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[PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 13:33
von Jost Schwider
"Tyros" (Kosmos)
Spieler: 3-4
Angegebene Spieldauer: 60-70 Minuten
Preis: knapp 15 Euro
So, nachdem ich nun zwei "richtige" Tyros-Partien hinter mir habe, möchte ich endlich mal meine "fundierteren" ersten Eindrücke loswerden... ;-)
[b]Story[/b]
In Tyros übernimmt man die Rolle eines phönizischen Händlers, welcher im Mittelmeer mit den aufstrebenden Reichen Handel treibt und dort Städte gründet.
Wer am Ende des Spiels die meisten/wertvollsten Städte und Handelsposten (im Spiel "Schiffkontrolle" genannt) besitzt, gewinnt das Spiel.
[b]Start[/b]
Zu Beginn ist der Spielplan (eingeteilt in eindeutige Rechtecke) noch ziemlich aufgeräumt: Jeder Spieler hat gerade mal zwei Schiffe, die alle von Tyros (heutiges Libanon) starten. Auch die vier Mittelmeer-Reiche sehen noch winzig aus (deren Startpositionen werden im Prinzip zufällig gezogen). Jedes Reich wird durch eine bestimmte Farbe (entspricht einem Handelsgut) repräsentiert.
[b]Ablauf[/b]
Das Spiel findet in 5 Phasen statt:
1. Handelskarten-Nachschub
(10 Stück bei 4 Spielern, sonst 12)
2. Reiche vergrößern
(bei 3 Spielern und in der ersten Runde: zweimal)
3. Aktionen durchführen (kosten i.A. Handelskarten)
(wird solange wiederholt, bis der Letzte gepasst hat)
4. Überzählige (>3) Handelskarten abwerfen
5. Startspieler-Zeichen weitergeben.
Jede Phase wird erst von allen Spielern durchgeführt, bevor die nächste beginnt.
zu Phase 2:
Jeder Spieler hat i.A. 4 Landschaftskärtchen (definiert eine Region) zur Verfügung, wovon er eine aussuchen darf, die an ein bereits existierendes Reich orthogonal angrenzen muss. Dadurch wächst dieses Reich (wird mit einer Farbe markiert).
Grenzt eine Landschaft an zwei Reiche, so kann der Spieler entscheiden, welche "Farbe" diese Landschaft/Region bekommen soll.
Anschließend zieht ein Spieler ein neues Landschaftsplättchen. (Insgesamt gibt es 32.)
zu Phase 3:
Die Spieler führen Reihum genau eine der folgenden Aktionen durch, solange bis alle gepasst haben (Wiedereinstieg ist möglich):
[i]a) Schiff bewegen[/i]
Man zahlt soviele Handelskarten passender Farbe (d.h. Farbe des Reichs, wohin es gehen soll), wie das Ziel an Feldern entfernt ist. Man kann nur zu bereits farbig markierten Regionen reisen. Woanders darf ein Schiff folglich keinen Halt machen!
[i]b) Stadt bauen (benötigt alleinige Schiffkontrolle)[/i]
Man zahlt 5 Handelskarten passender Farbe und entfernt das Schiff. (Hat man zwei Schiffe vor Ort, so kostet es nur 4 Handelskarten.)
[i]c) Schiff bauen (nur in Tyros oder eigenen Stadt)[/i]
Man zahlt soviele Handelskarten passender Farbe, wie bereits Schiffe in der Stadt vorhanden sind, plus 1. (In einer leeren lila Stadt also eine lila Handelskarte.)
[i]d) Handel mit Bank[/i]
1:1, d.h. bis zu drei Karten ablegen und gleiche Anzahl neue ziehen (blind).
3:1, d.h. drei Karten ablegen, und vom Abwurfstapel eine beliebige raussuchen.
[i]e) Handel mit einem Spieler[/i]
Man darf alle Spieler fragen, aber nur mit einem tauschen.
Kommt kein Handel zustande, so darf ersatzweise eine der anderen Aktionen a)-d) durchgeführt werden.
[b]Ende[/b]
Hat ein Spieler sein letztes Landschaftsplättchen gelegt, so wird diese Runde noch zu Ende gespielt. Dann erfolgt die Wertung:
- Für jede Stadt erhält ein Spieler 12/10/9/8* Punkte.
