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Rezension: GameTek – The Math and Science of Gaming

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Dee
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Rezension: GameTek – The Math and Science of Gaming

Beitragvon Dee » 25. März 2018, 11:18

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Kickstarter und der Autor
Im englischsprachigen Raum ist der GameTek-Podcast aus dem Dice-Tower-Netzwerk unter Brettspielern sicherlich einigen ein Begriff. Ich habe zugegeben bis zu diesem Buch noch nie zuvor davon gehört, auch wenn der Podcast bereits seit über 10 Jahren existiert. Gestolpert bin ich über das Buch bei Kickstarter, für das das 10-jährige Podcast-Bestehen der Anlass waren, dort ein Buch zu finanzieren. Als Mathematiker und Wissenschaftsfanatiker hat mich die Idee begeistert, in einem Buch über die verschiedenen Aspekte des Spielens – konkret anhand von Brettspielen – zu lesen. Und so habe ich die Finanzierung des Buchs ebenfalls unterstützt.

Ob Geoff Engelstein der beste ist, um über Spieltheorie, Mathematik, Psychologie und Spielmechaniken zu sprechen bzw. zu schreiben, kann ich nicht beurteilen. Sein Erfahrungsschatz als Brettspieldesigner (z.B. The Ares Project, The Fog of War oder Space Cadets) helfen aber sicherlich dabei, die Aspekte zu durchleuchten. Eine Professur am NYU Game Center im Fach „Board Game Design“ und ein Abschluss in Physik vom MIT sind sicherlich auch nicht hinderlich.

Mehr zum Inhalt
Über den Inhalt habe ich schon kurz etwas gesagt. Die einzelnen Kapitel des Buches entsprechen den Podcast-Folgen der letzten zehn Jahre, die Geoff Engelstein am besten fand. Natürlich wird mit Spieltheorie angefangen, in dessen Genuss der eine oder andere Mathestudent auch an der Universität kommt – manchmal einhergehend mit praktischen Übungen abends im Hörsaal mit den Brettspielen des Professors. (Und ja, genau so bin ich zum Brettspielen gekommen.)

Aber natürlich spielt auch Mathematik bei vielen Spielen – vor allem, aber nicht nur bei sogenannten „Euro Games“ – eine wichtige Rolle. Ganz vorne mit dabei die Statistik, mit der Grübler versuchen 10 Minuten lang den besten Zug zu berechnen. Auch werden verschiedene Spielmechaniken vorgestellt und deren Besonderheit durchleuchtet.

Aber nicht nur diese „trockenen“ Fachgebiete geht Engelstein in seiner Reihe an, er erweitert das Repertoire glücklicherweise auch um „lebende“ Fächer wie Psychologie – schließlich sitzt man beim Brettspielen (meistens) mit anderen Menschen am Tisch, die man zu verstehen versucht.

Jedes Kapitel ist dabei nur wenige Seiten lang und lässt sich schnell lesen. Die Kapitel sind meist losgelöst voneinander, auch wenn mitunter Bezug auf das eine oder andere vorher oder weiter hinten genommen wird. Prinzipiell muss man das Buch aber nicht zwingend in der vorgegebenen Reihenfolge lesen.

Gefällt mir/gefällt mir nicht
Was gefällt mir an dem Buch besonders? Kommen wir erst zu dem, was mir nicht gefällt. Zum einen sind von den 382 Seiten des Buches ca. 70 Leerseiten. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass ein neues Kapitel immer auf einer ungeraden Seite anfängt, die Kapitel aber fast alle drei Seiten lang sind. Wer kurz nachrechnet, wird feststellen, dass somit eine Seite leer bleiben muss, damit das nächste Kapitel wieder mit einer ungeraden Seite anfängt. Das stört beim Lesen nicht, aber irgendwie ist die reale Seitenzahl doch kleiner als erwartet.

