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Brett oder Schirm ?

Verfasst: 30. August 2001, 21:00
von Johannes Ackva
Hallo !

Der Siegeszug der Computerspiele ist mittlerweile klar zu erkennen. Für die Entwicklung werden Millionen ausgegeben, es gibt hunderte Computerspielzeitschriften und auch die Verkaufszahlen sind riesig.

Dagegen das Brettspiel. Die Verkaufszahlen sind bis auf wenige Ausnahmen
(Siedler von Catan, Wer wird Millionär) relativ gering. Und auch die Spielezeitschriften sind nicht besonders üppig - mehr als 20 wird es wahrscheinlich nicht geben - , und auch das Motivieren von Nichtspielern (keine Beleidigung) ist oft mehr als schwierig.

Wird das Brettspiel aussterben ? Wird es sich ans Computer-Zeitalter anpassen und welche Vorteile hat das Brettspiel überhaupt noch gegenüber dem Computerspiel ?


Mit spielerischen Grüßen

Johannes, der gerne spielt, aber dieses Thema wichtig findet und auf eine lebhafte (aber ohne Beschimpfungen) Diskussion hofft.

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 30. August 2001, 22:02
von Michael Werner
Hallo Johannes,

nein, die Brett- und Kartenspiele werden sicherlich nicht aussterben. Sie werden m.E. nur in der Altersgruppe bis ca. 30 nicht mehr sehr gefragt sein. Hier wird der Anteil sicherlich geringer werden. Ich zocke auch gern stundenlang PC-Games aber wenn ein Anruf kommt zum Siedlern oder meine Freundin mit der Babel-Schachtel wackelt, ziehe ich das Brettspiel jedem PC-Spiel vor.

Warum? Weil ich hier einfach die Möglichkeit habe das Spielerische mit dem angenehmen zu vereinen. Interaktion zwischen den Mitspielern ist hier das Zauberwort. Reden, lachen und streiten mit natürlichen Personen wissen viele nicht mehr zu schätzen. Durch die Spiele erhalten die Menschen das und nicht nur tolle Grafik, Sound und Mausklicks. Schau dich in deinem Freundeskreis um. Welche Leute siehst Du privat am meisten? Ich denke Verwandte und Deine Mitspieler. Leuten mit denen Du kumunizieren willst.

Man muß aber den Leuten einfach mal das Thema "Spiel" näher bringen, dann klappt´s auch mit´n Nachbarn. Wenn ich heute zu einem PC-Spieler sage, komm spielen wir Siedler, bekomme ich als Antwort zu hören. Nein, hat nur 70 % in der BlaBlaBla-PC-Zeitschrift erhalten. Mach Dein Spiel etwas geheimnissvoller und schon ist er interessiert daran. So haben wir unzählige Leute schon zum Rollenspielen bewegt. Während der Rollenspiel-abenden aber auch einfach mal ein Brettspiel eingeworfen. Seitdem findet sich immer irgend jemand zum Spielen, egal welche Art von Spiel. Der eine lieber das, der andere eben jenes. Hauptsache spielen.

Und das trotz Familie, Kinder, Arbeit und sonstigen "Ausreden". Der Trend wird am PC sowieso zu Online-Spielen gehen. Dies ist natürlich ein Faktor der dem Brettspiel gefährlich werden kann. Online-Spiele sind aber nur ein Teil des ganzen. Sie dir einfach mal die Tausende von Skat- oder Schaffkopfrunden an, da sind sicher mehr Leute insgesamt beteiligt als Spieler vor Ihrem PC sitzen. Oder den Kegelklub oder oder.

Es wird bei den Brettspielen immer Zyklen geben. Mal wird mehr gespielt mal weniger. Dies hängt natürlich auch mit der Qualität der Spiele zusammen. Mermory (jetzt mal ohne Wertung) ist halt einfach nicht so interessant als die vielen guten Spiele der letzten Jahre. Die Spielkultur hat sich m.E. durch diese Qualität aber auch verändert. Es macht einfach mehr Spaß ein Spiel zu spielen als vor einigen Jahren als man Plastikteile aus einem Haifisch angeln musste. MB präsentiert (Gooooonnnng).