- Für jede Schiffkontrolle (nur eigene Schiffe in einer Region ohne Stadt) 6/5/4/3* Punkte.
- Ggf. 7 Bonus-Punkte für Majoritäten in einem Reich.
- Ggf. 7 Bonus-Punkte für denjenigen, der zuerst in jedem Reich eine Stadt gegründet hat.
*[i]Abhängig von der Größe des Reiches (größer=wertvoller)[/i]
[b]Kommentar[/b]
Mein allererster Eindruck (vor dem ersten Spiel, direkt nach dem Lesen der Regeln) war:
Tolle Spielmechanik, tolles Material, interessantes Thema - dank kurzer Aktionen sollte es ziemlich schnell und kurzweilig zugehen.
Mein Eindruck nach der ersten Partie war dann folgender:
Die Spielmechanik setzt das Thema gut (sogar "realistisch") um, es gibt viele Möglichkeiten zu agieren und unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen. Ein perfektes Spiel, wenn es nicht so lange gedauert hätte. Wir haben (zu viert) 2 Stunden gespielt! Hinterher waren wir uns einig, dass zwar alles stimmig ist, aber irgendwie (völlig unbestimmt) der letzte Pfiff fehlen würde.
Mein derzeitiger Eindruck (nach einer zweiten Partie mit zu 50% anderen Spielern und einer Spielhilfe für jeden, wo ich alle Phasen/Aktionen, Kosten und Wertungen auf ein Kärtchen zusammengefaßt habe) ist folgender:
Das Spiel macht mir unheimlich Spaß, schon bei dieser zweiten Partie hat man neue Strategien/Taktiken entwickelt, die man bei der ersten so noch gar nicht gesehen hatte. (Es gibt natürlich auch offensichtliches... ;-) )
Spannung herrschte bis zur allerletzten Runde!
Gut, es gibt einen gewissen Glücksfaktor durch den Handelskarten-Nachschub, aber gerade darin liegt die Kunst:
Je nach verfügbaren Handelskarten seine Ziele zu variieren, geschickt zu tauschen, und ggf. im letzten Moment noch durch gezieltes Reich-Wachstum an der Wertigkeit der Regionen zu drehen.
Trotz Spielhilfe dauerte auch das zweite Spiel aber immer noch deutlich länger als die angegeben 60-70 Minuten. (Dabei wurde hier im Forum schon von 45-Minuten-Partien berichtet! :-? )
Mit Grüblern unter den Mitspielern ist das Spiel eben nur was für Grübler.
Man kann es aber offensichtlich auch ganz locker und damit schnell spielen (eine Aktion in 5 Sekunden ;-) oder so) - dann ist Tyros ganz bestimmt auch etwas für "Wenig-Spieler"!
[b]Vorläufiges(?) Fazit[/b]
Bei dieser Ausstattung zu dem o.g. Preis kann man mit Tyros eigentlich nichts falsch machen: [i]Kaufen![/i] :-))
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")
Re: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 14:12
von Roland G. Hülsmann
Jost Schwider schrieb:
> ... wurde hier im Forum schon von 45-Minuten-Partien berichtet!
Wir waren zu dritt! Dadurch, daß dann [b]immer[/b] bei der Erweiterung des Reiches zwei Plättchen gelegt werden, geht es dann deutlich schneller! In der 5. Runde ist dann eben Schicht (zwei Plättchen kommen nicht zum Einsatz) und - so mein erster Eindruck - verhandelt wird auch weniger: Bei 12 Karten ist halt öfter eine Stadt drin als bei 10.
Bei vier Spielern sind es halt 7 Runden, da nur in der ersten zwei Plättchen gelegt werden. Möglicherweise könnte man es hier etwas beschleunigen, wenn auch noch in der zweiten und/oder dritten Runde zwei Plättchen gelegt werden. (Das gäbe dann 6 bzw. 5 Runden pro Spiel.) Müßte man mal testen.
Gruß
Roland
Re: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 16:59
von Ina-spielbox
Hallöchen,
ich kann Jost nur voll zustimmen, es ist ein tolles Spiel zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Und wenn man nicht zuviel grübelt, geht es auch zügig voran, wir sind jedenfalls trotz Regelerklären nicht viel über den 60 Minuten geblieben - zu viert. Ich finde die Möglichkeiten in dem Spiel sehr ausgewogen, man hat eigentlich immer eine Möglichkeit auch kurzfristig umzudisponieren. Wenn man sich allerdings zu sehr auf einen Zug festnagelt: Ich will ein Schiff/Stadt genau da bauen, dann kann man ziemlich auf die Nase fallen.
