, weil... aber einige in unseren Runden hatten dennoch ihren Spass daran." besser als ein lapidares "Das Spiel ist Mist" :)
Ciao,
Roman