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Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 6. September 2001, 17:52
von Kathrin Nos
In letzter Zeit hatten wir häufiger die Gelegenheit, mit Leuten zu spielen, die sonst wenig spielen. Daher haben wir uns einige Gedanken gemacht, welche Art von Spielen für solche Gelegenheiten besonders geeignet sind - es soll ja sowohl den Viel- als auch den (Noch-)Nicht-So-Vielspielern Spass machen.

Konkrete Vorschläge gibt ja hier bei spielbox-online, siehe Link - ich möchte hier eher versuchen herauszufinden, welche Eigenschaften ein Spiel allgemein für eine solche Spielerrunde geeignet machen.

Spiele mit einer oder mehreren der folgenden Eigenschaften sind meiner Meinung nach gut geeignet, um sie mit Wenig-Spielern zu spielen:

o Glücksfaktor
o Bluff
o Handeln
o Kurze Spielphasen
o ...?

Kurze Spielphasen, damit meine ich z.B. Spiele wie Carcassonne: Ein Plättchen ziehen, anlegen, evt. Figur einsetzen, oder Cartagena: Bis zu drei Mal Karte spielen oder zurückziehen. Spielfehler am Anfang wirken sich nicht krass auf den weiteren Spielverlauf aus.

Beim Handeln sehen ja alle, wie es geht und was es einbringt. Ein gutes Beispiel finde ich Bohnanza. Schwieriger finde ich zum Beispiel Die Händler (nicht die von Genua - auf die bin ich beim Probespiel in Essen gespannt :-) ), denn dort kann man sich beim Handeln und Versteigern mal sehr verschätzen und rutscht dann sehr weit ab. Klar, das ist ein Reiz des Spiels (wir mögen es in unserer (Viel-)Spielerrunde sehr), aber schafft eher Frust, wenn es dem weniger erfahrenen Spielenden passiert, während die anderen voranpreschen.

Bluff fiel mir ein, weil wir in solchen Runden auch gerne Adel verpflichtet auf den Tisch bringen. Dort ist nach der ersten Runde eigentlich auch klar, wie es geht und Erfolgserlebnisse sind schnell erzielt (wenn man sich nicht gerade von den Dieben ausbluten lässt und dann ewig lang auf eine neue Ausstellung sparen muss.....).
Aber allgemein der Mechanismus "Alle legen eine verdeckte Karte/Plättchen/... vor sich hin und drehen gleichzeitig um" kommt gut an, weil auch ohne weitreichende strategische Überlegungen Erfolgserlebnisse eintreten.

So, ich erhebe natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Ich freue mich auf Eure Kommentare und Ideen.

Alles Gute wünscht
Kathrin.

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 6. September 2001, 19:00
von Hans-Peter Anton
Hallo Kathrin,

wir haben viele Freunde, die "Nicht-Spieler" sind und es ist mir bis jetzt immer gelungen mit ihnen ein Spiel zu machen, dass ihnen auch Spass gemacht hat. Man muss die Leute dazu gut kennen, damit man weiss, was man von ihnen an Lernbereitschaft (Regeln) erwarten kann. Das klingt furchtbar pädagogisch, ist aber so nicht gemeint. Das entscheidende Kriterium, um Nicht-Spieler zum spielen zu verführen heißt: Klare, eindeutige und kurze Spielregel + übersichtlicher Spielplan (falls vorhanden).

Wenn sich die Leute auf ein kompliziertes Regelgeflecht einlassen müssen, verlieren sie in der Regelerklärungsphase leicht die Lust, sich auf ein Spiel einzulassen, werden unkonzentriert und wollen dann z.B. lieber Rommeé spielen.

Wenn die Regeln aber einfach sind (und das Spiel spannend) wird im Allgemeinen mit Elan an die Sache herangegangen und man hat neue Spielfreunde gewonnen, die sich im Laufe der Zeit dann auch mal auf was "koplizierteres" einlassen. Das muss man aber von den jeweiligen Personen abhängig machen, die man, wie bereits oben gesagt, gut kennen muss.

Gute Anfängerspiele, die trotzdem Spaß machen, sind meiner Meinung nach z.B.: Kartenspiele: 6 nimmt, Auf Achse, Titanic und bei Brettspielen: Can't stop, Top Race, Medina. (Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl)

Und eines noch: Ein Brettspiel sollte immer ein Thema haben, d.h. nicht abstrakt sein. Dann ist der Abend bei gemischten Runden gebongt.