Fazit ( siehe auch Jost aus Soest): unbedingt kaufen.
Gruß Ina
RE: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 18:48
von Jost Schwider
"Roland G. Hülsmann" hat am 18.04.2002 geschrieben:
>> ... wurde hier im Forum schon von 45-Minuten-Partien berichtet!
>
> Wir waren zu dritt! Dadurch, daß dann [b]immer[/b] bei der
> Erweiterung des Reiches zwei Plättchen gelegt werden, geht
> es dann deutlich schneller! In der 5. Runde ist dann eben
> Schicht (zwei Plättchen kommen nicht zum Einsatz) und - so
> mein erster Eindruck - verhandelt wird auch weniger: Bei 12
> Karten ist halt öfter eine Stadt drin als bei 10.
Das ist alles richtig, aber: Wir haben mindestens doppelt so lange gebraucht!
Irgendjemand (Michael?) hatte u.a. berichtet, dass sie zu viert auch nur eine knappe Stunde gebraucht hätten.
Wir haben auch schon überlegt, ob man eventuell das Spiel durch stetige zweifache Reich-Vergrößerung beschleunigen könnte. Das würde die Rundenzahl dann von 7 auf 4 senken.
Aber: Das würde das Spiel natürlich deutlich ändern, da dann viiieeel mehr Platz zum agieren da wäre, und weniger Raum für taktische/strategische Überlegungen bliebe...
> Bei vier Spielern sind es halt 7 Runden, da nur in der
> ersten zwei Plättchen gelegt werden. Möglicherweise könnte
> man es hier etwas beschleunigen, wenn auch noch in der
> zweiten und/oder dritten Runde zwei Plättchen gelegt
> werden. (Das gäbe dann 6 bzw. 5 Runden pro Spiel.) Müßte
> man mal testen.
Yapp. Irgendwer? ;-)
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")
Re: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 20:03
von Steffen
In unserer Spielrunde kam "Tyros" ebenfalls hervorragend an. Meiner persönlichen EInschätzung nach ist es das Spiel, das den Titel "Spiele für Viele" am besten räpresentiert - findet es doch bei Gelegenheits- und Vielspielern gleichermaßen Anklang. Es ist taktisch variabel genug, um den Spielern ständig neue Strategien abzuverlangen, und dennoch "oberflächlich" (im positiven Sinne) genug, um auch Neueinsteigern und Gelegenheitsspielern einen einfachen Einstieg zu bieten. Unsere Spielrunden variierten zwischen 75 und 100 Minuten.
RE: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 21:25
von Jost Schwider
"Steffen" hat am 18.04.2002 geschrieben:
> In unserer Spielrunde kam "Tyros" ebenfalls hervorragend
> an. Meiner persönlichen EInschätzung nach ist es das Spiel,
> das den Titel "Spiele für Viele" am besten räpresentiert -
> findet es doch bei Gelegenheits- und Vielspielern
> gleichermaßen Anklang. Es ist taktisch variabel genug, um
> den Spielern ständig neue Strategien abzuverlangen, und
> dennoch "oberflächlich" (im positiven Sinne) genug, um auch
> Neueinsteigern und Gelegenheitsspielern einen einfachen
> Einstieg zu bieten. Unsere Spielrunden variierten zwischen
> 75 und 100 Minuten.
Wenn du das so beschreibst, dann kommt mir ein Gedanke:
[i]Haben wir es hier eventuell mit einen "Geheimfavoriten" für das "Spiel des Jahres" zu tun?[/i] ;-)
Im Ernst: Ein Landkarten-orientiertes "Strategical" darf es doch ruhig auch mal werden, oder? Vor allem, da das Thema so stimmig umgesetzt ist.
Einverständliche Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")
RE: [PEEP+mehr] Tyros
Verfasst: 18. April 2002, 21:59
von Steffen
Hmmm, nein - für das Spiel des Jahres ist´s kein Kandidat (die alten Argumente, mit dem Preis angefangen, backe ich hie rnicht wieder auf...).
