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Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 18:17
von Wolfgang Lehmann
Hallo miteinander,
mir kam neulich beim Spiel von „Die Fürsten von Florenz“ eine Frage auf, zu der ich gerne ein paar Meinungen hören würde (bitte keine Meinungen zu den lediglich beispielhaft gemeinten Spieltiteln!).
Also, DFvF hat mir sehr viel Spaß gemacht, es hinterließ regelrecht ein „wohliges“ Gefühl, was vermutlich daran liegt, daß es ein so ausgesprochen konstruktives Spiel ist. Es hat ja so gut wie keine destruktiven Elemente.
Ich habe bei mir auch schon bemerkt, daß mir manche Erweiterungen des Siedler-Kartenspieles weniger Spaß machen als das Grundspiel, weil mir die destruktiven Elemente zu heftig wurden. Ich baue einfach lieber auf meiner Seite auf, als daß ich beim Gegenüber sozusagen "Handgranaten" reinwerfe.
Was mich interessieren würde: Ist es eine persönliche "Macke" meinerseits, daß ich konstruktiven Spielen den Vorzug gebe? Was sind typische Spiele, bei denen es kein Vorwärtskommen gibt, ohne die Mitspieler zu sabotieren, nach unten zu drücken, in die Pfanne zu hauen und rauszuwerfen? Gibt es darunter auch Spiele, die auch einen „Harmoniespieler“ bekehren könnten?
Grüße,
Wolfgang
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 19:27
von Attila
Hiho,
DFvF mag ich auch gerne - gerade weil man die anderen nur sehr beschränkt in ihr Spiel "fuschen" kann. Dem zur Folge ist es nicht so einfach möglich destruktiv zu spielen, d.h. nicht das andere Spiele destruktiv sind - das sind immer nur die Mitspieler. Ich nehme mal Shogun (von MB) als Beispiel: Das Spiel an sich ist eine Art Risiko und ziel ist es im gerangel um die Länder als erster 35 Stück zu bekommen - nicht besonders neu, aber trotzdem gut. Destruktiv finde ich das aber nicht, denn das passiert erst wenn ein Spieler entsprechend spielt.
Klar ist das nicht jedermans Sache und es gibt die Spiele in vielen Ausprägungen und mir gefallen Sie auch ganz gut - gerade dann wenn die Interaktion zwischen den Mitspielern extrem hoch ist. Bündnisse, Politik-Phasen und Verhandlungen sind doch die Würze an solchen Spielen. Extrem ist es bei Diplomacy - da geht nix ohne Bündnisse (die man gezwungenermassen irgendwann brechen muss - deswegen mögen es manche nicht) und Cosmic Encounter - (hier gelten die Bündniss nur von Konflik zu Konflikt). Dune (von AH o. Descart) ist auch ein nettes Spiel was in diese Richtung geht. Simplere (in dieser Beziehung) Sachen wie Shogun, A&A, Vinci und Britania (und zahlreiche andere) haben aber auch ihren Reiz. Es gibt ja unzaehlige die zwischen "jeder gegen jeden" und einem Optimierungs-spiel liegen.
Letztendlich muss man sich einfach mal darauf einlassen. Solange kein Spieler das "gleichgewicht der Kräfte" entscheidend zu anderen gunsten kippt, dann ist das schon okay. Unerfahrene Spieler haben das allerdings nicht immer so im Blickfeld, sie machen einen Zug der für sie ganz gut erscheint, aber der jemand anderen dann absolut zum Vorteil ist - DAS ist dann destruktiv !
Wenn alle auf "Sieg" spielen, passiert das aber nicht ! :-)
Atti
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 20:14
von fraweb Frank
Hallo zusammen!
Auch wenn ich nicht Bezug auf ein spezielles Spiel nehme, ich gehe immer nach einem System vor: merke ich, dass ich selbst nicht mehr gewinnen kann, versuche ich das Spiel der anderen zu "zerstören". Ich finde es gehört auch zum Spielen, dass man mal anders handelt als im Rest seines Lebens. Natürlich ist das nicht der Sinn des Spiels, aber wenn ich nicht mehr gewinnen kann, versuche ich wenigstens die anderen zu behindern ;-)
Schöne Grüße
Frank (der sich bei seinen Schandtaten während des Spielens immer wieder teuflisch freuen kann...)
