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[Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Allgemeine Spiele-Themen
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Glumbosch
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[Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon Glumbosch » 3. Januar 2019, 16:21

Liebe Brettspielbegeisterte,
ich habe meine Bachelorarbeit zum Thema Gesellschaftsspiele als Lebenstil geschrieben und dabei auch einige empirische Daten verarbeitet. Vor allem das Literaturverzeichnis dürfte das aktuellste und umfassendste sein was es in deutscher Sprache momentan zu dem Thema Gesellschaftsspiele gibt.
Ich hoffe einige hier finden die Arbeit interessant.

Zuletzt geändert von Glumbosch am 4. Januar 2019, 11:27, insgesamt 3-mal geändert.

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ErichZann
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspielen als Lebensstiel

Beitragvon ErichZann » 3. Januar 2019, 19:34

Interessant aber ich hoffe du hast in der Arbeit Stil geschrieben und nicht Stiel...
Nazi Punks Fuck Off!!


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Glumbosch
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspielen als Lebensstiel

Beitragvon Glumbosch » 4. Januar 2019, 00:08

ErichZann hat geschrieben:Interessant aber ich hoffe du hast in der Arbeit Stil geschrieben und nicht Stiel...


Was ein unschöner Start in dieses Forum. Ich verschenke meine Arbeit und die ernste Reaktion nimmt sich nicht die 5 Sekunden um auf den Link zu klicken. Natürlich habe ich meine Abschlussarbeit mehrfach von freundlichen Menschen lektorieren lassen.

SpieLama hat geschrieben:Danke für das PDF. Ich werde es am Wochenende lesen.


Ich freue mich auf deine Eindrücke. :)

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whorf
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon whorf » 4. Januar 2019, 10:45

Lieber Wolf,
herzlichen Dank für Dein PDF und vor allem, dass Du Dich der Thematik "Gesellschaftsspiele" so angenommen hast. Du hast schön die Multidimensionalität des Themas herausgearbeitet und (natürlich) gezeigt, dass nicht nur ein Trend für das Phänomen verantwortlich ist. Für eine Bachelorarbeit hast Du einen gehörigen Anteil Wissenschaftlichkeit aufgeboten, da hoffe ich sehr für Dich, dass die Gutachter das auch entsprechend gewürdigt haben! So manche Masterarbeit ist da dünner...
Im hochladenen PDF tauchen leider ab S. 24 keine Abbildungen mehr auf, ist wahrscheinlich ein Konvertierungsfehler.
Du hast in der Arbeit geschrieben, dass der Begriff des Spielens bisher nicht eindeutig definiert ist (Bezug auf Rainer Buland). Ich habe mich mal bemüht, in einem Artikel dazu die mir relevanten Aspekte zusammen zu tragen:
https://www.spielen.de/blog/spielen/
Viele Grüße
Jens
"Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." (Friedrich Schiller)

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Glumbosch
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon Glumbosch » 4. Januar 2019, 12:05

whorf hat geschrieben:Lieber Wolf,
herzlichen Dank für Dein PDF und vor allem, dass Du Dich der Thematik "Gesellschaftsspiele" so angenommen hast. Du hast schön die Multidimensionalität des Themas herausgearbeitet und (natürlich) gezeigt, dass nicht nur ein Trend für das Phänomen verantwortlich ist. Für eine Bachelorarbeit hast Du einen gehörigen Anteil Wissenschaftlichkeit aufgeboten, da hoffe ich sehr für Dich, dass die Gutachter das auch entsprechend gewürdigt haben! So manche Masterarbeit ist da dünner...

Danke für dein Lob Jens. Tatsächlich schrieb sich diese Arbeit leichter als so manche Hausarbeit, weil mich das Thema wirklich interessiert hat. Ich bin vor allem stolz darauf als erster eine so solide Datengrundlage zu haben zur Verbreitung von Gesellschaftsspielaktivität. Die öffentlichen Markforschungsdaten hat doch sehr kleine Stichproben.
Ich habe erst vor kurzen damit angefangen mich für Brettspiele zu interessieren und in meinem sozialen Umfeld war es ähnlich. Ich war tatsächlich überrascht, dass Gesellschaftsspiele spielen seit Jahrzehnten so ein Massenphänomen in Deutschland ist und dennoch die Empirie so dünn ist. Die NPD-Group hat sicherlich spannende Daten, wird aber auch sehr viel Geld dafür wollen.
Die Gutachter kamen zu einer ähnlichen Einschätzung wie du, ich bin sehr zufrieden. :)

Im hochladenen PDF tauchen leider ab S. 24 keine Abbildungen mehr auf, ist wahrscheinlich ein Konvertierungsfehler.

