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Wie finde ich ein Thema für eine bereits existierende Spielmechanik?

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Orangensaft
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Wie finde ich ein Thema für eine bereits existierende Spielmechanik?

Beitragvon Orangensaft » 7. November 2011, 12:31

Hallo,

habt ihr eine Idee, wie man am besten ein nicht zu aufgesetzt wirkendes Thema für eine bereits existierende Spielmechanik findet?
I'm a Dreamwalker, lost in a mysterious labyrinth...

<img src="http://boardgamegeek.com/jswidget.php?username=Dicewurst&numitems=10&text=title&images=small&show=top10&imagesonly=1&imagepos=right&inline=1&domains%5B%5D=boardgame&imagewidget=1" border="0"/>

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Dicemon
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Dicemon » 7. November 2011, 13:33

Suche Dir Listen! Berufe, Orte (Städte, Länder, Berge, Flüsse), Zeiten, Adelshäuser, etc. und gehe die dann durch, auf manche Sachen kommt man dadurch.
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon lueg » 7. November 2011, 13:36

Wenn gilt "Mechanik -> Thema" ist das Thema naturgemäß immer "aufgesetzt".
Du kannst bestenfalls schauen, wo es in der Welt analoge oder ähnliche "Strukturen" gibt, die durch den jeweiligen Mechanismus abstrahiert werden könnten.

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Lorion42
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Lorion42 » 7. November 2011, 14:09

Ich denke nicht, dass es aufgesetzt wirken muss. Die meisten Spielmechanismen haben ein Vorbild in der Wirklichkeit (z.B. Bauen, Aufträge, ja sogar würfeln als Simulation einer Wahrscheinlichkeitsverteilung). Vor allem andersrum kommen mMn nicht wirklich weniger aufgesetzte Strukturen raus.

Es kann helfen, sich klar zu machen, woher eine Mechanik kommt und dann danach zu suchen. Z.B. gab es demokratische Entscheidungen als Scherbengericht in Griechenland oder unterm Mondenschein als Thing der Wikinger. Aus beiden lassen sich sicher tolle Spiele erstellen.

Workerplacement hat Analogien zur Betriebswirtschaft (Leute einstellen oder lieber feuern). Card-Drafting passt super in die Wildnis (wer etwas zuerst findet, behält es). Deckbuilding passt super zu einem Handelsspiel (möglichst breites Portfolio bieten, um genau das richtige zu haben, wenn zufällige Kunden in den Laden kommen).

Gib mir eine Mechanik, ich finde dir ein stimmiges Thema ;)

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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon lueg » 7. November 2011, 14:29

lorion hat geschrieben:Workerplacement hat Analogien zur Betriebswirtschaft (Leute einstellen oder lieber feuern). Card-Drafting passt super in die Wildnis (wer etwas zuerst findet, behält es). Deckbuilding passt super zu einem Handelsspiel (möglichst breites Portfolio bieten, um genau das richtige zu haben, wenn zufällige Kunden in den Laden kommen).

Gib mir eine Mechanik, ich finde dir ein stimmiges Thema ;)


Genau das meinte ich :)

Und ebenso meinte ich, dass ein Thema immer aufgesetzt IST, nicht dass es aufgesetzt SCHEINEN MUSS!!

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Lorion42
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Lorion42 » 7. November 2011, 16:08

Kennst du ein Spiel, bei dem du nicht den Eindruck hast, dass das Thema aufgesetzt ist?

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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Bohnanza Fan » 7. November 2011, 19:37

Ich finde, mal von der Beschaffung von Rohstoffen und Nahrung durch Würfel abgesehen, dass Stone Age ein Thema hat und eine Atmosphäre bietet, die auf mich nicht aufgesetzt wirkt.

Wie seht ihr das?

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Lorion42
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Lorion42 » 7. November 2011, 20:07

@Stone Age:
Die Hütten finde ich da irgendwie deplaziert und seltsam umgesetzt. Ich seh nicht, warum man aus allen Rohstoffen Hütten bauen kann, man aber davon abhängig ist, welche Hütte gerade so angeboten wird - bezahlt man hier einen Handwerker? Warum sind die Siegpunkte dann so unterschiedlich?
Dazu dann noch diese Karten: Das Aufrücken ist eine Simulation von Angebot und Nachfrage... aber war das zur damaligen Zeit auch verbreitet? Und warum muss man bestimmte Technologien sammeln, um besonders angesehen im Dorf (= viele Siegpunkte) zu haben? Was für eine Bedeutung haben diese Karten thematisch gesehen?

Ohne Hütten und diese Karten würde ich dir Recht geben: Es ist sehr thematisch... aber teilweise gibt es dann doch Mechanismen, die mich stirnrunzeln lassen. Hier wurde mMn versucht das Spiel etwas strategischer und spannender zu machen, wodurch das Thema dann wieder in den Hintergrund gerückt ist.