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 20:34
von benjamin
hallo,
ein typisches sabotage-spiel ist bei uns immer "ohne furcht und adel" - besonders, wenn ich das spiel mit einer ehemaligen rollenspielgruppe spiele, denn die sind erst glücklich, wenn sie ein spiel haben, in dem sie rauben, morden, plündern oder brandschatzen dürfen - somit ist dann auch der söldner die beliebteste figur. eine partie haben wir nach vier stunden abgebrochen, weil keiner mehr gebäude hatte (normale spieldauer ca. 45 minuten) :)
man kann also sagen, dass uns genau das spass macht, was dir nicht so gefällt. wir spielen auch die siedler nur mit der variante, dass man nicht alle seine aktivierten ritter zur verteidigung catans einsetzen muss - immer in der hoffnung, dass die anderen eine stadt verlieren. eigenes aufbauen ist schön und gut, aber den anderen wieder etwas demolieren macht erst richtig spass :)
gruss
benjamin
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 20:51
von Roland G. Hülsmann
> ... aber den anderen wieder etwas demolieren macht
> erst richtig spass :)
... und hier fehlt eindeutig der "Panzerknacker-Lache"-Smiley ... und für die Damenwelt der "Gundel-Gaukeley-Lache"-Smiley ... ;-) , der so richtig tief aus der finstersten Ecke des Herzens kommt ...
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 21:00
von benjamin
Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> > ... aber den anderen wieder etwas demolieren
> > macht erst richtig spass :)
>
> ... und hier fehlt eindeutig der "Panzerknacker-Lache"-Smiley
> ... und für die Damenwelt der "Gundel-Gaukeley-Lache"-Smiley ;-) ,
> der so richtig tief aus der finstersten Ecke des Herzens kommt ...
stimmt, der feht wirklich... passen würde einer mit diesen augen :evil: und diesem grinsen :D
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 21:47
von Hermann Huth
Hallo Wolfgang,
das ist aber mal ein hübsches Thema!
Ich persönlich liebe fiese Spiele, spiele sie aber nur mit ganz bestimmten Leuten; man muß sich kennen, mögen, oft zusammen gespielt haben und zudem gewisse Nehmerqualitäten aufweisen können. Dann machen solche kalten machiavellistische Hinterhältigkeiten wie z.B. Organized Crime, Junta, 1830, Wucherer, Diplomacy!! usw. einen Riesenspaß. Der Spielspaß resultiert hier aus einer Mischung aus ungebremsten Machtstreben und dem gleichzeitigen Wissen um den potentiellen Dolchstoß im Rücken, garniert mit haufenweise saublöden bis zynischen Sprüchen...;sowas kann tatsächlich äusserst vergnüglich sein!
Eine besonders herbe Variante sind hier die Eliminationsspiele, bei denen nach und nach alle bis auf einen Spieler auf der Strecke bleiben (spielst Du gerne Monopoly?). Hier muß die Runde schon richtig gut harmonieren (besser gesagt, disharmonieren), um etwa Spitting Image, Wiz War oder eben Monopoly (der Urvater der fiesen Spiele!) mit Anstand über die Bühne zu bringen.
Diese Runden gibt es IMHO eher selten; insofern glaube ich eigentlich nicht, daß sich ein konsequenter Harmoniespieler zu solchen Spielen hinreissen lässt.
Was weissgott nicht heissen soll, daß ich harmonische Spiele und Spieler nicht mag, aber eventuell hab' ich ja doch manchmal was unaussprechlich Böses im Charakter...
Satanische Grüsse,
Hermann
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 22:06
von Erhard Portner
Hermann Huth schrieb:
>
> ..., aber eventuell hab' ich ja doch
> manchmal was unaussprechlich Böses im Charakter...
... da geht's Die wie mir, lieber Hermann... :-)
Mit fiesen Grüßen
Erhard
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 4. Oktober 2001, 23:38
von Markus Barnick
Ich spiel ganz genau so :-)
Allerdings haben wir hier im Spielekreis einen, der führt Krieg statt zu spielen. Mit dem spiel ich absolut ungern Siedler - und nicht nur ich.
Dummerweise ist er der Leiter vom Spielekreis...