Es macht hier einfach die Mundpropaganda aus. "Du, gestern haben wir 8 Stunden Diplomacy gespielt, das war geil" "Wie, 8 Stunden ein Spiel?". "Klar, mach doch mal mit". Man muss für unser Kulturgut "Spiel" schon Arbeit leisten, die sich aber auch lohnt.

In einem gebe ich Dir aber natürlich recht, wenn ich die Kinder und Jugendliche von heute anschaue wird mit schlecht. Gameboy, PS, Saturn, X-Box. Scheiss Konsum. Hier kann und muss aber jeder Vater und Mutter versuchen dies einigermassen in Grenzen zu bringen. Ich weis ist schwer, aber nicht un-möglich.

Grüße

Michael (der hier noch viel mehr schreiben könnte)

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 00:39
von Christian Schnabel
Hallo Johannes,

ich denke Brett- und Kartenspiele werden nicht aussterben. In Deutschland wird viel zu gerne in geselliger Runde gespielt, z.B. klassisch in Skat-, Schach- oder Bridgevereinen.
PC-Spiele können mich auch in den Bann ziehen, z.B. Simulationen wie Civilisation, Weltraumballerspiele a`la Wingcommander oder Strategiespiele wie Battle Isle und natürlich die geliebten Adventures. Allerdings stellt sich bei dem notwendigen Zeitaufwand recht schnell eine gewisse "Vereinsamung" ein.
Hier sehe ich den großen Vorteil der Brett- und Kartenspiele; in (hoffentlich) entspannter,fröhlicher Runde mit Anderen Spaß haben.
Ein weiterer Vorteil: Menschen reagieren emotional, machen Fehler, sind spielerischen Schwankungen unterworfen (Blackout, nachlassende Konzentration oder ein geradezu genialer Gedankenblitz...). Ein Elektronengehirn agiert hingegen immer innerhalb der programmierten Parameter (allerdings ohne Ermüdung und ohne dadurch in der Folge Fehler zu produzieren) und spielt auf einem konstanten, gleichbleibenden Niveau.
Fazit: Ich spiele gerne gegen den Rechenknecht, aber viel lieber mit realen Menschen. Das bereitet (zumindest mir) viel viel viel viel... mehr Spaß (unabhängig vom Ergebnis).

Viele Grüße

Christian Schnabel
(der in den letzten Jahren wesentlich mehr Geld für Brettspiele ausgab.)

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 08:25
von Christiane Knepel
Hallo Johannes,
das Brettspiel wird keinesfalls aussterben.
Zu jedem Trend (Computerspiele) gibt es auch einen Gegentrend.
Da die meisten Menschen mehr und mehr vor dem Computer
hocken, beruflich und privat, sind die irgendwann froh, wenn sie
mal was anderes vor Augen haben als den Bildschirm.

Und was gibt es Netteres als bei einem schönen Glas Wein
in netter Atmosphäre mit guten Freunden ein spannendes
Spiel zu spielen? Das ist ganz klar Abwechslung und Tapetenwechsel
zur Computerwelt...
Liebe Grüße
Christiane (die im Büro sitzt und noch etwas verschlafen aus dem
Kragen linst...)

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 09:00
von KMW
Moin,

die Befürchtung, dass Video- oder PC-Spiele die konventionellen Brettspiele verdrängen, gibt es, seit die ersten Atari Spielkonsolen auf den Markt kamen. Das dürfte inzwischen wohl an die 20 Jahre her sein. Angesichts dieser Zeitspanne haben sich die Brettspiele doch schon ganz schön gut behauptet.

Was gegen die PC-Spiele spricht ist, dass der Markt überschwemmt wird mit -zig Varianten einiger ganz weniger Spielideen, jedenfalls nach meinen oberflächlichen Beobachtungen. Irgendwann wird das dann doch eher langweilig.