Aber das muß es ja auch nicht - ich schippere auch so lieber mit den phönizischen Segelschiffen (sahen die wirklich aus wie Vikingerschiffe?) als mit der "Mississippi Queen" ;)
Galeeren (war: [PEEP+mehr] Tyros)
Verfasst: 18. April 2002, 22:38
von Volker L.
Steffen schrieb:
>
> Aber das muß es ja auch nicht - ich schippere auch so lieber
> mit den phönizischen Segelschiffen (sahen die wirklich aus
> wie Vikingerschiffe?) als mit der "Mississippi Queen" ;)
Naja, zum verwechseln aehnlich sicherlich nicht, aber beides
waren auf grosse Geschwindigkeit ausgelegte Segel+Ruderschiffe
(Segel fuer grosse Entfernungen, Rudern bei Flaute und im Kampf),
von daher zwangslaeufig eine aehnliche Grundkonstruktion.
Ich muesste heute abend ... aeh, also nachher ;-) ... zuhause
mal gucken, ob ich Abbildungen finde - kann sein, dass
phoenizische Schiffe Lateinersegel hatten, Vikingerschiffe hatten
Rahsegel.
aufgetakelte Gruesse, Volker
OT: Lateinersegel
Verfasst: 18. April 2002, 23:20
von Gustav der Bär
Ich gestehe gleich, dass ich kein maritimer Experte bin und deshalb hier nur ausgesprochenes Halbwissen zum Besten geben kann:
Soweit ich weiss, stammt das Lateinersegel aus dem Indien des frühen Mittelalters (also ca. 5. - 8. Jhdt. n. Chr.) und kam über die Arabischen Fernhändler bis in den Mittelmeerraum. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es schon den Phöniziern bekannt war - lasse mich aber gern von einem Kundigen eines Besseren belehren.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)
RE: Lateinersegel / Mittelmeer-Geschichte (OT)
Verfasst: 19. April 2002, 08:49
von Jost Schwider
"Gustav der Bär" hat am 18.04.2002 geschrieben:
> Ich gestehe gleich, dass ich kein maritimer Experte bin und
> deshalb hier nur ausgesprochenes Halbwissen zum Besten
> geben kann:
Dito! :-)
> Soweit ich weiss, stammt das Lateinersegel aus dem Indien
> des frühen Mittelalters (also ca. 5. - 8. Jhdt. n. Chr.)
> und kam über die Arabischen Fernhändler bis in den
> Mittelmeerraum. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es
> schon den Phöniziern bekannt war - lasse mich aber gern von
> einem Kundigen eines Besseren belehren.
Ob die Phönizier [i]das[/i] Lateinersegel kannten, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall hatten sie damals (1000-1500 v.Chr.) die besten Schiffe - immerhin sind sie damit sogar um Afrika herumgesegelt, was m.E. den Römern später nie gelungen ist... :-D
Apropos: Die direkten (karthagischen) Nachfahren (die Punier) konnten mit ihren Schiffstyp viele weitere Jahrhunderte das Mittelmeer beherrschen, bevor dann die "bösen" Römer alles platt gemacht haben... :-/
Um wieder ein wenig OnTopic zu werden: Zu diesem Thema gibt es ja einige schöne Spiele; "Hannibal" sei hier mal erwähnt...
BTW: Habe ich schon jemals erwähnt, dass ich historische Mittelmeer-Spiele mag? :-))
Viele Grüße
Jost aus Soest (für den die "richtige" Antike nur bis zum Erscheinen der Römer geht)
OT: Antike und Römer
Verfasst: 19. April 2002, 10:38
von Gustav der Bär
Jost Schwider schrieb:
> Um wieder ein wenig OnTopic zu werden: Zu diesem Thema gibt
> es ja einige schöne Spiele; "Hannibal" sei hier mal erwähnt...
> BTW: Habe ich schon jemals erwähnt, dass ich historische
> Mittelmeer-Spiele mag?
Ich weiss nicht, ob du´s schon mal erwähnt hast, lieber Jost, aber ich pflichte dir da bei. "Hannibal" mag ich auch gern und "Republic of Rome" (auch, wenn dort das Mittelmeer nur sehr indirekt in Form von 25 roten Flotten-Markern präsent ist) noch viel mehr.