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 00:48
von benjamin
> Allerdings haben wir hier im Spielekreis einen, der führt Krieg statt zu
> spielen. Mit dem spiel ich absolut ungern Siedler - und nicht nur ich.
cool, dass es so friedliche leute auch gibt - als ich meiner meuchelmörder-truppe vor ein paar jahren die siedler erklärt habe, war die erste frage, wie man denn mit den rittern andere dörfer angreifen kann und wie viele man braucht, um sie zu vernichten... tja... andere sitten.... :)
gruss,
benjamin
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 03:58
von Roman Pelek
Hi Wolfgang,
>Was mich interessieren würde: Ist es eine persönliche "Macke" meinerseits, daß ich konstruktiven Spielen den Vorzug gebe? Was sind typische Spiele, bei denen es kein Vorwärtskommen gibt, ohne die Mitspieler zu sabotieren, nach unten zu drücken, in die Pfanne zu hauen und rauszuwerfen? Gibt es darunter auch Spiele, die auch einen „Harmoniespieler“ bekehren könnten?<
Eine "Macke" ist das auf jeden Fall nicht, allenfalls eine Geschmacksfrage. Ich persönlich mag konstruktive Spiele sehr, vermutlich am meisten, da man das Gefühl hat, etwas nach dem eigenen Gusto zu erschaffen. Die Fürsten von Florenz sind da sicher ein gutes Beispiel. Dennoch würde ich mich nicht zu den harmoniesüchtigen Spielern zählen, ich spiele auch gerne fies und intrigant und muss gestehen, dass ich Mitspieler schätze, die dies genauso machen bzw. so etwas auch "abkönnen". Für mich ist eine "spielerische Tugend" (dämliche Bezeichnung), miteinander und zugleich gegeneinander zu spielen und dies nicht persönlich zu nehmen.
Womit ich persönlich jedoch nicht besonders viel anfangen kann, sind Spiele, die aufgrund ihres destruktiven Charakters zu zähen Pattsituationen führen oder zu reinen Königsmacherangelegenheiten verkommen. Wenn 3 von 5 Mitspielern bereits ausgeschieden sind und die 2 restlichen sich noch 3 Stunden weiter bekriegen, ohne wirklich voranzukommen, wäre das für mich ein Grund, hinsichtlich des Spielspasses und Gemeinschaftserlebnisses solche Spiele zu meiden. Ein Mindestmass an Einbindung aller Spieler am Geschehen und Vorantreiben des Spiels macht für mich essentiell ein Spiel aus.
Kurzum: Spiele dürfen destruktive Züge haben, aber die konstruktive Komponente sollte die Oberhand behalten, damit ein Spielaufbau entsteht. Einen Spieler hemmen oder zurückwerfen - gerne. Aber es muss zielgerichtet sein. Ein gutes Beispiel ist für mich da z.B. "Vinci", das sich sehr stark an Risiko und Co. anlehnt, durch das Voranstreben auf der Zielleiste und Niedergang und Neuaufbau von Zivilisationen zum einen eine klare Richtung hat, zum anderen aber auch immer alle Spieler einbindet. Und dennoch kann man es, so man will, auch herrlich destruktiv spielen ;-) Und das ziehe ich dreistündigen Würfelorgien zwischen zwei Überlebenden wie ab und an bei Risiko deutlich vor.
Aber es gibt auch andere destruktive Spiele, die ich sehr schätze, z.B. ein "Intrige". Das Spiel lebt davon, andere über den Tisch zu ziehen und zu intrigieren. Aber auch dieses Spiel hat durch seinen klaren Rundenablauf und die überschaubare Spieldauer ein Vorwärtskommen und degradiert auch arg gebeutelte Zeitgenossen nicht zu blossen Zuschauern am Geschen - und nach dem Spiel sollten die bösen Gesten tunlichst vergessen sein ;-) Auch z.B. ein "Family Business" ist ein Spass-Spiel - der Spass liegt darin, wenn es dem eigenen Gusto entspricht, mal einen Spieler "auszurotten", nur weil einem danach ist, nicht weil es dem eigenen Spielsieg dient. Aber das ist hierbei auch Sinn und Zweck, und das Spiel ist kurz genug, um auch 'ne Revanche folgen zu lassen und niemanden "in die Ecke" zu stellen. Was ich allerdings auch mit wenig Vergnügen aufnehme, sind Situationen, in denen Spieler bei eigentlich konstruktiven, längeren Spielen gezielt nur auf "Rache" gegen einen Spieler spielen. Das ruiniert in diesen Fällen nämlich meist das Spielerlebnis für alle Beteiligten.