Was ich allerdings bedenklich finde ist, dass wir im deutschsprachigen Raum mittlerweile so eine Art Spieleroase bilden. Als ich mit dem Spiele-Hobby in den 70er Jahren anfing, haben wir uns viele interessante Spiele aus dem Ausland importiert. England, die USA, auch Frankreich boten jede Menge anspruchsvoller Titel, nach denen man hierzulande vergeblich suchte. In England gab's die legendäre Zeitschrift "Games & Puzzles", in Frankreich mit "Jeux & Strategie" die beste Spielezeitschrift überhaupt, angeblich mit einer Auflage weit über 100.000! Und heute? Heute kommen Franzosen, Engländer und Amerikaner nach Essen, um sich hier mit Spielen zu versorgen oder importieren die Titel in ihre Länder - wobei die verkauften Auflagen dort vergleichsweise niedrig sein sollen (hat mir zumindest vor Jahren mal ein Amerikaner in Essen erzählt). Man kann nur hoffen, dass die Spielszene wenigstens hierzulande weiter so floriert.

KMW

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 09:01
von Bettina
Michael Werner schrieb:

> Und das trotz Familie, Kinder, Arbeit und sonstigen
> "Ausreden".

Kinder = Ausrede????

> In einem gebe ich Dir aber natürlich recht, wenn ich die
> Kinder und Jugendliche von heute anschaue wird mit schlecht.
> Gameboy, PS, Saturn, X-Box. Scheiss Konsum. Hier kann und
> muss aber jeder Vater und Mutter versuchen dies einigermassen
> in Grenzen zu bringen. Ich weis ist schwer, aber nicht
> un-möglich.

Im Gegenteil!!!!

Vor Kurzem befragte mich eine Freundin "dienstlich" (ich bin Erzieherin):
"Sag mal, stimmt es, dass die Kinder heute nur noch vor PC und TV sitzen?"
Nach einer kurzen Unterhaltung erfuhr ich folgende Geschichte.
Meine Freundin war zu Besuch bei "Spielefreunden".
Die vier Erwachsenen spielten, während sich der 12-jährige Sohn langweilte.
Der Vater nahm das zum Anlass, über die PC-spielende Jugend zu schimpfen. Als aber meine Freundin vorschlug, der Junge solle mitspielen, bekam der Vater kugelrunde Augen.
Noch mehr, als Sohnemann voll Begeisterung dabei war und sich als vollwertiger Mitspieler entpuppte - von Langeweile keine Spur!!!

Ich finde die Geschichte bezeichnend.
Als Honorarkraft für "Spiele" im Hort, habe ich schon wunderschöne Spielerunden mit den 7- bis 12-jährigen erlebt, und zwar nicht mit Memory...
DSvC, Elfenland, Linie 1, Entdecker uvm standen schon auf dem Programm.
Zu Hause hat keiner Zeit mit den Kindern zu Spielen (schlechte Ausrede - und dann noch über die Jugend jammern.....).

Natürlich gibt es auch Kinder, die kein Interesse am Brettspiel haben. Aber, liebe Eltern, wenigstens ausprobieren solltet ihr es!

Mit spielerischen Gruß
Bettina (die gerne mit Kindern spielt)

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 09:06
von Bettina
Johannes Ackva schrieb:
> Wird das Brettspiel aussterben ? Wird es sich ans
> Computer-Zeitalter anpassen und welche Vorteile hat das
> Brettspiel überhaupt noch gegenüber dem Computerspiel ?
>
>
> Mit spielerischen Grüßen
>
> Johannes, der gerne spielt, aber dieses Thema wichtig findet
> und auf eine lebhafte (aber ohne Beschimpfungen) Diskussion
> hofft.


Hallo Johannes,

einige Vorteile wurden schon benannt.
Dazu kommt für mich noch, dass das Brettspiel (fast) überall zu spielen ist.
Im Garten, im Schwimmbad, in der Kneipe und nicht zu vergessen im Urlaub.

Und solange das Brettspiel unseren Kindern auch noch nahegebracht wird, wird es IMMER brettspielende Menschen geben.

