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Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 15:55
von cristinus
Hi,

ich bin in allen Spielerunden, an denen ich teilnehme, derjenige, der die neuen, bzw. unbekannten Spiele erklären darf, muß soll, unter anderem deswegen, weil ich fast immer die Spiele kaufe.
Und ich bin jedesmal mit den gleichen Problemen konfrontiert, fehlende Konzentration bei komplexeren Zusammenhängen, oft komme ich mir vor wie ein Kindergärtner, der peinlich darauf achten muß, auch die zurückgebliebensten Kinderchen mit seinen Ausführungen nicht zu langweilen oder zu überfordern; nach 2 von 20 Regelseiten Sprüche wie "So, das reicht, los geht´s, der Rest kommt dann.", und dann, kaum bin ich fertig und habe (Rede-)Schaum vorm Mund, das Spiel fängt an, und der erste Spieler fragt, was er denn jetzt so machen könne. Und immer wieder wird nach genau den Details gefragt, die ich vorher mit liebevoll konstruierten Beispielen erläutert habe.
Drum frage ich mich, bzw. euch, sonst würd ichs ja nicht posten, wie es wohl am richtigsten ist, Leuten Regeln eines Spiels nahezubringen, auch wenn sie nicht gewillt sind, zunächst abstruse und unverständliche Vorgänge zu verstehen, um das Gesamtkonzept des Spiels zu kapieren.
Ich habe es bisher immer so gemacht, daß ich die Regel
(nach vorherigem Studium, nichts ist peinlicher als ein Erklärungsfehler, gefolgt von 10 minütigem Nachlesen, diese Zwangspausen werden IMMER mit freiem Spiel mit dem Material ausgefüllt, was dann, wenn mir alles klar ist, nur schwer zu bremsen ist, Tränen sind die Folge, wenn ich diverse Spielsteintürmchen und - Anordnungen kaputtmache.), vor mir liegen habe, und anhand ihrer den Spielverlauf erst grob, dann en Detail durchgehe, denn ich denke, daß es frustrierend ist, wenn man, nur grob und kurz in ein Spiel eingeführt, bei allen tollen Ideen und Aktionen, die man sich ausgrübelt, stets ein "ach ja, das geht leider nicht, weil blablabla, steht hier in der Regel." folgt.
Dann habe ich ein schlechtes Gewissen, fühle mich, als hätte ich die Einschränkung ausgedacht, nur um den tollen Zug zu verhindern.
Wichtig auch meistens die atmosphärische Motivation, um in das Spiel hineingleiten zu können, damit aus Holzwürfeln Caballeros, aus bunten Plättchen prachtvolle Gebäude und aus grob gezeichneten Sechsecken Landschaftsstriche werden.
Was also ist der beste Kompromiß?
Wie führt man den an sich spielefreundlichen, aber immer wieder zur Unkonzentriertheit und Verlust der Auffassungsgabe neigenden Spieler an nicht allzuleichte Spiele heran (ich denke da an Spiele wie La Cittá, Fürsten von Florenz, Euphrat & Tigris, El Grande...) ?
All diese Spiele (und wahrscheinlich fast alle) haben ja ein recht einfaches Grundsystem, welches in wenigen Sätzen erklärt ist.
Wenn ich das Spiel aber schon besser kenne, weiß ich, daß da sehr viele Sachen sind, die gesagt werden müssen, damit die Neulinge nicht nur Statisten sind und dann keine Lust mehr aufs nächste Spiel haben.
Ok, danke an alle, die bis hier durchgehalten haben, hat schon geholfen, mir das alles mal "von der Seele" schreiben zu können, wenns noch Feedback gibt, um so besser! :-)

Salut

Christian

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:16
von Gregor Breckle
Hi,

in der von Dir beschriebenen Situation finde ich mich durchaus wieder :roll:. Zumindest in meinem bisherigen "Spieleumfeld" blieb diese Rolle auch oft bis immer an mir hängen.
Bei bekannten Spielen funktioniert das mit dem Erkären ja meist irgendwie - 1. kurze Einführung, 2. Spielziel, 3. wichtigste Regeln und 4. (für die, die es noch hören wollen) die Feinheiten, die man aber eben oftmals selber auch noch mal nachschauen muß.
Das ist ja bei Spielen, die z.B. nur ich habe und die auch schon öfters gespielt wurden, in Ordnung. Da ich aber auch gerne spiele kaufe :grin: :cool:, und somit einige Spiele habe, die ich selbst noch nicht gespielt habe oder neu und noch nicht getestet von der Messe mitbringe (von wegen Kaufrausch oder einfach vom optischen gefallen - wir Männer werden ja immer als leicht optisch stimulierbar dargestellt), könnte diese ja auch mal jemand anders erklären.
Die Situation, daß man sich den Wolf vorliest und dann im ersten Spielzug die Frage "Und was jetzt?" ist schon frustrierend.
Für Deine eigene Spielrunde habe ich da nur den Rat, undemokratisch einen anderen zum Vorleser bestimmen.
Ansonsten habe ich einige Erfahrungen gemacht, die Du ja auch mal ausprobieren kannst.
1. Fahre wenigstens einen Tag alleine auf eine Spielemesse und geselle Dich zu anderen festen Gruppen. Du wirst die Erfahrung machen, daß es in jeder Runde einen FV (festen Vorleser) gibt - aber das bist dann mal nicht Du ;-) :tröst: . Das hat auch gleich noch den Vorteil, einige nette Leute kennzulernen.
2. Schaue in der Spielbox, ob es nicht noch andere Spielrunden in Deiner Nähe gibt und geselle Dich zu denen. Ich habe neulich zumindest einen sehr netten Sonntag nachmittag in Augsburg (Danke auch nochmal allen Beteiligten, wenn sie es denn lesen. Ich hoffe auf baldige Wiederholung) verbracht, bei dem sich die Erklärerrolle auch schön verteilt hat.
3. Bilde Dir ein, daß Du der eh der tollste Erklärer bist und die anderen ohne Dich überhaupt nicht spielen würden. Das löst zwar das Problem nicht, aber es ist psychologisch ungeheuer wirksam :))
So und falls Du ebenfalls bis hier durchgehalten hast, glaube ich zwar nicht, Dir wirklich geholfen zu haben, aber vielleicht hat´s der Seele gut getan.