Für mich sollte sich also ein destruktives Spiel auf die Möglichkeit beschränken, aus Spass an der Freude auf Mitspielern, die dieses Faible teilen, herumhacken zu dürfen, aber nicht Spielfluss und Spielerlebnis zu zerstören. Leider werfen einige destruktive Spiele zudem die Nachteile auf, dass die Spieldauer unberechenbar wird und einige Mitspieler ausgeschlossen werden können. Und dann ist es meist aus mit dem gemeinsamen Spass.
Destruktive Spiele also gerne - aber richtig. Und destruktives Spielen auch gerne - aber bitte in den Spielen, wo's hingehört. Für mich ist das also weniger eine Frage, ob konstruktiv oder destruktiv, sondern der Spielequalität und ein dem Spiel angemessenen Verhalten der Mitspieler.
Ciao,
Roman
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 07:11
von Ronald Novicky
Destruktive Elemente in einem Spiel bringen Interaktion!
Und es gibt wenig Spiele ohne diesem Element, die ich für gut halte.
Destruktiv ist für mich auch, einem anderen Mitspieler via Gebot den Preis für sein dringend benötigtes Teilchen hochzutreiben, weil ich selbst eh nimmer gewinnen kann oder genau weiß, daß er hoch gehen muss. Das ist für mich genau so wie einen anderen aus dem selben Grund sinnlos anzugreifen; es schaut vielleicht politisch korrekter aus :-)
Auch das destruktive Abstechen bei einem Stichkartenspiel (weil ich meine Vorgabe z.B. eh nimmer erfüllen kann) fiele in diese Kathegorie.
Ein gutes Beispiel für ein 'interaktionsloses Aufbauspiel' ist IMHO die Rails Serie von Mayfair (EMPIRE BUILDER, IRON DRAGON, BRITISH RAILS, AUSTRALIAN RAILS, NIPPON RAILS, EURORAILS, INDIA RAILS, AGENTS OF CHANGE). Hat wirklich so gut wie null Interaktion (von der optionalen 'Honeymoon Rule' abgesehen) und macht uns trotzdem Spaß!
lg
Ronald.
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 08:40
von Frank"Riemi"Riemenschneider
Hi Wolfgang,
es kommt auf das Spiel an.
Wenn das Spiel es erfordert liebe ich es den "leven Jung" zu geben um anschließend mit einem Mörderzug die Emotionen der anderen hoch zufahren.
Einen Spielgegener als den Bösen hinzustellen obwohl er eigentlich nichts schlimmes gemacht hat ist auch ganz nett. Aber man sollte die Leute kennen und jeder sollte wissen, es ist nur ein Spiel.
Da gibt es eine Partie Intrige, wo es nach langen Jahren immer noch heißt, weißt Du noch als .... :-D
Bei den von Dir genannten Spielen weiß ich mich natürlich zu benehmen und spiele auch entsprechend.
Gruß
Riemi (13 und der Rest von heute)
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 08:44
von HRDLICKA Franz
Hi Wolfgang!
Ich glaube nicht, daß man Deine Spielweise als Macke bezeichnen kann. Mir geht es eigentlich ziemlich genau so. Ich kann allerdings auch mit Spielen mit viel Interaktion, auch mit "Würfel-Prügeleien" oder ähnlichen Auseinandersetzungen ganz gut leben, solange das Spiel
a) ein festgesetztes Ende hat (also z.B.nach einer bestimmten Anzahl von Runden). Ich habe absolut kein Problem, ein Spiel nicht zu gewinnen, aber ich finde wenig Spaß dabei, stundenlang beobachten zu müssen, wie sich zwei oder mehrere Spieler eine Partie untereinander ausspielen, bei der kein Ende abzusehen ist.
UND b) kein Spieler ausscheiden kann. Was soll jemand tun, der bei Diplomacy als erster ausscheidet? Fünf Stunden zuschauen? Für mich ist Dippy ein typisches Postspiel, an einem Spieleabend finde ich es unzumutbar.
