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Wie wird man Kennerspieler?

Diskussionen über einzelne Spiele
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Marc Gallus
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Marc Gallus » 6. Oktober 2016, 11:12

Guten morgen zusammen,

irgendwie bin ich ein wenig gesschockt. Geschockt darüber, dass selbst "Brettspieler/innen" immer weniger Anleitungen lesen, sondern immer mehr einfach nur Anleitungen in Form von Filmen konsumieren. Ich finde das sehr bedenklich, denn das Lese- und Textverständnis wird dadurch völlig vernachlässigt. Bisher bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass Brettspieler/innen eher gerne Anleitungen lesen und über ein "überdurchschnittliches" Lese- und Textverständnis verfügen. Passen wir Spieler uns auch immer mehr der Jugend an? Konsumieren ohne nachzudenken? Wie ist eure Meinung dazu?

Ach ja, was ich noch bemerkenswert finde: Im Ausgangspost wurde ein Problem genannt (das Verstehen von Anleitungen), und als Lösung wurden überwiegend Regelvideos vorgeschlagen. Niemand außer mir hat tatsächlich Strategien vorgeschlagen, wie man sich einen Text selber erfolgreich erarbeitet (zB. Texteinsammelmethode etc.). Das stimmt mich nahdenklich, denn wenn Personen (z.B. Studenten) große Wälzer lesen und verstehen müssen, sind Methoden das A &O . Ohne entsprechende Methoden ( z.B. Powerreadingmethode) ist das Lesen und Verstehen von Büchern mit mehr als 400 Seiten in kürzester Zeit nicht erfolgreich zu bewältigen. Wendet die Mehrheit an Brettspielern hier überhaupt Methoden an, was das Lese- und Textverständnis angeht?

Nachdenkliche Grüße
Marc
Meine Promoliste zum Tauschen und Verkaufen: https://www.spiele-offensive.de/Liste/P ... 459-0.html

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theglove25
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon theglove25 » 6. Oktober 2016, 12:09

In der Tat habe ich bei den ganzen Antworten auch gedacht, mensch super, ich werfe mal YT an und lasse mich ein aufklären... ich denke es hat einen grund. Das ist die Teit. Eine Anleitung selber komplett zu lesen und immer wieder hin- und herzublättern und das alles zusammen auf das Spielbrett zu bekommen und dann auch noch 2-3 Spieler zu simulieren ist evtl. auch nicht so einfach. Habe nie Anleitungen gelesen da meine Spieleerfahrungen leider nur Monopoly und Co. waren. Ich muss ehrlich sagen das ich mit den Anleitungen von Marco Polo oder Agricola überfordert bin. Dachte immer das ich nicht alzu blöd bin und habe auch denke ich einen entsprechenden Bildungsgrad und muss auch im Beruf viel lesen udn verstehen aber es ist doch was anderes wenn man eine Konsol anmacht und es alles am bildschirm zu sehen und zu verstehen als in Anleitugnen zu lesen. Und ich glaube der Trend geht eben zu TP Videos da man sich Zeiot erkauft und anderen die Arbeit überlässt.

Ob es nun gut ist oder nicht mag ich nicht beurteilen. Ich habe mir aber vorgenommen nun Anleitungen zu lesen und auch zu markieren (guter Tipp) aber in Verbindung mit YT-Videos. Das ist eben der trend und den kann man nicht aufhalten.

Freue mich schon auf zukünftige Partien und darauf das ich intensiver in den Bereich der brettspieler eintauchen kann.