Soweit meine Vorschläge.

Gut spiel!
Hans-Peter

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 6. September 2001, 22:36
von Bernd Eisen
Hallo Kathrin!

Ich denke, das hängt davon ab, wie gut Du Deine Leute kennst und was Du meinst von ihnen erwarten zu können.
Ich kann unterschiedlichen "Nicht-" oder "Wenigspielern" auch unterschiedliche Spiele auftischen.

Manche sind eben schnell überfordert und kaum in der Lage mehr als 2-3 Zusammenhänge zu verarbeiten und andere wiederum begreifen eigentlich alles recht schnell.

Bei der zweiten Gruppe kann ich fast alles ohne Einschränkung auftischen, bei den erstgenannten auch eher einfache Sachen, wie z.B. 6 Nimmt, Adel verpflichtet Anno Domini... da ist Carcassonne oder die Siedler schon die oberste Grenze.

Wenn ich dann mit Sachen wie Tikal, Kardinal und König oder Torres gekommen bin, saßen die Leute mit großen Augen um den Tisch, hatten nicht die Spur einer Chance und zum Schluß noch nicht wirklich verstanden, was sie da eigentlich gemacht haben.
Am Ende wurde doch Bluff, Therapy oder Tabu gespielt.

Zum Glück gibt es Spiele genug und zum Glück sind die Runden mit Wenigspielern eher seltener.

Gruß Bernd

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 10:18
von Carsten Wesel
Bernd Eisen schrieb:
>
> Bei der zweiten Gruppe kann ich fast alles ohne Einschränkung
> auftischen, bei den erstgenannten auch eher einfache Sachen,
> wie z.B. 6 Nimmt, Adel verpflichtet Anno Domini... da ist
> Carcassonne oder die Siedler schon die oberste Grenze.

Obwohl Carcassonne doch immer geht - oder nicht :-?
Das Siedler die Obergrenze ist, daß ist gar nicht mal so abwegig. Die meisten haben davon gehört und wollen es dann wahrscheinlich allein deshalb spielen. Auch wenn es evtl. ein Stück jenseits der Grenze ist, die sie normalerweise nicht überschreiten.


> Wenn ich dann mit Sachen wie Tikal, Kardinal und König oder
> Torres gekommen bin, saßen die Leute mit großen Augen um den
> Tisch, hatten nicht die Spur einer Chance und zum Schluß noch
> nicht wirklich verstanden, was sie da eigentlich gemacht haben.

Was völlig verständlich ist (Nein, nicht die Regeln für Seltenspieler, sondern die großen :O Augen)


> Am Ende wurde doch Bluff, Therapy oder Tabu gespielt.

:( was wirklich schade ist, wie sollen die dann an die wirklich schönen Spiele heran geführt werden.


> Zum Glück sind die Runden
> mit Wenigspielern eher seltener.

Weil sie nie mehr mit dir spielen oder anschließend Vielspieler werden?

Gruß Carsten (Klick mal auf den angegebenen Link - wundervoll ist's dort)

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 11:21
von Brigitte
Hallo Kathrin,

im allgemeinen stimme ich mit deiner Analyse überein, nur beim Thema Handeln habe ich bei Anfängern oft leichte Bauchschmerzen. Zu leicht werden sie bei vielen Spielen -oft auch nicht einmal beabsichtigt- über den Tisch gezogen, weil sie bestimmte Werte nicht sofort erkennen.
Gerade bei Bonanza kommt es häufiger vor, dass ein Neuling z.B. exakt Bohne gegen Bohne tauscht, egal ob Garten- oder Feuerbohne. Wenn die Mitspieler dann nur auf den eigenen Vorteil achten, haben Neulinge keine Chance.
Bei Siedler zum Beispiel bringen Anfänger anderen den Sieg, indem sie auch mit dem Führenden, der im Grundspiel schon 9 Punkte auf dem Brett hat, tauschen.

Daher ist von erfahrenen Spielern oft eine gewisse Selbstdisziplin erforderlich, um in Spielen mit Handelsmechanismen Neulinge nicht zu übervorteilen.