Ciao

Gregor

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:19
von Topolino
... wenn's Dir hilft:

"Ich fühle mir Dir"

Ciao
Topolino (ein Leidensgenosse - und auch sehr gespannt auf die Antworten, die hoffentlich noch folgen werden ...)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:22
von hannes
Hallo Christian

>Wie führt man den an sich spielefreundlichen, aber immer wieder zur
>Unkonzentriertheit und Verlust der Auffassungsgabe neigenden Spieler
>an nicht allzuleichte Spiele heran (ich denke da an Spiele wie La Cittá,
>Fürsten von Florenz, Euphrat & Tigris, El Grande...) ?
>All diese Spiele (und wahrscheinlich fast alle) haben ja ein recht
>einfaches Grundsystem, welches in wenigen Sätzen erklärt ist.

Die vier genannten Bei-Spiele haben imho kein "einfaches Grundsystem". Bei so ungeduldigen und unkonzentrierten Mitspielern würde es bleiben lassen, solche Spiele einzuführen. Die sind einfach überfordert mit La Citta oder sogar E&T und werden gar nie Spass daran haben. Oder täusche ich mich da ?

Ciao
hannes

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:29
von Bettina
Hallo Christian,

was soll ich schreiben - das Problem kennt wohl jeder, der Regeln erklärt :´-(
In unserer wöchentlichen Spielrunde "darf" ich meist erklären. Inzwischen habe ich darin auch ein wenig Übung und die Mitspieler sind auch recht geduldig.

Einwände bzw. Seufzer wie "oje, jetzt noch (abends) so ein komplexes Spiel", "Ich bin so fertig heute" etc. kommen hauptsächlich von einer Mitspielerin. Das überhöre ich meist, weil ich das langsam nicht mehr ernst nehmen kann. Bin natürlich auch nur ein Mensch, und deshalb gelingt mir das nicht immer und selten reagiere ich dann doch mal ungehalten.

Wenn es um ein komplexeres Spiel geht, schreibe ich mir manchmal vorher auf, wie ich es am besten und flüssigsten erklären kann.

Ganz übel allerdings empfinde ich es, wenn ich ein Spiel erklären soll, was einer oder zwei nicht kennen, und die anderen zeitgleich miterklären. Da bekomme ich den Zorn und frage mich, warum der "Miterklärer" das Spiel nicht gleich selbst erklärt :evil:

Du siehst: Du bist nicht allein mit dem Frust "Spielanleitung".
Aber ich bin lernfähig und meine Mitspieler auch und über die Zeit gibt es immer seltener lange Gesichter :-))

Gruss
Bettina

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:50
von günter-spielbox
Liebe LeidgenossInnen,
versuchts doch mal mit einer selbst erstellten Kurzfassung der für das Spielziel wichtigen Regelpunkte. Wenn schon eine dem Spiel beiliegt, um so besser (öfters taugen die aber nicht viel, weil zu "grob" verfasst). Eine solche Kurzfassung x-mal kopiert und ausgeteilt hilft oft, auch bei unkonzentrierten ZuhörerInnen.
Klar ist, dass damit etwas Zeitaufwand verbunden ist. Aber es hat zudem den Vorteil, dass man selbst zum Regelguru wird ;)
Und ein weiterer Vorteil: Wenn das Spiel nach einiger Zeit wieder auf den Tisch kommt - nach einer Zeitspanne wo sich auch meine Gehirnzellen nicht mehr an Details erinnern - ist ma sofort wieder "d'rin".
Bisher bin ich damit gut gefahren. Und wenn dann doch noch ein paar schon beantwortete Fragen kommen lassen die sich leicht beantworten, auch mit einem Hinweis auf das ausgeteilte Stück Papier.

Günter (der außer Trost eine, zwar mit Arbeit verbundene, Alternative bietet *ggg*)

Regelerklaerungen [lang]

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:50
von Kathrin Nos
Hallo Christian,

dieses Problem haben, denke ich, viele hier schon gehabt, und es ist auch schon darüber diskutiert worden.

Einen Aspekt möchte ich gerne herausgreifen, weil ich an anderer Stelle ganz ähnliche Erfahrungen mache:

> Und immer
> wieder wird nach genau den Details gefragt, die ich vorher
> mit liebevoll konstruierten Beispielen erläutert habe.

