Anzeige

Kulturgut Spiel

Allgemeine Spiele-Themen
Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 30. Oktober 2018, 23:53


Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 30. Oktober 2018, 23:55

Es folgt eine Pressemitteilung der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ).

Spiele-Autoren-Zunft hat geschrieben:Premiere: Spiel und Politik im Dialog
Auf den Internationalen Spieltagen Spiel’18 in Essen fand am 25. Oktober erstmals ein öffentliches Gespräch zwischen Vertretern des analogen Spiels und der Politik statt. Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) hatte zusammen mit dem Deutschen Kulturrat die Kulturpolitiker Bernd Petelkau, (MdL, CDU), Helge Lindh (MdB, SPD) und Erhard Grundl (MdB, Grüne) zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, um für das „Kulturgut Spiel“ zu werben.

Im Gespräch mit Prof. Dr. Steffen Bogen (Autor von „Camel up“), Prof. Christian Höppner (Deutscher Kulturrat), Prof. Dr. Susanne Keuchel (Akademie für kulturelle Bildung in Remscheid), Heiko Windfelder (Kosmos Verlag) und Moderator Harald Schrapers (Spiel des Jahres e.V.) wurde nach Möglichkeiten gesucht, das analoge Spiel verstärkt gesellschaftlich zu verankern.

Frau Prof. Dr. Keuchel stellte ihren Einführungsvortrag unter das Motto: „Das Spiel ist nicht nur Inbegriff des Menschlichen, es ist zugleich Motor menschlicher Entwicklung“. In der folgenden Diskussion bestand große Einigkeit darin, dass es sich bei analogen Spielen um ein wesentliches Kulturgut handelt, für dessen Förderung Gesellschaft und Politik in Zukunft verstärkt eintreten sollten. Viel zu oft verenge sich der Blickwinkel auf die Computerspiele, die im Gegensatz zu analogen Spielen verstärkt aus öffentlichen Kassen unterstützt werden.

Nicht nur Prof. Höppner vom Deutschen Kulturrat zeigte sich sehr beeindruckt vom unmittelbaren Anschauungsunterricht zur Lebendigkeit des analogen Spiels auf der Spiel‘18, die von 190.000 Menschen aus der ganzen Welt besucht wurde, sowie von der internationalen Bedeutung der Spielekultur, die viele Wurzeln in Deutschland hat.

Die Forderung der SAZ, der Spieleverlage und des Deutschen Kulturrats, analoge Spiele in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek aufzunehmen, wurde von allen drei Abgeordneten befürwortet. Bernd Petelkau wies auf den Widerspruch hin, dass Spiele zwar in allen öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen werden, sie aber dennoch nicht zum Sammlungsauftrag der Deutschen National­bibliothek gehören.

Herausgehoben wurde die große Bedeutung des Spiels für Bildung und Integration. Die Anerkennung des analogen Spiels als Kulturgut müsse deshalb mit einer verstärkten Wertschätzung einhergehen, z.B. auch mit dem verstärkten Einsatz von Spielen in Schulen und sozialen Einrichtungen.

Die Forderung von SAZ-Geschäftsführer Christian Beiersdorf, für alle Kulturgüter und -leistungen nur sieben Prozent Mehrwertsteuer zu erheben, fand im Publikum viel Beifall. Auch die Kulturpolitiker von CDU, SPD und Grünen stimmten der Forderung zu, z.B. Bücher und Spiele steuerlich gleich zu behandeln.

Mit dieser Veranstaltung und Diskussion wurde ein erster Meilenstein gesetzt. Alle Beteiligten waren sich über die Notwendigkeit einig, diesen Dialog intensiv weiter­zuführen, um dem Kulturgut Spiel zu mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft zu verhelfen.

Hinweis: Eine Video-Zusammenfassung der Diskussion wird in Kürze auf der Website der Spiele-Autoren-Zunft zur Verfügung stehen.

Podium-Foto.jpg
Foto: focus-Medienproduktion/SAZ
Podium-Foto.jpg (251.35 KiB) 3433 mal betrachtet

Benutzeravatar
Der bumsfidele Bergdoktor
Spielkamerad
Beiträge: 29
Wohnort: Steueroase
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Der bumsfidele Bergdoktor » 3. November 2018, 11:06

Lobbyarbeit in eigener Sache, die fünfhundertdreiundachzigste. Und Action!
Wir machen durch bis morgen früh und singen bums, fallera!
website: http://www.wm-einkaeufer.de
twitter: @franz.beckenpower

Benutzeravatar
Peterlerock
Kennerspieler
Beiträge: 416
Wohnort: Köln
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Peterlerock » 3. November 2018, 14:28

Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Lobbyarbeit in eigener Sache, die fünfhundertdreiundachzigste. Und Action!