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Krazuul
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Krazuul » 6. Oktober 2016, 12:36

Marc,
bzgl. Anleitungen lesen, verstehen und anwenden ist natürlich klar, dass dies immernoch die hauptsächliche Grundlage ist ein Spiel regelkonform spielen zu können.
Hier gebe ich dann jedoch 2 Punkte zu bedenken:
- Das Spiel ist "schwerer/komplexer/komplizierter" als alles, was ich vorher gespielt habe.
- Das Spiel benutzt Mechaniken, die ich vorher noch nie angewendet und/oder gesehen habe.
Dahingehend passierte es früherdann, dass man Spiele oft über viele Jahre hinweg mit falsch interpretierten Regeln gespielt hat, Hilfe bekam man nur von Leuten, die ihrerseits das Spiel/die Regeln kennen.
Das Internet und Videoerklärungen helfen nun insofern dabei und die "Masse" erklärt uns evtl. Regeln, die wir falsch interpretiert und/oder umgesetzt haben. Ob nun durch Regelfragen in Foren oder durch Videoerklärungen.

Ich finde dies heutzutage essentiell und wichtig, dass man sich (ganz besonders,w enn man in seiner Spielgruppe der hauptsächliche Regelerklärer ist) über Videos und Foren über eventuelle Unklarheiten informiert und das Spiel so spielt, wie vom Autor vorgesehen.
Oder aber auch, um zB bessere Varianten zu finden in Hinsicht anderer Spielerzahlen oder ähnliches (bei vielen Spielen helfen eben andere Regeln für das 2-Spieler-Spiel wie zB bei Tikal).

Ich z.B. sitze seit Tagen über Cuba Libre und habe ca. 5 Stunden gebraucht für das Verständnis der Regeln, durchspielen der beiden Playbook-Tutorialspiele und dem schauen von 1-2 Videos um mein Regelverständnis zu überprüfen.
Das ist natürlich eine sehr große Zeitinvestition, bei einem Spiel mit solchen Regeln (und gehobenem Englisch) aber notwendig.

Ich hoffe ich konnte meine Meinung dahingehend etwas verdeutlichen =)

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Lorion42
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Lorion42 » 6. Oktober 2016, 14:03

Ich glaub jeder hatte schonmal die Situation wo er die Regeln von einem Spiel gelesen hat, versucht hat loszuspielen und dann gemerkt hat, dass das irgendwie nicht passt... irgendwas muss man übersehen haben oder falsch verstanden haben, denn das was man spielt ergibt irgendwie keinerlei Sinn. Bei mir war das mal bei Neuland so. Ich weiß bis heute nicht, wie das Spiel funktioniert.

Das große Problem ist wirklich, wenn man gemeinsam versucht die Regel zu verstehen. Einer muss sich vorher damit beschäftigt haben. Dazu eigenen sich mMn folgende Kernfragen:
- Wie wählt man seine Aktion? (z.B. man spielt eine Handkarte aus einer Auswahl, die man auf der Hand hat)
- Welche Aktionen sind möglich? (oftmals der langweiligste und schwierigste Part, je nach Komplexität)
- Wie wird gewertet? Was ist die Siegbedingung? (bei Eurogames meistens: Mehrheit an Siegpunkten)
- Welche zusätzlichen Spielphasen gibt es? (Gibt es Ereigniskarten? Einkommen? Muss man etwas bezahlen?)

Daraus ergibt sich dann ganz offensichtlich der Spielablauf... Detailregeln kann man ergänzen sobald sie relevant werden. So müssen z.B. nur die Aktionen erklärt werden, die am Anfang möglich sind (falls wie bei Agricola später welche dazu kommen)

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LiannaMaelie
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon LiannaMaelie » 6. Oktober 2016, 17:19

Ich kann das fast nicht glauben. Unsere kleine 3er Gruppe hatte damit noch niemals ein Problem. Ich lese die Anleitung einmal vor und dann kennen wir die Regeln. Vorbereitet hat sich da nie jemand, dafür hätten wir unter tags auch absolut keine Zeit.
Klar ist beim ersten Spielen noch hier und da mal eine Kleinigkeit nicht ganz klar und muss unter dem Spielen noch einmal Einzelpunkte nachschlagen, aber das ist ja nun nicht so schlimm. Auch nicht bei echten Regelwälzern wie zB. Shadows of Brimstone (30 Seiten Regelheft, dann noch etliche Seiten in den Abenteuerbüchern und Addons).
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass damit irgendein Mensch Probleme haben oder das irgendeine besondere Fähigkeit erfordern könnte.

