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Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 29. Mai 2002, 18:27
von Brigitte und Wolfgang Ditt
Heute ist an uns die Frage nach einem Spiel herangetragen worden, bei der wir große Schwierigkeiten haben, eine Empfehlung auszusprechen.

Die Situation:

ein hochbegabtes Kind (2. Schuljahr, 8 Jahre, IQ 131) ist im Sozialverhalten auffällig und mit Hilfe eines Spiels soll es trainiert werden. Das Kind hat eine sehr niedrige Frustrationsgrenze, verlieren ist hier gerade an der Grenze.

Deshalb sollte das Spiel folgende Eigenschaften aufweisen:
- strategisch oder zumindest taktisch
- kooperativ oder keinen/kaum Ärgerfaktor
- im Handel noch erhältlich

Wer hat eine Empfehlung?

Brigitte und Wolfgang

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 29. Mai 2002, 19:08
von Oli-spielbox
Hi!

Also ich denke, daß strategisch/taktisch und kooperativ/keinen Ärgerfaktor sehr schwer zu realisieren sein werden, da man bei ersterem eigentlich immer [b]gegeneinander[/b] spielt und versucht, den Mitspieler zu stören. Deshalb mehr ein paar Ideen, wo man vor allem miteinander spielt (auch wenn die taktische Tiefe etwas leiden sollte):

- Zoff im Zoo (wegen der Teamvariante)
- Bohnanza (wegen des ständigen Handels und Verschenkens)
- Scotland Yard/Gespensterjagd in Canterville (eventuell sogar das beste)

Mehr fallen mir beim besten Willen nicht ein; Herr der Ringe dürfte wohl doch zu anspruchsvoll sein.

Ciao, Oli

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 29. Mai 2002, 19:14
von Günter Cornett
Brigitte und Wolfgang Ditt schrieb:
>
> Die Situation:
>
> ein hochbegabtes Kind (2. Schuljahr, 8 Jahre, IQ 131) ist im
> Sozialverhalten auffällig und mit Hilfe eines Spiels soll es
> trainiert werden.

Hallo Brigitte, hallo Wolfgang,

*trainiert werden* ?? - Ist das jetzt nur eine unglücklich gewählte Formulierung eurerseits oder hat das *auffällige Sozialverhalten* womöglich seine Berechtigung ?

> Das Kind hat eine sehr niedrige
> Frustrationsgrenze, verlieren ist hier gerade an der Grenze.

Spiele, bei denen man das Verlieren lernen kann, gibt es viele. Ist für mich eher eine Frage der Vorbilder. Wie verhalten sich denn die Erwachsenen beim Verlieren ? Spielen, gewinnen und verlieren sie gerne oder suchen sie nur nach einer Art Heilmittel ?

> Deshalb sollte das Spiel folgende Eigenschaften aufweisen:
> - strategisch oder zumindest taktisch
> - kooperativ oder keinen/kaum Ärgerfaktor

Im Sinne von *alle verlieren gemeinsam* oder Teams, die gegen einander spielen?

Bei strategischen und taktischen Spielen wird das kooperative Element wohl kaum überwiegen. Wenn es darum geht, verlieren zu vermeiden, ist es wohl sinnvoller, ein anderes Medium zu verwenden: Bewegungsspiele, Rollenspiele, was Kreatives,...

> - im Handel noch erhältlich

Vielleicht gibt es in der Apotheke die entsprechende Pille ;-)

Dass ausdrücklich erwähnt wird, dass das Spiel im Handel erhältlich sein soll (wo es doch die meisten zu kaufen gibt), spricht IMHO dafür, dass hier nach einer wenig arbeitsintensiven Lösung gesucht wird. Wenn es das ideale Spiel gäbe, es aber nicht mehr erhältlich wäre, wäre es den Eltern wohl zu aufwändig es zu basteln.