Schon verrückt, dass die Interessenvertretung der Spieleautoren die Interessen der Spieleautoren vertritt.
Mein Blog (Spieldesign, Spielkritiken, Illustrationen)

Benutzeravatar
Der bumsfidele Bergdoktor
Spielkamerad
Beiträge: 29
Wohnort: Steueroase
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Der bumsfidele Bergdoktor » 3. November 2018, 16:43

Verrückt ist das nicht; nur bewusst einseitig dargestellt und manipulativ. Bisher wird hier der Eindruck erweckt, die Sichtweise der SAZ sei allgemeiner Konsens. Konsens ist aber weder die Forderung zur Definition als "Kulturgut", noch die Forderung nach Förderung; und das noch nicht einmal unter uns Spielern. Konsens herrscht dies´bezüglich bestenfalls unter Autoren, Verlagen und Fachmedien, also Bloggern, Zeitschriften, Videorezensenten und sonstigen freischaffenden Spielejournalisten, denen man guten Gewissens ein Eigeninteresse an dieser Sache "Kulturgut Brettspiel" unterstellen darf.
Wir machen durch bis morgen früh und singen bums, fallera!
website: http://www.wm-einkaeufer.de
twitter: @franz.beckenpower

Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 4. November 2018, 22:42

Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Verrückt ist das nicht; nur bewusst einseitig dargestellt und manipulativ. Bisher wird hier der Eindruck erweckt, die Sichtweise der SAZ sei allgemeiner Konsens. Konsens ist aber weder die Forderung zur Definition als "Kulturgut", noch die Forderung nach Förderung; und das noch nicht einmal unter uns Spielern. Konsens herrscht dies´bezüglich bestenfalls unter Autoren, Verlagen und Fachmedien, also Bloggern, Zeitschriften, Videorezensenten und sonstigen freischaffenden Spielejournalisten, denen man guten Gewissens ein Eigeninteresse an dieser Sache "Kulturgut Brettspiel" unterstellen darf.

Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) macht sich stark für das Kulturgut Spiel, auch aus Eigeninteresse. Das finde ich ebenfalls - so wie Peterlerock - logisch und erwartbar. Das gilt auch für das Engagement der Fachgruppe des Spieleverlage e.V. Ob es unter Bloggern einen Konsens gibt, weiß ich nicht. In der Spiel doch! 2016/02 gab es zum Beispiel ein Pro und Contra zu dem Thema, siehe http://www.nostheide.de/webshop3/produc ... c578b8e6ba. Unabhängig davon: Welchen Vorteil hätten Blogger, wenn Spiele als Kulturgut anerkannt würden?

Unahängig von den Standpunkten der Blogger denke ich, dass es in der Branche einen Konsens zum Thema „Kulturgut Spiel“ gibt. Unter anderem machen sich folgende Institutionen und Organisationen stark dafür:

  • Spiele-Autoren-Zunft (SAZ)
  • Fachgruppe Spiel Spieleverlage e.V.
  • Spiel des Jahres
  • Verband Deutscher Spieliotheken/Ludotheken
  • Spielearchiv Nürnberg sowie das Bayerisches Spiele-Archiv Haar
Oder mit anderen Worten: Alle großen Spieler der Branche wollen das Kulturgut Spiel stärken. Was sich jedoch unterscheidet ist, wie die jeweiligen Institutionen und Organisationen sich für das Kulturgut Spiel stark machen (und vielleicht sogar auch, was sie darunter verstehen).

Benutzeravatar
Günter Cornett
Kennerspieler
Beiträge: 147

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Günter Cornett » 5. November 2018, 03:18

Die einen verstehen unter "Kulturgut Spiel" eben "Kulturgut Brettspiel", andere "Kulturgut Spielen mit Zeug", wiederum andere womöglich "Kulturgut Theaterspiel" o.Ä.