Ich tu mich übrigens VIEL schwerer damit, Regeln anhand von Videos zu lernen, als einfach die Anleitung zu lesen! Das könnte ich überhaupt nicht! Liegt vielleicht auch mit daran, dass ich ein solches Video keine 2 Minuten ertragen würde, aber ich hätte wirklich nicht im Ansatz die Konzentration, so einem Erklärvideo zu folgen.

Schon wirklich spannend, wie unterschiedlich die Spieler so sind.
Würde mir aber nicht anmaßen, zu entscheiden, welche Lernmethode "besser" ist. Wenn man es am Ende kann, ist doch egal, wie.

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Fang
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Fang » 6. Oktober 2016, 18:15

@Marc:
Es gibt verschiedene Lerntypen. Wenn der Themenstarter sich mit Anleitungen recht schwer tut ist er vielleicht eher der auditive Typ. Von daher finde ich es ganz in Ordnung ihm zu raten es mal mit Videos zu probieren.

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Jerry
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Jerry » 6. Oktober 2016, 21:57

theglove25 hat geschrieben:Ob es nun gut ist oder nicht mag ich nicht beurteilen. Ich habe mir aber vorgenommen nun Anleitungen zu lesen und auch zu markieren (guter Tipp) aber in Verbindung mit YT-Videos. Das ist eben der trend und den kann man nicht aufhalten.


Da muss ich dich dann doch leider der enttäuschen. YT Videos sind gut geeignet, um eine soliden Überblick über ein Spiel zu bekommen, ersetzen jedoch niemals eigene Regellektüre.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist es bei komplexeren Spielen nahezu unmöglich, alle Regeln unfallfrei auf Band zu bekommen. Zum anderen ist die Anzahl an Youtubern, die halbwegs fehlerfreie exzellente Regelvideos schaffen, sehr übersichtlich. Im deutschsprachigen Raum fällt mir ehrlich gesagt niemand ein, im Englischen gibt es Rodney Smith mit Watch it played und mit Abstrichen vllt. noch Richard Ham mit Rahdo Runs Through.

Ich fahre oft folgende Strategie: schnelles YT Video um die Struktur des Spiels aufzufassen. Dann Detailstudium der Regel. Dann Probespiel gg mich selbst.

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Dee
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Dee » 7. Oktober 2016, 07:41

Ich kann das fast nicht glauben. Unsere kleine 3er Gruppe hatte damit noch niemals ein Problem. Ich lese die Anleitung einmal vor und dann kennen wir die Regeln.

Das kann man aber den meisten Gelegenheitsspielern nicht zumuten. Ich bekomme das selbst öfters mit, dass selbst wenn ich ein Spiel erkläre, nach 5 Minuten abgeschaltet wird. Und sobald man das Regelheft in die Hand nimmt, werden die Augen verdreht. Allein überhaupt ein neues Spiel zu erlernen, ist oft schwer für diese Spieler. Sie nehmen lieber das bekannte, weil man da nichts erklären muss.

Bei Vielspielern, die sich auch gerne in neue Spiele einarbeiten, ist das oft kein Problem. Da kann man sich auch mit vier Leuten an den Tisch setzen und einfach nur die Anleitung vorlesen. Solche Gruppen habe ich auch. (Obwohl ich so etwas vermeide, wenn es möglich ist.)

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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Harry2017 » 7. Oktober 2016, 08:22

Selbst Videos wollten meine Leute nicht schauen - zumindest keine langen...

Eine Anekdote: Wir wollten Descent 2 spielen und ich schickte ein Video rum. Spielama - 30-40 Minuten, sollte passen. Einem war das zu lange und er hat sich n 3 Minuten Werbefilmchen oder so reingezogen und ein 2. hat irgendwas anderes kurzes zu Descent 1 geschaut - Der 3. hats einfach vergessen :D

Wir haben dann Talisman gespielt - Und selbst das war frickelig mit den Kleinregeln - Es kommt halt immer auf die Gruppe und die Bereitschaft an...