Ich glaube, das Problem hier ist auch (und das kann man meiner Meinung nach weder Dir als Erklärer noch den Mitspielern als Zuhörern vorwerfen), dass man beim Lernen der Regel noch nicht versteht, wozu jetzt genau dieses Beispiel dient - will sagen, es kann vorkommen, dass man trotz schönem Beispiel den Zusammenhang noch nicht sieht.

Bei mir persönlich ist es so, dass ich (Software-Entwicklerin) momentan einen neuen Kollegen einarbeite, der ganz wenig Programmier-Erfahrung hat (wurde wegen anderweitiger Qualifikationen eingestellt). Dieser ist also vielleicht ein bisschen parallel zu Wenig-Spielern zu sehen (bevor Ihr jetzt allzu laut widersprecht: Ich weiss, der Vergleich ist vielleicht nicht so ganz optimal gewählt, aber beim Durchlesen von Christians Posting hatte ich halt diese Assoziation). Während ich also so über dies und jenes erkläre, lasse ich auch häufig Details einfliessen, sei es programmiertechnisch (aus Performance-Gründen, blabla - oder anderen programmiertechnischen Gründen - usw.) oder Navigation (geht so und so einfacher etc.) und zeige es ihm auch häufig direkt. Wenn er dann wegen genau dieser Sachen dann später mehrmals am Tag bei mir im Büro steht und genau auf dieselben Probleme stösst und diese nochmal nachfragt, als hätte er nie zuvor davon gehört, bin ich auch häufig ein wenig genervt!

So, jetzt habe ich ziemlich weit ausgeholt. Was ich damit sagen will: Ich denke, es ist relativ normal, dass man nicht auf Anhieb alle Details während der Erklärungsphase aufnehmen kann. Mir selber geht es bei neuen Spielen, bei denen jemand anders erklärt, auch so, dass ich noch viel nachfrage und erst während der ersten paar Züge kapiere, was [i]wirklich[/i] gemeint war. Aus der anderen Sicht, nämlich der des Erklärenden, kann man dies vielleicht etwas auffangen, indem man während der ersten Züge nochmal kurz erwähnt "Das ist jetzt die und die Situation, die ich eben erwähnt habe". So ist der Wiedererkennungseffekt gegeben und das Ganze prägt sich besser ein. Beispiel (ohje, was nehme ich da nur!): Siedler von Catan - problematisch ist für Anfänger die Abstandsregel. Bevor also der erste Mitspieler eine Strasse baut, vielleicht kurz nochmal innehalten und die Regel wiederholen. Euch fallen bestimmt noch bessere Beispiele ein...

Und, um nochmal an einer anderen Stelle anzusetzen: Ich persönlich möchte möglichst die komplette Regel kennen, bevor ein Spiel losgeht, um mir schon mal Gedanken über Taktik und/oder Strategie zu machen. Je nach Anspruch eines Spiels kann das klappen oder auch nicht, aber man probiert dann erstmal aus. Ich würde also bei dem Vorschlag "Einfach losspielen, der Rest ergibt sich schon" stark widersprechen.

Gestern aber haben wir auf zwei Kinder (4 und fast 6) einer befreundeten Familie aufgepasst und mit ihnen gespielt. Die beiden sind superfasziniert davon, dass wir einen ganzen Nachmittag mit ihnen spielen mögen (und sie werden hoffentlich tüchtig von unserem Spiele-Virus infiziert :-)) ). Da wir aber nur relativ wenige altersgerechte Spiele haben, behelfen wir uns auch häufig mit unseren Spielen und vereinfachen die Regeln stark (Anm.: In der Pöppelkiste http://www.poeppelkiste.de/ findet sich eine Rubrik, die für einige Spiele Vorschläge für solche Vereinfachungen macht). Und bei den beiden ist die Konzentration einfach noch nicht ausreichend, um erstmal alle Regeln durchzugehen und es macht ihnen überhaupt nichts aus, während des Spiels nach und nach weiterzumachen.

Das sind jetzt natürlich zwei Extreme - für den aktuellen Fall in der eigenen Spielerrunde muss man da sicher dazwischen abwägen.

Und noch ein weiterer Gedanke, der mir gerade kam: Einige Spiele sind auch schwer zu erklären. Besonders schwierig fand ich es z.B., Meuterer zu erklären (das Spiel an sich mag ich [i]sehr[/i]!!) - mein Mann und ich haben schon mehrmals darüber diskutiert, wie man es am besten erklärt und haben uns überlegt, das nächste Mal in einer stufenweisen Erklärung vorzugehen: Erst den Zieh- und Handelsmechanismus, und erst im zweiten Schritt die Charakterkarten.

So, und nun herzlichen Glückwunsch an alle, die bis hierher mit Lesen durchgehalten haben!! :-) Merkt man, dass ich eigentlich schon länger mal überlegt habe, das eine oder andere zum Thema Regelerklären loszuwerden? ;-) :-))

Alles Gute wünscht
Kathrin (hurra, das erste Posting mit dem Offline-Reader!).