In der Tat, da fehlen Bilder! Danke für den Hinweis. Ich habe jetzt eine neue Version hochgeladen, lass mich wissen ob jetzt alles stimmt. Manchmal liegt es auch am verwendeten PDF-Viewer.

Du hast in der Arbeit geschrieben, dass der Begriff des Spielens bisher nicht eindeutig definiert ist (Bezug auf Rainer Buland). Ich habe mich mal bemüht, in einem Artikel dazu die mir relevanten Aspekte zusammen zu tragen:
https://www.spielen.de/blog/spielen/

Ich habe da Buland zitiert. Ich sage "Insgesamt bleibt die Begriffsfindung beim Spiel im allgemeinen Sinne offen". Es gibt schon einige Defintionen. Aber in der Soziologie gibt es keine Ausgearbeiteten Konzepte zu dem was Spiel sein könnte. In der Soziologie aber eher der Normalfall, dass es jeweils ein halbes Duzend gängige Definitionen: Gruppe, Organisation, Krieg,Familie, Gewalt sind alles grundlegende Elemente der Soziologie bei denen das so ist. Bei Spiel sieht es aber so aus, dass es noch nicht mal eine Definition gibt welche in der Soziologie gängig ist. "Eine „Spielsoziologie“ oder „Soziologie des Spiels“ ist nicht auszumachen". Schreibe ich in einem späteren Kapitel von mir.
Deinen Artikel habe ich tatsächlich auch gelesen auf der Suche nach Definitionen, du wirst merken, dass die meißten deiner Quellen auch in meiner Arbeit vorkommen. Auf vieles bin ich auch auf anderen Wegen gestoßen, aber dein Artikel ist wirklich eine gute Übersicht. Zitiert habe ich dann die Primärquellen, ich hoffe du siehst mir das nach.

Hast du Stenrosgelesen? Da wird eher darauf eingegangen was ein Spiel ausmacht z.b. Regeln.

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Sol-o-tourn
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon Sol-o-tourn » 4. Januar 2019, 14:50

Hallo,

hier mal meine Rückmeldung:

1) Zum Verständnis dieses Satzes
" ... vielmehr nur um solche Gesellschaftsspiele, wo die Ausführung der Spielhandlung nicht die eigentliche Herausforderung ist."
Hm, was meinst du? Sind also Geschicklichkeitsspiele (à la 'Make'n Break' und 'Meeple Circus') außen vor?

2) Zur Statistik - a) wie viele Spielen / b) Entwicklung:
a) Du schreibst:
1 Einleitung
... 65% der Deutschen spielen Brett- und Kartenspiele (VuMA 2018, S. 88).
„Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse“, dass 7,9% der Deutschen Brettspiele in ihrer Freizeit spielen (IfD Allensbach 2017b). .....
Andere Markforschungsinstitute behaupten gar, 42% der Deutschen täten dies monatlich

Zitat Ende -> Welchen %-Satz sollen wir nehmen?
Ok, egal, da man in unterschiedl. Quellen auch unterschiedliche Zahlen findet.

b) Viel interessanter, dass es laut deiner Abbildung 17 (die auf Allensbach Bezug nimmt) eigentlich keine signifikante Änderung gibt. Zumindest für mich nicht ersichtlich. Leider schreibst du nur die Zahlen der Leute die ' nie spielen' hin :-(.