Ludophile Grüße aus Wien
Franz
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 08:51
von Michael Andersch
Hallo Wolfgang,
gegen "fiese" und teilweise auch destruktive Spiele hab ich nichts, ganz im Gegenteil! Was bei mir allerdings nur auf sehr wenig Gegenliebe stößt (um mal auf das eigentliche Thema Deines Postings zu kommen) sind Spiele, bei denen Mitspieler frühzeitig ausscheiden können und nicht bis zum Ende beteiligt sind (damit meine ich jetzt nicht z.B. Zoff im Zoo, wo ein Mitspieler früher fertig ist und die Wartezeit - wenn überhaupt - nur wenige Minuten beträgt, sondern Spiele wie Risiko und Monopoly).
Viele Grüße,
Micha
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 09:18
von Arne Hoffmann
Moin Wolfgang!
In mir scheint es da eine gespaltene Spielerpersönlichkeit zu geben. Ich mag sowohl die konstruktiven, "friedlichen" Spielen, als auch destruktive Spiele, in denen man sich gegeneinander die Köppe einschlägt - nur muß dies vom Spiel her vorgegeben werden. Und da kommt in meinen Augen die Doppeldeutigkeit von "destruktiv" zum tragen. Wenn ich ohne Rücksicht auf eigene Verluste, ohne eine geringe Verbesserung meiner gegenwärtigen Position, ohne Absicht, meine Lage irgendwie zu verbessern, gegen einen Spieler spiele und diesen mit allem behinder, dann ist das destruktiv - und zwar für das Spiel und den Spielspaß. So etwas mag ich natürlich nicht. Dies kann man irgendwie in jedem Spiel schaffen, in denen die Spieler wenigstens etwas Interaktion haben (wobei es bei den Fürsten von Florenz wohl schon sehr schwer ist - aber ich kann versuchen, willkührlich Preise hoch zu treiben).
Wenn ein Vorgehen gegen meine Mitspieler vom Spiel her vorgesehen ist, wenn die Verbesserung meiner Position dies rechtfertig, wenn ich mir dadurch eine bessere Ausgangslage für zukünftige Runden bauen kann, dann ist mir destruktives Spiel ein willkommenes Element. Viele Spiele bauen ja gerade darauf auf, daß man seinen Mitspielern mal einen auswischt oder sie über den Tisch zieht. Dies kann ein Spiel sehr leicht kippen und ich bewunder jeden Spieleautor, der ein funktionierendes, rundes Spiel erdenkt, das diese Elemente unterstützt. Da kommt dann, noch die richtige Spielrunde vorausgesetzt - aber die benötigt man ja immer - riesig Spielspaß auf. Diese Spiele beziehen ja einen nicht geringen Anteil Spielspaß aus dem Drohpotential und der Ungewissheit, ob es mich treffen wird. Wenn durch diese Spannung ein Kribbeln im Bauch aufkommt, welch größeres Lob kann es für ein Spiel geben?
Endet dies allerdings in verbissenen Würfelorgien, rein glücksabhängig, oder kann ich in der ersten Runde aus der Partie fliegen und darf ein paar Stunden zuschauen, dann kommt dieses Kribbeln auch nicht auf. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Spieler aus dem Spiel ausscheiden kann. Dann sollte dies aber aber nur in Extremsituationen geschehen und nicht durch die Willkühr eines Mitspielers schnell herbeiführbar zu sein. Oder das Spiel hat eine kurze Spieldauer, so daß der ausgeschiedene Spieler schnell wieder eingebunden werden kann.
Generell tendiere ich persönlich eher zu Spielen, in denen ich mal aktiv Spieler behindern kann und dies nicht nur durch ein höheres Gebot bei irgendeiner Versteigerung (dennoch ist Die Fürsten von Florenz fest in meiner Top10 vertreten und ich spiele es immer wieder gerne). So gefällt mir z.B. das Original Keydom besser als der Nachfolger Morgenland - wobei auch letzteres noch ein sehr schönes Spiel ist - da ich bei Keydom einige Möglichkeiten hatte, gegen die Mitspieler vorzugehen (einzig die Siegregel war dort etwas unglücklich, da es hier doch schnell mal zu einem Königsmacher kommen kann).