RE: Regelerklaerungen [lang]

Verfasst: 25. Februar 2002, 16:58
von Kathrin Nos
> (Anm.: In der Pöppelkiste
> http://www.poeppelkiste.de/ findet sich eine Rubrik, die
> für einige Spiele Vorschläge für solche Vereinfachungen
> macht).

Hier der nachgereichte vollständige Link: http://www.poeppelkiste.de/artikel/kinder.htm

Alles Gute wünscht
Kathrin.

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 17:00
von Marc
Hi,

ich habe eigentlich immer die erfahrung gemacht, dass das erklären am besten mit hilfe einer demonstrations-spielrunde (i.e. ein spielzug) funktioniert, d.h. du erklärst nicht nur sondern läßt deine mitspielerInnen auch das tun, was du gerade erklärst.
das kann zwar ein wenig zeit kosten, aber die regeln bleiben meist deutlich besser hängen und zudem wird vor der ersten "echten" runde allen beteiligten das spielprinzip klar.
die sache mit der atmosphäre kommt für mich meist mit dem spiel... je näher alle beteiligten am thema agieren, desto mehr spielspaß.

gruss
marc

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 18:35
von Ralf Abilgaard
> Die sind einfach überfordert mit La Citta oder
> sogar E&T und werden gar nie Spass daran haben. Oder täusche
> ich mich da ?

Ja, du täuschst dich. In unseren offenen Spieleabenden haben wir oft das Problem, daß wir versierte Spieler dabei haben und auch Personen, welche mit dem verstehen, bzw. sofortigem umsetzen der soeben gehörten Regel Probleme haben. Fast ebenso wenig bringt es, Beispiele aus dem Spielfeld aufzubauen und vorzuspielen - die Mitspieler behalten zwar mehr als vom Zuhören, aber eben auch nicht alles.

Es macht kein Sinn eine Regel länger als 10 min. zu erklären und diese Zeit ist meist schon zu lang. Von dem was einer gehört hat bleibt ohnehin nur ein Bruchteil hängen. Daher habe ich mir angewöhnt das Spiel übersichtlich aufzubauen und lediglich die Grundmechanismen zu erklären. Meistens beginne ich dann das Spiel oder falls ein anderer Spieler das Spiel schon kennt eben dieser, damit die Spieler sehen, wie ein Spielzug abläuft. Der nächste Spieler bekommt entsprechende Unterstützung und so ein oder zwei Runden durch. Wenn jetzt noch keine Spielentscheidenden Situationen eingetreten sind können jetzt noch zusätzliche Kniffe erklärt werden und das Spiel geht frei weiter - Es werden weiterhin Fehler und Fragen vorkommen, aber das ist normal und kann kurz korrigiert werden. Andernfalls macht man hier den Break, erklärt die zusätzlichen Kniffe und fängt das Spiel noch einmal von vorne an.

Der Vorteil in diesr Methode liegt darin, daß jeder Spieler etwas zu tun hat und nicht nur zuhören muß. Er kann das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes "bgreifen" und ein bis zwei Proberunden dauern auch meist nicht länger als eine langwierige Erklärung.

Der einzige Nachteil ist der, daß sich deine Mitspieler auf ein solches Vorgehe einlassen müssen. Neulich hatten wir den Fall, daß auf meinen Vorschlag:"wir fangen einfach mal eine Runde an..." ein Mitspieler darauf bestand alle Details und Einzelheiten erklärt zu bekommen, obwohl ich das Siel auch zum ersten Mal spielte, was dann eine halbe Stunde dauerte - wir haben dieses Spiel nicht mehr bendet. Ich habe es eine Woche später nach obiger Methode probiert und es klappte hervorragend. Kein Spieler darf eine solche Einführungspartie zu ernst nehmen und unbedingt gewinnen wollen, dann klappt es vorzüglich.

Gerade La Cittá, Euphrat und Tigris und Fürsten von Florenz habe ich so erklärt und mit unsrer Gruppe dann noch des öferen auf Wunsch gespielt.

Gruß,

Ralf (der leider nur wenig Zeit zum tippen hate und jetzt dringend weg muß)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 20:06
von Ronald Novicky
Ralf Abilgaard schrieb:
>
> Es macht kein Sinn eine Regel länger als 10 min. zu erklären
> und diese Zeit ist meist schon zu lang. Von dem was einer
> gehört hat bleibt ohnehin nur ein Bruchteil hängen.

Das kommt auf die Runde an - wenn Du erfahrene Spieler hast sollte das kein Problem sein. Vor zwei Wochen hat uns ein Freund CONQUISTADOR erklärt - zwei Stunden lang. Das Spiel war großartig. Freilich kann man sich nicht alles merken, aber es gehört zu haben, hilft schon weiter. Eine kurze Frage ("Kann ich das machen?") und schon geht's weiter.

lg
Ronald.

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 20:40
von Gerhard Passler
Hallo Christian!

