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Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 15:43
von christian stieg
Hi,
Jedes Jahr, wenn nicht jeden Monat, kommen Spiele heraus, die, zumindest teilweise, immer besser werden als jene, die man schon absolut genial findet und eigentlich dauernd spielen möchte.
Das Problem ist aber, daß bestimmt fast jeder (siehe Favoriten statt Liste) schon ungefähr zehnmal mehr (Lieblings-)Spiele hat, als er in seiner dummerweise von Nebensächlichkeiten wie Arbeit und Schlaf durchzogenen Woche zu spielen schafft, und andauernd kommen neue hinzu; alte Hits werden dadurch aber nicht schlechter, wie überlebt also der hin- und hergerissene Spieler, ohne sich über Klonen oder eine Zeitmaschine Gedanken zu machen? Und dies Problem ist ja eine Spirale, die sich immer weiter dreht, da die "verdammten" Autoren uns nicht in Ruhe lassen mit ihren Spielen. Oft stehe ich vor meinem Spieleschrank (noch ists nur einer) und schaue wehmütig Spiele an, zu denen ich schon viiiel zu lange nicht mehr kam, da andere Spiele sich durch Neuheit oder noch mehr Spielreiz in den Vordergrund drängen.
Ein Biertruckmodellsammler hats da einfacher, die Wagen versprühen ihren Charme schon beim im-Setzkasten-stehen. Ein Spiel aber will gespielt werden, braucht Menschen, um zum Leben zu erwachen. Und es duldet auch, im Gegensatz zu CDs, von denen es ja auch mehr gute gibt, als man Zeit hat, sie anzuhören, keine Unaufmerksamkeit, eifersüchtig und egoistisch saugt das Spiel die Energie aller am Tisch Sitzenden auf, lediglich kurze Griffe zur Süßigkeit sind erlaubt.
Gibt es noch mehr, die in dieser hoffentlich meinen Gedanken entsprechend ausgedrückten Thematik ein Dilemma sehen, welches kaum zu lösen ist und immer schlimmer wird?
Haben es schon Leute aufgegeben? "Meine Spielesammlung ist perfekt, voller Spiele, dich ich liebe und spielen will, danke, aber ich brauche KEIN neues Spiel mehr." Gibts das?
Bin gespannt, was für Ansichten eintreffen.
Schönen Männertag/Vatertag/Christi Himmelfahrt!
Salut
Christian
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 16:08
von Sven Weiss
Ja, so ähnlich habe ich auch schon gedacht. Und das gilt bei mir auch für CDs, Bücher, Filme und noch so einiges. Aber dann denke ich immer wieder: Hey, ist doch eigentlich viel besser als andersrum, sprich, wenn es zu wenig davon gäbe. Oder??? ;-) ;-) :-) :-)
Also gib nicht auf!!!
luxusproblembeladene Grüsse
Sven
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 16:11
von Angela Schäfer
Hi Christian,
du hast mir aus der Seele gesprochen. Mir geht es wie dir. Ich schaue nicht nur wehmütig die Spiele an, die ich lange nicht mehr gespielt habe, sondern auch oder vielleicht auch noch wehmütiger die, die es bis jetzt noch nicht auf den Spieletisch geschafft haben. Ich schaffe es einfach nicht, die Spiele nach dem FIFO-Prinzip zu spielen und so bleibt das eine oder andere monatelang liegen. Und wenn ich es dann spiele, ist es eigentlich schon out. Aber deshalb keine neuen Spiele mehr kaufen, schaff' ich irgendwie auch nicht. Also weiter sammeln und auf's Rentenalter warten. Da wollten wir Forumsteilnehmer uns doch alle im Altersheim treffen und nur noch essen - spielen - essen - spielen und so weiter und so fort.
Angela, die sich über die ersten heutigen Sonnenstrahlen am Niederrhein-Himmel freut.
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 16:29
von Manuel
Ich glaube das Problem mit dem "wehmütig vor dem überquellenden Spieleschrank stehen" ist vor allem eines der Wahrnehmung.
Ist man nun in erster Linie Spielesammler oder Spielespieler?