Liebe Grüße
Bettina (die ihre Speilekiste für den Urlaub schon gepackt hat :-))

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 10:28
von Das Wiesel
Hallo KMW,

das faszinierende an diesem Ereignis in Essen ist dabei, dass dei Amis und Engländer nun das gleiche Problem haben, wie wir Deutschen Anfang der 80er:
suamäßige Regelübersetzungen.

Die ganze Spielewelt hat sich sozusagen gedreht. So schlimm finde ich das allerdings nicht. Endlich schwappt von Deutschland aus mal etwas Kultur in andere Länder und nciht umgekehrt.

Gruß
Das Wiesel

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 10:33
von peer
Hi,
ich denke, dass gerade durch Magic, Pokemon und Siedler das Brettspiel wieder - auch bei der Jugend! - an Boden gut gemacht hat. Es ist einfach so, dass man sich mit einem Computer prima unterhalten kann, wenn man alleine ist (gute Solo-Brettspiele sind selten). Will man aber mit mehreren Leuten spielen, haben sich Computer im wensentlichen nicht durchgesetzt - mehrehre Leute vor einem PC sind unpraktisch (und nur You dont know Jack hat sich als ein solches Programm durchgesetzt) und Netzwerkpartys sind für den Nicht-Freak zu kompliziert und aufwendig. Hier liegt das Brettspiel vorne.
MaW: Ich schliesse mich meinen Vorrednern an ;-)
Ach ja, die Welt wartet noch auf eine sinnvolle, spielerische Verknüpfung von Brett + Computer (die Verwaltung von 18xx ist ja noch keine neue Spielidee)!
ciao,
Peer

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 10:56
von Roland G. Hülsmann
peer schrieb:

> Will man aber mit mehreren
> Leuten spielen, haben sich Computer im wensentlichen nicht
> durchgesetzt - mehrehre Leute vor einem PC sind unpraktisch
> (und nur You dont know Jack hat sich als ein solches Programm
> durchgesetzt) ...

Es gibt da schon ein paar mehr tolle Konsolenspiele für mehrere (2 - 4) Leute. Ich denke nur an MARIO-PARTY 1 + 2 für N64, SONIC SHUFFLE für den DREAMCAST oder auch an TWISTER für den 3DO, das bei uns sdchon für manchen heiteren Abend gesorgt hat. Und jetzt gibt es so etwas auch für den Gameboy Advance. Falls jemand Näheres dazu wissen will einfach mal fragen (ich habe die geannten Spiele).

Außerdem gab es da auch eineninteressanten Thread zum Thema Verbindung von Brettspielen und Computer in diesem Forum. Für den ZX81 und ZXSpectrum hatte ich in den 80ern Einiges gemacht ...

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 11:50
von Michael Werner
Hallo Bettina,

nicht das Du mich falsch verstehst, Kinder sind keine Ausreden. Aber wenn die um 8 oder 9 im Bett sind, setzt sich doch manch einer lieber noch "eine Stunde" vor den PC. Ist ja auch ok so. Nur meistens werden es mehrere Stunden die man dort verbringt. Nimmt man dafür die "Ausrede Kind" für einen persönlich auch her?
Ich denke nicht.

Das in Kindergärten und im Hort auch vernüftige Spiele gespielt werden finde ich toll. Ist es aber in jedem Hort so? Ist jedes Kind überhaupt im Kindergarten oder im Hort (Kosten, verfügbare Plätze?). Was ist mit den vielen Kindern, wo beide Eltern arbeiten müssen, um überhaupt einigermassen "leben" zu können. Was machen diese Kinder nachmittags?

Fragen über Fragen. Wir können nur hoffen, das Deine Geschichte mit Spielen, in den Kinder auch mitspielen dürfen / können, in sehr vielen Fällen wiederholt wird.

Ich denke wir tuen unser bestes.