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Ben Ken
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Ben Ken » 7. Oktober 2016, 08:42

Dee hat geschrieben:Das kann man aber den meisten Gelegenheitsspielern nicht zumuten. Ich bekomme das selbst öfters mit, dass selbst wenn ich ein Spiel erkläre, nach 5 Minuten abgeschaltet wird. Und sobald man das Regelheft in die Hand nimmt, werden die Augen verdreht. Allein überhaupt ein neues Spiel zu erlernen, ist oft schwer für diese Spieler. Sie nehmen lieber das bekannte, weil man da nichts erklären muss.

So sieht's aus!
Gott würfelt nicht - Albert Einstein

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Winston
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Winston » 7. Oktober 2016, 11:01

Hallo.

Ganz wichtig beim Erklären ist es einen roten Faden zu haben und du musst auf die anderen achten. Wenn jemand ausgestiegen ist, die Person ansprechen.
Beim Spielen auch schauen ob alle Spaß haben. Wenn ein Spiel den anderen keinen Spaß macht ist das ganze für die Katz. Man startet ja einen Spieleabend, weil man mit seinen Freunden Spaß haben will. Das sollte das oberste Ziel sein. Alle sollten glücklich nach Hause gehen, dann kommen sie auch gerne wieder :)

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Robina
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Robina » 7. Oktober 2016, 12:29

Vieles was hier geschrieben wurde ist richtig, doch es geht am Hauptproblem vorbei. ich habe hier ein paar andere Gedanken.
Die Überschrift ist in meinen Augen nicht so schlecht gewählt.

Was ist denn ein Kennerspieler? Leite ich den Begriff mal von der Jury ab, ist das jemand, der sich über die "Spiele des Jahres" und andere Spiele ähnlichen Schwierigkeitsgrads an Gesellschaftsspiele herangearbeitet hat, und nun anspruchsvolleres Futter sucht.

theglove25 schreibt
Wir waren zu 5 und es war keiner dabei mit Erfahrungen im Bereich Brettspiele

Da würde ich ihm lieber raten fangt mit etwas einfacheren Spielen an. Du hast richtig erkannt, dass Zug um Zug und Codenames - beides SdJ- gut gingen. Spiele erst mal einige einfache Spiele, lerne verschiedene Mechanismen kennen, bevor du dich an solch komplexe Spiele macht. Sie heißen nicht umsonst Kennerspiele, sie erfordern einiges an Erfahrung. Um Kenner zu sein musst du etwas kennen.

Hier liegt mir ein vielleicht etwas böser Vergleich aus dem Sport nahe.
Du bist ein Mensch, der gern mal wandert und auch über sportliche Betätigungen liest. In der Zeitung liest du etwas vom Iron-man Marathon und willst jetzt sofort daran teilnehmen. also ohne langsam steigendes Training.

Komplexe Spiele sind auch oft Denksport. Daher trainiere, trainiere und trainiere. Erarbeite dir leichtere Regeln, dann klappt es auch mit komplexeren (wenn sie vernünftig geschrieben sind).

Robina

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hgzwopjp
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon hgzwopjp » 7. Oktober 2016, 22:37

LiannaMaelie hat geschrieben:Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass damit irgendein Mensch Probleme haben oder das irgendeine besondere Fähigkeit erfordern könnte.


Der Psychologe könnte jetzt erklären, daß man Dinge, die man gut kann, als "normal" ansieht und dadurch dafür betriebsblind werden kann, daß das nicht jeder gut kann... aber das nur am Rande.

Komplett zusammen vorgelesen habe ich Regeln eigentlich selten - da fällt mir nur Dungeon Petz ein, aber die Regel ist auch amüsant zu lesen. Meistens bin ich der Erklärbär und habe das Spiel entweder in Essen, oder bei einem Freund vorher schon gespielt, aber die Regeln lese ich trotzdem immer nochmal komplett, und Videos schaue ich mir bisweilen auch an - so vor Essen zB ;) Trotzdem passiert es schonmal, daß ich was verpeile (Negativrekord war Helios, da hab ich mindestens zweimal Regeldetails falsch erklärt, die ich dann quasi nachreichen mußte...)