Bei einem neuen Spiel studiere meistens ich - wer denn sonst :-D - schon Tage vorher die Regeln und bin dann am Spieleabend relativ gut vorbereitet.
Wir machen das dann ohnehin meistens so, dass ich zunächst nur ganz kurz (5 bis 10 Minuten) die Grundprinzipien des Spieles erkläre. Danach tragen wir ein "Probespiel" (so nennen wir das immer) aus, während dem ich zu jedem Zug und zu jeder Spielsituation die weiteren erforderlichen Erklärungen abgebe. Nach ein paar Runden - je nach Schwierigkeit des Spieles - brechen wir das Probespiel ab, jeder der noch irgendwelche Fragen hat, meldet sich und dann beginnen wir das "richtige" Spiel.
Eventuell auftretende Regelfragen erkäre ich natürlich auch im "richtigen" Spiel jederzeit gerne.
Mit diesem System sind wir bis jetzt immer hervorragend gefahren!!
Ich muss da aber auch mal meine Mitspieler loben (auch wenn sie diese Zeilen jetzt nicht lesen :-( ), denn diese sind eigentlich immer 100 %ig konzentriert bei der Sache.

Gruß

Gerhard (der wegen der vorbildlichen Regeln ab liebsten Alea-Spiele erklärt)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 21:24
von Jürgen Karla
Hallo,

> versuchts doch mal mit einer selbst erstellten Kurzfassung
> der für das Spielziel wichtigen Regelpunkte. Wenn schon eine
> dem Spiel beiliegt, um so besser (öfters taugen die aber
> nicht viel, weil zu "grob" verfasst). Eine solche Kurzfassung
> x-mal kopiert und ausgeteilt hilft oft, auch bei
> unkonzentrierten ZuhörerInnen.

Ich habe vor knapp einem Jahr "Roads and Boats" auf diese Weise kennengelernt und habe den Einstieg in das Spiel als sehr angenehm empfunden. Der damalige Erklärer (Michael Behr) hatte einen ganzen Ordner mit selbsterstellten Kurzanleitungen dabei. Davon bin ich immer noch begeistert.
Mittlerweile stehen die Kurzregeln von Michael und zwischenzeitlich auch einigen anderen Autoren im Netz zum Download bereit (siehe Link). Ich hoffe, daß Ihr es nicht als störende Werbung empfindet, wenn ich Euch aufrufe, mir Eure Dateien und Kurzanleitungen einfach zuzuschicken. Ich stelle sie dann mit den weiteren Dateien im Netz zur Verfügung.
Werbung Ende ;-)

Viele Grüße
Jürgen Karla

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 21:52
von Ernst-Jürgen Ridder
Hallo,

wie man sieht, kennen alle das Problem in mehr oder weniger ähnlicher Form.

Auch meine Mitspieler sind grundsätzlich geduldig, aber nicht so sonderlich konzentriert. Lange Erklärungen -womöglich noch gespickt mit Feinheiten- stoßen meist nicht auf viel Gegenliebe und verhindern die nervige Feststellung "Das hast du aber nicht erklärt" -obwohl es erklärt worden ist- auch nicht.

Bei uns hilft eigentlich nur maximal 10 Minuten erklären, dann losspielen mit dem Hinweis, dass wir das Spiel jetzt halt einfach ausprobieren und dabei weiter erklären müssen. Selbst das hilft aber nicht immer, wir haben halt auch einen dabei, der oft schon im ersten Zug eines Probespiels hauptsächlich darüber nachdenkt, wie er es vermeiden kann, durch einen falschen Spielzug letztlich das Spiel zu verlieren.

Ich habe eben eine fest gezimmerte Runde, die seit mehr als 15 Jahren besteht, selten mal ein neuer Gast. Neue Spiele kommen immer nur von mir. Erklären muss immer ich. Die Verhaltsmuster der Beteiligten sind mehr oder weniger immer gleich. Nur die Spiele wechseln. Dafür kann man aber auch komplexere Spiele spielen, von denen ich nicht wüsste, mit wem sonst -außer mit meiner Frau, die an den Spielrunden nicht teilnimmt- ich diese spielen sollte. Dafür nehme ich die "Unannehmlichkeiten" hinsichtlich der Regel-Erklärung gerne in Kauf.

Gruß
Ernst-Jürgen (der schon wieder vergeblich über einen sinnvollen oder wenigstens spaßigen Klammersatz nachdenkt)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 22:05
von christiane f.
hallo alle,

wie an den zahlreichen reaktionen zu sehen ist, kennen wir das problem alle.
bei uns bin oft ich diejenige, die neue spielt kauft, und also dann auch erklaert.
das geht natuerlich nicht ohne vorbereitung, also: zuhause spielbrett aufstellen, regel lesen, mal ein bisschen rumprobieren, und fuer komplexere spiele kurzanleitung erstellen.
dann beim erklaeren kommt es auch drauf an, ob nur leute aus meiner ueblichen spielegruppe da sind, denen kann ich schon mal was laengeres zumuten. oder es sind leute da, die nicht so spielerfahren sind, da muss die anleitung sich erst mal am grundsaetzlichen orientieren, dann kommen in den ersten 1 oder 2 spielrunden oder -zuegen die feinheiten.
natuerlich haengt es auch von der komplexitaet des spiels ab, wie erklaert wird.
bei manchen spielen geht es so ein bisschen nebenbei, bei komplexen kann mensch das vergessen.
gut gefallen hat mir auch, spiele zu zweit zu erklaeren, mit einem mitspieler, mit dem ich darin uebung hatte. er hat das grundsaetzliche gesagt, ich hatte die regel in der hand und habe die feinheiten nachgetragen. geht natuerlich nur bei spielen, die die erklaerenden schon kennen, nicht bei neuen.
aber auch bei leuten, die konzentriert zuhoeren, wird es immer wieder passieren, dass sie einzelheiten ueberhoeren oder sich nicht merken. schliesslich ist ja doch immer einiges an information, die da in kurzer zeit rueberkommt. also denke ich, dass grundsaetzlich der erste versuch, ein neues spiel zu spielen, nur ein herantasten und erfahrungen machen sein kann, alles weitere kommt im lauf der zeit. und falls fragen aufkommen, hilft eben nur eins - nochmal in die spielregel schauen.

schoenen abend noch!

christiane

(heute fuer ihre verhaeltnisse sehr frueh dran).