Sieher hierzu auch: Spielen mit Spielzeug soll immaterielles Kulturerbe werden
viewtopic.php?f=7&t=391962&p=434552&hilit=kulturgut#p434467

Also MIT SPIELZEUG => IMMATERIELLES Kulturerbe.
Warum soll Spielen Zeug brauchen um als immaterielles Kulturerbe anerkannt zu werden?

Das ist schon eine etwas verrückte Lobbyarbeit (seitens des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie (DVSI)).
Daher sehe ich auch in Bezug auf die anderen genannten Institutionen und Organisationen zumindest die Frage berechtigt, ob es um das eigene Interesse geht, das Dingens Spiel als Kulturgut anzuerkennen oder um das Spiel(en), wovon der eigene Bereich nur ein Teil ist, nur eine Erscheinungsform. Soll bspw. Fangen oder das Fußballspiel auch miteinbezogen werden?
Im alten spielbox-Forum über mehrere Jahre gesperrt wegen Ankündigung eines Links auf https://boardgamegeek.com/thread/701349 ... rong-cover

Benutzeravatar
Der bumsfidele Bergdoktor
Spielkamerad
Beiträge: 29
Wohnort: Steueroase
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Der bumsfidele Bergdoktor » 5. November 2018, 14:31

SpieLama hat geschrieben:Unabhängig davon: Welchen Vorteil hätten Blogger, wenn Spiele als Kulturgut anerkannt würden?

Prestige? Ist doch toll, wenn man sich auf die Fahne schreiben kann, sich für ein wahnsinnig wichtiges "Kulturgut" einzusetzen, obwohl es de facto regelmäßig nur auf die Befriedigung eines Mitteilungsbedürfnisses einerseits, und auf ehrenamtliches Marketing im Dienste einer Brettspielindustrie andererseits hinausläuft.

SpieLama hat geschrieben:Oder mit anderen Worten: Alle großen Spieler der Branche wollen das Kulturgut Spiel stärken. Was sich jedoch unterscheidet ist, wie die jeweiligen Institutionen und Organisationen sich für das Kulturgut Spiel stark machen (und vielleicht sogar auch, was sie darunter verstehen).

Das glaube ich gerne, denn alle diese "großen Spieler" hätten davon ja einen Mehrwert. Ich sehe andersherum aber nicht ein, warum wir uns als Spieler hier von der Branche vor den Karren der "Kulturgut"-Kampagne spannen lassen und die Forderungen von SAZ und Co. unkritisch übernehmen und ggf weiterverbreiten sollten? Ich finde die Frage nämlich durchaus legitim, warum wir erstens als Gesellschaft den Begriff des "Kulturguts" derart inflationär gebrauchen und somit die bisher als solche anerkannten Kulturgüter abwerten wollen sollten, und warum zweitens ausgerechnet die florierende Brettspielbranche einer Förderung bedürfen sollte.

Daher missfällt es mir auch ausdrücklich, wenn Leute wie du, die als Journalisten eine gesellschaftliche Mittlerrolle einnehmen, sich stattdessen, so mein Eindruck, eher als Erfüllungsgehilfen der Brancheninteressen verstehen.
Wir machen durch bis morgen früh und singen bums, fallera!
website: http://www.wm-einkaeufer.de
twitter: @franz.beckenpower

Benutzeravatar
Mixo
Spielkamerad
Beiträge: 31

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Mixo » 5. November 2018, 15:29

Ich finde es gut, wenn sich Menschen für unser Hobby einsetzen PUNKT

Zur Frage des "Kulturguts Spiel" kann ich nur sagen:

Bild


...pun intended

Manchmal werden Dinge auch wichtiger gemacht, als sie sind.

Mixo, dem der Begriff "Kulturgut Spiel" auf den Puffer geht, sich aber freuen würde nur 7 % statt 19 % Umsatzsteuer auf Spiele zu zahlen...

Benutzeravatar
Günter Cornett
Kennerspieler
Beiträge: 147

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Günter Cornett » 5. November 2018, 15:44

Der bumsfidele Bergdoktor hat geschrieben:Daher missfällt es mir auch ausdrücklich, wenn Leute wie du, die als Journalisten eine gesellschaftliche Mittlerrolle einnehmen, sich stattdessen, so mein Eindruck, eher als Erfüllungsgehilfen der Brancheninteressen verstehen.


Als Behauptung finde ich das jetzt nicht wirklich begründet; als Frage oder zu diskutierende These aber durchaus berechtigt.