Michael

Re: Brett oder Schirm: Elfenland auf dem PC

Verfasst: 31. August 2001, 12:08
von KMW
...und gerade vor 30 Minuten landet eine Meldung in meiner Mailbox, die hier irgendwie hinpasst und die ich Euch nicht vorenthalten möchte, denn für unsere Essen-Vorschauseite muß ich sie erst noch aufbereiten:

In Essen wird eine PC-Version von "Elfenland" vorgestellt mit drei Spielarten:
1. das klassische "Elfenland", eine direkte Umsetzung des Brettspiels;
2. Elfengold, die Umsetzung des Originals "Elfenroads" (oder zu deutsch: die PC-Fassung von "Elfenland" mit "Elfengold")
3. Elfenwelt, eine Art Rollenspiel in der Elfenlandwelt. Mehr darüber demnächst auf unserer Essen-Vorschauseite.

KMW

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 12:12
von Bettina
Michael Werner schrieb:
>
> Hallo Bettina,
>
> nicht das Du mich falsch verstehst, Kinder sind keine
> Ausreden. Aber wenn die um 8 oder 9 im Bett sind, setzt sich
> doch manch einer lieber noch "eine Stunde" vor den PC. Ist ja
> auch ok so. Nur meistens werden es mehrere Stunden die man
> dort verbringt. Nimmt man dafür die "Ausrede Kind" für einen
> persönlich auch her?
> Ich denke nicht.

Einverstanden - diese abendlichen PC-Stunden stellen aber doch nicht die gesamte Brettspielwelt in Frage!?

> Das in Kindergärten und im Hort auch vernüftige Spiele
> gespielt werden finde ich toll. Ist es aber in jedem Hort so?
> Ist jedes Kind überhaupt im Kindergarten oder im Hort
> (Kosten, verfügbare Plätze?). Was ist mit den vielen Kindern,
> wo beide Eltern arbeiten müssen, um überhaupt einigermassen
> "leben" zu können. Was machen diese Kinder nachmittags?

Ui Ui - jetzt geht´s fast schon in die Politik ;-)
Ich erlebe leider im Berufsleben viele Familien, bei denen ich mich frage, warum die Kinder haben. Gewagte These -ich weiß, aber ich finde es einfach nur traurig, dass Familienleben immer kleiner geschrieben wird, und immer mehr Aufgaben auf öffentliche Einrichtungen abgewälzt werden...

Aber ich sehe ein - dies führt hier zu weit....

> Fragen über Fragen. Wir können nur hoffen, das Deine
> Geschichte mit Spielen, in den Kinder auch mitspielen dürfen
> / können, in sehr vielen Fällen wiederholt wird.

Ich hoffe es sehr - und tue auch ohne eigene Kinder mein Bestes dafür.

> Ich denke wir tuen unser bestes.

Das höre ich gerne ;-))


Liebe Grüße
Bettina (plädiert für "mehr zeit für kinder")

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 13:28
von Christian Schnabel
Hallo Knut,

Deutschland ist hoffentlich nicht die letzte Spieleoase, wohl eher z.Z. der "Spielenabel" der Welt.
Natürlich kamen früher die "interressanten Spiele" aus dem Ausland. Aber was hatte Deutschland vor 20 - 25 Jahren denn auch spielerisch zu bieten? Für mich war die BRD damals im Vergleich zu Heute wohl eher eine "Spielewüste". Geändert hat sich dies m.E. erst mit dem SDJ. Und selbst in den ersten Jahren nach Gründung der Jury "Spiel des Jahres" waren die Spielejahrgänge derart schlecht, daß die verschiedenen Neuheiten immer wieder auf die (zudem sehr kleine) Auswahlliste gesetzt wurden (bis dann endlich der Titel errungen wurde; oder auch nicht).
Außerdem: Das Material der importierten Spiele war ja teilweise eine echte "optische Beleidigung". Ich denke da mit einigen Grausen an Outpost, Medival Empire, Save the President...
Daß Engländer, Franzosen und Ami`s heute lieber gut ausgestattete "German Games" erwerben; - ich kann es gut nachvollziehen.

Viele Grüße
Christian Schnabel

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 14:55
von Timmi
Hallo!

Hier möchte ich mich doch mal einklinken.

