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Samurai & Katana von Tilsit - Wer kennts?

Verfasst: 3. Dezember 2001, 23:18
von cristinus
Hallo,

habe heute in meinem Spieleladen das Spiel "Samurai & Katana" von Tilsit Editions entdeckt. Muss sagen, es sieht ziemlich gut aus! Leider habe ich im Netz keine Rezi gefunden. Kennt es jemand von der Community und könnte der/die evtl. mal so nen kleinen Eindruck wiedergeben?

Re: Samurai & Katana von Tilsit - Wer kennts?

Verfasst: 3. Dezember 2001, 23:57
von Heiko Hartmann
Ich hab's leider noch nicht gespielt, aber den Regeln nach zu Urteilen ist es dem Spiel 'Jeanne d'Arc 1429' des gleichen Authors nicht ganz unähnlich (und dieses ist wiederum eine aufgebohrte Variante von 'Condottiere'). D.h. der Hauptmotor des Spiels sind die Karten mit denen die Schlachten geschlagen werden. Recht hübsch, aber wer eines der beiden oben genannten Spiele bereits hat braucht es nicht unbedingt (auserdem fehlen die Zählsteine!).

Von Tilsit ist allerdings ein anderes Spiel auf den Markt gekommen das mir ausgesprochen gut gefällt: 'Space Schweine'. Das ist eine Mischung aus 'Junta' und 'Twilight Imperium' - frag mal Deinen Spielhändler ob er an das Spiel rankommt...

Ciao, Heiko.

Re: Samurai & Katana von Tilsit - Wer kennts?

Verfasst: 4. Dezember 2001, 08:09
von Matthias Staber
>habe heute in meinem Spieleladen das Spiel "Samurai & Katana" von Tilsit Editions entdeckt. Muss sagen, es sieht ziemlich gut aus! Leider habe ich im Netz keine Rezi gefunden. Kennt es jemand von der Community und könnte der/die evtl. mal so nen kleinen Eindruck wiedergeben?<

Ich habs mir auf der Stuttgarter Spielemesse mitgenommen, weil die Leute bei www.consimworld.com schwer begeistert davon sind: Dort findest du in der entsprechenden Diskussionsgruppe Kommentare zum Spiel.

Ich selbst habe es bisher ein halbes Mal gespielt (eine Mitspielerin musste abzischen) und es ließ sich recht nett an.

Der deutsche Regeltext ist allerdings eine Katastrophe. Mit Hilfe der Regelfragen auf consimworld und der französischen Spielregel und FAQ (auf der Webseite des Verlages) habe ich mir schließlich einen spielbaren Regeltext rekonstruiert (bin gerade dabei, ein paar Regelklarstellngen zusammenzustellen und hier dann zu posten) und sechs Pöppel als Ehrenmarker zugelegt (findest du nicht in der Schachtel, brauchst gar nicht nach suchen).

Der Spielplan zeigt das vom Bürgerkrieg zerrissene Japan des 17. Jahrhunderts, unterteilt in Gebiete (manche mit Städte), die in Provinzen gruppiert sind. Die Spieler haben Samurai und Schlösser zur Verfügung, um diese zu besetzen uund zu erobern.

Ziel ist es, als erster eine bestimmte Anzahl Ehrenpunkte einzuheimsen. Die gibt es für gewonnene Schlachten und die Kontrolle ganzer Provinzen am Ende des eigenen Zuges. Besetzte Gebiete am Ende der kompletten Runde generieren Koku (Geld). Besetzte Städte vergrößern die eigene Kartenhand am Ende einer Runde.

Das Kokumanagemaent ist der erste interessante Aspekt des Spieles: Mit Koku bezahlst du den Bau von Schlössern, die Rekrutierung von Samurai, aber auch die Bewegung deiner Truppen im Kampf: Wer sich seine Gebiete mit Armeen zuplastert, hat wenig Bewegungsspielraum.

Im Zentrum von S&K stehen die Karten, von denen die Spieleer zu Beginn 5 haben, als Verteidiger gewonnene Schlachten und der Besitz von Städten vergrößern im Spielverlauf die Kartenhand jedoch. Die meisten haben zwei Funktionen. Sie werden entweder im Kampf benutzt (und haben dann einen bestimmten Kampfwert), oder die Spieler setzen deren Spezialfunktion in laufender Runde oder im Kampf ein. Diese quälende Entscheidung (hohe Kampfwerte bedeuten tolle Spezialfunktion - was soll man nehmen?) erinnert ein wenig an Hannibal von AH (ein Spieler auf consimworld vergleicht diesen Aspekt des Kartenmanagements mit Paths of Glory - kenn ich aber nicht, kann ich nichts zu sagen).