Sorry, ich kenne die Einzelheiten nicht und bin in Erziehungsfragen nicht wirklich kompetent. Aber so wie ihr das Problem übermittelt, spricht einiges dafür, dass die Frage falsch gestellt ist.

Habt ihr euch vielleicht auch schon überlegt, denke ich.


> Wer hat eine Empfehlung?

Hmm, bei der mensch-ärgere-dich-micht-Variante *Menschen,Würfel,Temperamente* (oder so ähnlich) kann man das Verlieren 'trainieren' und lernen, dass es unterschiedliche Charaktere gibt.

Gruß, Günter

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 29. Mai 2002, 23:18
von Wolfgang Ditt
Hallo Günter,

nun müssen wir doch einiges klar stellen. Zur Ausgangsituation: eine Nachbarin fragte und nach einem solchen Spiel, weil ihr dieses Vorgehen von der Lehrerin empfohlen wurde.

> *trainiert werden* ?? - Ist das jetzt nur eine unglücklich
> gewählte Formulierung eurerseits oder hat das *auffällige
> Sozialverhalten* womöglich seine Berechtigung ?

das war von uns ungünstig formuliert. Übersetze "trainiert" mit Abbau der Auffälligkeiten, es hat nichts mit Förderung der Begabung zu tun.

> > - im Handel noch erhältlich
>
> Vielleicht gibt es in der Apotheke die entsprechende Pille ;-)

Nun, das haben wir dazu gepackt, denn es hat keinen Sinn, ein Spiel zu empfehlen, das dann nicht erhältlich ist, oder?

Brigitte und Wolfgang

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 30. Mai 2002, 00:25
von Günter Cornett
Wolfgang Ditt schrieb:
>
> > > - im Handel noch erhältlich
> >
> > Vielleicht gibt es in der Apotheke die entsprechende Pille
> ;-)
>
> Nun, das haben wir dazu gepackt, denn es hat keinen Sinn, ein
> Spiel zu empfehlen, das dann nicht erhältlich ist, oder?
>
> Brigitte und Wolfgang

Hallo Brigitte, hallo Wolfgang,

das kommt darauf an. Wenn es vergleichbare Spiele im Handel gibt, ist das ein sinnvolles Kriterium. Wenn nur ein ganz bestimmtes Spiel in Frage kommt, wäre es schade, wenn es aufgrund mangelnder Verfügbarkeit nicht in Erwägung gezogen würde. Es gibt ja einiges an Spieleflohmärkten, und Spiele selberbasteln ist auch ne sinnvolle Tätigkeit, zumal sie auch dazu einlädt Spiele weiterzuentwickeln.

Bei taktischen und zugleich kooperativen Spielen ist die Auswahl begrenzt. Kooperative Spiele sind eben oft etwas langweilig und fordern vielleicht auch nicht genug. 'Licht und Schatten' fällt mir da als einziges ein. Ansonsten würde ich Spiele nehmen, bei denen es mehr um Entwicklung und Zusammenhänge geht als ums aggressive Bekämpfen (wenn er etwas älter wäre: Civilisation - als ein Entwicklungs- und Eroberungsspiel bei dem man eben kooperieren und koexistieren muss). Timberland wäre vielleicht was.

Aber im Grunde müsste er selbst aussuchen, welche Spiele ihm gefallen. Und ums Verlieren lernen kommt wohl keiner rum, der etwas häufiger spielen will.

tschüs, Günter

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 30. Mai 2002, 11:52
von Dieter Niehoff
Acht Jahre jung, sozial auffällig, trotzdem pfiffig drauf?!?
Wie wäre es mit dem ganz banalen Tipp: Raus gehen - toben und bewegen - spielen mit anderen Gleichaltrigen. Also: Hin zum Sportlichen Spiel - zum spielerischen Sport mit anderen Jungen und Mädchen - Am ehesten in einer Manschaft. Da lernt man gewinnen und verlieren bestens! Voraussetzung: Ein guter Übungsleiter. Und dann ist die Sport-Spielart fast schon egal. Vielleicht mag er ja Fussball oder Judo oder oder oder.