Beides, werden jetzt vermutlich die meisten sagen. Und genau darin liegt das Dilemma.
Ein Spiel erscheint und man nimmt sich seiner an. Beschäftigt sich damit und wenn es gefällt, dann begleitet es einen in den nächsten Wochen und Monaten. Danach wandert es in die Sammlung weil andere, neuere Spiele sich in den Vordergrund drängen.
Genau das ist der kritische Moment in dem man beginnen muß, das Spiel nicht mehr als Spielobjekt sondern als Sammelobjekt zu begreifen. Die Freude an einer umfangreichen, gut gepflegten und vielleicht sogar irgendwie dokumentierten Spielesammlung ist ja schließlich etwas ganz anderes als die Freude die man hat, wenn man einen Abend mit Freunden und einem guten Spiel verbringt.
Das Spiel auf das man so sehnsüchtig gewartet hat, das man so begeistert ausprobiert hat und mit dem man einen Sommer lang hinreißende Abende verbrachte ist Teil der Biographie des Spielers geworden (Ludobiographie?) und damit, hoffentlich, ein Quell guter Erinnerungen und Erfahrungen.
Und die wirklichen Klassiker wird man ja wohl doch noch alle 3 bis 4 Jahre mal wieder vorholen. Um ganz ehrlich zu sein: Mir ist es ganz recht, dass ich nur noch alle 5 oder 6 Jahre Civilisation oder Blood Royale spiele. So freut man sich jedesmal wieder auf das Spiel und es ist immer wieder etwas besonderes. Andere Spiele waren halt mal für eine Zeit lang schön, und dafür mag ich sie auch, aber werden in der Zukunft nie mehr als privaten musealen Wert haben.
take care
Manuel
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 17:52
von ralph obkircher
hey christian,
du sprichst mir aus der seele. es is zwar super schön, dass immer wieder soo tolle spiele rauskommen, aber leider fällt uns die wahl dann immer schwerer. eben erst gestern habe ich wieder ratlos vor meiner spielesammlung gestanden und konnte mich kaum entscheiden. am liebsten würde ich an einem spieleabend ja zehn spiele zugleich spielen, aber leider oder auch zum glück sind wir ja schon mit einem einzigen um die zwei stunden beschäftigt.
ein bisschen bin ich ja schon ein sklave der industrie, denn ein neues, wunderschönes spiel muss ich mir einfach kaufen, auch wenn ich einige meiner alten spiele noch garnie oder erst einmal spielen konnte. ja ja, das spielerleben ist nicht leicht!
so viel zu meinem dilemma. christian, du bist nicht allein!
...schüss
der ralph.
Ich geb´s nicht auf
Verfasst: 8. Mai 2002, 18:26
von Bettina
Hallo Christian,
na klar geht´s mir auch wie Dir und den "Vorschreibern".
Aber so ist es halt ;-)
Also freue ich mich lieber über jede gespielte Minute, als mich über die ungespielten zu ärgern ;-)
> Gibt es noch mehr, die in dieser hoffentlich meinen Gedanken
> entsprechend ausgedrückten Thematik ein Dilemma sehen,
> welches kaum zu lösen ist
So sieht´s nämlich aus... "kaum zu lösen" (ich würde sogar weiter gehen: [b]nicht[/b] zu lösen) - und deshalb belaste ich mich mit dieser Frage auch möglichst selten.
Obwohl ich natürlich auch nicht immer an der Frage vorbeikomme :-(
Aber die Lösung "Hobby aufgeben"? [b]NIEMALS!!![/b] :-))
Gruss
Bettina
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 8. Mai 2002, 21:29
von Gustav der Bär
christian stieg schrieb:
> (...) Gibt es noch mehr, die in dieser hoffentlich meinen Gedanken
> entsprechend ausgedrückten Thematik ein Dilemma sehen,
> welches kaum zu lösen ist und immer schlimmer wird?
Anscheinend ja, wie man einigen der vorherigen Postings entnehmen kann - wenn ich persönlich auch nicht dazu gehöre.
Jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse stellt mindestens ein Rundfunk- oder Fernseh-Reporter einem Verleger die Frage: "Sechzigtausend Neuerscheinungen - wer soll die alle lesen?" - ein deutlicher Beweis, dass es DOCH dumme Fragen gibt. (Hier bitte Sicherheits halber jede Menge Smilies hinkleben)
Es muss ja nicht eine Person geben, die alle Bücher der Welt gelesen hat, genau so wenig, wie einer allein alle Spiele der Welt gespielt haben muss.
Ich persönlich spiele meine alten Schätzchen wir "Targui" und "Incognito" genau so immer wieder gern wie den modernen Klassiker "Die Siedler von Catan" oder neuere Spiele, die - manchmal nur vorübergehend - mein Herz gewinnen.
Und da ich nun mal nicht alle Spiele spielen kann: Was soll´s?! Ich kann auch nicht alle Filme sehen, alle Bücher lesen und alle Pommes-mit-Matsche-Portionen der Welt verdrücken. Es bleibt also immer noch etwas übrig, was ich morgen tun kann - und das gilt dann auch morgen noch. Und damit leite ich gleich zur nächsten Frage über:
> Haben es schon Leute aufgegeben? "Meine Spielesammlung ist
> perfekt, voller Spiele, dich ich liebe und spielen will,
> danke, aber ich brauche KEIN neues Spiel mehr." Gibts das?
Vermutlich nicht - jedenfalls nicht WEIL es immer wieder neue interessante Spiele gibt, sondern TROTZDEM - aus anderen, persönlichen Ursachen, die vom Marktangebot unabhängig sind. Mit dem Kaufen oder Sammeln aufhören könnte ja für die meisten Spieler nur dann nötig sein, wenn es nichts mehr zum Kaufen und Sammeln gibt; danach aber sieht´s bisher nicht aus.
Eine ganz andere Frage ist: Gibt es wirklich Leute, die den Zwang verspüren, alle jemals produzierten Spiele zu besitzen und zu spielen? DAS würde ICH dann ein Dilemma nennen.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 9. Mai 2002, 00:56
von Markus Barnick
Mag ja sein, aber irgendwann hat man halt die Nase voll von "Siedler & Co" und man will was neues. Mir gehts eher umgekehrt wie dir: ich kann nicht genug neues kriegen, spiel aber auch das eine oder andere alte mal gern wieder.
Markus
platzt auch, wenn das Piruvat nicht bald wirkt ...
Re: Wann platzt es?
Verfasst: 9. Mai 2002, 18:50
von Hinrich
Hallo Christian,
bei uns ist es vor Kurzem geplatzt! Nachdem wir an die 700 Spiele gehortet hatten, haben wir rigoros die Spiele, die einfach nur "in Ordnung" sind, bei ebay verkauft. Wenn ein Spiel nur als "in Ordnung" eingestuft wird, hat es halt verdammt wenig Chancen, erneut auf dem Tisch zu landen. Die ganzen Auktionen endeten dann zwar in eine riesige Verpackungsorgie (300 Spiele wollen erst einmal verschickt werden), aber man fühlt sich doch erleichtert. Diese große Menge an Spielen erdrückt einen ja fast. Man fühlt sich schon verpflichtet, alle Spiele auszuprobieren, obwohl man viel mehr Lust auf ein bekanntes Spiel hätte: Da kauft man sich Puerto Rico, spielt es 2-3 mal und freut sich,dass es richtig viel Spaß macht, beim nächsten Spieleabend bringt man dann aber wieder irgendwelche ungespielten Spiele mit, die sich dann auch noch als Rohrkrepierer entpuppen (wie zuletzt "Die Magier von Pangea").
Wir werden sicherlich demnächst noch einmal alle Spiele durchforsten, um dann erneut zu entscheiden, ob man das ein oder andere Spiel wirklich besitzen muss. Neben der Spieleleidenschaft sammle ich auch noch Schallplatten und CDs, so dass unsere kleine Wohnung eh bald aus allen Nähten platzt (hier habe ich aber auch schon gewaltig ausgemistet).
Viele Grüße
Hinrich (der sich von dem Ebay-Geld gleich Wallenstein, Nautilus, Tyros, TransAmerica und Clippers gekauft hat)