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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon widow_s_cruse » 8. Oktober 2016, 16:06

Hallo,

WEIL ich sehr viele Regeln lerne, kommt es nicht selten vor, dass ich beim Lesen das Schema F anlege und denke: ah - wie im dem Spiel - also flüchtig gelesen und damit falsch liegend. Das muss nicht auffallen, wenn das Spiel ausreichend flexibel ist.
Wird mir ein Titel wichtig, dann schaue ich mir zur Prüfung des Regelstudiums gerne nochmal ein Regel-Video an, um solche Regelungenauigkeiten auszumerzen. (Bevor ich es mir auf einem Treff Nachsagen lassen muss :cool: )
Zuletzt geändert von widow_s_cruse am 8. Oktober 2016, 19:59, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße
Nils
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Dee » 8. Oktober 2016, 17:27

Was wir grundsätzlich bei neuen (komplexen) Spielen machen: Nach dem Spielen liest sich einer (meist der Erklärer) nochmal in Ruhe die Regeln durch, um zu prüfen, was wir alles falsch gemacht haben. Danach posten wir alle Fehler als FAQ in unserem privaten Forum, um beim nächsten Mal nicht in die selbe Falle zu tappen.

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Winston
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Winston » 9. Oktober 2016, 12:22

Marc Gallus hat geschrieben:Guten morgen zusammen,

irgendwie bin ich ein wenig gesschockt. Geschockt darüber, dass selbst "Brettspieler/innen" immer weniger Anleitungen lesen, sondern immer mehr einfach nur Anleitungen in Form von Filmen konsumieren. Ich finde das sehr bedenklich, denn das Lese- und Textverständnis wird dadurch völlig vernachlässigt. Bisher bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass Brettspieler/innen eher gerne Anleitungen lesen und über ein "überdurchschnittliches" Lese- und Textverständnis verfügen. Passen wir Spieler uns auch immer mehr der Jugend an? Konsumieren ohne nachzudenken? Wie ist eure Meinung dazu?

Ach ja, was ich noch bemerkenswert finde: Im Ausgangspost wurde ein Problem genannt (das Verstehen von Anleitungen), und als Lösung wurden überwiegend Regelvideos vorgeschlagen. Niemand außer mir hat tatsächlich Strategien vorgeschlagen, wie man sich einen Text selber erfolgreich erarbeitet (zB. Texteinsammelmethode etc.). Das stimmt mich nahdenklich, denn wenn Personen (z.B. Studenten) große Wälzer lesen und verstehen müssen, sind Methoden das A &O . Ohne entsprechende Methoden ( z.B. Powerreadingmethode) ist das Lesen und Verstehen von Büchern mit mehr als 400 Seiten in kürzester Zeit nicht erfolgreich zu bewältigen. Wendet die Mehrheit an Brettspielern hier überhaupt Methoden an, was das Lese- und Textverständnis angeht?

Nachdenkliche Grüße
Marc


Ich verstehe nicht ganz worauf du hinauswillst?
Wieso brauche ich zum lesen einer Anleitung ein überdurchschnittliches Textverständnis oder eine besondere Methode? Das sind keine wissenschaftlichen Beiträge sondern Anleitungen für Gesellschaftsspiele. Wenn ich eine eigene Methode brauche um die Anleitung eines Spieles zu erlernen ist das Spiel oder die Anleitung eher ... höflich formuliert ... überfrachtet und insgesamt unnötig.
Komplexe Spiele sind ja nicht komplex weil die Anleitung aus hunderten von Paragraphen und Sonderregeln bestehen. Nehmen wir mal Marco Polo. Der grundsätzliche Ablauf ist einfach - die einzelnen Aktionen auch. Es sind nur recht viele und man muss entscheiden was eine gute Wahl ist und was nicht. Da hilft dir auch keine Textlernmetheode