Wir haben festgestellt, daß immer weniger Leute in unserem Bekanntenkreis Lust zum Spielen haben. Entweder sie haben keine Lust sich zu konzentrieren ("Bloß nix kompliziertes, wo man viel denken muß!") oder fürchten eine Niederlage und fegen dann den ganzen Spielplan vom Tisch (Gibt nix schlimmeres als schlechte Verlierer!). Meistens scheitert es an zu langen oder komplexen Regelwerken. Was einen Gelegenheitsspieler wie mich erst richtig reizt, ist denen schon zu aufwendig. Die Leute sind halt vom Job gestresst und wollen Ihre Ruhe haben. Es bringt Ihnen schlicht und ergreifend keinen Spaß. Für ein Brettspiel braucht man Fantasie und Bereitschaft zur Kommunikation, am Computer aber wird einem dies alles schon vorgekaut, denn hier (machen wir uns doch nichts vor) dominieren stupide "Ballerspiele". (Finde ich!) Der steht auch gleich schön neben dem Sofa, und man muß nirgendwo mehr hinfahren. Außerdem: Computerspiele gibt's in ausreichender Menge überall, um eine entsprechende Auswahl an Brettspielen zu haben, muß man manchmal ganz schön laufen.

Zum Thema Kinder kann ich nur sagen: Seitdem unsere Tochter (jetzt 4 Monate alt) da ist, kommt man schwerlich zum Spielen. Hin und wieder mal ein Abend zu zweit. Doch wenn Freunde und Bekannte ebenfalls Kinder haben, kann man einen gemütlichen Spieleabend vergessen, den die lieben Kleinen müssen ins Bettchen.
Nichtsdestotrotz haben wir letzte Woche endlich wieder einen Spieleabend bei uns gemacht und es sehr genossen. Spielen konnten wir jedoch wieder nur die Siedler, denn das andere ist ja zu kompliziert. Schnüff!

Wir hoffen jedoch, daß unser Nachwuchs später mal genauso gerne spielt. An der Erziehung und den Genen kann es nicht liegen!

Tschüß
Timmi

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 15:00
von Ralf Arnemann
Moin Knut,

Zustimmung zu Deinen Beobachtungen.
Aber die pessimistische Schlußfolgerung kann ich nicht teilen.

Die Spielerszene in Deutschland ist quantitativ und vor allem qualitativ enorm gewachsen - aber umgekehrt ist die Szene in USA und UK ja nicht kaputt gegangen. Sondern sie haben halt unser Wachstum nicht mitgemacht und der Exportüberschuß geht jetzt in die andere Richtung.

Ich möchte sogar vermuten (ohne Beleg), daß der Import von englisch-sprachigen Spielen in Summe sogar zugenommen hat. Nur die Relation zur umgekehrten Richtung ist halt anders geworden.

Spielende Kinder

Verfasst: 31. August 2001, 15:34
von Ralf Arnemann
> Die vier Erwachsenen spielten, während sich der 12-jährige Sohn
> langweilte. Der Vater nahm das zum Anlass, über die
> PC-spielende Jugend zu schimpfen.
Sehr erstaunlich.
Ich habe schon Väter erlebt, die selber jeden Abend vor der Glotze hängen und zwischendurch die Kinder beschimpfen, weil diese zuviel fernsehen ...

Denn nach meiner Erfahrung kümmern sich Kinder sehr wenig um das, was die Eltern predigen, aber sehr viel darum, was diese ihnen vorleben.

Und im spielerischen Teil unserer Bekanntschaft habe ich es noch nie erlebt, daß nicht auch die Kinder frühzeitig mit einbezogen wurden.

OK, mancher World-in-Flames-Fanatiker wird vielleicht wenig Lust haben, mit seinem Dreijährigen ein kooperatives Farbwürfelspiel zu machen.
Den meisten ist aber der Umgang mit ihren Kindern wichtiger als die Qualität des konkreten Spiels.

Und mit einem 12-Jährigen kann man ja nun schon fast alles spielen - wie kann man sich die Chance entgehen lassen, einen weiteren Mitspieler im Hause zu gewinnen?