Zum anderen merkt man dem einen oder anderen Beitrag das Alter an. Auch wenn Geoff Engelstein in Fußnoten oft zeitliche Korrekturen einbringt, weil zur Ausstrahlung der Podcast-Folge keine anderen Informationen vorlagen, ist es doch seltsam, ein Buch aus 2017 in den Händen zu halten, was stellenweise veraltet ist. Hier hätte ich mir eine direkte Überarbeitung der Kapitel gewünscht, auch wenn dies natürlich mehr Aufwand gewesen wäre.

Aber genug gemeckert. Was gefällt mir an dem Buch? Vor allem die Beispiele – und von denen die aus dem spieltheoretischen Bereich am meisten. Das Gefangenendilemma ist dabei noch ein alter Hut, wer sich bereits ein bisschen mit der Materie auseinander gesetzt hat. Etwas unbekannter ist das Monty-Hall-Problem/Ziegenproblem. Und auch wenn ich davon bereits zuvor gehört habe und mir das Buch eigentlich nichts Neues gezeigt hat, habe ich erst nach dem Lesen bei dem Erklären des Problems gegenüber einer anderen Person den Beweis erst wirklich verstanden. (Und ja, es ist wirklich die bessere Strategie, das Tor zu wechseln.)

Sehr interessant fand ich auch Quantum Tic Tac Toe, welches normales Tic Tac Toe auf einer höhere Ebene hievt, um so anschaulich ganz ohne Mathematik an die Quantenphysik heranzuführen. Ich habe es bisher einmal gespielt und habe noch keine Ahnung, wie man strategisch an das Spiel herangeht. Der Knoten im Gehirn ist einfach noch zu groß. Und auch das „Beauty Contest“-Problem ist psychologisch hochinteressant und es macht Spaß seine Freunde nach dem Lesen des Kapitels damit zu nerven.

Lohnt sich das Buch?
Ja, auf alle Fälle. Man kann zwar auch die Podcasts hören, aber das ist zeitaufwändiger (zumindest ich lese etwas schneller als einen Beitrag anzuhören) und zusätzlich ist das wiederholte Durcharbeiten in einem Buch einfacher. Und ja, einige der beschriebenen Probleme muss man zwei- oder dreimal lesen, ehe man seinen Kopf wirklich in der Sache hat.

Der Stil ist locker, teils lustig und sehr unterhaltsam. So kann man fast jedes Kapitel in einigen Minuten durchlesen und hat danach (meistens) sogar verstanden, um was es geht. Vor allem aber wegen der Aspekte, die mir in Bezug auf Brettspiele neu waren (vor allem die psychologische Komponente), hat sich der Kauf für mich bereits gelohnt. Dabei werden die Aussagen immer wieder mit Beispielen aus zahlreiche bekannten Brettspielen untermauert, wie z.B. Diplomacy, Euphrat und Tigris, Dominion, Hanabi, Nightfall, Caylus, Cosmic Encounter, Terra Mystica und viele viele mehr.

Wer bei Kickstarter nicht zugeschlagen hat (und am somit ehesten diesen Beitrag hier liest), muss nicht traurig sein, denn das Buch gibt es inzwischen auch im normalen Online-Handel – entweder als gebundene Ausgabe oder etwas preiswerter als E-Book.

Ich werde mein Exemplar (mit Geoff Engelsteins Unterschrift auf der ersten Seite, yeah) jetzt jedenfalls brav ins Regal stellen, wo es sich neben den anderen Spieltheorie-Büchern sicherlich heimisch fühlt. Und ab und an werde ich es sicher auch hervorholen, um einen Vorteil gegenüber meinen Mitspielern zu erhalten – in der Hoffnung, dass die das Buch nicht auch gelesen haben. ;)

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Re: Rezension: GameTek – The Math and Science of Gaming

Beitragvon zuspieler » 25. März 2018, 20:02

Danke für die Rezension und den Hinweis auf das Buch. Ich werde es mir in den kommenden Tagen auch bestellen.


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