Am wichtiugsten sind meiner Meinung nach die kurzen Spielphasen, denn welcher Neuling hat Lust minutenlang zuzusehen, wie überlegt wird, was der beste Zug ist.
Auch ein Glücksfaktor sollte vorhanden sein, dann sind im Normalfall Spielfehler nicht so gravierend.

mit verspielten Grüßen
Brigitte B-]

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 12:12
von Sven Weiss
Ich glaube auch, dass die einfachen Regeln, oder vielleicht besser gesagt: einfach zu verstehende Regeln ein entscheidender Punkt sind. Neulich wurde in einer Spielerunde Carcassone folgendermassen erklärt: "Deck mal ein Plättchen auf, und jetzt leg es irgendwo an, wo es passt." Der Rest ergab sich dann im Spiel, nach zwei drei Runden hatte man es kapiert.

Gruss

Sven

Re: Was macht Spiele fr gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 13:31
von Volker L.
Brigitte schrieb:
>
> Hallo Kathrin,
>
> im allgemeinen stimme ich mit deiner Analyse überein, nur
> beim Thema Handeln habe ich bei Anfängern oft leichte
> Bauchschmerzen. Zu leicht werden sie bei vielen Spielen -oft
> auch nicht einmal beabsichtigt- über den Tisch gezogen, weil
> sie bestimmte Werte nicht sofort erkennen.
> Gerade bei Bonanza kommt es häufiger vor, dass ein Neuling
> z.B. exakt Bohne gegen Bohne tauscht, egal ob Garten- oder
> Feuerbohne. Wenn die Mitspieler dann nur auf den eigenen
> Vorteil achten, haben Neulinge keine Chance.
> Bei Siedler zum Beispiel bringen Anfänger anderen den Sieg,
> indem sie auch mit dem Führenden, der im Grundspiel schon 9
> Punkte auf dem Brett hat, tauschen.
>
> Daher ist von erfahrenen Spielern oft eine gewisse
> Selbstdisziplin erforderlich, um in Spielen mit
> Handelsmechanismen Neulinge nicht zu übervorteilen.

Oder aber von den anderen Spielern entsprechende Hinweise.
Vorsaetzlich ueber den Tisch ziehen (also wie oben beschrieben
eine Gartenbohne nehmen und eine Feuerbohne bezahlen) wuerde
ich nicht, das mit dem unbeabsichtigten Uebervorteilen kann
aber vorkommen. Da waere es dann aber die Aufgabe der anderen
Spieler, den Neuling darauf hinzuweisen, dass er bei einem
Geschaeft, dem er zustimmen wuerde, zu schlecht abschneidet.
Gruss, Volker

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 14:25
von Kathrin Nos
Hi,

Volker hat schon das geschrieben, was ich auch auf Brigittes Beitrag antworten wollte: Die Kommentare der erfahrenen Mitspieler, die natürlich darauf aufpassen, dass das Schnäppchen (in Brigittes Beispiel: Feuerbohne für Gartenbohne) nicht warnungslos über den Tisch geht, können einen Ausgleich beim Handeln schaffen (das Argument, dass man sich uU zurücknehmen muss, stimmt schon).

Ein Kommentar noch zu den Siedlern: Dieses haben wir in letzter Zeit kaum noch in gemischten Gruppen auf den Tisch gebracht. Grund: Zum einen reizen uns hauptsächlich die Städte&Ritter-Erweiterung oder Szenarien aus dem Buch oder die Historischen Szenarien, und bis man zu diesen vordringt, muss man bei Leuten, die davor nie gesiedelt haben, erstmal viel Vorarbeit leisten. Bleibt also meist das Basis-Siedler. Aber auch dabei muss man sich sehr zurücknehmen, und z.B. Bescheid sagen, wenn jemand zu Beginn ein 2/11/10-er Feld auswählt usw. und damit auch für die anderen "mitdenken". Und da wir gerade in den letzten ca. zwei Jahren unsere Spiele-Sammlung tüchtig erweitert haben :-) , versuchen wir, immer mal was anderes "aufzutischen".