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Ernst-Jürgen Ridder
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Ernst-Jürgen Ridder » 9. Oktober 2016, 13:20

Eigentlich ganz einfach: durch Übung. :D :

Aber mal im Ernst:

Schon seit vielen Jahren spiele ich mit meiner Gruppe immer wieder neue Spiele, dabei bin ich stets der einzige, der Regeln erklärt. Um das wirklich gut zu können, kann es je nach Komplexität des Spiels schon einige Stunden Regelstudium und Probespiele kosten, ehe man ein Spiel in die Gruppe bringt.

Meine Erfahrung dabei: Es gibt keine schlechtere Methode, als bei einer unerfahrenen Gruppe ein (auch dem "Erklärbär") unbekanntes -komplexeres- Spiel einzuführen, indem man die Regeln durch Vorlesen zu vermitteln versucht.

Aus Deinem Beitrag ergibt sich doch, dass Ihr über Agricola -Familienspiel- (ich meine jetzt die Neuausgabe, die auch ausdrücklich auf der Schachtel als Familienspiel bezeichnet ist) verfügt. Das Spiel hat für Deine Zwecke einen großen Vorteil: Man kann es richtig solo spielen. Also: Baue das Spiel fertig auf, studiere mit dem aufgebauten Spiel vor Augen die Regel, spiele solo, lies dann die Regel erneut, spiele wieder solo, treibe das solange, bis bei Dir die Regel vollständig sitzt. Hast Du selbst nämlich die Regel wirklich verstanden und weißt, wie der theoretische Text in praktisches Spielen umgesetzt wird, dann kannst Du die Regel auch erklären, ohne deren Text zu brauchen. Kannst Du das und hast Du einige praktische Zugbeispiele für schwierigere Situationen drauf, die Du vorführen kannst, dann sollten die Mitspieler in der Lage sein, Dir zu folgen.

Das funktioniert dann auch, wenn auch nicht so gut, bei Spielen, die nicht für das Solospielen vorgesehen sind; da musst Du dann halt bei Deinem Regelstudium für mehrere Spieler spielen. Das geht selbst bei Spielen, bei denen man eigentlich nicht wissen darf, was die einzelnen Spieler haben und wollen. Es liegt ein gewisser Reiz darin, sich für einen Spieler eine Strategie auszudenken, um dann für einen anderen Spieler darüber nachzudenken, wie man gegen diese "Superidee" spielen kann.

Nimm Dir nicht vor, an einem Abend mehrere -auch Dir- noch unbekannte komplexere Spiele spielen zu wollen. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu nichts als Frust führen.

Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen
Spielerische Grüße
Ernst-Jürgen

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schlumpf
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon schlumpf » 26. Oktober 2016, 21:27

Auf die Gefahr hin etwas geschriebenes zu wiederholen mal mein Ansatz.
Zunächst ein Spiel kennen lernen/erklären:

0. Schritt: Ich kauf ein Spiel. Warum? Wie komm ich drauf, hab ich die Katze im Sack gekauft, oder vor youtube konsultiert? Irgendetwas sollte vorher vorhanden sein, or allem die Bereitschaft erstmal Zeit zu investieren...

1. Schritt: Regeln lesen, klar kann ein Video hilfreich sein, aber ums lesen kommt man nicht drum rum, dies muss eventuell, je nach Text/Regelverständnis, mehr als einmal sein.

2. Schritt: Testspielen, mit zwei Spielern oder (obwohl es das Spiel nicht hergibt) allein als Solospiel. Besser: Einen (nur einen) der Zielmitspieler zum Testspielen dazu holen und dann testen "wie läuft das Spiel" (einfach um mit den einzelnen Mechanismen/Spielphasen vertraut zu werden)?
Das Spiel nur einem zu erklären ist wie ich finde deutlich einfacher, da beide quasi durchgehend konzentriert bei der Sache sind und kein Leerlauf durch Fragen anderer Spieler entsteht.

