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Pregame: Gedankenspiele - zuspieler.de-Artikel

Kritiken und Rezensionen: Wie ist Spiel XY?
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Pregame: Gedankenspiele - zuspieler.de-Artikel

Beitragvon zuspieler » 20. April 2018, 21:36

Hinweis: Der folgende Artikel von mir wurde 2011 auf zuspieler.de veröffentlicht. Mehr dazu unter viewtopic.php?f=63&t=390396.

Peter Uthess möchte mit seinem Spiel Menschen verändern. Damit das klappt, müssen die Menschen aber zuerst sein Spiel verändern. Bei Pregame gibt es (fast) keine Regeln. Diese entwickeln die Spieler selbst. Dadurch unterscheiden sich alle Partien. Mal dreht sich alles um Gedanken und Taten zum Klimasch(m)utz, mal um persönliche Wünsche, mal um Partnerschaften.

Pregame ist eine Mischung aus Brettspiel, Brainstorming, Teambildung und Gruppenbildungsprozess. Seine Ursprünge hat es im Hartz IV Monopoly, das Arbeitslose entwickelten. Ihre Absicht war es, bei Veranstaltungen auf dem Viktualienmarkt in München das Publikum spielerisch mit den Problemen der verarmten Gesellschaft vertraut zu machen. Am meisten Spaß machte den Autoren dabei nicht das Spiel selbst, sondern die Entwicklung davon. Diese Erkenntnis ist die Idee hinter dem Spiel der Spielentwicklung, dem Spiel vor dem Spiel, dem Pregame. Der offene Ansatz von Pregame – es gibt keine vorgefertigten Regeln – soll die Kommunikation innerhalb der Gruppe fördern. Peter Uthess, Erfinder von Pregame, erklärt in diesem Video, wie das funktionieren soll:

Spielbrett aus leeren Bierdeckeln
Der Mechanismus ist simpel: Der Spielplan besteht aus leeren Bierdeckel-Feldern. Die Spieler würfeln und wandern mit ihren Figuren auf dem Plan vorwärts. Jeder, der auf einem leeren Feld stoppt, personalisiert den Bierdeckel und gibt vor, was Mitspieler, die in Zukunft auf das Feld kommen, machen müssen. Das können Dinge sein, wie von ihrem Lebenstraum erzählen, etwas rot anmalen oder kurz den Raum verlassen. Die Regeln sollen die Mitspieler dazu bewegen, sich über das gewählte Oberthema Gedanken zu machen. Das Ziel des eigentlich ziellosen Spieles: Jeder soll gewinnen, es soll die Kreativität anregen und Menschen motivieren. Mehr noch: „Jeder Mitspieler erlebt und erfährt direkt die Auswirkungen seiner Entscheidung. Jeder lernt, sich und anderen darin zu vertrauen, dass die getroffenen Entscheidungen einen natürlichen Platz in dem sich entwickelnden Prozess einnehmen, der von allen Beteiligten respektiert wird. Die Mitspieler sollen sich über eine längere Zeit emotionale verbunden fühlen“, schreiben die Macher im Internet. Das sind hehre Ziele, doch sind sie auch realistisch?

Pregame polarisiert
Die Erfinder präsentieren Pregame im Moment noch vor allem in Bayern. Da die zuspieler.de-Redaktion größtenteils in Berlin sitzt, hatten wir bisher noch keine Gelegenheit, das Spiel auszuprobieren. So richtig begeistern mag uns das Konzept aber aufgrund des alleinigen Regelstudiums nicht. Auch die Reaktionen bisheriger Testspieler sind gemischt. Einige mögen die grundsätzliche Infragestellung des Mediums Spiels und die Magie, die das Pregame ausstrahlt. Andere langweilte oder verwirrte es. Einige Mitspieler fürchteten sich sogar davor. Und das wiederum spricht für die Idee. Denn ein Spiel, das so starke Gefühle auslöst und Menschen polarisiert kann so schlecht nicht sein.

Finanzierung durch die Masse
So ungewöhnlich wie die Spielidee ist auch die Finanzierung. Die Macher haben mit ihrem Spiel noch viel vor. Sie wollen Pregame-Seminare anbieten, eine überdimensionale Pregame für Messen bauen und das Spiel in Serie produzieren. Dafür brauchen sie Geld und suchen auf der Webseite mySherpas Sponsoren, die sie unterstützen. Die Idee des Portals: Menschen präsentieren ein Projekt, an das sie glauben, für dessen Umsetzung ihnen aber das Startkapital fehlt. Dann rühren sie die Werbetrommel über Freunde, Bekannte, soziale Netzwerke oder die Medien. Ihr Ziel ist es, möglichst viele Sponsoren zu finden. Diese tragen durch ihre finanzielle Hilfe dazu bei, das Projekt zu realisieren. Als Gegenleistung erhalten die Sponsoren vom Projektinhaber Prämien, die in engem Zusammenhang mit dem Projekt stehen.“ Wer 10 Euro spendet, bekommt zum Beispiel einen Zugang zum Pregame-Entwickler-Forum. Für 50 Euro erhält man ein Spielbrett, Figuren, Würfel und 100 leere Spielkarten. Am 1. März 2011 hatten die Macher auf diese Art und Weise immerhin schon 260 Euro gesammelt.

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