> Jost aus Soest (für den die "richtige" Antike nur bis zum
> Erscheinen der Römer geht)
Für meinen persönlichen Geschmack wurde sie erst richtig interessant, als die Römer auftraten - mein Faible beschränkt sich in erster Linie auf die Zeit der Römischen Republik (nicht des Spiels wegen - die Sympathie dafür kam eher umgekehrt zu Stande): Eine Nation, angetreten um mit Hilfe ihrer Republikanischen Verfassung Ordnung in das Mediterrane Chaos zu bringen. Abgesehen davon hatten sie einfach tolle Wurfmaschinen.
VALE!
GAIUS URSUS
(Peter Gustav Bartschat)
Re: OT: Antike und Römer
Verfasst: 19. April 2002, 11:08
von Stephan Valkyser
> Für meinen persönlichen Geschmack wurde sie erst richtig
> interessant, als die Römer auftraten - mein Faible beschränkt
> sich in erster Linie auf die Zeit der Römischen Republik
> (nicht des Spiels wegen - die Sympathie dafür kam eher
> umgekehrt zu Stande): Eine Nation, angetreten um mit Hilfe
> ihrer Republikanischen Verfassung Ordnung in das Mediterrane
> Chaos zu bringen. Abgesehen davon hatten sie einfach tolle
> Wurfmaschinen.
Hast du dir schon mal die Spiele aus der GBOH-Reihe von GMT Games angesehen?
SPQR, Caesar, War Galley, Great Battles of Alexander..., um nur einige zu nennen.
Sicherlich etwas komplexer als das von dir angesprochene Hannibal, aber für jemanden mit einem Faible für die Antike (like me ;-)) sehr interessant.
Neue Spiele im alten Rom (teilw. OT)
Verfasst: 19. April 2002, 11:34
von Jost Schwider
"Gustav der Bär" hat am 19.04.2002 geschrieben:
>> Jost aus Soest (für den die "richtige" Antike nur bis zum
>> Erscheinen der Römer geht)
>
> Für meinen persönlichen Geschmack wurde sie erst richtig
> interessant, als die Römer auftraten - mein Faible
> beschränkt sich in erster Linie auf die Zeit der Römischen
> Republik (nicht des Spiels wegen - die Sympathie dafür kam
> eher umgekehrt zu Stande): Eine Nation, angetreten um mit
> Hilfe ihrer Republikanischen Verfassung Ordnung in das
> Mediterrane Chaos zu bringen.
Siehst du, ich sehe das genau umgekehrt: Durch die römische "Gleichschaltung" ( ;-) ) des Mittelmeerraumes sind viele Völker / Strömungen / Entwicklungen gebremst worden bzw. sogar aus der Weltgeschichte beseitigt worden. => weniger Vielfalt! :-/
OK, beenden wir an dieser Stelle [i]dieses[/i] Thema. (Ggf. Fortsetzung im OT-Forum?)
BTW: Du kennst dann doch sicher Rainer Knizias "Neue Spiele im alten Rom"?!
M.E. eine tolle Spielesammlung mit einem gemeinsamen (römischen) Thema, wo man viiieeele Mechanismen von (späteren) Knizia-Klassikern wiederfinden kann. Für jeden Geschmack ist etwas dabei...
Viele Grüße
Jost aus Soest (Italien-Fan, aber kein Rom-Fan)
Re: Neue Spiele im alten Rom (teilw. OT)
Verfasst: 19. April 2002, 12:08
von Ralf Arnemann
> Siehst du, ich sehe das genau umgekehrt: Durch die römische
> "Gleichschaltung" ( ) des Mittelmeerraumes sind viele Völker /
> Strömungen / Entwicklungen gebremst worden bzw. sogar aus der
> Weltgeschichte beseitigt worden. => weniger Vielfalt!
Völlige Zustimmung!
Das mit "Gesetz und Ordnung" haben die Römer doch nur gebraucht, um eine Basis zu haben, die faszinierende Kultur des antiken Mittelmeerraums auszuplündern und zu versklaven.
Schön polemisch und off-topic, aber nun kann ich entspannt ins Wochenende gehen.
Ralf (der bei seinem Geschichtsstudium alles zwischen Makedonen und Mittelalter vermieden hat, um den blöden Römern zu entgehen).