Der Eindruck des Vermischens entsteht meiner Meinung auch dadurch, dass der Begriff "Kulturgut Spiel" nicht wirklich inhaltlich diskutiert wird. Da bekommt man den Eindruck, dass es um den - durchaus nicht unberechtigten - Ruf von Zukurzgekommenen geht: "Wenn X anerkannt wird, soll meine Branche auch anerkannt werden" und zu wenig davon ausgegangen wird, was als Kulturgut besondere Beachtung verdiente. Was fällt denn alles unter Kulturgut Spiel, auch jenseits unserer Branche?

In Bezug auf die SAZ zeigte sich diese "Ich will auch berücksichtigt werden"- Haltung vor vier Jahren bei ihrem missratenen Vorschlag, Spielregelwerke gesondert ins Urheberrechtsgesetz aufzunehmen. Es fehlt - so meine ich - einiges an Selbstverständnis: Was macht "Spiel" aus, als Kulturgut, als Regelwerk. Von Journalisten erwarte ich hier Aufklärung, inhaltliche Auseinandersetzung, Definition und Einordnung von "Kulturgut Spiel" ... und allenfalls danach ein sich dafür (oder dagegen?) Einsetzen.
Im alten spielbox-Forum über mehrere Jahre gesperrt wegen Ankündigung eines Links auf https://boardgamegeek.com/thread/701349 ... rong-cover

Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 6. November 2018, 23:53

Günter Cornett hat geschrieben:Von Journalisten erwarte ich hier Aufklärung, inhaltliche Auseinandersetzung, Definition und Einordnung von "Kulturgut Spiel" ... und allenfalls danach ein sich dafür (oder dagegen?) Einsetzen.

Danke fürs Anschubsen. Deine Aufforderung hat mich inspiriert. Ich werde einen spielbox-Artikel über das Thema schreiben.

Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 7. November 2018, 08:12

Gemeinsam mit Dr. Karin Falkenberg bemüht sich Tom Werneck in Bayern um die Anerkennung des Kulturgutes Spiel als immaterielles Kulturerbe. Über die Antragstellung, den Status Quo und die Zukunft dieses Vorhabens berichtet er im Interview mit Jürgen Karla, https://www.spielbar.com/wordpress/2018/11/07/17864/.

Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 10. November 2018, 10:55

Die SAZ hat ein Video der Podiumsdiskussion auf der Spiel 2018 veröffentlicht.

https://www.youtube.com/watch?v=MC_v6pK8IAU

Benutzeravatar
Christian Beiersdorf
Brettspieler
Beiträge: 92

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Christian Beiersdorf » 10. November 2018, 14:33

Wem die komplette Version mit 1:38:00 zu lang ist, kann sich auch die Kurzfassung (28 Minuten) mit den wesentlichsten Aussagen anschauen: [https://youtu.be/qIs5Y_6ZGCI

Benutzeravatar
SpieLama
Administrator
Beiträge: 5847
Wohnort: Wiesbaden
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon SpieLama » 16. Mai 2019, 23:44

Es folgt eine Pressemitteilung der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ).

SAZ hat geschrieben:Wahlprüfstein der SAZ zur Europawahl
Die Spiele-Autoren-Zunft hat die CDU/CSU, SPD, B‘90/DIE GRÜNEN, FDP und DIE LINKE um Stellungnahme zu ihrer Forderung gebeten, ALLE Kulturgüter und künstlerischen Leistungen einheitlich mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz zu besteuern. Überwiegend erhielten wir positive Antworten. Unsere Forderung im Wortlaut:

Wir fordern vom Europäischen Parlament, dass den Mitgliedsstaaten die Option eingeräumt wird, ALLE Kulturprodukte und künstlerischen Leistungen einheitlich mit einem vergünstigten Umsatzsteuersatz – analog zu Büchern und E-Books sowie Tickets zu Theater-, Film- und Musikaufführungen – zu besteuern. Dazu sollten z.B. auch Tonträger und Spiele gehören – unabhängig davon, ob es sich um physische oder digitale Produkte handelt.
Begründung: Der Wildwuchs im Umsatzsteuersatz für Kulturprodukte und künstlerische Leistungen muss im Interesse eines erleichterten Zugangs zur Kultur für alle Bevölkerungsschichten beseitigt werden. Kultur ist Brot für den Kopf und die Seele!