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 22:29
von Michael Werner
O.K.

Werbung genehmigt ;-)

Michael (der die o.g. Kurzanleitungen einfach hilfreich und toll findet und sich immer freut, wenn er so kompetente Zusammenfassungen wie auf o.g. Seite bekommt :D )

Warum kauft immer nuWarum immer nur einer - war: Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 22:37
von Michael Werner
Hallo,

was bei den obigen Postings aufgefallen ist: Sehr oft kauft immer nur einer die Spiele und darf den Erklär-Bär spielen.

Woran liegst?

Bei unserer festen Gruppe kaufe auch ich die Spiele zu 90 % und darf diese dann auch erklären.

Wenn sich jemand aus meiner Gruppe dann ein Spiel kauft, dann ist es meistens eins, das ich auch habe (6 Siedler mit Erweiterungen haben wir schon :-O)

Wie bringt man den die Leute dazu auch mal mehr Risiko zu zeigen und sich auch ein wenig mehr um die Spiele herum zu interessieren?)

Michael (der gerade die INWO-Regels studiert und den es schon schauert, wenn er dran denkt, das seinen Mitspielern beizubringen)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 22:39
von panna
Es ist schon schade um so manchen Spieleabend der wegen des großen Regelwerks in die Hose ging. Man weiß ja auch oft erst im nach hinein worauf man sich eingelassen hat.
Entweder man hat wirklich eine gute Truppe zusammen oder
wie Gerhard Pasler auch schon erwähnte,ist mein Rezept , gut vorbereiten.
Wie im richtigen Leben.
Es kann auch beim nächsten mal schwierig sein, bestimmte Spieler zu aktivieren.

Bei regelmäßigen Spieletreffs, die meist ja nur zu bestimmten, begrenzten Zeiten stattfinden, ist es auch tödlich ,unvorbereitet sehr komplexe Spiele auf zu tischen.

Panna ( unvorbereitet geschrieben)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 23:33
von Petra Schmidt
Bettina schrieb:
> Ganz übel allerdings empfinde ich es, wenn ich ein Spiel
> erklären soll, was einer oder zwei nicht kennen, und die
> anderen zeitgleich miterklären. Da bekomme ich den Zorn und
> frage mich, warum der "Miterklärer" das Spiel nicht gleich
> selbst erklärt :evil:

Hallo Bettina!

Das finde ich auch ganz übel, wenn man erklärt und ein oder zwei andere fallen einem ins Wort. Ich denke mir doch was dabei, wenn ich erkläre und habe auch ein gewisses Konzept. Wenn dann aber ein paar andere dazwischen funken, verliere ich oft den Faden.

Auch übel finde ich, wenn ein paar nicht einfach mal zuhören und abwarten können, sondern alles gleich haarklein erklärt haben wollen und wirklich alles hinterfragen, dann aber bis das Spiel los geht, mehr als die Hälfte wieder vergessen haben - weil sie einfach nicht zuhören konnten.

Petra

Re: Warum kauft immer nuWarum immer nur einer - war: Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 25. Februar 2002, 23:53
von Petra Schmidt
Michael Werner schrieb:

> was bei den obigen Postings aufgefallen ist: Sehr oft kauft
> immer nur einer die Spiele und darf den Erklär-Bär spielen.
>
> Woran liegst?
>
> Bei unserer festen Gruppe kaufe auch ich die Spiele zu 90 %
> und darf diese dann auch erklären.

Ja, dass kenn ich und wir hatten in unserer Gruppe auch schon zum Teil heftige Diskussionen darüber. Wenn wir sagen, dass immer nur wir neue Spiele mitbringen, dann heißt es, dass die anderen ja auch Spiele mitbringen. Wir halten dann dagegen, dass es alte Spiele sind. Dann heißt es wieder, dass die aber auch gut sind (Carcassonne, Bluff, Gambler, Basta ... :evil: )
Ich habe nichts gegen alte Spiele, würde aber auch gerne mal ein neues Spiel ausprobieren, was ich nicht selber gekauft und finanziert habe - das Erklären dabei finde ich gar nicht das Schlimmste.