3. Schritt: Ich war schwer begeistert von der Erklärweise bei Andor. Deshalb: alle alles aufbauen lassen und nach Möglichkeit quasi direkt ein Spiel zum testen starten. Jeder hat das, worum es geht direkt in der Hand/vor sich und sieht anhand der beispielhaften Züge/Aktionen der anderen was wie funktioniert.
Siegbedingungen, Strategien und das alles kann man nach dem Testspiel kurz ansprechen. Es ist wichtig zu spielen und 10 - 20 Seiten Regeln vorgelesen zu bekommen ist für einige ziemlich zügig fad...


Ob man "Kennerspieler" werden kann, keine Ahnung. Vielspieler wird man durch viel spielen, Kennerspieler, wenn man viele Spiele kennt? Ich glaube nicht, dass man irgendwo eine Kennerspielerprüfung ablegen kann. Spiel Spiele, spiele "große", "komplexe" Spiele, dann wird das schon...

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Malte
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Malte » 31. Oktober 2016, 06:03

Ich selber würde mich irgendwo zwischen Kenner und Experte ansiedeln, aber wenn jemand eine Neuheit mitbringt und erstmal das Regelheft rausholt und dann beginnt vorzulesen, dann verlasse ich den Tisch. Weil derjenige sich so schlecht vorbereitet hat, das er selber alles nachlesen muss. Wenigstens der Erklärer muss in meinen Augen so gut vorbereitet sein, dass er das Spiel frei erklären kann. Sonst zerrt es an den Nerven aller und es dauert ewig und bei Unverständnissen will jeder in der Regeln schauen ergo: Chaos.

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Der Siedler
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Der Siedler » 31. Oktober 2016, 12:42

Dee hat geschrieben:Was wir grundsätzlich bei neuen (komplexen) Spielen machen: Nach dem Spielen liest sich einer (meist der Erklärer) nochmal in Ruhe die Regeln durch, um zu prüfen, was wir alles falsch gemacht haben. Danach posten wir alle Fehler als FAQ in unserem privaten Forum, um beim nächsten Mal nicht in die selbe Falle zu tappen.


Ob jetzt jede Runde ihr eigenes internes Forum hat, wage ich zu bezweifeln, aber der Kern der Idee ist sehr gut und wird auch von mir so praktiziert: Spieleabende brauchen auch Nachbereitung, wie hier das nochmalige Lesen der Regeln. Wenn man das Spiel dann nächste Woche nochmal spielt, kann man Fehler korrigieren und sollte das Spiel nach dem Regellesen, evtl. Probepartie oder Erklärvideo, einer echten Partie und wieder Regel lesen auch endgültig verstanden haben.
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Ganz aktuell: Bericht #207 vom 16.10.2019 - Diesmal wieder dabei: Merlin

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BGBandit
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon BGBandit » 31. Oktober 2016, 14:14

Dee hat geschrieben:Was wir grundsätzlich bei neuen (komplexen) Spielen machen: Nach dem Spielen liest sich einer (meist der Erklärer) nochmal in Ruhe die Regeln durch, um zu prüfen, was wir alles falsch gemacht haben. .


Interessante Technik. Bei uns wird es eigentlich andersrum gemacht, damit man gar nicht erst falsch spielt

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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Thygra » 31. Oktober 2016, 14:39

BGBandit hat geschrieben:Interessante Technik. Bei uns wird es eigentlich andersrum gemacht, damit man gar nicht erst falsch spielt

War das jetzt der Versuch, einen Witz zu machen? Oder hast du das Wort "nochmal" übersehen?

Darf ich das so verstehen, dass du NICHT nach dem Spielen eines komplexeren neuen Spiels die Regeln noch mal liest, ob du alles richtig verstanden hattest? Auch dann nicht, wenn du es rezensierst bzw. testest?

Das würde ich von einem Rezensenten nämlich als Leser durchaus erwarten ...
André Zottmann (geb. Bronswijk)
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(u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Rei » 31. Oktober 2016, 14:52

Bitte bitte bitte diskutiert das untereinander aus.