Ich kann die Szene überhaupt nicht nachempfinden und hoffe, daß das eine krasse Ausnahme ist.

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 15:34
von Ralf R
Roland G. Hülsmann schrieb:

> Außerdem gab es da auch eineninteressanten Thread zum Thema
> Verbindung von Brettspielen und Computer in diesem Forum.

Einfach mal nach dem Thread [Projektidee "Fusion von PC und Brettspiel"] suchen. Zur Zeit bin ich aber beruflich zu eingespannt, um das Projekt aktuell weiter zu entwickeln. Die Idee ist aber nicht gestorben... nur verschoben auf die langen Winterabende! :-)

Bye/Ralf R

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 15:36
von Bettina
Timmi schrieb:
> Wir hoffen jedoch, daß unser Nachwuchs später mal genauso
> gerne spielt. An der Erziehung und den Genen kann es nicht
> liegen!

Genau! Und diese Einstellung findet man leider bei wenig Eltern - nix anderes wollte ich sagen.
Ihr werdet bestimmt viel Spass mit der Kleinen haben - wenn sie größer ist ;-))

Liebe Grüße
Bettina

Re: Spielende Kinder

Verfasst: 31. August 2001, 15:39
von Bettina
Ralf Arnemann schrieb:
> Denn nach meiner Erfahrung kümmern sich Kinder sehr wenig um
> das, was die Eltern predigen, aber sehr viel darum, was diese
> ihnen vorleben.

Korrekt
>
> Und im spielerischen Teil unserer Bekanntschaft habe ich es
> noch nie erlebt, daß nicht auch die Kinder frühzeitig mit
> einbezogen wurden.

Das ist Balsam für meine Augen ;-))

> Und mit einem 12-Jährigen kann man ja nun schon fast alles
> spielen - wie kann man sich die Chance entgehen lassen, einen
> weiteren Mitspieler im Hause zu gewinnen?
>
> Ich kann die Szene überhaupt nicht nachempfinden und hoffe,
> daß das eine krasse Ausnahme ist.


Das hoffe ich auch!! Aber die Geschichte ist leider wahr. Und diese Eltern sind auch noch Spielefreaks - tsts.

Grúß
Bettina

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 15:53
von Hans-Peter Anton
Johannes, ich finde, dass ein Brettspiel dem Computerspiel überlegen ist und dass es interessanter ist, weil

- Du vereinsamst nicht, sondern bist umgeben v. Gleichgesinnten
- Es werden mehr Sinne angesprochen. Dadurch wird das Spielerlebnis intensiver.
- Es macht Spaß, seinen besten Freund mal so richtig fertig zu machen, ohne ihm in der Realität weh zu tun.
- Du musst nicht auf ein vorgegebenes Programm reagieren, sondern
auf Menschen, mit all ihren Mängeln und Überraschungen, d.h. die psychologische Komponente bringt viel Spaß ins Spiel.
Bei unseren Spieleabenden gibt es immer wieder großes Gejohle,
wenn jemand einen scheinbaren Überraschungscoup landet und sagt
"Ich habe mir gedacht, dass zu das vorhast." Besonders lustig ist es dann, wenn der Angesprochene kontert: "Ich wusste, dass Du denkst ich hätte das vor. Darum kommt jetzt dieser Zug" usw.
Es ist halt einfach lustiger, es bringt viel mehr Spaß, ein
Brettspiel zu spielen.

Das Motivieren von Nichtspielern finde ich nicht so schwer, wenn man die richtige Auswahl an Spielen bereithält. Man muß auf die Persönlichkeit der bisherigen Nichtspieler eingehen, um sie nicht zu überfordern. Mit einem einfachen "Royal Turf" oder "can't stop" zum Beispiel (macht ja durchaus auch Spaß) kann man diese leute ans Spielen heranführen und von mal zu mal was komplizierteres spielen. (Oder auch nicht. Auch Spiele mit ganz einfachen Regeln können Spaß machen)

In diesem Sinne
Halt die Pöppel hoch
Hans-Peter

Re: Brett oder Schirm ?