> Wenn sich jemand aus meiner Gruppe dann ein Spiel kauft, dann
> ist es meistens eins, das ich auch habe (6 Siedler mit
> Erweiterungen haben wir schon :-O)

Bei uns in der Gruppe herrscht zum Teil die Meinung, dass man ein Spiel erst kauft, wenn
1) man es schon mal irgendwo Probe spielen konnte
2) es in der Spielbox-Printausgabe positiv bewertet wurde
3) es in der Süddeutschen Zeitung 5 oder 6 Punkte bekommen hat
4) es vielleicht "Spiel des Jahres" wurde oder
5) mit dem "Deutschen Spielepreis" ausgezeichnet wurde
6) und billig sollte es auch sein, vielleicht sogar vom Flohmarkt

Das ist echt zum Haare ausraufen, aber wenn wir (mein Mann und ich) keine neuen Spiele anschleppen, müssen wir halt auf immer und ewig die alten Kamellen spielen und würden wohl nie oder selten was neues und aktuelles zum Spielen bekommen :cry:

Petra (in deren Spielegruppe ausser Carcassonne keiner ein neues Spiel gekauft hat)

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 26. Februar 2002, 01:46
von Roman Pelek
Hi Christian,

die Probleme kennen wohl alle, die Spiele erklären. Wir handhaben das grundlegend so: das Spiel wird aufgebaut, dabei wird schonmal das Grundprinzip/Spielziel nebenher erläutert. Danach folgt meist ein Kurzabriss des Rundenablaufs, der danach durch Erläuterung anhand des Spielmaterials verfeinert wird (damit man's mal gesehen hat, das wirkt m. E. am besten). Danach scheiden sich die Geister: ist's eine Vielspielerrunde werden Details und Sonderfälle explizit mit ihrerer Bedeutung erläutert (damit sich keiner rausreden kann, er hätte von nix gewusst - kommt dann meist aber trotzdem vor ;-) ). Sind Leute dabei, die weniger oft spielen, wird an diesem Punkt meist losgespielt. Dabei wird versucht, alle Leute, die's schon kennen, zuerst ihre Züge ausführen zu lassen, damit die anderen sehen, was warum passiert. Sind dann Leute an der Reihe, denen das Spiel unbekannt ist, erläutert man ihnen mehr oder minder detailliert, was sie tun können und welche Konsequenzen das hat.

Das läuft dann meist so über 2-3 Runden, dann können auch die Ungeübten alleine spielen, Rückfragen kommen dann natürlich immer noch, aber "es läuft" meist schonmal. Je nach Spiel und Mitspielerverhalten wird das Spiel dann zu Ende gespielt (meistens), teilweise auch auf Wunsch abgebrochen und neu begonnen. Nicht allzu selten ist dann auch der Wunsch nach einer Revanche (falls Zeit/Spieldauer das erlauben) bei den "Neulingen" da, wenn das Spiel halbwegs gefallen hat - und das gibt dann die Chance, mal von Beginn an "richtig" zu spielen.

Um's zusammenzufassen: generell klappt bei uns das Regelerklären nach "Top-Down"-Methode ganz gut, d. h. erst das Grobe erklären, dann den Rundenablauf/Spielzug grob, dann zumindest bei Vielspielern die Feinheiten, Taktiken oder Sonderfälle. Das Wichtigste dabei ist aber, individuell auf die Bedürfnisse der Mitspieler einzugehen, ein Ungeübter braucht vielleicht die Betreuung/Zugvorgabe in den ersten Runden, während ein Vielspieler alle Details vorab hören will und dann partout nicht in seinen Zug hereingeredet bekommen möchte.

Gewisse Spiele würde ich aber in bestimmten Runden generell nicht auf den Tisch bringen, primär Spiele, die eine lange Regelerklärung im Voraus brauchen nicht bei selten spielenden Mitmenschen. Aber die erfordern auch so oder so eine Vorbereitungszeit. Definitiv in meinen Augen nur für Spieleverrückte sind m. E. die Erklärvarianten des Regelvorlesens. Das strapaziert auch ehrlich gesagt meine Geduld außer in simplen Fällen aufs Äußerste und resultiert meist in einem in der Hektik völlig falsch gespielten Spiel...

Wie immer gilt, dass obige theoretisch Erläuterungen natürlich in der Praxis zigmal Lügen gestraft werden, allzu häufig will dann doch einer ein Spiel spielen, zu dem keiner mehr die Regeln genau kennt oder irgendein Mitspieler grade keine Lust hat. Das ist natürliche Härte und nicht zu vermeiden - man sollte nur darauf achten, damit keine Mitspieler komplett wegzuekeln oder sie entsprechend mit einem Spieler ihrer Wahl danach zu belohnen :-D Aber das halte ich für machbar...

Ciao,
Roman

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 26. Februar 2002, 03:09
von christiane f.
ach roman,

du hast einfach talent, das alles so zu sehen und zu formulieren, dass ich mich bedenkenlos anschliessen kann!

fein gemacht!

christiane

(dringlichst auf dem weg ins bett).