Wie war das nun mit dem letzten Pfiff?
Verfasst: 19. April 2002, 12:11
von Ralf Arnemann
> Hinterher waren wir uns einig, dass zwar alles stimmig ist,
> aber irgendwie (völlig unbestimmt) der letzte Pfiff fehlen
> würde.
Was ist nun aus diesem Gefühl geworden?
Die Beschreibung Eurer zweiten Partie klingt zwar positiv, räumt aber diesen Punkt nicht aus.
Ralf (der den Schrank voll hat mit Spielen, die mal auf Verdacht und mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis gekauft wurden, dann aber ungespielt verstaubten, weil ihnen der letzte Pfiff fehlte).
Re: Lateinersegel / Mittelmeer-Geschichte (OT)
Verfasst: 19. April 2002, 14:28
von Volker L.
Jost Schwider schrieb:
>
> "Gustav der Bär" hat am 18.04.2002 geschrieben:
>
> > Ich gestehe gleich, dass ich kein maritimer Experte bin und
> > deshalb hier nur ausgesprochenes Halbwissen zum Besten
> > geben kann:
>
> Dito! :-)
>
> > Soweit ich weiss, stammt das Lateinersegel aus dem Indien
> > des frühen Mittelalters (also ca. 5. - 8. Jhdt. n. Chr.)
> > und kam über die Arabischen Fernhändler bis in den
> > Mittelmeerraum. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es
> > schon den Phöniziern bekannt war - lasse mich aber gern von
> > einem Kundigen eines Besseren belehren.
Tja, ich habe wie erwartet (fast bin ich geneigt, das Wort
"selbstverstaendlich" zu benutzen) vergessen, nachzusehen.
Aber jetzt habe ich es mir auf einen Zettel geschrieben, so
dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwann waehrend des
Wochenendes daran denke, zumindest ueber 50% liegt :roll: :-|
> Ob die Phönizier [i]das[/i] Lateinersegel kannten, weiß ich
> auch nicht. Auf jeden Fall hatten sie damals (1000-1500
> v.Chr.) die besten Schiffe - immerhin sind sie damit sogar um
> Afrika herumgesegelt, was m.E. den Römern später nie gelungen
> ist... :-D
Nicht nur das, es gibt sogar Hinweise, dass sie vereinzelte
Handelsfahrten nach Mittelamerika unternehmen (allerdings keine
regelmaessigen Handelsrouten sondern eher Expeditionen einzelner
abenteuerlustiger Haendler).
> Apropos: Die direkten (karthagischen) Nachfahren (die Punier)
> konnten mit ihren Schiffstyp viele weitere Jahrhunderte das
> Mittelmeer beherrschen, bevor dann die "bösen" Römer alles
> platt gemacht haben... :-/
Wozu sie den "Harpago", eine Art Vorlaeufer der Harpune
entwickelten, um die (anfangs) seefahrerisch deutlich besseren
Punier in "Landgefechten" (sprich: Enterkampf) mit ihren
ueberlegenen Landtruppen (Legionen) besiegen zu koennen.
> Um wieder ein wenig OnTopic zu werden: Zu diesem Thema gibt
> es ja einige schöne Spiele; "Hannibal" sei hier mal erwähnt...
> BTW: Habe ich schon jemals erwähnt, dass ich historische
> Mittelmeer-Spiele mag? :-))
Gut, auch ich will nochmal die Kurve kriegen und fuege daher
an, dass ich inzwischen Tyrus nachtraeglich auf die
Geburtstagswunschliste gesetzt habe...
... jetzt fehlen mir noch aussagekraeftige Rezis oder PEEPs
von Wallenstein und moeglichst Probepartien (nach Lesen von
Beitraegen bin ich immer noch unsicher) zu Piratenbucht,
Clippers, und TransAmerica.
Gruss, Volker (kann vor allem kaum erwarten, endlich Puerto Rico
in Haenden zu halten)
RE: Tyros = Verzögerte Pfiffigkeit
Verfasst: 19. April 2002, 14:35
von Jost Schwider
"Ralf Arnemann" hat am 19.04.2002 geschrieben:
>> Hinterher waren wir uns einig, dass zwar alles stimmig ist,
>> aber irgendwie (völlig unbestimmt) der letzte Pfiff fehlen
>> würde.