Tückisch sind übrigens Spiele wie Meuterer oder Verräter - die wir zwar sehr gerne spielen, aber Wenig-Spieler denken, die seien "harmlos", weil so kleine Kartenspiele.... Daraufhin fingen wir mal bei einer Gelegenheit an, Meuterer zu erklären, haben dann aber doch abgebrochen und Carcassonne gespielt. (Übrigens finde ich es sowieso schwer, beim Erklären von Meuterer ein gutes Konzept zu finden, obwohl ich das Spiel an sich wie gesagt sehr mag!)

An dieser Stelle auch schon mal ein herzliches Danke an alle, die hier geantwortet haben!

Alles Gute wünscht
Kathrin.

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 14:48
von Bernd Eisen
Hallo Carsten!


Carsten Wesel schrieb:
>
> Obwohl Carcassonne doch immer geht - oder nicht :-?

...sollte man meinen - klar, Plättchen aufdecken und Regelkonform anlegen schon, aber nicht das Einschätzen, wo ich eventuell am meisten Punkte erwarten kann und schon gar nicht die Bauernwertung - sei es nach den alten oder neuen Regeln!

> Das Siedler die Obergrenze ist, daß ist gar nicht mal so
> abwegig. Die meisten haben davon gehört und wollen es dann
> wahrscheinlich allein deshalb spielen. Auch wenn es evtl. ein
> Stück jenseits der Grenze ist, die sie normalerweise nicht
> überschreiten.
>

So ist/war es!

> :( was wirklich schade ist, wie sollen die dann an die
> wirklich schönen Spiele heran geführt werden.
>

Ich glaube, die betreffenden Leute wollen das gar nicht wirklich und sind mit dem glücklich, was sie kennen bzw. verstehen.


> Weil sie nie mehr mit dir spielen oder anschließend
> Vielspieler werden?
>

Weil ich solche Runden mittlerweile möglichst meide - das strengt mich mehr an, als eine Fürsten von Florenzrunde o.Ä.... und ärgert mich dann überwiegend.
Außerdem habe ich mittlerweile mehrere gute Runden,daß ich deswegen nicht mehrere Wochen ohne Spielen sein muß! :roll:


> Gruß Carsten (Klick mal auf den angegebenen Link - wundervoll
> ist's dort)

Sehr spaßig, danke!
:lol:


Gruß Bernd (der heute abend wieder an einer guten Spielerunde beteiligt ist!)

Re: Einmal oder mehrmals?

Verfasst: 7. September 2001, 15:18
von Ralf Arnemann
Der Hauptunterschied ist für mich, ob man mit diesen Neulingen nur einen Abend füllen oder diese wirklich ans Spielen ranführen möchte.

Bei nur einem Abend achte ich in erster Linie darauf, daß ich selber noch auf meinen Spaß komme. Irgendwie mit Plättchen legen die Zeit totschlagen muß ja auch nicht sein, dann lieber eine nette Unterhaltung bei einem Glas Wein ohne Spielen.
Etwas "fast regelloses" wie Anno Domini geht da vielleicht noch.

Will man aber Leute auch für weitere Abende als Spielpartner gewinnen, halte ich Siedler für erste Sahne.
Man tut sich halt mal ein/zwei Abende Grundsiedler an, dann kommen die Varianten, Szenarien und Erweiterungen bis hin zu Städte und Ritter. Und wer erst einmal das mit Begeisterung spielt, dem kann man dann ziemlich alles vorsetzen ;-)

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 22:39
von Markus Barnick
Meiner Erfahrung nach:
* Kurz
* einfach (keine großen Denkspiele, wie Tikal)
* Glück. Würfelspiele. (Evtl. auch Forumla De)
* Zockercharakter (Uno)
* Wissens- und Quizspiele kommen da meist gut an
* Evtl. auch Actionspiele wie Carabande, wo aweng Bewegung dabei ist
* Ein Gaudifaktor sollte dabei sein

Kann mich erinnern, daß 1979 6 erwachsene Nicht-Spieler stundenlang vor unserem Haus im Garten Zaster gespielt haben.

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 7. September 2001, 22:42
von Markus Barnick
> Zum Glück gibt es Spiele genug und zum Glück sind die Runden
> mit Wenigspielern eher seltener.

Glücklicher, dich preisen wir.

Re: Was macht Spiele für gemischte Spieler-Runden besonders geeignet?

Verfasst: 9. September 2001, 21:07
von Bernd Eisen
Ich bitte darum! :cool: Gsicht