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BGBandit
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon BGBandit » 31. Oktober 2016, 15:28

@Rei war doch ne ganz normale Frage von Thygra

:huh: :D

@Thygra

Nein
Nein
Ja
Ja

Warum: ich lese die Regeln im Vorfeld mehrmals sehr genau durch, inkl. Materialaufbau, Proberunde etc. pp.

Wenn sich Fehler erstmal eingeschlichen haben, ist es nämlich sehr schwer, sie wieder rauszukriegen. Nur wenn sich während des Spiels aus irgendwelchen Gründen dann doch noch Fragen stellen, lese ich mir einzelne Passagen nochmal durch.

Ich gehöre aber auch zu denjenigen, die mit folgender Lernmethode tatsächlich ein Problem hätten:


LiannaMaelie hat geschrieben: Ich lese die Anleitung einmal vor und dann kennen wir die Regeln. Vorbereitet hat sich da nie jemand, dafür hätten wir unter tags auch absolut keine Zeit.
Klar ist beim ersten Spielen noch hier und da mal eine Kleinigkeit nicht ganz klar und muss unter dem Spielen noch einmal Einzelpunkte nachschlagen, aber das ist ja nun nicht so schlimm. Auch nicht bei echten Regelwälzern wie zB. Shadows of Brimstone (30 Seiten Regelheft, dann noch etliche Seiten in den Abenteuerbüchern und Addons).
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass damit irgendein Mensch Probleme haben oder das irgendeine besondere Fähigkeit erfordern könnte.

Würde mir aber nicht anmaßen, zu entscheiden, welche Lernmethode "besser" ist. Wenn man es am Ende kann, ist doch egal, wie.


1. weil ich Regeln besser selber lernen kann, als sie vorgelesen zu bekommen (was in Bzug auf Rezensionen auch besser ist, wie wir beide ja jüngst gesehen haben) ;-) Stichwort "Elements"

2. weil ich direkt spielen möchte, wenn das Spiel auf dem Tisch steht und nicht zugucken möchte, wie jemand die Regeln währenddessen noch lernt. Erst recht nicht bei Brechern wie SoB. Ich mag ja schon die Downtime bei BuBu nicht ...

3. Maße ich mir auch nicht an, deswegen darüber zu urteilen, wie andere Regeln lernen

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Morti
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Re: Wie wird man Kennerspieler?

Beitragvon Morti » 31. Oktober 2016, 16:11

Meine langjährigen Erfahrungen, die ich selbstredend nicht verallgemeinern möchte:

- Die meisten (auch ehrlich) Spielinteressierten aus meiner Vergangenheit und Gegenwart wink(t)en und/oder schalte(te)n ab, sobald eine Anleitung mehr als 4-6 Seiten hat.

- Die meisten selbst der motivierten und spielwütigen "Kennerspieler" aus meinem Kreis überlassen das Regelstudium gerne mir, der ich dann schön studieren und erklären darf. Eine eigenständige Regelerarbeitung vor dem Spieletreffen findet so gut wie nie statt.

- Einige von ihnen sind immerhin noch bereit, als Gruppe zusammen am Tisch die Regeln gemeinsam zu erarbeiten. Dabei stellt sich aber immer wieder heraus, daß diese Anstrengungen (meist des Vorlesers) nach kurzer Zeit allgemein zu unkonzentriertem Abschweifen führen und als ermüdend wahrgenommen werden.

- Es gab immer und gibt in meinem doch beachtlich großen Viel- und Kennerspielerumfeld nur deprimierend wenige Spieler, die eine längere Anleitung studieren, korrekt verstehen UND gut erklären können. (So blieb das meistens an mir hängen, was mir nach unzähligen Jahren dann langsam zu anstrengend wurde, weshalb ich mich derzeit lieber mit WoW bespaße, statt immer andere mit neuen Brettspielen zu erfreuen: Arbeit für mich, entspannter Konsum für die anderen.)


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