Stellungnahme der CDU/CSU
Das Kulturgut „Spiel“ erfährt eine zunehmende Bedeutung für die Entwicklung von sozialen und kulturellen Kompetenzen in allen Bevölkerungsgruppen. CDU und CSU wollen die Rahmenbedingungen zur Stärkung der Spiele-Kultur verbessern. Nachdem wir einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für digitale Presseprodukte eingeführt haben, streben wir nunmehr weitere Ermäßigungen für Tonträger und Spiele an.

Stellungnahme der SPD
Die SPD will die kulturelle Vielfalt Europas weiter stärken und sie für möglichst viele Bürgerinnen und Bürger erlebbar und erfahrbar machen. Mit der Fortsetzung des erfolgreichen Programms „Kreatives Europa“ bis 2027 und einer Verdopplung des Budgets möchten wir die grenzüberschreitende europäische Kulturkooperation und kreatives Schaffen noch besser fördern. Dazu zählt auch die Entwicklung und Vermarktung von Video- bzw. Computerspielen. Gleichzeitig wollen wir den Zugang zu Kultur für möglichst alle Bevölkerungsschichten erleichtern. Dies kann nur durch mehr Investitionen in kulturelle Bildung, digitale Bildung und Medienkompetenz gelingen. Bildung ist eine Grundvoraussetzung, um kulturelle Teilhabe zu ermöglichen. Mit „Europäischen Kulturschecks“ wollen wir darüber hinaus sozial benachteiligten Jugendlichen den Zugang zu Kultureinrichtungen / -gütern ganz konkret erleichtern.
Durch ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Kulturprodukte kann die Teilhabe am kulturellen Leben einer jeden und eines jeden ebenfalls erleichtert werden. In diesem Sinne wurde im vergangenen Jahr erst der ermäßigte Steuersatz für E-Books und E-Zeitungen auf unser Hinzutun im Rat der EU durchgesetzt. Bei einer möglichen Überarbeitung der grundlegenden europäischen Richtlinie über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem werden wir uns dafür einsetzen, dass bei allen Kulturgütern ein ermäßigter Steuersatz anwendbar ist.

Stellungnahme von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ein vergünstigter Umsatzsteuersatz ist aus unserer Sicht nicht zielführend. Denn einerseits würde dies den, wie Sie treffend schreiben, „Wildwuchs im Umsatzsteuersatz“ am Ende nur noch unübersichtlicher machen und es besteht zudem die Gefahr, dass durch sog. „Mitnahmeeffekte“ am Ende nichts bei den Menschen ankommt.
Wir setzten dagegen auf eine wirksame Unterstützung die auch ankommt. So wollen wir GRÜNE, dass auch E-Sport als gemeinnützig anerkannt werden kann. Wir wollen das ehrenamtliche Engagement im eSport stärken, im Rahmen der Vereinsstrukturen Präventionsmaßnahmen fördern und auch der zunehmenden Kommerzialisierung im eSport etwas entgegensetzen. Auch für die zahlreichen Sportvereine mit eSport-Abteilungen muss endlich Rechtssicherheit geschaffen werden. Die Gemeinnützigkeit ist außerdem wichtig, damit der eSport-Bund Deutschland in Zukunft vom Deutschen Olympischen Sportbund aufgenommen werden kann. Dies haben wir erst kürzlich auch in einem entsprechen Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht (Drucksache 19/5545).

Stellungnahme der FDP
Wir Freie Demokraten wollen ein einfaches und gerechtes Steuersystem. Bürokratischer Aufwand für Steuerpflichtige und Finanzverwaltung sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Im Bereich der Umsatzsteuer bedeutet dies unter anderem, den Katalog der Leistungen, für die EU-Mitgliedstaaten die ermäßigte Umsatzsteuer erheben dürfen, zu verschlanken. Ermäßigte Umsatzsteuersätze sollen in den Mitgliedstaaten künftig nur noch für Leistungen erhoben werden, die einen Bezug zum materiellen und kulturellen Grundbedarf haben. Hierzu gehören für uns auch Tonträger und Spiele.

Stellungnahme von DIE LINKE
DIE LINKE tritt dafür ein, dass für alle Kulturgüter auf nationaler und europäischer Ebene der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7% eingeführt bzw. erhalten bleibt. Sie fordert die generelle Einführung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für alle Kulturgüter und künstlerischen Leistungen analog zu der Regelung wie sie 2018 von der EU für E-Books in den Mitgliedsstaaten ermöglicht wurde. Dies sollte dann auch schnellstmöglich auf nationaler Ebene umgesetzt werden.