Aber Spiele? Am Tisch und ohne Grobmotorik? Wenn es denn sein soll, vielleicht Bausack (in der kooperativen Variante) oder irgendwelche Legespiele mit dem "man siehts-oder -man-sieht-es-nicht" Effekt (Blokus, Carat, Forma, Africa ....) Und ansonsten Spiele, bei denen das eigentliche Geschehen selbst der höchste Ansporn ist - und nicht das Ergebnis. Das findest man bekanntlich bei den meisten Fun-Quizspielen à la Tabu (Junior), wo man dann auch ganz locker den Spielplan der eh nur für die Spielstandsanzeige da ist, in der Schachtel lässt.

Dieter Niehoff
(dessen 8jähriger z. Zt. Drachenland und TransAm mit mir spielt)

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 30. Mai 2002, 19:53
von Brigitte und Wolfgang Ditt
An alle Antwortenden,

wir sind nach einem Spiel in der hier beschriebenen Form gefragt worden; wir kennen den Rest der Maßnahmen nicht und wissen nicht, wie es z. B. mit Mannschaftssportarten steht.

Wir haben bei der Frage lange überlegt und dann die Frage hier gestellt. Allen Antwortenden herzlichen Dank. Wir können uns nur darum bemühen, den an uns gerichteten Teil gut zu beantworten.

Brigitte und Wolfgang

P.S.: bei dem Kind handelt es sich um ein Mädchen.

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 30. Mai 2002, 21:40
von Gabi Goldschmidt
Hallo Brigitte und Wolfgang,

aus meiner (Spiel-) Erfahrung mit HB-Kindern kann ich nur sagen, daß es sich bei der niedrigen Frustrationstoleranzgrenze um ein typisches Problem handelt.
Verlieren lernen müssen aber auch diese Kinder und das geht meiner Erfahrung
nach besonders gut bei nicht so langen Spielen, so daß man schnell ein Revanche-Spiel hinterherschieben kann.
Gern gespielt werden Spiele wie Siedler, Tyros, Schach, Blokus, Rush-Hour, Set,
Ligretto, Take it easy, Carabande, Jakkolo, Kubb (für draussen) - (Auch wenn bei den genannten Spiele die hier gewünschte strategische Ausrichtung oder das "Nicht-verlieren dürfen" nicht immer vorliegt, kann ich sie nur empfehlen).
Das "Verlieren können" lernen meiner Meinung nach Kinder eher durch häufiges Spielen, denn durch Vermeiden von Situationen, in denen sie verlieren könnten.

Darüber hinaus gibt es auch Foren für Hochbegabte (z.B. Pfiffikids), wo Eure Nachbarin diese Frage auch einmal anregen könnte und vielleicht eher Hilfe findet...

Ciao Gabi

Re: Spiel für therapeutischen Zweck gesucht

Verfasst: 30. Mai 2002, 23:53
von Günter Cornett
Brigitte und Wolfgang Ditt schrieb:
>
> An alle Antwortenden,
>
> wir sind nach einem Spiel in der hier beschriebenen Form
> gefragt worden; wir kennen den Rest der Maßnahmen nicht und
> wissen nicht, wie es z. B. mit Mannschaftssportarten steht.

Hallo Brigitte, hallo Wolfgang,

dann ist es sicherlich schwer, das geeignete Spiel herauszufinden, insbesondere wenn das nicht vom Kind sondern für sie entschieden wird. Wie wär es mit einladen, spielen und dann überlegen ?

> P.S.: bei dem Kind handelt es sich um ein Mädchen.

ah so, auffälliges Sozialverhalten, nicht verlieren können - da hate ich doch glatt nen Jungen vor meinem geistigen Auge. ;-)

tschüs, Günter