> Was ist nun aus diesem Gefühl geworden?
> Die Beschreibung Eurer zweiten Partie klingt zwar positiv,
> räumt aber diesen Punkt nicht aus.
:-O Och, ich dachte, dass hätte ich zum Ausdruck gebracht... :-)
Also: Beim wiederholten Spielen ist einem der ganze Tiefgang erst richtig aufgegangen, man konnte mit seinen Handelskarten immer irgendwas sinnvolles anfangen (was man bei der ersten Partie vielleicht nicht so gesehen hat), andere ärgern, taktisch [i]und[/i] strategisch vorgehen, etc. pp.
Der Spielverlauf war bis zum Schluß spannend, und hat einen daher immer mitgerissen... => Der letzte Pfiff war gewaltig am Horizont erschienen! ;-)
> Ralf (der den Schrank voll hat mit Spielen, die mal auf
> Verdacht und mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis
> gekauft wurden, dann aber ungespielt verstaubten, weil
> ihnen der letzte Pfiff fehlte).
Tja, die Gefahr kann ich dir nicht nehmen (Geschmäcker sind nunmal verschieden). Aber beachte auch Steffens Meinung:
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=41219&t=41198
Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")
RE: Tyros = Verzögerte Pfiffigkeit
Verfasst: 19. April 2002, 14:51
von Ralf Arnemann
> Och, ich dachte, dass hätte ich zum Ausdruck gebracht...
Klang schon danach, aber ich wollte sicher gehen.
> Der letzte Pfiff war gewaltig am Horizont erschienen!
Sehr schön, das muß ich mir näher ansehen.
> Tja, die Gefahr kann ich dir nicht nehmen ...
Etwas Risiko bleibt immer (selbst wenn man das Spiel selber ausprobiert hat), das schreckt mich auch nicht.
Ich habe nur die Erfahrung gemacht, daß ein Spiel etwas neben meiner Geschmacksrichtung, aber mit Pfiff, eher gespielt wird als ein im Prinzip genau passendes, das letztlich nicht über "ganz nett" hinauskommt.
(Ob ich diese Gehirnverknotung jetzt verständlich rübergebracht habe?)
Vielen Dank für die Antwort und ein verspieltes Wochenende!
Re: Republic of Rome
Verfasst: 20. April 2002, 08:44
von Matthias Staber
>Ich weiss nicht, ob du´s schon mal erwähnt hast, lieber Jost, aber ich pflichte dir da bei. "Hannibal" mag ich auch gern und "Republic of Rome" (auch, wenn dort das Mittelmeer nur sehr indirekt in Form von 25 roten Flotten-Markern präsent ist) noch viel mehr.<
"Republic of Rome" habe ich immer noch ungespielt im Schrank: Die Spielanleitung finde ich sehr abschreckend. Aber cool sieht es aus. Kannst du irgendwelche Tipps geben, wie man sich da am besten ranwagt? Hast du es mal solitär angespielt, um die Regeln kennenzulernen? Wie siehts mit der Spieldauer aus: Ist die realistisch? Kurzum: Lohnt es sich, sich in RoR einzuarbeiten?
Matthias
Re: Republic of Rome
Verfasst: 21. April 2002, 16:30
von Gustav der Bär
Ich habe dir an anderer Stelle geantwortet, lieber Matthias, um hier nicht zu weit ins OT zu kommen:
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=41340&t=41340
AX!GdB
Re: Lateinersegel / Mittelmeer-Geschichte (OT)
Verfasst: 22. April 2002, 13:37
von Volker L.
Also, nach Blick in meine Buecher kann ich sagen, dass auch die
Phoenizischen Kriegs- und Handelsschiffe ein einzelnes Rahsegel
hatten, genau wie die Vikingerschiffe.
Von daher sehen sich phoenizische Kriegsgaeleeren (die
Handelsschiffe waren reine Segler) und vikingische Drachenboote
schon recht aehnlich, es gibt zwar gewisse Unterschiede, aber
nach einem Blick in den Adam-Spielt-Katalog auf das Foto vom
Material von Tyros wuerde ich meinen, dass diese Details bei
so kleinen Plastik(?)figuren praktisch kaum zu erkennen sein
duerften.
Gruss, Volker