Tschö,
- Arne - (der Spiele jeder Art spielt, solange der Spielspaß stimmt)
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 09:32
von Roland G. Hülsmann
Michael Andersch schrieb:
> Was bei mir allerdings nur auf
> sehr wenig Gegenliebe stößt sind Spiele, bei denen Mitspieler
> frühzeitig ausscheiden können und nicht bis zum Ende
> beteiligt sind (damit meine ich Spiele wie
> Risiko und Monopoly).
Gerade bei diesen läßt sich derart Unerquickliches einfachst unterbinden:
MONOPOLY spielen wir grundsätzlich solange bis A) eine feste Zeit abgelaufen ist oder B) der erste Spieler pleite ist. (Kredite, die über die Hypotheken hinausgehen, werden grundsätzlich nicht gewährt.) Sobald (A) oder (B) erfüllt sind, ist das Spiel zu Ende; je nachdem, welcher Zustand zuerst eintritt. (Wobei im Falle von (A) in allerseitigem Einverständnis oft eine Verlängerung gewährt wird.)
RISIKO spielen wir bei mehr als zwei Spielern GRUNDSÄTZLICH mit Auftrag. Sobald ein Spieler droht unterzugehen, argwöhnen die anderen natürlich, daß könnte der Auftrag eines der anderen Spieler sein und werden dann den Untergang des betroffenen Spielers zu verhindern wissen und ihm mindestens in einem Land Zuflucht gewähren. (Besser sind zwei oder drei Länder, da dann mit gegenseitigem abgesprochenem Erobern der Kartenfluß nicht stockt.) Ich habe schon Fälle erlebt, wo dieser Spieler dann im Laufe der Zeit wieder derart erstarkte, daß er das Spiel mit 18 Ländern je 2 Armeen in einem grandiosen Triumpfzug gewann. (Was für ein Abend! Was für ein Spiel!!) Und wenn dann im anderen Fall der Zuflucht Gewährende ein Wolf im Schafspelz ist, der selbst die Aufgabe hat den Schutzsuchenden zu vernichten, dann ist zumindest das Spiel auch sehr rasch am Ende ... für alle Spieler. Die Szenen, die sich nach einem solchen Ende abspielen, gehören dann aber nicht hierher ... ;-)
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 09:38
von Michael Andersch
Roland G. Hülsmann schrieb:
>
> Gerade bei diesen läßt sich derart Unerquickliches einfachst
> unterbinden:
>
Da hast Du natürlich recht. Mir kam es bei der Nennung dieser beiden Beispiele nur auf's Prinzip an.
> RISIKO spielen wir bei mehr als zwei Spielern GRUNDSÄTZLICH
> mit Auftrag. Sobald ein Spieler droht unterzugehen, argwöhnen
> die anderen natürlich, daß könnte der Auftrag eines der
> anderen Spieler sein und werden dann den Untergang des
> betroffenen Spielers zu verhindern wissen und ihm mindestens
> in einem Land Zuflucht gewähren.
Naja, Ausscheiden und in einem oder zwei Ländern vor sich hinkrebsen ist irgendwie die Wahl zwischen Not und Elend, oder?
> Ich habe schon Fälle erlebt, wo
> dieser Spieler dann im Laufe der Zeit wieder derart
> erstarkte, daß er das Spiel mit 18 Ländern je 2 Armeen in
> einem grandiosen Triumpfzug gewann
Klar, diese Fälle gibt es. Aber dermassen selten, dass ich als ins Hintertreffen geratener mich nicht darauf verlassen wollte.
Viele Grüße,
Micha
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 09:55
von Roland G. Hülsmann
Michael Andersch schrieb:
>> Ich habe schon Fälle erlebt, wo
>> dieser Spieler dann im Laufe der Zeit wieder derart
>> erstarkte, daß er das Spiel mit 18 Ländern je 2 Armeen in
>> einem grandiosen Triumpfzug gewann
> Klar, diese Fälle gibt es. Aber dermassen selten, dass ich
> als ins Hintertreffen geratener mich nicht darauf verlassen
> wollte.
