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[PEEP] Dungeon Time

Kritiken und Rezensionen: Wie ist Spiel XY?
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Squidy
Brettspieler
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[PEEP] Dungeon Time

Beitragvon Squidy » 17. Juni 2016, 21:03

Ich habe neulich mit einem Freund Dungeon Time gespielt. Es ist ein Koop-Echtzeit-Kartenspiel.

Ein einzelner, größerer Kartenstapel, bestehend aus einigen Missionen und vielen Gegenständen, wird zusammengestellt. Von diesem Stapel werden für jeden Mitspieler Handkarten gezogen. Dann wird in 5 Minuten in Echtzeit ein neuer Kartenstapel gebildet, indem Karten aus der Hand abgelegt werden und die Hand wird jeweils aus dem ersten Stapel sofort wieder ergänzt. Das geschieht mit vielen Diskussionen und Absprachen, denn der neu gebildete (Abwurf)Stapel soll eine gewisse Ordnung haben. Und dann, nach 5 Minuten, wird der neue Stapel ausgewertet/durchgegangen, um zu sehen, ob man das Spiel gemeinsam gewonnen oder verloren hat.
Und jetzt wie der Stapel ausgewertet wird bzw. was man eigentlich bei dem Spiel in den 5 Minuten gemacht hat:
Es gibt 12 verschiedene Items, von denen jeweils mehrere Kopien existieren. Die Missionen benötigen 2-5 dieser Items. Man legt in Echtzeit Items aus der Hand in den Stapel und auch Missionen aus der Hand, von denen man glaubt/weiß, dass die benötigten Items in den Stapel zuvor reingelegt wurden. Die Items werden durch die Mission "verbraucht". Das Problem, warum man nicht einfach unbegrenzt Items in den Stapel legt: Es gibt nur 8 Slots für Items, wobei ein Slot nur 3 Kopien beherbergen kann. Also muss man belegte Slots durch Missionen leer machen, bevor man andere, benötigte Items reinlegen kann. Oder, falls einem bestimmte Items fehlen, legt man aktuell unbenötigte Items ab, um Karten aus dem Anfangsstapel nachziehen zu können, mit der Gefahr, zu viele Slots oder zu viele Items pro Slot zu haben. Und man sollte natürlich die Items gerade in den Slots haben, die man für die jeweilige Mission braucht. Das klingt alles verwirrend aber bereits nach kürzester Zeit im Spiel wird einem vieles sofort klar.

Das Spielgefühl geht in Richtung The Game in Echtzeit, gemischt mit Hanabi, Memory-Aspekten und richtig viel Kommunikation. Und dann kommt die Spannung ins Spiel, wenn man den geformten Kartenstapel umdreht und durchgeht um zu sehen, ob das Spiel gewonnen wurde.
Auf dem Spieltisch braucht man während des Spiels nur Platz für 2 Kartenstapel. Bei der Auswertungsphase dann etwas mehr, u.a. für die Slots.
Bei der Zusammenstellung des Anfangsstapels kann man aus verschiedensten Missionsschwierigkeiten wählen. Damit kann man den Schwierigkeitsgrad sehr schön anpassen und hat nebenbei auch einen hohen Wiederspielwert. Es spielt sich hervorragend zu zweit, bei mehr Spielern wird die jeweilige Kartenhand kleiner aber die Diskussionen und Absprachen werden sicherlich nicht weniger heftig und spaßig. Auch alleine kann man es eigentlich spielen, dann fällt aber die schöne Absprache weg und man erhält vermutlich ein eher gedächtnislastiges Ablegespiel.

Ich halte es für ganz hervorragendes "Spiel des Jahres" Material. The Game war eigentlich nicht so mein Fall, Hanabi schon etwas eher. Ich mag nahezu jede Art von Spielen, meine Boardgamegeek Game Collection hat 1000 Einträge. Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen Kickstarter-Prototypen spielen. Das Setting ist generische Fantasy und die Regeln verwirrten mich beim vorlesen, es schien ein schlichtes Kartenspiel zu sein. Aber was soll ich sagen: Es ist GROßARTIG! Deswegen poste ich auch eine Kritik dazu, da das Spiel viel Aufmerksamkeit verdient. Die Planung und Absprache miteinander macht viel Spaß. Vor allem gegen Ende, wenn sich keiner mehr sicher ist, welche Items noch zur Verfügung stehen oder ob noch Platz in den Slots ist und die Uhr unbeirrt herunterläuft, dreht das Spiel zur Höchstform auf. Und dann kommt die Auswertungsphase, wo man gespannt verfolgt, ob der Plan aufging. Und wenn es dann vorbei ist, will man entweder gleich nochmal spielen, um es diesmal zu schaffen oder den nächsten, höheren Schwierigkeitsgrad angehen.

Meine einzige Kritik an dem Spiel: Es wird per Kickstarter veröffentlicht. Das hat es nun absolut gar nicht nötig und es lässt sich auf kickstarter auch schlecht vermarkten (es hat keine Minis, ist nicht von Eric Lang oder CoolMiniorNot und es ist auch kein Reprint und braucht auch keine exklusiven Stretchgoals). Wieso müssen so viele Spiele durch Kickstarter durch? Ich will es nämlich jetzt selber haben und sofort spielen.
Genau wie Hanabi und The Game und auch jedes andere Spiel wird es sicher auch Spieler geben, denen Dungeon Time nicht recht gefällt. Man sollte wenigstens Versuchen ein Gefühl dafür zu haben, wie viele Slots mit jeweils wie vielen von welchen Items belegt sind und das fordert das Gedächtnis. Außerdem kann die Echtzeitphase vor allem gegen Ende als stressig empfunden werden aber da kann man sicher auch Hausregeln etablieren. Und man sollte auch Spaß an Kommunikation und Koop haben.
Dungeon Time ist von Ares Games (Ringkrieg, Galaxy Defenders, Schlacht der fünf Heere, etc.) und kommt am ich glaube 26/27.06. als Kickstarter. Auf BGG ist ein Video von Beni aus dem Brettspielblog verlinkt.

Macht euch gefasst, das (vielleicht) nächste Spiel das Jahres wurde ursprünglich mal gekickstartert und Ihr könnt dabei gewesen sein!

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