3) Spielen = Cocooning?
So und jetzt zu meinem Hauptkritikpunkt, dass Spielen damit zusammenhängt, dass man zu Hause bleibt, besonders die "Viel-Spielenden".
Ich zitiere:
"Es ist also wahrscheinlich, dass die hier als „Spielende“ Kategorisierten zu den „Viel-Spielenden“ zählen. Das ist insofern von Vorteil, als dass damit ein besonders ausgeprägtes Cocooning erwartet werden kann, sofern die Haupthypothese dieser Arbeit, dass ein häuslicher Lebensstil in Gesellschaftsspielen zum Ausdruck kommt, zutreffend ist."
Ist nicht dein Ernst? Ich halte die These, dass Gesellschaftsspiele spielen nur/hauptsächlich in den eigenen vier Wänden stattfindet an sich schon gewagt. Noch besser aber, dass dies bei den "Viel-Spielenden" der Fall wäre. Ich behaupte, gerade bei denen nicht. Welcher 'Freak' findet schon in der Familie Gleichgesinnte? In unserer Stadt gibt es an 4 untersch. Wochentagen Spieletreffs. Und dahin 'flüchten' sich die "Viel-Spielenden" um Ihresgleichen zu treffen - um es mal überspitzt auszudrücken.
Wenn ich (monatl.) zu einem Spieletreff gehe, bei dem ~ 100 Leute sind, würde ich es nicht als 'Cocooning' bezeichnen.

4) BGG als Grundlage
a) Bezug nehmend zu 3)
"lediglich der Schwierigkeitsbereich von 2-2.5 kann seit 2013 einen Zuwachs von mehr als 5% am Marktanteil verzeichnen"
Genau, da finden sich Spiele, die im 'normalen' Familienkreis nicht so oft auf den Tisch kommen. *(siehe Bsp. unten).

b) BGG repräsentativ für Deutschland?
"Aufgrund der Bedeutung des deutschen Spielemarktes für Märkte in aller Welt, nicht zuletzt USA, kann unterstellt werden, dass die Datenbank in Gänze auch für Deutschland aussagekräftig ist."

Ok, darüber kann man streiten. Die dort gelisteten Spiele sind nicht auf Deutschland beschränkt und die User/Accounts schon garnicht -> Ist also zumindest 'fragwürdig'.


5) Eine deiner Schlussfolgerungen legt nahe, dass die Autoren (doch) recht hatten:

"Sie sind qualitativ besser geworden und sprechen verstärkt auch Erwachsene mit anspruchsvollen Spielen an."
Es scheint mir zumindest die einzige, die du nicht in Frage stellst.
:-)

Gruß Tournesol

* Schwierigkeitsgrad von Spielen, laut BGG (kann unter 'Adv. Search' jeder für sich selbst durchführen/nachschauen)
Hier meine Beispiele:
Ethnos 2.00
Jenseits von Theben 2,16
Paper Tales 2,24
Fundament der Ewigkeit 2,33

Istanbul 2,59

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ErichZann
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspielen als Lebensstiel

Beitragvon ErichZann » 4. Januar 2019, 15:53

Glumbosch hat geschrieben:
ErichZann hat geschrieben:Interessant aber ich hoffe du hast in der Arbeit Stil geschrieben und nicht Stiel...


Was ein unschöner Start in dieses Forum. Ich verschenke meine Arbeit und die ernste Reaktion nimmt sich nicht die 5 Sekunden um auf den Link zu klicken. Natürlich habe ich meine Abschlussarbeit mehrfach von freundlichen Menschen lektorieren lassen.



Achtung humorbefreite Zone...finde die Arbeit übrigens ganz gut.
Nazi Punks Fuck Off!!

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Glumbosch
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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon Glumbosch » 4. Januar 2019, 21:33

Hallo Tournesol,
danke für deine Rückmeldung

Sol-o-tourn hat geschrieben:Hm, was meinst du? Sind also Geschicklichkeitsspiele (à la 'Make'n Break' und 'Meeple Circus') außen vor?

ja genau, weil ich mich da zu Sport abgrenzen wollte. Das ist willkürliche Setzung von mir Ansonsten.


Welchen %-Satz sollen wir nehmen?
Ok, egal, da man in unterschiedl. Quellen auch unterschiedliche Zahlen findet.

Genau das ist mein Punkt, man findet extrem viele doch stark Unterschiedliche zahlen. Das liegt zum einem an der Operationalisiserung zum anderen an den kleinen Fallzahlen in solchen umfragen.

Leider schreibst du nur die Zahlen der Leute die ' nie spielen' hin :-(.

anzahl.PNG
anzahl.PNG (18.26 KiB) 587 mal betrachtet

bittesehr


Ich halte die These, dass Gesellschaftsspiele spielen nur/hauptsächlich in den eigenen vier Wänden stattfindet an sich schon gewagt.