So unwahrscheinlich ist es nicht: Selbst wenn Du nur 3 Armeen pro Runde bekommst, wirst Du irgendswann so stark, daß der Schutz Gewährende kaum Möglichkeiten hat, dich ewig zu bändigen und irgendwann ein offenes Ohr für Verhandlungen hat, Dir einen Ausbruch in beliebieges gegnerisches Gebiet mit möglichst geringem Blutzoll zu ermöglichen. Und wenn Du zusätzlich Karten eintauschen kannst ... Der Einsatz von Armeen ist immer nur ein Verteilen des Mangels und bald wird es sich der Schützende nicht leisten können, so viele Kräfte zu Deinem "Schutz" zu binden.
(BTW: Wir spielen Risiko immer mit DREI Verteidigungswürfeln - wie in der Parkerversion von 1975 - und beschränken die Anzahl der gegen Karten einzutauschenden Armeen auf höchstens 10 oder 15 - je nach Spielerzahl.)
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 09:56
von Wolfgang Ditt
Hallo Wolfgang,
ich bevorzuge auch die konstruktiven Spiele, bei denen es darauf ankommt, gegenüber anderen den größeren Fortschritt zu erreichen anstatt darum zu spielen, wer bei wem am besten zerstört.
Für mich gehört das destruktive Element zum Spiel. Dabei unterscheide ich zwischen "gerichteter" und "ungerichteter" Gewalt. Lässt sich am einfachsten an OFuA erklären: der Meuchler und der Dieb sind "ungerichtet", weil sie keinen Spieler gezielt treffen können. Anders sind Magier und Söldner, weil ich bei ihnen ein Opfer auswählen muss.
Gerichtete Gewalt wird in vielen Spielen benötigt, damit man den Führenden stoppen kann. Ein Beispiel hierfür ist der Räuber in den Siedlern. Ist sie aber zu stark, zieht sich ein Spiel oder es kommt häufig dazu, dass der früh Führende gestoppt wird und der dann am Besten steht gewinnt (wir hatten bei Manhatten sechs Spiele, bei denen derjenige gewann, der bei der vorletzten Wertung Zweiter war, nur weil alle auf den Führenden gingen).
Ungerichtete Gewalt kann viel Gaudi in ein Spiel bringen (ich mag OFuA u.a. gdeswegne so gern). Läuft es aber mal richtig schief, kann ein Spieler stark abgehängt werden.
Noch ein Tipp für dich, weil du speziell das Siedler-Kartenspiel erwähnt hast. Schau dir das Sternenschiff Catan an. Bis auf eine Möglichkeit hast du genau den Effekt, den du magst; nämlich bei dir zu bauen und zerstören geht schon gar nicht.
Wolfgang (meuchelt den Autor des Beitrag Nr. 27000 :-| )
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 10:19
von Helmut
Hermann Huth schrieb:
>
>
> Ich persönlich liebe fiese Spiele,
Ich auch, Hermann!
Ich bin zwar im "richtigen" Leben auf Harmonie bedacht und auch in der Lage, mit Mitarbeitern einmal "Tacheles" zu reden.
Aber im Spiel mag ich spiele gerne, bei denen man die anderen zu richtig fies behindern kann. "Siedler" ist mir da immer eine Spur zu brav gewesen. "Intrige" ist natürlich toll. Gestern abend haben wir wieder mal einen Spieleabend gehabt und dabei u.a. "Riffifi" als Kartenspiel für unser Turnier ausprobiert. Da belauert man sich dauernd gegenseitig, um durch eine niedrigere Karten den anderen daran zu hindern,Chips aufzunehmen.
Dein Spiel "Alles Futsch" geht auch in diese Richtung. Deshalb mag ich es auch.
MfG
Helmut (der sich auf das nächste "destruktive" Spiel freut)
Ein Hoch auf die Fun-Gamer
Verfasst: 5. Oktober 2001, 11:02
von Das Wiesel
Hallo Frank,
als richtiger Fun-Gamer hab' ich in so einem Fall die Devise: "Hauptsache nicht Letzter werden!" Funktioniert prima und bietet sehr viel Interaktion.
Wenn Du durch so eine Spielweise das Spiel kippen kannst, müsste die Schelte dafür eigentlich an den Autor gehen. Ein hinterhältiges und sehr interaktives Spiel auszugleichen ist allerdings nicht gerade einfach und erfordert sehr viel Zeit und geduldige Test-Spieler.