Die Kämpfe sind lustig: Nach Bewegung in Feindesland wählt zunächst der Angreifer, dann der Verteidiger, zwei Karten verdeckt aus, die er spielen möchte. Eine blaue Spezialkarte kann sich als dritte Karte hinzugesellen. Beide Kombattanten decken ihre Karten auf, addieren zu den Kampfwerten der Karten die Anzahl ihrer beteiligten Samurai (maximal 4), wenden evtl. die Funktion der blauen Spezialkarte an, der Verteidiger addiert einen Punkt, falls er in einer Bergregion steht und multipliziert den Wert seiner niedrigsten Karte mit 2, wenn ein Schloss in der Gegend steht. Sind auf den Karten Säbel abgebildet, gibt für den Gegner entsprechend viele Verluste (interessant: je kleiner der Kampfwert, desto Säbel, man muss sich also entscheiden: will ich des Gegners Samurai vernichten, oder ihn aus dem Gebiet rauskloppen - es kann aber durchaus sein, dass ein Spieler einen Kampf gewinnt, dabei aber alle seine Samurai über die Klinge springen - das Gebiet wird neutral - ein bißchen Pokern ist also auch gefragt). Höhere Summe gewinnt, Gewinner bekommt einen Ehrenpunkt. Verlierer zieht seine Samurai ab - nach Entfernung der beschriebenen Verluste. Beteiligte ziehen Karten nach.

Noch was Interessantes: In jeder Runde ist das Verliererpferdchen Shogun und bestimmt, in welcher Reihenfolge die Spieler agieren. Diese Möglichkeit der Einflussnahme ist immens.

Ich kann S&K nicht wirklich kommentieren nach einer halben Partie. Doch die abgebrochene Partie hat mir großen Spaß gemacht: Es scheint voller spannender Entscheidungen ("this really bridges the gap between wargaming and eurogaming for me" sagt ein Spieler auf consimworld) zu stecken und die Spieler in die Pflicht zu nehmen, aus allen ihren Zügen das Maximum herauszuholen, Kartenfunktionen und Koku optimal einzusetzen. Die Spieldauer sollte zwischen 2 und 2 1/2 Stunden liegen. Ich freue mich auf meine erste komplette Partie.

Matthias

Re: Samurai & Katana von Tilsit - Wer kennts?

Verfasst: 4. Dezember 2001, 08:27
von Matthias Staber
Ich habe noch etwas vergessen: S&K ist der Abschluss einer Trilogie, deren erste beide Teile Atzteca und J'eanee d'Arc 1424 sind. Und das hat mich zunächst abgeschreckt, obwohl ich diese Titel nie gespielt habe: Von J'eanne d'Arc habe ich bisher auschließlich Verrisse im Netz gelesen, und S&K ist diesem Spiel vom Design her ähnlich. Doch Mehrheitsmeinung auf consimworld ist: S&K bügelt die Designschnitzer von J'eanne d'Arc aus. Es soll das beste Spiel der Trilogie sein.

Matthias

Re: Zwei volle Partien

Verfasst: 4. Dezember 2001, 17:04
von Uwe.Hackenberg
Hallo Christian,

Matthias hat ja schon einige interessante Informationen gegeben (die FAQ werde ich mir mal reinziehen),
die Lücke der fehlenden Spielerfahrung kann ich mit zwei voll gespielten Partien schliessen (einmal in Essen am Stand, einmal am Freitag im Freundeskreis).

Ich war auch von Optik und dem Probespiel in Essen angetan. Inzwischen ist aber mein Urteil sehr kritisch.
1. Die Regel und Kartenbeschriftungen sind eine Katastrophe. Sie drücken sich unklar aus, manche Fragen bleiben offen, häufig sucht man nach einer Lösung. Ich DACHTE, ich hätte die Regeln gut verstanden und wir haben ständig Spielsituationen diskutieren und klären müssen.
2. Das könnte ja noch durch eine neue Regel ausgeglichen werden - vielleicht bietet uns Matthias ja seine Lösung an? Aber nach Freitag ist doch mein Enthusiasmus über den Spielmechanismus sehr gebremst, es plätschert ganz nett daher, schwierig, einen starken Spieler wieder einzufangen, etc. Einige Elemente sind sehr nett, wie die Rolle des Kaisers (sehr gute Idee, dem schwächsten Spieler aufholen zu ermöglichen, fraglich aber, ob es funktioniert) und des Shoguns (schwächer); die Kämpfe per Karte. Aber unter dem Strich, fallen mir viele Spiele ein, die einfach besser sind. Oder mit den Worten meiner Freunde gesprochen: "Das brauchst Du nicht mehr mitbringen".

Also wenn Du nach einen Kauftip fragen wolltest: Wenn Du nicht Japan-Eroberungs-Samurai-Varianten sammelst, spar Dir die DM 60 und investiere sie lieber in Vinci oder andere Hits.

Grüsse Uwe

(der gerne in S&K einen Geheimtip entdeckt hätte)

Re: Danke!! War: Zwei volle Partien

Verfasst: 4. Dezember 2001, 21:08
von cristinus
Danke Leute für die guten Infos!!

jetzt bin ich denoch hin und hergerissen...Kaufen oder nicht, daß ist hier die Frage...oder doch schlafen, vielleicht träumen...;-))