Die These ist ja auch allem Anschein nach Falsch, wenn man meiner Analyse der Daten folgt. In der Presse wird aber immer wieder behauptet, dass Brettspiele "ein Rückzug ins Private" sind. Ich glaube das auch nicht. Aber für eine wissenschaftliche Aussage reicht aber nicht ein "kann mich nicht vorstellen, dass Cocooner genügend Freunde zum Spielen haben" in den Raum zu stellen. Ich habe die These wiederlegt. Cocooning ist auch kein "Stubenhockertum".
Es sind eher Leute, die sich nicht so für das politische Leben interessieren. Auch da ist, wenn überhaupt , das gegenteil der Fall.

a) Bezug nehmend zu 3)
"lediglich der Schwierigkeitsbereich von 2-2.5 kann seit 2013 einen Zuwachs von mehr als 5% am Marktanteil verzeichnen"
Genau, da finden sich Spiele, die im 'normalen' Familienkreis nicht so oft auf den Tisch kommen. *(siehe Bsp. unten).

ja richtig. Das Wachstum ist bei Kennerspielen/Hardcore-Spielen.

b) BGG repräsentativ für Deutschland?
"Aufgrund der Bedeutung des deutschen Spielemarktes für Märkte in aller Welt, nicht zuletzt USA, kann unterstellt werden, dass die Datenbank in Gänze auch für Deutschland aussagekräftig ist."

Ok, darüber kann man streiten. Die dort gelisteten Spiele sind nicht auf Deutschland beschränkt und die User/Accounts schon garnicht -> Ist also zumindest 'fragwürdig'.


Das ist korrekt, alles zweifelhafte muss Angezweifelt werden. Aber was habe ich den mit den Zahlen gemacht? Ich habe einen Gesamttrend für den Spielemarkt gezeigt. Ich behaupte die Anzahl der Brettspiele die nicht in Deutschland verfügbar sind, hält sich in Grenzen und stellt keine systematische Verzerrung da. Ich denke jedes Spiel, dass etwas Relevanz für den Massenmarkt hat kommt auch nach Deutschland. Ich habe ja auch die Zahlen der Messe Essen und Luding angeschaut. Klar wären bessere Zahlen denkbar. Aber die BGG Datenbank ist das beste was es kostenlos gibt.


5) Eine deiner Schlussfolgerungen legt nahe, dass die Autoren (doch) recht hatten:

"Sie sind qualitativ besser geworden und sprechen verstärkt auch Erwachsene mit anspruchsvollen Spielen an."
Es scheint mir zumindest die einzige, die du nicht in Frage stellst.


Ja, richtig, Ich glaube die Anlayse der Spielautoren ist am zutreffendsten. Und ich habe jetzt eben auch Daten, die Ihnen recht geben.

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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon SpieLama » 5. Februar 2019, 07:42

Synes Ernst hat unter einen https://www.infosperber.ch/Artikel/Home ... Zeitbudget einen Artikel veröffentlicht. Darin zitiert er auch die Bachelor-Arbeit von Wolf Marvin Weidner .

Synes Ernst hat geschrieben:[...] Weidners Ergebnisse sind nicht überraschend. Viele Menschen, mit denen ich mich übers Spielen unterhalte, sagen mir: «Ich würde sehr gerne spielen, aber ich habe einfach keine Zeit.» Sehr oft sind es junge Eltern, die neben Kindererziehung und Beruf kaum noch für anderes Zeit haben, wie etwa Spielen. Für sie hat die Studie etwas Tröstliches – sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein. Und der betreffende Lebensabschnitt geht schliesslich auch einmal zu Ende, spätestens, wenn aus den Kindern wunderbare Gesellschaftsspielpartner geworden sind … [...]

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Re: [Forschungsarbeit] Brettspiele als Lebensstil

Beitragvon RavnosPhantom » 8. Februar 2019, 04:03

Mal abgesehen, dass das eine sehr schöne Arbeit ist finde ich den Schluss-Satz besonders bemerkenswert:
„Während das Spiel bereits voll im Gange ist, studiert die Soziologie noch die Regeln. Es wäre lehrreich, würden wir einmal eine Runde mitspielen.“

Im wissenschaftlichen Ausblick motivierend und im Kontext der Arbeit geistreich formuliert.
Bravo!


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