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Fantasy Business

Verfasst: 21. März 2002, 16:26
von Christian Spohr
Hallo,
ich habe gestern die Regeln zu Fantasy Business gelesen. Ich dachte, es gab hier schon mal was dazu, aber die Suchfunktion hat keine Ergebnisse geliefert, daher die Frage:

In der Regel gibt es ein Beispiel, bei dem die Spieler sich auf 4 Dublonen (?) einigen, dann einer 4 verlangt (und nichts bekommt), einer 3 (die er bekommt) und zwei den Grundwert 2 (die dann noch 2 dazu bekommen). Wenn die Abmachungen immer in diesem Bereich liegen, dann fahr ich doch am besten und am sichersten, wenn ich immer den Grundbetrag verlange, und dann auf jeden Fall zusätzlich noch 2 Dublonen (oder waren es Dukaten?) kassiere.
Ist das Beispiel nur ungünstig gewählt oder irre ich da (weil ich das Spiel ja auch noch nicht gespielt habe)? Oder ist das tatsächlich so (in dem Fall wäre das Spiel ja nicht besonders abwechslungsreich)?

RE: Fantasy Business

Verfasst: 21. März 2002, 16:45
von Kathrin Nos
Hallo Christian,

"Christian Spohr" hat am 21.03.2002 geschrieben:
> ich habe gestern die Regeln zu Fantasy Business gelesen.
> Ich dachte, es gab hier schon mal was dazu, aber die
> Suchfunktion hat keine Ergebnisse geliefert

Nicht genau zu Deiner Fragestellung, aber allgemein zu ersten Eindrücken von Fantasy Business gab es folgenden Thread: http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=38875&t=38875

> Wenn die
> Abmachungen immer in diesem Bereich liegen, dann fahr ich
> doch am besten und am sichersten, wenn ich immer den
> Grundbetrag verlange, und dann auf jeden Fall zusätzlich
> noch 2 Dublonen (oder waren es Dukaten?) kassiere.
> Ist das Beispiel nur ungünstig gewählt oder irre ich da
> (weil ich das Spiel ja auch noch nicht gespielt habe)?

Ich persönlich habe ja auch den Eindruck, dass es schon ein wenig ist wie beim Gefangenen-Dilemma (zwei Gefangene stehen vor der Entscheidung: Entweder gestehen oder nicht. Schützen sie sich gegenseitig durch Schweigen, kommen beide frei. Gesteht einer, aber der andere nicht, erhält der andere eine hohe Strafe. Der Verräter aber wird immer vergleichsweise milde bestraft).

In der sog. unkooperativen Variante ist immer das Gestehen günstiger - diese Variante ist hier m.E. dadurch gegeben, dass man eben geheim aufschreibt.

Vielleicht aber nochmal allgemein zu Fantasy Business: In unserer Spielerrunde waren wir zu viert und die eine Hälfte fand es recht interessant, weil es eben darum geht, im rechten Moment doch kooperativ zu sein. Die andere Hälfte (u.a. ich) fand es nicht gut, eben wegen oben genannter Probleme. Das Thema an sich fanden wir aber alle sehr ansprechend!

Alles Gute wünscht
Kathrin.

Gefangenendilemmata

Verfasst: 21. März 2002, 17:08
von Marten Holst
Moinle,

> Ich persönlich habe ja auch den Eindruck, dass es schon ein
> wenig ist wie beim Gefangenen-Dilemma (zwei Gefangene stehen
> vor der Entscheidung: Entweder gestehen oder nicht. Schützen
> sie sich gegenseitig durch Schweigen, kommen beide frei.
> Gesteht einer, aber der andere nicht, erhält der andere eine
> hohe Strafe. Der Verräter aber wird immer vergleichsweise
> milde bestraft).
>
> In der sog. unkooperativen Variante ist immer das Gestehen
> günstiger - diese Variante ist hier m.E. dadurch gegeben,
> dass man eben geheim aufschreibt.

mal wieder mein leider aktuell klassisches Problem: ich kenne das Spiel nicht. Praktisch lohnt sich aber Kooperation, wenn man das "Spiel" (also das Dilemma) häufig genug wiederholt. Obwohl man mathematisch hier auch auf "immer Konflikt und Egoismus" käme, bewährt sich in der Praxis die Tit-For-Tat-Strategie mit kooperativem Start am besten (also immer dann kooperieren, wenn der Partner das in der Runde zuvor getan hat, und umgekehrt).

Kooperative Grüße
Marten (Will nie Gefangener sein und ist deswegen auch immer brav.)

RE: Gefangenendilemmata

Verfasst: 21. März 2002, 17:24
von Kathrin Nos
"Marten Holst" hat am 21.03.2002 geschrieben:
> mal wieder mein leider aktuell klassisches Problem: ich
> kenne das Spiel nicht. Praktisch lohnt sich aber
> Kooperation, wenn man das "Spiel" (also das Dilemma) häufig
> genug wiederholt. Obwohl man mathematisch hier auch auf
> "immer Konflikt und Egoismus" käme, bewährt sich in der
> Praxis die Tit-For-Tat-Strategie mit kooperativem Start am
> besten (also immer dann kooperieren, wenn der Partner das
> in der Runde zuvor getan hat, und umgekehrt).

Stimmt - ist genau das Argument, mit dem die andere Hälfte unserer Runde uns überzeugen wollte :-) Ist halt die kooperative Variante des Gefangenen-Dilemmas, also die, in der sich die beiden Gefangenen absprechen können. Was man im Spiel ja auch kann (die Absprache, meine ich), aber man kann es eben auch unterlaufen, indem man [i]doch[/i] etwas anderes aufschreibt.

Leider war bei uns selten die Situation so, dass man sich mit verschiedenen Leuten absprechen konnte - über mehrere Runden hinweg blieb die Auslage von Warenkarten bei den Spielern so ähnlich, dass man schon getroffene Absprachen einfach wieder für gültig erklärt hat und damit sehr schnell zum Aufschreiben überging. Will sagen: Es braucht vielleicht einfach eine höhere Spielerzahl - vier sind wohl zu wenig.

Alles Gute wünscht
Kathrin.

Re: Gefangenendilemmata

Verfasst: 21. März 2002, 23:33
von RoGo
Hallo Marten,
wie wir alle seit dem Folk-Theorem wissen, hängt die Effizienz der Tit-for-Tat-Strategie von Deiner Zeitpräfernzrate ab.
Wenn man jetzt noch wüßte, ob FB eine fixe oder zumindest einschätzbare Rundenzahl hat...
Lustig fand ich das Wolfgang Kramer in Wittigs Schatzinsel Collection das Dilemma als Theorem bezeichnet, mit dem er sich schon '76 herumgeprügelt hat.
Das Spiel, das bei ihm aus diesem Grübeln entsprang, hat aber leider - glaube ich - eine einfache dominante Strategie mittels Selbstbindung.
Spieltheoretische Grüße
Roland

Re: Gefangenendilemmata

Verfasst: 22. März 2002, 08:02
von bruno faidutti
The best game implemetation of the prisonner's dilemma is probably the combat system in Cosmic Encounter, with the use of the Compromise card.