Benutzeravatar
Florian-SpieLama
Kennerspieler
Beiträge: 1600
Wohnort: Lünen

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Florian-SpieLama » 17. Mai 2019, 10:16

Ich bin mir nicht sicher, ob da alle mitgekriegt haben, dass es um Brettspiele geht. Aber gut, meine Wahl beeinflusst das jetzt sowieso nicht.

Benutzeravatar
Christian Beiersdorf
Brettspieler
Beiträge: 92

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Christian Beiersdorf » 17. Mai 2019, 14:07

Und ich bin mir nicht sicher, ob hier alle Leser mitbekommen haben, dass es ausdrücklich nicht speziell um Brettspiele geht. Mit solchen speziellen Klientelwünschen lässt sich kein Blumentopf gewinnen und schon gar keine Mehrheiten in den Parlamenten. Daher hat die SAZ auch die Forderung erhoben, ALLE Kulturgüter und künstlerischen Leistungen reduziert zu besteuern. Dass damit AUCH Brettspiele gemeint sind, ist logisch.

Benutzeravatar
Florian-SpieLama
Kennerspieler
Beiträge: 1600
Wohnort: Lünen

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Florian-SpieLama » 18. Mai 2019, 00:45

Mir ist schon bewusst, dass z. B. ausdrücklich Tonträger genannt werden. Dennoch mutet es seltsam an, dass die Antwort der Grünen quasi nur von eSport redet.

Benutzeravatar
Mitspieler
Kennerspieler
Beiträge: 620
Wohnort: in Mecklenburg
Kontakt:

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Mitspieler » 18. Mai 2019, 09:03

Ich sehe es ähnlich wie Florian.

Ja, (leider) wird zwar im Zusammenhang mit der Bewerbung als Kulturgut von allen Beteiligten (anscheinend also auch seitens der SAZ?) bewusst nicht deutlicher zwischen Vidoespielen und Brettspielen differenziert,
aber
dass einige Parteien (auch die SPD, die lediglich von der "Entwicklung und Vermarktung von Video- bzw. Computerspielen" spricht) die Brettspiele gänzlich außer Acht lassen, finde ich schade.

Zum einen, weil gerade diese Computer-und Videospiele aufgrund deren Gewaltsektors
("Ballerspiele", "Egoshooter", ggf verbunden mit der Gefahr einer Spielsucht, die jüngst sogar von der WHO in den Suchtkatalog aufgenommen wurde)
ja auch oftmals verrufen sind und daher nicht gerade vorteilhaft das Gesamtsegment repräsentatieren würden.

Zum Anderen, weil es eine heutzutage leider typische,einseitige Assoziation mit dem Begriff "Spielen" (zumindest bei Spielen von Jugendlichen und Erwachsenen) ist, dass Außenstehende nur an Computer-und Videospiele denken, anstatt andere Spielbereiche (die sogar viel mehr von Kulturgeschichte geprägt sind) mit einzubeziehen. Geade da sollte man (auch als SAZ) das Bewusstsein schaffen, dass es noch ganz andere Spielebereiche gibt als nur Computer-/Videospiele,
nämlich beispielsweise gemeinschaftsfördernde Brettspiele.
**************************************************************************************************************************

Vielversprechende Neuheiten 2019:
Alubari: A Nice Cup Of Tea / Back to Caylus / Foothills / Glen More II: Chronicles / Maracaibo

Benutzeravatar
Christian Beiersdorf
Brettspieler
Beiträge: 92

Re: Kulturgut Spiel

Beitragvon Christian Beiersdorf » 18. Mai 2019, 17:50

Wer die politischen Aktivitäten der SAZ in Bezug auf das Kulturgut Spiel aufmerksam verfolgt, z.B. die Podiumsdiskussion https://www.spieleautorenzunft.de/news/premiere-spiel-und-politik-im-dialog.html in Essen 2018, bei der es ausdrücklich um analoge Spiele ging, braucht sich keine Sorgen zu machen, dass die SAZ diesen Aspekt vernachlässigt. Ganz im Gegenteil!

Die Reaktionen der einzelnen Parteien und deren Kompetenz in diesem Themenumfeld kann man natürlich mit Recht unterschiedlich bewerten.


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 7 Gäste