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 26. Februar 2002, 03:17
von Brigitta Lindemann
christiane f. schrieb:
>
> ach roman,
>
> du hast einfach talent, das alles so zu sehen und zu
> formulieren, dass ich mich bedenkenlos anschliessen kann!
>
> fein gemacht!

kann ich dir nur Recht geben - etwas Ähnliches wollte ich auch schreibn, hätte es aber nie so gut formulieren können und innerlich auf die Erklärung von Roman gewartet
Brigitta

Re: Das Leid mit der Anleid- äh -leitung

Verfasst: 26. Februar 2002, 07:26
von Michael Andersch
Also, ich erkläre die Spiele wenn ich sie schon kenne meist rückwärts:

-"Spielziel ist (am meisten Geld, viele Punkte,... -> dabei wildes Zeigen auf Punktemarker, Kramerleiste,...).
-"Wie bekommt man's?" (Erklärung des groben Wertungsmechanismus, z.B. Mehrheiten in Gebieten -> dabei Aufbau verschiedener Punkjtebringender Situationen)
-"Wie erreicht man's?" (Erklärung der Möglichkeiten, die Jemand in seinem Zug hat)
-"Wie geht's los?" (Anweisung, wie die Startaufstellung herzustellen ist, was ich die anderen Mitspieler machen lasse, während ich die Regel nochmal kurz überfliege)

Das funktioniert mit meinen Mitspielern (von denen glücklicherweise ich NICHT der Einzige bin, der neue Spiele kauft) recht gut, meist sogar rein auf erklärerischer Basis (ohne dass Beispielsituationen aufgebaut werden).
Voreilige Zwischenfragen (die mittlerweile auch oft nur deshalb gestellt werden, weil bekannt ist, dass ich das hasse ;-) ) werden ignoriert oder mit einem kurzen "kommt noch" beiseite gewischt, "begründete" Zwischenfragen natürlich sofort beantwortet.

Wichtig finde ich auch, dass Leute "begründete" Zwischenfragen sofort stellen. Nichts ist ärgerlicher als hinterher festzustellen, dass einige Leute zwar während der ganzen Erklärerei zwar eifrig genickt, insgeheim aber gar nichts verstanden haben.

Damit bin ich bisher immer gut gefahren, und ich muss sagen: Ich erkläre gerne, und es macht mir auch nichts aus, alle Spiele eines Abends zu erklären.
Wobei es mir meine Mitspieler gemeinhin auch leicht machen: Meist motiviert, konzentriert und willig :-D !

Erklärte Grüße,
Micha

RE: Regelerklaerungen [lang]

Verfasst: 26. Februar 2002, 07:27
von Jost Schwider
"Kathrin Nos" hat am 25.02.2002 geschrieben:

> Ich glaube, das Problem hier ist auch (und das kann man
> meiner Meinung nach weder Dir als Erklärer noch den
> Mitspielern als Zuhörern vorwerfen), dass man beim Lernen
> der Regel noch nicht versteht, wozu jetzt genau dieses
> Beispiel dient - will sagen, es kann vorkommen, dass man
> trotz schönem Beispiel den Zusammenhang noch nicht sieht.

Aber wehe, man hat es nicht vorher an einem Beispiel erklärt: "Davon hast du gar nichts gesagt!" kennen wir sicher alle... :roll:

> Bei mir persönlich ist es so, dass ich
> (Software-Entwicklerin) momentan einen neuen Kollegen
> einarbeite [...]
> Wenn er dann wegen genau dieser Sachen dann
> später mehrmals am Tag bei mir im Büro steht und genau auf
> dieselben Probleme stösst und diese nochmal nachfragt, als
> hätte er nie zuvor davon gehört, bin ich auch häufig ein
> wenig genervt!

Sitzt du eventuell im gleichen Büro wie ich? ;-)
Ich weiß genau, was du durchmachst!

> Und, um nochmal an einer anderen Stelle anzusetzen: Ich
> persönlich möchte möglichst die komplette Regel kennen,
> bevor ein Spiel losgeht, um mir schon mal Gedanken über
> Taktik und/oder Strategie zu machen.

Eigentlich möchte ich das auch, bei manchen Spielen [i]kann[/i] man es aber erst durch die Praxis (=Probespiel) erklären ("Mamma Mia" ist [i]das[/i] Beispiel für ein solches Spiel).

Auch komplexe Spiele sollte man u.U. einfach mit einem Probespiel beginnen, wo Regeldetails erst beim ersten Auftreten genannt werden. Nach 2-3 Runden (oder Stunden?) wird dann gnadenlos abgebrochen und (wenn dann überhaupt noch Lust besteht), ganz neu angefangen.
Tatsächlich machen wir manchmal "Regel-Erforschungs-Spielerunden", bei denen wir uns nur für ein Probespiel zusammenfinden. Dieses Vorgehen war z.B. bei Renaissance sehr erfolgreich.

> Und noch ein weiterer Gedanke, der mir gerade kam: Einige
> Spiele sind auch schwer zu erklären. Besonders schwierig
> fand ich es z.B., Meuterer zu erklären (das Spiel an sich
> mag ich [i]sehr[/i]!!) - mein Mann und ich haben schon
> mehrmals darüber diskutiert, wie man es am besten erklärt
> und haben uns überlegt, das nächste Mal in einer
> stufenweisen Erklärung vorzugehen: Erst den Zieh- und
> Handelsmechanismus, und erst im zweiten Schritt die
> Charakterkarten.

Meuterer ist wirklich nicht gerade leicht zu erklären. Hier bin ich mit der Methode "Probespiel-Erklärung" noch am Besten gefahren.

> So, und nun herzlichen Glückwunsch an alle, die bis hierher
> mit Lesen durchgehalten haben!! :-)

Vielen Dank! :-))

> Kathrin (hurra, das erste Posting mit dem Offline-Reader!).

Viele Grüße
Jost aus Soest (freut sich über eine neue "Kundin" und sagt: Herzlichen Glückwunsch!)