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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon lueg » 8. November 2011, 13:49

lorion hat geschrieben:Kennst du ein Spiel, bei dem du nicht den Eindruck hast, dass das Thema aufgesetzt ist?


Naja, ich habe mich dieser Frage bisher eher theoretisch genähert.
Wenn das Thema AUF einen Mechanismus GESETZT wird, ist es "aufgesetzt.
Umgekehrt: wenn das Thema zum Mechanismus führt, SCHEINT es thematisch(er).

Aber das haben wir ja schon einmal bei einer ähnlichen Diskussion erörtert:
prinzipiell ist KEIN Spiel thematisch, weil eine wie auch immer beschaffene Realität durch den Spielmechanismus abstrahiert wird, also immer den Gesetzmäßigkeiten der "Spielewelt" gehorchen muss. Innerhalb dieser "Spielewelt" gibt es KEIN Thema, sondern nur den abstrakten Spielemechanismus, prinzipiell kann ich also jedes Spiel ohne "Thema" spielen.

Aber ich denke es gibt dabei graduelle Unterschiede, die sich nicht zwingend über das Spiel selbst kategorisieren lassen, sondern nur über die Richtung aus der der Autor sich der Sache nähert:
- Orientiere ich mich stärker an der "realen Welt" und SUCHE einen Spielemechanismus, der diese glaubwürdig umsetzt bzw. simuliert?
- Orientiere ich mich stärker an der "Spielewelt" und SUCHE nach einem Thema, das von den von mir gewählten Mechanismen glaubhaft dargestellt werden kann?

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El Grande
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon El Grande » 9. November 2011, 08:42

Nochmal offtopic zu Stoneage:

Ich finde Stoneage war schon vor der Erweiterung eine komplette "Themaverfehlung" und dabei hat der Würfelmechanismus den geringsten Anteil, denn dass ich meine Erträge durch Werkzeuge verbessern kann ist absolut stimmig.

In der Steinzeit hat man weder Ziegel hergestellt, noch Steinbrüche betrieben oder gar Gold geschürft.
Es gab keinen Ackerbau (Jäger und Sammler) und dann muss man noch die Kritik von Lorion zu den Hütten und den Entwicklungskarten hinzunehmen davon abgesehen, dass in der Steinzeit auch höchstwahrscheinlich kaum Dörfer und Hütten gebaut wurden und wenn bestanden diese aus Holz oder Mammutstoßzähnen (als Gerüst) und drüber Felle und Pflanzenteile als Wetterschutz).

Die Erweiterung setzt dem thematischen Unfug von StoneAge allerdings noch die Krone auf. ;)

Aber lassen wir es gut sein, solange es den Liebhabern Spaß macht.
Zuletzt geändert von El Grande am 9. November 2011, 08:43, insgesamt 1-mal geändert.

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Chutman
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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon Chutman » 9. November 2011, 11:05

@El Grande: Stone Age spielt eben in der modernen Steinzeit :D
In den allermeisten Fällen sitzt der Bug etwa 40 cm vor dem Monitor!

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RE: Mechanik & Thematik

Beitragvon lueg » 9. November 2011, 13:23

El Grande hat geschrieben:In der Steinzeit hat man weder Ziegel hergestellt, noch Steinbrüche betrieben oder gar Gold geschürft.
Es gab keinen Ackerbau (Jäger und Sammler) und dann muss man noch die Kritik von Lorion zu den Hütten und den Entwicklungskarten hinzunehmen davon abgesehen, dass in der Steinzeit auch höchstwahrscheinlich kaum Dörfer und Hütten gebaut wurden und wenn bestanden diese aus Holz oder Mammutstoßzähnen (als Gerüst) und drüber Felle und Pflanzenteile als Wetterschutz).


Huiuiui, damit solltest du besser keinen Prähistoriker konfrontieren.
Nach allgemeiner Auffassung hat die "Neolithische Revolution" zu Ackerbau und damit verbunden Sesshaftwerdung (oder umgekehrt?) geführt. Das heißt Hütten oder Dörfer bzw. allgemein: Siedlungen hat es demnach sehr wohl gegeben, ebenso den Ackerbau.
Auch Steinbrüche muss es gegeben haben, auch wenn diese nicht permanent oder extensiv genutzt wurden.
Ziegel aus Lehm hat es zumindest in ungebrannter Form gegeben und da Gold in gediegener Form in der Natur vorkommt (d.h. es benötigt keinen aufwändigen Abbau- und Verhüttungsprozess), würde ich Gold für die Steinzeit nicht definitiv ausschließen wollen.

Anzumerken: inwieweit alle diese Errungenschaften in einer einzigen Region bzw. einem einzigen "Stamm" zusammenfallen ist natürlich eine andere Frage :)


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