Was allerdings auch ich als Fun-Gamer nicht mag sind Spiele, bei denen Mitspieler rausfleigen und dann Stunden zusehen müssen (z.B. Shogun). Es gibt zwar wirklich tolle Spiele, die mit diesem Mechanismus arbeiten aber will man das seinen Mitspielern wirklich antun?
Das Wiesel
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 11:50
von Bettina
Arne Hoffmann schrieb:
> In mir scheint es da eine gespaltene Spielerpersönlichkeit zu
> geben. Ich mag sowohl die konstruktiven, "friedlichen"
> Spielen, als auch destruktive Spiele, in denen man sich
> gegeneinander die Köppe einschlägt - nur muß dies vom Spiel
> her vorgegeben werden.
Genau!
Ich bin auch eine "Spiele-Sau", wenn es das Spiel vorsieht und es macht mir auch noch Spaß :-D , dann hab ich natürlich kein Problem damit, auch eins vor den Latz zu bekommen.
Leider haben wir in der Truppe einen Spieler, der IMMER eine "Spiele-Sau" ist und da bin ich schon oft frustriert.
Bei ihm habe ich den Eindruck, dass er immer die Ellenbogen benutzt, egal ob es ihm was bringt (ausser Schadenfreude).
Fazit davon ist, dass ich einige Spiel mit ihm nicht mehr spielen werde, weil er mir das Spiel mit dieser Spieleweise schlichtweg vermiest (z.B. Ogallalla).
Schwierig wird es bei Spielen, die man so und so spielen kann.
Z.B. SvC-Kartenspiel
Ich baue da gerne so vor mich her, erweitere meine Stadt und lasse den anderen größtenteils in Ruhe, während es Spieler gibt, die da Feuerteufel u.ä. "ohne Ende" in ihrem Deck haben. (aber zum Glück kennt man mit der Zeit seine Pappenheimer und kann sich darauf einstellen ;-) )
Gruss
Bettina
Re: Wer wirft gerne Mitspieler 'raus?
Verfasst: 5. Oktober 2001, 12:41
von Arne Hoffmann
Bettina schrieb:
> Schwierig wird es bei Spielen, die man so und so spielen kann.
> Z.B. SvC-Kartenspiel
> Ich baue da gerne so vor mich her, erweitere meine Stadt und
> lasse den anderen größtenteils in Ruhe, während es Spieler
> gibt, die da Feuerteufel u.ä. "ohne Ende" in ihrem Deck
> haben. (aber zum Glück kennt man mit der Zeit seine
> Pappenheimer und kann sich darauf einstellen ;-) )
Darauf kann man sich wirklich noch einstellen - gibt ja Karten, die den Feuerteufel vermindern. Ausserdem kann man zur Not dann selbst den Feuerteufel auf den anderen spielen (in irgendeinem Stapel wird man den schon finden oder man schaut mal mit dem Spion nach. :-D). Wenn mir bei solchen Spielen jemand dauernd quer kommen moechte, dann bekommt er es zurueck (natuerlich noch ueberlegt und nicht einfach in blinder Wut), da bin ich in meiner Taktik flexibel :evil:
Bei 2-Personen Spielen seh ich das ganze eh noch etwas anders gelagert. Da geht es Mann gegen Mann, Frau gegen Frau oder halt eine Kombination daraus :-) Da koennen schon einmal eher fiese Moeglichkeiten herangezogen werden.
Tschoe,
- Arne -
Re: Ein Hoch auf die Fun-Gamer
Verfasst: 5. Oktober 2001, 12:48
von fraweb Frank
Hi "Wiesel"!
Ja richtig, ist doch egal, ob ich gewinne, Hauptsache Spass gehabt! Mit dem Warten, das ist richtig, aber zum Glück habe ich nicht viele Spiele, bei denen einzelne Spieler vorher rausfliegen. Und die paar Mal ist es zu verkraften ;-)
Außerdem: ist ja nur ein Spiel! Im Übrigen habe ich von meinen eigenen Spielen erst eines jemals gewonnen, das ist kein Witz. Dafür werde ich ständig von meiner Freundin und den anderen Mitspielern veräppelt. Na egal, so lange ich deren Spielsystem "zerstört" habe :-))
Und was kann schöner sein, als mal wieder "Risiko" auszupacken, sich drei Kumpels zu schnappen und nach 4 Stunden endlich alle vernichtet zu haben...
Schöne Grüße
Frank