Verfasst: 31. August 2001, 16:29
von Timmi
Tach,

sicherlich hat die Spielerszene zugenommen, aber die breite Masse an Wenig- bzw. Gelegenheitsspielern hat doch sicherlich stark abgenommen und sich dem PC zugewandt. Früher hat der eine oder andere in der Familie z.B. "Mensch ärgere dich nicht" (ich weiß, blödes Beispiel) gespielt, doch heute gibt's da doch eher den Gameboy bzw. den PC. So wird das Brettspiel sicherlich weiterhin bestehen bleiben, doch eher für einen kleinen, harten Spielerkern. Schade...

Timmi

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 16:30
von Michael Werner
>Die Leute sind halt vom Job gestresst und
>wollen Ihre Ruhe haben.

Bin auch mal bzw. will ich auch mal. Aber jedes mal?

>Es bringt Ihnen schlicht und ergreifend keinen Spaß. Für ein Brettspiel braucht man Fantasie und Bereitschaft zur Kommunikation, am Computer aber wird einem dies alles schon vorgekaut, denn hier (machen wir uns doch nichts vor) dominieren stupide "Ballerspiele".

Ja, leider meistens (es gibt aber auch viel anderes)

>Außerdem: Computerspiele gibt's in ausreichender Menge überall, um eine entsprechende Auswahl an Brettspielen zu haben, muß man manchmal ganz schön laufen.

Ich weis ja nicht wo Du wohnst, aber wo´s bei uns PC-Spiele gibt, finde ich auch ´ne große Auswahl an Brettspielen.

> Zum Thema Kinder kann ich nur sagen: Seitdem unsere >Tochter (jetzt 4 Monate alt) da ist, kommt man schwerlich zum
> Spielen. Hin und wieder mal ein Abend zu zweit. Doch wenn
> Freunde und Bekannte ebenfalls Kinder haben, kann man >einen gemütlichen Spieleabend vergessen, den die lieben >Kleinen müssen ins Bettchen.

Volle Zustimmung! Aber was ist wenn die Kinder älter werden?

> Nichtsdestotrotz haben wir letzte Woche endlich wieder einen
> Spieleabend bei uns gemacht und es sehr genossen.

Hierzu Glückwunsch, ich hoffe es werden in Zukunft für euch mehrere Abende folgen.

> Wir hoffen jedoch, daß unser Nachwuchs später mal genauso
> gerne spielt. An der Erziehung und den Genen kann es nicht
> liegen!

Viel Erfolg dabei!

Auf eine glückliche, spielende Familie.

Michael

Re: Brett und Schirm !

Verfasst: 31. August 2001, 17:47
von Sönke Weidemann
Hi!

Wenn ich mir die Antworten so ansehe, bin ich glaub´ ich nicht der einzige, der Brett- und PC-Spiel durchaus gleichberechtigt nebeneinander existieren sieht. Ich oute mich jetzt: ja, ich spiele sehr gerne Tomb Raider, auf den nächsten Teil bin ich schon sehr gespannt (nur ist die PS2 noch viel zu teuer).

Aber für einen netten Spieleabend mit noch netteren Leuten lasse ich jede Konsole links liegen. Und da in meinem Freundeskreis die gleiche Einstellung herrscht, mache ich mir keine Sorgen: Es wird weiterhin einen riesigen Ausstoß an tollen PC-Spielen geben, es wird weiterhin viele gute Brettspiele geben.

Eines ist jedoch klar: Keine noch so leistungsstarke KI wird jemals den Blick in das Gesicht eines Mitspielers über ein Spielbrett hinweg ersetzen.

Gruß Sönke (der sich auf Essen noch mehr freut als auf TR6)

Re: Brett oder Schirm ? (lang)

Verfasst: 31. August 2001, 17:53
von Timmi
ähem... wohne in Hamburg, finde aber, daß das Angebot an PC-Spielen in der Regel besser sortiert ist als das von Brettspielen. -Wenn man schnöde im Kaufhaus kauft.

Timmi